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Gestern habt ihr bereits erfahren, wie man in Singapore mit Recht und Ordnung umgeht und was einem zustoßen kann, wenn man ein paar Gramm Drogen zuviel in der Tasche hat. Heute geht's mit dem Rechtssystem Japans weiter!



Japans Gesetze nun, lehnen sich an die deutsche Rechtssprechung an. Zumindest größtenteils, denn auch in Japan ist die Todesstrafe legal. Fast     80 % der Bevölkerung unterstützen sogar diese Maßnahme. Allerdings geht man hierzulande mit dieser Strafe wohl etwas gelassener um. Schaut man sich nämlich Statistiken dazu an, findet man heraus, das sich zur Zeit ‘nur’ 93 Menschen in Todeszellen befinden. Und das im Jahre 2006 “nur” 4 Japaner den Galgen fanden. Auch verhängt man die Todesstrafe inzwischen nur noch an Kriminelle, die – abgesehen von Drogenbesitz - entweder mehrere Morde begingen oder die im Zusammenhang mit Vergewaltigung oder Raub mordeten. Hört sich für mich nachvollziehbar an. Da sollte eine mögliche Fehlerquote nicht existieren. Was allerdings ein wenig an die emotionale Grenze stößt, ist das Verfahren. Zum einen erfährt der zu Hängende von der Ausführung wirklich erst am Morgen seines Todestages und zum anderen werden die jeweiligen Verwandten erst nach der Exekution über das Ableben des Familienmitgliedes unterrichtet. Das heißt, jegliche Abschiedsnahme ist einfach nicht möglich. Doch wie auch schon in Singapore, so ist auch in Japan die Todesstrafe vorgeschrieben, wenn man bestimmte reine Mengen von bestimmten Drogen besitzt. Ein einziger Verstoß hierbei reicht vollkommen aus. 30 Gramm Kokain, 15 Gramm Heroin, 500 Gramm Cannabis oder 200 Gramm Haschisch. Darüberhinaus können Menschen auch nur allein bei einem positiven Blut- oder Urintest verurteilt werden. Speziell Amerikaner singen zur Zeit in “Sing-Sing” davon ein Lied.



Die Japaner sind im Kampf gegen Drogen ziemlich aggressiv. Manch einem fällt das bereits bei der Ankunft am Flughafen auf, wenn Schäferhunde plötzlich schnüffelnd um’s Gepäck schleichen, anderen wenn im Briefkasten kaputte Postumschläge liegen. Besonders Pakete, DHL und Fedex Sendungen können Grund für eine nähere Betrachtung sein. Meine Pakete - und meine Familie ist unheimlich um meine Versorgung mit deutschen Medikamenten, Milka Schokolade und reichlich Knorr/Maggie Tüten-Puder-Soßen-Hilfen bemüht – scheinen schon des Öfteren einer Kontrolle unterlegen zu haben. Nicht das etwas fehlte, aber wer so häufig wie ich von der Heimat beglückt wird, erregt wohl die japanische Neugier. Und das ist kein Wunder, da viele hauptsächlich Amerikaner hier ihre Drogen per Post zugestellt bekamen.



Doch im Vergleich zu anderen zivilisierten Ländern der Welt, hat Japan scheinbar ein äußerst einmaliges Strafverfolgungssystem. Die Staatsanwaltschaft klagt den Kriminellen nämlich nur nach unterschriebenem Geständnis an. Und diese Geständnisse kommen ja meist nach langen Verhören zustande. Klar. Wir kennen’s ja aus Filmen und wer weiß welche Druckmaßnahmen man anbringt. Insgesamt 99 % aller Verhafteten kommen so in’s Gefängnis. Unterschreibt man allerdings nicht, und da haben wir das eine übrig gebliebene Prozent, wird man auch nicht angeklagt. Mir stellt sich hierbei die logische Frage – warum überhaupt unterschreiben? Aber ich glaube das liegt an der stolzen Mentalität der hiesigen Einwohner. Gesicht und vor allem Ehre bewahren, ist hier noch ganz groß. Bewundernswert, dass Menschen noch die Konsequenzen für ihre Taten tragen wollen. Na Miss Hilton? Da kannste noch was lernen !
Doch abgesehen von der Todesstrafe gibt es in Japan insgesamt 5 Grundsatzstrafen: Gefängnisstrafe, Arbeitsgefängnis, Geldstrafe, Haftstrafe (bis zu 30 Tagen) und geringe Geldstrafe (bis ca. 70 EUR). Kritik findet das Land allerdings in Bezug auf die Bestrafung hinsichtlich Vergewaltigung. Ganze 3 Jahre ist hier die Norm, obwohl 15 in Theorie dafür angewendet werden können. Deutschland hat dafür sogar nur ein Mindestmass von 2 Jahren. Als Frau hätte ich hier noch so einige “punishments” vorzuschlagen… Nichtsdestotrotz ist Japan immernoch weltweit eines der Länder mit den geringsten Straftaten wenn man die Einwohnerzahl bedenkt. Es scheint mir sogar, als ob Ausländer hierzulande mehr Straftaten begehen als Einheimische. Egal welcher Art. Japaner sind einfach ehrlicher. Ehrenhafter. Wenn zum Beispiel in der U-Bahn oder im Taxi Handtaschen liegengelassen werden, findet man diese entweder auch noch nach 2 Stunden am gleichen Ort wieder oder ein Finder gibt sie ab und man bekommt diese unversehrt nach Hause zugestellt. Wenn man sich bei Starbucks befindet und auf Tischen sowohl Portemonaie als auch teuren Apple Laptop stehen sieht, brauch der Besitzer keine Angst vor dem Stehlen seiner Eigentümer zu haben. Er kann gut und gerne auf die Toilette gehen und findet sein Hab und Gut unangetastet wieder. Wo in Deutschland würde so etwas vorkommen? Ich bin jedes Mal fasziniert darüber.



Genauso aber scheint das Gerechtigkeitsbewusstsein hier in Japan wesentlich höher zu sein als anderswo in der Welt. So hörte ich bereits von Fällen des “U-Bahn-Grabschens”, bei denen der Täter von anderen Mitfahrern festgehalten und an der nächsten Station aus der Bahn geworfen wurde, nur um dann von wartenden Polizisten in Verwahrsam genommen zu werden. Hurray! Bei solch oftmals engen Mitfahrbedingungen eine super Sache finde ich. Laut Gesetz kann man für solch eine Tat sogar mit 6 Monaten Arbeitsgefängnis bestraft werden. Aber das Polizeisystem in Japan ist auch eines der interessantesten. So sieht man nicht nur die normalen Polizeiautos umherfahren, sondern findet auch an jeder dritten Straße eine sogenannte Polizei Box, genannt ‘Koban’. Das sind ganz kleine “Büros” mit meist 3 Polizisten und häufig die erste Anlaufstelle der allgemeinen Öffentlichkeit. Diese Kobans sind rund um die Uhr besetzt, ausgestattet mit Schlaf- und Essmöglichkeiten und gelten als Basispunkt für “Fuß- und Fahrradpolizisten”. Zur Sicherheit der Anwohner betreiben diese Koban-Polizisten auch zweimal jährlich einen Tür zu Tür Besuch, bei dem sie die Daten der jeweiligen Bewohner eines Hauses/einer Wohnung inkl. Alter, Beruf, Geschäftsadresse, Autonummer, zu benachrichtigende Verwandte in Notfällen etc. aufnehmen. Freiwillig natürlich. Hierbei gilt besondere Aufmerksamkeit den alleinstehenden Personen, welche eventuelle stärkerer Obacht bedürfen. Genauso aber werden auch von Geschäften Fragebögen ausgefüllt, bei denen wiederum besonders auf Spätarbeitende Acht gegeben wird. Dies kann natürlich von dem ein oder anderen als Verstoß gegen die Privatsphäre gesehen werden, ist für mich in Japan aber ehrlich gesagt eine hervorragende Vorsichtsmaßnahme, da ich den Japanern wirkliche Besorgnis abnehme. In Deutschland hätte ich damit schon eher meine Probleme. Wenn ich bedenke wie oft irgendein Idiot bei mir Telefonterror betrieb…

Letztendlich muss ich sagen, mich bisher sowohl in Singapore als auch in Japan äußerst sicher gefühlt zu haben. Wie auch in Deutschland, so muss ich mich auch hier an die jeweiligen Regeln und Gesetze halten. Und das ist nicht wirklich schwer, sondern sogar ziemlich logisch. Wer allerdings in vollem Bewusstsein gegen diese verstößt, der ist selber schuld. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, heisst es zwar so schön, aber keiner kann auch nur im geringsten behaupten nicht vor Strafen gewarnt worden zu sein. Alles was man wissen muss befindet sich schließlich schon auf den auszufüllenden “Immigration Cards”! Auf jeden Fall hinsichtlich Drogen…

(jeannine)

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