
Was ich nämlich eigentlich sagen wollte: Am heutigen Tage startet der neue Bond-Streifen “Casino Royale” endlich auch im guten alten Germanien. Euer Tino, stets um Wissensvorsprung und Weitergabe desselben bemüht, hat das Teil natürlich schon gesehen. Lohnt es? Oder haben wir es doch eher mit einem Rohrkrepierer zu tun? Schließlich sah sich vor allem der neue Bond-Darsteller Daniel Craig im Vorfeld massiver Kritik ausgesetzt, und auch sonst lief wohl nicht alles wirklich glatt. Vom Schneidezahn-Verlust bei Kampfszenen war zu hören, und die potenziellen Bond-Girls haben sich in der Schlacht um James' Gunst wohl die hübschen Augen ausgekratzt. Viel Lärm um Nichts?

Nun, so ganz entspricht die letzte Frage zwar nicht der Wahrheit. Von einem Highlight der Serie zu sprechen, wäre allerdings ebenso verkehrt. Fangen wir mal mit den Schauspielern an: Daniel Craig mag ja ganz sexy sein, zumal er bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit ohne oben rumlaufen darf (war das früher nicht Aufgabe der Girls?). Aber es fehlt ihm ganz massiv am schlitzohrigen Charme eines Sean Connery oder Pierce Brosnan. Selbst Roger Moore hat es besser verstanden, eine aalglatte Qualität in die Rolle zu bringen. Craig dagegen geht wie ein x-beliebiger Actionheld durch. Was sicher unter anderem daran liegt, dass sich „Casino Royale“ viel zu ernst nimmt. Keine technischen Goodies, keine Spielereien, kein Q, keine Miss Moneypenny, dafür stellenweise ein Brutalitätslevel, welches die Altersfreigabe ab 12 Jahren schwer fragwürdig erscheinen lässt. Ein paar wenige gelungene Oneliner lockern das Ganze zwar etwas auf, reichen aber kaum aus. Immerhin darf die wie immer göttliche Dame Judi Dench als M politisch unkorrekt „God, I miss the Cold War!“ granteln. Was die jüngeren Damen um Bond betrifft, gibt Eva Green zunächst ein ganz nettes Mannsweib ab, um sich später in ein heißes Abendkleid zu hüllen – wenigstens etwas. Caterina Murino als Solange hat dagegen kaum etwas zu tun. Sie sieht anbetungswürdig aus und verabschiedet sich früh aus der Handlung, that’s all. Bissel wenig, Mädel!

Und schon kommen wir zum allergrößten Knackpunkt, der gravierenden Schwäche des neuen 007-Abenteuers: Ihm fehlt ein cooler Schurke. Wer erinnert sich nicht an gar schreckliche Finsterlinge wie Gert Fröbe als Goldfinger, Famke „Xenia Onatopp“ Janssen oder Lotte Lenya als garstige Rosa Klebb?! Dagegen hat der hiesige Finsterling, dargestellt von Mads Mikkelsen, keinerlei Chance. Ohne bedrohliche Aura, echten Biss oder coole Sprüche pokert der Typ wortwörtlich ganz einfach vor sich hin und wirkt schlicht langweilig. In diesem Zusammenhang: Grundkenntnisse im Poker sind dringend zu empfehlen, um die durchaus interessanten Kartenduelle richtig genießen zu können! Wer also nicht (mehr) genau weiß, ob ein Straight Flush das Full House des Gegners schlägt, sollte dieses Manko beseitigen.

Was gibt es sonst noch in aller Kürze zu berichten? Vielleicht, dass der hiesige Titelsong qualitativ an Madonnas Totalausfall „Die another Day“ erinnert. Liebe Güte, was hat sich Chris Cornell denn dabei gedacht?! Der wirklich interessant designte Vorspann dagegen verdient ein dickes Bienchen. Insgesamt bleibt unter dem Strich also ein netter Actioner, dem es aber deutlich an Originalität, der gewohnten Ironie und – abgesehen von Dame Judi Dench – coolen, charmanten, bedrohlichen oder sonstwie interessanten Protagonisten mangelt. Eigentlich ja okay; für einen Bond aber dann doch irgendwie zu wenig.
In der Hoffnung, dies wären bloß Anfangsschwierigkeiten nach einem erneuten Austausch des Hauptdarstellers, verbleibt
Tino
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Kommentar ohne Titel
geschrieben von oliveram 23.11.2006 um 05:46
Kellner: "Martini geschüttelt oder gerührt?" - Bond: "Sehe ich aus wie jemand den das interessiert?!" BAMMM