On the next one. Jay-Z scheint nicht aufzuhalten. Und wenn, dann nur
kurz. Die New Jersey Nets ziehen nun endlich nach Brooklyn, NY. In der
Saison 2012/13 soll es soweit sein. Der Grundstein für die neue Arena,
das 18.000 Zuschauer fassende Barclays Center, wurde am Freitag gelegt.
Jay-Z war als Investor des Teams natürlich auch dabei, als Michael
Bloomberg, Bürgermeister von New York, sowie etliche andere Geld- und
Würdenträger, zum ersten medienwirksamen Spatenstich riefen.
Lange hat es gedauert, denn die Rechtsstreitigkeiten mit den Gegnern des Baus zogen sich über Jahre hin. Laut rap.de
ging es darum, dass die Regierung privates Land zum Bau der Arena für
sich beanspruchte. Schaut man sich an, was zu der nebenbei bemerkt
ultrastylishen Halle noch alles an Wohnungen und Bürogebäuden gebaut
werden soll, kann man sich die Beschwerden durchaus vorstellen. Das
Gegenargument ist jedoch auch nicht von der Hand zu weisen. Die Halle
soll sowohl während des Baus, als auch wenn sie in Betrieb genommen
wird, viele Arbeitsplätze nach Brooklyn bringen und dem Viertel
wirtschaftlich wieder auf die Beine helfen.
Wie dem auch sei, der Bau hat begonnen und Jiggas Investion fängt
an, Früchte zu tragen. Man muss sich nur einmal vorstellen welch
genialer finanzieller Schachzug ihm da gelungen ist. Brooklyn, eine der
für HipHop bedeutendsten Ecken auf diesem Globus, bekommt ein eigenes
NBA-Basketball-Team, hinter dem der bedeutendste Rapper unserer Zeit
als Geldgeber, Initiator und nicht zuletzt auch Repräsenant steht.
Nicht nur, dass Basketball die unter HipHop-Anhänger weitverbreitete
Lieblingssportart ist (in Deutschland natürlich neben Fußball…), nein,
sie bekommt auch noch ein HipHop-Gesicht, mit
from-rags-to-riches-Attitüde, mächtig American-Dream-Flavour und einer
gehörigen Portion Straßenstaub an den Sneakern.
Diese Kombination ist marketingtechnisch nicht zu schlagen. Wie der
neue Lieblingsverein aller Basketball-affinen HipHop-Hörer (immer noch
größte Jugendbewegung weltweit?) sein wird, ist klar und wieviel
Merchandise, Shirts, wasauchimmer in diesem Zusammenhang über die
Ladentheken von Ruanda über Tokyo, Berlin, Kingston und bis zurück nach
New York gehen wird, ist unvorstellbar. Ich verspreche euch, dass die
Brooklyn Nets so schnell um so vieles größer werden als die
ausgelutschten Yankees und die notorisch erfolglosen Knicks zusammen,
dass David Stern (NBA-Commisioner) persönlich auf Knien einmal quer
durch die Staaten rutschen und alle Teams anbetteln wird, sie sollen
doch bitte nach New York ziehen. Jedes Team kriegt einen eigenen
Stadtteil und wenn kein Platz mehr ist, dann geht einer halt nach New
Jersey. Da wird ja demnächst eine Halle frei.
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Das Wort “Zeitgeist” funktioniert im Deutschen und Englischen
gleichermaßen, und so hoffentlich auch das formidable Release, das
diesen Titel trägt. Die beiden Independent-Labels SpokenView und Project: MoonCircle stellen ihre erste Zusammenarbeit vor. Am 1. April (kein Scherz!) wird “The Zeitgeist EP” weltweit und in limitierter Auflage auf Vinyl und in digitaler Form erscheinen.
Auf der ganz klassischen Vinyl-EP mit vier Songs, sowie den vier
dazugehörigen Instrumentalen auf der B-Seite, finden sich
hochinteressante Künstlerkonstellationen: John Robinson von Scienze of Life trifft auf Stimmen-Allrounder Damion Davis, die London-Undergrounder von Obba Supa rappen zusammen mit den Avandgardisten von Sichtbeton, das UK-Rapurgestein Lewis Parker mit dem Berliner Keller-MC Hiob und Joe Kickass trifft auf Morlockk Dilemma. Zu letzterem Song namens “RealMCs” wird es auch ein Video geben, welches am 26.03. auf mixeryrawdeluxe.tv und im hhv-Store in Berlin Premiere feiern wird. Das cineastisch mystische Artwork stammt aus der Feder von The Binh, Gordon und V.Raeter.
Manchmal muss man bei diesem ganz
Cross-Media-Viral-Marketing-Spaß-Video-Dingens einfach durchsehen. Oder
eben auch nicht, dann man freut sich halt nur über das Spaß-Video und
lässt das Dingens mit dem anderen Zeug einfach weg. Ich versuch mal
durchzusehen: “The New Dork” heißt der hier vorgestellte Song und ist
eine Hymne für alle Geeks, Freaks, Nerds, Hipster, Dorks, etc. Eine
Hymne, die allein schon aufgrund des massiven
Web2.0-Firmen-Namedroppings zum Hit werden muss auf deinem
Lieblings-Social-Media-Profil.
Musikalische Grundlage ist Jay-Zs und Alicia Keys’ “Empire State of Mind“.
Verantwortlich für die Idee zu der mit Ironie und auch ein bißchen
Trotz aufgemotzten Kassengestell-Version des Songs sind die Comedians
von “Pantless Knights“. Die Regie übernahm David Fine. Der Text stammt von Beau Lewis und Peter Furia (+Kamera). Eingesungen wurde er von Sängerin Jacqueline Becker
sowie Paavo Steinkamp, welcher ihn auch zusammen mit Alison Mei Lan im
Video performt. Mit im Boot war außerdem noch die bekannte
Videoproduktionsfirma Seedwell und das Geld für alles stammt von der Firma Grasshoppers
(The Virtual Phone System Designed for Entrepreneurs), welche sich auf
youtube generös verlinken lässt, um schlicht und einfach Neukunden
anzuwerben. Doch wie das mit einem gelungen Viralclip so ist, wenn er
Erfolg hat, dann hat jeder was davon, alle Produzenten und alle
Konsumenten. Wirklich ein gelungenes Stück Video und Beweis dafür, dass
Virales Marketing, obwohl schon wieder totgesagt, doch immer noch
funktionieren kann!
Den Song ohne Video könnt ihr euch, falls ihr wie ich, immer noch
iPhone-los seid, außerdem kostenlos und ganz oldschool als mp3 hier runterladen.
Thx fürs erste Aufmerksammachen unter vielen Weiteren an Ndilyo Nimindé (@gambai)
Hier mal ein kleiner Einblick in meine Redaktionsarbeit. Die PR
schreibt: “Hallo Georg, sagt dir eigentlich Tinie Tempah etwas?” Ich
antworte belustigt vom Namen: “Ja, das isn Tampon für frühreife
Mädchen.” Die PR findet das ebenfalls ein bißchen lustig, will mir aber
ernsthaft was über den Künstler verklickern und hakt nach: “Sagt dir
das außerdem noch was?” Ich denke mir, na hör ich doch mal rein, was
der mir da so andrehen will. Ich melde mich kurz darauf wieder bei der
PR: “Hab grad mal bei MySpace reingelauscht. Wirklich lustig dieser
Käse-Grime. Sorry, aber ich denke nicht, dass das was für uns ist. Das
ist echt schräg.” Daraufhin Funkstille. Am nächsten Tag habe ich dann
eine super Idee für einen Blog. Ich schreibe der PR: “Flank mir doch
mal bitte die Daten zu Tinie Tempah rüber.” Also im folgenden nun alle
wichtigen Infos. Name: Tinie Tempah, Herkunft: England, Stil: nicht so
schlimm, wie zu Beginn gedacht, aktuelle Single: “Pass Out” (ganz
unten), Link: myspace.com/tinietempah.
Viele Grüße an dieser Stelle an den geschätzten Kollegen Jobin Vazhayil von der EMI.
Blu und Exile. Für die einen ist es NeoBoomBap, für die anderen, der wahrscheinlich beste Nachfolger von Premo und Guru der Welt. Exile ist am Beat so kreativ wie momentan kaum ein zweiter DJ/Produzent aus den Staaten und Blu gilt nicht erst seit gestern als lyrisches Wunderkind. Wir sprachen mit den beiden zwar bodenständigen, aber trotzdem leicht schrägen Vögeln, über so sinnvolle Sachen wie Apfel-Bier, Friedhöfe, deutsche Kulter und thailändisches Essen auf der ganzen Welt. Viel Spaß.
Liquit Walker ist einer hungrigsten Rapper der Hauptstadt. Er bringt alles mit, was ein MC braucht: Stimme, Charisma, Flow, Tiefe, Ehrlichkeit, Lyrik, große Schnauze und ein noch größeres Herz. Ein MC wie Berlin selbst, ein MC für Deutschland. Und Rücken hat er in der Hauptstadt! Genauso wie er es sich nicht nehmen lässt, selbst auch immer wieder Dues zu payen. Was also steht dem Rapper noch im Weg, um eine richtig große Nummer zu werden?
Unsere Kollegen von meinrap.de titelten diese Woche, dass MC Rene aka Reen unter die Comedians gegangen sei, seine Wohnung gekündigt habe und nun mit der BahnCard 100, ein Jahr lang durchs Land tingeln will, um sich als StandUp-Sprücheklopfer einen Namen zu machen. Jedoch bezweifelten die Jungs die Nachricht selbst, und zwar mit Blick auf den Beginn der Reise: den 01.04.2010. Vielleicht können wir etwas Licht ins Dunkel bringen. HIER gehts zur Bestätigung.
Er legte mit seinem Debüt eines der besten Alben in 2009 vor und ist mit seinen 21 Jahren gerade mal auf der ersten Stufe einer langen Karriereleiter. Wir sprachen mit dem bescheidenen und intelligenten Fashawn über seine Jugendlichkeit, wie schnell in letzter Zeit alles für ihn ging, wie man erfolgreich die Schule abbricht, seine Verbindung zu Paulo Coelho, Skateboard-Shops als Plan B und über Rap als rhythmischen Journalismus.
Am 23.12.2009 habe ich ohne Hintergedanken mal einen Screenshot von der
MySpace-Startseite gemacht. Die dort vorgeschlagenen Star-Profile
ergaben eine bunte, wie ungleichmäßige Mischung, auch aus HipHop-Sicht.
Ich fand das kurz amüsant. Daraufhin habe ich das Bild vergessen. Beim
Aufräumen meines Rechners bin ich heute wieder drüber gestolpert. Und
zum Vergleich habe ich von heute dann auch gleich noch einen Screenshot
gemacht. Na, wer sieht die Unterschiede?
23.12.2009
17.02.2010
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In Haiti ist viel kaputt gegangen und es wird viel Hilfe benötigt.
Keine Frage. Eine Neuauflage von Michael Jacksons, Quincy Jones und
Lionel Richies “We Are The World” war da nur eine Frage der Zeit. Und
wie jedes Mal bei diesem Song, kommen dutzende hochtalentierte Sänger
zusammen und schmettern sich eine schmissige Nummer zurecht. Nur leider
gibt es da immer auch ein paar Rapper, die unbedingt Promo
helfen wollen. Dieses Mal ist das jedoch mächtig in die Baggy-Pants
gegangen. Augenscheinlich unter der Federführung vom realsten des
Games, LL Cool J, hat HipHop sich die Kugel gegeben. Ein paar
kettenbehängte Weltenretter schunkeln sich durch ihre zwölf Takte gutes
Gewissen (5:50 – 6:30) und zeigen dabei so wenig Eier und Style, wie es
zuletzt der “Frontshouter” von Captain Jack getan hat. Alles in allem
armselig.
Und das Ganze hat weitreichende Konsequenzen. Radiohost und
Videoblogger Jay Smooth aus New York, bekannt für seine messerscharfen
Kommentare zu allem, was HipHop in der heutigen amerikanischen
Gesellschaft betrifft, stellt ebenso wie die weithin geschätzten
Kollegen von rappersiknow.com seinen Blog illdoctrine.com ein.
Die Begründungen zeugen von tief empfunder Scham für das dargebotene
Rumgehampel. Vielleicht geht es zu weit, alle am Song beteiligten
Künstler für immer zu boykottieren und den endgültigen Tod HipHops zu
postulieren, doch die Motivation der Jungs dazu ist verständlich.
HipHop wurde wieder einmal nicht ernst genommen. Seine
Ausdrucksweise ist einfach ein andere. Man kann die Kraft von Rapmusik
nicht einfach mal eben so billig verschnulzen, wie es hier der
Aufstockung der Promianzahl halber getan wurde. Das geht nicht. Die
Idee an sich ist schön blöde. Aber was noch viel weniger geht, ist, als
gestandener Rapper und auch HipHop-Leitbild bei so etwas mitzumachen.
Will.i.Am hatte man das noch zugetraut und Wyclef musste alleine aus
Haitiianischer Quotensicht schon dabei sein. Aber der Rest? Snoop,
Busta, Nipsey Hussle(!)? Was soll das? Die einzigen die halbwegs sie
selbst bleiben in diesem rhythmischen Armutszeugnis sind dann
tatsächlich Wyclef und Kanye West. Für alle anderen gilt: Maul halten!
Dabei liegt die Lösung des Problems in diesem an Features so reichen
Genre doch auf der Hand: das nächste Mal bitte ein eigenes “We Are The
World” auf den Weg bringen, im Extended Monster Remix, oder so.
Produziert wird das Ganze dann von Kanye West und Exile und das Video
kommt von Spike Lee.
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DJ Babu hat den Begriff Turntablism in den 90ern entscheidend
mitgeprägt und hält es mit seiner Crew Dilated Peoples schon seit fast
zwei Dekaden unten. Vor allem im Underground und in Europa konnte die
Gruppe sich einen Namen machen. Ihre Touren führen deshalb auch immer
wieder über den großen Teich. Beim 09er Gig in Berlin vertrat der
bescheidene und bodenständige DJ Babu seine beiden Band-Buddies Rakaa
Iriscience und Evidence vor der Presse und somit auch vor uns. Ein
äußerst sympathischer Gesprächspartner. Hier entlang...
Du kennst das. Die wöchentliche Cypher steht an, du denkst du bist gut vorbereitet und dann Blackout, keine Reime, keine Themen. Du musst das Mic leider weiterreichen. Doch sei nicht traurig, das Internet schafft Abhilfe und rettet deine Cypher. Mit RapScript.de hast du nie wieder einen (inspirativen) Hänger. In einem großen Fenster erscheint alle paar Sekunden ein neuer Begriff. Dieser Begriff stammt von irgendwo her aus dem Internet und folgt völlig zufällig auf den davor. Einfacher gehts nicht. Übrigens auch für Songschreiber ein eventuell nützliches Tool. Wer käme schon von allein auf “Holzlandbahn” oder “Pechofenmodell”? (thx to PhyrePhoX)
Achso, wenn ihr Lust habt, schaut doch mal auf unserer Mainpage www.GermanRhymes.de vorbei.
Sie sind nicht nur gute Freunde unseres Hauses, sie sind auch mit
das tighteste, was unsere Sprache jemals an Akrobaten zur Hand hatte.
Dazu staubige Beats aus Hinteralpistans VHS-Gruselkabinett und soviel
Fick auf deine Meinung wie man nur geben kann. Jetzt darfst du dich
aber zu Wort melden, besser gesagt zu Ton: Hiob & Dilemma rufen den
großen Macheten Remix-Contest aus. Für alle Freunde von Boom Bap und
Golden Era ist es jetzt an der Zeit ihre Festplatten nochmal nach dem
dreckigsten Sample und dem polternsten Drumloop zu durchsuchen. Der
beste Remix wird Mitte des Jahres im Rahmen der “Apokalypse Remix Ep”
auf Vinyl erscheinen! Der Einsendeschluß ist der 30. April 2010. Einen
Link von deinem Remix schickst du einfach an info@spokenview.com Hiob und/oder Dilemma via My Space:
Er ist mittlerweile weltberühmt und seit Kindertagen Schauspieler. Was
liegt da näher als sein Talent für Werbefilmchen zu verkaufen? Sprite
hat anscheinend die richtige Summe gezahlt und mit Drake einen, ich
würde sagen glaubwürdigen, kleinen Streifen fürs Fernsehpublikum
gedreht. Einfache, gute Idee und hervorragende Umsetzung ohne Bedienung
von Rapklischees. In Zeiten der Bagatellisierung HipHops als Kinderkram
durch die böse Erwachsenenwelt und die sowieso spießige
Medien-Mittelschicht, macht einen die selbstverständlich und völlig
natürliche Nutzung eines Rappers und seiner Musik im Werbefernsehen
schon wieder ein bißchen Stolz, irgendwie. In Deutschland steht so ein
Spot noch aus. Die Clips für McDonalds und kinder Maxi King laufen
dabei außer Konkurrenz.
Nein, wir stimmen nicht ein in den Abgesang auf die sterbenden Labels. Plattenfirmen (im engsten Sinne) kommen und gehen. Das Schöne an Indie-Labels ist doch die nicht totzukriegende jeweilige Ideologie hinter allen Releases. Auch Indie-Legende Def Jux, mit all seinen hochkarätigen Künstlern (Murs, Aesop Rock, Canibal Ox, RJD2 und Mr. Lif), hört nicht auf zu existieren, weil das Projekt Platten verkaufen mit Labelstempel darauf eingestellt wird. Alles was mit Def Jux zu tun hatte, besaß von sich aus schon immer einen künstlerischen Mehrwert und wurde unter dem Namen lediglich bestmöglich kultiviert. Deshalb kommt auch nur der Firmenstempel in einen Karton und dann auf den Dachboden, die Künstler werden uns aber weiterhin mit guter Musik versorgen. Versprochen. Aus aktuellem Anlass haben wir nochmal unser mittlerweile verdammt altes El-P-Interview rausgekramt, und zwar HIER...
Leider ist es noch nur ein Konzept, aber verflucht nochmal, was für
eins! Ein Plattenspieler für die Westentasche inkl. USB-Anschluss. Wir
sind durch unsere Kollegen von Gizmodo darauf aufmerksam geworden. Sie beschreiben die Funktionsweise folgendermaßen:
Der Balken hat insgesamt drei Teile. Man entnimmt den unteren Teil,
stellt ihn auf den Tisch und legt die Schallplatte darauf. Dann steckt
man den restlichen Balken mit dem einen Ende oben auf den Dorn, mit dem
anderen liegt er auf der Tischplatte auf. Von diesem Ende führt auch
die Kabelverbindung zum USB-Port. Von dem Hauptbalken wird dann
seitlich ein kleinerer Arm abgeklappt, der als Tonabnehmer dient. Wenn
man den Powerknopf drückt, beginnt die Platte sich zu drehen und der
Tonarm senkt sich direkt auf die Oberfläche.
Manchmal braucht es einfach keine Free-Mixtapes, Promi-Features,
Newsletter-Kaskaden oder sonstigen Promo- und PR-Schnulli. Manchmal
reicht eine gute erste Teaser-Video-Single, die sich von alleine um die
Welt bloggt. Verückte Charaktere, stylish auf Antiheld gebürstet,
hochqualitativ gedreht. Die Antwoord aus Südafrika. Es fängt einen
gleich ein. Erst findet man es lustig, dann merkt man, dass da
tatsächlich was geht. Und wesentlich mehr ist im ersten Moment auch
nicht rauszukriegen über die Band, außer dass sie die “next level
rap-rave krew” ist. Geht selbst mal ein bißchen auf die Suche. Hier könnt ihr das im Februar erscheinende Album vorhören und HIER gibts die Videosingle.
Mehr HipHop geht nicht! Um es kurz zu machen: Bobbito Garcia aus NYC
ist und war die Welt bereisender DJ, Writer, Rock Steady Breaker,
Harlem Streetball-Legende, geschätzer Sneakerfreak und -dokumentator,
wegweisender Radiomoderator in den 90ern, renommierter Basketball- und
HipHop-Redakteur, NBA-Fernsehmoderator und Videogamestimme in
Personalunion. Eine ausführliche Bio kann wahrscheinlich noch nicht
einmal Wikipedia liefern. (Kurzabriss: Videobiographie auf youtube)
Im Berliner Kickz-Store nahm sich Mango Tango aka Bag of Tricks aka
Soul Food Bob einen Augenblick Zeit für uns. Wir fühlten uns geehrt. Hier gehts zum Interview und hier das Teaser-Shoutout:
Deutschrap wird erwachsen. Kein "Scheiß drauf" mehr. Kein Anti. Nein: "Ankommen in der Gesellschaft" und "Verantwortung übernehmen", das sind die Slogans. Sido kennt jetzt alle Parteien und freut sich, dass ihn jemand beim Wählen filmt. Samy dagegen geht zwar nicht wählen, aber diskutiert live im Radio mit dem Kanzlerkandidaten Steinmeier über dessen Zurückhaltung bei Migrationsthemen. Doch diese beiden Vorzeiger-Deutschrapper sind nur die Spitze des Eisbergs. Es haben sich noch einige Rapper mehr zu diesem Thema Gedanken gemacht. Ein Überblick:
1. Geh nicht wählen
Den Anfang in diesem Sommer machte die "Geh nicht wählen"-Kampagne, unterstützt von Massiv, Joe Rilla und Tyron Berlin, die sich ein paar Tage später als "lustige Irreführung" und "gekonnter Marketinggag" entpuppen sollte. Aufmerksamkeit schaffen mit Promis, die ganz überraschend nicht wählen gehen wollen, nur um dann den "ich-geh-doch-Gag" zu zünden. Mal davon abgesehen, dass das Ganze sowieso nur eine dümmliche Kopie der US-amerikanischen "Don't Vote"-Kampagne war, war die Aktion einfach schwach.
2. Eko geht wählen
... und alle können mitkommen. Der Promovideo-erprobte Sabbelkasper Eko wirkt in diesem so schwergewichtigen Themenfeld der Stadtratswahl doch ein wenig unbedarft und unsicher. Hätte er seine Ansprache mal besser nicht zwischen wässrigem Eiscafé und Boston-Kippe in die wacklige Handkamera gefreestylt, sondern Tacheles geredet, warum man denn nun wählen gehen soll! Dann hätte dieses Video für mich auch nicht diesen schwefeligen Promobeigeschmack, der noch dadurch verstärkt wurde, dass zur Zeit der Veröffentlichung (des Youtube-Uploads) original jeden Tag irgendein One-Shot-In-Die-Cam-Gesabbel-Video des Eksters zum Anlass seiner JGWLMAA-EP veröffentlicht wurde. A day in the life of ... Und ich kann seine sonst recht sympathische Fresse nun echt nicht mehr sehen.
3. Blumentopf gehen wählen
Das ist Consciousness pur. Die Hater haten. Und die, die nicht haten, also das mittlerweile erwachsene Nicht-Mehr-HipHop-Publikum, weiß wieder, warum es damals Blumentopf gehört hat. Wer als Rapfan die WM-Raps verknusen konnte, der übersteht auch das hier. Typisch Holunder: Zeigefingerstyles, aber trotzdem irgendwie fresh. Zumindest glaubwürdig und unverkrampft. Mit diesen Attributen waren sie auf jeden Fall die ersten rappenden Wahlpromoter in diesem Jahr.
4. SPD: KANZLERSCHAFT – das geht ab
Mit dem Mut der versteinmeierten Verzweiflung hat die SPD mal etwas ganz Kurioses gewagt: Die sonst so bösen Pornorapper Frauenarzt und Manny Marc wurden von engagierten Wahlhelfern der Partei aus der Mitte gecovert. Der Sommerhit Nr. 1 "Das geht ab" wurde von sozialdemokratischen, rappenden Atzen direkt mal in einen gutgelaunten Wahlkampf-Song umgetextet und neu aufgenommen. Das ist der kreativste und mutigste Wahlkampf-Move bisher gewesen. Sowas kann imagemäßig ordentlich nach hinten los gehen, aber keiner hatte großartige Einwände zu diesem dreisten Schritt. Wirklich alle haben gestaunt. Leider wurde das Video aus Rechtsgründen mittlerweile aus dem Netz entfernt. Seinen Zweck, nämlich ordentlich Welle zu machen, hat es aber erfüllt. Big up.
5. Massiv trifft Cem Özdemir
Für Massiv eine Profilierungsversuch in einem alternativen, aber etablierten Gesellschaftskreis und für Grünen-Chef Cem Özdemir ein Imageverankerung in einer immer noch als jugendlich und rebellisch geltenden Subkultur. Leider arg substanzlos geraten. Die Paarung ist einfach zu ungleich. Cem Özdemir paroliert (ich meine es, wie ich es schreibe!) die naiv-dümmlichen Einwürfe Massivs sehr souverän und ergeht sich nebenbei noch ein wenig in HipHop-Zielgruppen-Schleimerei. Irgendwie traurig, dass bei dieser eigentlich sehr ambitioniert daherkommenden Idee absolut nichts rumgekommen ist. Wo bleiben die kritischen Fragen? Warum werden die Diskussionschancen nicht genutzt? Deshalb oben nur der Trailer.
6. Böse Zungen - Ich bin ein Pirat
Den direktesten Wahlaufruf unternehmen die Rapper der Gruppe Böse Zungen aus Darmstadt. Sie berappen das Wahlprogramm der umstrittenen Piratenpartei. Sie sehen sich selbst als Freibeuter in politischen Gewässern, und machen sich, wie ihre Partei, klar zum Ändern. Das ist wie bei derPorno-SPD ebenfalls sehr mutig. Nicht nur aufgrund des Open Source-Ansatzes der Partei, der im Endeffekt auch kulturelle Güter wie ihre Musik mit einschließt, sondern auch, weil es grundsätzlich mutig ist, in der Öffentlichkeit so offensiv Stellung zu beziehen. Leider ist die Umsetzung derbe schwach. Kickt gar nicht. Zu bemüht, zu wenig Talent, zu viel Pathos.
Fazit
Keiner kann euch befehlen, wählen zu gehen. Tut es oder lasst es, das ist allein eure Sache. Die Aufrufe der deutschen Rapper in diese Richtung sind leider alle ziemlich vorhersehbar geraten. Und sollten sie nicht inhaltlich schwächeln, dann tun sie es in der Umsetzung, oft jedoch beides. Erst dort, wo von außen auf HipHop zugegriffen wird und sich schamlos bedient wird an unserer geliebten und atzigen Subkultur, da wird es spannend. (Ich erspare mir jetzt eine weitreichende und kritische Analyse dieser Symptomatik.) In vier Jahren erwarte ich einfach ein bißchen mehr (wenn man sich die Wahl schon zum Thema machen muss...).
Wer gerne wählen gehen möchte, aber noch nicht weiß, welchen Direktkandidaten oder welche Partei, der sei diskret auf Google und/oder den Wahl-o-maten verwiesen.
Theatralische Headline, ich weiß. Muss aber so. Ich lasse nämlich "Blueprint 3" und "Man on the Moon: The End of Day" gegeneinander antreten. Der Veteran gegen den Jüngling. Die Legende gegen das Two-Hit-Wonder. Hype gegen Hype. Welche Aufregung ist gerechtfertigt und welche nicht?
Blueprint 3
mäß für etwas, dass etwas Einzigartiges darstellt, dass in der Folge dann immer wieder kopiert wird. Das war bei "Blueprint 1" definitiv der Fall. Bei "Blueprint 2" zum Großteil immer noch. Die Hitdichten bleiben bis heute unerreicht. Also muss die dritte Ausgabe sich daran messen lassen, an den Hits. "Death of Autotune" ist jedem ein Begriff und wird noch ein Weilchen Bestand haben als Postulat gegen Rapper, die singen wollen, es aber nicht können. "Run This Town" ist unterlegt mit einem Schweineteil von Beat und die verrinnenden Wochen haben gezeigt, dass man sich sogar an Rihanna gewöhnen kann. Bleibt noch "Off That" feat. Drake, der trotz seiner für Hova ungewohnten Geschwindigkeit im Vorfeld relativ unbeachtet blieb. Soweit zu dem, was man schon kannte. Roundabout ein ganzer und zwei halbe Hits.
Schauen wir mal, was das Album außerdem noch zu bieten hat. In allererster Linie natürlich Jigga. Also inhaltlich. Er ist King. Selbstverständlich. Er war es auch schon immer und in Zukunft ..., na ihr dürft mal raten. Dazwischen findet man die eine oder andere emotional(?)-privat(?)-persönliche Würzung der Selbstbeweihräucherung, soweit man das bei Jay-Z zwischen den Zeilen rauslesen kann. Auf der Suche nach Hits im eigentlichen Sinne geht man auf diesem thematischen Sektor leider leer aus. Überdurchsnittliches Mittelmaß ist das Maximum, aber einen guten Durchschnitt kann noch jeder Song des Albums halten.
Also, keine Totalausfälle zu melden auf der dritten Blaupause, was schon mal mehr ist als das, was Eminem dieses Jahr vorgelegt hat. Im Qualitätsvergleich hält sich das Album so ziemlich die Waage mit "Blackout 2" von Meth & Red, was ich ohne Einschränkungen als Erfolg verbuche.
Was jetzt schon klang wie ein Fazit ist jedoch lediglich ein Aufwärmen für ein Lob, das selbst die beiden Kifferköpfe mit dem Wu auf dem Sweater dieses Jahr noch nicht von mir bekommen haben. Der ungekrönte König von New York hat sich nämlich an eine neue Hymne für den Big Apple gemacht. Und besser hätte sie ihm nicht gelingen können. Ein Song für die Ewigkeit. Klassische hüpfende Drums, hüpfendes Klavier, Jay-Zs Bildhaftigkeit und ein Gänsehautgesang von Alicia Keys in ihrer besten Form: "these streets will make you feel brand new, these lights will inspire you". Schon mal dagewesen? Kein weiterer Kommentar.
Man on the Moon: The End of Day
Tag und Nacht habe ich Kid Cudi in den letzten sechs Monaten gehört. Immer und und immer wieder. Immer die gleichen sieben bis zehn Songs. Ein Best Of der Vorab-Mixtapes. Und soll ich es Zufall oder Geschmackssicherheit nennen, dass alle Songs aus Kid Cudis Debütalbum, die vorher schon bekannt waren, in dieser Playlist auftauchen?
Genug des Selbstlobes. Die Laudatio gehört dem Man auf dem Mond, dem Geschichtenerzähler, dem Sänger-Rapper, dem Wunderkind: Kid Cudi.
Acht von 15 Songs des Albums kennen und feiern wir (darf ich euch einschließen?) also schon. Grandioser, emotionaler, in sich ruhender, minimalmelodischer Pop mit Wurzeln im Rap. Das ist die Ausgangslage und mir scheint, dass HipHop, inkl. Hörerschaft, bereit ist, den Schritt in Richtung dieses Sounds zu gehen. Zumindest hat sich niemand beschwert in den letzten Monaten. Oder?
Und zu meinem und euer aller Glück können die restlichen sieben Songs, die das Album komplett machen, den vorgelegten Standard in jeglicher Hinsicht halten. So bekommt man auf Albumlänge in fünf Akten à drei Titeln eine liebenswerte wie lehrreiche Geschichte von einem "Außerirdischen" erzählt, in unaufdringlichen, unkomplizierten, eingängigen und treffenden Melodien, die so natürlich klingen wie sie ehrlich und einfach performt sind.
Der musikalische Spannungsbogen entspricht dem der Handlung. Mal schnell, mal langsam, mal fröhlich, mal depressiv. Mal hat die Figur des Mondmannes viel zu sagen, dann rappt Cudi, mal wenig, dann säuselt und singt er.
Um es abzukürzen. Das Konzept, die Musik, die Performance und das Gefühl reichen sich hier auf höchstem Niveau die Hände. Für ein Debütalbum ist "Man on the Moon" wirklich beeindruckend: in seiner Poppigkeit in keinem Moment anbiedernd, in seiner thematischen Schwere leicht performt und in seiner Leichtigkeit mit unendlich Gefühl präsentiert. Kein Plastik, kein Rap, einfach nur guter Pop. Ein Album, das notwendig war und weltweit und genreübergreifend wahrgenommen werden wird. Ein Album, dessen Zeit reif ist. Ein Album, dass den Zeitgeist trifft. Ein Album, dass seiner Zeit voraus ist.
Bonus-Schmankerl: Day & Night (Crooker Remix) - bisher unveröffentlicht.
versus
And the Winner is: Kid Cudi. Die Begründung für den Sieger des direkten Vergleichs zweier Alben, die man eigentlich überhaupt nicht miteinander vergleichen kann, ist trotzdem einfach. Während Jay-Z zwar keinerlei Totalausfälle zu verzeichnen hat, was mehr ist als alle seiner Kollegen in diesem Jahr zu leisten in der Lage waren, hat Kid Cudi ein Album mit 80 Prozent Ohrwürmern vorgelegt. Punkt. Einwände? Abgelehnt!
Gehört vielleicht nicht hierher, aber Jigga ist ein lustiger Vogel. Hier ist er bei David Letterman zu Gast: