Deutschland im Karaoke Fieber - Kein schlechter Witz, kein schlimmer Alptraum. Singstar macht es möglich. Eigentlich macht Singstar alles möglich. Da wird der Fernseher zur Karaoke Maschine umfunktioniert, der Controller durch ein Mikrofon ersetzt und die Freundesrunde zum Musikantenstadl umgeformt. Was will man an einem Freitag Abend mehr? Unterbewusst fragt man sich in so einem Moment, wie man das am nächsten Morgen sich selbst erklären soll, wie man das mit sich selbst vereinbaren soll, am Abend zuvor kastratenchorähnlich bei Modern Talkings "You're My Heart You're My Soul" mitgesungen zu haben, ohne jedes Schmerzempfinden.
Nicht genug, dass es die "moderne" Version von Singstar gibt, mit bezaubernden Liedern von Mr. Robbie "Ich bin so ein armes Schwein weil ich kein vernünftiges Groupie abkriege" Williams oder Ashlee "Ich bin viel toller als meine Schwester" Simpson, irgendein durchgeknallter, todesmutiger Programmierer kam auch noch auf die Idee eine 80er Variante des allseits beliebten Singstar zu entwickeln. Ich würde nicht darauf wetten, dass der Initiator dieser Idee heute noch ohne Securities zum Bäcker laufen kann, geschweige denn überhaupt noch irgendwo hin läuft. Falls doch - CIA, holla at'cha boy!

Da sitzt du nun, nicht alkoholisiert, vollkommen nüchtern, umgeben von vier singwütigen Menschen, die sich von dem für das Spiel ausgegebene Geld wohl besser Gesangsunterricht genommen hätten. So langsam gewöhnst du dich an die Position des stillen Beobachters, der immer, wenn ihm das Mikro unter die Nase gehalten wird, dankend ablehnt. Doch irgendwann zieht die Masche nicht mehr. Der Frust unter den anderen Spielmitgliedern steigt und auf einmal fallen Phrasen wie "du Spielverderber" oder "was ist los, traust du dich etwa nicht?". Auf diese beiden Vorwürfe gibt es eigentlich nur zwei klare Antworten. Ja und Nein. Ja, ich nehme gerne die Rolle des Spielverderbers ein, denn Singstar tut mir die selben Qualen an. Singstar ist eindeutig ein Verderberspiel und wer mich so reizt, dem verderbe ich auch das Spiel und nehme damit die Rolle des Spielverderbers an. Ob ich mich nicht trauen würde? Klar traue ich mich nicht, mich vor einer Horde begeisterter Hobby Sänger zum Vollhans zu machen und die, eh schon verseuchte Welt, noch mehr mit meinen Gesangskünsten zu schädigen.
Und erst recht nicht bei Modern Talking - Ich verlange doch auch nicht von meinen Mitspielern/Mitspielerinnen, den Backup-MC bei "LMS" von Kool Savas zu mimen.
Singstar ist und bleibt ein Hobby für Menschen, die eindeutig zuviel Zeit und Langeweile haben. Ich konnte mich vorerst dem Karaokewahn entziehen, blieb Hardliner und schaffte es bei einer mehr als einstündigen Homestudio Session, nicht ein mal ans Mic steppen zu müssen. Alleine dafür gehört mir eigentlich schon ein Ehrenplatz bei den nächsten 2000 Weltumweltkonferenzen für Förderung der Nachhaltigkeit. Denn mit meinem Desinteresse an Singstar bewahre ich nachfolgende Generationen vor Kollateralschäden.
Liebe Spieledesigner und Programmierer, das soll kein persönlicher Angriff gegen euch sein, allerdings solltet ihr langsam aber sicher daran denken, den Job zu wechseln. Die strikte Ablehnung von Singstar wächst in der Bevölkerung und in meinen kühnsten Träumen sehe ich euch mit gesenktem Haupt den Hartz 4 Antrag unterschreiben - eure persönliche Apokalypse. Aber behauptet am Ende bloß nicht wieder, keiner hätte euch gewarnt!
Ich fühle mit dir!
geschrieben vonam 27.03.2006 um 03:15
peace al
Bearbeitet von Al86 am 27.3.2006 um 03:16