Heute ist jemand ganz besonderes zu Gast bei Kopfmusik: Puerto Nico. Über ihn habe ich bereits vor einigen Tagen berichtet. Anlässlich seines Solo-Albums "Die tollen Abenteuer von Puerto Nico", habe ich mit ihm vor einiger Zeit ein Interview geführt. Dabei hat er mir ein paar spannende Geschichten erzählt. Zum Beispiel wie ihn Thees Uhlmann eines Abends angerufen hat, um ihm zu sagen wie toll er die seine Musik findet. Aber lest besser selbst...
KM: Hi Nico. Für die Leute die dich nicht kennen - stell dich doch bitte kurz vor.
Nico: Ich bin Puerto Nico, 24 Jahre alt, komme aus Geltendorf bei München, und rappe seit 2003. Die letzten Jahre habe ich vor allem mit meiner Crew „Bummvoll Brothers“ Musik gemacht, und jetzt bin ich solo unterwegs. Nachzuhören auf meinem aktuellen Album „Die tollen Abenteuer von Puerto Nico“!
KM: Im Rahmen des Montagsdemos im Zündfunk von BR2 hast du viel Lob bekommen. Thees Uhlmann bezeichnete dich sogar als „deutschen De La Soul“. Was sagst du dazu?
Nico: Das ist einfach nur krass. Er und der Moderator vom "Montagsdemo" haben mich schon vor ein paar Wochen abends aufm Handy angerufen, um mir in den Hörer zu brüllen wie gut sie mein Lied finden. Ich war grade in einer Bar, und hab durch den Lärm erstmal gedacht, jemand will mich verarschen. Danach bin ich durchgedreht. Ich mag Thees' Band Tomte richtig gern, und sein Album hab ich seit Sommer auch krass oft gehört, und dann kommt sowas. Das Lob von Sandra Kinzelmann von Sony/ Four Music, Josef Winkler vom Musikexpress und Achim Bogdahn vom BR2 haben mich aber genauso gefreut. Ist alles noch ziemlich unglaublich für mich.
KM: Verständlich. Was denkst du macht dich so einzigartig?
Nico: Was der Jury um Thees Uhlmann gut gefallen hat, waren ja meine Texte und der Ohwurm von Dobré. Ich kann halt sehr bildhaft Geschichten erzählen, die viele nachvollziehen können, und bringe trotzdem Persönliches mit ein. Und weil ich das gerne eingängig und mit vielen Musikstilen mache, spreche ich wohl eine Menge Leute an, die mit Rap sonst nix am Hut haben.
KM: Wie bist du selbst zu HipHop gekommen und Teil der Szene geworden?
Nico: Also ich hab immer schon wahnsinnig viel Fernsehen geschaut. Dann wurde Ende der 90er Jahre Nickelodeon abgesetzt, und mein Leben hatte ungefähr keinen Sinn mehr. Kurz darauf haben wir MTV bekommen. Da habe ich dann „Hard Knock Life“ und „Liebeslied“ gesehen, und Hip Hop war das Ding. Selbst gerappt habe ich dann aber erst dank Eko und „Optik Anthem“, das war so „Ah, man kann auch so jung schon rappen?“ Vorher habe ich echt gedacht, dass man nur als schwarzer Amerikaner jung rappen kann, und dass das in Amerika bestimmt auch alle Kids können (lacht).
KM: Wie entsteht ein typischer „Puerto Nico“ Song und vor allem was ist zuerst da: Beat oder Text?
Nico: Ich trage immer ein paar grobe Text-Ideen mit mir herum. Meistens stapf ich dann zu nem befreundeten Musiker und sage „Hey, in dem Lied geht’s um dies und das, und ich brauche diese Stimmung, mit ner warmen Bassline“ zum Beispiel. Dann entsteht ne Vorversion vom Beat, ich schreibe meinen Text drauf, und dann wird das Instrumental noch mal daran angepasst und final aufgenommen. Ganz selten höre ich auch noch Beat-CDs durch, aber vor allem dominieren mittlerweile die Live-Instrumente bei meinen Beats. Aber wenn jemand Beats macht: Immer her damit, vielleicht wird’s ja doch was.
KM: Apropos Beats, dein letztes Album enthält zahlreiche musikalische Einflüsse, klingt aber trotzdem rund und wie aus einem Guss. Hast du hierauf besonderen Wert gelegt?
Nico: Dieser homogene Sound hat schon seine Zeit gebraucht, ja. Der rote Faden war anfangs nur dass ich viele Geschichten erzählen wollte und dass die Beats live abgehen. Dass die Beats jetzt wie aus einem Guss klingen, liegt daran dass trotz verschiedener Stile oft dieselben Instrumente wie Trompete und Gitarre im Spiel sind. Das „Problem“ war, dass es viel Zeit braucht, echte Instrumente aufzunehmen. Aber es lohnt sich.
KM: Auf „Die tollen Abenteuer von Puerto Nico“ war mit „Geisterstadt“ auch ein sehr persönlicher Song. Würdest du sagen, dass dir die Musik hilft, Sachen zu verarbeiten?
Nico: Musik ist schon gut zur Verarbeitung. Grade bei „Geisterstadt“ habe ich mir so oft gedacht: „Alta, mir geht’s grade richtig scheiße, aber wenigstens kann ich darüber jetzt ein gutes Lied schreiben“. Vor allem besoffen bei irgendwelchen Partys, wo man meint dass die ganze Welt außer einem selbst glücklich sei. Es ist immer ein schöner Hoffnungsschimmer, mit trauriger Musik wenigstens eine gute Sache aus einer Krise zu ziehen.
KM: Gibt es für dich auch Grenzen die du thematisch nicht überschreiten würdest?
Nico: Also auf kommenden Liedern werde ich noch mehr Zeug rappen, was man sonst eher seinem Psychiater erzählt. Aber ob alles, weiß ich noch nicht. Eminem geht’s bestimmt nicht immer besser damit, dass die ganze Welt alles über ihn weiß.
KM: In deinem Song „Two Dope Boyz (In a Delorean)“ reist du in deine eigene Vergangenheit. Wenn du wirklich mit einem „Delorean“ in der Zeit umherreisen könntest -wohin würde es dich verschlagen und warum?
Nico: Auf jeden Fall in die Neunziger: Auf Eurodance-Partys gehen. Die Fugees und die Chicago Bulls live sehen. Mir als kleinem Kind einen Gameboy schenken, den meine Eltern mir nicht kaufen wollten. Und die tollen Disney-Filme noch mal im Kino sehen. Ich bin einfach ein Neunziger-Kind.
KM: Welche Abenteuer dürfen wir in Zukunft noch von Puerto Nico erwarten und vor allem wann und wo kann man dich demnächst live erleben?
Nico: Ich werde die nächsten Monate meine „Marty McFly“ Free-EP online stellen, benannt nach meinem Kindheitshelden aus „Zurück in die Zukunft“. Thematisch und musikalisch wird das ein bisschen retro. Auch durch Klassiker-Beats von Wu-Tang oder Outkast. Und eine Menge Auftritte mit meiner Live-Band stehen an. Checkt dafür puerto-nico.de oder meine Facebook-Seite.
KM: Okay, zum Abschluss würde ich dir gerne noch vier Stichworte geben und du sagst einfach was Dir spontan dazu einfällt:
HipHop-Szene
Nico: Verfolge ich in Deutschland mittlerweile mehr als die Hälfte meines Lebens. Die wird alle paar Jahre kurz langweilig und dann geht’s wieder ab. Grade ja eh. Hoffentlich bald mit mir.
Cro
PuertoNicrockstahzumjot 2012.
„Der deutsche De La Soul“
Nico: Haha, das hat Thees Uhlmann im Radio über mich gesagt. Da musste ich ziemlich schmunzeln. Er mag ja De La Soul anscheinend auch ziemlich gerne, zumindest zitiert er die ja in Caspers "XOXO"-Refrain. Also freut mich das schon krass, ich mag auch De La Soul sehr. Auf meiner nächsten EP ist auch ein Beat von denen drauf.
Kopfmusik
Nico: Schöner Blog, der einem die Suche nach interessanten Feuilleton-Artikeln über Hip Hop abnimmt. Auch angenehm mal auf einem Blog nichts über den Beef von Rapper XY zu lesen. Auch wenn ich das ab und zu brauche.
Nico: Verfolge ich in Deutschland mittlerweile mehr als die Hälfte meines Lebens. Die wird alle paar Jahre kurz langweilig und dann geht’s wieder ab. Grade ja eh. Hoffentlich bald mit mir.
Cro
PuertoNicrockstahzumjot 2012.
„Der deutsche De La Soul“
Nico: Haha, das hat Thees Uhlmann im Radio über mich gesagt. Da musste ich ziemlich schmunzeln. Er mag ja De La Soul anscheinend auch ziemlich gerne, zumindest zitiert er die ja in Caspers "XOXO"-Refrain. Also freut mich das schon krass, ich mag auch De La Soul sehr. Auf meiner nächsten EP ist auch ein Beat von denen drauf.
Kopfmusik
Nico: Schöner Blog, der einem die Suche nach interessanten Feuilleton-Artikeln über Hip Hop abnimmt. Auch angenehm mal auf einem Blog nichts über den Beef von Rapper XY zu lesen. Auch wenn ich das ab und zu brauche.
KM: Das war es von meiner Seite. Nochmal vielen Dank für das Interview Nico und viel Glück für die Zukunft. Hast du zum Abschluss noch irgendwelche „letzten Worte“?
Nico: Streamt mein Album „Die tollen Abenteuer von Puerto Nico“ auf www.puerto-nico.de! Und wenn euch taugt, bestellt es oder ladet es bei iTunes, damit ich reich und arrogant werde!