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1 Jahr MyVideo Rockt!
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Als ich es mir im Skiurlaub auf der Tatamimatte gemütlich machte und den Fernseher einschaltete, wurde mir von einer Minute zur anderen klar – noch nie in meinem Leben habe ich solch verrücktes Programm gesehen. Und das ist schon ein starkes Stück wenn man bedenkt, dass ich eine Suchtglotzerin bin.



Egal in welchem Land ich mich befinde und egal in welcher Situation. Würde man fürs TV kucken bezahlt werden, wäre ich schon lange Milliardär. Mehrfacher. Darum konnte ich meine eigene Dummheit auch kaum nachvollziehen, noch nie dem wirklich japanischen Fernsehen irgendwelche Achtung geschenkt zu haben. Traurig, wenn ich bedenke hier schon seit fast einem ganzen Jahr zu wohnen. Verständlich aber, wenn man tagtäglich nicht die Storyline eines Filmes erraten möchte. So abonnierten wir damals ein zusammengestelltes Paket von “4th Media” über den Anbieter Plala. Der Vorteil? Sämtliche “Ami” Kanäle wie Star Movies, StarWorld, Movie Plus, AXN, Fox, CNN, Discovery etc. in sowohl englischer als auch japanischer Sprache. Der Nachteil? Bis auf ein paar hauptsächlich (Kriegs-)Spielfilme kaum authentisches japanisches Fernsehen. Die Konsequenz? Ich lachte erst einmal lauthals los, als ich mir morgens um 9 Uhr die lokalen Nachrichten reinzog.


Abgesehen von den vielen bunten Schriftzügen über dem Bild und dem beeindruckenden 70-er Jahre Flair der hiesigen Nachrichten, muss man nämlich wissen, Japaner mögen die Visualisierung. Egal zu welchem Thema. Und diese Visualisierung wird in den Nachrichten meist mit übergroßen Karteikarten durchgeführt. Nachdem nämlich der Nachrichtensprecher dem Zuschauer kurz und bündig von einem schweren Busunfall in Yokohama erzählte und ein kleines Video dies auch bestätigte, zeigten mehrere im Studio befindliche Personen mit Zeigestöcken nacheinander auf übergroße pappähnliche Karten auf einem Flippchart. Große bunte Charts in augengefährdenden Bonbon Farben sollen nämlich dem Wissbegierigen die Schwere der Situation noch deutlicher machen. Und dabei werden die unterschiedlichsten Studien angebracht. Wie oft dort schon ein Unfall passierte. Unter welchen Umständen. Wie viele Leute bei Unfällen ums Leben kamen. Wie viele Autos schrottreif gefahren wurden. Wie viele Männer und Frauen beteiligt waren. Der prozentuale Anstieg/Abstieg etc. Alles natürlich mit klebbaren Hilfsmitteln, die aussehen als hätte eine Kindergartentruppe gerade ihre Freizeitbeschäftigung abgegeben. Erstaunlich, wenn man die modernen Techniken des Landes bedenkt.


Doch auch wenn die Nachrichten bildmäßig ziemlich interessant waren, irgendwann wurde es langweilig. Immer das gleiche eben. Und so sah ich ein hervorragend kitschiges Schulmädchen Drama, eine Doku mit einer scheinbar wahllos auf einer Insel umherirrenden Frau auf der Suche nach irgendwas, ein Kriegsdrama um eine heute erwachsene Frau mit Rückblick auf ihr hartes Aufwachsen, ein Fremdgehdrama und – eine Gameshow. Und die, die sind von keinem Land der Welt aufkaufbar. Die funktionieren nur in Japan. Nicht mal Deutschland mit seinem manchmal fragwürdigen Geschmack würde sich an solch ein Format wagen. Warum? Weil Japaner eine ganz besondere Art von Humor haben. Einen, den man entweder gar nicht versteht und für verrückt und ekelhaft hält, oder über den man trotzdem lachen muss, selbst wenn er unter die Gürtellinie geht. Ich, ich zähle mich zu letzterem. Einer Gattung, die so schnell nichts aus der Bahn wirft. Deshalb saß ich auch wie gebannt vor der Flimmerkiste als mal wieder unfassbare Bilder japanischer Unterhaltung meinen Nachmittag versüßten.


Über Jahre schon haben die populären japanischen Gameshows wettkampfwillige Kandidaten mit kleinen Grausamkeiten ihre Preise gewinnen lassen. Grausamkeiten, die von Jahr zu Jahr immer sadistischer und unfallträchtiger wurden. Deshalb hatte sich die Regierung auch irgendwann zu Wort gemeldet und den schlimmsten Shows einen Riegel vorgeschoben. Trotzdem, was man selbst heute noch sieht gleicht einem Mix aus Jackass, Zirkus, Bühnenstück, versteckte Kamera und Softporno. Man kann demnach auch nicht sagen, Japaner wären eintönig und in irgendeiner Weise prüde. Niemals!!! So sind sie natürlich auch ziemlich einfallsreich was die Belustigung angeht. Und dabei ist das Prinzip relativ einfach. Zum Beispiel: Fünf Kandidaten – eine Aufgabe. Kann einer diese nicht lösen, bekommt er eine Strafe. Oder: 5 Kandidaten – ein Preis. Wer am längsten eine bestimmte Tortur aushält gewinnt. Dabei gibt es unendliche Möglichkeiten die Sache so unangenehm wie möglich zu gestalten. Wer es zum Beispiel etwas härter mag, der erfreut sich dabei wahrscheinlich an Bikini tragenden Mädels, die in kochend heißem Wasser sitzen müssen. Vielleicht mag derjenige dann auch den am heißen Auspuff gehaltenen blanken Männerhintern. Burn baby burn! Wer es etwas leichter angehen will, der lacht über den überall (!) mit Honig eingeriebenen Typen und die an ihm leckenden Hunde. Manch einer mag auch eher den psychologischen Terror, bei dem jemand dabei zusehen muss wie seine Freundin angemacht und zum Sex verführt wird. Doch was definitiv jedes zumindest Männerherz höher schlagen lässt, sind die ab und zu gesendeten ‚money shots’. Leicht bekleidete Frauen, die gegeneinander in körperlich anstrengenden Disziplinen (Klimmzüge, Push-ups usw.) antreten und irgendwann vollkommen kaputt zusammenbrechen. Auf einer Glasscheibe. Beine breit, Brust halb raushängend etc. Und diese Einstellungen werden natürlich in Zeitlupe wiederholt. Immer und immer wieder. Youtube hat da so einiges an Material anzubieten... Kann man sich also vorstellen, solche Sachen in Deutschland ohne Protest auf ProSieben oder RTL zu sehen? Witzig, grausam und nackt? Ich glaube nicht.


Vielleicht eher aber wären die Variety/Comedy Shows etwas. Denn die sind im Gegensatz zu unseren verstaubten Sketchen a la Versteckte Kamera wirklich lustig. Für denjenigen wieder nackt und peinlich, aber lustig. Und solange es die Japaner freut, ist doch alles in Ordnung. Es lebe der menschliche Körper!

(jeannine)

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Kommentar ohne Titel

geschrieben von Anonymous
am 13.03.2007 um 11:30
Sowas gabs doch auch mal auf DSF zu sehen. Hab ich immer am Morgen vor der Schule geschaut. Egal was für Dummheiten ich mache, es ist nicht Marilyn Manson schuld, sondern diese Gameshow.

Was ich mich immer gefragt habe: Wer sind diese Männer und Frauen die am untern linken Bildrand auftauchen? Was machen die?

Aeh

geschrieben von Anonymous
am 13.03.2007 um 11:46
das kommt wohl - glaube ich - auf die Show an. Manchmal sind es Kandidaten, Zuschauer im Studio, bekannte Gesichter Japans oder die, die es traf. So richtig blicke ich da auch nicht durch, da ich mich nie darauf konzentriert habe sondern eher gebannt zusah.

Jeannine

was neues?

geschrieben von Anonymous
am 6.05.2007 um 04:59
ich wollte mal nachfragen ob es schon was neues zu berichten gibt bei dir?
in hoffnung auf mehr


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