Die Orsons werden mal wieder angefeindet und wieder ist ihr Song Horst & Monika „schuld”. Nein, ich möchte von vornherein klar stellen: Der Track ist nicht schuld daran, dass es Menschen gibt, die ihn missverstehen (wollen?)!
Was war passiert? Die Emanzipatorische Antifa Münster hat am Wochenende mal so richtig demonstriert. Gegen eine Band, die anscheinend menschenverachtend ist: Die Orsons. Jede_r, der_die die Band kennt und sich eingehend mit den Texten und der Musik beschäftigt hat, reibt sich jetzt verwundert die Augen und erinnert sich dann ggf. doch an die Diskussion um den o. g. Track. Aber wurde damals nicht alles klar gestellt? Nicht für die sich beratungsresistent zeigende Emanzipatorische Antifa Münster. Und was macht man, wenn man Propaganda betreiben will? Man bedient sich einfach mal unsauberer Mittel, um seine eigene Meinung durchzuboxen. In dem Fall hat die EAM noch ein wenig am linksradikalen Baum gerüttelt und was fällt da als erstes runter, wenn man mal so richtig Empörung schaffen will? Klar: der von uns allen, guten Linken verachtete Antisemitismus. Liebe Fans von Die Orsons, ihr lest richtig, man wirft der Gruppe um Kaas, Tua, Plan B und Maeckes nicht nur vor, menschenverachtend in Hinblick auf Transgender zu sein. Die Orsons sollen antisemitisch, sexistisch und gewaltverherrlichend sein. Bezug nimmt man hierbei auf Textzeilen aus einem satirischen Song (Beatles Piraten – http://www.youtube.com/watch?v=Np5wNuC1QgY). Chapeau, so viel verblendeten Hass habe ich der EAM nicht zugetraut! Um es mal klar zu formulieren: ihr zieht Kunst aus dem Kontext, um Hass zu säen! So empfinde ich das – das ist meine Meinung, die ich genau so kundtun möchte, wie ihr es getan habt.
Die Orsons feiern in dem Track Horst und Monika eine Toleranzikone, die es von menschenverachtender Ideologie zu einem weltoffenen Bild geschafft hat. Eure Behauptung, die Band hätte da eine beinahe geheim anmutende Geschichte publik gemacht, ist schlicht und einfach eine propagandistische Lüge. Die Bandmitglieder sind durch Medienberichterstattung auf das Thema aufmerksam geworden. Diese Berichterstattung gab es, weil die betreffende Person durch eine Kandidatur um ein politisches Amt öffentlich auftrat. Damit begibt sich die Dame freiwillig in den öffentlichen Raum. Warum tut ihr so, als hätten Die Orsons hier eine Person bloßgestellt? Warum gefällt man sich so in der Opferrolle? Sind wir hier alle die Intoleranten, weil wir den Weg von Monika in der Öffentlichkeit diskutieren können, ohne dabei Kategorien zu bedienen? Ich empfinde euer Verhalten als extrem intolerant gegenüber Toleranten!
Ich bekomme den Eindruck nicht raus, dass ihr euch in bester „erst-empören-dann-wirklich-damit-beschäftigen”-Manier dachtet: ‚Iiih, Rap – das ist diese chauvinistische Männerdomäne, wo Frauen und eigentlich alle, die keine harten Männer sind, beleidigt werden’. Dann habt ihr wahrscheinlich ein paar passende Textzeilen von Die Orsons gesucht. Damit bastelt ihr dann Flyer und verunglimpft eine Band, die wie kaum eine anderen in Rap-Deutschland für Toleranz und Liebe steht! Ich empfinde das als extrem intolerant!
Zu guter Letzt möchte ich mal darauf hinweisen, dass von einer Bühne sehr wohl aus unterschieden werden kann, wer einem ernsthaft den Mittelfinger entgegen streckt. Eure Fotos zeigen 3-5 Leute. Leute, die ein friedliches Konzert mit friedlichen Botschaften stören wollen, weil sie sich nicht informiert haben und das nachlabern, was wahrscheinlich wenige Personen vorgegaukelt haben.
Die Background-Sängerin der Band äußerte sich in einem Kommentar bei einer Diskussion auf Facebook, auf der Pinnwand des geschätzten Kollegen Selcuk Erdogan:
“Es war wunderbar auf der Buehne an dem Abend. Wir hatten die Party unseres (politisch korrekten) Lebens. Der Artikel ist komplett erfunden. Nichts davon ist so passiert. Wir wurden aufs Tiefste beleidigt, provoziert und haben trotzdem noch die Orsons-Fans dazu aufgerufen, keinen Stress in unserem Namen anzufangen. (…)”
Ich appelliere an euren Verstand – nutzt ihn und bildet euch eure eigene Meinung. Hättet ihr die besagten Tracks vorurteilsfrei gehört, hättet ihr die eindeutigen Botschaften verstehen können, wenn nicht sogar müssen, sofern der Intellekt ein Individuum dazu ermächtigt. Dass ihr die Fakten meiner Meinung nach missversteht, würde ich nicht zwangsläufig auf sowas wie Dummheit zurückführen. Sicher ist es schwer, in seinem Leben wegen der eigenen Lebensweise angefeindet zu werden. Das hat niemand verdient und führt bestimmt zu einem gesteigerten Empfinden von Angriffen – manchmal auch da, wo es gar keine gibt. Die Orsons haben eure blinde Wut aber auch nicht verdient – die sind auf eurer Seite und haben mit dem Track Horst und Monika vielleicht mehr angestoßen, als es überzogene Regulierungswut von Haupt- und Nebenwörtern bewirkt haben. Zumindest haben sie für eine Diskussion, vorurteilsfrei und ohne Hass innerhalb einer Jugendkultur gesorgt. Einer Jugendkultur, der ihr offensichtlich extrem vorurteilbehaftet gegenüber steht.




