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Die Koolumne: Ich bin ein Berliner Pt. 2

12.05.2006 - 12:01
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Im ersten Teil der „Berlin-Kolumne“ habt ihr Einzelheiten über den Musik- und Drogengeschmack des gemeinen Berliners erfahren. Diesmal soll es vor allem um des Berliners Lieblingswort „Prozessoptimierung“ und um Kohlrouladen gehen.



Die exakte Charakteranalyse eines Hauptstädters ist gelinde ausgedrückt durchaus schwierig. Eine Eigenschaft scheint er jedoch mit der Muttermilch aufgesogen zu haben: Das Streben nach Perfektion oder anders ausgedrückt die größtmögliche Menge an Chaos anrichten in kürzester Zeit. Doch diese Begriffe und Umschreibungen sind dem Berliner nicht bekannt. Gerne greift er deshalb auf das äußerst melodisch und modern klingende Wort „Prozessoptimierung“ zurück. Was jedoch genau mit diesem Synonym gemeint ist, scheint den Berliner auch des Öfteren vor Rätsel zu stellen.
Erklärungen von Begriffen ist nicht gerade seine Stärke, das haben wir bereits gelernt, an der Umsetzung scheitert es dagegen nie. Innerhalb von Sekunden – unter Drogeneinfluss oder Schlafdefizit können es sogar Bruchteile von Sekunden sein – zerstört der Berliner jegliche Ordnung und spielt mit Zusammenhängen, wichtigen Daten und Terminen geradezu Kniffel. Für seine Mitarbeiter hat dies verheerende Folgen. Gut und gerne kommen sie sich vor wie bei einer Partie Schiffe versenken, nur dass hier nicht mit Plastik Flugzeugträger sondern mit Geduld gespielt wird. Seltsamerweise schafft es der Berliner gleich nach den ersten Zügen das Kommandoschiff platt zu machen. Jede erdenkliche, vorher sorgfältig zurecht gelegte Abwehrstrategie ist hier nutzlos.



Der Berliner mutiert zu einem Märtyrer, der seinen eisernen Optimierungsprozesskreuzzug fortsetzt, komme was wolle. Doch was bekommt man auf einem solch kräftezehrenden Marsch als erstes? Na klar, Hunger! Ein waschechter Berliner wäre nicht solcher, wenn er keine weiterführenden Kochkenntnisse besäße. Neben fünf Minuten Kräuterbaguettes bereitet der Berliner besonders gerne so genanntes „mixed food“ zu. Ob Spaghetti Carbonara mit zeigefingergroßen Paprikastücken, Heidelbeer Joghurt gemischt mit Kräuterquark oder gar sein absoluter Favorit, Kohlrouladen ohne Kohl, dafür mit Jägersoße. Der Berliner kocht und verzehrt eben alles. Auch im Supermarkt muss man ihn von der Tierfutterabteilung fern halten, da er scheinbar noch nicht mitbekommen hat, dass Hundefutter vor allem für eines gedacht sind  - Hunde.
So viel Gaumenfreude, gepaart mit der unweigerlichen Prozessoptimierung kann, wenn man rational denkt, nur eins zur Folge haben: Die drastische Kürzung der Praktikumszeit. Sozusagen die Rettung kurz vor dem Untergang des letzten Schiffes durch die Basisstation.

Am Ende heißt es dann wohl oder übel „Game Over“, oder in des Berliners Worten ausgedrückt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

(flo)



  




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