
Die Bananaboys, Wissy und KaiTakeCare, aus Plauen und Leipzig, zusammen
60 Jahre alt, veröffentlichten letzte Woche ihr Debütalbum. Ihre Farbe:
Gelb. Ihre Attitüde: Hoffnung. Ihr Motto: Bananen für alle.
Im vierstündigen Gespräch über den Osten, die Wiedervereinigung,
die HipHop-Geschichte und die deutsche Geschichte an sich, wird eines
klar: Rap aus dem Osten und Ostrap sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Links:
Wissy Myspace
KaiTakeCare Myspace
NewDef HomepageInterview Teil 1:
Gleich zu Beginn: Warum ist das Ost-Thema auf eurem Album so präsent?
KTC: Das hat uns immer schon bewegt. Ich hab damals schon zu
Dilemma gesagt,
dass irgendwann mal einer kommt und das Thema auf den Tisch legt, und
dass das dann auch Hand und Fuß hat. Das war noch vor
Joe Rilla. Und dann habe ich
Rilla kennengelernt und das Cover für ihn fotografiert. Wir haben uns in Berlin getroffen,
Dilemma war auch mit, und er hat uns die ganze Zeit erzählt, was ich selber schon immer vor hatte. Das war eine krasse Situation.
Wissy: Wir wollten uns das Ost-Schubladenbild mal
vornehmen. Der Osten ist unterrepräsentiert und wird von den Medien
schlecht bewertet. Wir haben schon immer gedacht, dass wir das auch auf
eine coole Art thematisieren können. Wir wollten Rap aus dem Osten
machen und zu unserer Herkunft stehen. Wir wollen uns nicht verleugnen,
aber damit auch in den Westen gehen können, ohne zu fronten. Wenn die
Ost-Schminke zu dick aufgetragen wird, wirkt das einfach nicht gut. Das
mussten wir aber auch erst lernen. Unsere ersten Tracks besaßen auch
noch eine Menge Pathos.
Welche Relevanz hat es, 20 Jahre nach dem Mauerfall noch über die Wende zu sprechen?
Wissy: Man
sieht das jeden Tag auf der Straße, man sieht das in Politsatiren oder
wo auch immer. Wenn man Sprüche hört wie: „In Bottrop siehts Scheiße
aus, weil immer nur Geld in den Osten gesteckt wird“, oder wenn die
Leute immer noch vorrechnen, dass jeder Westdeutsche 80.000 – 90.000
Euro für Ostdeutschland bezahlt hat, dann begründet sich die Relevanz
mit der Aktualität des Themas. Die Mauer in den Köpfen ist immer noch
vorhanden. Dabei kann keiner was für die Politik, die von einer kleinen
Elite gemacht wurde, weder der Ostdeutsche, noch der Westdeutsche. Wir
waren damals alle mit dabei auf den Straßen und haben demonstriert! Das
ist ein wahnsinnig historisches Ereignis und es ist schade, dass es
heute so bagatellisiert wird und jeder Möchtergern-Komiker seine Witze
drüber macht. Der Osten wird oft noch als der Buhmann für alle
gesamtdeutschen Probleme hingestellt: Arbeitslosigkeit, Nazis,
schlechte Einstellung, Faulheit, schlechte Aussprache. Eine wirkliche
Integration hat bis heute nicht stattgefunden. Die Wiedervereinigung
war lediglich eine Angliederung.
Funktioniert eure Musik ein Stück weit auch in Abgrenzung zu dem, was es vorher an Ostrap gegeben hat?
Wissy:
Nein, nicht vorrangig. Man kann im Grunde auch nichts Negatives über
das sagen, was da bisher erschienen ist. Es ist wichtig, dass Leute wie
Joe Rilla und
Dissziplin ihr Ding
durchziehen, alleine schon um in den Kreisen, in denen sie wahrgenommen
werden, eine Sensibilität für das Thema zu schaffen. Und ohne das
werten zu wollen, wollten wir einfach nicht das machen, was andere vor
uns schon gemacht haben. Wir sind das Thema einfach von unserer
Sichtweise aus angegangen, haben aber natürlich auch auf den Erfolgen,
Kritiken und Misserfolgen unserer Vorgänger aufgebaut.
KTC: Also der bisherige „Ost-Rap“ spricht uns
natürlich schon an, wir sind ja Ostdeutsche. Aber wir sind eben auch
noch viel mehr. Die Identität ist ja mehr als nur die Herkunft. Dazu
gehören Hobbys, Erziehung, Freunde, Erfahrungen, uvm. Wenn uns also
jemand fragt, ob wir den Osten representen, dann sagen wir: Nein, wir
representen uns, aber damit eben auch den Osten, der natürlich ein Teil
von uns ist.
Wissy: Wenn ich darüber rappe, dass ich mit meiner Mom
im Auto richtig Ungarn sitze, weil wir ausreisen wollten, kann keiner
auch nur irgendwas dagegen sagen. Das ist authentisch, das bin ich. Das
Schwierige an diesem Thema ist eben, dass es so viel größer ist als
HipHop und auch erst ein Bewusstsein dafür entstehen muss.
Eure Herangehensweise an das Thema bestand somit aus einem Freimachen von Konventionen, einer gewissen Unaufdringlichkeit, oder?
Wissy:
Ja, und das symbolisiert auch der Albumtitel „Die Farbe Gelb“. Er steht
natürlich für die Sonne, die Hoffnung und Leichtigkeit des Seins. Wir
haben die Fesseln ja während des gesamten Arbeitsprozesses gespürt. Und
durch die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema wollten wir die
Hürden für uns persönlich auch loswerden. Wir wollten uns menschlich
weiterentwickeln. Der graue Alltag, die Fesseln der Mentalität, das
alles haben wir letztendlich wirklich auf eine lockere Art gelöst,
obwohl wir das während des Prozesses selbst gar nicht so gemerkt haben.
HIER gehts zum 2. Teil.