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"Gefällt den amerikanischen Produzenten ein ausländischer Film, wird er in den meisten Fällen ganz einfach neu gedreht." - Tino Socaly

Hand aufs Herz, lieber Leser: Sagt Dir der Name „Franziska Pigulla“ etwas? Nein? Kein Grund zur Sorge, denn Frau Pigulla ist nicht nur ein super netter Mensch, sondern auch ein praktisch völlig unbekannter Promi. Ihre Stimme allerdings, die tragen wir wahrscheinlich alle tief im Gehörgang. Dieses Timbre, diese Rauchigkeit, die schiere verbale Erotik... Wir haben den akustischen Genuss in unzähligen „Akte X“-Folgen sowie einigen Filmen vernommen, verbinden ihn allerdings mit einem anderen Gesicht – dem von Gillian Anderson à la Dana Scully. Wie man unschwer schlussfolgert, verdient sich Franziska Pigulla ihre Brötchen als Synchronsprecherin.



Ungeachtet der bereits ausführlich gepriesenen stimmlichen Qualitäten der Dame ein zweischneidiges Schwert. Für viele Cineasten sind Filme ausschließlich im Original, maximal noch mit Untertiteln versehen, genießbar. Auch Euer alter Tino schaut, wenn möglich, lieber die praktisch jungfräuliche Fassung. In den USA geht dieser Trend aber
fast schon bis zum Lächerlichen – Synchronisationen finden niemals statt, Untertitel sind Mangelware. Gefällt den amerikanischen Produzenten ein ausländischer Film, wird er in den meisten Fällen ganz einfach neu gedreht. Die Remake-Schwemme nimmt kein Ende. Aber zurück zum Thema: Natürlich kann man Synchronisationen negativ gegenüberstehen und denken, sie machen die künstlerische Intention kaputt. Hinzu kommt gerade bei Komödien die generelle Unübersetzbarkeit prägnanter Wortspiele und Sprüche. Andererseits wertet eine gelungene Synchronisation manchmal (okay, eher selten) Filme auch auf. Wer beispielsweise „Gefährliche Liebschaften“ und „Dangerous Liaisons“ vergleicht, wird wissen, wovon ich rede. Aktuell positiv zu nennen wäre ebenfalls "Der Teufel trägt Prada“. Grundsätzlich nicht viel mehr als eine recht schmalzige Liebes-Selbstfindungs-Comedy, grenzen sämtliche Szenen mit Meryl Streep an Genialität – eine unglaubliche schauspielerische Leistung, für die sie unbedingt eine weitere Oscar-Nominierung bekommen muss. Und um beim Thema zu bleiben: Ihre Synchronsprecherin zieht adäquat mit und sorgt dafür, dass auch die deutsche Fassung nichts an Spaß einbüßt. Wie das von Streep dargestellte Mode-Miststück Miranda Priestly in der Synchronisation mit einem scheinbar sanften, aber unter der Oberfläche höchst gefährlich brodelnden „Das wärs...“ regelmäßig ihre devoten Angestellten abbügelt, muss man einfach gehört haben!



Auch die Stimmen anderer Stammsprecher kennt jeder, ohne zu wissen, wie eigentlich der Mensch dahinter heißt oder gar aussieht. Man denke an Michelle Pfeiffer (synchronisiert von Katja Nottke), Julia Roberts (Daniela Hoffmann), Jodie Foster (Hansi Jochmann), Tom Hanks (Arne Elsholtz) oder Bruce Willis (Manfred Lehmann). Doch erneut eröffnet sich ein Zwiespalt. Manche der genannten Profis sind nämlich derart begehrt, dass sie gleich mehrere Darsteller bedienen. An sich völlig okay – nur manchmal etwas seltsam. Man lege zum Beispiel einen Film ein, in dem Petra Barthel der Protagonistin ihre Stimme leiht. Da Barthel zu den Vielbeschäftigten zählt, tut sie dies für Nicole Kidman, Uma Thurman, Bridget Fonda und Julianne Moore. Ungeachtet der zweifellos verbalen Meisterleistung hätte es eigentlich jede der Damen verdient, ihre individuelle deutsche Stimme zu bekommen, oder?!



Andererseits soll nicht unerwähnt bleiben, dass Synchronsprecher leider häufig ein unverdientes Schattendasein führen, ihnen die angebrachte Würdigung verwehrt bleibt. Man sieht es unter anderem am Beispiel der „8 Frauen“: Sämtliche Stimmen für Ozons Schlacht der Oberzicken waren bereits gebucht, als der Verleih umschwenkte und deutsche Stars buchte, um ihre französischen Pendants zu vertonen. Aus Catherine Deneuves Mund spricht nun Senta Berger, Nina Hoss vollbringt eine tolle Leistung als Emanuelle Béarts Alter Ego, Katja Riemann eignet sich hervorragend Isabelle Hupperts Hysterie an. Eigentlich wunderbar, zumal man sich keine bessere Kombination als Fanny Ardants Mienenspiel und Hannelore Elsners schöne, reife Stimme vorstellen mag. Doch die Aussage dahinter ist klar: Stars zu Stars. SynchronsprecherInnen machen bloß ihren Job, sind quasi unwichtig, können locker geschasst werden. Ein himmelschreiendes Unrecht. Wer dies wenigstens ansatzweise ändern, die realen Gesichter hinter den Stimmen kennen lernen und die unbekannten Sprecher ihrer Anonymität entreißen möchte, werfe einen intensiven Blick ins Internet, nämlich auf die derzeit beste Seite zum Thema: www.synchronkartei.de.

Stimmen wie diese gern hört

Tino

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fotokasten.de - Fotoabzuege

  


Coole Bilder...

geschrieben von Anonymous
am 2.11.2006 um 11:56
Kann es eigentlich sein, dass die Synchronsprecher jeweils nach Aussehen ausgewählt werden?! ich finde gerade in den Bildbeispielen könnte man meinen, dass die Synchronsprecher die älteren und ein bisschen verschrumpelteren Versionen der US-Schauspieler sind...

Ich finde das im Übrigen auch ziemlich strange, wenn Laurence Fishburn auf einmal den Synchronsprecher von Bruce Willis bekommt...da kann ich den Film gar nicht mehr genießen.

Zweischneidiges Schwert

geschrieben von Ron
am 2.11.2006 um 12:17
Hmm, also ich weiß eh nie, was ich machen soll, wenn mir ne neue DVD in die Hände fällt. Das Problem ist doch immer: Schau ich mir einen Film mit Originalton (meist Englisch) an, versteh ich die Hälfte nicht. Und das liegt sicher nicht daran, dass mein Englisch so mangelhaft wäre, sondern dass man sich erstmal an das amerikanische Gemurmel gewöhnen muss und jeder Schauspieler seinen eigenen kleinen Dialekt spricht.

Andererseits machen diese Synchronisationen oftmals die Filme kaputt, weil die Originalstimmen von der Tonlage her einfach geiler sind. Dazu kommen noch unzählige Streifen, bei denen Lippenbewegung und Synchro-Stimme überhaupt nicht stimmen...

Wie man's macht ist's falsch..

Bezüglich Meryl Streep

geschrieben von Florian.Mueller
am 2.11.2006 um 01:07
Ich gebe Tino da vollkommen recht. Die Synchronsprecherin von Meryl Streep in "Devil wears Prada" ist top. Allgemein gibt es an der Person Miranda Priestly nichts auszusetzen, geniale Leistung von Streep. Dass eine Syncho allergings so überraschend positiv rüberkommen kann, ist für meine eine Ausnahme.

Übrigens sollte man eine Grundregel stets einhalten: Schau dir niemals eine amerikanische Erfolgsserie, die nach Deutschland rübergeschwappt ist, auf deutsch an. Als Beispiel wäre da das genial von Kiefer Sutherland produzierte "24" zu nennen. Auf Deutsch eine einzige Katastrophe, besonders die ersten beiden Staffeln, in denen Dennis Haysbert den US-Präsidenten David Palmer spielt. Wer die Serie kennt, weiß sicher was ich meine...

Der Reviewnator.

Ich Trommelhorn...

geschrieben von Der Tino
am 2.11.2006 um 03:18
...habe doch glatt vergessen zu erwähnen, dass Meryl Streeps Sprecherin Dagmar Dempe heißt. Also an dieser Stelle noch mal ein riesiges Kompliment an Frau Dempe und Euch danke fürs Feedback. Volle Zustimmung bezüglich Serien und der Zwiespältigkeit allgemein. Wie gerade Robert DeNiro oder Marlon Brando so rumnuscheln, grenzt an akustischen Terror. SynchronsprecherInnen nach Aussehen zu besetzen ist allerdings eine hübsche Idee :).

Studentenjobs...

geschrieben von Anonymous
am 2.11.2006 um 05:51
Da ich beruflich bedingt Einblick in die Synchronsprecher-Szene habe, kann ich bestätigen, dass man darin ziemlich respektlos behandelt wird. Oftmals sprechen z.B. für weniger bekannte amerikanische Serien, die dann irgendwann nachts um 2 Uhr auf Kabel 1 laufen, Studenten und betreiben dies als Nebenjob. Da braucht man sich dann auch nicht wundern, wieso die Filme so schlecht synchronisiert sind, wenn die Produktionsfirmen eh keinen Cent für Synchronsprecher ausgeben wollen.

@ Ron

geschrieben von SerHumano
am 2.11.2006 um 09:26

das problem kenne ich, ich habs für mich gelöst indem ich die filme original mit englischen untertiteln ansehe. sonst hätte ich von den sopranos glaube ich recht wenig verstanden. das einzige problem was dann bleibt ist die qualität der englischen untertitel.


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