Afrob:
Der Letzte seiner Art

Lange hat man von Afrob, dem Stuttgarter Reimemonster, nichts mehr gehört. Viele dachten sich, dass Afrob sich nach dem eher mäßigen Erfolg seines 4. Soloalbums "Hammer" von 2005, das trotzdem weitgehend mit Lob überhäuft wurde, eine bewusste, musikalische Auszeit nehmen würde. Wenn überhaupt, hat er das eine oder andere Feature für z.B. die Spezializtz gemacht, aber insgesamt war er von der Bildfläche verschwunden. Dieser Umstand war auch bezeichnend für den Großteil der Hip Hop-Aktivisten aus Stuttgart: Freundeskreis releasten "nur" ihr Best of-Album, von den Massiven Tönen hörte man gar nichts mehr und Leute wie Wasi haben sich sowieso schon längt aus dem Rapgame verabschiedet. Lediglich Franky Kubrick feilte zusammen mit Optik Records und Kool Savas an seiner Seite weiter an seiner Karriere.
Diesen Umstand spiegelt Afrob nun in seinem neuen Albumtitel wieder. Von der ganzen sogenannten Kolchose ist er tatsächlich der einzige, der noch als waschechter Rapper und MC auftritt. Er ist eben der Letzte seiner Art, auch wenn er längst, wie übrigens viele Stuttgarter Szeneaktivisten, nach Berlin gezogen ist. Obwohl er schon im Vergleich zu anderen Rapperkollegen recht alt ist, bis heute immer noch von vielen sein erstes Album "Rolle mit Hip Hop" von 1999 sträflicherweise als einzig gutes und relevantes Werk gesehen wird und sein Privatleben es die letzten Jahre aufgrund einer kurzen Gefängnisstrafe sowie einer Vaterschaft nur schwer zuließ, sich mit Rap zu beschäftigen, er will es noch einmal wissen. Mit einer Menge Erfahrung und seinem neuen, eigenen Label "G-Lette Music" im Rücken stellt er sich noch einmal der Herausforderung.
Der Albumtitel verbreitet eine gewisse Endzeitstimmung, weswegen man vermuten könnte, dass das neue Album düster ausgefallen ist. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Schon die erste Nummer "Wo sind die Rapper hin?", produziert von DJ Rocky, geht straight nach vorne und direkt wird klargestellt, in welcher Beziehung er sich zur momentanen Situation der Szene sieht:
"Du schaufelst dein Grab und ich schaufel die Kohle/ Ganz entspannt am Mikrofon ohne 'ne Pistole"
Afrob rappt weitgehend frei, entspannt und manchmal frech, aber immer noch mit Biss auf dem Track weiter und hier zeigt sich, dass er selbst weiß, was er kann. Er muss dies nicht wie ein junger Hitzkopf auf Biegen und Brechen beweisen, er scheint das ganze mittlerweile locker zu sehen. Dies hat wohl auch mit Erfahrung und seinem Alter zu tun. Dennoch kann er es rein rapmäßig immer noch mit der jungen Generation aufnehmen und das zeigt dieser Song.
"Ist 'ne Frau eine Schlampe, hat die Mutter sie verzogen/ Weiß ne Frau, was sie will, hat sie dich mit mir betrogen/ Es ist einfach zu sehen, ich hab ein Level erreicht/ und ich sorge jetzt dafür, dass es bleibt/.../ Ich hab euch alles gesagt, ich bezog dafür Prügel/ nie gelogen, darauf geb ich dir Brief und Siegel"
"Ich geb ein Autogramm, sie machen mit Handys sie Fotos/ Sie erkennen mich, egal, in welchem Tarnkappenmodus/ Er ist der Letzte seiner Art, bitte halt mal die Fresse/ Ich schieb Rap in unser'm Kreis und niemals bei der Teeniepresse"
Um das ähnliche Thema geht es auch auf "Wat is los?", begleitet von einem clubbigen, mit Brass-Tönen versehenen Down-South-Beat. Afrob beweist immer noch ein gutes Händchen für Produktionen, die sowohl auf der Bühne als auch auf jeder Anlage funktionieren und sich für Liveauftritte hervorragend eignen.
"Was wollt ihr?" kommt mit einer geilen, dramatischen, gesungenen Hook und das Thema dreht sich um Politik und soziale Missstände. Diese beiden großen Themengebiete haben in Afrobs Karriere ja schon immer eine sehr große Rolle gespielt. Allerdings wirkte Afrob, was diese Texte angeht, schon mal bissiger und überzeugender. Es ist zwar schön zu sehen, dass er immer noch politische/sozialkritische Statements zustande bringt, wenn man überlegt, was für eine Kritik er sich über die Inhalte seines zweiten Albums "Made in Germany" anhören durfte. E artikuliert sich immer noch dabei klar und meiner Meinung nach hat er auch oft recht mit dem, was er zu Dingen wie Arbeitslosigkeit sagt. Das sind ja im Zuge der Wirtschaftskrise auch bedeutende Themen. Dennoch reißen eine diese Sorte Songs auf diesem Album nicht richtig vom Hocker.
"Auf Was wollt ihr?", produziert von dem Amerikaner Sholar, schweift Afrob auch zu weit aus. Es geht, wie eben erwähnt, u.a um die steigende Arbeitslosigkeit, aber auch um Eltern, die Fehler in der Erziehung ihrer Kinder machen und sogar um den Nahost-Konflikt. Das ist definitiv zu viel auf einmal, zumal er jedes dieser Themen somit nur oberflächlich ankratzt. Afrob sieht sich wohl als eine Art Beobachter, der alles, was in seinem Umfeld passiert, in sich aufsaugt und sich dazu verpflichtet fühlt, es anderen mitzuteilen. Dennoch verwirrt er einen dabei meistens eher als dass er jemanden zum Denken anregt.
Dieses Bild von Afrob wird auf "Gief Konjunkturpaket VI" feat. Sarah noch deutlicher. Der Song klingt wie eine Kopie von "Was wollt ihr?" und das Thema mit dem Nahost-Konfikt wird hier sogar noch näher betrachtet:
"Es ist sehr lange her und ich sprach über Araber/ Noch immer töten Israelis Babys im Gaza/ Stell dir mal vor, jemand kommt in dein Land/ schickt dich ins Lager, fremd im eigenen Land/ raubt dir die Grundlage deiner Existenz/ Niemand hat gefragt, mit der Macht der UN/.../ Ich bin nicht gegen Juden und gegen die Israelpolitik/ wenn man sowas sagt, ist man kein Antisemit/ Unschuldige starben bei 'nem Selbstmordattentat/ ist dann die Antwort ein weiteres Massengrab?"
Am Inhalt an sich habe ich nichts auszusetzen. Er lehnt sich meiner Meinung nach nicht zu weit aus dem Fenster und ich gebe ihm mit dem, was er sagt, auch recht. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Es geht mir eher darum, dass diese Textstelle sehr simpel gereimt und konstruiert wurde. Man könnte hier glatt fast meinen, dass Afrob keine 10 Jahre Erfahrung am Mic hat. Das meine ich auch u.a. damit, wenn ich sage, dass manchen Songs hier trotz interessanter Themen das Salz in der Suppe fehlt. Dieses Song hätte man getrost weglassen können.
Selbstverständlich gibt es auch Passagen, wo er darin überzeugen kann. "Mein Kampf" ist einer der Tracks, die auch ein wenig das Thema der Arbeitslosigkeit aufgreifen. Hier verbindet er dieses Problem mit der Tatsache, dass viele Rapper nur wenig Geld verdienen in einer Zeit, wo ihr Hobby bzw. Beruf einerseits sehr zeitraubend ist und kaum Platz für einen weiteren, richtigen Job bietet, andererseits aber fast jeder keine CDs und Alben mehr kauft, sondern lädt bzw. brennt. Wenn Afrob sich trotzdem selbstbewusst hinstellt und sich kampfbereit zeigt, macht ihn das auch sympathisch:
"Ich sah 1000 Rapper kommen, wie sie dachten, es wär ihre Zeit/ Die Kampagne läuft, doch nicht zu ihrer Zufriedenheit/ Deutsche Rapper werden immer schlauer, haben Abitur/.../ Egal, ob von der Straße, mit null Bildung und viel Drogen/ "Yes, we can!" ist für uns kein neuer Slogan"
Des Weiteren gibt es auf diesem Album natürlich auch einige, konventionelle Partytracks und Clubbanger, die weitgehend gelungen sind, Zuerst wäre da die von dem Frankfurter Produzententeam gebaute Nummer namens "Schnelle Nummer" feat. Dean Dawson & Brixx, einer weiblichen Rapperin. Der Beat erinnert vom Aufbau her schon stark an "I get money" von 50 Cent. Dennoch kann man sich das ohne Bedenken anhören und gut dazu mit dem Arsch wackeln. Das Frauending ist auf diesen Partybangern auch in verschiedener Art und Weise ein Thema. Da wäre erstmal "Babygirl", ausgestattet mit einer schönenTalkbox-Hook (nicht Autotune! Das sind 2 Paar Schuhe!) von DJ Rocky. Der Text dreht sich aber scheinbar um eine wahre Geschichte, denn Afrob rappt dort über die Mutter seines Kindes und welchen Stress er mit ihr hatte:
"ja, es war nicht einfach mit mir/ Es war auch nicht einfach mit dir/ Was ist schon einfach wofür?/ Das Kind, das ich liebe, das hab ich von dir/.../ Das Leben ist keine Ferrero-Reklame/ Gib uns die Zeit, die es braucht, wenn ich's sage"
"Ich trinke mit den Jungs und komm oft spät nach Haus/ Ich leg mich ins Bett, stink nach Wodka und Rauch/ Verpass das Frühstück wie üblich/ Und wenn du fragst, wo ich war, hab ich Angst und belüg dich/ Ja, es war'n 'n paar Mädchen dabei/ Ich weiß nicht, eins oder zwei/ Vielleicht waren es drei oder vier, Mann/ Ich hab nix getan, also wen interessiert's?"
Obwohl der Song ziemlich persönlich ist und Afrob dieser Exfreundin nachtrauert, verbreitet der Song eher gute Laune und überzeugt mit seinem warmen Soundbild.
"Sie, ich und sie", mit Cassandra Steen (die beste Sängerin Deutschlands, Leute!) und auch produziert von DJ Rocky ist ebenfalls etwas für den Dancefloor und kommt echt geil mit seiner wabernden Synthiemelodie, seiner klangvollen Snare und der schönen Hook samt Bridge, die Cassandra mit ihrer Engelsstimme beisteuert:
Hook: "Hey, du!/ Du hast keine Zeit für mich/ Also wird es Zeit für dich/ Ich sag dir das ins Gesicht/ Hör zu!/ Wir haben es längst verspielt/ Hast dich in deine Ex verliebt/ Das gibt natürlich Extrakrieg"
"Du weißt (was ich will)" ist ebenfalls ein Partysong, aber kann mit seiner semiprofessionell gesungenen und unglücklich formulierten Hook nicht wirklich überzeugen. Ein sehr, sehr guter Song hingegen ist "ASD Comeback", wo Afrob und Samy Deluxe Seite an Seite auf einem DJ Rocky-Beat ein Feuerwerk an Styles, Flows und Lines entfachen. Dies ist eindeutig mein Lieblingssong und geht direkt in Mark und Bein. Diese Hook ist einfach der Wahnsinn! Besonders diese kurze, mit Autotune gesungene "Yooo!"-Stelle da hat es mir extrem angetan! Ich hoffe, dass es dazu nicht nur ein Video geben wird, sondern, dass beide irgendwann einen Nachfolger ihres Kollaboalbums "Wer hätte das gedacht?" von 2003 aufnehmen, denn beide harmonieren einfach sehr gut miteinander:
Samy Deluxe: "Wir sind wieder mal dabei/ ASD, eure Lieblingspartei/ Doch wir geben euch unsere Stimmen und diesmal zu zweit/ Rockys Beats, unsere Lines"
Afrob:"2-9!"
Samy Deluxe: "Dieses Superwahljahr!"
Afrob: "Taten sprechen lauter als Worte!"
Samy Deluxe: "Es wurd genug gelabert/ Jetz wollen wir Nägel mit Köpfen machen/ Damit die Kids von Morgen besser leben und öfter lachen"
Afrob: "Fick Frust!"
Samy Deluxe: "Gib mir die Melodie und den Rhythmus/ Motivier die Massen, die meisten haben auf nix Lust"
Der Beat geht mit dem leicht arabesque klingenden Vocalsample klasse ins Ohr und die begleitenden Bläser und Streicher machen das ganze nur noch besser!
Doch leider gibt es noch einige Songs, die eher unspannend oder nicht ganz rund sind, wie z.B. "Allein" oder "Mach mein Ding" mit einem deutlich unterlegenen Camouflow als Feature. Die hätte man getrost auch weglassen können bzw. im Falle von "Mach mein Ding" hätte man einfach den Part von Camouflow weglassen können, dann wäre der Song gelungener gewesen.
Die beiden letzten Songs "I want u" (produziert von Bock auf'n Beat, aber auch mit eher schwachem Feature von Jayson Biggz) sowie "Spektakulär 2009" zeigen wieder einen gut gelaunten Afrob, der einfach gut rappen kann. Besonders der letzte Song gefällt mir sehr mit seiner erdigen Poduktion von Sebastian Bazee Wohlgemuth und diesen Beat könnte man sich sehr gut auf einem Jay-Z Album vorstellen. Der Song ist ja, wie am Namen erkennbar, ein Nachfolger zu dem gleichnamigen Song von Afrobs erstem Album. Dem Album, das er als sein schlechtestes bezeichnet, was viele seiner Fans und viele aus der Szene anders sehen. Dennoch hat er hier einen würdigen Nachfolger geschaffen:
"Hier sitz ich wieder mit nem Block und Papier/ 4 Jahre ohne Platte, ich bin so hochmotiviert/ Ich bin so engegaiert und so hochtalentiert/ Der Kuchen ist im Ofen mit dem Brotbackpapier/.../ Ich mach mein Ding, ich bin 31 Jahre alt und hab ein Kind/ Alles ändert sich/.../ Ich mach mich groß, schau, wie ich wachs/ Mann, ihr steht mir im Weg, ey, ich brauch noch mehr Platz"
"Es ist nie zu spät, ich bin nicht sauer/ Die Zeit heilt die Wunden nach der Trauer/ Mir geht es gut, ich darf das Erleben/ Den Frieden mit mir, Mann, ich kann euch vergeben/ Ich hab keine Last mehr"
Von sich kann so nur ein Mann sprechen, der nach Zeiten voller Krisen, Stress und Ärger irgendwann mit sich selbst ins Reine kam. Erfahrung kann einen Menschen zum Positiven ändern. Dieser Song bietet einen sehr schönen Abschluss des Albums, wie ich finde.
Unterm Strich bleibt ein Album, dass in sich doch etwas zerrissen wirkt. In manchen Momenten wirkt Afrob sehr selbstbewusst und souverän, in manchen Momenten hingegen hängt er etwas durch. Vielleicht hätte er der Platte noch etwas Zeit geben sollen, um ihr den letzten Schliff zu verpassen. Manche Beats auf dem Album wirken auch so, als ob man da noch mehr hätte rausholen können, wenn man noch ein klein wenig mehr ausprobiert hätte. Eine Sache, die ich auch bemängeln muss, ist, dass manche Passagen nicht so gut abgemischt wurden. Es gibt einige Textstellen, die wohl mit Absicht nur über eine Box laufen, weil man diese hervorheben wollte. Diese Stellen klingen allerdings deutlich leiser als die anderen, die über beide Boxen kommen, Dies sind kleine, kosmetische Fehler, die das Hören nicht wirklich unangenehm machen, aber dennoch negativ auffallen.
Dennoch muss ich sagen, dass es ein tolles Gefühl ist, Afrob wieder nach langer Zeit rappen zu sehen. Er ist, wie er selbst erkannt hat, immer noch einer der charismatischsten Rapper, die Deutschland je hatte. Das kann ihm auch 10 Jahre nach "Rolle mit Hip Hop" keiner mehr wegnehmen. Zudem erfreut es, zu sehen, dass er in einer Zeit, in der Imagerapper und Gangstergestalten einen Bärenanteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen, immer noch seinen film fährt und sich nicht hat verwässern lassen durch irgendwelche Trends. Fans von Afrob werden mit dieser Platte vollkommen zufrieden sein und für den Rest sind auch ein paar unfickbare Bretter drauf.
Wertung: 3,5 von 6 Punkten!
schon komisch, dass du da eigentlich die entscheidenden zeilen weggelassen hast. "..zupfen ihre augenbrauen, finger-manikur"
ein diss an itelligenten rap.
wenn man überlegt, dass afrob mit zeilen wie "... ich hab studiert, nicht weil ichs so toll fand/ ich musste 23 jahre ich sein in deutschland" kam. und heute so ein bullshit mit "viel drogen" daher grunzt, muss man sich überlegen ob man afrob überhaupt noch ernst nehmen kann.
es gab ja mal so ein satz im hip hop der hieß glaub ich "keep it real!"... ich weiß nicht ob sich afrob noch an ihn erinnern kann.
Johnny Clipper
falls antwort bedarf:
www.myspace.com/johnnyclipper
was soll das heißen er weiß nich was real is hast du sein album überhaupt gehört??
das is n paar stufen höher als das meiste was deutschrap zu bieten hat
er auf jedenfall ne krasse technik!!!!