
In Haiti ist viel kaputt gegangen und es wird viel Hilfe benötigt. Keine Frage. Eine Neuauflage von Michael Jacksons, Quincy Jones und Lionel Richies “We Are The World” war da nur eine Frage der Zeit. Und wie jedes Mal bei diesem Song, kommen dutzende hochtalentierte Sänger zusammen und schmettern sich eine schmissige Nummer zurecht. Nur leider gibt es da immer auch ein paar Rapper, die unbedingt Promo helfen wollen. Dieses Mal ist das jedoch mächtig in die Baggy-Pants gegangen. Augenscheinlich unter der Federführung vom realsten des Games, LL Cool J, hat HipHop sich die Kugel gegeben. Ein paar kettenbehängte Weltenretter schunkeln sich durch ihre zwölf Takte gutes Gewissen (5:50 – 6:30) und zeigen dabei so wenig Eier und Style, wie es zuletzt der “Frontshouter” von Captain Jack getan hat. Alles in allem armselig.
Und das Ganze hat weitreichende Konsequenzen. Radiohost und Videoblogger Jay Smooth aus New York, bekannt für seine messerscharfen Kommentare zu allem, was HipHop in der heutigen amerikanischen Gesellschaft betrifft, stellt ebenso wie die weithin geschätzten Kollegen von rappersiknow.com seinen Blog illdoctrine.com ein. Die Begründungen zeugen von tief empfunder Scham für das dargebotene Rumgehampel. Vielleicht geht es zu weit, alle am Song beteiligten Künstler für immer zu boykottieren und den endgültigen Tod HipHops zu postulieren, doch die Motivation der Jungs dazu ist verständlich.
HipHop wurde wieder einmal nicht ernst genommen. Seine Ausdrucksweise ist einfach ein andere. Man kann die Kraft von Rapmusik nicht einfach mal eben so billig verschnulzen, wie es hier der Aufstockung der Promianzahl halber getan wurde. Das geht nicht. Die Idee an sich ist schön blöde. Aber was noch viel weniger geht, ist, als gestandener Rapper und auch HipHop-Leitbild bei so etwas mitzumachen. Will.i.Am hatte man das noch zugetraut und Wyclef musste alleine aus Haitiianischer Quotensicht schon dabei sein. Aber der Rest? Snoop, Busta, Nipsey Hussle(!)? Was soll das? Die einzigen die halbwegs sie selbst bleiben in diesem rhythmischen Armutszeugnis sind dann tatsächlich Wyclef und Kanye West. Für alle anderen gilt: Maul halten!
Dabei liegt die Lösung des Problems in diesem an Features so reichen Genre doch auf der Hand: das nächste Mal bitte ein eigenes “We Are The World” auf den Weg bringen, im Extended Monster Remix, oder so. Produziert wird das Ganze dann von Kanye West und Exile und das Video kommt von Spike Lee.
Bei Gefallen des Artikels schaut doch auch mal auf unserer Mainpage www.GermanRhymes.de vorbei.
guter artikel!