Schon um die Jahrtausendwende herum schlugen vereinzelt ein paar Rapper eine Richtung ein, die Battlerap durch Wortspiele, Vergleiche und Übertreibungen bereicherte. In Berlin fielen Lines wie „Wenn ich spritze, holen Kinder ihren Schlitten“, aus Hamburg tönte es „Dein Gesicht und mein Arsch könnten gute Freunde sein!“ - doch den wirklichen Startschuss für unzählige von Rappern dieses Schlages gaben erst Snaga & Pillath mit ihrem Mixtape „Die linke und die rechte Hand Gottes“ im Jahr 2005. Über größtenteils Amibeats klopften die beiden Ruhrpottschwergewichte Sprüche am laufenden Band und schlugen damit in das Battlerap-Genre ein wie eine Bombe, so dass es noch heute, ganze vier Jahre später, maßgeblich vom Punchline-Hype geprägt ist.
Nachdem Illmatic und Ercandize bereits auf dem Debüt-Mixtape vertreten waren, kristallisierte sich nun ein Kreis von Rappern heraus, die einen ähnlichen Style fuhren und Spaß daran hatten, gemeinsam Musik zu machen. So stießen auch Kool Savas und Moses Pelham zu der Bande und es entstand die eher lose „Horndogz Mafia“, die sogar mit ihrem eigenen Tanz bedacht wurde.
Ebenfalls mittlerweile als ein Klassiker aus dieser Zeit ist das Battle „Team Selfmade Records vs. Team Ruhrpott“ vom ersten „Feuer über Deutschland“-Teil zu werten, bei dem Pillath zusammen mit den 45ers gegen Favorite und Shiml antrat und somit fernab von Studioaufnahmen auch mal live seine Entertainer-Qualitäten unter Beweis stellen konnte.
Und nachdem das Movement auch regional ausgebaut wurde und Connections zu Manuellsen, SAW, Decino, Camouflage und den 45ers geknüpft waren, folgten Snaga und PillathManuellsen auf dem Weg nach Hamburg: Deluxe Records Pott war geboren. Euphorisch ob dieser neuen Labelheimat wurde das Debüt-Album „Aus Liebe zum Spiel“ angekündigt, doch haben die Jungs erst noch das Mixtape „Eine Frage der Ehre“ dazwischen geschoben.
Am 29. Juni 2007 folgte dann das sehnlichst erwartete Album „Aus Liebe zum Spiel“. Featuretechnisch war man mit Cassandra Steen, Samy Deluxe und Sido
auf einem noch höheren Level angekommen, doch das Album sollte mehr
sein als eine Weiterführung der bisherigen Mixtapes. Neben den üblichen
Ansagen und Punchlines haben Snaga und Pillath
erstmals über mehrere Tracks hinweg auch ihre nachdenkliche,
erschreckend ehrliche Facette präsentiert. So wurde nach dem Representer „R.U.H.R.P.O.T.T.“ mit Manuellsen der Track „Einen Tag“, ebenfalls mit Manuellsen alias Braheem,
als zweite Single ausgewählt. Während die eine Hälfte der Fangemeinde
diese neue Seite begrüßte, stieß bei der anderen Hälfte die
Themenfelderweiterung eher negativ auf. Nicht wenigen Fans kam die
Punchline-Schiene, also der ursprüngliche Grund, weshalb man Snaga& Pillath hörte, auf dem Album zu kurz.
Nach dem Album wurde es ruhig um die Beiden. Anfang 2009 überraschte Snaga mit der Fard-Kollabo „Talion“, Pillath ließ, abgesehen von einem 16bars.de-Exclusive, weiterhin wenig von sich hören. Nun steht für den 20. November ein neues Snaga & Pillath-Album auf dem Plan. „II“, so der bescheidene Titel, kommt diesmal komplett ohne Features aus und soll die Sound von „Aus Liebe zum Spiel“
weiter perfektionieren. Und auch hier tun sich wieder zwei Lager in der
Community auf: Während die eine Seite der Meinung ist, der Hype der
Jungs wäre vorbei und sie wären in Sachen Punchlines aus anderen Lagern
überholt worden, freut sich die andere Seite auf lange erwartete, neue
Tracks aus dem Ruhrpott. Die ersten zwei Vorboten gibt es bereits:
Ruhig war es geworden um
die drei Hamburger. Einer wandelte auf Solopfaden auf der Suche nach
der Antwort auf die Frage „Was nun“, der Andere kickte über
Reggae-Beats Ansagen „An die Bürger von Konsolien“ und der
Dritte im Bunde drehte die entsprechenden Musik-Videos.
Doch aller guten Dinge
sind bekanntermaßen Drei und so fand man sich zusammen, um die
Überraschung in Form des Hits „Fäule“ per MTViva auf
hungrigen Rap-Fans loszulassen, die auch gleich mit „Blast Action
Heroes“ den Titel der neuen Platte selbst bestimmen durften.
Frei nach Jan Delays Song
„B-Seite“ wurde diese mit „Wer bistn du“ betitelte Nummer
ausnahmsweise auch mal gewürdigt und bekam ein eigenes Video,
wenn auch nur mit Low-Budget-Video. Dafür mit mega
Nina-Hagen-Sample.
Sample übrigens von Nina Hagen.
Auf dem Album fanden sich
Liebeserklärungen an die Heimatstadt („City Blues“) und an
die Musik („God is a Music“), einfache Representer („Stift
her“) bis hin zu sozialkritischen Storytellern („Chili-Chil Bäng
Bäng“/“Wunderschön“). Nicht ausschließlich,
aber gerade wegen des Videos fiel der Gute-Laune-Track „Gustav
Gans“ etwas aus der Reihe.
Hinzu kommen Highlights
wie das extrem witzige „Kake is at the Dampf“ oder das großartige
„Hör weg“, dessen Punk-Pendant „Lasse redn“ der Ärzte
momentan die Radios unsicher macht. Zur Veröffentlichung der Band-DVD gab's dann nochmal
ein extrem aufwändiges Video zu „Morgen Freeman“ samt
Single, auf der sich wiederum ein Dankeschön-Track der Beginner
fand, da das Album auf Platz Eins der deutschen Album-Charts landete,
den man dann aber kaufen musste. Das nenne ich ein nettes Dankeschön.
Nachdem Optik angekündigt hat, demnächst seine Pforten zu schließen, ist das besonders für einen Optik-Artist ein herber Rückschlag - Franky Kubrick. Von Kopfnicker zu FourMusic gewechselt, kam er zu Optik, und nachdem dieses dann auch Geschichte ist, geht die Label-Odyssee in eine neue Runde. Wir werden uns heute seiner Zeit bei FourMusic widmen, sprich - dem Debutalbum "Rücken zur Wand". Nachdem der Name Karibik Frank zum Synonym für Rap-Parodien von Missy Elliott und Snoop Dogg wurde, kam mit dem Album auch das neue Pseudonym "Franky Kubrick", das bis heute Bestand hat. So orientierte sich das Album-Cover, wie auch Robert Styles' "Uhrwerk des Zorns", am Stanley Kubrick-Klassiker "Clockwork Orange".
"Rücken zur Wand", auf laut.de mit 4/5 Punkten ausgezeichnet, reihte Hommage-Zeilen an MC Hammer, Vanilla Ice und Milli Vanilli ("Superstar") an zukunftssichere Erfolgsansagen in Feierlaune ("Prost drauf") und mixt sie mit den üblichen Representern ("Was ist wenn" feat. Phreaky Flave/"Hier kommt Kubrick"), gerne auch mit Live-Einspielern ("Tu's noch mal") versehen, und Liebeserklärungen an Rap ("Hol ihn back" feat. Beneluxus). Die erste Single-Auskopplung "Hypnotisiert" beschränkt sich leider auf wenig innovatives Chick-Girlie-Club-Gelaber.
Solides Ding, aber leider recht langweilig und kaum einfallsreich. In die gleiche Schublade reiht sich dann auch die zweite Single ein, die mit "Rücken zur Wand" den Titelsong des Albums darstellt und von Brisk Fingaz produziert wurde.
Beide Singles leider keine Höhepunkte des Albums. Songs wie das bereits angesprochene "Superstar" oder das inzwischen zum Klassiker avancierte "1000 Meilen" hätten es sicherlich mehr verdient, ein Video zu bekommen, aber es hat wohl nicht sollen sein. Nichtdestotrotz - ein Album bleibt ja auch mit schlechter Single-Auswahl gut, und das ist es definitiv.
Ich hab keinen Überkörper und den Menschen was zu sagen
Aber jeden Monat neue Rhymes wie Bitches ihre Tage!
Ich bin weder Endlessschreiber noch supertalentiert doch rappe gut genug, dass Jeder gegen mich am Mic verliert!
Ein weiterer Schritt in der Karriere der 5 Sterne Deluxe war und ist das Album "Neo.Now". Hab ich mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen und ewig nicht zurück gebracht, weil ich das eine Lied so geil fand und damals noch nicht wusste, wie man CDs brennt. Außerdem gab es das hier nicht zu kaufen und mein Taschengeld ging für Pokémonsticker drauf - oder zumindest so ähnlich. Jedenfalls hat mich die Single "Die Leude" extrem geflasht. Alleine die Hook....woah. Dann bin ich zu der Zeit sehr auf diesen chilligen Hamburg-Style abgefahren und nachdem der Beat mir dann nebenbei auch zusagte, war für mich mal wieder ein Ohrwurm geboren. Übrigens auch n sehr lustiges Video.
Das Album gestaltet sich ziemlich ähnlich. Großteils recht basslastige Beats, die zum Kopfnicken animieren, paaren sich mit lustigen, gewohnt lässigen Texten. Coole Sache. Hervorheben möchte ich dabei noch die Single "Jaja, deine Mudder!" Angucken.
Nachdem ich erstmal wusste, was "Rap" ist und wer in Deutschland so alles dazu gehört, war ich wie besessen von dem Gedanken, mir alles anhören zu müssen, was auch nur irgendwer in der Richtung mal positiv erwähnt hatte. Dazu gehörte unter anderem auch "Rolle mit Hiphop" von Afrob. Am bekanntesten davon dürfte wohl der unbestrittene Klassiker "Reimemonster" sein, welcher Ferris MC featuret.
Zudem gab es eine schöne zweite Single aus dem Album. "Einfach" heißt das gute Stück und featuret die Rapperin/Sängerin Meli, welche momentan für ihr Projekt "Ischen Impossible" unterwegs ist. Ich kann ihr zwar nur wenig abgewinnen und ihre Stimme nervt eigentlich auch unaufhörlich, aber auf dem Track schaffe ich es komischerweise, das mal komplett zu ignorieren.
Ein weiteres Highlight für mich auf dem Album war der Track "Geh ab", dessen Beat alleine schon hammerabgeht. Afrob macht seine Sache gut und verpasst diesem Beat den letzten Schliff, auch mit ner geilen Hook. Leider gibt zu dem Track kein Video, nur zum Thomilla-Remix, welchen ich eigentlich total langweilig finde, wurde ein Video gedreht.
Ansonsten ein ziemlich cooes Album, bei dem das Hören wirklich noch Spaß macht, wenn man es nach ein paar Jahren mal wieder aus dem Regal holt. Wer das nicht kann: Kaufen!
Ich weiß nicht, inwiefern das jetzt
ein Geheimtipp oder schon bekannt ist. Ich kenn Leute, die wunderten
sich, dass ich das Album empfehlen wollte, weil man das ja kennen
würden, und wiederum andere, denen der Typ oder das Album überhaupt
nichts sagte. Manche kennen ihn auch schon und halten ihn für einen
Hippie, andere halten ihn für einen Hippie und feiern ihn trotzdem.
Ich
hab das Album recht spät für mich entdeckt, glaube ich. Kein Plan, wann
das rausgekommen ist. Naja. Wichtig ist - das Ding ist geil. Kehrseite der Medaille
ist eine Scheibe, auf der vermehrt ruhige, nachdenkliche Töne
angeschlagen werden, was im Rap ja heutzutage recht selten geworden
ist. Dies geschieht außerdem noch auf eine Art und Weise, die für mich
mehr als das bekannte 0815-Standard-Reportoire der aktuellen Rap-Größen
zu bieten hat. Die Platte hat zwar vereinzelte Ausfälle, wenn der gute
Damion sich mit einem doch etwas holprig rappenden Kollegen auf einem
Battle-Track versucht und auch das Representen will noch nicht so recht
gelingen, doch wen stört das schon? Die restlichen Track sind dafür
killer. Favoriten sind "Fluchtversuch", "Mit Gefühl", "Dirty Dancing" und das wunderschöne "Siedepunkt", zu dem ich nur zu gern ein Video gehabt hätte. Schade drum. Snippet gibt's HIER, wer einzeln reinhören will, kann das im folgenden Teil tun, braucht allerdings den Realplayer.
Inzwischen gibt's n neues Mixtape plus
neues Album von dem Jungen, bin leider noch nicht dazu gekommen,
genauer reinzuhören, aber Rooftops ist schonmal geil.
Manchmal assoziiere ich komische Dinge miteinander. Gedankensprünge hoch zehn. So kommt es zum Beispiel, dass mir bei einem bestimmten Lied aus Hamburg immer wieder Mario Barth mit seinem "Willst du mit mir gehen - Ja/Nein/Nur Eis essen"-Shirt einfällt. Richtig, ich rede von der 5-Sterne-Deluxe Single. Ist irgendwie geil, auch mal wieder n chilligen Storytelling-Track hören zu können. Außerdem ne Ohrwurm-Hook und n lustiges Video.
Weitaus mehr geschätzt in Rrap-Kreisen ist die etwas schnellere und druckvollere Nummer "Dein Herz schlägt schneller". Der Beat geht mal wieder gut nach vorne, ist aber dennoch nicht zu schnell, um darauf die gewohnt lässigen Styles der 5 Sterne platzieren zu können. Klassiker.
Auch ansonsten ist "Sillium" immer noch recht geil, obwohl für mich besagte Singles immer noch die Höhepunkte des Albums ausmachen. Obwohl der Anruf bei Biz Markie natürlich auch nicht ohne ist. Vielleicht sollte ich auch einfach nochmal reinhören.