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Manchmal fragt man sich, für wie blöd man als deutscher Kinogänger gehalten wird. Denn anstatt einen Filmtitel in seinem vielleicht nicht verständlichen, dafür aber griffigen Originaltitel zu belassen, überlegt man sich einen eingedeutschten, entweder grausam schlecht übersetzten oder einfach nur peinlichen Titel, bloß, damit auch der letzte Depp ihn aussprechen kann.



So wurde aus „Meet the Fockers“ beispielsweise der ungelenke „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“, aus „Jaws“ wurde „Der weisse Hai“, aus „Tremors“, „Im Land der Raketenwürmer“ und jüngst aus „The Brave One“, „Die Fremde in Dir“. Das letzte Beispiel zeigt, dass oftmals wohl auch Überlegungen der „political corectness“ eine Rolle spielen, denn die Bezeichnung des Racheengels Jodie Foster als „mutig“ kam in den USA sicher besser an als in Deutschland. Und stolpert man bei „Die Regeln der Gewalt“ zumindest vom Titel her über ein äußerst abgedroschenes und belangloses Machwerk, so verdient der Film dahinter deutlich mehr Aufmerksamkeit. Mit „The Lookout“ ist Scott Frank (Drehbuch „Out of Sight“, „Minority Report“) ein meditativer Thriller gelungen, der sich positiv von der Masse abhebt.



Chris Pratt („Mysterious Skin“, „Brick“) hatte eine rosige Zukunft vor sich. Reich und beliebt, talentiert im Eishockey, Frauenschwarm, also eigentlich alles, wovon ein Durchschnittsjugendlicher in Amerika träumt. Doch seine Chancen zerplatzen im Nu, als seine eigene Leichtsinnigkeit einen schweren Autounfall zur Folge hat, der zwei seiner Freunde tötet und ihm selbst einen mentalen „Zustand“ beschert, der dem Hauptakteur aus „Memento“ ähnelt. Er kann sich weder die einfachsten Dinge merken, noch schafft er es, einfache alltägliche Handlungen ohne Anleitung auszuführen.



Jetzt lebt er in einer Art therapeutischen WG zusammen mit dem blinden Lewis (Jeff Daniels). Gegenseitig versuchen sie ihre jeweiligen Defizite auszugleichen. Finanziell unterstützt von seinen Eltern, arbeitet er in einer Bank als Hausmeister. Zuerst scheint es Zufall, dass ihm plötzlich Gary Spargo (Matthew Goode) begegnet und sein Leben aufpeppt. Chris genießt die neue Anerkennung, als Gary ihn in seinen Freundeskreis einführt und ihn außerdem mit der hübschen Luvlee (trotz des Namens definitiv kein Kandidat für Flava Flav) bekannt macht, mit der sich seit Langem wieder eine Frau für ihn zu interessieren scheint. Erst zu spät bemerkt Chris, dass er Teil eines Plans geworden ist, der immer weitere Kreise zieht.



Diese wenigen Zutaten reichen aus, um aus dem Film etwas Besonderes zu machen. Wobei das Besondere wohl auch der Person Joseph Gordon-Levitt‘s zu verdanken ist. Zwar ist Jeff Daniels als blinder „Dude“ ebenfalls ein Highlight, doch gegen Gordon-Levitt kommt er nicht an. Nicht umsonst wird Gordon-Levitt jetzt schon mit Humphrey Bogart verglichen. Seine Coolness ist  fast schon beängstigend.



Beängstigend ist auch, wie hilflos er sich als Chris Pratt in die falschen Kreise begibt, nur um einen kleinen Teil seiner Anerkennung zurückzubekommen. Dabei sind seine Motive so einfach wie nachvollziehbar: Wer das Geld hat, hat die Macht! Und das ist es, was er möchte. Macht über sein eigenes Leben haben. Und weil man den Helden der Geschichte so gut verstehen kann – was definitiv auch Verdienst Gordon-Levitt‘s ist, wird der Film trotz seiner langsamen Erzählweise fesselnd.



Auch wenn der Showdown und einige andere Elemente sehr an „Fargo“ erinnern, und sich die eigentlich so fiesen Bösewichte doch an mancher Stelle selten dämlich anstellen, so besitzt der Film dennoch eine Originalität, die ihn von den typische „Heist-Movies“ abgrenzt. Nicht das Verbrechen an sich steht im Vordergrund, sondern die Figur des Chris, der Frieden und Vergebung sucht für etwas, das kaum zu vergeben ist. Alles in allem ist „The Lookout“ also eine durchaus sehenswerte „Thriller-Meditation“ mit einer überragenden darstellerischen Leistung und einigen Schwächen in der Dramaturgie.



Genre: Thriller-Drama
Regie: Scott Frank
Drehbuch: Scott Frank
Schauspieler: Joseph Gordon-Levitt, Jeff Daniels, Matthew Goode, Isla Fisher
Filmstart: 13.09.2007
Website: http://video.movies.go.com/thelookout/
IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0427470/

(nikolas)

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Gleich vorweg: Diese Review wird kurz. Warum? Ganz einfach, die Inhaltsangabe fällt (fast) weg. Warum? Bei „Shoot Em Up“ gibt es auf inhaltlicher Ebene nichts zu erzählen. Dass das nicht immer schlecht sein muss, beweist Michael Davis‘ neues Actionfeuerwerk trotzdem. Denn wer braucht schon Handlung, wenn ein Mann, gewappnet mit Knarre und Special Effects gegen eine ganze Armee antritt...



Ok, in zwei kurzen Sätzen zusammen gefasst, worum es in „Shoot Em Up“ geht: Mr. Smith (Clive Owen) wird durch Zufall Zeuge davon, wie eine wildfremde, schwangere Frau von einem Schurken verfolgt wird. Smith rettet die Frau, diese gebärt ein Kind, wird kurz darauf erschossen, Smith beschützt das Kind mit seinem Leben und metzelt geschätzt 150 Menschen in 86 Minuten ab. Was etwa einen Schnitt von 1,7 Menschen in der Minute macht.



Der Film fühlt sich durchgängig wie ein Rekordversuch an. Doch genau das macht ihn besonders kurzweilig und spannend. Man wartet förmlich auf den durch Dachluken kletternden, hinter Mauern und Fässern hervorkriechenden und Treppenhäuser hochtrampelnden Feind. Man ist eins mit dem Hauptdarsteller. Man wünscht der von Fiesling Hertz (Paul Giamatti) angeführten Armee den Tod. Jeder weitere Verlust auf der Seite des Feindes ist reinigend, erleichternd. Denn man hat immer im Hinterkopf, dass ein Querschläger, ein übersehender Gegner, eine Ladehemmung der eigene Tod bedeuten kann. Klingt wie in einem Counter-Strike oder Quake Match? „Shoot Em Up“ ist der auf Leinwand projizierte Ego-Shooter.



Nichts geringeres als ein Meisterwerk ist es dann auch, was Regisseur Michael Davis mit diesem Film erschaffen hat. Ich kann mich an keinen Film erinnern, der das Thema Tot mit einer solchen Ignoranz und Gleichgültigkeit behandelt. Wie die Faust aufs Auge passt auch daher der von Hertz in den Raum geworfene Spruch: „Guns don't kill people! But they sure help.“



Neben Kugelgewitter, Menschenhagel und Babygeschrei gibt es einen weiteren Faktor, der „Shoot Em Up“ zu einem außergewöhnlichen Streifen macht: Monica Bellucci. Mit welcher Grazie sie die Hure spielt, mit welcher Warmherzigkeit aus ihr der Mutterinstinkt heraus kommt, sie hätte glatt einen Oscar für die beste Nebenrolle verdient. Welche andere weibliche Schauspielerin würde selbst dann glaubhaft bleiben, wenn sie vom Protagonisten gerade durchgefickt wird und dieser gleichzeitig eine Horde von feindlichen Truppen dem Erdboden gleich macht. Gerade diese Szene sollte sich jedes angehende Schauspiel-Sternchen am besten als Bildschirmschoner aufs iBook laden.



„Shoot Em Up“ hat alles, was ein guter Film haben muss: Action, coole Stunts, geniale Einfälle, genialere Kameraperspektiven, tolle Hauptdarsteller und...keine Handlung. Auch wenn letzteres vielleicht für Manche in Widerspruch zu einem gelungenen Film steht, so macht es am Ende die konsequente Missachtung jeglichen Plots, was „Shoot Em Up“ in sich schlüssig macht. Schneller lauter und aufregender kann ein Kinoabend nicht sein.



Genre: Action-Thriller
Regie: Michael Davis
Drehbuch: Michael Davis
Schauspieler: Clive Owen, Monica Bellucci, Paul Giamatti, Stephen McHattie
Laufzeit: 86 min.
Filmstart: 20.09.2007
Website: http://wwws.warnerbros.de/shootemup/
IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0465602/

(flo)

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Eigentlich ist es ein Dilemma und eine persönliche Schande jemals gedacht zu haben, die USA sei das beste Land der Welt. Ich verbuche diese dumme Logik mal als jugendliche Naivität. Zum einen, weil abgesehen vom verherrlichten Glitzer und Glamour der Musik-, Film- und Fernsehindustrie absolut gar nichts wirklich glitzert und zum anderen, weil ihre Gesetze, Regeln und Logiken so veraltet und konservativ sind, dass Europa der angeblichen Weltmacht Jahre voraus ist. Und dabei steht das Thema ‚Gay Rights’, welches in der derzeitigen Präsidentschaftskandidatur ein absolut heißer Faktor ist, an der Front der Gemüter. Ein für Amerika immer noch explosiver unaussprechbarer Gegenstand, dem sich jetzt der Film „Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme“ (orig. ‚I now pronounce you Chuck and Larry’) angenommen hat.



Chuck Levine (Adam Sandler), ein Frauenheld vom Feinsten, und Larry Valentine (Kevin James), ein trauernder Witwer und zweifacher Vater, sind angesehene Feuerwehrmänner New Yorks und seit Jahren die besten Freunde. Sogar so gute, dass sie alles füreinander tun würden, ohne Rücksicht auf Verluste. Und wie sehr sie sich aufeinander verlassen können, merkt Chuck auch wieder, als ihm Larry bei einem Einsatz inmitten von Flammen und einstürzenden Bauten das Leben rettet. Doch während Chuck sich kurze Zeit später wieder einsatzfähig mit mehreren Damen im Bett tummelt, hat Larry derweil ein ganz anderes Problem. Ihm ist es aus bürokratischen Gründen einfach nicht möglich seine Lebensversicherung von seiner nun toten Frau auf seine Kinder umzuschreiben. Egal mit wem er redet, egal wie sehr er sich bemüht. Die Ämter schalten auf stur – es sei denn, er vermählt sich wieder. Ohne allerdings auch nur einen Gedanken an eine neue Frau verschenken zu können, bittet Larry daher Chuck um Hilfe die Gesetze zu umgehen und seine Kinder abzusichern, sollte er durch seine risikoreiche Arbeit tödlich verunglücken. Seine Lösung – das Vortäuschen einer homosexuellen Beziehung. Doch das Glück geheimer schwuler Zweisamkeit währt nicht lange, als Clint Flitzer (Steve Buscemi), ein Beauftragter der Stadt, der Legitimität wegen nachforscht. Auf Anraten ihrer Anwältin (Jessica Biel) gezwungen in Kanada offiziell zu heiraten und nach einer Konfrontation in allen Zeitungen geoutet, finden Chuck und Larry sich in einer ungeahnten Situation mit der Umwelt.



Selbst wenn das Drehbuch von Barry Fanaro und Alexander Payne geschrieben wurde, merkt man eindeutig Adam Sandlers Handschrift. Die offensichtlichen Witze, die vorauszusehende Storyline, die übertriebene Situationskomik, die Anstellung von Freunden und Verwandten (Sandlers Mutter, Schwester usw.) – alles scheint im Hinblick auf vorangegangene Projekte des Schauspielers ein bunter Mix seines Einflusses zu sein (er ist auch Produzent). Allerdings, eindeutig witziger, erwachsener und mit einer Botschaft an alle, die Respekt und Toleranz ganz weit hinten in ihrer täglichen Lebensphilosophie anstellen. Zumal er mit Kevin James einen Filmpartner gefunden hat, mit dem er nicht nur hervorragende Chemistry hat, sondern der der ganzen Angelegenheit auch den charmanten Witz verpasst. Sein Ying zum Yang sozusagen.



Dass der Film auf Stereotypen und Gay jokes ausgelegt ist, sollte anhand der Geschichte (und Sandler) niemanden wundern. Dabei gehören Regenbogenfahnen, Drag Queens, Musicals, Kostümbälle, Musik von Wham, verlorene Seife beim Duschen, Schwulenhasser mit Plakaten, Slang etc. genauso dazu wie die plötzlich arglose Intimität zwischen einer Frau und einem Schwulen, die ihn sorglos ihre Brüste anfassen lässt oder die immer wieder verheimlichte sexuelle Neigung von Nachbarn und Kollegen. Alles erdenklich Banale wird dabei ausgeschlachtet. Somit zeigt der Film, selbst wenn er für die Toleranz Homosexueller ist, logischerweise auch nur eine limitierte Vorstellung davon was es eigentlich heißt schwul zu sein. Klar, es ist ja auch eine Komödie. Und die Lacher zu diesem Thema erfährt man eben nur, wenn man es so homophob wie möglich gestaltet. Und das, ist „Chuck und Larry“ absolut gelungen. Eingefleischte Aktivisten, welche bestimmt beleidigt auf die Barrikaden steigen, werden sich daher mit dem nur sporadisch anzufindenden Unterton der gewünschten und geforderten Akzeptanz nicht begnügen. Gleichberechtigung für alle wich hier der Komik.



Kevin James (King of Queens), mimt somit - wie schon in ‚ Hitch’ - den liebenswürdigen, sympathischen kleinen Dicken zum knuddeln. Einen Mann, dem man niemals den Serienkiller oder Drogenabhängigen abnehmen würde und der mit Komödien sein Leben lang seine Villa finanzieren wird. Ohne ihn als Gegenpol wäre der Film zu sehr ins Lächerliche geraten. Mit ihm, als trauernder sorgvoller Vater, verwehrt er Sandler den typischen Ausbruch in stimmgewaltige Songs oder übertriebenen Slapstick. Demnach hat sich Adam Sandler hier auch zurückhalten müssen und stattdessen seine Energie dem sexgeilen Hetero gewidmet. Ich bin mir allerdings noch nicht ganz sicher, ob ich ihm diesen Macho abnehmen kann. Jessica Biel, als attraktive heiße Anwältin der beiden (inklusive Brille), scheint aufgrund ihrer rigorosen Gymaktivitäten mehr gefragt denn je zu sein und machte es sich zur Aufgabe allen visuell mitzuteilen – kein Silikon vorhanden. Ihre Rolle der Alex McDonough ist zwar nicht einschneidend wichtig, sorgt aber für den gewissen Ausgleich bei Männern. Erwähnenswert und gut mit eingefädelt hinsichtlich der Storyline sind aber auch die Cameos der gerade erst geouteten, noch unter „Beobachtung“ stehenden oder einfach nur skandalträchtigen Personen der amerikanischen Kultur wie Lance Bass, Richard Chamberlaine, Rachel Dratch, David Spade, Rebecca und Jessica Donahue usw. Allerdings muss man, um ihre Präsenz zu verstehen, ein bestimmtes Wissen amerikanischer Tabloids haben.



„Chuck und Larry – wie Feuer und Flamme“ macht einen weiteren Schritt hinsichtlich der Auseinandersetzung zwischen Hetero und Homo. Dabei zeigt er aber – im Gegensatz zum dramatischen ‚ Brokeback Mountain’ - dem Zuschauer in komödiantischer Sandler-Manier die oft und überall zu findende homophobe Umwelt. Der Film ist oft an der Grenze zur dummen Komödie, meiner Meinung nach aber zu gut um ihn zu hassen.



Regisseur: Dennis Dugan
Drehbuch: Barry Fanaro, Alexander Payne
Genre: Comedy
Hauptdarsteller: Adam Sandler, Kevin James, Jessica Biel
Laufzeit: 110 min
Release Date: 27.09.2007
Budget: 85 Mill USD
Offizielle Website: http://www.chuckandlarry.com
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0762107/

(jeannine)

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Dass die CIA viel Dreck am Stecken hat, ist nicht erst seit den jüngsten Enthüllungen ein offenes Geheimnis. Glaubt man den Aussagen einiger Experten, so stellen die bisher bekannten Skandale bloß die Spitze des Eisbergs dar. In diese Thematik reiht sich die Bourne-Trilogie ein, die jetzt mit „Das Bourne Ultimatum“ in die (höchstwahrscheinlich) letzte Runde geht.



Nachdem Jason Bourne (Matt Damon) in der „Die Bourne Identität“ ohne Erinnerung an der Küste angespült wurde und sich über zwei Filme lang auf einer haarsträubenden Suche nach seiner Vergangenheit befand, scheint Ruhe um seine Person eingekehrt zu sein. Doch sein Name und seine Geschichte rücken wieder ins Zentrum des Interesses, als der britische Journalist Simon Ross eine Enthüllungsstory über Bourne und ein geheimes Projekt der CIA veröffentlicht. In der Story wird ein geheimer Informant zitiert, der für die Verantwortlichen der CIA ein wenig zu gut Bescheid weiß und mit seinem Wissen zu großzügig umgeht. Was der Journalist jedoch nicht ahnt: Einige einflussreiche Leute haben ihn längst im Visier und lassen ihn bloß gewähren, weil sie hoffen, so an den Informanten oder gar an Jason Bourne heranzukommen.



Jason Bourne hingegen wittert die Chance, endlich die ganze Wahrheit über seine Rolle im Spiel der CIA zu erfahren und endlich die Verantwortlichen, die damals auch seine Freundin (Franka Potente) ermordeten, zur Rechenschaft zu ziehen. Ein Wettlauf durch ganz Europa beginnt. 



Zwar teilt Jason Bourne mit einem britischen Agenten die Initialen, sonst haben die beiden aber wenig gemeinsam. Man müsste Jason Bourne wohl eher als die Dirty Version eines James Bond bezeichnen. Denn bevor die CIA ihn fallen ließ, war er ein eiskalter Killer. Nun funktioniert er wie eine Maschine, der plötzlich bewusst wird, dass sie eine Maschine ist. Und anstatt mit den neuesten Gimmicks eines innovativen Wissenschaftlers ausgestattet zu sein, muss Bourne sich eher als Mac Gyver behaupten. Während Bond heftig flirtet und das Bett nicht nur zum Schlafen nutzt, trauert Bourne um seine ermordete Freundin und wird von den Geistern seiner Vergangenheit heimgesucht. Schlaf- und rastlos eilt er mit dem Zug quer durch Europa, immer auf der Suche nach Erlösung.



Mit Paul Greengrass hat  seit dem zweiten Teil der Trilogie ein durchaus politisch motivierter Regisseur („Bloody Sunday“, Oscar nominiert für „Flug 93“) das Ruder in der Hand. Seine Anklage an die CIA und deren skrupellose Methoden ist in perfide Action gekleidet. Wie schon im zweiten Teil dominieren wacklige Handkameras. Es sei sehr empfohlen, ein paar Euro mehr in einen Logenplatz zu investieren, damit einem nicht schwindelig wird. Schon eine der ersten Sequenzen im unüberschaubaren Londoner Bahnhof gehört zu dem Spannendsten, was das Kinojahr 2007 zu bieten hat. Dem Zuschauer bleibt kaum Zeit, zwischendurch zu verschnaufen.



Daher ist „Das Bourne Ultimatum“ die absolute Thriller-Empfehlung des Jahres. Da lässt sich die ein oder andere unrealistische Szene durchaus verschmerzen. Auch fällt die Auflösung etwas unspektakulär aus, doch ist man am Ende froh, in dieser Hinsicht wenigstens wieder sicheren Boden unter den Füßen zu haben. Bleibt zu hoffen, dass die wahren Machenschaften der CIA hinter dieser filmischen Verarbeitung weit zurückbleiben.



Regisseur: Paul Greengrass
Drehbuch: Tony Gilroy, Tom Stoppard
Genre: Action-Thriller
Hauptdarsteller: Matt Damon, Joan Allen, Julia Stiles, David Strathairn
Laufzeit: 111 min
Release Date: 06.09.2007
Website: http://movies.uip.de/dasbourneultimatum/
IMBD-Page: http://www.imdb.com/title/tt0440963/

(nikolas)

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Wie eine Maus in der Falle – 1408 (Filmkritik)

12.09.2007 - 08:39
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Seit über 30 Jahren schon finden die Geschichten von Stephen King in regelmäßigen Abständen den Weg vom bedruckten Papier zur bewegten Leinwand. Als unumstrittener Meister seines Faches gab er uns den bitteren Gruseleffekt ohne dabei in Blutlachen zu ertrinken oder mit Gliedmaßen zu spielen. Und so wurden viele seiner Novellen und Kurzgeschichten zu einzigartigen Kinoklassikern. Kann die letzte Adaption „1408“ mit diesem Erfolg mithalten?



Basierend auf einer 2002 publizierten Kurzgeschichte von Stephen King (Everything's Eventual: 14 Dark Tales), hat sich der schwedische Regisseur Mikael Hafstroem mit der Verfilmung des Psycho Horror Thrillers „1408“ ein doch recht hohes Ziel gesetzt. Und zwar nicht, weil er bislang relativ wenig Erfahrung mit Hollywood hat oder hinsichtlich des Genres sich selbst und dem Zuschauer etwas beweisen muss, sondern weil der Fokus des Filmes einzig und allein auf dem Hauptdarsteller liegt. Ein oftmals gefährliches Unterfangen, wenn nur eine Person die komplette Geschichte trägt.



Mike Enslin (John Cusack), ein zynischer Autor, der für seinen täglichen Lebensunterhalt allem Übernatürlichen kritisch auf den Grund geht, hat schon so einige Nächte an den seltsamsten Orten dieser Welt verbracht. Mit dem Ziel tatkräftige Beweise für die Existenz des Paranormalen zu finden, geht er daher eines Tages routiniert aber interessiert einem anonymen Tipp nach. Suite 1408, Dolphin Hotel, New York. Passend für sein nächstes Buch ‚Zehn Nächte in spukenden Hotelzimmern’ wird Enslin jedoch bei Ankunft vom Hotelmanager Gerald Olin (Samuel L. Jackson) abgefangen. Da in der 95-jährigen Geschichte des Hotels insgesamt 56 Menschen aus unerklärlichen Gründen starben, versucht Olin den Pessimisten Enslin von seinem nächtlichen Aufenthalt in der eigentlich für Gäste verbotenen Suite abzubringen. Allerdings sind Olins Bemühungen in diesem Fall vergeblich. Mike Enslin lässt sich nämlich von was er annimmt ‚gutem Marketing’ nicht beeindrucken. Und so macht er sich letztendlich mit einem dicken Ordner an tödlichen Vorkommnissen in der Hand und warnenden Worten im Ohr (it’s a fucking evil room) auf zum 14. Stock. Einem Zimmer, das auf den ersten Blick nichts Besonderes darstellt. Doch Enslins Einstellung wird ziemlich bald herausgefordert, als geisterhaft Schokolade auftaucht und der Wecker ‚it’s only just begun’ spielt. Fasziniert und überzeugt davon, dass die Räumlichkeiten allein dafür nicht verantwortlich sein können, durchsucht er fanatisch jeden Schrank nach einem Angestellten. Und als sich kurze Zeit später auch noch der Wecker von ganz allein auf 60 Minuten programmiert, fängt Enslin plötzlich an die Angelegenheit ernster zu nehmen. Er zählt nämlich runter... 59 Minuten, 58 Minuten, 57 Min...



Der Film „1408“ hält, was er im Trailer verspricht. Angst, Schrecken und Terror. Allerdings nicht a la slashy ‚ Hostel’, sondern eher im Sinne von ursprünglichem klassischen Horror. Was Mikael Hafstroem uns nämlich gekonnt vermittelt ist das sich immer wieder aufdrängende Gefühl der Vorahnung und Furcht, kombiniert mit ausgewählten PG 13-Bildern für den gewissen grausamen Effekt. Sei es ins Leben gerufene Kunstwerke, blutende Wände oder schmerzhafte Erinnerungen seiner Vergangenheit im TV. Somit lässt sich auch der Zuschauer von Anfang an in die Geschichte(n) um Mike Enslin fallen und vor allem fesseln. Solche Effekte – meist eher subtiler Art – gibt es in diesem Film genug. Meine persönliche Lieblingsszene? Als Cusack den Zimmerschlüssel in das Schloss steckt. Man spürt den bald eintretenden Horror und somit wird die eigene Vorstellungskraft unwillkürlich in Bewegung gesetzt.



Um nicht von der Handlung und dem Ausgang des Filmes zu viel vorweg zu nehmen sei zumindest gesagt, dass selbst wenn in „1408“ eine Storyline (Plot) die andere jagt, so bleibt letztendlich ein Thema durchweg präsent – Klaustrophobie. So findet sich der Charakter John Cusack wie eine graue Maus die den gelben Käse suchte in der stählernen Mausefalle eingesperrt. Und ich kann mir kaum schlimmeres vorstellen, als bei Angriff nicht die geringste Möglichkeit zu haben diesem in irgendeiner Form zu entkommen. Jedes Frauenopfer versucht zumindest unter das Bett im zweiten Stock zu kriechen. Und angegriffen, wird er unaufhörlich und konsequent. Die Frage ist nur, ob von wirklich Übersinnlichem oder nur vom eigenen Verstand.



Wie zuvor erwähnt, trägt John Cusack die kompletten 94 Minuten des Filmes auf seinen Schultern. Hauptsächlich, in dem er mit sich selbst spricht. Dabei erinnert er natürlich mehr an Jack Nicholson in ‚ Shining’ als an Rob Gordon in ‚ High Fidelity’. Er ist das Zentrum. Glaubt man ihm und seinen Gesichtszügen aus szenenabhängigem Zynismus, Langerweile, Angst und Schrecken, dann glaubt man dem Film. Samuel Jackson, genau wie jeder andere aufgeführte Schauspieler im Cast, übt demnach mehr oder weniger nur ein Cameo aus.



Mikael Hafstroem und John Cusack haben mit „1408“ einen ausgesprochen ansprechenden und mitreißenden Horror Psycho Thriller ins Kino gebracht. Ein Film, der durch Storywendungen und Cinematography überzeugt und sicherlich die Erwartungen der Zuschauer übertreffen wird. Allerdings auch ein Film, der nicht mit ekelerregenden Toten sondern eher mit aussichtsloser Furcht arbeitet. Meist der wirkungsvollste Special Effect.



Regisseur: Mikael Hafstroem
Drehbuch: Matt Greenberg, Scott Alexander (nach Stephen King)
Genre: Horror Psycho Thriller
Hauptdarsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson
Laufzeit: 94 min
Release Date: 13.09.2007
Budget: 25 Mill USD
Website: http://www.1408.senator.de/
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0450385/

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Judd Apatow sagte einst „My way of dealing with the world has always been to make fun of it and observe it but not take part in it.“ Ein Spruch, den man mit ‚Humor ist die beste Medizin’ gleichsetzen kann. Und wie hervorragend er dieses Lebensmotto umsetzt, wird einem mit seinem neuesten Film „Beim ersten Mal“ (englischer Originaltitel: „Knocked Up“) deutlich.



Judd Apatow ist mein neuer Held. Zumindest was das Comedy Genre anbelangt. Er kam, sah und siegte. Und das nicht nur, weil er mich ganze 129 Minuten zum Lachen brachte, sondern weil er eine eigentlich verzwickte Situation mit soviel Realität auf die Leinwand brachte, dass Szenen mich immer wieder an meine eigene Person erinnerten. Von Anfang bis Ende. Ganz im Gegensatz zu „40 Year Old Virgin“, bei dem er mir nur die ersten 45 Minuten Atemprobleme verschaffte.



Als die attraktive Allison Scott (Katherin Heigl), Mitarbeiterin beim Entertainment Sender E!, plötzlich in das Büro ihres Chefs gebeten und zur Moderatorin befördert wird, kann sie ihr Glück kaum fassen. Überzeugt davon, dass dies ein großer Schritt für ihre Hollywood-Karriere bedeutet, entschließt sie sich daher dies mit ihrer verheirateten Schwester Debbie (Leslie Mann) ausgiebig zu feiern. Doch an der Bar im angesagtesten Club LA’s scheinen Wartezeiten oft inklusive zu sein und so trifft Allison kurzerhand auf Ben (Seth Rogan), einem pummeligen Stoner der mit ebenso post-pubertären Kumpels in einer WG haust und dessen Karriereplan aus dem Designen einer anrüchigen Webseite besteht – fleshofthestars.com. Ganz nach dem Motto Alkohol macht schön, trinken sich die beiden dann in Ekstase und landen kurze Zeit später in Alisons Bett. Und so kommt was kommen soll - Kommunikationsprobleme was das Kondom betrifft. Am nächsten Morgen wieder nüchtern und mit dem Laken so halb über dem unmuskulösen Körper Bens, inspiziert Allison dann ihre Wahl vom Vorabend. Überzeugt, diese Eskapade mit Ben so schnell wie möglich abzuhaken, trennen sich ihre Wege nach einer Tasse Kaffee. Doch ein paar Wochen später, scheint sich Allison einen Virus eingefangen zu haben. Während des Interviews mit James Franco wird ihr schlecht. Immer und immer wieder. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie denken sie wäre schwanger... Oops!



Welch ein genialer Film. Ansprechend und witzig sowohl für das weibliche als auch für das männliche Geschlecht. Denn der Film zeigt beide Seiten. Die oft obszöne aber intime und seltsame Freundschaft zwischen Männern die nicht erwachsen werden wollen, und die gleichermaßen leicht ordinäre und absolut unsichere Frauenwelt die nicht zugeben will verletzbar und ratlos zu sein. Beides auf ihre eigene spezielle Art und Weise. Und beides absolut nachvollziehbar. Real. So muss auch ich zugeben mich bei Verdacht schwanger zu sein mit 20 gekauften Tests im Badezimmer wiedergefunden zu haben, in der Hoffnung wenigstens einer davon zeigt ein negatives Ergebnis an. Genauso, wie ich schon unbeholfene Männer mit Kinder hab eher apportieren statt spielen sehen. Oder beim Gedanken an Schwangerschaftssex ala „nicht das ich das Auge aussteche“ sich gleichem verweigern, usw. Situationskomik, die hinsichtlich Sex und Konsequenzen von Apatow mit Finesse charmant an den Zuschauer gebracht wird. Und vor allem, die den Zuschauer immer wieder mit einem breiten Grinsen und starkem Nicken erfüllen wird. Zumindest ab Mitte bis Ende 20.
Seth Rogan und Katherine Heigl, welche sich hier als sichtlich ungleiches Paar durch die Probleme nicht ganz freiwillig werdender Eltern schlagen, sind dabei in ihrer Darbietung eine Augenweide. Zwei Personen, so unterschiedlich wie Tag und Nacht, die krampfhaft versuchen zum Wohle des Ungeborenen nicht nur miteinander sondern auch ohne einander auszukommen. Vor allem für Heigl, die nach dem Fiasko mit ihren ‚ Grey's Anatomy’ Co-Stars sicherlich positive Reviews für die angeschlagene Seele bevorzugt, ist Allison eine Glanzrolle.



Doch durch die unterschiedlichen Charaktere um Allison und Ben herum, welche die Story intelligent abrunden, geht Apatow, der hier sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte, auch auf deren Leben und Probleme ein. Und wie schon bei seinen Hauptdarstellern, mit ebenso viel Realität wie er nur vom eigenen Leben oder in Beobachtungen ergattern konnte. Dabei scheinen es ihm vor allem die Eheprobleme von Debbie und Pete (Paul Rudd) angetan zu haben. Missverständnisse, Alter, Verantwortung, Vertrauen, Streit, Vertragen – das komplette Packet einer Ehe mit Kindern. Interessant, dass Apatows wirkliche Ehefrau Leslie den Part der Debbie so überzeugend spielt.



Wie so oft mit Unterhaltungsmaterial, hat „Beim ersten Mal“ aber auch eine wichtige Botschaft für das Publikum zwischen den Lachern versteckt. In einer wie Amerika mental leicht zurück gebliebenen Gesellschaft wäre der Oberbegriff Moral und die Unterkategorie menschliche Zwischenbeziehung. Apatow scheint dabei der Familie noch einen hohen Stellengrad zukommen zu lassen. Als Vater von zwei Kindern, der bestimmt auch mit dem Gedanken der plötzlichen Verantwortung zu kämpfen hatte, legt er in „Beim ersten Mal“ die Ängste der Beteiligten und die Ernsthaftigkeit der aufkommenden Lebensveränderung brach auf den Tisch. Sei es hinsichtlich einer ungeplanten oder einer geplanten Schwangerschaft. Dabei nutzt er die im Moment politisch hochrangigen Themen wie Abtreibung, Scheidung und Arbeitslosigkeit zu seinem Vorteil. Es ist die Kombination von Sarkasmus, Leidenschaft und Aufrichtigkeit, die den Film zur besten Comedy des Jahres hat aufsteigen lassen.



Es gibt viele Szenen, die den Film zum Favoriten erklären. Aber es ist die realitätsbezogene Situationskomik die „Beim ersten Mal“ zum Gewinner macht. Angefangen vom Schwangerschaftsschock, über die Realisierung von Gefühlen bis hin zum immer darauf folgenden Beziehungschaos. Wenn ein Film schon am ersten Wochenende seine Kosten einspielt, kann er einfach nicht schlecht sein.



Regisseur: Judd Apatow
Drehbuch: Judd Apatow
Genre: Comedy
Hauptdarsteller: Katherine Heigl, Seth Rogan, Leslie Mann, Paul Rudd
Laufzeit: 129 min
Release Date: 23.08.2007
Budget: 30 Mill USD
Website: http://movies.uip.de/beimerstenmal/
IMBD-Page: http://imdb.com/title/tt0478311/

(jeannine)

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Nun endlich also doch, besser spät als nie und auf mehrmaligen Wunsch: Die Kritik zu Zodiac. Passend also zum DVD-Start, zumal der Film mit seinen 158 Minuten ein enorm ausgeprägtes Sitzfleisch erfordert, das man sicher im trauten Heim besser aufzubringen vermag als im Kino.



Schon immer ging von fiktiven und realen Serienmördern eine morbide Anziehungskraft aus. Und nicht selten fand der Stoff in den unterschiedlichsten Ausprägungen Eingang in das filmische Schaffen. Angefangen bei Jack the Ripper, an dem man sich unzählige Male versuchte, Hannibal Lecter, bis hin zu dem sich jüngst durch deutsche Kinos mordenden Jean-Baptiste Grenouille, erfuhren diese Gestalten trotz ihrer Grausamkeit eine kaum erklärbare Faszination.
Die Geschichte des Zodiac-Killers, der in den USA 1968/69 scheinbar wahllos fünf Menschen tötete und dessen wahre Identität bis heute ungeklärt ist, hielt sowohl Ermittler als auch Filmemacher bis in die Neunziger in Atem. David Fincher, der bereits mit „Sieben “ einen Film über einen Serienkiller drehte, griff die Geschichte des amerikanischen Albtraumes nach eigener monatelanger Recherche auf und stützte sich auf die beiden Zodiac-Bücher des Karikaturisten Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal). Anders als bei „Sieben“, steht bei „Zodiac“ aber nicht die Besessenheit des Killers und dessen unmittelbare, reißerische Verfolgung im Mittelpunkt, sondern fokussiert sich der Film sehr detailgetreu auf die Arbeit der beteiligten Ermittler und darauf, wie der Fall sie immer mehr in seinen Bann zieht.



Ein Killer, der sich selbst Zodiac nennt, treibt im Umfeld San Franciscos sein Unwesen und schickt regelmäßig handgeschriebene, manchmal mit Codes verschlüsselte Briefe an den San Francisco Chronicle. Neben Dave Toschi (Mark Ruffalo) und Bill Armstrong (Anthony Edwards) von der Polizei stellen deshalb auch Journalist Paul Avery (Robert Downey Jr.) und besagter Graysmith ihre Recherchen an. Schnell wird klar, dass der Killer ein Spiel mit allen Beteiligten spielt, und sich einen Spaß daraus macht, die Ermittler immer wieder im Dunkeln tappen zu lassen. Nicht nur die Leben seiner Opfer zerstört dieser Killer, sondern nach und nach auch das Leben der Ermittler.



Man dürfte wohl nicht zuviel verraten, wenn man sagt, dass der Killer nie gefasst wurde. Natürlich ist dieses Wissen ein wenig ernüchternd, wenn man einen spannenden Serien-Killer a la „Sieben“ erwartet. Dem Film entzieht sich so ein nicht zu unterschätzendes Spannungsmoment. Denn was gibt es Spannenderes als die Frage, wer denn nun der Mörder ist. Aber immerhin, soviel sei gesagt, lässt uns der Film nicht ganz im Dunkeln, scheitert doch die Ergreifung und Überführung lediglich an den damals wohl extrem langsam mahlenden Mühlen der Strafverfolgung.



Und dieses extrem frustrierende Gefühl der Machtlosigkeit, in dem sich sämtliche Protagonisten mit den dazugehörigen Bewältigungsstrategien gefangen sehen, teilt man als Zuschauer. Immer wieder glaubt man sich kurz vor dem Ziel angelangt, da fehlt ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss, oder da passt eine Handschrift nicht exakt zur anderen oder hat einfach eine dörfliche Polizeistation wichtige Informationen nicht weitergegeben.
Man kann die Cops gut verstehen, als sie geknickt aus einer Vorstellung von Dirty Harry kommen (der Killer Scorpio ist übrigens dem Zodiac-Killer nachempfunden), die ihnen bitter gezeigt hat, wie sehr sich Polizeiarbeit im Film und in der Realität unterscheiden. Denn Dirty Harry schießt den Killer am Ende einfach über den Haufen.


 
Auch gibt es nicht die vielleicht von Fincher zu erwartenden Spielereien mit Kamera und Effekten. Nein, Fincher nimmt sich dieses Mal sehr zurück, weil ihm die Geschichte genügt und geht bei seiner Inszenierung beinahe so perfide vor, wie der Serienkiller selbst. Dabei gelingt Fincher ein vielschichtiges und atmosphärisch dichtes Zeit- und Gesellschaftsporträt. Und in manchen Momenten, vor allem dann, wenn die Ermittler dem Killer plötzlich und unerwartet ganz nah sind, gestaltet sich die nüchterne Mörderjagd äußerst spannend. Auch zieht der Film seine Spannung daraus, dass die Ermittler sich stets in Sicherheit wähnen, eine tatsächliche Bedrohung für alle Beteiligten jedoch jederzeit gegeben ist.



Komplex und teilweise verworren – ganz so wie die Realität – ist Finchers Verfilmung, so dass man teilweise den Wendungen und Zusammenhängen nicht mehr ganz folgen kann. Auf die extreme Länge des Films gesehen, wird das recht anstrengend. Nimmt man sich aber die Zeit und bringt das nötige Sitzfleisch mit, so lässt der Film eine sehr realistische Sicht auf eine der brisantesten und faszinierendsten Mörderjagden der amerikanischen Geschichte zu.



Regisseur: David Fincher
Drehbuch: James Vanderbilt
Genre: Thriller
Hauptdarsteller: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey Jr.
Laufzeit: 157 min
DVD-Release-Date: seit kurzem erhältlich
Website: http://wwws.warnerbros.de/zodiac/
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0443706/

(nikolas)

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Gelbe Landschaften wohin man schaut: Auf Werbeplakaten, im Vorabendprogramm von Pro7, in Supermärkten und Spielwarenläden. Das satte Simpsons-Gelb ist bereits eine eigene Marke. Ebenso wie die Figuren dahinter – und das nicht erst seit gestern. Am 19. April 1987 ging eine Zeichentrickserie on Air, deren Wurzeln auf Erfolgsboden fruchtete. 2007 gibt es 18 Staffeln der Kult-Serie und neuerdings einen Kinofilm, den man als Simpsons-Fan unbedingt zwiespältig betrachten sollte.



Eine leise Vorahnung zeichnete sich bereits ab als bekannt wurde, dass keine Reviews über den Simpsons-Film vor dem 24. Juli, ein Tag vor Leinwand-Release, veröffentlicht werden dürfen. Viele sahen darin eine abschreckende Warnung. War es Regisseur David Silverman und dem weltbekannten Zeichner Matt Groening nicht gelungen, eine sonst auf 22 Minuten beschränkte Simpsons-Folge auf ganze 87 Minuten Spielzeit auszudehnen ohne einen sinnigen Gesamtplot zu implementieren? Nach dem Besuch des Films gibt es auf diese Frage wohl nur eine Antwort: Jain.



Bösartig, zynisch, brillant fängt das Movie an. Homer hat sich ein Hausschwein angeschafft, dessen Fäkalabfälle nun in einem riesigen Silo im Garten der Simpsons-Familie steht. Der vom Überlaufen bedrohte Kessel muss schnellstmöglich entsorgt werden. Also entscheidet sich Homer dazu, die Fäkalien im eh schon verdreckten Lake Springfield zu entsorgen, was eine Art Super-Gau in dem kleinen Städtchen auslöst. Von nun an ist Springfield offiziell die schmutzigste Stadt der Staaten. Den Einwohnern gefällt das natürlich nicht und so stellen sie Nachforschungen an, wer den Schweinemist in den See geschüttet hat. So kommt die Gemeinschaft schnell hinter die Straftat und versucht gemeinsam, den Simpsons die Hölle heiß zu machen, indem sie ihr Hab und Gut abfackeln. Glücklicherweise findet die kleine Maggie einen Fluchtweg und so macht sich die typisch amerikanische Familie auf nach Alaska um dort in abgeschiedener Gegend sesshaft zu werden. Doch die anfangs paradiesische Ruhe und Abgeschiedenheit wird bald durch eine schreckliche Meldung getrübt: Springfield soll dem Erdboden gleich gemacht werden. Der Schandfleck muss von der amerikanischen Landkarte verschwinden. Doch am Ende sind es gerade die Simpsons, die Springfield ins Unheil gestürzt haben, die es in einer waghalsigen Aktion retten.



Hört sich nach einem Plot an, den man in einer normalen Simpsons-Folge abhandeln könnte? Exakt. Dann würden zwar einige Lacher rausfallen und die Szenen etwas kürzer auskommen müssen, was jedoch nicht entstehen würde ist Mittelmäßigkeit. In der ersten Hälfte des Simpson-Films wurde genau dieses Prinzip angewandt. Doch was im letzten Teil des Films folgt, ist manchmal etwas platter und zäher, als man es von den Simpsons sonst gewohnt ist. Gerade der Bart/Flanders-Handlungsstrang und damit verbunden das komplette Vater-Sohn-Drama hätte deutlich verkürzt werden können. Erstaunlich ist es auch, wie man in besagtem zweiten Teil Abstriche zugunsten des Mainstream-Publikums machen musste. Besonders romantisch waren die Simpsons in der Vergangenheit ja nie. Durch diese neue, versöhnliche Seite verliert der Film aber an Tempo und wirkt stellenweise aufgesetzt. So ist die Versöhnung zwischen Bart und Homer und die daraus resultierende Springfield-Rettungsaktion auch ein Plot mit Symbolcharakter. Es wird ein Bild geschaffen, das dem typisch amerikanischen Gesellschaftsbild gleicht, in dem in vielen Fällen noch immer der Sohn eine höhere Akzeptanz in der Familie genießt. Was in normalen Simpsons-Folgen also zynisch beleuchtet wird, kann hier als Versöhnung mit den konservativen Kritikern und Moralwächtern der Simpsons ausgelegt werden.



Doch trotz der ein oder anderen Schwäche ist der Simpsons-Film gelungener als zu erwarten war. Die Gags treffen zu 80 % den Lachmuskel volle Breitseite und animationstechnisch ist das Movie tadellos. Richtig war es auch, Homer zum „Hauptdarsteller“ mit dem meisten Witzpotential und der längsten Screen-Time auszuerkiesen. Auftritte von beliebten Charakteren wie Tingletangle Bob oder Hausmeister Willy wurden konsequent außen vor gelassen und haben die teilweise konstruiert wirkende Handlung nicht weiter gestört. Und sein wir mal ehrlich: Bei den Simpsons geht es doch in erster Linie ums herzhafte Lachen.



„Die Simpsons – der Film“ setzt genau dort an, wo eine normale Episode zu Ende ist. Zwar ist mir persönlich der Schluss etwas zu romantisch, dennoch kann das nicht über einen gelungenen Kinoabend hinweg täuschen. Alle, die sich also ansatzweise mit den gelben Figuren aus Springfield identifizieren können, sollten eine Vorstellung besuchen. Und siehe da: Homer rettet nicht nur seine Heimatstadt, sondern auch den Samstag Abend.



Regisseur: David Silverman
Drehbuch: James L. Brooks, Matt Groening
Genre: Comic-Comedy
Laufzeit: 87 min
Release Date: 26.07.2007
Website: http://www.simpsonsmovie.com/
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0462538/

(flo)

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Jim Carrey war 2003 als Bruce Nolan unschlagbar. Sagenhafte 484 Millionen USD Umsatz verschaffte er dem Studio mit ‚ Bruce Allmächtig’. Ein stolzer Profit bei einem Produktionsbudget von nur 81 Mill USD. Es erscheint daher ein wenig seltsam, das Universal diese Rechnung nicht noch einmal wiederholen möchte und stattdessen jetzt mit der Sequel „Evan Allmächtig“ die teuerste Komödie aller Zeiten kreierte. Fragt sich nur, ob sich die 175 Mill USD gelohnt haben.



Steve Carells Karriere, das muss man zugeben, hat sich seit der Daily Show ganz schön verändert. Nicht nur, weil ihm plötzlich überall Paparazzi auflauern und er zu den wichtigsten Award Shows eingeladen wird, sondern weil im Moment scheinbar alles was er anfasst zum Hit wird. Vom satirischen Korrespondenten zum Hollywood Star. Und diesen steilen Weg nach oben mit Erfolgsprojekten wie „The Office“, „40 Year Old Virgin“ und „Little Miss Sunshine“ hat Carell nur einer einzigen Rolle zu verdanken - seine grimassenschneidende Darstellung des Evan Baxter in ‚Bruce Allmächtig’. So lag es nach der Absage von Jim Carrey und Jennifer Aniston sicherlich auch auf der Hand, dem inzwischen Golden Globe Gewinner die Hauptrolle in der Fortsetzung „Evan Allmächtig“ anzubieten. Einen, im Gegensatz zu Teil 1, auf die Familie fokussierten Film mit einer bedeutenden Nachricht.



Der neu gewählte Congressman Evan Baxter (Carell), seine Frau Joan (Lauren Graham) und seine drei Söhne sind auf dem Weg nach Washington. Seiner bevorstehenden Aufgabe als verlängerter Arm des Volkes sehnt er sich nicht nur entgegen, er fühlt sich auch mit dem Slogan ‚erfolgreich, machtvoll, attraktiv und glücklich’ selbstbewusster denn je. Doch noch am Abend vor seinem ersten Arbeitstag schlägt plötzlich die Nervosität zu. Und so bittet Evan den allmächtigen Gott (Morgan Freeman) um Unterstützung bei seiner Vision die Welt zu verändern. Aber ganz nach dem Motto ‚sei vorsichtig was du dir wünschst’, liefert ihm ein Bote am nächsten Morgen eine Kiste mit archäologisch aussehendem Handwerkszeug. Einen Tag später sogar massenweise Holz. Evan ist sicher es handelt sich um ein Missverständnis. Eine falsche Adresse. Doch die Situation ändert sich schlagartig, als plötzlich ein Mann in weißer Kleidung von ihm verlangt, unter Zeitdruck eine Arche zu bauen. Und als ihm nach und nach auch noch die verschiedensten Tierpärchen hinterherlaufen, weiß Evan nicht mehr was er machen soll. Er steht vor dem Dilemma von seiner Familie und dem Congress für verrückt gehalten zu werden.



„Evan Allmächtig“ ist eigentlich weniger eine Fortsetzung als ein Spin-off von ‚Bruce Allmächtig’. Noch dazu eine äußerst saubere Version ohne jegliche anstößige Bemerkungen oder Andeutungen dafür aber mit viel Trubadou und Aufwand. Ein Familienfilm eben, der für jedermann zugängig ist. Das hat zum einen zwar eine breitere Zielgruppe zum Vorteil, zum anderen aber eine enttäuschte Erwartungshaltung zum Nachteil. Denn die Geschichte läuft dieses Mal auf einem eher kindlichen Niveau, mit dem ich nicht rechnete. Und das bedeutet, dass Anfangsteens über einen Unfall mit dem Hammer immer wieder lachen werden, Erwachsene aber beim zweiten dicken Daumen die Augen rollen. Klassischer Slapstick, kombiniert mit intelligenten Wortspielen und sicherem Humor ist der rote Faden des Filmes. Abgesehen natürlich von der Moral. Und die heißt – jedenfalls nach Steve Oedekerks Drehbuch: if you want to change the world perform an Act of Random Kindness (ARK, aahhhh). So wird dem Zuschauer, abgesehen von der Entstehung der Arche Noah, auch das Umweltproblem, die Korruption Washingtons und die Wichtigkeit des Familienzusammenhaltes nähergebracht. Nachvollziehbar, „Evan Allmächtig“ daher als PG Film zu drehen und die (verdorbenen) Nachkommen mit kleinen aber charmanten Bibel-Lektionen über „In God we trust“ aufzuklären. Man muss sie schließlich jung auf ihre Seite ziehen.



Steve Carell als Evan macht dabei eine nicht schlechte Figur und erscheint dem Zuschauer sogar sehr sympathisch. Er nimmt auf der Liste der physischen Schauspieler hinter Jim Carrey und Robin Williams vielleicht sogar schon Platz 3 ein. Allerdings ist sein Gehalt mit (nur) 5 Mill USD aber auch deutlich niedriger. Gerade deshalb wäre es jetzt für ihn wohl an der Zeit, sein Repertoire etwas auszuweiten. Wer will schon die Kopie wenn er das Original haben kann. Einen Genrewechsel wünsche ich auch Lauren Graham, der Star der (leider) abgesetzten Gilmore Girls, die hier niemandem die Show stiehlt. Ihr Talent ist in diesem Film nicht genutzt worden. Morgan Freemans Wandlungsfähigkeit auch nicht. Aber warum auch, er ist Gott. Ein und dieselbe Person. Egal welcher Teil im Franchise. Wer allerdings eine Freude im Cast darstellt ist Wanda Sykes. Ob als Stand-up auf der Bühne oder als Assistentin Rita im Film – sie ist und bleibt die Frau mit der scharfen Zunge. Letztendlich aber die Nummer 1 unter den Charakteren stellen die vielen Tiere dar. Auch wenn ich mich frage, wieso bei Auftauchen dergleichen, sich im Film niemand beschwert hat. Sie sind es auch, die die an sich schon enormen Produktionskosten noch deutlicher in die Höhe getrieben haben. Affen beizubringen eine Arche zu bauen, und auf Kommando Limonade zu trinken, kostet eben.



Letztendlich ist „Evan Allmächtig“ aber – auch wenn lustig – aufgrund des PG Ratings leider eine minderwertige Fortsetzung von ‚Bruce Allmächtig. Und darüber freuen wird sich vor allem Sony, die nach Zusammenrechnen der immer steigenden Kosten das Projekt ganz an Universal übergaben. Doch sehen sollte man den Film allemal. Ob nun im Kino mit der Familie oder auf DVD allein zu Hause. Und die nehme ich an, kommt schneller als Universal dachte.



Regisseur: Tom Shadyac
Drehbuch: Steve Oedekerk
Genre: Comedy
Hauptdarsteller: Steve Carrell, Morgan Freeman, Lauren Graham, John Goodman
Laufzeit: 95 min
Release Date: 09.08.2007
Website: http://movies.universal-pictures-international-germany.de/evanallmaechtig/site/index.html
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0413099/

(jeannine)

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Seit Monaten warte ich auf das vorbestellte siebte und letzte Buch. Auf die magisch geschriebenen Worte J. K. Rowlings und konsequenterweise das Ende der erfolgreichsten Buchserie aller Zeiten über einen Narbe tragenden und Wand schwingenden Hogwarts Studenten: Harry Potter. Allerdings ist es bis zum ersehnten Amazonversand und dem Schicksal meines Helden noch ein wenig hin. Und so bin ich froh meine steigende Ungeduld mit der neuesten Verfilmung der Serie zu beruhigen – Harry Potter und der Orden des Phönix. Buch Nummer 5.



Ich mache da wirklich keinen Hehl draus und bekenne mich gerne und stolz. Ich bin ein Fan. Und zwar nicht nur von den Büchern selbst sondern auch von J.K. Rowling, da sie zugegebenermaßen einem aufstrebenden Autor mit ihrer persönlichen Buchkarriere unheimlich Mut macht. Von der Sekretärin zur Millionärin. Und da ich alle sechs erschienenen Teile gebannt gelesen habe, erkenne ich auch ihre Weiterentwicklung. Während sich nämlich der Plot des ersten Buches inklusive Wortwahl noch unerfahren, kindlich und einfach las, so entfaltete sich mit jedem darauffolgenden Teil ein Schöpfergeist in Rowling. Wie Harry Potter und Co älter, so wurde auch die Geschichte immer tiefgründiger, die Wörter komplizierter und die Magie dunkler. Man könnte sagen, aus Rotkäppchen wurde der böse Wolf. Dementsprechend wurden natürlich auch die Verfilmungen ihrer, meiner Meinung nach, genial durchdachten Bücher immer düsterer. Und das Rating beweist es - aus PG der ersten drei Teile wurde ab „Feuerkelch “ und jetzt mit „Orden des Phönix“ wegen Gewalt und angsteinflößender Bilder PG 13. Die Frage ist nur, ob der für die Potter-Serie neue Regisseur David Yates zusammen mit dem ebenfalls neuen Drehbuchautor Michael Goldenberg die vorangegangene Filmqualität liefern konnte.



Den ganzen Sommer über wieder in der Mugglewelt bei den Dursleys, hat Harry Potter (Daniel Radcliffe) schon lange nichts mehr von seinen Freunden Hermione Granger (Emma Watson) und Ron Weasley (Rupert Grint) gehört. Ohne auch nur eine einzige Nachricht zu bekommen, sieht sich Harry tagein tagaus vollkommen allein gelassen mit seinen Gedanken um die eingetroffene Rückkehr Lord Voldemorts. Um sein eigenes Schicksal von Leben oder Tod. Und wie schnell letzteres kommen kann merkt er wieder, als er eines Nachmittages, getriezt und gehänselt von seinem Cousin Dudley, von zwei Dementor überrascht wird. Mit gerade noch einem Griff nach seinem Stab kann er zwar den tödlichen Angriff abwehren, wird aber aufgrund dessen Minuten später vom Ministerium der Magie vom weiteren Schulbesuch Hogwarts ausgeschlossen. Besorgt um sein Wohl, wird er daher schnellstmöglichst vom ‚Orden des Phönix’, der auch einmal seine Eltern angehörten, in ein Geheimversteck zu seinen schon wartenden Freunden gebracht. Doch Harry findet sich wütender als je zuvor. Mit Hilfe Professor Dumbledores vom Ministerium freigesprochen, bleibt er nämlich trotzdem in der magischen Welt verpönt und als Lügner was die Rückkehr Voldemorts betrifft betitelt. Selbst einige seiner Mitschüler meiden ihn. Und seit Hogwarts auch noch vom Ministerium kontrolliert und Dumbledore seines Amtes enthoben wurde, bleibt ihm und seinen Freunden wohl nichts weiter übrig als sich selbst zu trainieren. Mit Feinden an jeder Ecke, Voldemorts wachsender Macht und seinem Verlangen nach der vor Jahren ausgesprochenen Prophezeiung müssen sie sich ihm und seinen Anhängern aber plötzlich schneller stellen als gedacht.



Wer in „Der Orden des Phönix“ den kleinen, unbedarften und süßen Jungen mit der runden Brille sucht, wird ihn nicht finden. Denn aus dem staunenden und aufgeregten Harry Potter in Teil 1 wurde über die Zeit ein wütender und zwischen Gut und Böse schwebender pubertierender Teenager in Teil 5. Harrys Lächeln ist einem grimmigen Lippenbeißen gewichen. Und verdenken kann man es ihm nicht. Wem seit seiner Geburt nach dem Leben getrachtet wird, hat nun mal nicht unbedingt viel Sinn für ‚Friede, Freude, Eierkuchen-Zeiten’. Diese düstere Stimmung setzt der Film hervorragend um.



Mein im Schrank stehendes Paperback Buch hat 956 Seiten. Der Film, 138 Minuten. Viel Material - wenig Zeit. Von daher wird jeder Buch-Fan sich auch über die fehlenden und nicht verfilmten, sagen wir mal, 500 Seiten und 20 Sub-plots ärgern. Verständlich. Aber unnötig. Denn der Buchleser kennt die Geschichte ohnehin. Er weiß jede noch so komplizierte Hintergrundinformation um die Order, die Mitglieder, die zukünftigen und zu rekrutierenden Wesen, die Verbindung zwischen Harry und Voldemort usw. Er hat definitiv schon Teil 6 gelesen, weiß was passiert und sollte sich lediglich über eine Visualisierung zu den Wörtern freuen. Der „Nicht-Buchleser“ auf der anderen Seite und demnach auch kein fanatischer Fan, wird Teil 5 genauso sehen wie Teil 1 bis 4. Leider. Denn was er annimmt sei eine drollige englische Disney-ähnliche Produktion, ist in Wirklichkeit eine inzwischen mehr oder weniger düstere Drama Verfilmung geworden. So sind die kindlichen Spielereien mit dem Zauberstock lange vorbei und der Kern der Story dunkel, schwer und vorbereitend auf den nicht unumgehbaren Kampf des Überlebens. Trotz der aus Zeitgründen fehlenden tiefgreifenden Hintergrundinformationen findet der Film aber den geforderten Rhythmus. Die Story. Große Erklärungen zu Handlungen und Personen sind dabei nicht notwendig.



Gruseligen Charme und stählerne Entschlossenheit bringt in diesem Zusammenhang Professor Dolores Umbridge mit sich, gespielt von einer brillanten Imelda Staunton. Als neues immer in pink gekleidetes Oberhaupt Hogwarts foltert und quält sie ihre gehassten Studenten mit neuen Regeln und unfassbaren Strafen. Erstaunlich, dass ich einmal dachte Snape (Alan Rickman) ist grausam. Ebenfalls zum ersten Mal vorgestellt wird im Film auch Sirius Blacks Cousine Bellatrix Lestrange, dargestellt von Helena Bonham Carter. Eine perfekte Wahl muss ich sagen für eine manisch verrückte Hexe von außergewöhnlich grausamem Potential. Niemand hätte diese Rolle besser spielen können. Und auch wenn sie nicht viel Zeit auf der Leinwand verbrachte, so weiß ich zumindest, dass sie in den letzten 2 Filmen mehr als genug Screen Time haben wird. Doch das Juwel unter den Schauspielern ist wie immer Ralph Fiennes als Voldemort. Keine Kombination von Buchstaben kann seine Leistung besser beschreiben als ein Blick auf seine kostümierte Person.
Die Jungstars und im Moment Junket-tourenden Hauptpersonen der Reihe, Radcliffe, Watson und Grint, haben sich ziemlich entwickelt. Sie wurden älter, attraktiver, selbstsicherer. Vor allem Radcliffe, der ja vor nicht allzu kurzer Zeit sein nacktes Debüt am West End feierte. Trotzdem war es die blonde Evanna Lynch als seltsame Luna Lovegood, welche es mir persönlich angetan hat. All die Promo um den bevorstehenden Kuss zwischen Cho Chang und Harry, war demnach nichts weiter als heiße Luft.



„Harry Potter und der Orden des Phönix“ ist düster und magisch, wobei sich die Studenten durch das emotionale Gewirr von Liebe, Verrat, Unabhängigkeit und Erwachsenwerden schlagen müssen. Unter der Regie von David Yates, hat der Film (nach Vorlage des Buches) ein hervorragendes Stück Geschichte geschrieben und wird (hat) Millionen von Dollar einspielen. Für jeden Fan ist der Kinobesuch ein Muss, alle anderen sollten ihn schon wegen der Special Effects ansehen. Denn die sind Meisterklasse und bieten einen gigantischen Kampf duellierenden Super-Magier.



Regisseur: David Yates
Drehbuch: Michael Goldenberg (nach dem Buch von J.K. Rowling)
Genre: Adventure, Drama, Fantasie
Hauptdarsteller: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, Imelda Staunton
Laufzeit: 138 min
Release Date: 12.07.2007
Budget: 150 Mill USD
Einspielung: 352,321,000 Mill USD
Website: http://harrypotter.warnerbros.de
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0373889/

(jeannine)

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Das Spiel mit der Angst – Motel (Filmreview)

24.07.2007 - 07:40
in der Kategorie
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Wir haben schon so viele Thriller/Horror Movies gesehen. Filme, bei denen sich nahezu die Fingernägel vor Ekel und Entsetzen biegen. Doch die besten sind meiner Meinung nach immer noch die, die den Zuschauer einfach nur bis zum in-die-Hose-machen ängstigen. Weniger ist manchmal nämlich mehr.



David Fox (Luke Wilson) und seine Frau Amy (Kate Beckinsale), deren Beziehung nach dem Tod ihres Sohnes alles andere als harmonisch ist, sind auf dem Weg zu Amys Eltern. Als sie entlang einer dunklen Landstraße fahren und einem Rackoon ausweichen fängt aber ihr Auto an zu klappern. Sichtlich verloren im Nirgendwo und besorgt um sein Auto, entschließt sich David daher kurz an einer Tankstelle zu stoppen. Doch der einzige den er dort noch zu später Stunde antrifft, ist der junge Mechaniker (Ethan Embry) auf seinem Nachhauseweg. Und so machen sie sich nach seinem kurzen aber zufriedenstellenden fachmännischen Blick unter die Haube wieder auf den Weg. Schon nach 2 km Fahrt bleibt aber ihr Auto plötzlich stehen. Mitten in der Nacht ohne Handyempfang oder auch nur ein weiteres Auto auf der Straße, entschließen sie sich demnach für Hilfe wieder zur Tankstelle und dem dazugehörigen Motel zurückzulaufen. Der Manager des Motels, Mason (Frank Whaley), bietet ihnen daraufhin an, bis zum nächsten Morgen in einem seiner Zimmer zu übernachten. Aber Zimmer Nummer 4 gestaltet sich anders als eine gewöhnliche Flitterwochensuite. Nach kurzen Diskussionen über die bevorstehende Scheidung und das dreckige Zimmer hören sie plötzlich ein stetiges Bangen an Tür und Wänden. Auch klingelt das Telefon ohne dass jemand am anderen Ende antwortet. Aber als David dem Manager davon berichtet und der die Angelegenheit untersucht, hört der Lärm plötzlich auf. Seine Vermutung – Teenager. Endlich sicher in Ruhe den Rest der Nacht verbringen zu können, legt David zur Entspannung eine Videokassette in den Recorder. Doch wenn er sich so umschaut, sieht er mehr als nur zufällige Ähnlichkeiten zwischen dem laufenden Horrormovie und seinem Zimmer…



Ich muss schon zugeben, die Kombination von Dunkelheit und Einöde gekoppelt mit Menschen vom Land reicht meistens schon aus. Zumindest was die Aufmerksamkeit betrifft. Aus irgendwelchen Gründen ist die Paarung allein schon vom Gefühl her auf Ärger vorprogrammiert. Und die meisten Thriller oder Horrorfilme basieren genau auf diesem Konzept. Das war vor 50 Jahren schon mit ‘Psycho’ der Fall und ist noch heute so. Doch während die grauenhaftesten Filme unserer Zeit ihre Schreckenseffekte mit immer obszöneren Mordinstrumenten und Blutmassen an den Zuschauer bringen, tendiert “Motel” (engl. Originaltitel: „Vacancy“) eher in die Richtung der guten alten Filmära. Spannungshaltung. Vom ersten bis zum letzten Moment. Und das mit so gut wie keinem But. Von daher wird auch die Jugend von heute, die ‘Saw’ und ‘Texas Chainsaw Massacre’ als Standard hält, nicht unbedingt begeistert von diesem Film sein. Doch ich sehe pure einfache Angst immer noch als äußerst effektiv an. In meinen Augen zählt nämlich nicht unbedingt die größte Blutlache sondern einfach nur – bin ich gebannt oder nicht. Möchte ich wissen wie es weitergeht, fiebere ich mit den “Opfern” mit und rutsche ich mit meinem Hintern auf dem Stuhl hin und her wenn im Nichts plötzlich ein Schatten auftaucht. Ich weiß es ist ein guter Film, wenn ich sofort danach in jeder dunklen Ecke Gefahr vermute. Wenn ich jedem unerklärlichen Geräusch im Haus wesentlich mehr Aufmerksamkeit schenkte als zuvor. Und genau das erreicht ‘Motel’. Vielleicht aber auch bei Frauen mehr als bei Männern. Anzunehmen.



Kritiker dieses Filmes werden auf jeden Fall wieder einmal behaupten, dass ‘Motel’ nichts Neues an Story liefert. Klar. Das ist auch schwer, da wir in jedem Genre mit Filmen nur so überhäuft wurden, bei denen ich glaube alles erdenkbar Mögliche ausgeschlachtet wurde. Szenen werden uns so natürlich auch immer an bisherige Filme erinnern. So zeigt ‘Vacancy’ auch Ähnlichkeiten zu Halloween, Psycho usw. Doch für mich ist das nicht schlimm. Für mich ist der Stil und die Logik wichtig. Und das ist dem Regisseur Nimrod Antal gelungen. Er bewirkt beim Zuschauer die Hilflosigkeit der Opfer nachzuvollziehen und bringt eine Art Realität mit sich. Denn seien wir mal ehrlich, wenn jemand im Motel/Hotel ständig an die Wand hämmert gehen wir auch zu ihm rüber und bitten dies zu stoppen. Niemand denkt in diesem Moment an Gefahr um die eigene Person.



Überraschend für mich war auch die Leistung Luke Wilsons. Eher ein Schauspieler zu Hause in Komödien oder Romanzen, zeigte er uns hier (erstmals) seine seriöse Seite und ein gewisses Maß an Wandlungsfähigkeit. Ich war positiv überrascht. Kate Beckinsale, die ja schon die verschiedensten Rollen in ihrem Lebenslauf aufzeigen kann, ist dabei nicht minderwertig. Sie kann für den Zuschauer überzeugend lachen, weinen, kreischen etc. Also keine Überraschung da. Das einzige was ich bemängeln kann ist das Ende. Ich wünschte mir von den Hollywood Studios mal ein wenig Kreativität oder einfach auch nur Schockwilligkeit. Doch da kann ich wohl lange warten. Dieser Trend der Romantik hat sich seit der Entstehung des Filmes nicht geändert.



‘Motel’ ist ein Film, der mit der blutlosen Angst spielt. Durch gekonntes Editing und der Vorstellungskraft des Zuschauers werden gewaltsame Ergebnisse aber nicht unbedingt Taten gezeigt. Ob 16-jährige wie zuvor erläutert darauf stehen wage ich zu bezweifeln. Ich fand ihn aber sehr ansprechend.



Regisseur: Nimrod Antal
Drehbuch: Mark L. Smith
Hauptdarsteller: Luke Wilson, Kate Beckinsale, Frank Whaley
Genre: Thriller
Laufzeit: 80 min
Release Date: 19.07.2007
Budget: 19 Mill USD
Einspielung: 19,408,642 USD
Website: http://www.sonypictures.com/movies/vacancy/index.html
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0452702/

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Todsicherer Tarantino - Death Proof (Filmkritik)

20.07.2007 - 07:42
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Man kann darüber rätseln, was ursächlich dafür war, dass Tarantino und Rodriguez mit ihrem Grindhouse Double Feature in den USA lediglich 25 Mio. Dollar einspielten, etwa ein Zehntel der Summe, die beispielsweise „300“ in die Kinokassen brachte. Denn filmisch betrachtet, ist die Hommage der beiden Filmfreaks an das Billigkino der Sechziger und Siebziger locker im Stande, den testosterongetränkten Sado-Maso-Schrott in die ewigen Jagdgründe zu schicken.



Nun, man kann durchaus nachvollziehen, dass mehr als drei Stunden Gemetzel am Stück (inklusive fiktiver Trailer) selbst hartgesottene Kinogänger zögern lassen. Daher wurde in den USA gar ein Neustart der beiden Einzelfilme anberaumt. In Deutschland und dem Rest der Welt hat man den Fehler ganz vermieden und beschert uns nun endlich – neben einer längeren Wartezeit auf „Planet Terror“ – den ersten Streifen der Grindhouse-Reihe „Death Proof – Todsicher“.



„Das hatte sicher etwas mit Sex zu tun,“ stellt ein Sheriff irgendwo in Texas fest, der den ungewöhnlichen Unfalltod vier junger Frauen untersucht hat. Und sicherlich ist eine nicht zu leugnende sexuelle Komponente im Spiel, wenn ein Killer, um junge hübsche Frauen zu töten, ein Auto benutzt, das durchaus in der Lage wäre, den ein oder anderen körperlichen Nachteil auszugleichen. Mit durchdrehenden, qualmenden Reifen pflegt sich Stuntman Mike (Kurt Russell), der seine Berufsbezeichnung wie einen Adelstitel vor sich herträgt, seinen zukünftigen Opfern in der schwarzen Dodge Charger zu präsentieren. Da ist einmal die dreiköpfige Gruppe um die Radiomoderatorin Jungle Julia (Syndey Poitier – Tochter des Gleichnamigen), unterwegs zu einer männerfreien Nacht am See, die bei ihrer Sauftour erste und später auch ernste Bekanntschaft mit Stuntman Mike macht. Dann ist da noch ein ähnliches, weitaus hartgesotteneres Quartett um Abernathy (Rosario Dawson), das es Stuntman Mike vierzehn Monate später erheblich schwerer macht…



Soviel zur Handlung, die, ganz im Sinne des Genres, etwas plump ist. Sehenswert – äußerst sehenswert – wird der Film vor allem durch die perfekte Optik, die den Stil der Grindhouse-Kinos bis ins  kleinste Detail imitiert. So ist der Film ständig von Streifen und Knistern jeder Art durchzogen, er springt, stottert und verliert plötzlich jede Farbe. Man könnte meinen, der Vorführer nickt immer wieder ein, denn anstatt fließender Übergänge beim Rollenwechsel, kommt es zu harten Schnitten und Brüchen. Und Tarantino übernimmt diesen Stil nicht als Selbstzweck, sondern spielt in entscheidenden Szenen gekonnt damit, so dass der ein oder andere Lacher lediglich auf einem ungünstigen Schnitt beruht (z.B. dass eine Filmrolle just während eines heißen Lapdances endet…)



Außerdem ist der Film mehr als sehenswert, weil Tarantino in das dreckige Grundkonzept seine altbewährten Zutaten mischt. Da wären, neben sagenhaften Autos, die langen, abstrusen Dialoge, oft kopiert und nie erreicht. Weiterhin zitiert Tarantino alles was man nur zitieren kann – und vor Selbstbewusstsein strotzend manchmal auch sich selbst (man achte auf den Aufkleber am Heck des Mustangs und auf Handyklingeltöne). Schon in der Eröffnungssequenz lebt Tarantino aufs Neue seinen Fußfetisch aus – und zieht ihn konsequent durch den ganzen Film, und man ahnt die blutige Entladung, die kommen wird. Auch gibt es im Film eine herrliche (!) Tanzszene, bei der wir Stuntman Mike sehr beneiden dürfen. Die obligatorische Kofferraumszene wurde neuerdings nach vorn in die Motorhaube verlegt. Und – nicht zu vergessen – ist der Film natürlich voll und ganz von der Musik der Siebziger infiziert.



Das vorwiegend weibliche Darstellerensemble verbindet hervorragend die geballte Frauenpower mit einem Hauch von Verletzlichkeit und gibt dem Film einen beinahe feministischen Unterton. Natürlich sind die Gespräche der Damen alles andere als realistisch und sehr überzeichnet, so wie alles in diesem Film. Aber das ist ja gerade Teil des Grindhouse-Konzeptes.



Niemand hätte die Rolle des Stuntman Mike besser verkörpern können als der alte Haudegen Kurt Russell. Mit Schmalzlocke und schnoddrigem Charme verwandelt er sich urplötzlich in den Killer aus Leidenschaft. Der absolute Vorzeigemacho mimt mit seinem verzweifelten Potenzgebaren einen aussichtslosen Gegenpol zum aufmüpfigen Frauengespann.



Wer natürlich mit den langen Gesprächssequenzen, den unzähligen Anspielungen und doppelten Böden nichts anfangen kann, der wird dem Film wenig abgewinnen und wohl kaum bis zu den perfide inszenierten Actionsequenzen durchhalten. Denn anders als beispielsweise beim grobschlächtigen „300“, bei dem wohl auch der ausgeklügeltste Dialog nichts zu retten vermocht hätte, steckt hier die Liebe im Detail – eine Liebe, die einem etwas strafferen Spannungsbogen in die Quere kommt und auch dem Profit an der Kinokasse.  Für Tarantino Fans aber und alle, die Gefallen an dessen irrwitzigen Spielereien finden, ist der Film ein einziges Fest, die Spielwiese eines hoffnungslosen Filmfreaks – und Fußfetischisten.



Regisseur: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Genre: Horror-Roadmovie
Hauptdarsteller: Kurt Russell, Sydney Tamiia Poitier, Vanessa Ferlito, Zoe Bell, Tracie Thoms
Laufzeit: 113 min
Release Date: 19.07.2007
Website: http://www.deathproof.net/
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt1028528/

(nikolas)

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Selten hat man ein so irreführendes Filmplakat gesehen: „Everything is Hotter Down South“ verkündet es in reißerischer Schrift. In der Mitte des Bildes sieht man einen grimmigen Samuel L. Jackson im Unterhemd, an einer schweren Kette vor ihm auf den Knien ein blondes, wohlproportioniertes Weib wie ein lüsterner Schoßhund. Man denkt, das Plakat für einen weiteren Teil der Grindhouse -Reihe vor sich zu haben oder tief in die Blaxploitation-Zeit zurückgeworfen worden zu sein. Aber weit gefehlt – denn statt stumpfem Sexismus und derber Gewalt bekommt man mit „Black Snake Moan“ ein durchaus feinfühliges und atmosphärisches Drama,  das bis in die kleinste Pore vom Blues durchtränkt ist.



Der ehemalige Bluesmusiker und jetzige Bauer Lazarus (Samuel L. Jackson) hat es nicht leicht. Seine Frau, für die er damals die Musik aufgab, hat ihn verlassen. Ausgerechnet für seinen Bruder. Also betrinkt er sich und fährt mit dem Traktor das Rosenbeet vor seinem Haus platt, wird zynisch und gammelt in seinem Unterhemd vor sich hin. Rae (Christina Ricci) hat es auch nicht leicht. Als ihr Freund Ronnie (Justin Timberlake) sie verlässt, um zur Armee zu gehen, verliert sie den Boden unter den Füßen und schießt sich wieder auf ihren alten Kurs ein. Selbstverstümmelung. Will heißen, sie lässt sich von allem besteigen, was männlich ist und zwei Beine hat.



Und eigentlich spielt es im Endeffekt keine Rolle, wer nun alles ihre Situation schamlos ausnutzt. Jedenfalls fühlt ausgerechnet Ronnies bester Freund seinen Stolz durch Rae verletzt und wirft sie brutal zusammengeschlagen auf nächtlicher Straße aus dem Auto. Zufällig landet sie in der Hofeinfahrt eines abgelegenen Farmhauses, das einem gewissen Lazarus gehört.



Lazarus, dessen Namenspatron in der Bibel von den Toten auferweckt wurde, fasst neuen Mut in der Rolle des Bekehrers – oder zunächst besser in der Rolle des Exorzisten, denn das blonde, fast nackte Stück Fleisch, das sich da vor ihm auf dem Boden in ekstatischen Zuckungen hin und herwirft, erinnert stark an die kleine Regan aus dem Exorzisten. Unbeholfen legt Lazarus die Gefallene kurzerhand an die Kette und nimmt schützend eine Bibel zur Hand. Langsam gewöhnen sich beide an die Situation und es beginnt ein Heilungsprozess, in dem bald nicht mehr ganz klar ist, wer eigentlich wen heilt. Und dann taucht plötzlich Ronnie wieder auf…



Samuel L. Jackson glänzt in einer Rolle, die ihn ungewohnt alt aussehen lässt – mit Vollbart und Halbglatze erinnert er ein wenig an den gutmütigen Dany Glover. Unvergessene Momente setzt er dem Film, wenn er seinen Ehering abnimmt, sich den Slidebar an den Finger steckt und zu spielen und singen anfängt. Wenn er zwischen den Akkorden von der verkorksten Beziehung mit seiner Frau erzählt. Oder schließlich in der verrauchten und durchgeschwitzten Blueskneipe sein Comeback gibt. Das sind wohl seine coolsten Auftritte seit Pulp Fiction.



Christina Ricci zeigt erneut ihren Hang zu den schweren, unangenehmen Rollen – und zu deren Meisterung. Ihr Porzellangesicht mit den Puppenaugen bewahrt selbst im widerwärtigsten Moment der Selbstverleugnung eine tragische Zerbrechlichkeit. Sie ist der Inbegriff des Südstaaten-White-Trashs. Und selbst der blasse Justin Timberlake spielt seine Rolle – einen blassen Jungen vom Dorf – sehr passabel, es dürfte wohl keine Schande sein, gegen obiges Ensemble zu verblassen.



Der talentierte Craig Brewer (Hustle & Flow) schafft es vor allem durch die entspannte Erzählweise und die gelungene Einbettung des ganzen Themas in den Blues, dass der Film nicht in die Lächerlichkeit abdriftet, die das Plakat suggeriert. Nicht nur für Bluesfans ist der Soundtrack eine unbedingte Kaufempfehlung. Und der frische Humor, hauptsächlich getragen vom grandiosen Samuel L. Jackson, erhellt immer wieder das eigentlich trostlose Szenario. Lediglich in den Szenen der dramatischen Zähmung Rae´s lässt Brewer das Blaxploitation Schema mitsamt seiner Optik durchscheinen und die Akteure aus ihrer sonst glaubhaften Rolle herausbrechen. Daran kann man sich stören, man kann das Ganze aber auch augenzwinkernd als geschicktes Spiel mit den Genres hinnehmen.



Auch mag man sich stören an einem Happy End, das auf den ersten Blick vielleicht ein wenig zu sehr den unrealistischen Beigeschmack Hollywoods hat – schaut man genauer hin, so ist dieser Blick trügerisch - und außerdem braucht doch mancher Film ein Happy End, eine naive Auflösung und Fügung der Dinge. Wer, wenn nicht das Kino also, sollte an seinen Illusionen festhalten.



Genre: Drama
Regie: Craig Brewer
Drehbuch: Craig Brewer
Schauspieler: Samuel L. Jackson, Christina Ricci, Justin Timberlake, S. Epatha Merkerson
Laufzeit: 115 min.
Filmstart: 05.07.07
Website: http://www.moanmovie.com/
IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0462200/

(nikolas)

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Um ein gutes Drehbuch zu schreiben, braucht man sich eigentlich nur im Leben umzusehen. An jeder Ecke und in jeder Zeitungsmeldung lauert doch regelrecht ein Drama und ein Krimi. Das steht doch wirklich außer Frage. Wie aber wird aus einer Doku des National Geographic ein Horrorfilm?



Nach all den guten Horror/Thrillern, die über die Jahre von Hollywood Studios produziert wurden, war ich (vom Trailer ableitend) schon ganz gespannt was „Die Fährte des Grauens“ (engl. Originaltitel „Primeval“) so auf der Kinoleinwand zu bieten hat. Schon der Name allein hörte sich ja eigentlich nach einem ganz guten Projekt an. „Primeval“ versprach demnach nicht nur eine interessante Story mitten in Afrika, sondern auch bildliche Qualität und hervorragende Schauspieler. „Inspired by a true story“ stand extra ganz groß und breit über dem Bild. Allerdings wusste ich zu dieser Zeit noch nichts vom eigentlichen Kern der Geschichte. Diese kleine Information hatte man im Teaser wohl absichtlich weggelassen. Und ratet mal warum!



Vor einigen Jahren kursierten grausame Berichte über einen kaltblütigen, 6 Meter langen und 1000 Kilogramm schweren Serienkiller durch unsere Medien. Ein Ungetüm von Krokodil namens ‚Gustave’ sollte in Burundi Hunderte von Menschen auf dem Gewissen haben. Demnach machten sich damals auch einige Reporter fanatisch auf die Suche nach diesem Dinosaurier des Wassers. Mit lokalen Führern, bewaffneten Jägern und einem großen Käfig. Doch auch wenn die Ideen gut durchdacht, so waren die Aktionen vergeblich. Sie kamen, sahen und verloren den Kampf am See Tanganika und dem Fluss Rusizi. Gustave wurde weder gefangen noch getötet. Was aber blieb, ist – abgesehen von der wahren Geschichte - genügend Material für Dokumentationen. Unter anderem auch für National Geographic. Und genau diese war wohl jetzt Grundlage für das Primeval-Drehbuch von John Brancat und Michael Ferris. Leicht verändert und mit einem verhängnisvollen Twist.



Tim Manfrey (Dominic Purcell), sein Kameramann Steven (Orlando Jones) und TV Journalistin Aviva (Brooke Langton) sind auf dem Weg nach Burundi. Nachdem eine weiße Amerikanerin von einem riesigen Krokodil getötet wurde hoffen sie zusammen mit dem Wildlife Preservationist (Gideon Emery) die Gefangennahme des Tieres auf Film festzuhalten. Doch das von Krieg und Blutvergießen geprägte Land, erweist sich alles andere als gastfreundlich. Und so müssen die Amerikaner plötzlich nicht nur Ausschau nach Gustave sondern auch nach rücksichtlosen Verbrechern und Mördern halten.



Und schon haben wir den verhängnisvollen Twist. Im Laufe des Filmes ist man sich nämlich nicht mehr ganz sicher, ob der Film sich nun um das Krokodil oder die Zustände in Afrika dreht. Zu viele Szenen erinnerten eher an ein Zivilkriegsdrama als an einen Horrorfilm. Und da bin ich schon beim größten Fauxpas. Wie kann man bitte diesen Film als Horrorfilm betiteln? Als Action, ok. Als Drama, bestimmt. Aber als Horror? Laut Definition, ist ein Horrorfilm dafür ausgelegt beim Zuschauer Schrecken, Angst, Terror, Ekel und Horror auszulösen. Nichts aber auch gar nichts dergleichen wurde bei mir emotional bewirkt. Jemandem über 12 jagt dieser Film bestimmt keine Angst mehr ein. Und ich bin mir sicher, das liegt definitiv am schlechten Trick. Selten habe ich diesbezüglich deprimierendere Arbeit, ein blutgieriges Krokodil in Takes einzubeziehen, gesehen. Selbst das vor Jahren gedrehte Anaconda und Deep Blue Sea waren glaubwürdiger. Liegts am Budget oder an dürftiger Fähigkeit?



Kommen wir besser zu den Schauspielern. Dominic Purcell, dessen saisonabhängiger Tagesjob (Prison Break) ein wenig an Einschaltquoten verlor, hat mich erstaunt. Orlando Jones, den ich häufiger in Comedies sehen möchte, hat mich nicht enttäuscht. Brooke Langton, an deren Charakter in Melrose Place ich mich überhaupt nicht erinnern kann, hat mich keineswegs gestört. Gideon Emery, der mit einem Preservationist wie Steve Irwin überhaupt nichts gemeinsam hat, war mir egal. Jürgen Prochnow, der wohl aufgrund seiner Narben die Rolle des Jägers bekam, war typisch deutsch im Amifilm. Doch die besten Schauspieler waren die afrikanischen Darsteller. Bei ihnen wirkte nichts gezwungen, nichts übertrieben und nichts unglaubwürdig.



Sollte man sich nun für viel Geld diesen Film im Kino ansehen? Nein, nicht unbedingt. Um ein paar Euro dringend loszuwerden, gibt es sicherlich lohnenswertere Projekte. Speziell aber sollte der Zuschauer die Finger von dem Film lassen, der gnadenlosen Horror erwartet. Doch da die DVD Pressen hinsichtlich der Einspielung bestimmt bald programmiert sind, kann es nicht schaden Gustave in sein Wohnzimmer einzuladen. Dafür ist der Film nämlich gut genug. Sonntag-Abend-Unterhaltung.

Übrigens: Seit April 2007 steht fest, Gustave ist immer noch am Leben und hungrig wie eh und je. Erinnert mich an Moby Dick.



Regisseur: Michael Katleman
Drehbuch: John D. Brancat, Michael Ferris
Genre: Horror, Thriller
Hauptdarsteller: Dominic Purcell,
Laufzeit: 93 min
Release Date: 21.06.2007
Einspielung: 14,680,922 Mill USD
Website: http://video.movies.go.com/primeval/
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0772193/

(jeannine)

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„Was ist ein Geist? Ein Unglück, dazu verdammt, sich ständig zu wiederholen? Ein Moment des Schmerzes vielleicht… Etwas Totes, das noch lebendig scheint. Ein Gefühl, gefangen in der Zeit,wie ein verschwommenes Foto, wie ein Insekt in Bernstein eingeschlossen.“



Was derart poetisch beginnt, ist eigentlich eine klassische Geistergeschichte. Eigentlich, wohlgemerkt, denn eine klassische Geistergeschichte zu erzählen, läge wohl etwas unterhalb des üblichen Anspruchs Guillermo del Toros. Diesen Anspruch hat er jüngst mit Pan´s Labyrinth bewiesen, jedoch schon 2001 mit dem komplexen und relativ unbekannten The Devil's Backbone einen richtungsweisenden Grundstein gelegt.



Ein dunkler Korridor, eine Bombe, die aus dem Flugzeug in eine regnerische Nacht hinabfällt, ein regungsloser Junge mit blutender Nase, eine Stimme aus dem Off, die über Geister philosophiert – schon vor den Opening-Credits sind die Grenzen des Universums Guillermo del Toros abgesteckt. Der zehnjährige Carlos fährt mit zwei Männern durch die spanische Wüste. Sie erreichen ein einsames Gebäude, eine Burg, im Innenhof spielen Kinder. Und dieser Ort strahlt etwas Unheimliches aus, eine ständige Bedrohung, die unter der scheinbar intakten Oberfläche schlummert. Wenig später sind die beiden Männer fort, haben Carlos zurückgelassen ohne ein Wort – er ist auf sich allein gestellt. Der Ort ist ein Waisenhaus, die Zeit 1939. Der Bürgerkrieg hat viele Opfer gefordert – wie auch Carlos Vater. Francos Truppen zerschlagen nach und nach den letzten, linksgerichteten Widerstand und gehen dabei äußerst brutal vor. Streng aber fürsorglich wird das Waisenhaus von Carmen und Professor Casares geführt. Aber auch unter den Kindern gibt es eine strenge Machtordnung. Sowohl tags auf dem Pausenhof, als auch nachts in dem unheimlichen, kargen Schlafraum, muss sich Carlos den Übergriffen eines Rädelsführers erwehren und um seine Stellung kämpfen.
 


Hinzu kommt, dass der zwielichtige Hausmeister Jacinto das Treiben der Jungen und vor allem die Neugier des Neuankömmlings mit Argwohn beäugt und geradezu mit Argusaugen einen Lagerraum bewacht, der ein Geheimversteck und einen tiefen Brunnen beherbergt. Diese Konstellation aber, die ohnehin dramatisch genug und Stoff für einen ganzen Film wäre, genügt del Toro nicht. In diese, aufgrund ihrer Trost- und Aussichtslosigkeit beinahe surreale und geisterhafte Welt, führt er einen „richtigen“ Geist ein. Denn schon kurz nach Carlos Ankunft erscheint ihm immer wieder der kleine Santi, der – wie es Geistern eigen ist -  Unheilvolles verkünden möchte. Und über allem schwebt bedrohlich und allgegenwärtig die Bombe, die im Innenhof des Waisenhauses steckt und noch immer ihre ganze Sprengkraft schlummernd in sich trägt…



Mit The Devil´s Backbone meldete sich del Toro nach seinem Hollywooddebüt „Mimic“ und vierjähriger Schaffenspause mit einer spanischen Produktion zurück. Und nachdem „Mimic“ zwar handwerklich und atmosphärisch perfekt, inhaltlich aber kaum innovativ war, erreichte er mit The Devil´s Backbone eine neue Dimension.
Der Film verwebt genial, ebenso wie später Hellboy und Pan's Labyrinth, die Ebenen des Horrors und der Fantasy mit denen des realen Horrors der politischen Erwachsenenwelt. Immer wieder berühren sich die beiden Welten, bis sie schließlich in einer finalen Entladung direkt miteinander in Konflikt geraten. Dabei baut del Toro die Spannung langsam auf und lässt sich den ganzen Film über Zeit, einen Grusel zu entfalten, der zwar oberflächlich den Konventionen des Genres folgt, jedoch immer eine Stufe weiter geht.



Die gediegenen Bilder sind atmosphärisch aufgeladen und schwanken stets zwischen den beeindruckenden Totalen eines Italo-Westerns und einer klaustrophobischen Enge. Die Bombe dient dabei als magnetischer Anziehungspunkt, tödlich und faszinierend zugleich. Und die eingangs erwähnten Umschreibungen des Geisterphänomens sind stimmige Bilder für menschliche Grausamkeiten und Gräuel des Krieges.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Film wie ein Geist immer wieder die Programmkinos heimsuchen wird und dort im Original mit Untertiteln für Gänsehaut sorgt.



Genre: Mystery-Thriller
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Antonio Trashorras
Schauspieler: Eduardo Noriega,     Marisa Paredes, Federico Luppi, Fernando Tielve
Laufzeit: 106 min.
Filmstart: bereits auf DVD erschienen
Website: http://www.sonyclassics.com/devilsbackbone/
IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0256009/

(nikolas)

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Chance verpasst – Next (Filmkritik)

10.07.2007 - 07:42
in der Kategorie
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Um einen Film besonders erfolgreich werden zu lassen, versuchen Drehbuch-autoren und Regisseure schon so einiges an Überraschungsmaterial einzu-bauen. Sei es hochinteressante Twists, atemberaubende Action oder genialer Trick. Der Wow-Effekt ist wonach jeder strebt. Man kann aber auch übertreiben.



Cris Johnson (Nicholas Cage), ein Magier in einem kleinen unbedeutenden Las Vegas Showact, steht tagein tagaus nur vor einer Handvoll von Leuten auf der Bühne. Doch während Johnson sein Publikum mit kleinen Tricks amüsiert, ahnt niemand um ihn herum von seiner Gabe zwei Minuten in die Zukunft sehen zu können. Niemand, bis auf Agentin Callie Ferris (Julianne Moore) vom FBI, die ihn schon seit einiger Zeit beobachtet und dringend seine Hilfe benötigt.
Johnson aber, weniger bemüht um die Zerschlagung eines Terroranschlages auf Los Angeles, sehnt sich eher nach seiner Traumfrau Elizabeth, welche er in einer seiner Visionen sah. Und als er sie kurze Zeit später endlich trifft, macht er sich zusammen mit ihr auf zu einem Road Trip. Verfolgt sowohl von Terroristen als auch vom FBI, ist ihre neugefundene traute Zweisamkeit allerdings nicht von Dauer. Und so sieht sich Johnson irgendwann gezwungen kleinbeizugeben und sein Bestes zu versuchen, die 8 Millionen Einwohner vor dem nuklearen Tod zu bewahren.



Und das war die Kurzsynopsis der 96 Minuten, welche auf einer feinen Linie zwischen super intelligent und vollkommen dumm entlangträllert. Denn das Problem des eigentlich sehr guten Filmes nach der Idee von Philip K. Dick kommt erst dann auf, wenn man nachdenkt und versucht die Hintergründe zu verstehen. Sozusagen, statt sich belanglos berieseln zu lassen, wieso-weshalb-warum spielt. So besteht „Next“ aus zu vielen Ungereimtheiten, die einfach nie aufgeklärt werden. Weder bildlich noch verbal. Zum Beispiel, wieso diese Terroristen - bestehend aus Franzosen und Deutschen (?) - Los Angeles angreifen wollen. Wo sie die Bombe herhaben. Wieso die Supermacht USA auf einen 2-Minuten-Hellseher zurückgreifen muss, um LA zu retten. Wieso Jessica Biel und Nicholas Cage. Die Liste ist hier ziemlich lang. Massenweise Explosionen, Schüsse, sci-fi Geräte und sich bewegende Objekte helfen dabei auch nicht. Ich nehme an, das Team beim Schneiden hat kläglich versagt. In der Küche heißt es - zu viele Köche verderben den Brei. In Hollywood – zu viele Takes verderben den Film. Wer sich „Next“ ansieht, wird wissen was ich meine.



Und ansehen sollte man ihn sich. Denn „Next“ ist nichtsdestotrotz kinotauglich und lohnt sich. Warum? Weil der Film trotz dieser vielen Schwächen auch enorme Stärken aufweist. Entertainment zeigt. So ist der größte Vorteil, dass er nie langweilig ist. Viele dieser vorausschauenden Visionen gleichen sogar einem Formel 1 Rennen. Da ist Aufpassen angesagt. Andere Szenen sind witzig, durchdacht und erstaunlicherweise richtig cool. Speziell im Casino und auf Verfolgungsjagden. Und der einzige, der daran maßgeblichen Anteil hat ist Nicholas Cage.



Und Nicholas Cage scheint im Moment ein vielbeschäftigter Mann zu sein. Fünf Filme bringt er dieses Jahr auf den Markt. „Next“ ist Nummer 3. Warum er so gefragt ist weiß ich nicht. Denn er spielt immer den gleichen Typen: groß, schlaksig, langsam sprechend, verträumt, seltsam, angestrengt. Er könnte Jeff Goldblums Bruder sein. Doch auch wenn das für diese Rolle hier nicht unbedingt störend ist, so ist er trotzdem, als Lover von Jessica Biel mit einer fragwürdigen Haarpracht, unpassend. Die Kombination der beiden stimmt nicht. Man nimmt ihnen ihre Liebesgeschichte einfach nicht ab. Wie Biel ihn im Film fragt, so sieht man die beiden: als Soziopath der eine junge Frau stalked. Sorry Nic. Julianne Moore wiederum, scheint vom Regisseur nicht die besten Anweisungen bekommen zu haben. Gut, sie sollte wohl hart und durchgreifend auftreten, aber ob rasend schnell im Drehbuch stand wage ich zu bezweifeln. Man hat das Gefühl, Moore konnte nicht schnell genug aus dem Kameralicht verschwinden. Herzblut scheint sie dabei in ihre Rolle nicht gelegt zu haben. Und Herzblut scheint auch niemand den Terroristen gewidmet zu haben. Abgesehen von der Frage, wer sie überhaupt sind, wird ihnen auch keine Gelegenheit für Persönlichkeit gegeben. Cage finden und erschießen ist ihre Aufgabe. Thomas Kretschmann, der inzwischen gut in Hollywood zu tun hat, hätte sich seine Rolle wohl auch anders gewünscht. So wird das nämlich nichts mit dem Oscar. Und wer denkt, dass Miss Biel sich auch dieses Mal die Kleider vom Leib reißt, der liegt falsch.



Alles in allem aber ist der Film gute Unterhaltung. Er wird nicht auf der Liste der Preisverleihungen zu finden sein, aber er wird für einen guten Abend im Kino sorgen. Trotzdem finde ich es schade, das man versucht hat aus diesen Film mehr zu machen als nötig. Die Idee Dicks, hätte mit einem besseren Drehbuch, einer besseren Regie und vor allem besserem Schneiden zu einem der erfolgreichsten Blockbuster führen können. Tja, Chance verpasst.



Regisseur: Lee Tamahori
Drehbuch: Gary Goldman, Jonathan Hensleigh
Genre: Action Thriller
Hauptdarsteller: Nicholas Cage, Julianne Moore, Jessica Biel
Laufzeit: 96 min
Release Date: 19.07.2007
Budget: N/A
Einspielung: 44,456,113 Mill USD
Website: http://www.nextmovie.com/
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0435705/

(jeannine)

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Die Reinkarnationswut Hollywoods kennt kein Ende: Nach Sharon Stone (Basic Instinct 2), Harrison Ford (Firewall) und kürzlich Sylvester Stalone (Rocky Balboa) kehrt also mit Bruce Willis das Idol des Actionkinos auf die Leinwand zurück. 12 Jahre nach Stirb Langsam 3 wird also wieder geballert, was das Zeug hält – auch bekannter weise verbal. Leider geht das bei „Stirb Langsam 4.0“ größtenteils schief.



Als damals „Stirb langsam“ veröffentlicht wurde, waren sich Kritiker, Fans und Actionliebhaber schnell einig: Regisseur John McTiernan hatte den besten Actionfilm aller Zeiten erschaffen. Der Streifen glänzte aber nicht nur bei den Special Effects, auch die Story war durchdacht und die Darbietung der Schauspieler charmant. Was uns 2007 in „Stirb Langsam 4.0“ geboten wird, ist allerdings größtenteils genau das Gegenteil. Natürlich münzte Len Wiseman (Underworld-Filme) eine alte Cop-Story auf die modernen und ehrgeizigen Ansprüche des neuen Jahrtausends um, gerade was die CGI-Effekte angeht. Doch verdrängen diese die Story zuweilen komplett und selbst Bruce Willis als John McClane wirkt stellenweise blasser, als erwartet.



Wieder einmal ist John McClane zur falschen Zeit am falschen Ort. Mitten in der Nacht, nachdem er eine Auseinandersetzung mit seiner Tochter hat, wird er von seinem Vorgesetzen gebeten, einen Hacker aus dessen Wohnung und ins Revier zu bringen. Dummerweise ist Matt Farrell (Justin Long) kein gewöhnlicher Computer-Geek, sondern ein begehrtes Objekt des Mega-Schurken     Thomas Gabriel (Timothy Olyphant). Dieser will Farrell unbedingt tot sehen und schickt in besagter Nacht ein ganzes Killerteam auf den Hals des Programmierers. McClain wird unfreiwillig in den Zwist hinein gezogen, rettet Farrell und kommt somit ebenfalls auf die Todesliste Gabriels, der alleine mit seinen PC-Kenntnissen  ausgestattet komplett Amerika innerhalb von Stunden in die Steinzeit zurück versetzen will. Sozusagen den Reset-Knopf eines Landes drücken.



Storytechnisch also nichts neues. Natürlich passt die Cyber-Aufmachung zur heutigen Zeit des virtuellen und realen Terrorismus, das Basiskonzept hätte aber wahrscheinlich auch ein einigermaßen gebildeter „Half Life“-Spieler schreiben können. Nun kommt es allgemein bei den „Stirb Langsam“-Filmen nicht hauptsächlich auf eine ausgeklügelte Storyline an, das gebe ich zu. Die Reihe lebt vor allem von einem Faktor, namens Bruce Willis. Wie er hasserfüllt und dennoch absolut cool um steinerne Hausecken schielt, wie er, die Explosion schon in den Pupillen sichtend, sich hinter Kühlschränke, Tische und Autos hechtet. Das ist „Stirb Langsam“ wie es leibt und lebt. Und ja, das hat dieses Mal auch wieder hervorragend funktioniert. Sei es die aberwitzige Actionszene, in der Willis ein Auto als Munition benutzt, um einen Helikopter vom Himmel zu holen oder der – zugegeben ziemlich unrealistische aber genial gemachte – Kampf zwischen Kampf-Jet und McClane.



Willis-typische Sprüche fehlen ebenso wenig, obwohl sie kritisierbar sind. Denn früher waren McClanes Sprüche härter, passender und vor allem charmanter. Im neuen Teil sind sie weichgespült, abgenutzt und berechenbar. Fast so berechenbar wie die Entführung McClanes Tochter . Nun muss man allerdings Regisseur Wiseman zugute halten, dass es keine leichte Aufgabe war, das ursprünglich Ende der Achtziger erfundene „Stirb Langsam“-Konzept auf die heutige Zeit zu konvertieren. Ähnlich wie bei einer Dateikonvertierung – um ein wenig in der PC-Sprache zu bleiben – ist eine 1 zu 1 Kopie nicht möglich, da bei dem Datentransfer immer einige Bits verloren gehen. Diese Bits, bezogen auf „Stirb Langsam 4.0“, sind neben bereits genanntem Charme auch das fehlende Gleichgewicht zwischen Gut und Böse. So wirkt Willis permanent wie ein Überheld und Bösewicht Thomas Gabriel versprüht weniger Scharm als eine verfaulte Zitrone. Ich erinnere an dieser Stelle gerne an den ersten Teil, in dem Alan Rickman den unfassbaren Hans Gruber spielte. Hier war einfach alles im Lot.



„Stirb Langsam 4.0“ hält leider bei weitem nicht, was er verspricht. Ob Willis gezwungen war, ein Sequel zu drehen um die miserable Filmbilanz 2007 doch noch ins Positive umzukehren, bleibt reine Spekulation. Ein richtig engagiertes Projekt, welches nicht den alleinigen Fokus auf Kommerz legt, sieht jedoch anders aus. Am Ende lohnt es sich doch mehr, die alten Streifen aus dem DVD-Regal zu kramen, als für den Blockbuster ein Vermögen im Kino zu bezahlen – auch wenn der Reiz bei so einem Titel enorm ist.  



Genre: Action
Regie: Len Wiseman
Drehbuch: Doug Richardson, Mark Bomback
Schauspieler: Bruce Willis, Justin Long, Timothy Olyphant, Mary Elizabeth Winstead, Cliff Curtis
Laufzeit: 129 min.
Filmstart: 27.07.2007
Website: http://www.stirblangsam4-derfilm.de/
IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0337978/

(flo)

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Einer geht noch: Es gibt mal wieder neues zu vermelden auf dem Reviewnator Blog. Mit einem neuen Redakteur und neuem Elan geht es in den Sommer 2007. Nikolas ist zukünftig zuständig für Filmkritiken jeglicher Art. Als Student hat er gerade genug Zeit, seinem Hobby nachzugehen. Los geht's mit einem echten dänischen Highlight: "Adams Äpfel". Show some love.

Wer genug hat von dem Einheitsbrei, der es nicht mal in die Kinos geschafft hat und jetzt die Videotheken überflutet, dem sei wärmstens der Griff zu „Adams Äpfel“ von Anders Thomas Jensen („Dänische Delikatessen“, „In China essen sie Hunde“) empfohlen. Ist auch der Hype des Dogma-Kinos abgeebbt, so liefern dänische Komödien seit einigen Jahren immer wieder filmische Überraschungen. Und wer deren schwarzen, bitterbösen Humor kennt und mag, der ahnt, was ihn bei „Adams Äpfel“ erwartet.



Die Ausgangskonstellation ist einfach und irreführend: Adam (Ulrich Thomsen), ein bulliger Skinhead und Ex-Knacki, wird zwecks Bewährung dazu verdonnert, das Personal einer einsamen Landkirche aufzuwerten. Deren Pfarrer Ivan (Mads Mikkalsen) hat sich der edlen Aufgabe verschrieben, hoffnungslose Fälle mit Engelsgeduld auf den rechten Weg zu bringen. Besagtes Personal besteht deshalb aus einem Tankstellenräuber und einem bärigen Triebtäter. Allesamt machen sie aber – sehr zu Adams Erstaunen – einen friedfertigen, ja beinahe narkotisierten Eindruck.
Pfarrer Ivan pflegt in seinem Kleinod des Strafvollzugs nämlich ein ganz eigenes Netz aus Regeln und Methoden, das keinen Widerspruch duldet. Seelsorgerische Dienste ähneln mehr Erpressungen als ermutigenden Gesprächen, und wer während einer Predigt auf die Toilette muss, hat ein ernsthaftes Problem.



Immer kritischer beäugt Adam, der trotz seiner Nazi-Vergangenheit zu analytischem Denken fähig ist, die Situation. Und da Adam nur bis zu einem gewissen Maße ein Mann der Worte ist, kommt es zu der einen oder anderen Tracht Prügel für alle Beteiligten.
Machtlos gegen Ivans hartnäckige Duldsamkeit reiht sich Adam ein in das skurrile Gefüge und geht der Aufgabe nach, die Ivan für ihn auserkoren hat. Adam soll einen Apfelkuchen backen und sich vor allem um die Titel gebenden Äpfel kümmern. Doch der einzige Apfelbaum direkt vor der Kirche wird plötzlich von Raben heimgesucht.



Weitere Details zu verraten, wäre, um in der religiösen Symbolik zu bleiben, schlichtweg Sünde.  Nur soviel sei gesagt: wer ein gleichwertiges Duell zwischen Gut und Böse erwartet, also den eingangs erwähnten Einheitsbrei, wird bitter enttäuscht. Vielmehr werden mit fast jeder Szene die Karten neu gemischt.
Dadurch wird der Film fesselnd und zugleich unberechenbar. Das alles wäre aber nichts ohne den tabulosen schwarzen Humor, der weit unter der Gürtellinie angesiedelt ist und bei mancher Szene das Lachen gefrieren lässt. Man glaubt manchmal, sich schämen zu müssen, dafür, dass man gelacht hat – aber herzhaft gelacht hat man trotzdem.



Mads Mikkelsen, aus Casino Royale als Gegenspieler Bonds dem breiten Publikum ein Begriff, füllt mit seinem kantigen, traurigen Gesicht, perfekt die Rolle des doppelbödigen Ivan. So verkörpert er in ein und derselben Person zunächst den opferwilligen Gutmenschen, der in kurzer Hose Fahrrad fährt und Take That hört,  wenn er sich nicht gerade wehrlos zusammenschlagen lässt. Später, in einer genialen Einstellung mit Licht und Schatten und strengem Scheitel, geht man der Kamera auf den Leim und glaubt eine Hitlerfigur vor sich zu haben. 
Ulrich Thomsen als Adam ist mit Glatze und Tattoos kaum aus Dogma-Zeiten wieder zu erkennen und gibt den ratlosen Brutalo, der immer dann zuschlägt, wenn man glaubt, er sei endlich bekehrt.
Auch die anderen Schauspieler gehen in ihren Rollen auf und spielen hervorragend zusammen als herrlich schräges Ensemble von Freaks.



Zu erwähnen bleibt die meist religiöse Symbolik, die den ganzen Film durchzieht, und die durch hervorragende Bilder immer wieder neu in Szene gesetzt wird. So fällt ironischerweise jedes Mal, wenn morgens die Glocken geläutet werden (vom arabischstämmigen Räuber), das Führerbild in Adams Zimmer von der Wand. Oder schafft es die Bibel von Adams Kommode immer wieder herunterzufallen und ausgerechnet mit dem Buch Hiob aufgeschlagen zu landen.  Der Film tobt sich in unzähligen dieser ironischen Anspielungen aus, manchmal – und das dürfte eines der wenigen Mankos des Films sein – verliert er sich darin.
Und gegen Ende hat man ein wenig das Gefühl vor lauter Deutungen und Wendungen von Gut und Böse, den Überblick zu verlieren.  Doch damit kann man sich getrost abfinden, hat man zuvor doch eine regelrechte Achterbahnfahrt durch menschliche Untiefen absolviert und  eine wunderbar erfrischende, deftige dänische Delikatesse genossen.



Genre: Schwarze Komödie
Regie: Anders Thomas Jensen
Drehbuch: Anders Thomas Jensen
Schauspieler: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen, Paprika Steen, Nicolas Bro
Laufzeit: 89 min.
Filmstart: bereits auf DVD erschienen
Website: http://www.adams-aepfel.de/
IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0418455/

(nikolas)

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Der Fanboy-Film 2007: „Hot Fuzz“ (Filmkritik)

22.06.2007 - 07:38
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Was hab ich mich damals über Shaun Of The Dead gelacht. Das war zu einer Zeit, da dachte ich vernünftige Filmparodien lehnen sich qualitativ an Der Wixxer an und sind vom Aussterben bedroht. Drei Jahre später hat sich die Situation zugespitzt: „Der Wixxer II“ ist erschienen und gute Filmparodien sucht man besser auf Youtube als in Hollywood. Doch jeder Tunnel hat auch ein Ende, welches in dem Falle Hot Fuzz heißt – eine gnadenlos geniale Parodie auf das Genre „Krimi“.



2004 widmete sich Regisseur und Drehbuchautor Edgar Wright wie schon erwähnt dem Verunglimpfen des Horrorgenres. Das war in einer Zeit von Texas Chainsaw Massacre, The Hills Have Eyes und Saw . Zwar standen viele dem englischen Parodienmeister mit Skepsis gegenüber, „Shaun Of The Dead“ räumte jedoch alle Kritik aus. 2007 widmet sich Wright also dem Krimigenre mit, wie man doch zugeben muss, einer Mischung aus ernsthafter Action und viel schwarzem Humor.



Sergeant Nicholas Angel ist der mit Abstand beste Cop Londons. Weil es ihn gibt, hat das Polizeirevier seit Jahren zu wenig Streetwork, dafür aber zu viel Papierarbeit. Seine Quote für gelöste Fälle liegt bei 100 %. Angel ist definitiv der vorbildlichste Kriminalbeamte Englands. Genau deshalb wird er dann auch in ein kleines Dorf auf dem englischen Land versetzt, in dem die Kriminalitätsrate scheinbar Nullkommanull beträgt. Mit seinem klaren Verstand und einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe erkennt der Polizist schnell, dass in dem kleinen Dörfchen einiges daneben läuft: Betrunkene pinkeln an Hauswände, Unbekannte malen ein Graffiti an den Dorfbrunnen und Geschwindigkeitssünder gibt es auch!



Doch komischerweise scheint das keinen der verantwortlichen Beamten auf dem Polizeirevier zu stören. Sie wollen nur ihren Frieden und abends im Pub die Gläser heben. Angel kommt das äußerst verdächtig vor und so stößt er auf die Geheimnisse der Dorfgemeinde, nachdem eine Reihe von Todesfällen im Dorf auf den ersten Blick nach Unfällen aussehen. Entpuppt sich das friedliche Örtchen am Ende doch als Massengrab?



Was Edgar Wright in „Hot Fuzz“ auf die Leinwand zaubert, ist schon erstaunlich: Die Szenen sind extrem professionell und sollen auch ernsthaft wirken. Genau das also, was die meisten Macher von Parodien vergeigen: Um einen Film mit Humor zu füllen, muss er erstmal glaubhaft rüberkommen. Realität meets Comedy, sozusagen. Da passen die Hauptdarsteller auch wunderbar ins Bild: Simon Pegg, der bereits in „Shaun Of The Dead“ die Hauptrolle übernahm, spielt den von seinem Beruf besessenen Polizist mit Bravour, sein Kollege Nick Frost verkörpert den verblendeten Dorfbulle par excellence. Selbst bei den Nebendarstellern kann man nicht meckern. Teilweise überzogen, teilweise comichaftes Erscheinungsbild – eben genau die Indikatoren, die eine gelungene Parodie auszeichnet.



„Hot Fuzz“ wird die selben Leute ansprechen, die schon „Shaun Of The Dead“ gefeiert haben. Das Prinzip blieb das gleiche, nur das Genre wurde gewechselt. Außerdem ist der Streifen filmtechnisch deutlich ausgereifter und macht ihn dadurch eine Ecke glaubwürdiger. Schwarzer Humor, „Stirb langsam“-Action und auch Teile aus dem Horrorgenre wurden hier in einen brodelnden Hexenkessel geworfen. Was dabei rauskommt ist der nahezu perfekte Zaubertrank für einen unterhaltsamen Kinoabend.



Genre: Action-Komödie
Regie:  Edgar Wright
Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright
Schauspieler: Simon Pegg, Nick Frost, Bill Nighy, Robert Popper
Laufzeit: 121 min.
Filmstart: 14.06.2007
Website: http://www.hotfuzz.com/
IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0425112/

(flo)

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Krank und Abartig – Hostel Part II (Filmkritik)

19.06.2007 - 07:37
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Töten liegt in der Natur des Menschen, sagte Eli Roth, der Drehbuchautor und Regisseur von Hostel 1 und 2 in einem vergangenen Interview. Egal in welchem Alter und egal in welchem Jahrtausend. Menschen töten Menschen – vor allem an einem Ort ohne Gesetze. Denke ich darüber nach, hat er gar nicht so unrecht.



Als Eli Roth 2005 Hostel auf die Leinwände brachte, teilte er die Gemüter der Kinogänger in ‘Begeistert’, ‘Erschrocken’ und ‘Gelangweilt’. Die einen meinten es sei der beste Horrorfilm aller Zeiten – die anderen übergaben sich in den nächsten Mülleimer – und für die dritte Fraktion war der Film nichts Neues. Doch für Roth, der sich ein Fan von Quentin Tarantino nennt, war Hostel ein klarer Erfolg. Nicht nur weil die Kinokasse klingelte, sondern auch weil sein Name nunmehr in aller Munde war. Egal aus welchem Grund. Demnach lag es auf der Hand, einen zweiten Teil zu filmen. Eine Fortsetzung. “Hostel Part II”. Doch dieses Mal dreht sich alles um das andere Geschlecht.



Beth (Lauren German) und Whitney (Bijou Phillips) studieren Kunst in Rom. Doch die Zeit die sie in Italien mit Lernen verbringen scheint ihnen viel zu schade, um sich nicht auch ein wenig vergnügen zu können. Und so entscheiden die Freundinnen sich am kommenden Wochenende in den Zug zu setzen um das prachtvolle Prag zu besuchen. Zusammen mit der gelangweilten und esoterisch angehauchten Studienkollegin Lorna (Heather Matarazzo) im Schlepptau, ändern sich aber ihre Pläne von einer Minute zur anderen, als sie rein zufällig auf ihr ehemaliges Nacktmodell Axelle (Vera Jordanova) treffen. Axelle, auf dem Weg in eine der besten und luxuriösesten Spa’s der Welt in der Nähe von Bratislava, überzeugt sie nämlich sich ihr anzuschließen. Selbst ein preiswertes Hotel kann sie ihnen empfehlen. Doch als sie an der Rezeption ihre Pässe abgeben, wissen sie nicht, dass sie soeben eine heißbegehrte Auktionswelle ausgelöst haben. Mit ihren Gesichtern auf Computerscreens in aller Welt erscheinend, beginnt in diesem Moment ein Kampf der Reichen und Mächtigen um die Teilnahme an einem blutrünstigen Fest der ganz besonderen Art. Wer auch immer die höchste Summe bietet, gewinnt das Privileg seinen ergatterten Preis zu Tode zu foltern und in welcher Art auch immer abzuschlachten. Für Beth und Whitney heißt das eine Begegnung mit dem aggressiven amerikanischen Geschäftsmann Todd (Richard Burgi) und seinem frauenfeindlichen Freund, Ehemann und Vater Stuart (Roger Bart).



Wenn es um blutige Folterfilme geht, bei denen das Ziel ist, dass der Zuschauer eigentlich nicht hinsehen will es jedoch trotzdem muss, hat Eli Roth es mal wieder geschafft. Nicht selten zuckten meine Schultern vor Brutalität nach oben.  Und nicht selten kniff ich meine Augen zusammen. Doch was auch immer geschah, ich wollte wissen wie. Ich wollte das Blut spritzen sehen und die Schreie hören. Und Weißgott, ich wurde nicht enttäuscht.



Schon bei Hostel ließ Roth seiner Fantasie des Tötens freien Lauf. Mit extremer Gewaltsamkeit und ideenreichen Folterinstrumenten. Doch während im ersten Teil junge Männer auf der Suche nach – was sonst - Sexorgien in der Slowakei der Folter ausgesetzt wurden, hält sich „Hostel Part II“ mehr an die typische Slasher-Charakterregel für Frauenopfer: eine Nette, eine Schlampe und eine Naive. Eine Frauenversion eben.



Wer den ersten Teil kennt der weiß, worauf er sich bei Erhalt der Kinokarte einlässt. Wer nicht, der bekommt in den ersten Minuten mit dem Auftauchen Paxtons (Jay Hernandez) gleich einen kleinen Vorgeschmack. Danach bricht die Fortsetzung eigentlich sofort zu neuen Opfern auf. Doch anders als im ersten Teil, zeigt Roth uns dieses Mal auch das Leben der anderen Seite. Nämlich das der Auktioniere. Und damit verbunden Todd und Stuart (Burgi und Bart frisch aus dem Cast von Desperate Housewives). Somit hat der Film dieses Mal auch mehr Tiefe als 2005. Man weiß warum und wieso die Zahlenden sich für dieses Spektakel hingeben. Was in ihnen vorgeht. Und wenn man sich wahrscheinlich im eigenen Freundeskreis so umschaut, sollte sich solchen Typen vielleicht auch mehr Vorsicht bieten. Die gibt’s - genau wie die typischen Opfer - nämlich überall. Und die Opfer, durstig nach Luxus, sind gute Schauspielerinnen. Selbst wenn Party Girl und Celebrityfriend Bijou Phillips wohl eher ihr Ego darstellt. Nichtsdestotrotz haben alle drei Frauen schon Erfahrung im Horror Genre. Und das sieht und hört man ihnen an.



Zu den entsprechenden Slasherszenen sei folgendes gesagt: Frauen sind die Rabiatesten. Darum beschimpfe niemals eine Frau als ‚Cunt’. Die Konsequenzen könnten fatal sein. Auch leg dich nie mit Frauen an, die nach dem Jungbrunnen suchen. Elizabeth Bathory, die ich gerade noch auf dem History Channel sah, hätte es nicht besser machen können.



Doch wie viele Horrorfilme unserer Zeit, wurde auch dieser nicht vorab den Kritikern gezeigt. Studio Policy. Warum? Weil die Kritiker neuerdings gerne Filme zerreißen von denen sie keine Ahnung haben. Sie lieben alles was Mainstream und Big Budget ist. Happy-End Love Story und Car-Chasing Thriller. In diese Kategorie passt „Hostel Part II“ nur wirklich nicht. Der Film war nicht nur billig sondern ist auch eher krank, abartig und ekelhaft. Alles was ein guter Horrorfilm eben sein soll.



Regisseur: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth
Hauptdarsteller: Lauren German, Bijou Phillips, Heather Matarazzo
Genre: Horror
Laufzeit: 93 min
Release Date: 14.06.2007
Budget: 10 Mill USD
Einspielung: 8,667,244 USD
Website: http://www.hostel2.com/
IMDB-Page: http://www.imdb.com/title/tt0498353/

(jeannine)

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