
Andy Sachs (Anne Hathaway) ist eine junge und ambitionierte Absolventin der Northwest Universität mit einem Abschluss in Journalismus. Sie ist intelligent, steht mit beiden Füßen fest auf dem Boden und träumt davon eines Tages bei der New Yorker Zeitung angesehen journalistisch tätig zu sein. Doch Jobs wie diese, egal wie gut deine Referenzen, liegen einfach nicht auf der Straße und benötigen meist hervorragende Kontakte. So findet sich Andy eines Tages im Büro der teuflisch wirkenden Miranda Priestly (Meryl Streep), editor-in-chief/executive des internationalen Glamour Magazins Runway, wieder. Sie hofft als Mirandas Assistentin arbeiten und so viele Kontakte wie möglich schließen zu können. Doch der Job bei einem solch erfolgreichen Modemagazin gestaltet sich für Andy schwieriger als zuerst angenommen. Noch dazu, wenn man nicht den geringsten Funken an Modebewusstsein oder Modewissen inne hat und mehr als nur eine Stange Sellerie zu Mittag zu sich nimmt. Belächelt von den Kollegen und sichtlich fehl am Platz versucht sie aber ihr Bestes, den Anforderungen Mirandas Tag und Nacht gerecht zu werden. Degradiert als Größe 6 und somit automatisch fett, darf sie demnach ihr Telefon selbst für die Toilette nicht verlassen, wird für Musterstücke im Sprint durch die Stadt geschickt, bekommt Aufträge im fast forward Stil per Telefon mitgeteilt, muss dazu den Hund Gassi führen und darf um Gottes Willen nie nie nie die heißen Starbucks Kaffees auf all ihren Besorgungstrips vergessen. Immer mit einem herabwürdigen Blick ihrer Chefin wird Andy zum modernen Sklaven ohne jegliche Freizeit und mit minimalem Gehalt. Doch als es Andy eines Nachts nicht gelingt Miranda im Hurrikan aus Miami ausfliegen zu lassen, wird sie von ihrem Boss lediglich als nutzlos und dumm bezeichnet. Jede Frau würde für Andys Job durchs Feuer springen. Heulend und voller Selbstmitleid rennt sie zu Mirandas rechter Hand Nigel (Stanley Tucci). Allerdings scheinen Sympathie und Gefühle in dieser Branche nicht großgeschrieben zu sein. Und während Nigels ihr immer noch eine Standardpredigt hält, klickt plötzlich etwas in Andys Kopf. Sie braucht ein Makeover. Andy ist plötzlich mit der Modewelt auf du und du. Doch zu welchem Preis?

Oh mei. Was für ein Film. Was für Klamotten. Der Himmel auf Erden für jede Frau. Angeblich hat Anna Wintour, editior-in-chief der amerikanischen Vogue, dem Film gegenüber sogar einigermaßen Humor gezeigt. Zumindest erschien sie zur Premiere. Denn um diese real existierende Tyrannin und Chefin aus der Hölle geht es in „The devil wears Prada“. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Lauren Weisberger, die im wirklichen Leben Anna Wintours Assistentin war, gibt der Film dem Normalbürger eine Insider Einsicht in die Welt des Multi Millionen Dollar Geschäftes der Vogue. Es ist ein Blick hinter die Kulissen der allumschwärmten Modewelt und wie es aussieht die perfekte Rache Weisbergers. Auch wenn sie es öffentlich verneint. Der Klagen wegen. Doch mal ehrlich, das kann aufgrund der Fakten kaum ein Zufall sein. Man vergleiche nur die „fiktiven“ mit den realen Personen! Selbst die Haarfarbe stimmt!

“Everyone wants to be us” sagt Miranda relativ am Schluss des Filmes. Und auch wenn ich versuche krampfhaft dagegen anzukämpfen – sie hat recht. Jede Frau möchte im Blitzlichtgewitter der Fotografen stehen, jede Frau möchte phänomenal aussehen und die teuersten Designerklamotten tragen und jede Frau möchte sich mit den begehrtesten und berühmtesten Menschen dieser Welt unterhalten. Macht haben. Mitarbeiterin bei der Vogue oder in diesem Fall Runway zu sein, gibt einer Frau diese Möglichkeit. Täglich.

Andy hat zu allererst absolut keine Ahnung von Mode oder von den Leuten am Telefon. Nur allein die Frage ‚Wie schreibt sich Gabbana’ ist ein Schlag ins Gesicht. Doch sie kämpft sich durch. Trotz aller Peinlichkeiten. Aber Nettigkeiten und Floskeln, Unterstützung der Kollegen und Mitgefühl jeglicher Art sind in einer Welt wie dieser nirgendwo zu finden. Schon gar nicht von ihrem Gegenüber Emily, Assistentin Nummer 1, die ihr das Einleben mit Kaffeeaufträgen morgens um 6:15 Uhr ebenfalls nicht einfacher gestaltet. Es ist eine Atmosphäre von ‚kill or be killed’. Und Angst unter Mirandas Mitarbeitern, ob im Sinne von gefeuert oder nur konfrontiert zu werden, verbirgt sich hinter jedem Schreibtisch. Ja sogar die falschen Schuhe können für den Einzelnen zu einer Katastrophe werden. Es gibt Vorschriften für jede minimal durchzuführende Tätigkeit. Alles wäre aber noch einigermaßen zu ertragen, wenn sich Andys Privatleben nicht steil nach unten bewegen würde. Pläne, ob nun mit Freunden oder Familie werden von Miranda oftmals über den Haufen geworfen. Für sie zählt nur die Arbeit. Das Magazin. Alles andere ist nebensächlich. Und machst du Fehler, gnade dir Gott. Und Fehler können bei Miranda auch nur einfaches Erscheinen bedeuten. So wie bei Andy. Als diese nämlich die Vorhabkopie der neuen Ausgabe zu Mirandas Haus bringen soll, findet sie sich plötzlich zwischen Tür und Angel inmitten eines intimen Gespräches wieder. Aus Versehen. Miranda ist vom Blick her zu urteilen nicht sehr erfreut. Und ihre nächste Racheaufgabe für Andy komplett unmöglich. Doch je mehr sich Andy mit ihrem Verantwortungsbewusstsein identifiziert, um so mehr rutscht sie in Mirandas Welt hinein. Bis sie selbst vor der Entscheidung steht – kill or be killed. Sie scheint ihre eigentliche Karriere und Persönlichkeit aus den Augen verloren zu haben.

Meryl Streep als rücksichtslose Miranda hätte nicht besser gecastet sein können. Durch ihre schauspielerische Fähigkeit mit sanfter und leiser Stimme in diese Rolle zu schlüpfen, graziös doch forsch durch die Bilder zu staksen, gibt sie ein totales Ebenbild der echten editor-in-chief Chefin Wintour ab. Sie gibt dieser Frau ein trauriges und einsames Antlitz, ohne aber auch nur einen Funken an Sympathie zu erreichen. Miranda liebt ihren Job und geht dafür über Tote. Sie und nur sie allein ist Runway. Niemand kann ihren Job machen. Streep macht der Frau alle Ehre.

Anne Hathaway, auch wenn ich noch nie ein Bild solch einer Assistentin wahrgenommen habe, spielt die Rolle des anfänglichen Modemuffels und späteren Modelabklatsches hervorragend. ‚The Princess Diary’ war für ihre Wahl wohl die Vorentscheidung. Jeder Kinobesucher und Angestellter kann durch Hathaways Portrait mit dem Wunsch nach Anerkennung und Verständnis sympathisieren. Genauso kann ich aber auch ihre Zerrissenheit zwischen Beruf- und Privatleben verstehen. Du hast ein Verantwortungsbewusstsein deinem Job gegenüber aber auch den Bedarf ein Privatleben zu führen. Hathaway spricht für Millionen von Männern und Frauen in unserer heutigen Gesellschaft.
Stanley Tucci, der Nigel spielt und wohl Fashion Guru Andre Leon Talley darstellen soll, ist zwar vom Aussehen nicht passend, von der Verwandlungsfähigkeit aber schon. Er zeigt Nigel als leicht hochnäsigen Miranda-Liebling – so wie Talley – allerdings mit Gefühl. Ab und zu jedenfalls. Denn auch Nigel hat nach 18 Jahren harten Aufbringens für Runway nicht eine Minute Freizeit. Er erfüllt zwar alle Anforderungen Mirandas, hat aber komplett die Kontrolle über sein Leben verloren. Im Gegensatz zu Andy, gibt es aber für Nigel kein zurück mehr.
Emily Blunt als Mirandas Assistentin Nr. 1, liefert ihre Funktion als gehässige, gehorsame und modeeinatmende Sklavin ihrer Herrin perfekt ab. Sie steht für alle Frauen die wirklich eine Rolle in der Fashion Welt spielen wollen. Sie hungert um in die Couture zu passen, schleimt um auf Reisen mitgenommen zu werden und liebt ihren Job über alles. Würde sie gefeuert werden, spränge sie vom Hochhaus. Ihr Leben ohne Runway wäre kein Leben. Komplett mit englischem Akzent ist Blunt eine absolute Bereicherung – und komisch.

Natürlich gibt es im Leben Andys noch massenweise wichtige Personen, die zwar alle erwähnenswert sind aber hier den Rahmen sprengen würden. Der Film ist nicht nur etwas für jede Frau. Er sollte eigentlich auch von jedem Mann gesehen werden, der sich für seine Karriere aufopfert. Denn die Moral von der Geschicht – es lohnt sich nicht.
Das Buch Weisbergers liegt auf meinem Nachttisch. Immer noch ungelesen. Eine Schande die behoben werden muss.

Genre: Drama-Komödie
Regie: David Frankel
Schauspieler: Anne Hathaway, Meryl Streep, Stanley Tucci, Emily Blunt
Drehbuch: Aline Brosh McKenna (nach dem Buch von Lauren Weisberger)
Laufzeit: 109 min.
Budget: 35 Mill. USD
Einspielung: 233,200,712 Mill. USD
Filmstart: 12.10.2006
Website: www.devilwearspradamovie.com
IMDB-Link: www.imdb.com/title/tt0458352
(jeannine)
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Volle Punktzahl?!
geschrieben von Ronam 31.10.2006 um 12:23
Gibt es an dem Film wirklich nichts zu kritisieren?
Ron