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Das letzte Mal, dass Jay-Z Deutschland einen Auftritt schenkte, war im Jahre 2003. Damals war der Rap-Superstar auf Promotionfeldzug für sein "The Blueprint 2" Album. Wenig später, am 14. November 2003 erschien dann das Album, welches die Hiphop-Welt einerseits zu Tränen rührte, andererseits das mutmaßliche Ende einer außergewöhnlichen Musikkarriere darstellte: "If you can't respect that your whole perspective is wack / Maybe you'll love me when i fade to black" hieß es da in "December 4th" und der Jiggaman brachte es so glaubwürdig rüber, dass kein Fan und kein Hater daran zweifelte, live und in Farbe mitzuerleben, wie eine große Ära zu Ende geht.



I got 5 lifes - what do you bring to the table?

2006 ist alles anders gekommen. Gott, und den nicht enden wollenden Jay-Z Rufen sei dank. Das Licht geht an, auf der rießigen Breitbild-Leinwand erscheint eine überdimensionale Box aus der immerzu der Satz "Are you not entertained" erklingt. Tausende Roc-A-Fella Diamanten ranken in die Höhe und wippen energiegeladen auf und ab, als der Beat von "What more can I say" ertönt. Und auf einmal steht er da, eingehüllt in einen weißen Hoodie und schwarze Jeans. Seine Augen werden von einer Porno-Sonnenbrille sorgsam bedenkt, er trägt keine 500.000 Dollar Kette um den Hals, keinen Diamantenring um den Finger. Im Gegensatz zu den Hochglanzbildern, die man im amerikanischen TV und im Internet zu Gesicht bekommt, wirkt Jay-Z überwältigend schlicht, als ob er gerade eine morgendliche Jogging-Tour durch Brooklyn unternommen hätte und sich, um eine Erkältung zu vermeiden, kurz den weißen Kaputzensweater übergezogen hätte.



This is just one of my names...

Dann spielt er mit seinem Publikum. "Let me reintroduce myself: My Name ist Hova - H to the O - V." und das Mannheimer Publikum, das by the way wohl größtenteils nicht aus Mannheim stammt, ist aus dem Häusschen. Bereits nach drei Minuten Show hat man den Eindruck, die Stimmung sei kurz vor dem Siedepunkt. "Some people call me Hova, I got more names". So führt Mr. S dot Carter durch die nächsten Songs, darunter "Jigga That Nigga", "Izzo" und "Hovi Baby". Mittlerweile legt sich die euphorische Stimmung ein wenig, die deutschen Fans scheinen wohl nicht die textgewandesten Anhänger zu sein. Jigga dagegen ist ein einziges Phänomen. An diesem Abend rappt er ca. 90 % aller Stücke komplett selbst, verliert niemals den Anschluss und harmoniert mit seinem langjährigen Freund und Rap-Kollegen Memphis Bleek hervorragend. In der Zwischenzeit fliegt der weiße Hoodie samt Handtuch und Wasserflasche ins kreischende Publikum und von Hovas Brust strahlt ein iced-out Totenkopf von seinem schwarzen T-Shirt herunter.



Touch the untouchable, break the unbreakable

Akzente setzt der heutige Def Jam CEO mit dem Banger "99 Problems" - im noch rockigeren Rockremix, dem bouncenden "Dirt Off Your Shoulder" und dem Mitgröhl-Stück "Jigga What, Jigga Who", bei dem es Jay gelingt, das Publikum in der Mitte zu spalten und eine Art Akkustikbattle zu veranstalten. Trotz der, wie oben schon erwähnt, stellenweise mangelnden Textkenntnis der Konzertbesucher gelingt es dem Jiggaman stets, die Stimmung auf einem guten Niveau zu halten und trotzdem eine exzellente Mischung aus deepem Streetshit und Clubbangern zu finden. Ein Blick durch die schwitzende Meute beweist: Jay-Z vereint Hiphop Deutschland. Da steht der Hardcore-Backpacker kopfnickend zur zweiten Strophe von "Deja Vu" neben dem triple-XL tragenden Player, dem die Tränen beim wunderbar gefühlvollen "Song Cry" in den Augen stehen. Tausende Feuerzeuge und Handylichter begleiten den unvergesslichen Chorus: "I can't see'em coming down my eyes / so I gotta make the song cry". Gänsehaut-Feeling pur.



Dear Summer, I know you gonna miss me...

Nach einer Stunde und 25 Minuten scheint alles vorbei zu sein, abgesehen von den nicht enden wollenden Hova-Rufen. Und tatsächlich erfüllen Sie Ihren Zweck. Jay-Z schenkt Deutschland, Mannheim und der Maimarkthalle zwei weitere Songs. Zurück kommt er sozusagen mit der Playerhymne schlechthin. "We doin...big pimpin, we spendin' cheese / Big pimpin, on B.L.A.D.'s" rappen Jigga und sein Homie Memphis Bleek ins Mikrofon, im Hintergrund sieht man unfassbare Frauen aus unfassbar blauem Wasser auf unfassbar teure Jachten steigen. Dann folgt der traurigste Moment des Konzerts: Die ersten Trompetentakte des eventuell letzten in Deutschland live vorgetragenen Stücks von Jay-Z ertönen. Es klingt wie eine Aufforderung und eine rhetorische Frage zugleich. "Do you want an encore / do you want more". Der riesige Mund des Jiggaman formt sich zu einem breiten Grinsen, spricht Bände, und dennoch ist ihm ein letzter Zweifel ins Gesicht geschrieben. "Soll ich's wirklich machen, soll ich wirklich zurück kommen, der Welt nochmal das beweisen, was ich schon vor 3 Jahren eindrucksvoll bewiesen habe", hört man ihn denken. Dann wird es schwarz im Saal. Und in einer türkisen Schrift leuchtet die klare Antwort auf alle Fragen, alle Zweifel und alle Hoffnung von der Leinwand in Richtung Zuschauer: 14. November. Was für eine Ansage.

(flo)


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Nach der beachtlichen Rückkehr des Ghostface Killahs stehen bei seinem Reimpartner Raekwon nun auch alle Lichter auf Grün. Der erst kürzlich mit Dr. Dres Label Aftermath Music abgeschlossene Plattendeal pusht die Karriere des Chiefs um ein beachtliches Maß in die Höhe. Der Öffentlichkeit muss er nichts mehr beweisen, soviel steht fest. Diesmal geht es einfach nur darum den New Yorker Hiphop zurück zu bringen, einem Wiedereroberungskreuzzug beizutreten, den Busta Rhymes und Ghostface gestartet haben.



Ein Wu-Gambino ist er, dieser Raekwon. Mit seinem Debüt-Album („Only Built For Cuban Linx”) kultivierte er den Mafioso-Style im Rapgame. Raeks Texte sind hart und dennoch lyrisch extrem durchdacht. Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen versucht er stets einen gewissen Grad an Ehrlichkeit zu erhalten und nicht in provokante und schockierende Hardcore-Attitüden zu verfallen, wie beispielsweise 50 Cent. So kommt es dann auch, dass er gerade mit dem G-Unit Boss seit jeher im Clinche liegt.



Corey Woods, so der bürgerliche Name von Raekwon, wurde 1968 in Staten Island/New York geboren. 1993 tritt er mit dem Ghostface-Duett „Can It All Be Simple“ erstmals aus dem Schatten des Wu-Tang Verbundes. Das legendäre Wu-Tang Clan Album „The 36 Chambers (Enter The Wutang)“ machte nicht nur die Shaolin-MCs bekannt, es bildete auch die Grundlage für eine Freundschaft zwischen Rae und Ghost, deren Unity sowohl musikalisch als auch persönlich fruchtet. Das bereits oben angesprochene Debüt-Werk Raekwons stellt einen ersten Höhepunkt dar. Fast jeder Song der LP featured den kongenialen partner-in-rhyme Ghostface Killah und macht die Platte zu einer der absoluten Hiphop Klassiker. Jay-Z bringt es damals auf den Punkt: „Me and Missy be the new Tag Team. Whoomp! There It Is. We like, Rae And Ghost, A.G. and Showbiz“. Kritiker überhäufen “Only Build For Cuban Linx” mit Top-Bewertungen und viele Künstler, selbst hier in Deutschland, nennen Raekwon als größte Einflussquelle oder erste Berührung mit der Jugendkultur Hiphop. Nach dem Solo-Durchbruch und einem weiteren Solo-Joint namens „Immobilarity“, der jedoch größtenteils enttäuscht, nicht zuletzt, weil weder RZA Beats schmiedete noch Ghost Zeilen droppte, widmet sich der Rapper wieder den Wu-Tang Aktivitäten und ist auf dem Clan Album  „Iron Flag“ (2002) zu hören. Dem viel kritisierten „Immobilarity“ folgt schließlich im Jahre 2k3 das wiederum hervorragende „The Lex Diamond Story“ auf dem erstmals Raekwons Crew, eine Handvoll Rookie Talente, Ice Water Inc zu hören ist. Da die Begabung von Polite, Problem Child, Cigzra und Stumik allerdings geringer ist, als gedacht ist der Chief selbiger auf dem Album.



Zwischenzeitlich nehmen auch die Sticheleien zwischen 50 Cent und Raekwon ihren Lauf. Der Beef zwischen den Beiden beginnt mit 50 Cents Rundumschlag „How To Rob A Industry Nigga“: „I hit the studios take shit and leave. Catch Rae Ghost and RZA for them funny ass rings”. Daraufhin schlägt Rae auf dem „Clyde Smith Skit“ von Ghostfaces „Supreme Clientel“-Album in etwas dünnhäutiger und humorloser Spoken-Words Manier zurück: „Straight up, yo that nigga 50 Cent? That's yo, I don't even know why he try to do that little dumb ass shit. Right there. But I'mma tell you somethin. You could say all them other niggas name. But niggas, niggas gon see them based on that big daddy. I know why they ain't bark on you. Cuz they ain't try to let your new broke ass trying to come out in the game. And act like they lettin you live off they scruff. Ok, you ain't even that big, dick and if I see you up in here, I'mma have about 500 wolves on you. You just fucked up, you fucked up bad. I don't even know man. Matter fact, I'mma kick you in ya ass and all that shit. Faggot ass nigga.” Freestyle Attacken folgen (“Staten Island", "Message From Ghost" und "Who's 50 Cent") und um 1998 verpufft der Beef einfach im Nichts. Doch bald darauf steht der Wu-Tang Mann bereits wieder auf der Abschussliste 50s. Diesmal versucht der G-Unit Soldier die komplette Rapszene gegen Raekwon aufzubringen, als er aus dem Nähkästchen plaudert und von alten Drogenkontakten zur Irv Gotti geführten Murder Inc Posse erzählt. Rae nimmt sich diese Vorwürfe zu Herzen und kontert auf „Lex Diamond Story“: „Nigga get down lay down. We don't play around. I dunno waht ya heard but we don't play around. Its the cook coke you. Look broke what the fuck happened. How you leave the dope game to pursue rappen. Already known that your shit was trash.“



Mit dem Release seines neuen Albums “Only Built 4 Cuban Linx II“ wird sich nun endgültig zeigen, ob Raekwon noch überzeugen kann. Einen Vorgeschmack konnte man schon auf Busta Rhymes neuem Album „The Big Bang“ hören, auf dem Rae einen eindrucksvollen Feature-Part („Goldmine“) einnimmt, der wirklich mehr als Hoffnung auf ein gelungenes viertes Solo-Album macht. Unter anderem sind Ghostface, Busta Rhymes, John Frusciante, RZA und GZA zu erwarten und als Executive Producer fungierten RZA und Busta Rhymes. Beats stammen aus der MPC von u.a. Jay Dee, Dr. Dre und Scram Jones. Eine erste Single namens „State Of Grace“ ist bereits erschienen. Get ready for the Wu-Gambino – Raekwon The Chief!



(flo)


  


Artist Of The Week: LL Cool J

11.04.2006 - 08:22
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Wenn die Kurzlebigkeit vieler Rapkarrieren die Regel ist, so ist James Todd Smith aka LL Cool J die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Man hält es kaum für möglich, aber der Rapper ist bereits seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil von Rap. Einige unter euch werden sich nun sicherlich zwei Fragen stellen. Erstens: Gibt es Rapmusik tatsächlich bereits seit über 20 Jahren? Und zweitens: Ist Mr. "Ladies Love Cool James", kurz LL Cool J, nicht ein bisschen zu alt für das Spiel?



Als 1985 "I Can't Live Without My Radio" rauskam und LL Cool J zu der Zeit gerade 17 Jahre alt war, stand ein Teil der Hiphop Szene Kopf. Der damals Breakdance begeisterte LL begann schnell zu begreifen, was der damaligen Szene fehlte. Mit seiner Mischung aus Party-Tracks und Rap-Balladen fand er eine Lücke, zwischen den damals angesagten N.W.A. Gangsterrappern und den politischen Texten von Public Enemy. Bereits seine ersten beiden Alben "Radio" und "Bigger and Deffer" brachten ihm Fame und Publicity. Doch der Durchbruch ließ bis 1990 auf sich warten. "Mama Said Knock You Out" ist bis heute Cool Js erfolgreichstes und zugleich härtestes Album. Aufgrund eines qualitativ als schlecht betrachteten Vorgängeralbums ("Walking With a Panther") und der aufkommenden Kritik an seiner Person sah er sich dazu verpflichtet, die Mäuler der Hater zu stopfen.



Dass James Todd Smith sich von einem New Yorker Ghetto Kind, das seine frühe Jungend im Stadtteil Queens verbrachte, einmal zu einem Rapstar mit Stehvermögen entwickeln würde, konnte damals, way back in the days, keiner erwarten. Dabei legte sich LL bereits mit neun Jahren selbst den Grundstein, indem er anfing Texte zu schreiben und in ein altes, mit Aufnahmefunktion ausgetattetes, Kassettenradio zu rappen. Als sich seine Eltern trennten wurde er von seinem Großvater weiter erzogen, der das musikalische Talent seines kleinen Enkels sofort erkannte und ihm kurzerhand ein DJ Set zum Geburtstag schenkte. Fortan konnte man den Jungen nicht mehr von seinem Equipment trennen und LL fing an, die aufgenommenen Demos auf der Straße zu verteilen. 1984 war es dann soweit, dass die Aufnahmen in die Hände zweier Studenten mit den Namen Russell Simmons und Rick Rubin fielen, die kurz darauf das Label Def Jam Records gründeten, LL Cool J unter Vertrag nahmen und bis heute nicht mehr gehen ließen.



Mr. Smith widmete sich von Anfang an einer scheinbar unlösbaren Aufgabe: Wie schaffe ich es, Rap mit Pop so zu verbinden, dass der Shit salonfähig wird? Mit "Mama Said Knock You Out", den drei Hitauskopplungen "The Boomin' System", "Around the Way Girl", "Mama Said Knock You Out" und einer legendären MTV Unplugged Performance rappte sich der G.O.A.T. nicht nur in die Herzen der Rapfans. Es folgte eine lange Durststrecke und ein weiteres, vielkritisiertes Album namens "14 Shots to the Dome". Daraufhin widmete sich LL der Schauspielerei und bekam eine Rolle in der Sitcom "In the House". Erst 1995 begann er erneut Musik aufzunehmen und meldete sich mit "Mr. Smith" und Doppel-Platin erfolgreich zurück. Erwähnenswert ist da noch das 2000 releaste "G.O.A.T. Featuring James T. Smith: The Greatest of All Time", welches die Billboards toppte. Mit Hilfe des Hitproduzenten Timbaland wurde auch das 2004 veröffentlichte Album "DEFinition" zu einem vielzitierten Werk und im selben Jahr folgte auch die eigene Clothing Line.



LL Cool J hatte seine Höhen und Tiefen. Von seinem Charme hat der Womanizer allerdings keinen Funken verloren und so wird die News einer weiteren Veröffentlichung im Jahre 2006 einige Hörer freuen. Mit "Todd Smith" setzt der Mann mit dem übertriebenen Sixpack auf Altbewährtes, worauf schon die Singleauskopplung "Control Myself" mit dem Feature-Gast J.Lo schließen lässt. Auch Juelz Santana, Freeway, Pharrell, Mary J Blige, Ginuwine und 112 ehren den "Greatest Of All Times" mit ihren Parts. Dropdate der Platte ist übrigens der 11. April 2006. 20 Jahre Erfolg im Game sind halt nicht einfach so aus dem Handgelenk zu schütteln. Dazu muss man schon äußerst talentiert sein, ein gutes Image pflegen und die nötige Intelligenz mitbringen - oder man ist einfach LL Cool J.



  


Artist Of The Week: MC Eiht

4.04.2006 - 08:00
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Menace II Society war und ist heute immernoch ein absoluter Westcoast-Kultfilm. Zu einem Film dieser Sorte gehören natürlich die richtigen und vor allem authentischen Schauspieler. MC Eiht war dabei. Im Film als Gangster, auf dem Soundtrack als Gangster-Rapper. In welcher Disziplin er das größere Talent aufzuweisen hat, darüber kann man sich streiten. Fakt ist, dass er die Generation nach dem NWA-Hype zusammen mit Künstlern wie Snoop Dogg oder Mack 10 geprägt und die "Ni**az With Attitude" Ehre in der kriminellsten Gegend der USA hochgehalten hat. MC Eiht - One Of Compton's Most Wanted.



Aaron Tyler wurde in Los Angeles, genauer gesagt dem Stadtteil Compton geboren. In seiner frühen Kindheit durchlebte er, was etwa 80 Prozent aller schwarzen Jugendlichen täglich in CPT durchleben: Raubüberfälle, Driveby-Shootings und Drogenexzesse - und das ausschließlich innerhalb der schwarzen Bevölkerung. Als MC Eiht ins Teenager Alter kommt, entdeckt er seine Liebe zu Rap und schließt sich mit Chill MC, dem Turntabelist Mike T und den Produzenten DJ Slip und dem legendären The Unknown DJ zusammen. Die Rapcrew Compton's Most Wanted entsteht. Nachdem man mit "Rhymes Too Funky" einen lokalen Hit landete, wurde CMW bei Orpheus Records unter Vertrag genommen. Aus diesem Zusammenschluss entstanden drei Alben, "It's a Compton Thang" (1990), "Straight Checkn 'Em" (1991) und "Music to Driveby" (1992), die zwar zu lokalen Bestsellern wurden, auf nationaler Ebene jedoch nicht viel reißen konnten.



Im Gegensatz zu CMW konnte MC Eiht, der sich 1993 auf SOlopfade begab, gleich mit seiner ersten Single den Durchbruch feiern. "Streiht Up Menace" wurde zu einem nationalen Hit, nicht zuletzt, weil er auf dem Soundtrack zu "Menace II Society" gefeatured war. Der steigende Bekanntheitsgrad und das Radio Airplay verhalfen Eiht dann zu einem weitaus besseren Plattendeal bei Sonys Street Label, Epic Records auf dem noch im selben Jahr das Solo-Debüt "We Come Strapped" released wurde. Damals fungierte der Rapper noch unter dem Synonym "MC Eiht Featuring CMW", obwohl keinerlei Features von CMW-Mitgliedern auf der Platte zu finden waren, einzig und alleine DJ Slip war als Produzent auf dem Album vertreten. Eigenartigerweise fand man auf "We Come Strapped" gleich zwei "Parental Advisory" Aufkleber, da Sony sich explizit von den Inhalten der Texte abgrenzen wollte.



Keines der zahlreichen folgenden Alben von MC Eiht war so erfolgreich wie sein Debütwerk, obwohl viele behaupten, dass es mehrere Nachfolger gäbe, die qualitativ "We Come Strapped" toppen. Beispielsweise das 1996 releaste "Death Threatz" und das im darauf folgenden Jahr veröffentlichte "Last Man Standing" wurden von Kritikern hoch gelobt, was jedoch weder zu besseren Verkaufszahlen, noch zu einer Verlängerung des Labeldeals bei Sony reichte. Trotz diesen Rückschlägen dauerte es nicht lange, bis Eiht auf die Bildfläche zurückkehrte. Mit Mack 10's Hoo Bangin' Label fand der Rapper 1999 ein neues Zuhause, was sich auf "Section 8", seinem bis dato wahrscheinlich vielfältigsten Album, gut nachhören lässt. Im Jahrestakt folgten weitere Alben von denen vor allem "Tha8t'z Gangsta" positiv herausstach. 2000 fand dann die Wiedervereinigung seiner ehemaligen Crew Compton's Most Wanted statt und man veröffentlichte ein weiteres gemeinsames Album mit dem Namen "Represent". Leider befand sich die Westcoast um den Jahrtausendwechsel in einer schweren Krise und so kam es, dass kaum ein Medium auf die Reunion aufmerksam wurde und das Album sang- und klanglos unterging.



Dass es dem Westcoast Veteran und sebsternannten "Underground Hero" gelingt, mit seinem neuen, am 04.04.06 erscheinenden Album "Affiliated" tatsächlich den Anschluss an eigene Hochzeiten zu finden, ist eher unwahrscheinlich. Liegt der Rapfokus zwar wieder mehr auf der Westküste, in diesem Zusammenhang werden trotzdem Artists wie The Game oder Snoop Dogg häufiger genannt als MC Eiht. Wer jedoch mal wieder in den alten G-Funk Zeiten schwelgen will, dem sei auf jeden Fall zum Kauf des neuen Albums geraten. Es ist nämlich eher unwahrscheinlich, dass sich MC Eiht verändert hat, dazu ist er zu stark in Compton verwurzelt.




  


Artist Of The Week: Ghostface Killah

28.03.2006 - 08:30
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Schon Freddie Foxx aus dem Gangstarr Umfeld rappte 1998: "I save Hip Hop, like Ghost saves the Wu." Für die Oldschooler ist er der Mann mit der Maske. Für viele Newschooler ist er der Retter der Wu-Tang Ära. Ghostface Killah ist Kult. Ghostface Killah ist History. Ghostface Killah is back!



Als Dennis Coles erblickt Ghost das Licht der Ghettowelt in den Stapleton Projects von Staten Island, New York. Seine frühe Kindheit verläuft nicht reibungsfrei, denn Coles leidet unter Diabetes und hat deshalb erhebliche Gewichtsprobleme. Später bekommt er jedoch seine Erkrankung mit Heilpraktiken aus China in den Griff. Den Kontakt zum Wu-Tang Clan nimmt der damals schon ambitionierte Rapper Ende 1993 auf. Der Einstieg in die Truppe, die Hiphop auf ein neues Level hieven soll, fällt nicht besonders schwer, denn Ghostface ist ein Verwandter des RZA und hat somit ein Gründungsmitglied auf seiner Seite. Doch das Vitamin B ist überflüssig, denn Ghost hat ein unverkennbares Talent. Das Energiebündel lässt sich weder on- noch off stage aufhalten, was ihm 1998 zum Verhängnis wird. Wegen eines Raubüberfalls wandert das Geistergesicht für mehrere Monate hinter Gitter.



Ghostface Killah hat zusammen mit seinen Crew Mitgliedern RZA, ODB, Method Man und Raekwon eine ganze Generation Raphörer als auch Musiker geprägt. So wirkt die Tatsache nicht erstaunlich, dass er es war, der auf dem Clan-Debüt "Enter The Wutang" gleich die ersten 16 Bars ins Studiomikro presste: "Ghostface, Catch the blast of a hype verse, My glock bursts, leave in a hearse, I did worse, I come rough, tough like an elephant tusk, Your head rush, fly like Egyptian musk, Aw shit, Wu-Tang Clan spark the wicks an' however, I master the trick just like Nixon, causin' terror, quick damage your whole era, Hardrocks is locked the fuck up, or found shot, P.L.O. style, hazardous cause I wreck this dangerous, I blow sparks like Waco, Texas." Boooom! Instant Classic.



In der dunklen Wu-Tang Zeit um 1998/1999, als U-God, Inspektah Deck oder Cappadonna eher misslungene Scheiben auf den Markt werfen ist es wieder einmal dieser Ghost, der die Ära mit seinem zweiten Album "Supreme Clientele" rettet und somit direkt an sein Erstlingswerk "Ironman", das bereits 2 Monate nach Erscheinen auf den Straßen von New York zum Klassiker ausgerufen wird, anknüpft. 2001 erscheint das dritte und vieler Rapfans nach das bis dato schlechteste Album mit "Bulletproof Wallets". Danach verschwindet der selbsternannte Wally Champ für ganze drei Jahre in der Versenkung und feiert mit "The Pretty Toney Album" seine grandiose Auferstehung. Viel kritisiert wird das bereits vierte Album. In den großen amerikanischen Magazinen wird es zu einem mittelmäßig bis schlechten Werk degradiert und hier in Deutschland wendet sich der ein oder andere eingeschworene Wu-Tang Fan schlagartig vom Clan ab, nachdem dieses Album seine Ohren erreicht. Doch die wahre Schönheit des "Pretty Toney" Albums erkennen die Wenigsten. Ein einziges, renomiertes Mag betitelt das Album wiefolgt: "Marvin Gaye lebt! Oder manifestiert sich zumindest in der Person des Ghostface Killahs". Und trifft damit den Nagel auf den Kopf.



Nun, besser gesagt am 28. März 2006, lebt die Legende des Ghostface Killahs noch einmal auf, mit einem neuen Album. "Fishscale" heißt das neuste Werk und wird unter Jay-Zs Aufsicht über Def Jam Records vertrieben. Feature Gäste wie unter anderem der Wu-Tang Clan, Keyshia Cole und Ne-Yo, der bei der ersten Singleauskopplung "Back Like That" mitwirkte, geben sich die Ehre. Produktionstechnisch tauchen in den Credits von "Fishscale" Namen wie MF Doom, RZA, Pete Rock, J Dilla und Madlib auf. Diesen Artikel möchte ich abschließend mit ein paar Pressestimmen beenden:

"Fishscale ist das beste Album, das der Rapper je gemacht hat und er wird damit neue Hörer gewinnen" - XXL

"Alles Killah, keine Füller. Sonderbar, aufreibend und brilliant." - Blender

"It's pretty fucking great." - The Village Voice



  


Artist Of The Week: Dead Prez

21.03.2006 - 08:56
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Polit-Rap in einer von Pseudo-Gangsta verseuchten Hiphop Landschaft wollen heut zu Tage wohl nur noch die Wenigsten hören. Doch was passiert, wenn man die Agressivität und Härte des kriminellen Jargons mit der Energie des Black Power Movements vereint, spiegelt sich in der Musik der Dead Prez wieder. Schon Nas rappte einst "I'm out for dead fuckin' presidents to represent me", beschrieb damit die Macht der Dollarscheine und schuf einen Satz, der in die Geschichte eingehen sollte. Der ausgeschriebene Crew Name von M-1 und stic.man hat jedoch eine völlig andere Bedeutung, die oftmals missverstanden und auf Geldscheine projeziert wird. "All Power To The People!" ist der eigentliche Hintergedanke der Namensschöpfung und wirkt leicht utopisch-anarchistisch.



M-1, um den es hier hauptsächlich gehen soll, wird auf Jamaica geboren. Als es ihn im zarten Alter von neun Jahren in die Ghettos von Brooklyn verschlägt, ist er allgemein unter dem Namen Mutulu Ulugbala bekannt, was auf afrikanisch soviel wie "aus Liebe zum eigenen Volk" bedeutet. Schon früh interessiert sich der Heranwachsende für Politik, genauer gesagt afro-amerikanische Politik. Als größte Inspiration nennt er Alex Haleys Buch "The Autobiography of Malcolm X", die einige Jahre nach dessen Tod erscheint. Doch so brav und gebildet sich das auch anhören mag, M-1 bleibt, besonders in seiner High School Zeit, nicht immer auf dem gesetzmäßig rechten Weg und fliegt schließlich wegen Drogenbesitzes von der Schule. Doch wie es das Schicksal will, findet er schnell ein neues College in Florida, wo er seinen Partner in Rhyme, stic.man, kennen lernt. Diesem geht es zu dieser Zeit jedoch alles andere als gut. Der übermäßige Alkoholkonsum hat seinen Körper schwer in Mitleidenschaft gezogen - Diagnose: Gicht. "Es ist so wichtig, zu wissen, wann es genug ist. Sonst erkennst du dich irgendwann selbst nicht wieder" gab er Jahre später in einem Statement zu.



Musikalisch aktiv werden die Dead Prez um 1997, als sie zufällig auf Lord Jamar von Brand Nubian stoßen und dieser ihnen sofort einen Plattendeal verspricht. Erste Tracks entstehen auf Label-Compilations und bereits ein Jahr später gelingt der Crew mit dem Titel "Bigger Than Hip Hop" der mediale Durchbruch. Durch Labelprobleme verschiebt sich der Release des Debüt-Albums um mehr als ein Jahr und erscheint schließlich 2000 ("Let's Get Free"). Kurz darauf beginnen die Raptivisten mit der Umsetzung einer einfallsreichen Idee, die unter dem Namen "Turn Off The Radio" 2002 erscheint. Auf der Platte rappen die Dead Prez über Beats bekannter Charthits, allerdings mit höchst politischen Versen. "Wir haben Songs genommen, deren Sounds und Melodien uns gefielen und haben sie in einen Bezug gesetzt zur Situation der Schwarzen in den USA" äußerte sich stic dazu. Ihr drittes und bis dato aktuellstes Album kommt 2004 auf den Markt, und wieder geht es Dead Prez-typisch um die Vereinbarkeit zwischen Großstadtghetto und Schwarzer Politik.



Nun schreiben wir das Jahr 2006 und die eingeschworene Rap-Community wartet schon sehnsüchtig auf einen Nachfolger zu "RBG: Revolutionary But Gangsta". Teilweise können die Heads nun endlich aufatmen. Denn ab 21. März steht die Solo-LP von M-1, "Confidential", in den Läden. Unter anderem mit Features von Q-Tip, Cassandra Wilson, Styles P und einigen mehr. Und auch wenn die Produktionen weitgehend von weniger bekannten Produzenten wie Fabrizio Sotti oder Agallah stammen, kann man sich auf einen Silberling, durchtränkt mit politischen Statements einstellen. M-1 ist eben strictly confidential - streng vertraulich.



  


Man könnte ihn fast mit einem Gelehrten oder einem Prediger verwechseln, diesen E-40. Mit seiner Professor-Brille und dem verschmitzten Gesichtsausdruck wirkt der Mitinitiator des Hyhpy Movements recht harmlos. Doch schaut man hinter die Fassade wird schnell klar, dass sich hinter dem netten Gesicht ein verrückter Ghost Rider versteckt. Als eine Art Brauch könnte man das "Ghost Riding" bezeichnen, das typischer Bestandteil des Hyphys ist und mit aufgemotzten Autos, deren Türen stets offen sind, praktiziert wird. Wer dieser E-40 überhaupt ist und was noch zum Hyphy dazu gehört, kann man in folgendem Text erfahren.



In den frühen 90ern begann der Hype um die Bay Area, an der Küste Californiens aufzubranden. E-40 führte damals eine Reihe von Cali Rappern an und schaffte es mit seiner Musik, eine breite Hörerschaft von der Westcoast bis in den Dirty South zu kreieren. Besonders seine unheimlichen Botschaften, die er durch Hiphop zum Ausdruck brachte, unterschieden ihn von damals bekannten Mainstream-Künstlern. Nach ersten Achtungserfolgen machte er sich auf die Reise durch diverse Plattenfirmen wie z.B. Jive Records, No Limit und Cash Money Records um am Ende dort wieder anzukommen, wo er hingehört: In die Bay Area.



Earl Stevens, so der bürgerliche Name des Rappers, wuchs bereits in der Bay Area auf und schaute vor allem zu Too Short auf, in dessen Fußstampfen er einmal treten sollte. Ausgestattet mit einer Vielzahl an Nicknames (Charlie Hustle, Forty Fonzarelli, 40-Watter uvm.) erarbeitete sich der junge Künstler mit etlichen Mixtape-Beiträgen eine Street-Base. Nach jahrelangem musikalischen Hustle gründete er sein eigenes Label namens "Sick Wid'It" und brachte 1994 eine erste EP (The Mail Man) auf den Markt. Es folgten das "Federal" Album und die Single-Auskopplung "Captain Save A Hoe". Neben seinen Solo-Aktivitäten rückte er noch im selben Jahr seine Crew The Click mit einem Album (Down And Dirty) ins rechte Licht. Im Jahre 1995 wurde dann Jive Records auf E-40 aufmerksam und bot dem Labelboss einen Distribution Deal für den Sick Wid'It Songkatalog an. Mit finanzieller Unterstützung und genug Promotion wurde das 1996 releaste Album "The Hall Of Game" auch von einer breiteren Masse wahrgenommen und die Single "Rapper's Ball", die Too Short und K-Ci featurte, ging auf TV- und Radiorotation und wurde zu einem nationalen Hit.



Nach einjähriger Pause und völliger Medienabstinenz kam der gewichtige Mann mit einem genauso gewichtigen Doppel-Album (The Element of Surprise) zurück, das ihm in Sachen Popularität jedoch nicht weiterhalf. Erst mit "Grit & Grind", welches 2002 releast wurde, fing die Öffentlichkeit wieder an, sich für den Cali Agent zu interessieren. Der Durchbruch blieb jedoch aus. Nun, im Jahre 2006, stehen die Chancen für einen kommerziellen Erfolg deutlich besser. Mit Warner Bros. hat E-40 ein Major Label im Rücken, mit dem es eine Leichtigkeit sein dürfte, das neue Album "My Ghetto Report Card" zu etablieren. Ob das überhaupt nötig sein wird, bleibt abzuwarten. Denn E-40 ist momentan drauf und dran, einen Hype um seine Person zu schaffen, dem sich Feature Gäste wie UGK, Lil Jon, 8Ball, Mike Jones, Lil Scrappy, Bo Hagon oder auch Juelz Santana nicht entziehen konnten. Die erste Single mit dem Titel "Tell Me When To Go" aus dem am 14. März erscheinenden Album ist Hyphy durch und durch. Vom Video, indem die einzelnen Facetten des Movements gezeigt werden, über die Art zu rappen bis hin zum typischen Hyphy-Sound.



Doch was ist dieses Hyphy eigentlich? Deutschland, das gerade erst die Dipset Welle hinter sich lässt, hat von dem Lebensstil in der Cali Bay Area bis jetzt recht wenig mitbekommen, wage ich zu behaupten. Stell dir einen Platz vor, an dem sich eine Menschenmasse mit 300 aufgemotzten Autos, offenen Verdecken und Türen durch die Straßen schlängelt. Die Musik dröhnt aus den Autos und Leute hängen aus ihren Karren raus, während diese noch in Bewegung sind. Andere wiederum tanzen verrückt auf den Dach ihres Wagens. DAS ist Hyphy.



In den späten 90ern wurde mit dem Track "Hyphy" vom bereits verstorbenen Mac Dre und Keak Da Sneak eine neue Ära in der Bay Area eingeleitet. Nicht umsonst wird der oben charakterisierte E-40 auch der "Ambassador of the Bay" genannt, denn er hatte eine starke Beteiligung an dem nun so populären Hyphy. Weitere Vertreter dieses Stils sind Fab, Droopy, Turf Talk, The Team, Kin Smoke und Messy Marv. Obwohl das bis jetzt alles nach Freude am Leben klingt, sehen das die Initiatoren des Movements etwas anders. Ihnen geht es vor allem um Freiheit. Die Freiheit, sich so auszudrücken, wie man möchte und vor allem die Freiheit ein Original zu sein. Als eine Mischung zwischen Crunk-Sound und Crumping-Tanzstil könnte man die verrückten Meetings der Hyphy-Jünger bezeichnen. "Getting Hyphy" - heißt alle Hemmungen ablegen und ganz Du-Selbst sein, egal, was andere von dir denken. Das ist übrigens auch E-40s Motto...

Weitere Infos und Hyphy Quellen:

http://hyphie.blogspot.com/
http://www.hyphymovement.com/

TheDealer Banner-Exchange

  


Artist Of The Week: Scarface

7.03.2006 - 08:52
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Er wird der Vater des Südstaaten-Thug-Raps genannt. Ihn gab es schon lange bevor Dirrty Dirrty MCees überhaupt das Wort 'Crunk' aussprechen, geschweige denn buchstabieren konnten. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Hardcore-Rap Truppe The Geto Boys. Er ist Scarface. Und ich spreche nicht von Tony Montana...



Scarface gehört zu den Rappern, die nie den großen kommerziellen Durchbruch schafften und dennoch ein hohes Level an Street Credibility genießen. In seiner Collabo-Liste kann der Dirty South Großvater Artists wie Ice Cube, Dr. Dre, 2Pac, Master P, Nas uvm. verbuchen. Zusammen mit seinem Hausproduzenten Mike Dean kreierte Scarface von Anfang an Alben, die, seitens Texte, stets zu hart für's Radio waren und seitens Sound zu speziell für den Durchschnitts-Hörer klangen. Beim Zählen der releasten Alben kann einem durchaus schwindlig werden. Auf eine bestimmte Zahl möchte ich mich an dieser Stelle nicht festlegen, ein Circa-Wert muss genügen. In etwa 12 LPs, etliche Re-Releases, Screwed & Chopped Versionen, Street-Alben und unzählige (in)offizielle Singles sprechen für sich.



Bevor Brad Jordan unter dem Synonym Scarface bekannt wurde, nannte er sich Akshen. Unter diesem Namen begann der Rapper seine Solo-Karriere Mitte der 80er in seiner Heimat, Houston. Bald wurden einige Labels auf den Mann mit der kratzigen Stimme und den harten Reimen aufmerksam und so kommt es schließlich zu einem Deal mit dem legendären Südstaaten-Label Rap-A-Lot Records. Labelboss James Smith hatte jedoch von Anfang an eine Rolle für Scarface zurecht geschneidert. Neben Bushwick Bill und Willie D fungierte Mr. Scarface als drittes Member der Geto Boys. Das, Ende der 80er, releaste Album "The Geto Boys" schockierte nicht nur den Süden, sondern kam bei der Eastcoast genauso rauh, brutal und provokant an, wie bei der Westcoast. Doch etwas mehr als ein Jahr später brach ein Streit unter den Geto Boys Members aus, da Scarface sein Debütalbum "Mr. Scarface Is Back" veröffentlichte und damit verdeutlichte, wer das größte Potential als Rapper hatte. Aus Neid- und Eifersuchtsgründen war das Ende der Crew besiegelt.



Doch das selbst proklamierte Narbengesicht blieb seiner Linie und vor allem seinen Fans treu. Mit unaufhaltsamer Geschwindigkeit veröffentlichte er Minimum ein Album pro Jahr, und zum Jahrtausendwechsel schuf er mit "Last Of A Dying Breed" sein bisher persönlichstes und fokusiertestes Album. Resultat des Ganzen war die Ernennung zum "Lyricist Of The Year" bei den Source Arwards 2001 und ein lukrativer Deal bei Def Jam Records. Da der Houstoner nicht nur rappen kann, sondern auch ein Gespür für Dirty South Artists hat, wird er nach dem Signing mit dem eben genannten Label sogleich zum Sub-Label-Boss von "Def Jam South" ernannt und entdeckt ein bis dato noch gänzlich unbekanntes Raptalent namens Ludacris. Und da Wunder bekanntlich immer wieder geschehen, kommt es im letzten Jahr zu einer Reunion der Geto Boys, was so viele Jahre für absolut aussichtslos gehalten wurde. Das geschädigte Verhältnis zwischen den drei Mitgliedern ist zur Entstehung des neuen Albums "The Foundation" immernoch spürbar und schlägt sich auf der, insgesamt nur mittelmäßig gelungenen, Platte nieder.



Scarface ist keiner, der die Flinte vorschnell ins Korn wirft. Scarface ist eine lebende Legende. Das zeigt sich nun mit "Homies Pt. 2" wieder, einem Album, auf dem er sämtliche Big-Names der Rap- und R'n'B Maschine zusammen geführt hat, um mit ihnen ein Coming Out der besonderen Art zu feiern. Nicht nur Dirty South Artists wie Pimp C, Bun B, Chamillionaire, Lil Flip, Juvenile, Z-Ro, Petey Pablo, Devin, 8Ball, Slim Thug, Lil Keke, Mike Jones, Willie D oder die Trilltown Mafia haben einen Platz auf dem Silberling gefunden, auch Conscious Artists wie Common und Mos Def haben es neben Beanie Sigel und The Game auf die Platte geschafft. Releasedate 07. März 2006. Nicht zu unterschätzen dieser Scarface, defintiv nicht...

  


Artist Of The Week: Ne-Yo

28.02.2006 - 09:17
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Wenn man bedenkt, dass kein Geringerer als Shawn "Jay-Z" Carter kürzlich in einem Statement behauptete, Ne-Yo sei das Ausnahmetalent in Sachen R'n'B und Soul schlechthin, dann wundert es einen schon etwas, dass man bis dato nur so wenig von dem Zweiundzwanzigjährigen aus Arkansas auf die Ohren bekam. Doch bei genauerer Betrachtung seines Künstlerprofils wird schlagartig klar, dass wir annähernd täglich von Ne-Yo's Kreativität umgeben sind. Viele merken das nur gar nicht.



Beispiel gefällt? Anfang/Mitte 2005 stürmte ein Mann namens Mario in die Charts und hielt sich mit dem Titel "Let Me Love You" etliche Wochen unangefochten an der Spitze der Billboards. Den ganzen Ruhm für den Song heimste er natürlich selbst ein, doch der eigentliche Erfolgsgarant war Ne-Yo, der den Text zum Superhit schrieb. Noch ein Beipsiel gefällt? In seinem Book Of Rhymes dürfen natürlich Texte für unter anderem Mary J. Blige, Usher, B2K, Musiq und die bezaubernde Faith Evans nicht unerwähnt bleiben. Ne-Yo ist defintiv kein Rookie mehr, was Songwriting angeht.



Schon in seiner frühen Kindheit, was immer das auch heißen mag, beschäftigte sich der Sänger und Ghostwriter mit Artists wie Marvin Gaye, Prince, Stevie Wonder und The Rat Pack. Doch erst als er von Arkansas nach Las Vegas umzog, entdeckte er, dass die Musik seine Erste Liebe ist. Talent hatte der Junge von Anfang an, das entdecke auch kürzlich Jay-Z und bot Ne-Yo einen Vertrag bei Def Jam Records an, den der Rookie mit Hitpotential sogleich annahm. Passend zu seinem Werdegang bringt er nun, genauer gesagt am 28. Februar, sein Debüt-Album "In My Own Words", das jetzt schon mit kürzlich releasten Platten von Mary J. Blige ("The Breakthrough") oder Jamie Foxx ("Unpredictable") verglichen wird. Die erste Single "So Sick" hat es sogar schon nach Deutschland geschafft und wird momentan spärlich auf diversen Musiksendern gespielt. Das wird sich voraussichtlich bald ändern, denn "So Sick" ist mindestens genauso hitverdächtig, wie "Let Me Love You".



Sicher ist Ne-Yo Pop. Sicher sind Ne-Yo's Songs partiell purer Kitsch. Und ebenso sicher stehen auf "In My Own Words" die Ladies mehr als die Hardcore-Bass-Sultan-Hengzt-Typen. Dennoch bringt Ne-Yo, und da ist der Vergleich zu einer Mary J. Blige durchaus gerechtfertigt, poppigen R'n'B und Soul auf ein Level von dem man behaupten kann, dass es inhaltlich nicht niveaulos ist. Dass der neue Def Jam Künstler nebenbei noch eine sehr reine Stimme hat und exzellent singen kann, muss wohl nicht mehr extra erwähnt werden. Und ganz ehrlich: Wer will schon Zeilen wie "Ich trage T-Shirt und Jeans" an einem Abend der Zweisamkeit hören? Wirklich? Ok, deine Freundin sicher nicht...



"In My Own Words" erscheint in den USA am 28. Februar, europaweit wird die Scheibe am 10.03. auf den Markt kommen. Als Gäste sind auf dem Longplayer unter anderem Ghostface Killah und Peedi Crack zu hören. Reinlauschen lohnt sich.

  


Artist Of The Week: Dilated Peoples

21.02.2006 - 09:06
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Nach längerer Blog-Abstinenz und schöpferischer Schaffenspause meldet sich der Reviewnator wieder zurück und hat eine kleine Neuerung im Gepäck. Ab sofort werde ich testweise versuchen, jede Woche eine "Artist Of The Week" Vorstellung zu schreiben, die sich mit momentan angesagten Künstlern, vor allem aus dem Rapbereich beschäftigt. Ab und zu kann es jedoch vorkommen, dass sich auch Künstler anderer Musikstile in die neue Kategorie einschleichen. Das Vorhaben, wöchentlich genug Zeit zu finden um so eine Präsentation durchzuführen, ist womöglich nicht immer realisierbar, deshalb solltet ihr das Ganze momentan eher als Beta-Testphase verstehen. Ich bitte außerdem um soviel Response wie möglich, damit ich einschätzen kann, inwiefern das überhaupt jemand lesen will. So, jetzt aber genug gelabert.

Dilated Peoples: Back Again!

Hört man sich die beiden letzten Alben der Dilated Peoples an, denkt man automatisch an den typischen Eastcoast Sound. Harte Evidence Beats, roher Iriscience Flow und straighte DJ Babu Scraches bestimmen den Klang der Crew. Was Vielen jedoch einen verwunderten Gesichtsausdruck beschert, ist die Tatsache, dass die Peoples von der Westcoast kommen, genauer gesagt aus der für Hiphop nicht gerade bedeutungslosen Großstadt Los Angeles. Der Heimat von Snoop, Dre und Co.



Schon zu Beginn ihrer Karriere lässt der Westcoast Sound die Drei völlig kalt, sie orientieren sich an Leuten wie Jurassic Five, Tha Liks oder Ugly Duckling. Nach etlichen Underground Releases wird im Jahre 2000 das Erstlingswerk "The Platform" veröffentlicht, das die Westcoast schockiert und der schwächelnden New Yorker Szene zeigt, wie Hiphop ohne Gangsta-Attitude, angelehnt an die frühen 90er Jahre, pünktlich zum Millennium aussehen muss. Doch wie trafen sich die drei Artists eigentlich? Genau hier kommt der legendäre Freestyle Schuppen Hip Hop Shop ins Spiel. Evidence und Iriscience, damals schon in der Graffiti Crew Fat Liners vereint, treffen auf DJ Babu, der Mitglied der legendären Beat Junkies ist. Zuerst unterschreibt die neu gegründete Crew bei Immortal Records, einem kleinen Indie-Label. Doch dort müssen sie eine Enttäuschung nach der anderen einstecken und so kommt es, dass sie auf Defari's Label ABB Records aufmerksam werden und kurzerhand die Plattenfirma wechseln. Nun sind die Wege in eine erfolgreiche Rapkarriere geebnet.



Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad kommen auch die ersten Probleme. So schiebt kein geringerer als Eminem, mit einem Disstrack gegen Evidence, Optik. Letzterer antwortet mit einem Joint namens "Searching For Bobby Fisher" und entscheidet das Battle am Ende für sich, zumindest der Meinung einiger Fans zufolge.



Spätestens durch den Streit mit einem der später erfolgreichsten Musiker der Neuzeit steigt der Fame der Dilated Peoples so stark in die Höhe, dass sie auf ihrem zweiten, im Herbst 2001 erscheinenden Album "Expansion Team" Produktionen von The Alchemist, ?uestlove, Da Beatminerz, DJ Premier und Tha Liks verbuchen können. Dann wird es jedoch still um die drei Jungs. Erst als sie 2004 mit einem bis dahin noch recht unbekannten Mann namens Kanye West die Single "This Way" releasen, beginnt der Hype um sie und das dazugehörige Album "Neighborhood Watch" wieder aufzukeimen.



Diesmal musste es keine drei Jahre dauern, bis man neues Material von Ev, Iri und Babu zu hören bekommt, denn heute erscheint das neue Album der Band. "20/20" heißt die Scheibe und mit "Back Again" hat man die Dilated Peoples Tradition fortgesetzt, denn hier wird auf nichts anderes, als auf alt bewährtes gebaut. Und das ist, obwohl Stagnation meistens Rückschritt bedeutet, auch gut so. Sie haben sie verdient, die Auszeichnung "Artist Of The Week". Denn sie sind wahrlich back again.

  




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