Eventuell könnte sich der ein oder andere Leser nun fragen wie man es schafft, acht Stunden am Tag mit einem Berliner zu verbringen. Des Rätsels Lösung ist wie so oft die universell anwendbare Antwort „aus rein beruflichen Gründen“. Nebenbei bemerkt ist dieses gewiefte Statement auch eine gute Ausrede, wenn man sich mal wieder um mehrere Stunden verspätet, weil die Sekretärin des Chefs sich lasziv über den Kopierer beugt und man diesem Anblick einfach nicht widerstehen kann – doch zurück zu unerfreulicheren Dingen.

Da sitzt er also, der Berliner, und weiß im Grunde auch nicht so genau, was ihn gerade an diesen Arbeitsplatz verschlagen hat. Neben seinem wichtigsten Tool, dem Mund, hat der gemeine Berliner eine vielfältige Palette an Beschäftigungsmöglichkeiten auf Lager. Zum einen wäre da die permanente Nutzung diverser Chats – natürlich um mit „Atzen“ zu kommunizieren und „Ollen ufzureißen“. Doch der Berliner ist kein sehr geduldiger Mensch. Schnell wird die Chatorgie langweilig und eine neue Beschäftigung muss her. Ausgestattet mit Flexibilität und einer immensen Vorstellungskraft, verfällt der Berliner in multitaskingähnliche Muster. Stift in der Rechten, iPod in der Linken, navigiert er seine Finger flink über Blatt und Click Wheel. Was dabei heraus kommt klingt zwar kontrovers, da dieser Begriff im Wortschatz eines Berliners nicht vorhanden zu sein scheint, wage ich ein in Sekundenschnelle hingetagtes Graffiti und das Ertönen eines Techno-Sets, Herkunft iPod, Länge 73 Minuten, als eher skurril zu bezeichnen.

Doch ein echter Berliner wäre nicht Selbiger, wenn er nicht zu allem Übel anfangen würde, von Techno inspiriert, über sämtliche Drogenarten dieser Welt zu philosophieren, mit denen er – natürlich aktiv – in Berührung gekommen ist. „Fear And Loathing In Las Vegas” hallo; göttliche Arbeitsruhe goodbye…heißt das Motto für den Rest des Nachmittags. Für die Mitarbeiter des Berliners natürlich. Dem anfangs begeisterten Laien fällt es da spätestens nach zwei Stunden schwer, den LSD-Flashs, Speed-Filmen und Cokain-Trips noch eindeutig zu folgen – sofern er das jemals vor hatte.
Nach zahlreichen Belehrungen über die korrekte Einnahme von Pilzen und die richtige Dosierung von Marihuana und Amphetaminen, findet der Höllentrip ein Ende. Der Berliner ist noch lange nicht fertig, einzig und allein der offizielle Feierabend stellt die Rettung dar. Doch selbst beim Verlassen des Büros beschleicht einen das mulmige Gefühl, dass morgen alles wieder von vorne beginnt. Mit Chats, Techno-Sets, Drogenreisen und all den kleinen Nebengeschichten, die von Messerstechereien, Verfolgungsjagden und illegalen Immobiliengeschäften handeln.
Wenn man dann abends abschließend im Bett ein Tagesresümee zieht, kommt es einem so vor, als ob man den Tag in einer Märchenwelt verbracht hat. Und wenn der Berliner nicht gestorben ist, dann quatscht er noch heute seinen Kollegen die Ohren voll...
(Fortsetzung folgt...)
löl
geschrieben vonam 24.04.2006 um 10:40
alter!
Bearbeitet von Marius am 24.4.2006 um 10:41