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Deutschrap-Charts

17.04.2010 - F.R. - Wer bist du? (Review)

Geschrieben in
Im zarten Alter von 20 Jahren blickt Fabian Römer - szeneintern auch bekannt als F.R. - bereits auf drei Soloalben, zahlreiche umjubelte Liveauftritte und nicht zuletzt eine erfolgreiche Schullaufbahn zurück. Nicht wenige HipHop-Köpfe wuchsen mit der Musik des Braunschweiger Pastorensohns auf und konnten dabei dessen Reifung vom hungrigen 11-jährigen Nachwuchstalent zum gereiften MC hautnah miterleben. Auch mit seinem mittlerweile vierten Studioalbum lädt F.R. die geneigte Hörerin / den geneigten Hörer dazu ein, für knapp eine Stunde an seinen Gedanken ("Prioritäten") teilzuhaben. Diese alternieren zwischen Retrospektive, Selbstreflexion, genreüblicher Selbsterhöhung und der schwierigen persönlichen Neuorientierung nach dem erfolgreichen Schulabschluss.

Für die musikalische Betreuung des Tonträgers zeichnen mit einer Ausnahme ("Ellenbogen raus", DJ Farhot) die Beatgees verantwortlich. Erfrischend unbeeindruckt von gängigen Deutschraptrends hin zur Elektrizität kreieren diese ein kohärentes Soundbild, welches mit Wiedererkennungswert eigenständig um die Ecke biegt und nicht selten auf eine Instrumentierung mit Piano, Gitarre und Streichern zurückgreift. Überaus melodisch bilden diese Produktionen eine ideale Grundlage für die überwiegend inhaltsschweren Ausführungen F.R.s. Natürlich kommt dabei die obligatorische Orientierungsphase nach dem Abitur nicht zu kurz und wird in "Irgendwann" mit Zeilen wie "Denn es gibt einen Punkt, der jeden berührt / das ist die Frage wohin all unsre Wege mal führen / fast jeder hat 'ne Ahnung - doch irgendwie auch nicht / es gibt viel zu reden, wann auch immer man sich wiedertrifft." treffend auf den Punkt gebracht und auch im Titeltitel abstrakter thematisiert.

Wer in „Wer bist du?“ nun jedoch einen ausschweifende Selbstfindungsexzess vermutet, der sieht sich bei der Betrachtung des Albums als Gesamtwerk auf dem Holzweg. So kennt der junge F.R. durchaus seinen Status im Spiel und hält damit genretypisch natürlich nicht hinter dem Berg. Nummern wie „Son of a preacherman“ („Der alte Newcomer! Das ewige Talent! / Doch er füllt dieser Szene ihre innere Leere / sein Style komme, sein Wille geschehe!“), „Gib es her“ („Bei all dem Presserummel fühle ich nichts / und ich bin nicht anti-alles, ich befürworte mich!“), „FRrRrRrRrRrRrR“ (“Meine Texte sind komplex! Deine sind komplexbeladen!“) und „Exzess all areas“ („A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, Q, R, S, T, U, V, W, X, Y, Z“) strotzen nur so vor Selbstbewusstsein und verweisen die fiktive Konkurrenz und Jimi Blue auf sportlicher Ebene (wir erinnern uns: „Rap ist Sport“) gekonnt in die Schranken.

Wie bereits auf früheren Veröffentlichungen F.R.s üblich, widmet sich der MC auch auf „Wer bist du?“ alltäglichen Themen, in denen sich der durchschnittliche Bürger ohne (virtuellen) Gangbanger-Hintergrund finden kann. Sei es das Hadern mit dem eigenen Perfektionismus („Mach dir nichts vor“), die humorvolle Auseinandersetzung mit dem allgegenwärtigen Egoismus („Ellenbogen raus“), die Fokussierung auf die kleinen Dinge des Lebens („Dafür lebe ich“) oder der melancholische Rückblick auf diverse Premieren („Lass mich nochmal“) - stets weiß der Protagonist mit seinen klaren Ausführungen zu fesseln und vermag somit die 15 Anspielstationen ganz ohne Gastbeiträge im Alleingang zu tragen. Eine stramme Leistung!

Abseits der musikalischen Begleitung und inhaltlicher Schwerpunkte philosophiert der durchschnittliche HipHop-Kopf nur allzu gerne über Konstrukte wie Flow und Technik. Diesbezüglich kann dem Protagonisten meiner Meinung nach - ungeachtet etwaiger stimmlicher Präferenzen – grandiose Arbeit attestiert werden. So reitet der 20-jährige F.R. über die maßgeschneiderten Beatgees-Produktionen wie ein junger Ludger Beerbaum und lässt damit den hasserfüllten Neider schamvoll verstummen, während er sich ohne Umwege in die erste Deutschrap-Liga katapultiert.

In der Gesamtschau gelang F.R. mit „Wer bist du?“ ein rundes Album, welches einerseits durch eine bürgerlich nachvollziehbare Themenwahl und andererseits durch technische Perfektion sowohl den genrefremden Musikfan mit bürgerlichem Hintergrund, als auch den aufgeschlossenen HipHop-Kopf mit technischem Anspruch gleichermaßen begeistern kann. Auf keinen Fall sollten Sie dieses Album am 14.05.2010 in den Regalen des Plattenhändlers Ihres Vertrauens stehen lassen.

Wertung: 5,5/6

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Kommentieren Sie diesen Beitrag!

17.04.2010 - WILL HABEN JETZT!

Geschrieben von Anonymous
F.R. wird das Album des jahres! Period!
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18.04.2010 - bäh

Geschrieben von Anonymous
fr hat die ekligste stimme deutschlands. mehr als eine minute ist nicht drin.wirklich
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18.04.2010 - Kommentar ohne Titel

Geschrieben von Anonymous
Sehr gute Preview. Freu mich schon auf das Album. F.R. ist super!!!
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