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Die Koolumne: Die Macht der Sekunde

29.12.2005 - 10:35
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Das neue Jahr, sprich 2006, hat eine ganze Sekunde mehr. "Na und", denken jetzt wohl einige. Was in einer einzigen Sekunde in Deutschland passieren kann, geht über die Vorstellungskraft des einen oder anderen Zeitforschers und Beamten hinaus. Eine Sekunde mehr ist für Multitasking-fähige Menschen wie eine Hiobsbotschaft. Anstatt zwei, können gleich drei Tassen Kaffee gekocht werden während man nebenher noch fünf weitere Telefongespräche entgegen nehmen kann und sich zur Entspannung, wenn es gut läuft, eine einsekündige Mittagspause gönnen darf.
Eine Sekunde mehr, das bedeutet Mehreinnahmen in Millionenhöhe für die Wirtschaft, geschickt eingesetzt kann man mit der Sekunde für Lau die Arbeitnehmer linken, indem man sie einem Moment länger arbeiten lässt, natürlich ohne Lohnausgleich. Es sei denn, die Gewerkschaften nehmen die eine Sekunde in die Verhandlungsgespräche auf.
Die Geburten- und Sterberate für 2006 wird in nie zuvor dagewesene Höhen schnellen, stirbt doch jede zweite Sekunde ein Mensch an einer Infektionskrankheit und im selben Zeitraum werden ganze fünf Menschen neu geboren. 2006 wird definitiv das Jahr der Überbevölkerung. China hat ein ernstes Zeitproblem.
Doch auch für den fersehwütigen Bürger hat die Zusatzsekunde weitreichende Konsequenzen. Hier findet nun vor allem der Spruch "das hätte ich mir keine Sekunde länger anschauen können" seine Berechtigung. Alleine der Gedanke daran, Sendungen wie den Musikandenstadl oder die Viva Klingeltoncharts eine Sekunde länger ertragen zu müssen, treibt so manchem die Schweißperlen auf die Stirn. Glück haben in dem Fall jene, die ihre Glotze spontan aus dem dritten Stock ihrer Mietwohnung werfen können um allem TV-Wahnsinn ein Ende zu setzen. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass man nun eine Sekunde länger Zeit hat, seine Entscheidung zu bereuen und womöglich das Treppenhaus hinunter rennt um den Fernseher, bevor dieser auf dem Boden zerberstet, mit weit aufgerissenen Armen aufzufangen. Die eine Sekunde, die der Notarzt länger braucht, um den Defibrillator auf der Brust anzusetzen, könnte tötlich sein.
Neben dem verlängerten Sekundenschlaf, welcher so manchen Autofahrer in Lebensgefahr bringen könnte, nützt es nun auch nichts mehr damit anzugeben, auf die Sekunde pünktlich zu sein. Von Frauen muss man sich im kommenden Jahr wohl des öfteren vorwerfen lassen, wieder mal das Gefühl für Zeit verloren zu haben. Gut, der Begriff "Pünktlichkeit" verschwimmt anhand der Sekunden-Tatsache etwas, man kann eigentlich nicht so recht sagen, ob man eine Sekunde zu früh oder zu spät kommt.
Zur Totalkatastrophe könnte das lange Jahr auch in der IT-Branche führen, die Einheit "Bits pro Sekunde" sorgt ohnehin schon für Verwirrung. Bei der kleinen Sekunde, bekannt aus dem Musikunterricht, sollte man sich künftig über eine Namensänderung Gedanken machen, eine Umformulierung in die doppelte Sekunde würde meines Erachtens Sinn machen.
Selbst der Sport bleibt von der zusätzlichen Sekunde nicht verschont. So können alle Träume von einem neuen Weltrekord auf 100 Meter von vorne herein begraben werden, der Hackl-Schorsch kann die Rodelbahn auf dem Buckel runter rutschen und sämtliche Eisschnellläufer können das kommende Jahr dazu nutzen Piroetten auf dem heimischen See zu drehen.
Mal ganz ehrlich, man sollte die gewonnene Zeit sinnvoll nutzen. Egal ob man sich ein Bad einlässt, ein neues Buch beginnt oder mal wieder so richtig shoppen geht, eins ist sicher: Zeit hat man nächstes Jahr mehr als genug.



  




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