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Mein Name ist Socaly, Tino Socaly. Und ehrlicherweise bin ich kein sonderlich großer Fan des weltweit bekannten und verehrten Agenten mit der Kennung „007“. Na ja, zumindest vergöttere ich den Mann nicht so wie der 23jährige Engländer David Fearn. Letzterer hat nämlich neulich seinen durchaus gefälligen Namen abgelegt und eben in „James Bond“ geändert. Doch nicht nur das! Was ein echter Anhänger ist, der packt auch gleich noch sämtliche Filmtitel mit rein. Folgerichtig heißt dieser glühendste aller Fans nunmehr allen Ernstes „James Dr. No From Russia with Love Goldfinger Thunderball You Only Live Twice On Her Majesty's Secret Service Diamonds Are Forever Live and Let Die The Man with the Golden Gun The Spy Who Loved Me Moonraker For Your Eyes Only Octopussy A View to a Kill The Living Daylights Licence to Kill Golden Eye Tomorrow Never Dies The World Is Not Enough Die Another Day Casino Royale Bond” und freut sich nach eigener Aussage schon tierisch drauf, mal nach seinem Namen gefragt zu werden… Aber ich schweife ab, sorry.



Was ich nämlich eigentlich sagen wollte: Am heutigen Tage startet der neue Bond-Streifen “Casino Royale” endlich auch im guten alten Germanien. Euer Tino, stets um Wissensvorsprung und Weitergabe desselben bemüht, hat das Teil natürlich schon gesehen. Lohnt es? Oder haben wir es doch eher mit einem Rohrkrepierer zu tun? Schließlich sah sich vor allem der neue Bond-Darsteller Daniel Craig im Vorfeld massiver Kritik ausgesetzt, und auch sonst lief wohl nicht alles wirklich glatt. Vom Schneidezahn-Verlust bei Kampfszenen war zu hören, und die potenziellen Bond-Girls haben sich in der Schlacht um James' Gunst wohl die hübschen Augen ausgekratzt. Viel Lärm um Nichts?



Nun, so ganz entspricht die letzte Frage zwar nicht der Wahrheit. Von einem Highlight der Serie zu sprechen, wäre allerdings ebenso verkehrt. Fangen wir mal mit den Schauspielern an: Daniel Craig mag ja ganz sexy sein, zumal er bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit ohne oben rumlaufen darf (war das früher nicht Aufgabe der Girls?). Aber es fehlt ihm ganz massiv am schlitzohrigen Charme eines Sean Connery oder Pierce Brosnan. Selbst Roger Moore hat es besser verstanden, eine aalglatte Qualität in die Rolle zu bringen. Craig dagegen geht wie ein x-beliebiger Actionheld durch. Was sicher unter anderem daran liegt, dass sich „Casino Royale“ viel zu ernst nimmt. Keine technischen Goodies, keine Spielereien, kein Q, keine Miss Moneypenny, dafür stellenweise ein Brutalitätslevel, welches die Altersfreigabe ab 12 Jahren schwer fragwürdig erscheinen lässt. Ein paar wenige gelungene Oneliner lockern das Ganze zwar etwas auf, reichen aber kaum aus. Immerhin darf die wie immer göttliche Dame Judi Dench als M politisch unkorrekt „God, I miss the Cold War!“ granteln. Was die jüngeren Damen um Bond betrifft, gibt Eva Green zunächst ein ganz nettes Mannsweib ab, um sich später in ein heißes Abendkleid zu hüllen – wenigstens etwas. Caterina Murino als Solange hat dagegen kaum etwas zu tun. Sie sieht anbetungswürdig aus und verabschiedet sich früh aus der Handlung, that’s all. Bissel wenig, Mädel!



Und schon kommen wir zum allergrößten Knackpunkt, der gravierenden Schwäche des neuen 007-Abenteuers: Ihm fehlt ein cooler Schurke. Wer erinnert sich nicht an gar schreckliche Finsterlinge wie Gert Fröbe als Goldfinger, Famke „Xenia Onatopp“ Janssen oder Lotte Lenya als garstige Rosa Klebb?! Dagegen hat der hiesige Finsterling, dargestellt von Mads Mikkelsen, keinerlei Chance. Ohne bedrohliche Aura, echten Biss oder coole Sprüche pokert der Typ wortwörtlich ganz einfach vor sich hin und wirkt schlicht langweilig. In diesem Zusammenhang: Grundkenntnisse im Poker sind dringend zu empfehlen, um die durchaus interessanten Kartenduelle richtig genießen zu können! Wer also nicht (mehr) genau weiß, ob ein Straight Flush das Full House des Gegners schlägt, sollte dieses Manko beseitigen.



Was gibt es sonst noch in aller Kürze zu berichten? Vielleicht, dass der hiesige Titelsong qualitativ an Madonnas Totalausfall „Die another Day“ erinnert. Liebe Güte, was hat sich Chris Cornell denn dabei gedacht?! Der wirklich interessant designte Vorspann dagegen verdient ein dickes Bienchen. Insgesamt bleibt unter dem Strich also ein netter Actioner, dem es aber deutlich an Originalität, der gewohnten Ironie und – abgesehen von Dame Judi Dench – coolen, charmanten, bedrohlichen oder sonstwie interessanten Protagonisten mangelt. Eigentlich ja okay; für einen Bond aber dann doch irgendwie zu wenig.

In der Hoffnung, dies wären bloß Anfangsschwierigkeiten nach einem erneuten Austausch des Hauptdarstellers, verbleibt

Tino

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Kommentar ohne Titel

geschrieben von oliver
am 23.11.2006 um 05:46
Mit dem Titelsong geb ich dir definitiv schon mal recht. Ansonsten bin ich froh jetzt einen solchen Bond mal zu sehen. Kein Schnickschnack (wobei das bei Q natürlich schade ist), sondern einen "Helden", der auch mal einsteckt und gut austeilen kann - vorbei mit der ganzen klaren schwarz/weiß Sicht der Dinge. Bond ist nicht mehr im kalten Krieg und man kann das Rezept von vor 40 Jahren wohl schlecht noch mal in der Gegenwart ummünzen - das würde dem Format genauso wenig gerecht werden wie dem gradiosen Sean Connery...Insofern kann man von dem Makeover was Stil und Machart betrifft sicherlich geteilter Meinung sein - aber ich mag ihn.

Kellner: "Martini geschüttelt oder gerührt?" - Bond: "Sehe ich aus wie jemand den das interessiert?!" BAMMM

Word: Oliver

geschrieben von Anonymous
am 23.11.2006 um 07:53
Ich stimme Oliver da vollkommen zu. Eine Änderung war von Nöten, diese ist wie ich finde geglückt. Der neue Bond ist eine Wucht. Aber auch mal schön, eine anweichende Meinung zu hören, denn die Tageszeitungen schrieben ja nur positives...


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