Der junge Bielefelder Phil 62 präsentiert uns sein Erstlingswerk „Dein Blaues Wunder“. Musikalisch wird der Ostwestfale von seinem „Ducktapes“ Camp durch MarDe, Perlitz und Blickfunk sowie SimonSays (Statement Crew) unterstützt. „Das als Querschnitt durch sein Leben zu verstehende Album ist eine Mischung aus Selbstironie und Selbstkritik, Sorglosigkeit und Sehnsucht“. Klingt interesssant, doch in der Vergangenheit haben sich Rapper schon oft bei der Wahl ihres Albumtitels überschätzt. Ob die Hörer bei Phils Platte wirklich ihr blaues Wunder erleben werden verraten die folgenden Zeilen.
Schon beim Intro kommt die Vermutung auf, das sich Phil hier wohl doch nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Der Beat kommt kraftvoll daher und Zeilen wie: „Rap hat kein Wortwitz denn er ist geistig erschüttert, da muss ich wohl nach dem Rechten sehn wie Leipziger Mütter“, machen Lust auf mehr. Auch auf den nächsten Tracks lässt Phil immer wieder diese Genialität aufblitzten. Wer hier nach einfach gestrickten Battlesrhimes sucht, der sucht vergebens.
Stiltechnisch wechselt er dabei häufig das Tempo und schafft es trotzdem immer on Point zu bleiben. So machenPhils Kreativität und die eingebauten Gimmicks die Platte zu einer echten Erlebnistour.Auf Schitzophren bekommt sogar der Beat diesen Stilwechsel zu spüren. Das Interessante dabei ist, dass das Phils Wiedererkennungswert überhaupt nicht schmälert, denn genau dieser Stilwechsel macht ihn aus.Beattechnisch wird auf der Platte ebenfalls ein abwechslungsreiches Feuerwerk geboten, so sollte für jeden etwas dabei sein. Wie Z.B ein Clubtrack, den ich hier weniger erwartet hätte, der aber wunderbar zum Rest des Albums passt.Auch auf den langsameren Tracks schafft Phil es, eine Atmosphäre aufzubauen. Die Inhalte wirken ehrlich und lassen mitfühlen.
Doch leider hat auch diese Platte ihre kleinen Schattenseiten. Zum Ende hin scheinen sich Konzepte zu wiederholen und Phil 62 rappt auch nicht mehr ganz so souverän wie am Anfang. Hier wär weniger wahrscheinlich mehr gewesen. Trotzdem ist die Platte durchaus gelungen und wem der ein oder andere Track nicht gefällt, dem bleiben immerhin noch massig andere zur Auswahl.
Fazit: Dein Blaues Wunder ist wirklich ein kleines geworden, denn Abwechslungsreicher hätte diese Platte sicher nicht werden können. Ein echter Geheimtipp für diejenigen die inhaltslosen Rap satt haben.
„Aus dem Schatten“ kommen Holg und DJ Phox und auch dort halten sie sich bedeckt, wenn man auf der MySpace-Seite etwas über die beiden erfahren möchte."Scheiß auf Biografie, hör die Musik und bild` dir deine Meinung" heißt es da. Nichts leichter als das denkt man sich, doch so einfach ist das Ganze dann am Ende leider doch nicht.
Auf dem ersten und gleichnamigen Track „Aus dem Schatten“ erwartet uns laut Holg „Endlich wieder Classic unter tausend Platten“. Und tatsächlich, Holg und DJ Phox verstehen es durch Beats und Scratches ein echtes Classic-Feelling aufkommen zu lassen. Der Wechsel zwischen den mal souligen, mal härteren Beats gepaart mit Turntaleism und Beatboxtracks, erinnern einen an die gute alte Hip Hop Zeit, in der noch alle Elemente ihren gleichberechtigten Platz fanden.
Doch ADS hält noch weitere Überraschungen bereit. Eine davon ist, neben den erstaunlich guten Features, der Sprachwechsel von Rapper Holg. Auf First Lady rappt dieser z.B auf Englisch, was mich allerdings wenig überzeugen kann. Auch sein Ausflug ins französische auf „Le Response“ hinterlässt eher einen bitteren Nachgeschmack.
Aber diese kleinen Fehltritte schaden der Platte recht wenig. Dafür tun das die teilweise uninteressanten Themen und der langweilende Reimstil. Auch wenn das Inhaltlich der letzte Track „Traum“ wieder gut macht, mindert das leider die Qualität des Albums und der gutgemeinte Classicansatz wird getrübt.
Fazit: Aus dem Schatten findet sicher seinen Platz bei Fans von Stieber Twins, DCS oder STF. Legt Rapper Holg nochmal an Raptechnik und Wortwitz drauf, schaffen es die Beiden vielleicht sogar sich dort einzureihen. Bis dahin bleibt es aber bei einem mittelmässigem Album.
Warnung: „Die Musik auf dieser CD basiert rein auf fiktiven Szenarien und Taten. Sie befasst sich mit den Abgründen der menschlichen Seele. Weder spiegelt die Musik Wünsche des Künstlers wieder noch sollte sie zu ernst genommen werden.Künstlerstyle!“
Ein „Parental Advisory — Explicit Lyrics“ scheint wohl in Zeiten des Amoklaufs nicht mehr auszureichen, denn das sind die Worte die man zu lesen bekommt, wenn man Crystal F´s „Kunst des Todes“ aus der Hülle herausnimmt.
Sofort kommen mir Namen wie MC Basstard, Necro oder die Gravediggaz in den Sinn. Ist Crystal F ein weitererwürdiger Vertreter dieses Horrorcore-Rap Genres?
Leider Nein. Schon bei durchhören des ersten Tracks „Kunst des Todes“ folgt die Ernüchterung. Crystal F versteht es blendend die Reime so zu verpacken, dass sogar ein „Hab mehr Leichen im Keller, als Gehirnzellen die absterben“ so harmlos klingt wie Celin Dion`s „My Heart will go on“.
Die weinerliche Rapweise, die stark an den jungen Eko Fresh erinnert und die zusammenhangslosen Texte, lassen gar nicht erst so etwas wie ein Horrorcore-Rap Feeling aufkommen. Auch die Rettung zum nächsten Track „Das Böse in Mir“ verschafft da wenig Abhilfe. Dieser klingt nämlich nahezu genau wie sein Vorgänger. Und so zieht sich dieser katastrophale Faden durch das gesamte Album. Lediglich Beats und Features geben dem Ganzen eine andere Farbe.
Naja, ein wenig Horrocore lässt sich dann am Ende aber doch noch finden. Melancholisch schöne Beats wie bei „Ein Trip ans Wasserloch“ oder „Gotteswahn“ werden vollständig verstümmelt.
Fazit:Crystal F Kunst des Todes ist ein 18 Track starkes Werk, welches aber leider an allen Ecken schwächelt. Der unangenehme Rapstil und die sinnfreien Texte bereiten wohl nur eingefleischten Fans dieses Genres keine Schmerzen.