„Von Doktorspielchen und Spaßbremsen – I used to get it in [insert your village here]!“
1.Sony Deutschland 2009 – Urban Tactics Pt.3!
Manager Rudi und A&R Jean-Pierre sitzen wieder in ihrem gemieteten Cinquecento und sind mittlerweile sich auf dem Weg nach Düsseldorf. Dort befindet sich nämlich das Selfmade-Hauptquartier und in just diesen Hallen haben sich die zwei mit Casper und dessen neuem Chef Slick verabredet. Auf der Fahrt malen sich beide die Zukunft aus.
A&R Jean-Pierre: Glaub mir Rudi, der Casper wird so richtig mördermäßig durchstarten.
Manager Rudi: Jaja, wenn wir es richtig anstellen, dann wird er der deutsche..äh..Eminem. Ja, genau!
A&R Jean-Pierre: Naja, wohl eher ein Eminem mit Skateboard. Und schwarzen Haaren. Und..
Manager Rudi (unterbricht): Jaja, habs ja verstanden. Also gut, dann wird er eben der deutsche, rappende Tony Hawk. Mit schwarzen Haaren. Und Scheitel. Zufrieden?
A&R Jean-Pierre: Hm, ich würde eher sagen, die nachdenkliche Rap-Version von…
Ohrenbetäubender Lärm. Die beiden Sony-Mitarbeiter sind so ins Gespräch vertieft, dass sie mit ihrem Cinquecento aus Versehen das Düsseldorfer Stadteingangsschild rammen.
Manager Rudi: Hm, ärgerlich. Der war nur geliehen. Da wird der Vorschuss, den wir Casper anbieten werden, wohl etwas schmaler ausfallen. Egal, los jetzt!
Zwei Stunden später betreten sie die Geschäftsräume des Labels und stellen verwundert fest, dass Casper nicht anwesend ist.
Slick (leicht verärgert): Na ihr zwei Kobolde, reichlich spät seid ihr dran!
A&R Jean-Pierre versteckt sich ängstlich hinter Manager Rudi, als sich der Labelchef zu voller Größe aufbaut.
Manager Rudi (wagemutig): Ganz locker bleiben, du weiß doch wie das ist. Es gibt immer Business zu erledigen…..stimmt`s?
Slick (amüsiert): Jaja, stimmt schon. Also was wollt ihr denn jetzt eigentlich genau?
Manager Rudi: Naja, eigentlich wollten wir den Casper...äh…also wir...ist er denn nicht da?
Slick (wütend): ICH STELLE HIER DIE FRAGEN, DU AMATEUR!
A&R Jean-Pierre fängt an zu weinen.
Manager Rudi: Gut, dann lassen wir die Katze aus dem Sack. Wir wollten ihn zu Sony holen!
Slick (verschmitzt): Weiß ich doch. Deshalb ist er auch nicht hier. Aber dafür ein paar Freunde von mir. (Zeigt auf eine Gruppe muskulöser Gewalttäter, die aus dem Schrank springen) Das sind alles Mitglieder einer serbischen Kampfsportvereinigung. Und ein Metzger ist auch dabei. Haha. (Zieht einen Säbel aus der Hosentasche) AUF SIE!
Ende
Teil 1
Teil 2
2.Off The Wall!
Fangen wir mal so an: Dieser Tage über Michael Jackson zu schreiben ist weder besonders originell, noch wirklich sinnvoll, denn es hat sowieso jeder seine eigene Meinung zu diesem Menschen. Dennoch will ich nicht darauf verzichten. Über ihn als Person wurde ja schon zur Genüge berichtet und spekuliert, das lassen wir mal weg. Ich will nur kurz ein paar Worte über sein 1979er Album „Off The Wall“ verlieren, da mich dieses sehr früh sehr intensiv geprägt hat. Meine Mutter hat mir dieses Album, aus bis heute unerfindlichen Gründen, auf Kassette zu Weihnachten geschenkt. Das muss so 1991/92 gewesen sein. Es war mein erster bewusster Kontakt mit afroamerikanischer Musik. Nicht das ich darauf als kleiner Junge sonderlich geachtet hätte, aber es klang eben schon anders als Udo Lindenberg oder Gerhard Schöne. Ich habe diese Kassette vom ersten Moment an geliebt. Allein die Art und Weise wie „Don't Stop 'Til You Get Enough“ einsetzt, hat mich fasziniert. Wie er da erst flüstert und dann plötzlich mit dem Einsetzen des Beats total laut und hoch singt…Wahnsinn! Hätte ich damals schon Zugang zu Musikfernsehen gehabt, dann wäre ich heute mit Sicherheit der slickste Tänzer der westlichen Hemisphäre. Ich habe das damals instinktiv gespürt, wie man sich dazu bewegen müsste, aber leider wusste ich nicht wie. Der Rest des Albums steht dem jedenfalls in nichts nach und deshalb hör ich an dieser Stelle auch wieder auf. Ach ja, die Hülle habe ich bis heute noch, nur die Kassette fehlt leider. R.I.P. und Dankeschön an den Helden meiner Kindheit!
3.Politics as (un-)usual!
Endlich. Endlich hat sich mal ein Vertreter des Hip Hop Kulturkreises ein Herz gefasst und sich dem Themenkomplex Palästina/Israel auf intelligente und reflektierte Art und Weise angenommen. Die Rede ist von dem kürzlich via rap.de veröffentlichten Zweiteiler zum Thema „Juden und Araber in Berlin“. Moderiert und erklärt wird das ganze natürlich von Staiger, neben Falk wahrscheinlich der einzige der die nötige Kompetenz besitzt, um so etwas zu machen. Ich will hier nicht den Inhalt wiedergeben, das würde dem Format auch nicht gerecht werden, deshalb schaut es euch einfach mal HIER an. Ich will jedoch ein paar Sachen anmerken bzw. einige Eindrücke mit euch teilen. Grundsätzlich ist es natürlich sehr gewagt, ein so komplexes und konfliktbeladenes Thema in zwei relativ kurzen Beiträgen abzuarbeiten. Das es dennoch sehr gut funktioniert, liegt einerseits an den klug gewählten Interviewpartnern, die von halbstarken Nackenklatschern über sehr reflektierende Musikproduzenten bis hin zu politischen Aktivisten eine sehr große Bandbreite abdeckten, und andererseits an der Annahme, das sich Interessierte sicherlich über diese Beiträge hinaus informieren werden. Fragen kostet ja im Übrigen auch nicht mehr so viel. Bleibt noch zu hoffen das diese Reihe fortgesetzt wird, d.h. das man evtl. in einem Jahr oder nach der nächsten politischen Entscheidung die selben Menschen noch einmal befragt. Würde mich auf jeden Fall interessieren und zwar nicht nur weil ich Halb-Palästinenser bin, sondern auch weil ich der Meinung bin, dass die Thematisierung in einem solchen Format und für diese Zielgruppe längst überfällig gewesen ist. Kudos, Herr Staiger!
4.Return of the Schlaubergerz!
Und wieder ein unheimlicher Fall von „Ich wünsche mir etwas und tataaa…es passiert“, der aber leider wieder keiner ist, da die Kolumne (noch) nicht den gewünschten Einfluss auf die Psyche der Menschheit besitzt. Wird noch! Die Rede ist jedenfalls von Max Herre, der tatsächlich an einem neuen Album zu arbeiten scheint, welches, wie ebenfalls von mir gefordert, nahtlos an den Vorgänger anknüpfen soll. Wir dürfen gespannt sein, ob er noch genügend Hunger und Relevanz besitzt. By the way, wie entwickeln sich eigentlich so die Grundstückspreise in Mitte? Ein anderer Protagonist aus der, in vielerlei Hinsicht, goldenen Ära des deutschen Raps, ist Dendemann und der kommt wohl auch wieder. Vorerst „nur“ auf die Bühne des Hurricane-Festivals, aber vielleicht kann ja der ein oder andere zwischen den Zeilen dieses Interviews lesen bzw. lauschen und weitere Hinweise für ein mögliches Comeback des Wahl-Hamburgers erkennen. Dazu muss ich sagen, dass ich „Gefährliches Halbwissen“ sehr geliebt habe und sämtlichen Nachfolgern genau gar nichts mehr abgewinnen konnte. Leider. Verstärkt wurde dies auch durch einen Konzertbesuch vor drei Jahren, bei dem Dende Tracks aus seinem neuen Album performte. Die Crowd bestand zu 95% aus Studenten-Studenten, ya dig? Das wir selbst mir als Student zu studentisch. Dende ratterte also seine neuen Lieder runter, die ich allesamt langweilig fand und nebenbei wurde noch über Gangsterrapper gelästert, was Meute natürlich super fand. Opferz!
5.Money Is A Major Issue…immer noch!
Zuerst die guten Nachrichten: Nas macht wieder Musik. Und zwar zusammen mit Damian Marley. Für mich als Reggae-Überfan sind das natürlich Über-News und ich freu mich auch überirdisch. Egal, Hauptsache er macht wieder Musik. An der privaten Front, die uns eigentlich nichts angeht, aber über die ich trotzdem schreibe, sieht es ja mehr als finster aus. Seine zukünftige Ex Kelis steht ja nun kurz vor der Geburt ihres gemeinsamen Kindes und offensichtlich sind die monetären Verhältnisse mehr als unklar. Will heißen: Kelis ist pleite und Nas nicht. Er hat ja schon mehrmals angekündigt, dass er ihr so wenig wie möglich zukommen lassen will, was sie wiederrum gerichtlich angefochten hatte. Kurz vor der Geburt wohlgemerkt, eine Zeit in der man ja sowieso nichts Besseres zu tun hat und überhaupt keine Ruhe braucht. Aber Nasty Nas bleibt stur. Patchwork wird das wohl eher nicht. Viel besser geht es schon dem ewig untalentierten und irrelevanten Plies. Bei einem Auftritt schmiss er letztens ganz locker 50.000 $ in die Crowd. Natürlich sind alle ausgerastet und haben sich benommen wie...ja so wie man sich eben benimmt, wenn über einem Hunderte von Scheinen herab segeln. Kennt man ja, oder? Ob es sich dabei um echtes Geld gehandelt hat, ist nicht bekannt, allerdings darf man anhand seiner bescheidenen Erfölgchen den einen oder anderen Zweifel an der monetären Authentizität hegen. Ganz unabhängig davon, ist es natürlich auch moralisch mehr als fragwürdig, wenn man mitten in einer Rezession seinen (eventuellen) Reichtum derart ekelhaft und als Charity Event getarnt zur Schau trägt. FAIL!
6.Party`s over, tell the rest of the crew!
Dieses Jahr wird es keine PopKomm geben. Ja doch, das ist leider die traurige Wahrheit. Ich weiß, wie sehr ihr euch auf diesen Event der Spitzenklasse gefreut habt. So sehr, dass ihr das Geld für die Hinfahrt und den Eintritt gespart habt, bspw. durch den Verzicht auf Splashtickets und feste Nahrung, nur um einmal mit dabei gewesen zu sein, bei Dieter Gornys Industriefete. Der Grund für die diesjährige Absage sind natürlich die sinkenden Verkaufszahlen. Um dem mit neuen, alternativen Vertriebswegen und Geschäftsmodellen entgegenzutreten, könnte man sich natürlich trotzdem treffen. Nein, man müsste es eigentlich tun. Gerade in diesen Zeiten sollten sich die Labels, vor allem die großen, Gedanken über so etwas machen. Stattdessen wird die Messe abgesagt, aus Geldgründen, allerdings mit dem Verweis auf das nächste Jahr, denn da käme sie ja wieder. Fragt sich nur, wie Gorny und Konsorten darauf kommen. Was ist denn nächstes Jahr? Gibt es dann kein Internet mehr? Werden dann plötzlich, wie aus heiterem Himmel und ohne erkennbaren Anlass, Millionen umgesetzt? Wir dürfen gespannt sein und können unser gespartes Geld für andere Dinge ausgeben. Danke, Dieter. PS: Wir sehen uns beim Splash!
7.Gnarls Ailton geht ganz genau NIRGENDWO hin!
Ich habe mich beim letzten Mal wohl nicht deutlich genug ausgedrückt, denn noch immer rappt dieser pseudo-nerdige Harlemese über Nichtigkeiten und noch immer gibt es Menschen, die sich das freiwillig anhören und sogar für gut befinden (Shoutout an Stephan O.) Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte das Kasperletheater jedoch als der Junge allen Ernstes verkündete, er wolle Dilla (R.I.P.) in den Credits erwähnen und ihm irgendwelche inspirierenden Kräfte zuschreiben. Das ganze hatte er so formuliert, dass es auch missverständlich als Beleg für eine mögliche Kollaboration der beiden hätte auslegen können. Das ist natürlich Unsinn, immerhin habe die beiden nie zusammen gearbeitet und es darf auch, wie dies kürzlich SV-Rapper T3 in einem Interview getan hat, stark bezweifelt werden, ob dies überhaupt jemals möglich gewesen wäre. Immerhin war Dilla ein Beat-Gott und Gnarls ist…eben Gnarls. Das hätte nicht gepasst. Nach heftigen Protesten, u.a. von Ma Dukes, nahm der kleine Mr. Ailton den Unfug wieder aus den Credits und ward nicht mehr gesehen. Eigentlich hätte dieser Tage ja sein Debüt über den Teuf..äh Interscope erscheinen sollen, aber irgendwas scheint da wohl schiefgelaufen zu sein. Karma ist ne Schlampe!
8.Murder they wrote!
So, jetzt sind sie weg. Für eine lange Zeit. Ruhe im Karton. Die Rede ist von den beiden New Yoker Rappern Max B. und Tru Life. Ersterer wurde ja schon vor einer Weile verurteilt und Tru Life zieht jetzt nach. Bei beiden war es jeweils kein Handtaschenraub oder Geldfälschung mit dem Kopierer, sondern Mord. Beim frechen Max kommen da allerdings noch Raub und Kidnapping dazu, was das ganze auch nicht besser macht. Jimmy wird es sicher freuen, immerhin hatte sich sein alter Kumpane und Hook-Ghostwriter zu einem veritablen Gegener entwickelt. Das die Straßen des Großen Apfels dabei die ganze Zeit auf Biggavelis Seite standen, ist kein Geheimnis. Das dies für Mr. Jones ein ernst zunehmendes Problem darstellt, auch nicht. Er muss jetzt natürlich mal anfangen einen neuen Deppen zu finden, der ihm Hits schreibt, denn alleine schafft er es nicht (mehr). Oder hat sich irgendjemand hier „Pray IV Reign“ angetan? Tru Lifes ewiger Urlaub dürfte höchstens Jigga ärgern. Immerhin war er ein veritabler Roc-Fußsoldat. Da wird er sich sicher gleich den Memphis zur Brust genommen haben, um diesem noch mal die wichtigste Regel einzuschärfen: Straße war gestern-Schreibtisch ist heute!
9.Mission Hip Hop!
Letztens bekam unser Institut Besuch von zwei Hip Hop Künstlern aus den US of A. Das ganze fand im Rahmen der Hip Hop Awareness Week statt, welche das Battle of the East thematisch umschließt. Klischees galt es dabei sehr schnell abzubauen, denn der eine Künstler war weiß, spielte Gitarre und singsang-rappte sich die Seele aus dem Leib und der andere Gast war ein indisch-stämmiger, Spoken Word Künstler und politischer Aktivist. Also nix mit Dipset und Young Money. Schade. Aber dann auch wieder nicht, denn beide waren äußerst interessante Persönlichkeiten und waren in dem was sie machten absolut überzeugend. Sehr gute und abseitige Musik. Vormittags performten sie in der Vorlesung und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter hielt einen erstaunlich kompetenten Vortrag über Hip Hop und seine Entstehung. Als „The Message“ ertönte, stand der langhaarige Metal-Fan aus der letzten Reihe demonstrativ auf und verließ den Saal. Köstlich. Abends gab es dann noch eine Roundtable Discussion zum Theme „Obama & Hip Hop“, die ich co-moderierte und die mir ebenfalls sehr viel Spaß machte. Auf die bunten, schwachsinnigen Seitenarme des Hip Hops will ich trotzdem nicht (mehr) verzichten, aber solche Ausflüge zum Kern der Sache können ab und an doch sehr hilfreich und befreiend sein. Das klingt sehr esoterisch und wahrscheinlich ist es das auch. Deeper than Rap!
10.Was macht eigentlich…!
Lady Bitch Ray? Um die angehende Doktorandin (oder ist sie das jetzt mittlerweile schon?) ist es verdammt ruhig geworden. Eigentlich hätte man erwarten können, dass sie ihren medialen Hype ausnutzt, um irgendein überaus provokantes Album auf den Markt zu werfen. Spätestens nach ihren Auftritten bei Frau Maischberger und bei den Herren Schmidt und Pocher kannte sie jeder. Und jeder hatte seine spezielle Meinung zu ihr, wobei ich den Eindruck hatte, dass viele von ihrer offensichtlichen „Ich rapp immer übers Ficken, aber ich mach trotzdem meinen Doktor“-Strategie, die wohl gleichzeitig auch als Selbstschutz dienen sollte, gelangweilt waren. Und musikalisch konnte sie auch nie das Level einer (jungen) Lil Kim oder Nicki Minaj erreichen. Viel Lärm um nichts und nebenbei noch Disstracks gegen Savas und Melbeatz, die ebenfalls keiner so recht einzuordnen wusste. Ein kurzweiliges und teilweise recht amüsantes Medienphänomen, für wesentlich mehr hat es dann wohl doch nicht gereicht. A. Schwarzer for the win!
Danke fürs Lesen!

In diesem Sinne-lasst es euch gutgehen und tragt mal wieder eine Ziege beim Motorradfahren…so wie dieser Backpacker! HellsZiegenGäng, Bitches!
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PPS: Übrigens: Rap geht so und so !
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am:28.06.2009 um:15:35