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Man sagt ja vor allem Frauen nach, häufiger mal als Multitalent auf die Welt zu kommen. Manche Dame des Kinogewerbes nutzt diesen Umstand, fern oder eben auch auf der Leinwand ihre Stimmbänder öffentlich zum Klingen zu bringen. Wie die Erfahrung lehrt, ist das Ergebnis teils zwar nur durchschnittlicher Natur (Stichwort „Lindsay Lohan“), aber meistens geht das Ganze gut. Man denke an Michelle Pfeiffers Schwanengesänge in „Die fabelhaften Baker Boys“ oder „Grüße aus Hollywood“, wo sich in Form Meryl Streeps und Shirley MacLaines gleich zwei Aktricen in die Gehörgänge des Publikums schmeichelten.



Umgekehrt liegt der Fall etwas anders. Zwar hat es „die alte Tasche“ Cher (Dank an meinen Chef für diesen O-Ton) neben ihrer eindrucksvollen musikalischen Karriere später eben auch zur Oscar-Preisträgerin gebracht. Dafür blamierten sich zum Beispiel Britney Spears und Mariah Carey mit „Crossroads“ beziehungsweise „Glitter“ bis auf die Knochen. Und Madonna durfte sich in einem Augenblick des Triumphes für „Evita“ zwar einen Golden Globe abholen. Aber in Rollen, wo sie eben nicht bloß singen musste, sah das Mädel ebenfalls schon immer ganz schön alt aus. Folgerichtig wurde Madonna im Laufe der Jahre als Schauspielerin geradezu automatisch für die Goldene Himbeere nominiert; zählt man alle Kategorien zusammen, hat sie mittlerweile neun (!) der fauligen Früchte auch bekommen. Darunter den Preis als „Worst Actress of the Century“. Glückwunsch! Nichtsdestotrotz verzagt unser Möchtegern-Moviestar nicht, sondern bleibt Filmangeboten gegenüber offen wie ein Bordell am Wochenende. Man hört, eine neue Rolle im aktuellen Werk ihres Gatten Guy Ritchie sei bereits so gut wie im Kasten. Ungeachtet der zweifelhaften Objektivität der Kritiker und Himbeer-Jury drängt sich da der Spruch vom Schuster auf, welcher lieber bei seinen Leisten bleiben sollte.



Islands Goldkehlchen Björk geht einen anderen Weg. Zwar kann man über die gesanglichen Fähigkeiten der Madam heftigst streiten, doch zumindest überschätzt sie sich nicht. So musste Lars von Trier gerüchteweise schier ewig betteln, um die spröde Sängerin als Protagonistin seines Meisterwerkes „Dancer in the Dark“ zu gewinnen. Der Lohn: diverse Auszeichnungen als Beste Darstellerin, darunter in Cannes. Trotzdem tingelte Björk danach eben nicht erfolgssuchend durch unzählige Kino-Ergüsse, sondern taucht erst jetzt, Jahre später, wieder im Kino auf. Wahrscheinlich aus familiären Gründen, denn bei „Drawing Restraint 9“ fungiert ihr Gatte Matthew Barney als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller.



Wer Barney kennt, weiß um die Sperrigkeit des zu Erwartenden. Folgerichtig gibt es keine echte Handlung – 135 Minuten lang verlieben sich zwei Fremde (eben Björk und Barney) an Bord eines Walfängers. Sie wohnen einer Teezeremonie bei, die Crew schleift eine Walpuppe an Bord, um sie dort fachmännisch zu zerlegen. Ein seekranker Junge übergibt sich in Großaufnahme, an Deck schlummert eine Skulptur aus Vaseline vor sich hin, welche wiederum in ihrer Konsistenz dem Erbrochenen stark ähnelt. Björk wird von zwei Geishas (?) aufgedonnert und verliert dabei ihre Augenbrauen, Barney büßt ebenfalls Teile seiner Haarpracht ein, beide mutieren rein äußerlich langsam zu Tierwesen. Und und und. Das Ganze kommt als audiovisueller Rausch daher, Dialoge gibt es nahezu keine. Dafür hat Björk ein paar Songs geschrieben, die inhaltlich das Konzept füllen, denn so langsam bekommt man tatsächlich eine Ahnung, was Barney eigentlich sagen will.



Dennoch gehört jede Menge Sitzfleisch dazu, die üppige Laufzeit einigermaßen zu überstehen – zumal, wenn das Programmkino des Vertrauens in Sachen Polsterung nicht gerade über ausufernden Service verfügt. Man wird sich auch auf jeden Fall streiten können: Kunst oder Kitsch? Langeweile oder Leidenschaft? Hintergründigkeit oder Schwurbel? Der fast vollständige Stillstand des Geschehens macht es dem mit gängigen Sehgewohnheiten behafteten Zuschauer nicht gerade leichter, dem Ganzen etwas abzugewinnen. Und doch: „Drawing Restraint 9“ bleibt stets so flüchtig wie doppelbödig, interessant und faszinierend. Vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein, will interpretieren und Neuland betreten (bei der Hitze!). Ein starker Magen ist dabei auch nicht schlecht, denn gegen Ende entschließt sich Barney zur minutenlangen Darstellung einer humanen Verstümmelung, einer ebenso widerwärtigen wie grausam schönen Zerfleischung zweier Körper. Derart detailliert (das Kratzen von Messern auf Knochen!) und dabei fast verspielt, dass sensible Gemüter in ihre Popcorn-Eimer reihern dürften. Im furiosen Finale jagt dann schließlich eine Metamorphose die nächste, und wirklich nichts ist, wie es einst war. Gleiches gilt für den Gefühlszustand des Zuschauers, der sich im schlimmsten Fall über 135 Minuten restlos vergeudete Lebenszeit zu Tode ärgert, bestenfalls jedoch ein wahrhaft einzigartiges Erlebnis mit nach Hause trägt, um es im eigenen Geist zu verschließen und immer mal wieder einen inneren Blick darauf zu werfen. Polarisation voraus!

Weitere Experimente dieser gelungenen Art wünscht sich

Tino


  


hey hey...

geschrieben von Anonymous
am 3.08.2006 um 08:58
...sag mal hast du zufällig auch die 5 teile von "cremaster" gesehen, die barney zwischen 1995 und 1999 gemacht hat? wenn ja, vergleich mal bitte. denn cremaster fand ich ziemlich kacke obwohl ich so arty farty zeug eigentlich ganz gern mag...

shane54

Sorry...

geschrieben von Der Tino
am 3.08.2006 um 09:33
...CREMASTER ist mir bislang noch nicht untergekommen. Läuft zwar momentan in einem unserer Programmkinos, habe aber augenblicklich echt keine Zeit dafür. Vielleicht kann ja jemand anderes helfen?!

Grüße, der Tino

Kommentar ohne Titel

geschrieben von Anonymous
am 3.08.2006 um 06:20
He, diesen Highschoolteeniefilm mit Lindsay Lohan fand ich ganz lustig und hab mir den dann auch 3mal an den Wochenende reingezogen!

Linsay Lohan...

geschrieben von Rice
am 3.08.2006 um 09:48
Sie ist wahrscheinlich die schlechteste Schauspielerin auf diesem Planeten. Wäre da nicht Paris Hilton...

Der Fil mit LL war einfach nur grottig.

Rice

Kommentar ohne Titel

geschrieben von blastah
am 3.08.2006 um 11:32
Da gehst du also doch noch ins Kino...


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