
Vor einiger Zeit hat mich Puerto Nico angeschrieben und darum gebeten sein Album auf Kopfmusik zu reviewen. Auch wenn ich zuerst etwas erstaunt über das Angebot war - immerhin war es das erste dieser Art - sagte ich natürlich sofort zu. Kostenlose Musik? Da bin ich dabei!
Und schon ein paar Tage später lag das Album in meinem Briefkasten. So stürzte ich mich sofort in „die tollen Abenteuer von Puerto Nico“. Ich war gespannt darauf was mich erwarten würde, denn dass ich die CD geschenkt bekommen hatte, war ja noch lange kein Qualitätsmerkmal. Und somit stand ich nun vor der spannenden Frage, wo das Album am Ende landen würde: Schön einsortiert bei P, zwischen Prinz Pi und Samy Deluxe, oder eher bei den musikalischen Fehlgriffen wie Blümchen und den „schönsten Melodien zur Weihnachtszeit“ (die natürlich allesamt nur Geschenke von Freunden waren)!?
Das schön gestaltete Pappcover machte schon mal einen sehr guten Eindruck und vor allem Lust auf mehr. Ein besonderer Leckerbissen sind die kurze Kommentare im Booklet, in denen Nico ein wenig über die Hintergründe der einzelnen Songs erzählt.
Für all jene, die von Nico noch nie etwas gehört haben, stellt er sich direkt im Opener „Zwo, eins, Risiko!“ vor. Aufgewachsen in der Nähe von München war Nico lange Zeit mit seiner Crew „Bummvoll-Brothers“ unterwegs. Mit diesem Album hat er sich somit erstmals an etwas eigenständiges gewagt.Schon dieser Song zeigt, welche Abenteuer Nico in den folgenden elf Liedern zumindest thematisch bestreiten wird. Es offenbart sich eine bunte Mischung aus Spaß, Ironie und vielen persönlichen Geschichten, wobei vor allem letztere mich besonders angesprochen haben.
Nico schafft es den Hörer zu fesseln und zu bewegen, während er ihn durch seine unwirkliche „Geisterstadt“ führt und von gescheiterten Beziehungen sowie verlorenen Freunden berichtet. Dies liegt neben der sehr bildhaften Erzählweise und der Kraft, die Nico hier in seine Stimme legt hat, vor allem an dem wunderbaren Soundkleid von Diminimal. Abgerundet wird das ganze durch ein einminütiges Trompetensolo am Ende des Songs. Eine wunderschöne Idee, auf die hoffentlich auch andere Rapper kommen, denn es sollte viel mehr Songs geben, die einem Zeit zum Nachdenken geben. Ganz klar einer mein Favorit der elf Abenteuer.
Der zweite Höhepunkt der Scheibe ist für mich „Küss mich, Dummkopf“. Nach eigenen Angaben lässt Nico hier den Clueso in sich raus und erzählt eine Geschichte, die wohl jeder von uns nachvollziehen kann (Machos und Frauenhelden vielleicht mal ausgeschlossen). Denn wer kennt nicht die Situationen, in denen man stundenlang mit einer Frau über Nichtigkeiten quatscht, obwohl man sie eigentlich nur küssen möchte. Auch hier tragen die zusätzlich eingespielten Instrumente, wie Gitarre und Trompete, dazu bei, die knapp vier Minuten zu einem absoluten Ohrenschmaus zu machen. Ein weiter Song der besonders hervor sticht ist „Two Dope Boyz (in a Delorean)“. Hier reist Nico mit dem Produzenten und Sänger Dobré in bester „Zurück in die Zukunft“-Manier in seine eigene Vergangenheit zurück. Das ist einer dieser Songs, bei dem man einfach nur grinsend vor seinem CD-Player sitzt und in seinen eigenen Erinnerungen schwelgen kann.
Doch eben hier zeigt sich für mich persönlich auch einer der Kritikpunkte des Albums. Zu oft erzählt Nico von Geschichten und Personen aus seiner eignen Vergangenheit, mit denen Außenstehende leider nicht so viel anfangen können. Eben weil man sich mit manchen Themen selbst identifizieren kann und somit förmlich in die Geschichten hineinversetzt wird, stören gerade solch persönliche Anekdoten den an sich so mitreißenden Erzählfluss. Sie erinnern einen leider immer wieder daran, dass es die Geschichte eines anderen ist. Hier hat Nico noch etwas Nachholbedarf.
Den durchaus positiven Gesamteindruck des Albums trübt dies aber nur geringfügig. Zwar gibt es Songs, wie „Schuss in den Ofen“ das mich textlich nicht so wirklich angesprochen hat oder „Jörg Palawa“, bei dem mir die Geschichte über zu viel redende Menschen einfach zu plump ist. Jedoch sorgt vor allem die hohe rap- als auch beattechnisch Qualität, welche sich durch das gesamte Album zieht dafür, dass keiner der Songs zu einem bloßen Lückenfüller verkommt.
An was erkennt man gute Musik? Nicht an den übertrieben krassen Skills oder komplexen Reimen. Nein. Man weiß, dass man gute Musik hört, wenn man grinsend vor seiner Anlage sitzt und statt etwas für die Uni zu erledigen einfach nur Musik hört. Und genauso ist es bei „Die tollen Abenteuer von Puerto Nico“.
Somit sind ist dieses Album ein sehr rundes und hörenswertes Stück Musik, das mich vor allem durch die schönen Stimmungen und die unglaublich genialen Beats fasziniert hat - Prinz Pi und Samy Deluxe haben also einen neuen Nachbarn gefunden!
Wenn ihr jetzt Lust auf mehr bekommt habt, könnt ihr euch auf puerto-nico.de weitere Infos holen, ein Snipped anhören oder direkt das Album bestellen.
Ps. Vielen Dank an Nico für das tolle Album und an Robert, der mal wieder alles für diese Review gegeben hat!
Quellen: Dominik Wierl, Puerto Nico Facebook
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