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Was für eine reißerische Headline, Homie. Die bringt mir bestimmt tolle Besucherzahlen, dazu noch Interesse von allen Seiten. Hab ich's nötig? Eigentlich nicht, wenn sogar schon Mormonen-Prediger (siehe hier) und gescheiterte Linken-Politiker (siehe hier) Kommentare unter meine Artikel posten. Kommentare zu Themen, die die Welt bewegen. Wie z.B. Religion oder die deutsche Fussball Nationalmannschaft.



Genauso gut könnte ich dir davon erzählen, dass Jay-Zs neues Album Anfang der Woche im Internet aufgetaucht ist, das Teil die nächste Rap-Bombe und ein Instant-Classic wird. Dann könnte ich noch den Link zum Download posten, dem Ganzen die Headline "Königliche Klänge - Kingdom Come" verpassen und würde damit so manchem Hiphop Kellerkind den Tag versüßen. Abgesehen davon, dass mich wahrscheinlich morgen früh ein Anruf von Def Jam aus dem Schlaf reißen, und mir Mr. Carter vorjammern würde, dass er es doch mit allen Mitteln - sogar mit Anwälten (uuhh) - versucht hätte, den Leak zu verhindern, hindert mich die Tatsache daran, dass auf unser aller Lieblingsmagazin Hiphop.de schon genug wunderbare Hiphop Ideologie verbreitet wird. Und das ist definitiv nicht negativ aufzufassen. Weiter so, Jungs.



Dass Sex à là Tila Tequila sich ebenso wie die never ending story Dipset verkauft, ist seit der konsequenten Kommunikation eines hochgeschätzten Kollegen, dessen Namen hier aus Religions- und Glaubensgründen verdeckt bleibt, auch kein Geheimnis mehr. Mit Quatsch ließen sich die Leute schon immer bekehren - siehe die Schmuseattacke von Lil'Wayne und Baby.



Aber nicht nur amerikanische Ideale wie Sex, Drugs und Rap'n'Roll sind häufig benutze Themen der deutschen Hiphop Blog-Elite. Für einen Arsch voller Fame (ihr wisst, was jetzt kommt: "no homo") lässt man dann eben mal den deutschen Träumer Eko Fresh abnippeln und stellt einen ebenso gefakten wie einfach kopierten Artikel über den tragischen Tod des Rappers in sein kleines Blogger-Reich (siehe hier). Konträr dazu machen sich andere nicht viel aus Text, posten jeden Tag ein - mehr oder weniger interessantes - Bildchen nach dem Motto: "Ich hab früher schon die Zeitung nur in die Hand genommen, weil da lustige, grimassenschneidende Politiker auf der Titelseite zu sehen waren." Nebenbei werden diese Visual-Fanatiker dann noch in den Blog-Statistiken als Mitglieder mit den meisten Beiträgen gelistet. Das durch aller Munde wabernde Wort "Web 2.0" ist eben doch ein stark dehnbarer Begriff.



So unterschiedlich die einzelnen Blog-Seiten auch sein mögen, eines haben sie alle gemeinsam: Sie beziehen sich ständig und überall auf das weite Themengebiet "Hiphop". Warum? Etwa, weil verspulte Rapkids sich in ihrem Dunstkreis am wohlsten fühlen und nur hin und wieder danach lüsten, über den mit Haschkeksen gefüllten Teller und dessen Rand hinaus zu schauen? Und sind die Leser des Reviewnator Blogs deswegen schwarze Schafe inmitten einer Herde voller träger, wollbedeckter, sabbernder Tiere? Scheinbar nicht wirklich. Wie lässt sich sonst die Tatsache erklären, dass prozentual gesehen viel mehr ausgestoßene Googler sich auf dieser Seite verirren?



Der Reviewnator Blog ist keine Fame-Bitch, genauso wenig wie dieser Artikel - nur falls jetzt die ersten ankommen, vorwurfsvoll den Zeigefinger heben und behaupten, der Masterplan lautet, über den Erfolg anderer zu schreiben und dadurch selbst Erfolg zu generieren. Der Reviewnator Blog hat eine Mission: Menschen für neue Themen zu sensibilisieren und dabei so seriös wie möglich zu bleiben. Reißerische Überschriften sind anderen vorbehalten. Jede Woche eine Handvoll Artikel über die neusten Filme und die Kulturen anderer Länder zu droppen, damit scheint wohl der Reviewnator Blog das kleine Stückchen Freiraum im immer dichter werdenden Internet-Universum zu belegen. Und irgendwann gelingt es dem hustlenden Team vielleicht doch, den ein oder anderen Astronauten mehr, für die Dauer eines Artikels aus seiner gewohnten Rap-Umlaufbahn zu werfen und für neue Themen zu öffnen. Vielfalt statt Einförmigkeit.

(flo)

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Die Koolumne: Ich bin ein Berliner Pt. 2

12.05.2006 - 12:01
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Im ersten Teil der „Berlin-Kolumne“ habt ihr Einzelheiten über den Musik- und Drogengeschmack des gemeinen Berliners erfahren. Diesmal soll es vor allem um des Berliners Lieblingswort „Prozessoptimierung“ und um Kohlrouladen gehen.



Die exakte Charakteranalyse eines Hauptstädters ist gelinde ausgedrückt durchaus schwierig. Eine Eigenschaft scheint er jedoch mit der Muttermilch aufgesogen zu haben: Das Streben nach Perfektion oder anders ausgedrückt die größtmögliche Menge an Chaos anrichten in kürzester Zeit. Doch diese Begriffe und Umschreibungen sind dem Berliner nicht bekannt. Gerne greift er deshalb auf das äußerst melodisch und modern klingende Wort „Prozessoptimierung“ zurück. Was jedoch genau mit diesem Synonym gemeint ist, scheint den Berliner auch des Öfteren vor Rätsel zu stellen.
Erklärungen von Begriffen ist nicht gerade seine Stärke, das haben wir bereits gelernt, an der Umsetzung scheitert es dagegen nie. Innerhalb von Sekunden – unter Drogeneinfluss oder Schlafdefizit können es sogar Bruchteile von Sekunden sein – zerstört der Berliner jegliche Ordnung und spielt mit Zusammenhängen, wichtigen Daten und Terminen geradezu Kniffel. Für seine Mitarbeiter hat dies verheerende Folgen. Gut und gerne kommen sie sich vor wie bei einer Partie Schiffe versenken, nur dass hier nicht mit Plastik Flugzeugträger sondern mit Geduld gespielt wird. Seltsamerweise schafft es der Berliner gleich nach den ersten Zügen das Kommandoschiff platt zu machen. Jede erdenkliche, vorher sorgfältig zurecht gelegte Abwehrstrategie ist hier nutzlos.



Der Berliner mutiert zu einem Märtyrer, der seinen eisernen Optimierungsprozesskreuzzug fortsetzt, komme was wolle. Doch was bekommt man auf einem solch kräftezehrenden Marsch als erstes? Na klar, Hunger! Ein waschechter Berliner wäre nicht solcher, wenn er keine weiterführenden Kochkenntnisse besäße. Neben fünf Minuten Kräuterbaguettes bereitet der Berliner besonders gerne so genanntes „mixed food“ zu. Ob Spaghetti Carbonara mit zeigefingergroßen Paprikastücken, Heidelbeer Joghurt gemischt mit Kräuterquark oder gar sein absoluter Favorit, Kohlrouladen ohne Kohl, dafür mit Jägersoße. Der Berliner kocht und verzehrt eben alles. Auch im Supermarkt muss man ihn von der Tierfutterabteilung fern halten, da er scheinbar noch nicht mitbekommen hat, dass Hundefutter vor allem für eines gedacht sind  - Hunde.
So viel Gaumenfreude, gepaart mit der unweigerlichen Prozessoptimierung kann, wenn man rational denkt, nur eins zur Folge haben: Die drastische Kürzung der Praktikumszeit. Sozusagen die Rettung kurz vor dem Untergang des letzten Schiffes durch die Basisstation.

Am Ende heißt es dann wohl oder übel „Game Over“, oder in des Berliners Worten ausgedrückt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

(flo)



  


Die Koolumne: Ich bin ein Berliner Pt. 1

24.04.2006 - 10:07
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Der gewöhnliche Berliner ist eine besondere Spezies Mensch. Das ist nicht erst seit gestern bekannt, macht sich aber immer wieder bemerkbar. Erst recht dann, wenn man drei Monate den Großteil seiner Zeit mit einer echten „Berliner Schnauze“ verbringt, die natürlich, und das ist typisch für den Hauptstädter, selbige keine zwei Minuten halten kann.
Eventuell könnte sich der ein oder andere Leser nun fragen wie man es schafft, acht Stunden am Tag mit einem Berliner zu verbringen. Des Rätsels Lösung ist wie so oft die universell anwendbare Antwort „aus rein beruflichen Gründen“. Nebenbei bemerkt ist dieses gewiefte Statement auch eine gute Ausrede, wenn man sich mal wieder um mehrere Stunden verspätet, weil die Sekretärin des Chefs sich lasziv über den Kopierer beugt und man diesem Anblick einfach nicht widerstehen kann – doch zurück zu unerfreulicheren Dingen.



Da sitzt er also, der Berliner, und weiß im Grunde auch nicht so genau, was ihn gerade an diesen Arbeitsplatz verschlagen hat. Neben seinem wichtigsten Tool, dem Mund, hat der gemeine Berliner eine vielfältige Palette an Beschäftigungsmöglichkeiten auf Lager. Zum einen wäre da die permanente Nutzung diverser Chats – natürlich um mit „Atzen“ zu kommunizieren und „Ollen ufzureißen“. Doch der Berliner ist kein sehr geduldiger Mensch. Schnell wird die Chatorgie langweilig und eine neue Beschäftigung muss her. Ausgestattet mit Flexibilität und einer immensen Vorstellungskraft, verfällt der Berliner in multitaskingähnliche Muster. Stift in der Rechten, iPod in der Linken, navigiert er seine Finger flink über Blatt und Click Wheel. Was dabei heraus kommt klingt zwar kontrovers, da dieser Begriff im Wortschatz eines Berliners nicht vorhanden zu sein scheint, wage ich ein in Sekundenschnelle hingetagtes Graffiti und das Ertönen eines Techno-Sets, Herkunft iPod, Länge 73 Minuten, als eher skurril zu bezeichnen.



Doch ein echter Berliner wäre nicht Selbiger, wenn er nicht zu allem Übel anfangen würde, von Techno inspiriert, über sämtliche Drogenarten dieser Welt zu philosophieren, mit denen er – natürlich aktiv – in Berührung gekommen ist. „Fear And Loathing In Las Vegas” hallo; göttliche Arbeitsruhe goodbye…heißt das Motto für den Rest des Nachmittags. Für die Mitarbeiter des Berliners natürlich. Dem anfangs begeisterten Laien fällt es da spätestens nach zwei Stunden schwer, den LSD-Flashs, Speed-Filmen und Cokain-Trips  noch eindeutig zu folgen – sofern er das jemals vor hatte.
Nach zahlreichen Belehrungen über die korrekte Einnahme von Pilzen und die richtige Dosierung von Marihuana und Amphetaminen, findet der Höllentrip ein Ende. Der Berliner ist noch lange nicht fertig, einzig und allein der offizielle Feierabend stellt die Rettung dar. Doch selbst beim Verlassen des Büros beschleicht einen das mulmige Gefühl, dass morgen alles wieder von vorne beginnt. Mit Chats, Techno-Sets, Drogenreisen und all den kleinen Nebengeschichten, die von Messerstechereien, Verfolgungsjagden und illegalen Immobiliengeschäften handeln.

Wenn man dann abends abschließend im Bett ein Tagesresümee zieht, kommt es einem so vor, als ob man den Tag in einer Märchenwelt verbracht hat. Und wenn der Berliner nicht gestorben ist, dann quatscht er noch heute seinen Kollegen die Ohren voll...

(Fortsetzung folgt...)




  


Die Koolumne: Von Singstar zur Apokalypse

27.03.2006 - 09:02
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Let me introduce something new. Die Koolumne. Meine persönliche Lästerecke, in der ich in Zukunft und wahrscheinlich recht unregelmäßig, kontroverse Themen aufgreifen will. Manchmal werde ich Stellung zu kürzlich erlebten Ereignissen nehmen und ab und an greife ich aktuelle Brennpunkte auf. Let's talk some Gossip!

Deutschland im Karaoke Fieber - Kein schlechter Witz, kein schlimmer Alptraum. Singstar macht es möglich. Eigentlich macht Singstar alles möglich. Da wird der Fernseher zur Karaoke Maschine umfunktioniert, der Controller durch ein Mikrofon ersetzt und die Freundesrunde zum Musikantenstadl umgeformt. Was will man an einem Freitag Abend mehr? Unterbewusst fragt man sich in so einem Moment, wie man das am nächsten Morgen sich selbst erklären soll, wie man das mit sich selbst vereinbaren soll, am Abend zuvor kastratenchorähnlich bei Modern Talkings "You're My Heart You're My Soul" mitgesungen zu haben, ohne jedes Schmerzempfinden.
Nicht genug, dass es die "moderne" Version von Singstar gibt, mit bezaubernden Liedern von Mr. Robbie "Ich bin so ein armes Schwein weil ich kein vernünftiges Groupie abkriege" Williams oder Ashlee "Ich bin viel toller als meine Schwester" Simpson, irgendein durchgeknallter, todesmutiger Programmierer kam auch noch auf die Idee eine 80er Variante des allseits beliebten Singstar zu entwickeln. Ich würde nicht darauf wetten, dass der Initiator dieser Idee heute noch ohne Securities zum Bäcker laufen kann, geschweige denn überhaupt noch irgendwo hin läuft. Falls doch - CIA, holla at'cha boy!



Da sitzt du nun, nicht alkoholisiert, vollkommen nüchtern, umgeben von vier singwütigen Menschen, die sich von dem für das Spiel ausgegebene Geld wohl besser Gesangsunterricht genommen hätten. So langsam gewöhnst du dich an die Position des stillen Beobachters, der immer, wenn ihm das Mikro unter die Nase gehalten wird, dankend ablehnt. Doch irgendwann zieht die Masche nicht mehr. Der Frust unter den anderen Spielmitgliedern steigt und auf einmal fallen Phrasen wie "du Spielverderber" oder "was ist los, traust du dich etwa nicht?". Auf diese beiden Vorwürfe gibt es eigentlich nur zwei klare Antworten. Ja und Nein. Ja, ich nehme gerne die Rolle des Spielverderbers ein, denn Singstar tut mir die selben Qualen an. Singstar ist eindeutig ein Verderberspiel und wer mich so reizt, dem verderbe ich auch das Spiel und nehme damit die Rolle des Spielverderbers an. Ob ich mich nicht trauen würde? Klar traue ich mich nicht, mich vor einer Horde begeisterter Hobby Sänger zum Vollhans zu machen und die, eh schon verseuchte Welt, noch mehr mit meinen Gesangskünsten zu schädigen.
Und erst recht nicht bei Modern Talking - Ich verlange doch auch nicht von meinen Mitspielern/Mitspielerinnen, den Backup-MC bei "LMS" von Kool Savas zu mimen.
Singstar ist und bleibt ein Hobby für Menschen, die eindeutig zuviel Zeit und Langeweile haben. Ich konnte mich vorerst dem Karaokewahn entziehen, blieb Hardliner und schaffte es bei einer mehr als einstündigen Homestudio Session, nicht ein mal ans Mic steppen zu müssen. Alleine dafür gehört mir eigentlich schon ein Ehrenplatz bei den nächsten 2000 Weltumweltkonferenzen für Förderung der Nachhaltigkeit. Denn mit meinem Desinteresse an Singstar bewahre ich nachfolgende Generationen vor Kollateralschäden.
Liebe Spieledesigner und Programmierer, das soll kein persönlicher Angriff gegen euch sein, allerdings solltet ihr langsam aber sicher daran denken, den Job zu wechseln. Die strikte Ablehnung von Singstar wächst in der Bevölkerung und in meinen kühnsten Träumen sehe ich euch mit gesenktem Haupt den Hartz 4 Antrag unterschreiben - eure persönliche Apokalypse. Aber behauptet am Ende bloß nicht wieder, keiner hätte euch gewarnt!

  


Die Koolumne: Die Macht der Sekunde

29.12.2005 - 10:35
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Das neue Jahr, sprich 2006, hat eine ganze Sekunde mehr. "Na und", denken jetzt wohl einige. Was in einer einzigen Sekunde in Deutschland passieren kann, geht über die Vorstellungskraft des einen oder anderen Zeitforschers und Beamten hinaus. Eine Sekunde mehr ist für Multitasking-fähige Menschen wie eine Hiobsbotschaft. Anstatt zwei, können gleich drei Tassen Kaffee gekocht werden während man nebenher noch fünf weitere Telefongespräche entgegen nehmen kann und sich zur Entspannung, wenn es gut läuft, eine einsekündige Mittagspause gönnen darf.
Eine Sekunde mehr, das bedeutet Mehreinnahmen in Millionenhöhe für die Wirtschaft, geschickt eingesetzt kann man mit der Sekunde für Lau die Arbeitnehmer linken, indem man sie einem Moment länger arbeiten lässt, natürlich ohne Lohnausgleich. Es sei denn, die Gewerkschaften nehmen die eine Sekunde in die Verhandlungsgespräche auf.
Die Geburten- und Sterberate für 2006 wird in nie zuvor dagewesene Höhen schnellen, stirbt doch jede zweite Sekunde ein Mensch an einer Infektionskrankheit und im selben Zeitraum werden ganze fünf Menschen neu geboren. 2006 wird definitiv das Jahr der Überbevölkerung. China hat ein ernstes Zeitproblem.
Doch auch für den fersehwütigen Bürger hat die Zusatzsekunde weitreichende Konsequenzen. Hier findet nun vor allem der Spruch "das hätte ich mir keine Sekunde länger anschauen können" seine Berechtigung. Alleine der Gedanke daran, Sendungen wie den Musikandenstadl oder die Viva Klingeltoncharts eine Sekunde länger ertragen zu müssen, treibt so manchem die Schweißperlen auf die Stirn. Glück haben in dem Fall jene, die ihre Glotze spontan aus dem dritten Stock ihrer Mietwohnung werfen können um allem TV-Wahnsinn ein Ende zu setzen. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass man nun eine Sekunde länger Zeit hat, seine Entscheidung zu bereuen und womöglich das Treppenhaus hinunter rennt um den Fernseher, bevor dieser auf dem Boden zerberstet, mit weit aufgerissenen Armen aufzufangen. Die eine Sekunde, die der Notarzt länger braucht, um den Defibrillator auf der Brust anzusetzen, könnte tötlich sein.
Neben dem verlängerten Sekundenschlaf, welcher so manchen Autofahrer in Lebensgefahr bringen könnte, nützt es nun auch nichts mehr damit anzugeben, auf die Sekunde pünktlich zu sein. Von Frauen muss man sich im kommenden Jahr wohl des öfteren vorwerfen lassen, wieder mal das Gefühl für Zeit verloren zu haben. Gut, der Begriff "Pünktlichkeit" verschwimmt anhand der Sekunden-Tatsache etwas, man kann eigentlich nicht so recht sagen, ob man eine Sekunde zu früh oder zu spät kommt.
Zur Totalkatastrophe könnte das lange Jahr auch in der IT-Branche führen, die Einheit "Bits pro Sekunde" sorgt ohnehin schon für Verwirrung. Bei der kleinen Sekunde, bekannt aus dem Musikunterricht, sollte man sich künftig über eine Namensänderung Gedanken machen, eine Umformulierung in die doppelte Sekunde würde meines Erachtens Sinn machen.
Selbst der Sport bleibt von der zusätzlichen Sekunde nicht verschont. So können alle Träume von einem neuen Weltrekord auf 100 Meter von vorne herein begraben werden, der Hackl-Schorsch kann die Rodelbahn auf dem Buckel runter rutschen und sämtliche Eisschnellläufer können das kommende Jahr dazu nutzen Piroetten auf dem heimischen See zu drehen.
Mal ganz ehrlich, man sollte die gewonnene Zeit sinnvoll nutzen. Egal ob man sich ein Bad einlässt, ein neues Buch beginnt oder mal wieder so richtig shoppen geht, eins ist sicher: Zeit hat man nächstes Jahr mehr als genug.



  


Die Koolumne: In The Year 2010 - Germany

15.12.2005 - 12:14
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Herzlich willkommen zum zweiten Teil meiner "In The Year 2010" Kolumne. Letztes mal ging es um die Zustände in den, von allem geliebt und vergötterten, United States Of America, nun soll der Schwerpunkt auf der nationalen Zukunft liegen.
F.R., besser bekannt als der jüngste Rapper mit dem größten Talent, ist inzwischen erwachsen geworden. Ihr wisst schon, so richtig erwachsen, das beinhaltet auch pubertätsbedingte Veränderungen wie den Stimmbruch. Mittlerweile hat sich die Piepsstimme, genauso wie sein Plattenvertrag geändert. In positive Richtung natürlich. Optik Masterchief und King Of Rap Kool Savas wird hingegen langsam alt. In Fachkreisen ist er als Optik-Senior bekannt, der von seinen Optik-Youngsters liebevoll "Dede" genannt wird. Deren Alter verhält sich zusätzlich reziprok zu Savas's, dessen Brillengläser, inzwischen vergleichbar mit Flaschenböden sind. Sein ehemaliger Partner in Rhyme, Azad, hat zwischenzeitlich Blutsbruderschaft mit Bushido geschlossen, zusammen sind sie bekannt als die Index-Crew. Ist man im Besitz eines Albums von einem der beiden gewaltverherrlichenden, frauenfeindlichen, homophoben, erdbeerkonfitüreliebenden Künstler, wird man sofort an die Wand gestellt und dafür mit dem Metallschneider gefoltert und schließlich mit dem Bolzenschussgerät umgebracht. Sofern man erwischt wird.
Deutlich positivere Töne erklingen aus dem Hause Curse. Der engagiert sich besonders in sozialer Hinsicht. Zusammen mit Till Schweiger, Rudi Assauer und Spongebob Schwammkopf hat er den "Ex-Freundinnen-Männer-Hilfefond" gegründet, mit dem er gerade in Deutschland unterwegs ist um neue Mitglieder zu finden, die ihre Ex-Girls nicht loslassen können. Den Betroffenen wird eine Schlampen-Therapie geboten, die es in sich hat und alle Erinnerungen an Ex-Liebschaften, im wahrsten Sinne des Wortes, verfließen lassen soll. Erfolgsquote 85 %. Der Rest wird entweder direkt in die Innere überwiesen oder bekommt bei dem Öffnen der Haustüre einen Herzinfakt. Spongebob's Visage ist Schuld.
Achja, wenn wir gerade bei Visagen sind, Sido! Überhaupt Sido! Es vergeht immernoch kein Jahr in dem nicht pünktlich zum ersten Advent der allseits bekannte Weihnachtssong des Mannes mit der blechernen Maske auf Viva Minus (Der Sender wurde umbenannt, Grund: Man wollte sich an den Einschaltquoten orientieren, die drastisch gesunken sind, seitdem die "Get the Clip: Retro" Shows abgesetzt wurden) läuft, Aggro Berlin hat deshalb extra einen Director's Cut des Videos auf den Markt gebracht, mit nie zuvor gesehenen Hardcore Porno Szenen. Außerdem bekam Sido eine neue Maske spendiert welche aus den bereits zehn, teils gewonnenen, teils anderen Künstlern geklauten Echo-Kugeln zusammen gegossen wurde. Gemeinsam mit seinem Homie Fler lebt er strikt nach dem von Kaete Rakete aufgestellten Motto: "Immer schön aggro bleiben".
Samy Deluxe hingegen genießt im Jahre 2010 ein unerhört hohes Ansehen (bei ehemaligen Drogensüchtigen), die nationale Presse konnte sich bis dato noch auf keinen passenden Kosenamen einigen, die Juice nennt den Hamburger gerne den "deutschen Jigga", die Backspin betitelt ihn lieber als "den farbigen Messias". Am Ende bleibt mir nichts anderes übrig als Samy's Worte zu zitieren: "Denn das ist meine Generation..."

  


Die Koolumne: Jay-Z: Fade to Black - really?

12.12.2005 - 08:15
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Was war das für ein Abend im Madison Square Garten, NYC? Historisch für Hiphop, historisch für die Black Community. Zwei Jahre ist es nun schon her, seitdem Jay-Z das legendäre Konzert gab. Bereits im April 2005 kam die DVD mit dem Konzertmitschnitt auf den amerikanischen Markt. Bei uns ließ man sich mit dem Release Date, wie so oft, ein bisschen Zeit. Seit 1. Dezember steht das Live-Spektakel nun auch bei uns in den Läden und ist jedem Black Music Fan wärmstens zu empfehlen. Die DVD besteht jedoch nicht ausschließlich aus einem Konzertmitschnitt, das Genie Jigga hat sich etwas besonderes für den Film einfallen lassen. So sind dokumentarische Elemente mit Live Ausschnitten gemischt worden, was im großen und ganzen sehr gelungen wirkt, da man nicht weiß, welche Parts man gerner sehen möchte. Sieht man gerade Szenen aus dem Entstehungsprozess des "Black Albums", ist man schon im Hinterkopf gespannt darauf, das nächste Live-Stück vom Jiggaman auf die Ohren und Augen zu bekommen. Ist man an dem Punkt angekommen, kann man es gar nicht erwarten, bis Mr. S. Carter wieder seine Erfolgsstrategie und Arbeitshaltung preisgibt. Im Grunde kann man die DVD als ein einziges Meisterwerk bezeichnen, bei dem keine Haut glatt bleibt und kein Grübchen unentdeckt. Historisch kann man durchaus die Tatsache nennen, dass Jay-Z es als erster Rapper in den vielleicht bekanntesten Konzertsaal der Welt geschafft hat, den Madison Square Garden. Zusammen mit einigen der größten Künstlern der modernen Black Music Szene wie z.B. Mary J. Blige, Missy Elliot, Ghostface oder Beyoncé, zelebriert er ein Rapspektakel, das er höchstens mit dem Friedensschluss mit Nas ausgleichen konnte. Doch wenn man recht hin sieht, wirkt selbst die Versöhnung der zwei Rapschwergerwichte dagegen wie ein kleiner Move.
Was Jay-Z mit seinem Black Album und dem dazugehörigen Auftritt im Madison Square Garten vollbracht hat, ist nahezu unbeschreibbar. Und genau hier kommt man an einen höchst strittigen Punkt an. So sehr es schmerzt einen solch genialen Künstler ins Dunkel rücken zu sehen, so sehr Freude bereitet er seinen Hörern mit diesem Schritt. Denn durch seinen Rückzug hat Jay-Z erreicht, was Biggie und Pac nur durch ihren Tot bekamen: Die Unsterblichkeit seiner Musik.
Leider ist der Meister selbst momentan drauf und dran, sich genau diesen Status wieder zu zerstören, indem er duzende Collabos auf aktuellen Alben hat (gibt es überhaupt noch ein Album eines großen Black Music Künstlern, ohne Jay-Z Feature?) und neue Hoffnung auf ein weiteres Album z.B. durch die Versöhnung mit Nas, aufkeimen lässt. Meines Erachtens ist das ein Schritt in die falsche Richtung, denn am Ende gilt der Spruch "wer einmal lügt, der verliert seine Glaubwürdigkeit". Sollte er wirklich mit einem neuen Album zurück kommen, so wird man bald Musikliebhaber sagen hören: "Please MTV....." moment, falsche Sendung, ich meine  natürlich "Please , Jay-Z, Fade To Black!"



  


Die Koolumne: In The Year 2010 - USA

10.12.2005 - 09:20
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Wir schreiben das Jahr 2010. Inzwischen ist Kanye West zum ersten afro-amerikanischen Präsidenten der USA gewählt worden. In einer engen Wahl setzt sich der ehemalige Rapper (Als Politiker hat man nicht auch noch Zeit für's Studio) gegen Arnold "Äkschenhiro" Schwarzenegger durch. Rückhalt bekommt er von seinen Parteifreunden aus dem Dipset Movement. Dort herrscht Geschlossenheit in Form von Einheitsuniformen und energischen "It's Dipset B*tch" Rufen. Juelz Santana, seines Zeichens neu ernannter Innenminister, bringt eine Brise von dem, "What The Game's Been Missing" in die lahmende Politik.
Kommen wir zu einem anderen Ressort. Jay-Z aka Jigga aka Jiggaman aka H.O.V.A. aka "fade to black and soon come back" produziert schon das dritte Album mit seinem Homie NAS, zusammen wird das Duo liebevoll "The Best Of Both Projects" genannt. 50 Cent hingegen hat kürzlich einen Millionendeal mit Bertelsmann abgeschlossen, um seine von ihm und der G-Unit Crew geschriebenen Bücher auf bestmöglichem Wege zu veröffentlichen. Inzwischen hat Curtis "Interscope" Jackson eine tägliche Kolumne im New York Times E-Paper (Zeitung lesen ist doch voll out...) in der er mit größtem Vergnügen Gerüchte in die Welt setzt und immernoch von der Weltübernahme schwärmt. Diese geht kurz darauf im Hause G-Unit gründlich daneben, nachdem man ohne Rücksicht auf Verluste alle noch ungesignten Artists, Ex-Knackies und Crack-Dealer in's Boot geholt hat und durch eine riesige Implosion (Def. Duden: Schlagartige Zertrümmerung eines Hohlkörpers) in ganz New York verheerende Schäden, unter anderem auch den Einsturz des neu erbauten Third World Trade Centers verursachte. President West setzt daraufhin Buck, Banks und Co. auf die Liste der zehn meistgesuchten Terroristen der Vereinigten Staaten.
Super Producer Pharrell hat inzwischen sein erstes Kind von Gwen Stefani und lebt glücklich und zufrieden auf der, aus der Portokasse gekauften, USS Voyager im Deep Space Nine. Dort hat er sich von Marc Ecko, der übrigens einen Ruf in New York vergleichbar mit einem Obsthändler in Düsseldorf Flingern genießt, ein pompöses Star Trak Zeichen auf die Wings seines Raumschiffs sprühen lassen. Gegnerische Sternenkreuzer bekämpft er mit gemeinen "Yes Sir" Shoutouts, deren Schallwellen das meteorhagelsichere Leichtmetall zerbersten lassen. Nebenbei produziert er noch Beats für das 17. postmortale Tupac Album, welches den eingängigen Namen "Are You STILL Down" trägt...

Seid wieder dabei wenn es beim nächsten Mal heißt "In The Year 2010: Germany

  




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