Review: KiD CuDi: Man on the moon


KiD CuDi: Man on the moon


 


 



 


 


Die Geschichte, wie Kid CuDi zu seinem Majordeal mit Universal kam, ist wieder eine dieser typischen Stories, die nur aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten stammen können. Ein junger Musik bzw. Hip Hop-Nerd aus Cleveland, Ohio, zieht nach Brooklyn zu seinem Onkel und hält sich dort mit Gelegenheitsjobs gerade so über Wasser, weil er die Freiheit sucht. Freiheit bedeutete für ihn auch, einfach Musik zu machen, die ihm am Herzen lag. In der Zeit hat er viel über Musik gelernt und somit konnte CuDi seine Fertigkeiten genauer ausbauen. Irgendwann entstand dabei das Mixtape “A KiD named CuDi”, welches über die große Welt der Blogosphäre der Öffentlichkeit präsentiert wurde und seinen Bekanntheitsgrad erheblich steigerte. Zudem zog einer seiner Songs, nämlich “Day n nite” sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Der dazugehörige Remix der Crookers, einem Dance- sowie Uptempo-Produzentenduo aus Italien, brachte den Song nun auch in die Clubs und Discos und verhalf CuDi zu noch größerer Bekanntheit. Irgendwann ging es wirklich Schlag auf Schlag. Er zog sogar die Aufmerksamkeit von Kanye West auf sich und dieser nahm in schnell auf sein eigenes Label “GOOD Music” auf. Durch das Feature, das KuDi auf dem letzten, weltweit erfolgreichen Kanye West-Album “808s & Heartbreak”, wurde sein Hype weiter angefacht.


Die letzten Jahre hat das Internet sich zum Promotion-Medium schlechthin entwickelt. Noch nie konnte man so ein weitreichendes Netzwerk zu Menschen auf der ganzen Welt knüpfen und sein Material unter die Leute bringen. Auch in der Hip Hop-Szene kam es die letzten Jahre immer wieder dazu, dass gewisse Newcomer durch das Internet und insbesondere durch diverse Blogger einen Hype im Netz bekamen. Rapper wie z.b. Drake, Charles Hamilton oder eben auch KiD CuDi wurden so weltweit bekannt, ohne dass sie die Wege der Musikindustrie nehmen mussten. Erst durch diese Internethypes wurde vielen von diesen Rappern zu einem richtigen Plattenvertrag verholfen. Manche jedoch wollen sich bewusst noch etwas Zeit damit lassen und warten auf ein Angebot eines Labels, das in ihnen mehr sieht als nur eine Methode, schnell Geld zu machen. KiD CuDi ist, seit es hieß, dass sein Debutalbum ebenfalls über Universal erscheinen sollte, derjenige von diesen Rappern, dem als erstes der ganz große Durchbruch gelingen könnte, Die Mittel, die Aufmerksamkeit und das musikalische Talent dazu hat er sowieso. Möglicherweise ist er einer der Musiker, die ein neues Zeitalter in der Musikindustrie einleiten. Dies bezieht sich sowohl auf seinen Verlauf, den seine Karriere nahm als auch auf sein musikalisches Verständnis.


Auch wenn CuDis Musikstil der Hip Hop-Ecke zugeordnet wird, reicht sein musikalischer Horizont weit darüber hinaus. Die Beats, die er pickt, enthalten oft nicht nur Elemente aus dem Hip Hop und R'n'B, sondern fast genauso oft welche aus Pop, Rock, Electro, Dance, Uptempo usw. Zudem singt er oft mehr als dass er rappt, wobei es sich bei seinem Gesang auch oft nicht um das handelt, was man unter richtigem Gesang versteht. Oft summt und nuschelt CuDi mit leider und ruhiger Stimme auf seinen Songs. Seine Texte handeln oft von sehr persönlichen Dingen, ohne dass es kitschig wird. Seine Musik klingt verträumt, ohne dass sie langweilig klingt oder nicht ernst genug wirkt. Man merkt deutlich, dass er einer dieser Musikliebhaber ist, die mit verschiedenen Genres aufgewachsen sind und sich nur schwer in eine Schublade stecken lassen wollen. Er ist einer derjenigen, die Musik in erster Linie durch die großen Massenmedien wie das Radio, das Fernsehen und vor allem das Internet kennen gelernt haben. Was ihn und auch viele seiner Fans auszeichnet, ist allerdings, dass er sich nicht mit allein mit dem vernügt, was er vorgesetzt und vorgekaut bekommt. Er sucht selbstständig nach neuen, musikalische Ufern, die ihm zusagen, und lässt diese Einflüsse in seine eigene Musik mit einfließen. Für Hip Hopper mit einer klassischen Ansicht, wie Rapmusik zu klingen hat, mag dies grauenhaft klingen. Für Leute wie Kid CuDi ist es jedenfalls ein Alptraum, den gängigen Normen zu entsprechen und sich somit seiner eigenen, persönlichen sowie künstlerischen Entwicklung im Weg zu stehen. Wegen Leuten wie ihm gewinnt Hip Hop neue Facetten, die überlebenswichtig für diese Musikkultur sind, wenn sie auch in zukunft relevant bleiben will.


 


Nun hat sein Internethype fast schon unmenschliche Erwartungen an sein Debutalbum ausgelöst, erst recht, wenn man betrachtet, was für eine zurückhaltende, bescheidene und schüchterne Person KiD CuDi ist. Er wirkt alles andere als abgehoben, vermutlich scheint er sich auch seiner Situation nicht vollständig bewusst zu sein. Schließlich ist er gerade mal 25 Jahre alt und kann es immer noch nicht glauben, was er da jetzt alles schon erreicht hat. Dennch scheint er sich sehr bewusst zu sein, was er im Studio macht und sein erstes Album kann sich wirlich sehen lassen.


Zuerst muss gesagt werden, dass es ein Konzeptalbum ist, aufgeteilt in 5 Akte. CuDi selbst bezeichnet das Album als den Film zu seiner Fernsehserie, die seine Mixtapes bilden. Das Album erzählt den Verlauf eines Abends bis zum nächsten Morgen und beginnt selbst damit, dass er einschläft, Somit spiegelt dieses Album alles wieder, was ihn eigentlich und sich in seinen Träumen abspielt: Ärger mit Frauen, Existenzängste, Selbstzweifel, schlechte Erinnerungen und vieles mehr. manche Songs haben sogar in Klammern “Nightmare” stehen. Im Verlauf des Albums scheinen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zu verwischen. Das heißt, dass manche Dinge vielleicht so überdramatisch dargestellt werden, wie sie in Wirklichkeit gar nicht sind. Das Album hat auch durchgehend eine sehr verträumte und melancholische Atmosphäre, die perfekt zu nächtlichen Aktivitäten passt. Der Albumtitel ist also von daher nicht von ungefähr gewählt. CuDi schlüpft auf dem Album in die Rolle des notorischen Außenseiters, der das Gefühl hat, nicht in diese Welt und ihre gängigen Normen zu passen. Er ist eben der Mann auf dem Mond, der dort alleine sein Dasein fristet und zusehen muss, wie die Welt sich ohne ihn weiterdreht. Der Mond an sich ist ja auch schon ein Symbol für Dinge wie Romantik oder Sehnsucht und diese Begriffe sind auch Themen auf dem Album. Dennoch scheint er aus eben dieser Situation, allein zu sein Kraft zu schöpfen, weil er dabei merkt, dass er etwas besonderes und einzigartiges ist. Diese Erkenntnis kommt auch am Ende des Albums auf. Doch gehen wir erst einmal Schritt für Schritt vor.


 


Der erste Akt namens “The end of day” beginnt, wie gesagt, mit dem Einschlafen, nämlich dem als Intro fungierenden “In my dreams (Cudder anthem)”. Der Beat des Songs ist extrem langsam und erweckt mit seinen verträumten Sounds, seinem schlafliedähnlichen Gesang und seinen Zeitlupendrums wirklich das Bild, dass da jemand gerade, völlig müde und erschöpft vom Tagesgeschehen, jeden Moment die Augen schließt und einschläft. Dabei wird CuDi bewusst, dass er in seinen Träumen scheinbar tun und lassen kann, was er will und sich somit von seinen Problemen abkenken kann:


 


“I can have anything and everything I ever wanted/ yeah, I can thin of anything and everything I ever needed/ right here in my dreams/ Everything is a okay/ I don't worry 'bout anything/ 'cause everyday, everyday is sunny”


 


Man muss jedoch kein Hellseher sein, dass das ganze anders verlaufen wird, denn unverhofft kommt oft. Auf “Soundtrack 2 my life” kommen im verschiedene Kindheitserinnerungen in den Sinn, die nicht immer schön waren. Der Beat stammt, wie der erste Song, von Emile Haynie und sorgt für eine schön melodiöse und zugleich tanzbare Unterlage für diesen persönlichen Song:


 


“No sitcom could teach Scott 'bout the dram'/ or even explain the troubles that haunted my mom/ on christmas time, my mom christmas grind/ got the most of what I wanted , how'd you do it, mom? huh?/…/ A independent, older sister kept me fly when she could/ but they all didn't see the little sadness in me/”


“I've got some issues that nobody can see/ and all these emotions are pouring out of me/ I bring them to the light for you, it's only right/ this is the soundtrack to my life”


“The moon will illuminate the room/ and son, I'm consumed by my doom/…/I live in a cocoon opposite of Cancun/ where it's never sunny, the dark side of the moon”


“I am happy, that's just the saddest lie”


 


Zudem rappt er dort über seine Familie und über das, was CuDi macht, wenn ihn diese Erinnerungen, vorzugsweise nachts, einholen. Der Text ist somit sehr persönlich, ehrlich und gleichzeitig bildlich. Dieser Song ist CuDi wirklich sehr gut gelungen!


Ein weiteres Highlights ist “Solo Dolo”, mit dem der 2. Akt namens “Rise of the night terrors” heißt. Der Song ist sehr minimalistisch gehalten, CuDi singt oft nur noch irgendwelche Satzfetzen und Worte über diese Stringkompsition von Emile Haynie


 


“Why must it feel so wrong/ when I try to do right?/…/When I'm closing my eyes, I 'm Mister Solo Dolo”


 


Auf “Heart of a lion (Kid CuDi theme music)” spricht CuDi sich schließlich selbst Mut zu, um über all diese Zweifel hnwegzukommen. Mit einem mantraartigen Flow arbeitet er sich auf dem monotonen Pianobeat vor und wirkt hier und da in seinem Bestreben, Mut zu fassen, dennoch etwas verunsichert:


 


“When I recollect how it used to be like David and Goliath/ Kinda like me and the devil tryna rip out my soul”


“At the end of the day, day/ I'm walking with a heart of a lion”


“I can't see ahead of me, so I move in stealth/ Hide and seek within a dream I seem to glide above my horror”


 


Dieses leichte Gefühl an Optimismus und Selbstvertrauen wird jedoch in dem nachfolgenden Song “My world” gleich wieder zerschmettert. Dort erzählt er von seinem Dasein als Außenseiter, als er ein Jugendlicher war und den Mädchen zu freakig erschien, wie er seine Jobs der Musik wegen alle aufgegeben hat und dass er sich von vielen Menschen bis heute unterschätzt fühlt. Danach folgt das ja schon sehr bekannte “Day n nite”, dass auch bei mir schon vor Albumrelease rauf- und runterlief und weltweit die Charts stürmte. Hiermit wird der 3. Akt namens “Taking a trip” eingeleitet. Dieser Song ist einfach mordsmäßig geil und ansteckend! Diese Melodie, dieser Gesang, dieser Text und dieses “What?” im Hintergrund, einfach nur hammer! Die Melodie des Beats soll CuDi ja nach eigenen Angaben ja während einer seiner Nachtschichten in einem seiner ungeliebten Jobs in sein iPhone eingegeben haben. Dieses Gefühl der nächtlichen Unruhe kenne ich auch nur zu gut.


 


“Day and night/ I toss and turn, I kepp stress in my mind, mind/ I look for peace, but see, I don't attain/ why I need for keeps, this silly game we play, play/…/Madness the magnet keeps attracting me, me/ I try to run, but see, I'm not that fast/ I think I'm first, but surely finish last”


“Day and night/ the lonley stroner seems to free his mind at night/ He's all alone through the day and night”


“The girl he wants don't seems to want him too/ It seems the feelings that she had are trough”


 


Der dazugehörige, ebenfalls bekannte Crookers-Remix ist ebenfalls als Bonustrack auf dem Album vorhanden. Hier finde ich aber, dass die hinzugefügten Sounds in der Hook etwas dissonant zum Gesang sind, auch wenn sie dieselbe Töne wie die ursprüngliche Melodie haben. Das Original gefällt mir besser.


 


Dass CuDi einerseits so traurige und persönliche Songs macht und die andererseits aber doch so schön klingen und sogar teilweise einen gewissen tanzbaren Touch haben, macht ihn zu etwas ganz besonderem.


Dann folgt das von Kanye West gelacete “Sky might fall”, das auch schon vor Albumrelease für Begeisterung sorgte. Auch hier beweist sich CuDi als fantasievoller und talentierter Lyricist:


 


“Take what you need from the valley of the hope/ where even if you drown you'll be be floating higher up/ and can say bye, bye, bye/ sky might be falling, but remember you can fly, high”


 


der 4. Akt “Stuck” beginnt mit dem mit coolen E-Gitarren-Riffs versehenen “Alive”. Hier bezeichnet sich CuDi als ein werwolfartiges Monster, das dazu verflucht ist, die für ihn passende Frau zu finden, damit diese seinen Fluch brechen kann. Zugleich ist genießt er es aber auch, sich an den Frauen zu berauschen, die er zwar bekommt, aber die seinen Fluch nicht brechen und seinen Durst nach mehr Frauen nicht stillen können. Dieser innere Konflikt beschäftigt ihn und das drückt der Song aus:


 


“Everytime the moon shines, I become alive”


“I smell her scent and I know I will find her soon, soon, soon/ the one to come and free me from this fate”


“A sexy lady whose pure/ she has the cure / and I hope she can find the man within the beast/ and I hope she saves me from the curse I have to be”


 


“Make her say” feat. Common und Kanye West, der den Song auch produziert hat, enthält Vocalsamples aus dem Song “Pokerface” von Lord ääääh, ich meine Lady Gaga, was mir persönlich schnell auf den Sack geht, da ich den Song von ihr schon fast nich mehr hören kann. Ich finde ihren Song schon gut, aber man kennt ihn schon zu gut. Der Song von CuDi scheint auch als nächste Single vorgesehen zu sein, was ich jetz eher weniger gut finde. Für mich ist dies eine der schwächeren Nummern, da es hier um das altbewährte Groupiethema geht, was wir im Hip Hop schon zu oft hatten.


Auf “Pursuit of happiness” fängt das Album an, fröhlicher zu werden und allmählich merkt man, dass CuDi am Ende seiner nächtlichen Reise ankommt. Der folgende 5. und zugleich letzte Akt “A new beginning” verdeutlicht dies noch mehr. Zuerst kommt das von dem deutschen (!) Produzenten Crada gebaute “Hyyerr” feat. Chip the Ripper. Hier geht es ums Kiffen, was ja auch eines der Klischeethemen von Rapmusik ist. Der schön langsame und entspannte Beat und die Lässigkeit, die CuDi und Chip hier an den Tag legen, können aber dennoch überzeugen. Mit “Up, up away” ist der Mann auf dem Mond dann auch am Ende seiner Reise angekommen und diesen Song kann man mit seiner Gitarrenmelodie getrost als sehr gut gemachten Popsong bezeichnen. Hier überwindet CuDi endlich all seine Zweifel und Ängste und gelangt zu der Erkenntnis, dass er all seine Probleme jederzeit auch regeln und somit überwinden kann:


 


“Those happy thoughts in my head/ I'm feeling like I'm Peter Pan, minus the tights and the fairies/ Happy to see how far I've come to the same place/ It began my dreams imagination/ perfectly at peace so I move along a bit higher”


“I can take care of my mom and my little niece Zuri/ so sing along little mama/ You ain't gotta worry 'bout no drama, no/ I provide for friends and fam and fans/ a Cleveland city grinder man/…/ The key is hope, I never let a motherfucker break me, dog”


 


Hier wird CuDi sich auch seiner Situation bewusst, in der er sich als Künstler befindet. Er hat einen Hype, hat viele Leute, die ihm zuhören und die ihn mögen und somit kann er gar nicht so flasch liegen mit dem, was er so tut. Jetzt liegt es an ihm, etwas daraus zu machen.


 


KiD CuDi wirkt auf seinem Album sehr sympathisch und trotz Hypes alles andere als abgehoben. Dadurch, dass er sich als nicht perfekter Mensch mit einigen Schwächen präsentiert, können sich viele Leute automatisch mit ihm identifizieren. Hier hat man das Gefühl, dass CuDi einen wirklich mit auf seinen Trip nimmt und mit einem selbst dabei spricht. Hinzu kommt sein musikalisch ausgezeichneter Geschmack sowie sein Mut, auch mal gewisse stilistische Grenzen zu überschreiten und Innovationen zuzulassen, ohne dass das Ganze sich unausgereift anhört oder aufgesetzt klingt, nur um eine breitere Masse zu erreichen. Somit könnte dieses Album zu einem Klassiker für einen neuen, futuristischen Hip Hop-Sound werden, der gerade Fuß fasst. Es mag sein, dass er nun zu einem neuen Star am Hip Hop Himmel wird, auch wenn er weder vom Aussehen und Benehmen noch der Musik her dem gängigen, klischeehaften Bild eines Rappers entspricht. Er singt ja sogar hauptsächlich auf diesem Album. Rappassagen sind eher die Ausnahme. Trotzdem braucht Hip Hop Leute wie ihn, denn jede Musikrichtung muss sich zwangsweise weiterentwickeln, um immer noch wichtig zu sein. CuDi ist nur einer von vielen, die genauso denken und Musik machen wie er, es werden noch viele folgen. Wir können also gespannt sein, was und alles noch erwartet. Es wird auf jeden Fall alles andere als langweilig werden.


 


 


Wertung: 5 von 6 Punkten

Review: Raekwon: Only built 4 Cuban linx 2


Raekwon: Only built 4 Cuban linx 2


 



 


2006, als Busta Rhymes ein Interview für das deutsche Hip Hop-Magazin Juice anlässlich seines Soloalbums “The big bang” gab, erzählte er dort auch, dass er 2004 auf dem Splash!, dem wichtigsten Hip Hop-Festival in Deutschland, zusammen mit Raekwon vom Wu-Tang Clan und Mobb Deep über alte Zeiten gesprochen hat. Irgendwann kamen sie auf “Only built 4 Cuban linx” zu sprechen, dem ersten Soloalbum von Raekwon. Dieses Album genießt absoluten Klassikerstatus und ist für einige Leute das beste Hip Hop-Album, das je erschienen ist. Als alle sich dort auf dem Splash! miteinander unterhalten haben, kam Busta Rhymes irgendwann mit der Idee, dass Raekwon doch einen Nachfolger für dieses Album aufnehmen könnte, um zu zeigen, dass auch heute noch echte Hip Hop-Alben aufgenommen werden können, die in die Geschichte eingehen können. Raekwon behielt diesen Gedanken wohl im Hinterkopf, denn bald danach schon hieß es, dass er zusammen mit Dr. Dre, DER Produzentenlegende des Hip Hop überhaupt, an “Only built 4 Cuban linx” arbeite. Es machte sogar die Meldung die Runde, dass Raekwon bei Dres Label Aftermath untergekommen sei, dies hat Raekwon allerdings vor kurzem dementiert.


Leider hat es mehrere Jahre gedauert, bis ein festes Releasedate für das Album genannt wurde. In Szenekreisen ist bekannt, wie anstrengend und langwierig es sein kann, mit Dr. Dre zu arbeiten, da er extrem perfektionistisch veranlagt ist und von den Rappern, mit denen er im Studio ist, sehr viel fordert. Manche glaubten schon, dass das Album nie erscheinen würde.


Vor einigen Wochen jedoch wurden diverse Listeningsessions zu dem Album gegeben und plötzlich war der 11. September 2009 als Releasedate angekündigt. Nun erschien das Album doch nicht über Aftermath und Raekwon gab in Interviews zu verstehen, dass er die letzten Jahre hinweg immer wieder Material für das Album aufgenommen hat und am Ende die Qual der Wahl hatte, was denn jetzt auf das Album kommt.


Zudem versichterte er im Vorfeld immer wieder, dass der Nachfolger auf jeden Fall auch ein Klassiker werden und dem ersten Teil in keinster Weise nachstehen würde. Dies hört man oft von Rappern, bei Raekwon allerdings glaubte man das auch irgendwie. Schließlich hat er sich in seiner Musik nie großartig für waghalsige Experimente interessiert oder in erster Linie auf den großen Topf gefüllt mit Gold bzw. Platin geschielt. Raekwon stand schon immer für lyrisch sowie reimtechnisch höchst ausgefeilte Texte und einen Beatgeschmack, der zwar nichts für mainstreamorientierte Rapfans ist, dafür aber mit einem guten Gespür für harte, dreckige und genickbrechende Produktionen ausgestattet war. Wu-Tang-style eben.


Zum ersten Teil der “Only built 4 Cuban linx”-Reihe ist zu sagen, dass dieses Album zum Klassiker wurde, weil es einfach eine unglaublich faszinierende Aura hatte. das Album erschien 1995 und wurde damals noch hauptsächlich als Kassette gehört. Es wurde auch oft “The purple tape” genannt, in Anspielung an die Grassorte “Purple haze”. Damit sollte suggeriert werden, dass dieses Album genauso süchtig macht wie diese Droge und sein Genuß ähnliche Reaktionen auslöst. Bis heute vergleichen Rapper ja aus denselben Gründen ihre Musik mit Drogen wie Crack, die süchtig machen. Ohne dieses Album gäbe es diese mit einem Augenzwinkern versehenen Sprüche nicht.


Die Inhalte des Album gleichten einem Mafiafilm: hauptsächlich ging es auf dem Album weitgehend um das Darsein eines Crack- bzw. Kokaindealers. Mal waren die Inhalte frei erfunden, der Unterhaltung wegen, mal waren die inhalte vollkommen biographisch, denn Hip Hop-Musik musste 1995 noch weitgehend authentisch sein. Einflüsse bezog dieses Album also sowohl aus dem wahren Leben als auch aus Filmen wie z.b. Scarface. Ghostface Killah, eines der anderen Mitglieder des Wu-Tang Clans, war mit so vielen Features auf dem Album vertreten, dass er sogar auch auf das Cover gesetzt wurde. Zusammen mit Raewkon schlugen sich beide extrem starken Strophen um die Ohren, randvoll gefüllt mit Hammerpunchlines, samuraischwertscharfen Metaphern und tödlichen Vergleichen. Diese Texte, gepaart mit den extrem dreckigen, düsteren, knochentrockenen und unkommerziellen Produktionen von RZA, dem Anführer des Wu-Tang Clans, erschufen eine inhaltlich und musikalisch extrem dichte Atmosphäre, die für diese Zeit komplett neu war. Deswegen ist dieses Album bis heute ein Meilenstein, der auch 14 Jahre später nichts von seiner Wirkung verloren hat und dem Zahn der Zeit erfolgreich Widerstand leistet.


Auf dem neuen Album wird der Bezug zum ersten Teil schon auf optische Weise hergestellt. Wie damals sind Raekwon und Ghostface Killah in ähnlicher Weise auf dem Cover abgebildet. Zudem ist auf dem Bild der CD eine lilane Kassette abgebildet, in Anlehnung auf die Geschichte mit dem “Purple tape”


24 Anspielstationen zählt das Album, Ghostface Killah ist auch wieder sehr oft vertreten und auch sonst befinden sich viele Features drauf. Es sind sowohl einige andere Wu-Tang Clan-Mitglieder wie Method Man oder Inspectah Deck gefeaturet, aber auch andere MCs wie Jadakiss, Busta Rhymes oder Beanie Sigel, die selbst auch für ihre raptechnisch und lyrisch ausgezeichneten Fertigkeiten bekannt sind. Auch von den Produktionen her geht Raekwon keine Kompromisse ein: er pickte lediglich Beats von richtigen Hip Hop-Produzenten, die für harten Sound stehen: z.B. RZA, J Dilla, The Alchemist, Pete Rock und natürlich auch Dr. Dre, der sich für 2 Beats hier verantwortlich zeigt.


Nach außen hin wirkt das alles wirklich so, als ob Raekwon einen neuen Klassiker geschaffen hat. Als vor ein paar Wochen die ersten Listeningsessions zu dem Album abgehalten wurden, haben Medien und diverse Blogger auch ihre Begeisterung zum Ausdruck gebracht, die die ersten, gebildeten Eindrücke bei ihnen hinterlassen haben. Weltweit haben sich Fans und Anhänger des Wu-Tang-Sounds auf dieses Album heiß gemacht. Die Tatsachen, dass die einzelnen Mitglieder des Clans teilweise nur noch mäßige bis gar keine Erfolge haben, die letzten Jahre nicht immer gute Alben veröffentlichten und das letzte, gemeinsame Wu-Tang Clan Album “8 Diagrams” vielen die Schamesröte ins Gesicht trieb, ließen die Erwartungen der Fans nur noch höher steigen. Zudem steckt vielen immer noch der schmerzliche Verlust des verstorbenen und verrücktesten Clan-Mitgliedes Ol' Dirty Bastard aka O.D.B. in den Knochen. Ob Raekwon will oder nicht: im Moment wollen die Leute von ihm, dass er seinen großen Worten große Taten folgen lässt. Er scheint sich dem auch voll bewusst zu sein und zeigt keine Angst oder Verunsicherung. Und um es gleich zu sagen: die Wahrscheinlichkeit, dass er an den Ansprüchen an ihn scheitern wird, ist schon nach dem ersten Hören seines neuen Albums sofort extrem klein geworden!


Sobald man die CD einlegt, wird man sofort von einem schönen, langsamen Intro in diesen geilen Wu-Tang-Film eingeführt. Doch schon bald schlägt der von J Dilla produzierte, erste Song namens “House of flying daggers” in die Gehörgänge ein und es gibt ab dann kein Entrinnen mehr! Raekwon und seine Verbündeten haben ihre Waffen gezückt und werden erst aufhören, alles niederzumetzeln, bis jeder Zweifel an diesem Album im Keim erstickt ist. Dieser Song ist einfach unglaublich energisch! Wie Raekwon, Method Man, Ghostface Killah und Inspectah Deck dort mit messerscharfen Punchlines um sich schießen und das dazu auf einem brutal harten Brett von Beat ist ein wahrer Hochgenuss! Zu diesem Song gibt es übrigens weltklasse Zeichentrick-Video, das genauso gut von Quentin Tarantino stammen könnte. Für mich ist dies auf jeden Fall das beste Musikvideo diesen Jahres! Das sollte man auf jeden Fall gesehen haben! Aber Vorsicht, es fließt einiges an Blut in dem Clip ;)


Raewkon: “I'ma blow regardless, resumee is straight up live/ I shank niggers up for largeries/ speak with the youth in the spot/ eat the fresh food and the crop/ all these hip hoppers eat cock/ you can see me on the street or the yacht/ I'd rather be promotin' your block or buy fresh sneakers with gwops/ yo, I'm a ill dude, always been a real dude/ don't fuck around, I will spill on you and kill you in da field, boo”


Hook: “soldiers in the front, let the heat pump/ troops on the left, fight till the death/ fam on the right, infared lights/ wolves in the back, ready to attack”


Method Man: “Man, it's Staten in this bitch or what/ don't get it twisted, we twist it up and even mix with dust/ see, these fans can't resist to rush/ they're Wu-Tang for life, scared for life, they can't forget the cuts”


Und mit diesem Niveau, das dieser Song besitzt, geht es jetzt WIRKLICH die ganze Zeit weiter! Es ist echt verdammt schwer, hier einzelne Songs als Highlights herauszupicken, da dieses Album wirklich ohne einmal skippen zu müssen durchgehört werden kann. Dies ist ein Merkmal, dass alle (potentiellen) Klassikeralben besitzen. Einige Songs sind auch recht kurz geworden und dauern nur 2 Minuten, dennoch handelt es sich dabei um runde Songs, denen es an nichts fehlt und sie fügen sich in den Fluss des Albums perfekt ein.


“Cold outside” feat. Ghostface Killah & Sugar Bang sorgt mit seinem rührenden, aber dennoch harten sowie unpathetischen Text und diesem langsamen, traurigen Beat vom Icewater Productions für pure Gänsehaut. Besonders die gesungene Hook von Sugar Bang geht extrem unter die Haut:


“When it's cold outside/ and the rain turns to ice/…”


Wenn hier über Kindesmissbrauch, korrupte Politzisten sowie kranke, drogensüchtige oder verstorbene Freunde gerappt wird, kann ich das in jeder Sekunde fühlen. Egal, wie oft diese Zustände, die in vielen Gegenden Amerikas und auch sonst auf der Welt herrschen, in Texten behandelt wurden: hier kann man diesen Schmerz auf erstaunlich nahe Weise nachvollziehen.


Für “Black Mozart” wurde die Titelmelodie der “Der Pate”-Filmreihe mit einer Gruselorgel eingespielt und dadurch lässt das Gänsehautgefühl natürlich nicht nach, Mit “New Wu” kommt etwas später dann der nächste Song, der als Video ausgekoppelt wurde und für Begeisterungsstürme sorgte. Dieses “Wu”-Vocalsample bahnt sich direkt seinen Weg in die Gehörtgänge und lässt einen auch so schnell nicht mehr los. Mit Method Man und Ghostface Killah an der Seite wird wieder ordentlich auf die Kacke gehauen:


Method Man: “Tell a friend, it's that symbol again/ that W, comin' through, bust a shot on your block, gimme an “Suu!”/ Get it right, all my chicks, hold ya tits, let's get it in/ All my niggers take a toke of this weed, let it begin/ (here we go!) yo, y'all already know what it do/ (now throw ya W's up!) back from the slum, it be the Wu”


Raekwon: “Move like 91' romans, clonin' everything/ gents only, the rent's on the stove, I'm in Rome/ Maxed out, Amex style, my team brand bandits/ Make a move and get blown off the planet, baby/ Hold that cannon, just understand we got the whole shit/ padlocked down, my niggers won't have it”


Ghostface Killah: “Jumpin' out of Benz waggons/ my family live up the hill, They call us Bin Ladens, laughing, turbaned up/ niggers get murdered up/ these streets is like radio beef, so watch how the kid turn it up”


Wie man sehen kann, dreht es sich auf dem Album weitgehend um Battlerap oder um das Prinzip des Storytellings und je mehr man davon hört, desto mehr will man davon, es stellt sich einfach kein Sättigungseffekt ein. Munter geht es auf dem von Erick Sermon produzierten “Bagging crack” weiter.


“Better be Menali, start blazin' the place/ coke all on my skin, my eyes is burnin', now I'm wipin' my face/ 'cause shit's good , right, the best in the town/ my little Dominican man and them blessed me/ big prices, let me wrestle them/ down/ keys is like 20 a joint/ for you, gimme 14, flooded with dimes and give ya niggers joy/ Suge Knight the building, take the town over/ then I woke up, there's blood on my left thumb”


Danach folgt “Surgical gloves”, einer meiner Lieblingssongs vom Album, nicht zuletzt, weil der bombige Beat von The Alchemist, meinem Lieblingsproduzenten aus den USA, stammt. Anschließend folgt die erste Großkollabo mit Rappern, die nicht dem Wu-Tang Clan zugehörig sind. Jadakiss und Styles P sind allerdings genauso bekannt, ja sogar gefürchtet, was ihren Ruf als lyrische Killer angeht, Zu dritt wird hier wieder ein Festmahl an Punchlines auf einem Brett von Scram Jones aufgetischt:


Jadakiss: “Bigger ones, bootleg liquor runs/ blow some, nigger, let the earth smoke hit ya lungs, get ya guns/ and the economy is down/ so you already know there's gon' be a lot of hommies in the town/…/niggers in the yard got this on repeat, black/ fuck savin' hip hop, we bringin' the streets back”


Raewkon: “We're onion head niggers, we're gun gooners/ put us together, either on sea or on land, with one ruger/ stop playin', you know we run rap/ you know, we done that, stop frontin', son, put the gun back/ we came with the containers/ besides, we're havin them flamers/ my Mexican men is famous”


Styles P: “Louie loafers on the jack walk gas pedals/ you got the cops with you, you ain't even half-ghetto/…/ mine's in the place, but yours ain't/ so, I'm wearin' war paint till the day that I see the lord saint/ I blow on the purple haze, playin' the purple tape/ fuck with the chef or the ghost, get left with purple face”


Kurz darauf wird mit “Ason Jones” der ruhigste Moment des Albums erreicht, denn dieser Song handelt von O.D.B., dem vor Jahren verstorbenem Clan-Mitglied. Raekwon erzählt auf eindrucksvolle Weise, wie gut er mit ihm befreundet war, wie er ihn in Erinnerung hat und wie sehr er ihn vermisst und doch gleichzeitig liebt:


“Let's toast to the fallen and lost forgotten/ if niggers can hear me then roll up some brokkoli/…/ I will never forget the days we uded to sit back/ days I'll be all up in the crib, listenin', holdin' the line and yo/ I just miss this nigger and now I understand the meaning of love, when I kiss the nigger”


Mit “Have mercy” (geile Kontrabass-Melodie!) , “10 bricks” und “Fat lady sings” (Hier geht die fette Dame auf jeden Fall gut ab, meine Fresse…) geht es mit dem sehr hohen Niveau immer weiter, bis mit “Catalina” der erste Song kommt, der zusammen mit Dr. Dre entstanden ist. Die letzten Jahre konnte Dre nicht mit jeder Veröffentlichung eines Beats überzeugen, manche sind sogar der Meinung, dass er sein Feuer verloren habe. “Catalina” und auch das später folgende “About me” können jedoch überzeugen. Es ist schon faszinierend, wie Dre es mit wenig Mitteln und, wie in diesen Fällen, recht simplen Melodien sowie seinen markanten, einzigartigen Drums doch immer wieder schaft, diese genickbrechenden Banger zu schaffen, zu denen man fast alles machen kann: im Auto cruisen, Zigarren oder andere, gewisse Substanzen rauchen, sündhaft teuren Cognac trinken und andere Sachen, ihr wisst schon…ne?


Besonders “About me”, auf dem Busta Rhymes gefeaturet ist, hat wieder eine dieser edlen, bosshaften und pompösen Pianomelodien, wie die eben nur ein Dr. Dre zustande bringt. Mit Raekwon hat Dre bestimmt noch viel mehr geiles Material aufgenommen und wir können nur beten und hoffen, dass wir dieses Material jemals zu hören bekommen. Denn so, wie man Dre kennt, packt er nur das von ihm stammenden Material auf irgendwelche Alben, das er auch gut genug findet. Vom Rest hört man leider nur selten was.


Mit “Kiss the ring” bitten Raekwon, Inspectah Deck und Masta Killah zu dritt noch einmal jeden im Raum dazu auf, vor dem Wu-Tang Clan auf die Knie zu gehen und ihnen ihre gebührende Ehre zu erweisen. Man kann sich wirklich bildlich vorstellen, wie Raewkon mit je einer schönen, schwarzen Frau an jeder Seite und nem Blueberry-Blunt im Mundwinkel auf einem goldenen Thron sitzt und sich schwer feiern lässt, weil er weiß, dass er den Karren, auf dem die gelbe Wu-Tang-Fledermaus abgebildet ist, mit diesem Album (zumindest zeitweise) aus dem Dreck gezogen hat.


Mit “Walk with me” (schönes Vocalsample!) und “The badlands” (abgefahrene Gitarrenriffs!) , einem Bonustrack exklusiv für Europa, findet “Only built 4 Cuban linx 2″ auch einen würdigen Abschluss.


Am Ende bleibt einem wirklich nichts anderes übrig als vor Raekwon the Chef auf die Knie zu gehen und den Hut zu ziehen. Der “Gourmetkoch für Lyrics”, wie er sich ja mal bezeichnet hat, hat ein Festmahl aus 24 Gängen gezaubert, dass mindestens genauso gut schmeckt wie das, was er 1995 hergerichtet hat. Es ist zwar ähnlich, aber nicht dasselbe. Es ist wirklich erstaunlich, das er es geschafft hat, aus denselben, alten Zutaten von früher und einigen neuen Zutaten so ein klasse Album zu schaffen. Es ist retro, ohne anachronistisch zu wirken. Es entspricht überhaupt nicht dem aktuellen Sound von Hip Hop und ist trotzdem fesselnd. So und nicht anders macht man, ich sage mal, modernen Old School Hip Hop. Dieses Album hat definitiv das Potential, ein weiterer Klassiker zu werden. Auf jeden Fall zählt es zu den stärksten Alben, die diee letzten Jahre erschienen sind und dürfte das stärkste Soloalbum eines Wu-Tang-Rappers seit “Supreme clientel” von Ghostface Killah aus 2000 sein. Wer hier kein Ohr riskiert, hat definitiv etwas verpasst!


 


 


Wertung: 5,5 von 6 Punkten!

Review: Jay-Z: Blueprint 3


Jay-Z: Blueprint 3:


 


 



 


 


 


11. September 2001: jeder weiß, was an diesem Tag geschehen ist. Für die Welt war es eines der prägendsten Ereignisse, die jemals passiert sind. Für jemanden wie mich, der noch so jung ist, war es auf jeden Fall das bis jetzt größte Thema, das jemals in den Medien behandelt wurde.


An demselben Tag ist auch ein Album erschienen, das die Hip Hop-Szene komplett ändern und eine neue Ära in Sachen Sound einleitete. Es handelte sich um “Blueprint”, das 5. Soloalbum des New Yorker MCs Jay-Z. 13 Songs plus 1 Hidden Track und Eminem als einziges Rap-Feature (Bis heute ist ein Großteil immer noch der Meinung, dass Eminem Jay-Z mit seiner Strophe in Grund und Boden gestampft hat). Nicht zu Vergessen der damalige, gleichzeitig verlaufende Beef mit einer anderen New Yorker Raplegende, Nas. Dieser Beef zählt bis heute zu den spannendsten Ereignissen, die jemals im Hip Hop passiert sind und und die mit Rivalitäten zu tun hatten. Mittlerweile haben sich ja beide schon längst vertragen und sogar schon Kollabosongs aufgenommen.


“Blueprint” wird neben seinem Debutalbum “Reasonable doubt” und dem “Black album”, mit dem Jay-Z 2003 eigentlich einen Schlussstrich unter seine Karriere ziehen wollte, als waschechter Klassiker und Meilenstein in der Hip Hop-Geschichte gesehen. Die meisten Beats des Albums stammten von 2 neuen Produzenten, die bis dato weigehend unbekannt waren: Just Blaze und Kanye West. Beide wurden danach zu Hitgaranten erklärt und genießen bis heute eine hohe Nachfrage, was ihre Beats angeht. Im Falle von Kanye West kam es sogar dazu, dass dieser als Rapsolokünstler eine sehr erfolgreiche Karriere startete.


Die Beats, die diese beiden produziert hatten, boten ein völlig neues Klangbild, das bis dahin in der New Yorker Szene noch nicht da gewesen ist. Rap aus NY war eigentlich immer hart, düster und ruff: man denke nur an Mobb Deep, den Wu-Tang Clan, Gang Starr oder die gesamte Ruff Ryders-Crew. Die Beats waren hart, teilweise dreckig und oft nach einem minimalistischen Prinzip gebaut, sie waren sogar recht antimainstream, weil die Melodien eben nicht immer einen tanzbaren oder fröhlichen Touch hatten. Doch Jay-Z war nie einer von den Rappern aus NY, die Anhänger dieses Sounds waren. Er war eher jemand wie Notorious B.I.G., eines seiner großen Vorbilder: er mochte es, den smarten Ladykiller und Player zu geben, der es sich leisten kann, zu protzen, einfach weil er verdammt gut rappen kann.


Just Blaze und Kayne knüpften ihm den dafür passenden Songteppich aus diversen, ausgewählten Soul- und R'n'B-Samples, legten satte, aber nicht zu harte Drums inklusive Claps drüber und Jay-Z rappte auf jeden Beat den exakt passenden Text. Die Songs steckten voll musikalischer Schönheit, zum ersten mal öffnete sich Jay-Z auch richtig auf den Songs und erzählte von persönlichen Themen, die nichts mit Frauen, Geld oder dem Leben eines Players zu tun hatten. Um es mit einem Wort zu sagen, das Album war erwachsen. Die restlichen Jahre danach sollte Rap aus NY eine neue Ära durchlaufen, von Bedstuy in Brooklyn bis hin nach Uptown-Harlem rappten MCs nun auf samplebasierten, voll Soul steckenden Samples mit gepitchten Vocals. Es wurde ein Schritt hin zu einer neuen, musikalischen Offenheit gewagt.


Nun, am 11. September 2009, 8 Jahre nach dem ersten Blueprint, erscheint “Blueprint 3″. Über den zweiten Teil aus 2002 gibt es nicht viel zu erzählen außer das es viele, belangslose Tracks auf diesem Doppelalbum gab, es somit logischerweise viel zu lang war und das es viel zu viele Features hatte, Es ist also schon vom Aufbau her ganz anders als der erste Teil.


Der dritte Teil ist wieder kürzer und etwas kompakter, es sind 15 Songs drauf und auch recht viele Features, diese beschränken sich jedoch diesmal weitgehend darauf, dass sie lediglich die Hooks des Albums performen. Jay-Z dürfte klar sein, dass er mit diesem Album etwas beweisen muss, den sein unantastbarer Thron als beinahe unfehlbare MC-Legende steht in gewissem Maße auf dem Spiel. Wie eben erwähnt, mit dem “Black album” schuf er einen Meilenstein, der sein letztes Album hätte sein sollen. Jahre später jedoch kam die Meldung, dass er ein neues Album namens “Kingdome come” releasen werde. Und ich bin nicht der einzige, der findet, dass dies das belangloseste und schwächste Jay-Z Album überhaupt ist. Von dem Album blieb auch nach mehrmaligem Hören nichts im Kopf hängen. Stimmen wurden laut, dass er zu alt sei für Rap, dass er den Hunger und den Ehrgeiz verloren habe oder dass er so schwach sei, weil er offen zugebe, Rap nur noch als eine Art Hobby zu betreiben.


Danach folgte “American gangster”, ein Album inspiriert von dem gleichnamigen Film mit Denzel Washington, der sich um den Drogendealer Frank Lucas drehte. Jigga meinte, dass der Film ihn an seine Jugend erinnert habe und er dies als Grundlage für sein nächstes Album benutze. Ich finde, dass dieses Album bis heute krass unterschätzt wird, denn es war viel stärker als “Kingdome come”. Ein Großteil der Fans und auch der Medien sah dies allerdings anders. Der Schatten des übermächtigen Black Album schien für ihn unüberwindbar zu sein, ein Segen und ein Fluch zugleich, dass er mit diesem Album einen Klassiker schuf.


Wenn Jay-Z sein nächstes Album “Blueprint 3″ nennt, dann ist dies eine Ansage: er will den Leuten zeigen, dass er es immer noch kann. Auch wenn er dabei in Interviews gewohnt locker sowie altersweise wirkt und den Eindruck erweckt, keinen Druck zu spüren. Das war schon immer so, er ist für Rap das, was Michael Jordan für seine Chicago Bulls war: eine coole Gallionsfigur, die für jede Situation die passende Antwort parat hat und am Ende immer als Sieger dastand, weil er recht meistens behielt und die richtigen Entscheidungen traf. Nur ist Michael Jordan auch nach einer sehr erfolgreichen Karriere mit mehreren Meisterschaftstiteln auf dem Höhepunkt seiner Karriere zurückgetreten und kam Jahre später wieder zurück. Und auch wenn er für sein Alter sehr gut gespielt hat, für manche bekam das Bild des perfekten Basketballspielers in dem Moment ein paar unschöne Makel, weil sein neues Team nicht mehr um den Titel mitgespielt hat. Genauso ist es bei Jay-Z. Deshalb wird die Hip Hop-Welt diesmal auch wieder genau hinschauen, was er hier macht und sie wird es ihm nicht leicht machen.


Gehen wir einfach mal Schritt für Schritt bei dem neuen Album vor: der erste Song “What we talkin' bout” greift dieses Thema mit den Zweifeln, die viele an ihm haben, in gewissem Maße auf. Jay-Z präsentiert sich auf diesem rapmarschmusik-artigem, nach vorne gehenden und recht pompösen Beat selbstbewusst und wehrt die Vorwürfe an ihm mit cleveren Lines ab, die zeigen sollen, dass er in seinem Glauben an seine Fähigkeiten immer noch stark ist:


“I'm talkin' 'bout real shit, them people playin'/ What is y'all talkin' 'bout? I don't know what y'all sayin'/ people keep talkin' 'bout “Hov, take it back!”/ I'm doin' better than before, why would I do that?”


“I don't run rap no more, I run the map/ a small part of the reason the president is black/ I told him I got him when he hit me on the jack/ talkin' 'bout progress, I ain't lookin' back”


Der Opener des Albums ist jedenfalls sehr stark und es geht auch wirklich stark weiter. “Thank you” hat mir mit der dritten Strophe ein Grinsen ins Gesicht gezaubert, weil ich immer wieder verwundert bin, woher dieser Mann diese krassen Ideen für seine Texte herholt:


“I was gonna kill a couple rappers, but they did it to themselves/ I was gon' do it with the flow, but they did it with their sales/ I was gon' 9/11 them. but they didn't need the help/ And they did a good job, them boys is talented as hell/ 'cause not only did they brick, they put a building up as well/ They ran a plane into that building an when the building fell/ ran to the crash site with no masks and inhaled/ toxins deep inside their lungs until both of them was filled/ Blew a cloud out like an L into a jar and took a smell/ 'cause they heard that second hand smoke kills/ niggers thought they was ill, found out they was ill/ and it's like you knew exactly how I wanted you to feel”


Hier zeigt sich eben mal wieder, was für lyrische Fertigkeiten der Mann besitzt und wie er andere Rapper zerfetzen kann wie eine nasse Zeitung, Wahnsinn!


Die beiden ersten Songs wurden von Kanye West produziert, der auch noch mehr auf diesem Album gemacht hat und bis hierhin fühlt sich das Album schon sehr gut an, es klingt vom Sound her ähnlich wie das erste Blueprint, ohne es zu kopieren.


Der dritte Song namens “D.O.A. (Death of Autotune) war die erste Single- sowie Videoauskopplung des Albums und sorgte für eine Menge Gesprächsstoff. In diesem Song erklärt er den Autotune-Effekt, der im Black Music Bereich zuerst durch R'n'B-Sänger wie Akon, T-Pain oder Sean Kingston aufgegriffen und später auch von Rappern wie Kanye West oder Lil Wayne benutzt wurde, offiziell für tot. Mittlerweile hat ja wirklich jeder inklusive dein bester Kumpel, der ja auch rappt, diesen Effekt benutzt und leider hört es sich in den meisten Fällen irgendwie scheiße an. Gestandene True School-Hip Hopper mit Wu-Wear-Hoody oder Anhänger von unnkommerziellem Straßensound haben ja von Anfang an kotzen müssen, als sie merkten, dass dieser Soundeffekt für die Stimme Einzug im Hip Hop hielt. Für viele wurden diverse Hip Hop-Songs somit zur Popmusik mit Bezug zur elektronischen Tanzmucke.


Ich mag diesen Song sehr. Wenn Jay-Z auf einem schweren Gerüst aus rotzigen Gitarrenriffs, schleppenden Drums und schrillem Flötengequietsche den Jungspunden zeigt, wo der Hammer hängt, ohne dabei oberlehrermäßig mit strengem Blick über die Hornbrille den Zeigefinger auszustrecken, kann man das nur mögen. Er wirkt dabei nicht nur sehr charismatisch, sondern besitzt dabei auch noch eine Menge Swagger, wie viele, junge Rapper heute sagen würden.


“This is anti-autotune, death of the ringtone/ this ain't for itunes, this ain't for sing-alongs/ this is Sinatra at the opera, bring an blonde/ preferably with a fat ass who can sing a song/…/ I know we facin' a recession, but the music y'all makin' gon' make it the great depression/…/This is death of autotune, moment of silence”


Hier wird auch ein wenig das musikalische Verständnis von Hova geklärt: er sieht sich nicht in einer Liga mit Leuten, die Musik in erster Linie für die Charts macht, die ja weitgehend vom jüngeren Publikum bestimmt werden. Er sieht sich weit über diesen Leuten. Das hat wohl auch mit Jay-Zs Alter zu tun, er hat einfach nicht das Bedürfnis, mit Leuten Spielchen zu treiben, für die er zu alt ist. Deswegen hat Präsident Barack Obama auch den ein oder anderen Jay-Z Song auf seinem I-Pod. Er macht eben Musik für Champions und welche, die es werden wollen. Musik für junge Hüpfer mit türkis-lilaner New Era-Cap, die sich im von den Eltern geliehenen Wagen cool fühlen. Musik für angehende Geschäftsmänner, die um die 40 Jahre sind und einen Burberry-Hut tragen. Deswegen wird Jay-Z bis heute immer noch von jung und alt gefeiert, jedes seiner Alben ging ja auch direkt auf Platz 1. Ob sich das diesmal wiederholt, wird man sehen, aber wenn er den Mund aufmacht, hören ihm die Leute zu und Jay-Z weiß das.


Gleich danach folgt die Großkollabo namens “Run this town” feat. Kanye West und Rihanna, die 2. Single. Auch dieser Song ist ganz großes Kino. Ich finde zwar, dass Rihanna weder besonders talentiert ist noch dass sie große Risiken eingeht, was ihre Gesangstechnik betrifft, aber zu dieser Hook kann man sich ruhig wie ein Sieger fühlen, ohne sich schämen zu müssen:


“Life's a game, but it's not fair/ I break the rules, so I don't care/ So I keep doing my own thing/ Walking tall against the rain/ Victory's within the mile/ Almost there, don't give up now/ Only thing that's on my mind/ is who is gonna run this town tonight”


Kanye West steuert diesem Song ebenfalls eine seiner stärkeren Strophen bei und schließt den Song mit 2 mehr als würdigen Lines ab:


“You trippin' when you ain't sippin', have a refill/ You feel like runnin', huh? now you know how we feel”


Danach kommt “Empire state of mind” feat. Alicia Keys, der meiner Meinung nach beste Song des Albums. Soweit ich weiß, wird dies auch die nächste Single und ich will dazu ein geiles Video haben! Denn in dem Song geht es um New York und auch wenn ich viele der Orte, die Jay-Z auf dieser musikalischen Sightseeingtour aufzählt, nicht kenne. kann ich spüren, wie eindrucksvoll das aussehen mag. Alicia Keys steuert eine unglaubliche, gesungene Hook bei und in diesem Song steckt so viel Herzblut, dass man merkt, welche faszinierenden Seiten diese Stadt zu bieten scheint. Das schöne, warme Soundbild passt perfekt dazu


“New York, concrete jungle, where we dreams are made of/ There's nothing you can't do/ Now you're in New York, the streets will make you feel brand new/ the lights will inspire you/ let's hear it for New York”


Der nachfolgende Song “Real as it gets” feat. Young Jeezy geht auch klar, aber ich persönlich finde, dass der Song eher auf eines der Alben von Young Jeezy gepasst hätte.


Danach kommen einige Songs, die eher dort gespielt werden, wo die Frauen schön, die Drinks teuer und die Toiletten oft überschwemmt sind: im Club. Timbaland hat hier teilweise die Zügel in die Hand genommen und liefert einen recht guten Job ab, auch wenn er keine neuen Akzente setzt. Doch zuerst kommt “On to the next one”, produziert von Swizz Beatz. Der ist ja bis heute einer der verrücktesten Produzenten, die Hip Hop zu bieten hat, auch wenn er eigentlich jeden Beat mehr oder weniger nach demselben Prinzip baut. Dieser Beat ist mit einem verückten Vocalsample versehen und klingt eigentlich recht Jay-Z-untypisch, aber vom Text her packt Jay-Z wieder die Eier aus (“No, I'm not a virgin, I use my cojones”):


“I don't know why they worried 'bout my pockets/ Meanwhile I had Oprah chillin' in the projects/ Had her out in Bedstuy chillin' on the steps/ drinkin' quarter waters, I gotta be the best/ MJ at the summer jam, Obama on the next/ Y'all should be afraid of what I'm goin' to do next”


Danach folgt mit “Off that”, produziert von Timbaland, auf dem der kanadische Nachwuchsrapper Drake gefeaturet ist, der ja von vielen als DIE Zukunft des Hip Hop angesehen wird. Der Song geht auch gut ins Ort, auch wenn er relativ schnell ist. Ebenfalls von Timbaland produziert wurde “Venus versus Mars”, eine Nummer, in der es um gewisse Schweinereien geht, aber die Jay-Z in eine devot-mysteriöse Sprache verpackt, wodurch das ganze nicht zu anzüglich wirkt. Mir gefällt diese kühle und zugleich spannende Atmosphäre, die der Song hat. Für private Striptease-Sessions im eigenen Schlafzimmer eignet sich der Song auf jeden Fall, auch wenn Jay-Z Songs solcher Machart in den letzten Jahren eher selten gemacht hat. Ich wünsche ihn und seiner (Freundin? Verlobten? Ehefrau?) Beyoncé jedenfalls viel Spaß damit.


“We were co-MVPs like Kobe and Shaq/ left me for the heat, we were winnin' back to back”


Mit “Already home” feat. Kid Cudi und “Haters” feat. Kanye West kommen zwei Songs, die nicht weiter stören, aber auch keine Begeisterungsstürme auslösen. “Haters” hat zwar einen sehr interessanten Beat mit hohem Ohrwurmcharakter und Jigga sowie Kanye flowen geil darauf, aber das Thema des Songs ist ja schon arg ausgelutscht. Mit Reminder folgt nochmal eine clubbige Timbalandproduktion, die zwar eine flashige Hook auffährt, aber im Großen und Ganzen hätte man diesen Song auch auslassen können. Insgesamt geht der aber immer noch klar.


Die letzten 2 Songs “So ambitious” feat. Pharrell Williams sowie “Young forever” feat. Mr, Hudson hingegen sind total unspektakulär, der letzte Song ist sogar für mich unhörbar! Mit den Neptunes hat Jay-Z schon spektakuläreres Material aufgenommen und der letzte Song, produziert von Kayne West, löst in mir Brechreiz aus. Für den Beat wurde “Forever young” von Alphaville verwurstet, das war in den 80er ein großer Hit. Nebenbei gesagt wurde dieser Song auch für die Bushido-Single “Für immer jung” feat. Karel Gott gecovert, doch das konnte man sich wenigstens anhören. Hier hingegen nervt das extrem, der Song ist so was von schnulzig und zuckersüß, dass mir schlecht wird und die Hook ist zum Wegrennen. Das ganze klingt wie ein Überbleibsel vom letzten Kayne West-Album “808s & Heartbreak”, das besser nicht das Licht der Welt hätte erblicken sollen. Schade, denn der Text is gar nicht mal so schlecht.


Wie man sehen kann, sind einige starke Songs auf Blueprint 3, einige mittelmäßige und einige schwache. Das Album fängt sehr gut an und verliert dann gegen Ende an Fahrt. Auch wenn das Album mir insgesamt gefällt, glaube ich nicht, dass der Szene all das reichen wird, um wieder vollen Respekt vor Jay-Z zu haben. Ich finde, dass er definitiv immer noch das Recht hat, im Rapgame mitzumischen, da er immer noch einer der versiertesten MCs ist, die es momentan gibt. Ich finde es auch respektabel, dass er sich nicht dem aktuellen Trend anpasst, durch den diverse “Hipster”-Rapper in bunten Outfits über Klamotten sowie Videospiele rappen oder irgendwelche Trapster auf hölzerne Art vom Grinden und Hustlen erzählen. Jay-Zs Visionen vom Hip Hop-Sound sind längst recht erwachsen geworden und damit hat er bei einigen immer noch ein Stein im Brett. Aber er ist eben auch nicht unfehlbar und man muss sagen, dass er seit dem “Black Album” doch ein wenig an Drive verloren hat. Seine Leistungen sind nicht mehr so konstant wie früher. Ich als Fan würde daraus allerdings kein großes Drama machen, sondern mich an den guten Songs erfreuen. Als Fan bin ich auch enttäuscht darüber, dass Just Blaze mit keinem Beat auf dem Album vertreten ist, da er eigentlich so was wie der Haus- und Hofproduzent von Hova ist. Immerhin ist Blueprint 3 besser als der zweite Teil, der erste Teil wird hingegen für immer unnerreicht bleiben.


 


 


WERTUNG: 4 von 6 Punkten!

Review: Sonny Black & Frank White: Carlo Cokxxx Nutten 2 (Special edition)


Sonny Black & Frank White: Carlo Cokxxx Nutten 2


 


 



 


 


 


“Ratet mal, wer zurück ist: Sonny Black und Frank White, Ihr Penner!…Das ist der Carlo Cokxxx Flavor! ihr wisst Bescheid! Sonny, bounce den Beat!”


Mit diesen Worten im Intro wird das neue, gemeinsame Album von Bushido und Fler aka Sonny Black und Frank White eingeleitet. Es ist dasselbe Konzept wie damals: Bushido produziert alle Beats (diesmal jedoch ohne Samples, d.h. alle Drums und jeder Ton wurde selber eingespielt), teilweise mit Hilfe des Münchener Filmmusikomponisten Martin Stock, und die Texte drehen sich um Drogen, Nutten, Gewalt und Aggression gegenüber anderen Rappern. Die meisten Beats waren eigentlich für den Soundtrack zum kommenden Bushido-Film gedacht, jetzt wurden sie für dieses Album benutzt. Deshalb (und auch weil keine Samples wie auf dem ersten Album benutzt wurden) sollte klar sein, dass dieses Album nicht wie der erste Teil klingen wird. Die Grundstimmung, die die Musik auslöst, ist aber eine sehr ähnliche und das gefällt. Bevor ich im Detail zum Album selbst komme, möchte ich noch kurz etwas zu diesem Event an sich und seinem Verlauf sowie zu beiden Künstlern generell sagen.


2009 sind wir jetz 7 Jahre nach dem ersten Teil. Diese Zeit war für beide geprägt von Untergrundhypes, Labeltrennungen, finanziellen Durchbrüchen, zerbrochenen Freundschaftsverhältnissen, Disses, Beefs, Skandalen und mit der Versöhnung Ende März 2009 schloss sich der Kreis. Gleich wurden Spekulationen laut, dass ein neues, gemeinsames Album geplant sei und auch wenn dies am Anfang bestritten wurde, so entschieden sich beide doch recht schnell dazu, diesen Schritt zu tun. Die Erwartungen von Fans des ersten Teiles stiegen extrem an, manche wurden skeptisch und quittierten diese Meldung gleich mit der Meinung, dass die beiden niemals wieder ein Werk schaffen können, was an den ersten Teil rankommt. Manche sprachen diesem Event sogar seine Besonderheit ab oder sagten, dass es nicht wichtig sei, was hier passiere. Dies ist jedoch auch aus objektiver Sicht absoluter Schwachsinn. Jeder hat über die Versöhnung und über das Album im Vorfeld geredet, viele wollten es aber nicht zugeben, Diesen Leuten sollte zumindest bewusst sein, dass gerade diese Ignoranz auch ein Grund ist, warum beide auf dem Album so harte Inhalte präsentieren, gegen die deutsche Hip Hop-Szene wettern und sich auch in ihren Aussagen absolut nicht zurückhalten. Denn genau dieses Motiv hatten Bushido und Fler auch beim ersten CCN-Album, die Ursachen sind in beiden Fällen auch ähnlich. Nur sind beide heute gestandenen Künstler, die schon einige Top Ten-Chartplatzierungen nachweisen können. Bushido ist seit Längerem sogar der Erfolgreichste Solokünstler aus der deutsche Rapszene. Damals wie heute werden beide von einem Großteil der Szene ausgeschlossen, weil ihnen ein nicht ausreichendes Verständnis für die klassischen Hip Hop-Ideale attestiert, ihnen mangelnde Authentizität vorgehalten oder ihnen vorgeworfen wird, nur des Geldes wegen Musik zu machen. Auch wenn beide das wahrscheinlich nicht so schnell zugeben würden, scheint dieser Makel an ihrer Erscheinung auf andere Leute an ihnen zu nagen. Dieser Mangel an Respekt löst bis heute Wut in ihnen aus und diese Wut war die Motivation zum ersten Album von 2002 und sie ist es auch für das neue Album. Dies bekommt man auch diesmal zu spüren.


Es mag sein, dass man mit der Musik oder den Charaktern von Bushido und Fler nicht viel anfangen kann. Fakt ist jedoch für mich, dass viele Menschen von vornherein nicht mit einer objektiven Sicht an beide herangehen oder sie ihre Schlüsse aus gefährlichem Halbwissen wie Gerüchten, sonderbaren Fernsehberichten usw. ziehen. Ich persönlich finde an beiden sowohl positive als auch negative Aspekte, egal, ob diese auf die Musik oder die Persona bezogen sind. Ich habe von beiden Künsltern einige CDs im Regal stehen und habe mich mit beiden beschäftigt, weil ich beide Künstler (insbesondere Bushido) in vielerlei Hinsicht interessant finde. Das zu sagen löst in mir auch keine Scham aus. Mittlerweile meine ich, beide Künstler in ihrer Mentalität recht gut einschätzen zu können. Das denke ich zumindest, wenn ich mir die Interviews auf www.rap.de oder www.mixeryrawdeluxe.de anlässlich zu CCN 2 anschaue. Besonders, wer bei Bushidos Aussagen zwischen den Zeilen liest und richtig zuhört, kann einiges dazulernen, was seine Sicht auf die Welt und die Rapszene angeht. Man muss diese Ansichten nicht teilen, ich tue das auch nicht in jedem Fall. Aber man kann sie hier zumindest nachvollziehen, da beide sich in diesen Interviews selbst so gut und plausibel erklären wie schon lange nicht mehr. Diese beiden Interviews kann ich jedenfalls nur empfehlen.


Nun zum Album: eben habe ich ein paar Sätze aus dem Intro zitiert und die Rede daraus wird, wie beim ersten CCN, von einer Frau mit einer penetranten Stimme auf aggressive Art vorgetragen. Es ist nicht dieselbe wie im Intro von 2002, aber man kommt doch wieder direkt in diesen Film, den das erste Album schon ausgelöst hat. Dabei wird einem sofort klar, dass sich scheinbar nichts verändert hat, Bushido und Fler sind immer noch dieselben wie damals.


Dann folgt “Reloaded”, der erste Song. Der Beat hat aufgrund seiner Soundeffekte etwas hypnotisches an sich, was gut klingt, und die Texte gehen gleich unter die Gürtellinie. Als Opener hätte man aber eher einen anderen, Song nehmen sollen, wie z.B. “Carlo Cokxxx Flashback”, dem 3. Track. Die Stimmung, die der Track auslöst, passt besser zu meinen Erwartungen, nicht zuletzt wegen Zeilen wie:


Fler: “Gülcan ohne Make-up ist was so ähnlich wie der Engel, der jetz Aids hat/ Ich fick euch, ihr Faker” (mit dem Engel ist die Sängerin Nadia Benaissa von den No Angels gemeint)


oder


Bushido: “Ghettoprominenz, Tattoos unter'm Hemd/ Tattoos unter'm Hals und Eko mach ich kalt/ Dieser Typ hat euch groß gemacht/ Also sag mir, was kuckst du so, du Spast?”


Erfreulicherweise zitieren beide oft auf dem Album diverse Sätze und Sprüche, die sie schon damals vor ihrem Streit auf gemeinsamen Songs benutzt haben. Mag sein, dass dies nostalgisch ist, aber dadurch gewinnt das Album nur mehr an Atmosphäre.


Der nächste Track namens “Zwei Turntables und ein Mic” bringt gut die Sicht der beiden auf deutschen Hip Hop auf den Punkt. Natürlich ist diese Sicht eine andere als die allgemein gängige:


Bushido: “Ihr seid nicht gangster, ihr Toys, habt ihr's jetzt kapiert?/ ihr seid ein Teil von einer Szene, die nicht exisitiert/…/kuck mich an, Schlampe, ich bin jetzt fame und mächtig/ Doch wie du rappst, Mann, das kann's nicht sein/ Rap ist eine Pussy und ich steck den Schwanz tief rein”


Hier wird klar: Damals, beim ersten Album, sagte man beiden, dass sie mit ihrer aggressiven Musik nicht zur Szene passen. Heute drehen sie den Spieß um, bezeichnen sich selbst als das, was die Hip Hop-Szene ausmacht und schließen die Leute, die sie damals gehasst haben und es heute immer noch tun, von ihrem Geschehen aus. Ihr kommerzieller Erfolg scheint ihre Ansicht darauf nur zu untermauern.


Danach folgt “Eine Chance”, der erste Teil der Doppelsingle “Eine Chance/zu gangsta”. Als ich den Song zum ersten mal hörte, war ich wenig begeistert, weil die “gesungene” Hook, das Thema des Textes und die Produktion nicht das waren, was ich mir unter einem Comeback von Sonny Black und Frank White vorgestellt habe. Raptechnisch und lyrisch gesehen haben beide auch schon bessere Singles rausgebracht, aber mittlerweile konnte ich mich mit dem Song anfreunden, nicht zuletzt, weil ich jetzt auf dem Album die 3. Strophe gehört habe, die im Video nicht vorkommt:


Fler: “Wir schließen Frieden: kuck ma', was für'n Promoeffekt!”


Man merkt, dass es in dem Song teilweise um ihre Versöhnung geht und welche Motivation sie daraus ziehen. Mit jedem Hören wird der Song auch besser, auch wenn der Beat das Album in seiner Machart wirklich nicht räpresentiert.


Danach geht es auch eher nachdenklich weiter. “Ich wollte eigentlich nur rappen” zeigt auf, welchen Konflikt man als prominenter (Gangster)Rapper man mit sich rumschleppt, weil das eigene Image und die eigene Authentizität sofort bei anderen in Frage gestellt werden. Bushidos erzählte Geschichte zieht hier im Vergleich zu der von Fler den Kürzeren.


Danach folgt das erste, große Hightlight des Albums, “Der Song lacht”. Hier geht es um persönliche Ängste und die Gewissensbisse, die beide aufgrund ihres fraglichen Lifestyles haben und wie sich das bis heute auf ihr Verhalten und auch ihre Umwelt auswirkt. Besonders hervorzuheben ist der Beat, der zuerst wegen einer Art vocalsample recht merkwürdig wirkt, aber sobald die Pianomelodie einsetzt, fühlt man sich davon gefesselt. Der Song hat auf jeden Fall einen gewissen Wiedererkennungswert und hat meiner Meinung nach das Potential, eine 2. Single zu werden. Der bildliche Text macht auch einen guten Eindruck:


Bushido:”Die Zeit heilt keine Wunden, du gewöhnst dich dran/ An den Schmerz und dann ist es wohlmöglich Angst/ Angst, die dich nicht mehr loslassen will/ Und auf einmal schiebst du einen so krassen Film/…/ Ich such mein Glück mit 'nem Kompass/ Ich will nur, dass der Song lacht”


Fler:”Du sitzt allein zu Haus', mit Para in deim' Kopf/ Die Mutter, die nur weint, weil der Vater sie verkloppt/ Die Kumpels hinter Gittern, du selber vor Gericht/ Und du selber merkst, wie verloren du bist”


Mit “Komm klar, Spast” und “Ich war noch nie wie die” geht es wieder aggressiv weiter. Der erstgenannte Song ist von den Tracks dieser Machart der beste, wie ich finde.


Bushido:”Ich vögel viel mehr als Vögel, ihr Vögel/ und pöbel, pöbel und pöbel und pöbel/…/Ich finde Mobbing ganz gut/ Schnellfickerhose, mein Jogginganzug/…/Ich war ein Draufgänger, ich war ein Faulenzer, ein Hochhausbanger, ein scheiß Ausländer/ und meine Ex, nur Ärger mit der Bitch/ Heute wackeln Weiber mit den Ärschen nur für mich”


Bushido gibt auf seinem Solosong “Ich war nie wie die” auch wieder einen Einblick in seine Weltansicht, wegen der er oft mit den Medien und diversen Leuten aneinander gerät. Für viele scheint dies pure Provokation oder arroganzes Getue zu sein, für ihn ist es wohl nur eine logische Konsequenz auf das, was in seiner Welt passiert. Auch wenn seine Ansicht nicht die der Allgemeinheit ist, macht es dennoch manchmal Spaß, ihm dabei zuzuhören, wie er sich selbst erklärt.


Mit “Zukunft Pt. 2″, einer Fortsetzung des gleichnamigen Songs von dem zweiten Bushido-Soloalbum “Vom Bordstein bis zur Skyline”, auf dem Fler gefeaturet war, folgt dann der große Höhepunkt des Albums. Ich hätte nicht erwartet, dass beide in diesem Song die Umstände, unter denen sie sich getrennt, zerstritten und wieder vertragen haben, verarbeiten. Zudem spielt hier auch die Enttäuschung, die Fler verspürt hat, weil sein ehemaliges Label Aggro Berlin irgendwann nach seinem ersten Soloalbum 2005 nicht mehr für, sondern gegen ihn gearbeitet hat, eine Rolle. Dies war ja auch der Grund dafür, dass Bushido das Label 2004 verließ. Beide sprechen sich in dem Song gegenseitiges Vertrauen zu und zeigen, dass sie voll und ganz hinter der Versöhnung stehen. Der aus dem ersten Teil von Zukunft rezitierte Satz


“Wir sind die Zukunft, scheiß auf die Vergangenheit/ Sonny Black und Frank White, wir ficken euren Arsch zu zweit”


gewinnt hier eine völlig neue Bedeutung. An diesem Song stimmt alles: Beat, Text, Hook, einfach alles! Auf einem ruhigen Teppich aus Pianoklängen und Streichern, gepaart mit harten Drums, rappen beide sehr eindrucksvoll ihre Teilen und bezeichnen ihre Wiedervereinigung als Schicksalsakt.


Bushido: “Kannst du, sag, kannst du mir noch in die Augen sehen?”


Fler: “Ich kann, Anis, du weißt doch, ich vertrau nicht jedem!”


Bushido: “Sag mir, warum bist du ihnen so loyal geblieben? Hab den Mund gehalten, doch ich wusste, sie verraten ihn”


Fler: “Kannst du, sag, kannst du mir noch in die Augen sehen?”


Bushido: ” Ich kann, Patrick, du weißt doch, ich vertrau nicht jedem!”


Fler: “Sag mir, warum hab ich in meinem Kopf so Krisen?”


Bushido: “Ob wir wollen oder nicht, alles ist von Gott geschrieben”


Im weiteren Verlauf kommen Songs, die mal stärker (“Die Krähen kreisen”) , mal schwächer (“ich rap für”) sind. Bei den Beats zu “Alptraum” (Flers Solosong), “Vorbild” oder “Die Krähen kreisen” (Hammer Atmosphäre und Melodie!!!) ) wird klar, dass Bushido wirklich ein versierter Produzent geworden ist, der ein gutes Gespür für Melodien und knackende, harte Drums hat. Dass er diesmal nichts gesamplet hat, tut dem Album nur gutes.


Mit “Highlife” befindet sich dann auch ein harter Track gegen Exfreundinnen auf dem Album. Besonders der Text von Bushido geht hier dahin, wo es sehr, sehr weh tut und Tränen bei der Ex fließen dürften, aber der Beat hätte ruhig viel härter ausfallen dürfen. Ich musste dabei unmittelbar an “Drecksstück”, einem gemeinsamen Song auf “Vom Bordstein bis zur Skyline”, denken, der von der Atmosphäre her besser ist als der Track hier.


Auf der Special Edition befinden sich dann noch ein paar Bonustracks. “Zeiten ändern sich Pt. 2″ geht mit den Spuckgeräuchen in der Hook gut ins Ohr und mit “Wie ein Tattoo” ist auch noch ein schöner, nachdenklicher Song drauf. In beiden Songs erzählen die beiden aber nichts, was sie nicht schon auf den anderen Songs gesagt haben.


“Straßengangsound” hingegen ist der Song mit dem höchsten Ohrwurmpotential! Diese wunderschöne, schwebende, melancholische Melodie sorgt für Gänsehaut pur und die simple, gesungene Hook von Fler hakt sich sofort im Kopf fest. Der Song hat einen gewissen, poppigen Touch, aber nicht auf negative Art. Dieser Song, diese Melodie und dieser Rhytmus sind dermaßend smooth, dass man das nur gut finden kann! Ich hoffe, dass es den Rest vom September noch ein paar mal abends relativ warm ist, damit ich das beim Fahren bei offenen Fenstern laut pumpen kann!


Mit dem Remix zu “Ich rap für”, auf dem Bushidos Schützling Kay One gefeaturet ist, findet das Album einen eher unspektakulären Abschluss. Der Song gefällt mir in der normalen Version schon nicht so und Kay Ones Strophe bietet ein paar nette Ansagen, aber von der Stimmlage und dem Flow her erinnert er mich zu stark an SD von German Dream, Ekos Label. Er hätte von der Stimme und dem Flow her so rappen sollen wie immer, das hätte dem Song besser gestanden.


Was ich noch sagen möchte, ist, dass auf dem Album viele Cuts und Scratches sind, was zu dem hardcoremäßigen Sound sehr gut passt. Das Album ist auch geil abgemischt, der Sound pumpt laut und klar aus den Boxen. Auf den Konzerten zur CCN 2 Tour im November und Dezember wird es also dementsprechend gut abgehen.


Im Vergleich zum ersten CCN bestehen aus musikalischer und raptechnischer Sicht nicht so viele Gemeinsamkeiten. Das liegt einfach daran, dass beide mehr Erfahrungen im Bereich der Musik haben und diesmal genauer wissen, was sie da eigentlich tun. Übrig geblieben sind eben der Hang zu aggressiven Produktionen und die kompromisslose “Wir scheißen auf euch alle!”-Haltung von Bushido und Fler. Das Album hat zumindest meine Erwartungen erfüllt., weil diese Wut auf dem Album glaubwürdig erscheint und nicht aufgesetzt wirkt.


Zum Abschluss möchte ich das Album noch kurz zu dem Album “Jung, brutal, gutaussehend” von Kollegah und Farid Bang setzen, da 1. beide Duos sich nicht besonders grün sind und 2. schon im Vorfeld Vergleiche zwischen den Alben beider Parteien gezogen wurden und Kollegah sowie Farid Bang klarstellten, dass sie die Bushido und Fler aus künstlerischer Sicht als keine Konkurrenz sehen und finden, dass deren Zeit mittlerweile vorbei sei.


CCN 2 ist für mich das eindeutig bessere Album, da es einfach einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Auf JBG wurden zwar viel ausgefallenere Sprüche, Metaphern, Vergleiche usw. gekickt und auch aus raptechnischer sicht hat zumindest Kollegah bewiesen, dass er im Verlgleich zu Bushido und fler die Nase vorne hat. Aber Bushido und Fler harmonisieren viel mehr miteinander, auf JBG standen sich Kollegah und Farid Bang weitgehend gegenseitig im Weg, da Farid Bang einfach meistens unterlegen war. Zudem fehlte es JBG an thematischer sowie musikalischer Abwechslung. Zwar ist CCN 2 an sich auch kein sehr facetteneiches Album, aber man kann es sich besser am Stück anhören, da es eine Ecke professioneller produziert wurde, und das in gerade mal 2 Wochen!


Der größte Unterschied ist allerdings die Motivation zum Album. Wie ich schon gesagt habe, Bushido haben die beiden CCN Alben aus Wut gemacht, die wollten der Szene in den Arsch treten und mit ihr wegen ihrer Ignoranz abrechnen. Deswegen haben diese beiden auch heute ein gutes Album geschaffen. JGB hingegen wurde nur aus Jux sowie Tollerei aufgenommen und weil Kollegah und Farid Bang sich gut verstanden und denselben Humor hatten, den sie dann auf Platte gebannt haben. Deswegen hat CCN 2 auf jeden Fall den längeren Atem und kommerziell gesehen wird es sowieso viel erfolgreicher werden.


Ob CCN 2 ein kommerziell erfolgreicher Klassiker wird, so ähnlich wie damals CCN 1 zu einem Untergrund-Klassiker wurde, ist schwer abzusehen, jedoch nicht wirklich unmöglich. 2002 war deren Kollaboalbum etwas neues, weil Gangsterrap bzw. Straßenrap der härteren Sorte damals eine absolute Ausnahme war. Heute ist man mit Gangsterrap vertraut und Bushido und Fler fügen diesem Genre nichts neues hinzu. Dafür wirken beide in den nachdenklichen Momenten des Albums reifer als vorher und auch sonst ergänzen sich beide sehr gut. Die Versöhnung markiert sowieso einen wichtigen Moment in der Karriere von beiden und deswegen ist dieses Album zumindest für deren musikalische Laufbahnen ein Meilenstein. Manchen Fans von früher wird das Album bestimmt nicht so sehr gefallen, weil es eben nach 2009 und nicht nach 2002 klingt. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass man ein 7 Jahre altes Gefühl nicht einfach so wiederholen kann. Wer das begriffen hat, wird mit dem Album viel Spaß haben. Deshalb kann ich jedem, der CCN 1 kennt und sich für den neuen Teil interessiert, nur empfehlen, mal genau reinzuhören. Leute, die weder mit Bushido noch mit Fler was anfangen könnten, werden hier jedenfalls fast alles, was sie an beiden hassen, in viel erhöhterem Maße als sonst wiederfinden und sollten die Finger davon lassen.


 


 


WERTUNG: 4,5 von 6 Punkten!

Review: Afrob: Der Letzte seiner Art


Afrob: Der Letzte seiner Art


 


 



 


 


Lange hat man von Afrob, dem Stuttgarter Reimemonster, nichts mehr gehört. Viele dachten sich, dass Afrob sich nach dem eher mäßigen Erfolg seines 4. Soloalbums “Hammer” von 2005, das trotzdem weitgehend mit Lob überhäuft wurde, eine bewusste, musikalische Auszeit nehmen würde. Wenn überhaupt, hat er das eine oder andere Feature für z.B. die Spezializtz gemacht, aber insgesamt war er von der Bildfläche verschwunden. Dieser Umstand war auch bezeichnend für den Großteil der Hip Hop-Aktivisten aus Stuttgart: Freundeskreis releasten “nur” ihr Best of-Album, von den Massiven Tönen hörte man gar nichts mehr und Leute wie Wasi haben sich sowieso schon längt aus dem Rapgame verabschiedet. Lediglich Franky Kubrick feilte zusammen mit Optik Records und Kool Savas an seiner Seite weiter an seiner Karriere.


Diesen Umstand spiegelt Afrob nun in seinem neuen Albumtitel wieder. Von der ganzen sogenannten Kolchose ist er tatsächlich der einzige, der noch als waschechter Rapper und MC auftritt. Er ist eben der Letzte seiner Art, auch wenn er längst, wie übrigens viele Stuttgarter Szeneaktivisten, nach Berlin gezogen ist. Obwohl er schon im Vergleich zu anderen Rapperkollegen recht alt ist, bis heute immer noch von vielen sein erstes Album “Rolle mit Hip Hop” von 1999 sträflicherweise als einzig gutes und relevantes Werk gesehen wird und sein Privatleben es die letzten Jahre aufgrund einer kurzen Gefängnisstrafe sowie einer Vaterschaft nur schwer zuließ, sich mit Rap zu beschäftigen, er will es noch einmal wissen. Mit einer Menge Erfahrung und seinem neuen, eigenen Label “G-Lette Music” im Rücken stellt er sich noch einmal der Herausforderung.


Der Albumtitel verbreitet eine gewisse Endzeitstimmung, weswegen man vermuten könnte, dass das neue Album düster ausgefallen ist. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Schon die erste Nummer “Wo sind die Rapper hin?”, produziert von DJ Rocky, geht straight nach vorne und direkt wird klargestellt, in welcher Beziehung er sich zur momentanen Situation der Szene sieht:


“Du schaufelst dein Grab und ich schaufel die Kohle/ Ganz entspannt am Mikrofon ohne 'ne Pistole”


Afrob rappt weitgehend frei, entspannt und manchmal frech, aber immer noch mit Biss auf dem Track weiter und hier zeigt sich, dass er selbst weiß, was er kann. Er muss dies nicht wie ein junger Hitzkopf auf Biegen und Brechen beweisen, er scheint das ganze mittlerweile locker zu sehen. Dies hat wohl auch mit Erfahrung und seinem Alter zu tun. Dennoch kann er es rein rapmäßig immer noch mit der jungen Generation aufnehmen und das zeigt dieser Song.


“Ist 'ne Frau eine Schlampe, hat die Mutter sie verzogen/ Weiß ne Frau, was sie will, hat sie dich mit mir betrogen/ Es ist einfach zu sehen, ich hab ein Level erreicht/ und ich sorge jetzt dafür, dass es bleibt/…/ Ich hab euch alles gesagt, ich bezog dafür Prügel/ nie gelogen, darauf geb ich dir Brief und Siegel”


“Ich geb ein Autogramm, sie machen mit Handys sie Fotos/ Sie erkennen mich, egal, in welchem Tarnkappenmodus/ Er ist der Letzte seiner Art, bitte halt mal die Fresse/ Ich schieb Rap in unser'm Kreis und niemals bei der Teeniepresse”


Um das ähnliche Thema geht es auch auf “Wat is los?”, begleitet von einem clubbigen, mit Brass-Tönen versehenen Down-South-Beat. Afrob beweist immer noch ein gutes Händchen für Produktionen, die sowohl auf der Bühne als auch auf jeder Anlage funktionieren und sich für Liveauftritte hervorragend eignen.


“Was wollt ihr?” kommt mit einer geilen, dramatischen, gesungenen Hook und das Thema dreht sich um Politik und soziale Missstände. Diese beiden großen Themengebiete haben in Afrobs Karriere ja schon immer eine sehr große Rolle gespielt. Allerdings wirkte Afrob, was diese Texte angeht, schon mal bissiger und überzeugender. Es ist zwar schön zu sehen, dass er immer noch politische/sozialkritische Statements zustande bringt, wenn man überlegt, was für eine Kritik er sich über die Inhalte seines zweiten Albums “Made in Germany” anhören durfte. E artikuliert sich immer noch dabei klar und meiner Meinung nach hat er auch oft recht mit dem, was er zu Dingen wie Arbeitslosigkeit sagt. Das sind ja im Zuge der Wirtschaftskrise auch bedeutende Themen. Dennoch reißen eine diese Sorte Songs auf diesem Album nicht richtig vom Hocker.


“Auf Was wollt ihr?”, produziert von dem Amerikaner Sholar, schweift Afrob auch zu weit aus. Es geht, wie eben erwähnt, u.a um die steigende Arbeitslosigkeit, aber auch um Eltern, die Fehler in der Erziehung ihrer Kinder machen und sogar um den Nahost-Konflikt. Das ist definitiv zu viel auf einmal, zumal er jedes dieser Themen somit nur oberflächlich ankratzt. Afrob sieht sich wohl als eine Art Beobachter, der alles, was in seinem Umfeld passiert, in sich aufsaugt und sich dazu verpflichtet fühlt, es anderen mitzuteilen. Dennoch verwirrt er einen dabei meistens eher als dass er jemanden zum Denken anregt.


Dieses Bild von Afrob wird auf “Gief Konjunkturpaket VI” feat. Sarah noch deutlicher. Der Song klingt wie eine Kopie von “Was wollt ihr?” und das Thema mit dem Nahost-Konfikt wird hier sogar noch näher betrachtet:


“Es ist sehr lange her und ich sprach über Araber/ Noch immer töten Israelis Babys im Gaza/ Stell dir mal vor, jemand kommt in dein Land/ schickt dich ins Lager, fremd im eigenen Land/ raubt dir die Grundlage deiner Existenz/ Niemand hat gefragt, mit der Macht der UN/…/ Ich bin nicht gegen Juden und gegen die Israelpolitik/ wenn man sowas sagt, ist man kein Antisemit/ Unschuldige starben bei 'nem Selbstmordattentat/ ist dann die Antwort ein weiteres Massengrab?”


Am Inhalt an sich habe ich nichts auszusetzen. Er lehnt sich meiner Meinung nach nicht zu weit aus dem Fenster und ich gebe ihm mit dem, was er sagt, auch recht. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Es geht mir eher darum, dass diese Textstelle sehr simpel gereimt und konstruiert wurde. Man könnte hier glatt fast meinen, dass Afrob keine 10 Jahre Erfahrung am Mic hat. Das meine ich auch u.a. damit, wenn ich sage, dass manchen Songs hier trotz interessanter Themen das Salz in der Suppe fehlt. Dieses Song hätte man getrost weglassen können.


Selbstverständlich gibt es auch Passagen, wo er darin überzeugen kann. “Mein Kampf” ist einer der Tracks, die auch ein wenig das Thema der Arbeitslosigkeit aufgreifen. Hier verbindet er dieses Problem mit der Tatsache, dass viele Rapper nur wenig Geld verdienen in einer Zeit, wo ihr Hobby bzw. Beruf einerseits sehr zeitraubend ist und kaum Platz für einen weiteren, richtigen Job bietet, andererseits aber fast jeder keine CDs und Alben mehr kauft, sondern lädt bzw. brennt. Wenn Afrob sich trotzdem selbstbewusst hinstellt und sich kampfbereit zeigt, macht ihn das auch sympathisch:


“Ich sah 1000 Rapper kommen, wie sie dachten, es wär ihre Zeit/ Die Kampagne läuft, doch nicht zu ihrer Zufriedenheit/ Deutsche Rapper werden immer schlauer, haben Abitur/…/ Egal, ob von der Straße, mit null Bildung und viel Drogen/ “Yes, we can!” ist für uns kein neuer Slogan”


Des Weiteren gibt es auf diesem Album natürlich auch einige, konventionelle Partytracks und Clubbanger, die weitgehend gelungen sind, Zuerst wäre da die von dem Frankfurter Produzententeam gebaute Nummer namens “Schnelle Nummer” feat. Dean Dawson & Brixx, einer weiblichen Rapperin. Der Beat erinnert vom Aufbau her schon stark an “I get money” von 50 Cent. Dennoch kann man sich das ohne Bedenken anhören und gut dazu mit dem Arsch wackeln. Das Frauending ist auf diesen Partybangern auch in verschiedener Art und Weise ein Thema. Da wäre erstmal “Babygirl”, ausgestattet mit einer schönenTalkbox-Hook (nicht Autotune! Das sind 2 Paar Schuhe!) von DJ Rocky. Der Text dreht sich aber scheinbar um eine wahre Geschichte, denn Afrob rappt dort über die Mutter seines Kindes und welchen Stress er mit ihr hatte:


“ja, es war nicht einfach mit mir/ Es war auch nicht einfach mit dir/ Was ist schon einfach wofür?/ Das Kind, das ich liebe, das hab ich von dir/…/ Das Leben ist keine Ferrero-Reklame/ Gib uns die Zeit, die es braucht, wenn ich's sage”


“Ich trinke mit den Jungs und komm oft spät nach Haus/ Ich leg mich ins Bett, stink nach Wodka und Rauch/ Verpass das Frühstück wie üblich/ Und wenn du fragst, wo ich war, hab ich Angst und belüg dich/ Ja, es war'n 'n paar Mädchen dabei/ Ich weiß nicht, eins oder zwei/ Vielleicht waren es drei oder vier, Mann/ Ich hab nix getan, also wen interessiert's?”


Obwohl der Song ziemlich persönlich ist und Afrob dieser Exfreundin nachtrauert, verbreitet der Song eher gute Laune und überzeugt mit seinem warmen Soundbild.


“Sie, ich und sie”, mit Cassandra Steen (die beste Sängerin Deutschlands, Leute!) und auch produziert von DJ Rocky ist ebenfalls etwas für den Dancefloor und kommt echt geil mit seiner wabernden Synthiemelodie, seiner klangvollen Snare und der schönen Hook samt Bridge, die Cassandra mit ihrer Engelsstimme beisteuert:


Hook: “Hey, du!/ Du hast keine Zeit für mich/ Also wird es Zeit für dich/ Ich sag dir das ins Gesicht/ Hör zu!/ Wir haben es längst verspielt/ Hast dich in deine Ex verliebt/ Das gibt natürlich Extrakrieg”


“Du weißt (was ich will)” ist ebenfalls ein Partysong, aber kann mit seiner semiprofessionell gesungenen und unglücklich formulierten Hook nicht wirklich überzeugen. Ein sehr, sehr guter Song hingegen ist “ASD Comeback”, wo Afrob und Samy Deluxe Seite an Seite auf einem DJ Rocky-Beat ein Feuerwerk an Styles, Flows und Lines entfachen. Dies ist eindeutig mein Lieblingssong und geht direkt in Mark und Bein. Diese Hook ist einfach der Wahnsinn! Besonders diese kurze, mit Autotune gesungene “Yooo!”-Stelle da hat es mir extrem angetan! Ich hoffe, dass es dazu nicht nur ein Video geben wird, sondern, dass beide irgendwann einen Nachfolger ihres Kollaboalbums “Wer hätte das gedacht?” von 2003 aufnehmen, denn beide harmonieren einfach sehr gut miteinander:


Samy Deluxe: “Wir sind wieder mal dabei/ ASD, eure Lieblingspartei/ Doch wir geben euch unsere Stimmen und diesmal zu zweit/ Rockys Beats, unsere Lines”


Afrob:”2-9!”


Samy Deluxe: “Dieses Superwahljahr!”


Afrob: “Taten sprechen lauter als Worte!”


Samy Deluxe: “Es wurd genug gelabert/ Jetz wollen wir Nägel mit Köpfen machen/ Damit die Kids von Morgen besser leben und öfter lachen”


Afrob: “Fick Frust!”


Samy Deluxe: “Gib mir die Melodie und den Rhythmus/ Motivier die Massen, die meisten haben auf nix Lust”


Der Beat geht mit dem leicht arabesque klingenden Vocalsample klasse ins Ohr und die begleitenden Bläser und Streicher machen das ganze nur noch besser!


Doch leider gibt es noch einige Songs, die eher unspannend oder nicht ganz rund sind, wie z.B. “Allein” oder “Mach mein Ding” mit einem deutlich unterlegenen Camouflow als Feature. Die hätte man getrost auch weglassen können bzw. im Falle von “Mach mein Ding” hätte man einfach den Part von Camouflow weglassen können, dann wäre der Song gelungener gewesen.


Die beiden letzten Songs “I want u” (produziert von Bock auf'n Beat, aber auch mit eher schwachem Feature von Jayson Biggz) sowie “Spektakulär 2009″ zeigen wieder einen gut gelaunten Afrob, der einfach gut rappen kann. Besonders der letzte Song gefällt mir sehr mit seiner erdigen Poduktion von Sebastian Bazee Wohlgemuth und diesen Beat könnte man sich sehr gut auf einem Jay-Z Album vorstellen. Der Song ist ja, wie am Namen erkennbar, ein Nachfolger zu dem gleichnamigen Song von Afrobs erstem Album. Dem Album, das er als sein schlechtestes bezeichnet, was viele seiner Fans und viele aus der Szene anders sehen. Dennoch hat er hier einen würdigen Nachfolger geschaffen:


“Hier sitz ich wieder mit nem Block und Papier/ 4 Jahre ohne Platte, ich bin so hochmotiviert/ Ich bin so engegaiert und so hochtalentiert/ Der Kuchen ist im Ofen mit dem Brotbackpapier/…/ Ich mach mein Ding, ich bin 31 Jahre alt und hab ein Kind/ Alles ändert sich/…/ Ich mach mich groß, schau, wie ich wachs/ Mann, ihr steht mir im Weg, ey, ich brauch noch mehr Platz”


“Es ist nie zu spät, ich bin nicht sauer/ Die Zeit heilt die Wunden nach der Trauer/ Mir geht es gut, ich darf das Erleben/ Den Frieden mit mir, Mann, ich kann euch vergeben/ Ich hab keine Last mehr”


Von sich kann so nur ein Mann sprechen, der nach Zeiten voller Krisen, Stress und Ärger irgendwann mit sich selbst ins Reine kam. Erfahrung kann einen Menschen zum Positiven ändern. Dieser Song bietet einen sehr schönen Abschluss des Albums, wie ich finde.


Unterm Strich bleibt ein Album, dass in sich doch etwas zerrissen wirkt. In manchen Momenten wirkt Afrob sehr selbstbewusst und souverän, in manchen Momenten hingegen hängt er etwas durch. Vielleicht hätte er der Platte noch etwas Zeit geben sollen, um ihr den letzten Schliff zu verpassen. Manche Beats auf dem Album wirken auch so, als ob man da noch mehr hätte rausholen können, wenn man noch ein klein wenig mehr ausprobiert hätte. Eine Sache, die ich auch bemängeln muss, ist, dass manche Passagen nicht so gut abgemischt wurden. Es gibt einige Textstellen, die wohl mit Absicht nur über eine Box laufen, weil man diese hervorheben wollte. Diese Stellen klingen allerdings deutlich leiser als die anderen, die über beide Boxen kommen, Dies sind kleine, kosmetische Fehler, die das Hören nicht wirklich unangenehm machen, aber dennoch negativ auffallen.


Dennoch muss ich sagen, dass es ein tolles Gefühl ist, Afrob wieder nach langer Zeit rappen zu sehen. Er ist, wie er selbst erkannt hat, immer noch einer der charismatischsten Rapper, die Deutschland je hatte. Das kann ihm auch 10 Jahre nach “Rolle mit Hip Hop” keiner mehr wegnehmen. Zudem erfreut es, zu sehen, dass er in einer Zeit, in der Imagerapper und Gangstergestalten einen Bärenanteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen, immer noch seinen film fährt und sich nicht hat verwässern lassen durch irgendwelche Trends. Fans von Afrob werden mit dieser Platte vollkommen zufrieden sein und für den Rest sind auch ein paar unfickbare Bretter drauf.


 


Wertung:  3,5 von 6 Punkten!

!!!WICHTIG!!! Einleitung zum Blog


HERZLICH WILLKOMMEN!!!


 


 


Da ich ein leidenschaftlicher Hip Hop-Fan bin und einer der wenigen bin, der seine Lieblingsmusik immer noch durch das Kaufen von CDs supportet, habe ich mir überlegt, in Zukunft einige von den CDs, die neu erscheinen und die ich mir zugelegt habe, in meinem eigenen Blog zu bewerten und eine Kritik dazu zu verfassen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass das da draußen nämlich relativ wenig Leute machen, solange sie nicht für eine Website oder ein Musikmagazin arbeiten. Dabei zerreißen sich ein Haufen Leute da draußen tagtäglich das Maul über irgendwelche Alben, ohne ihre Kritik mit vernünftigen Argumenten zu untermauern. Manche loben Alben in den Himmel, doch kommen über Allgemeinplätze wie “Das und das Album ist einfach nur saugeil!” nicht hinaus. Andere schieben einen regelrechten Hass auf manche Alben und können nicht mal erklären, wieso das eigentlich so ist.


 


Da ich schon seit einigen Jahren Hip Hop höre, mir ein umfassendes Fachwissen angeeignet habe und mich gut ausdrücken kann, werde ich nun meine Meinung zu diversen Alben bloggen, Meine Kritiken werden auch viel länger und ausführlicher sein, als man sie von Magazinen oder so gewohnt ist. Ich will nämlich, dass jeder genau verstehen kann, was ich meine und wenn es als nützlich erscheint, werde ich noch einige Hintergrundinformationen einstreuen, die zum Verständnis der Bedeutung eines Albums eine tragbare Rolle spielen. Ich verspreche euch, dass es sich lohnen wird ;)


 


In erster Linie werde ich Reviews zu Alben schreiben, die ich kaufe, weil ich entweder ein Fan der betreffenden Künstler bin oder weil es mich extrem interessiert, was auf dem Album passiert. In der Regel kaufe ich die Alben am Releasedate. Wenn ich also nicht gerade zeitlich verhindert bin, werden die Reviews nicht lange auf sich warten lassen. Manchmal kann es aber auch sein, dass ich manche Alben, die mich interessieren, erst viel später kaufe, einfach weil das Geld etwas knapp ist und ich dann selektieren muss, was ich mir hole. Ihr könnt euch jedenfalls sicher sein, dass ich jedes Album, das hier besprochen wird, gekauft habe, insofern es gegen Geld erwerblich ist.


 


Außerdem überlege ich, einige der wichtigsten Alben, die in den letzten 12 Monaten erschienen sind, im Nachhinein zu bewerten. Vielleicht kann ich dem ein oder anderen Leser so noch etwas zeigen, was er oder sie verpasst hat und ihn oder sie interessieren könnte.


 


Ebenfalls finden könnt ihr meine Reviews auf folgendem Blog: http://blog.hiphop.de/1RapgameBlog1/  sowie auf http://www.bozz-forum.de//index.php?topic=547.msg124438#new (internationale Alben) bzw. http://www.bozz-forum.de//index.php?topic=418.0 (nationale Alben).


 


Was ich nicht tun werde, ist mir Alben zu kaufen und zu bewerten, die ihr euch wünscht, die aber nicht auf meinem Wunschzettel stehen. Ebenfalls werde ich nich die Downloadalben von irgendwelchen extrem unbekannten, deutschen Nachwuchsrappern bewerten, die ihr mir schickt, weil ihr euch selbst oder euren Kollegen was Gutes tun wollt. Es kann allerdings passieren, dass ich selbst irgendwo von alleine ein Downloadalbum von guten Nachwuchsrappern finde und es bewerte, wenn es wirklich gut ist und in meinen Augen mehr Aufmerksamkeit verdient. Also strengt euch beim Aufnehmen an, vielleicht verhelfe ich euch zu eurem Durchbruch ;).


 


Zudem solltet ihr wissen, dass ich hier meine WIRKLICHE Meinung präsentieren und mich in keinster Weise von irgendjemand anderem darin beeinflussen lassen werde. Außerdem werde ich weitgehend objektiv bleiben und keinen Rapper persönlich angreifen oder mich über ihn lustig machen. Ein wenig Humor werde ich hier rund da einfließen lassen, um das ganze etwas aufzulockern, aber das wird nie böse gemeint sein. Ich lasse mich auch nicht von jemandem bestechen oder klaue mir meine Reviews. Eventuelle Übereinstimmungen zu anderen Reviews sind rein zufällig.


 


Kritik ist, soweit sie vernünftig formuliert ist, erwünscht. Ihr könnt die dann als Kommentar posten. Bei extrem sinnlosen oder beleidigenden Kommentaren behalte ich mir das Recht vor, diese einfach zu löschen. Meinungsfreiheit heißt eben nicht, dass Dummheit was Cooles ist ;). Geht mir auch nicht auf den Sack mit Kommentaren wie “Da sind lauter Schreibfehler drin!”, erst recht nicht, wenn eure Kommentare selbst lauter Fehler enthalten, das hab ich alles schon gesehen. Ich hatte meine guten Deutschnoten und werd das schon einigermaßen hinkriegen.


 


Gespamme ist bei den Kommentaren verboten. Ebenso dürfen keine Links gepostet werden, die mit dem vorgestellten Album nichts zu tun haben. Behaltet die Links zu euren Download-Alben oder dummen Seiten à la “www.maria-wird-entjungfert.de” für euch. Macht eure eigenen Blogs für so einen Scheißdreck. Postet ihr so was, lösche ich das sofort und dann dürft ihr euch auf die Auszeit-Treppe setzen und euch dort für euer kindischen Benehmen schämen.


 


So, das war's von mir, ich wünsche euch viel Spaß mit meinem Blog! ;)