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Nun haben wir doch tatsächlich schon Mitte Dezember. Die letzten Tage des Jahres. Die Temperaturen sind schlagartig auf 5 Grad gefallen, die Bäume haben ihre prächtigen Blätter verloren und der dicke Schaal und die wollige Mütze fanden bereits wieder ihren Weg zum Garderobenständer. Doch abgesehen davon, was ist das besondere an diesen letzten Tagen? Richtig. Wie aus dem Nichts erscheinen seit einiger Zeit plötzlich überall blinkende Lichter und aufmunternde Trällermusik. Als ob jemand den Schalter angemacht hat. Ja! Wo du gehst und stehst wird dir deutlich klar gemacht - es ist Weihnachten! Na zumindest bald.



Bei mir, auch wenn mich jetzt massenweise Leute belächeln werden, fängt die Weihnachtszeit schon am 1. Advent an. Und das heißt nicht nur lapidar eine Kerze beim Gesteck anzuzünden. Nee. Bei mir steht an diesem besagten Sonntag schon der Weihnachtsbaum komplett mit Lichterkette, Kugeln und was da sonst noch so alles dran baumeln sollte. Warum? Weil erstens, Weihnachten für mich die schönste Zeit des Jahres ist und immer viel zu schnell vorbeigeht, und zweitens, ich ehrlich gesagt sonst nicht in die dazugehörige Stimmung komme. Hört sich verrückt an, ich weiß. Meine Eltern stellen den Baum auch erst am 24.12. auf. Unsere selbst erfundene Sitte aber ist ein Resultat aus Singapur Zeiten. Versucht mal einer bei 30 Grad im Schatten im Bikini in Weihnachtslaune zu kommen! So haben wir das jetzt eben einfach beibehalten. Da gibt’s schon vorher ein paar Mal Entenbraten, da werden abends im ganzen Haus die Kerzen angezündet und ganz wichtig, da werden so oft es geht Weihnachtsfilme angesehen. Ich find das einfach schön. Gemütlich. Ja wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich auch noch nach dem Weihnachtsmann Ausschau halten. Das Kind in mir! Was aber auch noch ein ganz wichtiger Bestandteil an Weihnachten ist, sind Kekse. Ho Ho Ho! Lecker Kekse, lecker Geruch, lecker Mampferei – alles natürlich von Grund auf selbst gebacken. Und was braucht man dazu? Wie sich herausstellt, massenweise unterschiedliche Zutaten. Je nach Rezept eben. So dachte ich mir eines Nachmittages mal ganz schnell zum nächsten Supermarkt zu fahren, dabei mein ‚neues’ abgestaubtes japanisches Fahrrad auszuprobieren und die leckersten Zutaten nach Hause bringen, die man in der näheren Umgebung so finden kann. Mein Ziel? Der ‚Olympic’. Mit Vermerk, ein großer aber japanischer Supermarkt.



Als ich aus der Garage fuhr fühlte ich mich noch richtig gut. Voller Elan und Tatendrang. Doch schon nach dem ersten Hügel wurde mir klar – ich bin eine verweichlichte eingesessene Autofahrerin. Meine Güte was taten mir die Oberschenkel weh. Wie lange saß ich denn nicht mehr auf dem Fahrrad? Ich muss dazu sagen, das wir dieses Ding von einem ehemaligen Arbeitskollegen geschenkt bekamen als der sich wieder Richtung Deutschland bewegte. Damals wunderte ich mich, warum er es nicht mitnahm. Heute bin ich fest davon überzeugt – wegen der Bremsen. In meiner Zeit gab’s dafür nämlich einen Rücktritt. Heute? Eine rechte Handbremse fürs leichte Bremsen und eine linke Handbremse falls du vorhast Tricks mit dem Hinterrad zu üben. So zumindest kam es mir vor als ich bergab entschied langsamer zu radeln. Eine recht interessante Fahrweise. Nichtsdestotrotz, ich kam irgendwann an. Total kaputt, schweißgebadet und mit einem röchelnden Asthma. Denn neben besagter Anstrengung, kann Fahrradfahren in Tokio sogar lebensgefährlich sein. Die kommen doch tatsächlich ungebremst von jeder Seite und zischen wie von der Tarantel gestochen mit einem Affentempo an dir vorbei. Und auch wenn alles ein wenig dangerous war, verlief es zumindest ohne Unfall. Allerdings nicht ohne Probleme und Peinlichkeiten. Denn als ich ankam, tat sich mir schon die erste Frage auf. Wo parken? In Japan bekommst du nämlich fürs Falschparken deines Gaules nicht nur einen Strafzettel, da kann es sogar bis zur in Kettenlegung oder auch polizeilicher Verwahrnehmung kommen. Des Fahrrades meine ich. Eine Angelegenheit, die ich des lieben Geldes wegen natürlich vermeiden wollte. Um so schwieriger wurde es, als ich hundert Zweiräder am Supermarkt sah. Man muss nämlich wissen, der Supermarkt verkauft auch Fahrräder. Viele Fahrräder. Und da ich zwischen Verkauf und Parken keine erkennbare Trennlinie sah, wollte ich meines ja nicht gleich zum Verkauf anbieten, versteht sich. Aber dem Weihnachtsmann sei Dank, einer der Raser stoppte abrupt, stieg ab und zeigte mir so den offiziellen Parkplatz. Huuuh, noch mal Glück gehabt. Wenn man nicht genau weiß was man machen soll kommt man sich schon ein wenig dämlich vor...



Doch im Laden selbst, kam ich mir genauso blöd vor. Ich rannte nämlich von einem Gang zum anderen um die erforderlichen Zutaten zu finden. Und das, obwohl ich dort schon zigmal einkaufen war. Mit dem Auto sei erwähnt. Allerdings ist es ein himmelweiter Unterschied zwischen klar erkennbaren Kartoffeln, Hähnchen und Tomaten zu Vanille Essenz, Butter und Karamellsauce. Denn auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass das in der Miniflasche eventuell Vanille Essenz sein könnte, weiß ich es nicht genau. Ich kann’s ja nicht lesen. So könnte genauso Butter gleich Margarine sein und Karamellsauce Honig. Was tut man also? Man kauft mehr oder weniger alles ein was zum Thema Backen gehört, sogar zweifach, und hofft, dass dann zu Hause irgendwie schon das richtige dabei sein wird. Auf gut Glück eben. Wie immer. An der Kasse sieht man dann noch schnell eine Packung mit Schokokeksen, nimmt an es sei schon eine fertige Backmischung, und wird dann später zu Hause feststellen – fertige Kekse. Na ja, so ist man wieder einmal eine Erfahrung reicher.

[WEITER zu Teil 2]

(jeannine)

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Fahrräder halt...

geschrieben von Ron
am 18.12.2006 um 04:10
Andere Länder, andere Sitten, würde ich mal so altklug dazwischenwerfen. Fällt denn in Japan - im Gegensatz zu uns - wenigstens Schnee an Weihnachten? Bzw. feiert man dort auch am 24. Dezember oder wie in den USA üblich am 25.?

Grüße
Ron.

Ron...

geschrieben von Anonymous
am 19.12.2006 um 01:48
du nimmst ja Fragen vorweg, die ich erst im naechsten Bericht beantworten wollte. Samt Silvester. Denn wie ich gehoert habe, werde ich an Silvester wohl was aussergewoehnliches erleben. Also bleib dran und gespannt...

Jeannine


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