Autobahn A2.
Bielefelder Berg.
Wie jeden morgen sitze ich im Bjet-Mobil und fahre zur Arbeit.
Ich skippe zwischen dem Corus86-Song "Original Ghettoblaster" auf dem CD-Player und 1Live hin und her.
Noch ca. 1 km und ich passiere die bekannteste Blitzanlage Deutschlands.
10.000.000. Euro spült sie jedes Jahr in die Stadtkasse Bielefelds. Aber im Dezember wird sie abgebaut, wegen Bauarbeit.
Gelobt sei der Tag an dem das passieren wird.
Zeitsprung.
Es sind gut 3 Stunden vergangen.
"Die Ganze Produktionsplanung sofort zum Chef. Besprechung."
Schlechtes Omen.
Ich gehe auch mit. Nützt ja alles nix. Aber warten wir ab, sage ich mir, vielleicht sagt er ja auch was lustiges zwischendurch, auch wenn es keinen Grund zum lachen gibt eigentlich.
Als wir ankommen und Platz genommen haben beginnt er seinen Monolog.
Die Besprechung ist für 3 (!!!) Stunden angesetzt.
Der Redeanteil anderer Personen (als ihm höchstpersönlich) beträgt maximal eine Minute. Ich habe mitgezählt.
Bisher waren diese Besprechungen Legenden für mich, die ich selbst noch nicht miterleben durfte als Azubi, aber nun ist es soweit.
Zwischendurch reicht ihm Reden in normaler Lautstärke nicht mehr. Er keift los.
"Ihr seid dumm! ich sage es seit 14 Jahren Tag für Tag aber es ändert sich NICHTS! Ich sag euch, wie ihr plant. Ab Sofort:
Ihr nehmt eure Telefone und schmeißt sie in den Müll. Ihr löscht eure Mails oder leitet sie um auf mich. Ich lese diesen Mist dann gern. Dann schaltet ihr euer Gehirn ab und DRÜCKT - EINFACH - NUR - NOCH - KNÖPFE!!!"
Er untermalt jedes Wort des Satzes mit einem Faustschlag auf den Tisch.
Die Getränkegläser hüpfen jedes mal ein Centimeterchen und kommen dann wieder auf dem Tisch zu stehen.
Ein Löffel fällt vom Tisch zu Boden.
Er setzt fort:
"UND, wenn das nicht reicht, DANN werde ich in euer Büro kommen und euch die Stühle wegnehmen oder eure Hemden anzünden! MIR reichts!"
Er holt Luft.
Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Ich mag ihn eigentlich gern, aber diese Anfälle sind einfach zu köstlich um nicht darüber zu lachen.
Herrlich.
Wenn ich die Chefetage brüllen höre, lacht mein Herz.
Nach 3 Stunden sind wir entlassen.
"Zurück an die Arbeit! Ab jetzt ist ALLES anders!"
Ok.
Verstanden.
Die Änderungen betreffen eh mehr die Anderen als mich. Von daher: Alles gut.
Im Büro angekommen geht es sofort weiter wie üblich. Keine Änderung zu spüren.
Ich grinse in mich hinein. Auf bald, Besprechungsraum, sage ich mir.
24.07.2010 - 11:23
Bjet - Besprechung: 10 bis 13 Uhr
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