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geschrieben am 29/06/2011 um 09:08 in der Kategorie
Puerto Nico

Vor einiger Zeit hat mich Puerto Nico angeschrieben und darum gebeten sein Album auf Kopfmusik zu reviewen. Auch wenn ich zuerst etwas erstaunt über das Angebot war - immerhin war es das erste dieser Art - sagte ich natürlich sofort zu. Kostenlose Musik? Da bin ich dabei!
Und schon ein paar Tage später lag das Album in meinem Briefkasten. So stürzte ich mich sofort in „die tollen Abenteuer von Puerto Nico“. Ich war gespannt darauf was mich erwarten würde, denn dass ich die CD geschenkt bekommen hatte, war ja noch lange kein Qualitätsmerkmal. Und somit stand ich nun vor der spannenden Frage, wo das Album am Ende landen würde: Schön einsortiert bei P, zwischen Prinz Pi und Samy Deluxe, oder eher bei den musikalischen Fehlgriffen wie Blümchen und den „schönsten Melodien zur Weihnachtszeit“ (die natürlich allesamt nur Geschenke von Freunden waren)!?
Das schön gestaltete Pappcover machte schon mal einen sehr guten Eindruck und vor allem Lust auf mehr. Ein besonderer Leckerbissen sind die kurze Kommentare im Booklet, in denen Nico ein wenig über die Hintergründe der einzelnen Songs erzählt.

Cover Für all jene, die von Nico noch nie etwas gehört haben, stellt er sich direkt im Opener „Zwo, eins, Risiko!“ vor. Aufgewachsen in der Nähe von München war Nico lange Zeit mit seiner Crew „Bummvoll-Brothers“ unterwegs. Mit diesem Album hat er sich somit erstmals an etwas eigenständiges gewagt.
Schon dieser Song zeigt, welche Abenteuer Nico in den folgenden elf Liedern zumindest thematisch bestreiten wird. Es offenbart sich eine bunte Mischung aus Spaß, Ironie und vielen persönlichen Geschichten, wobei vor allem letztere mich besonders angesprochen haben.
Nico schafft es den Hörer zu fesseln und zu bewegen, während er ihn durch seine unwirkliche „Geisterstadt“ führt und von gescheiterten Beziehungen sowie verlorenen Freunden berichtet. Dies liegt neben der sehr bildhaften Erzählweise und der Kraft, die Nico hier in seine Stimme legt hat, vor allem an dem wunderbaren Soundkleid von Diminimal. Abgerundet wird das ganze durch ein einminütiges Trompetensolo am Ende des Songs. Eine wunderschöne Idee, auf die hoffentlich auch andere Rapper kommen, denn es sollte viel mehr Songs geben, die einem Zeit zum Nachdenken geben. Ganz klar einer mein Favorit der elf Abenteuer.
Der zweite Höhepunkt der Scheibe ist für mich „Küss mich, Dummkopf“. Nach eigenen Angaben lässt Nico hier den Clueso in sich raus und erzählt eine Geschichte, die wohl jeder von uns nachvollziehen kann (Machos und Frauenhelden vielleicht mal ausgeschlossen). Denn wer kennt nicht die Situationen, in denen man stundenlang mit einer Frau über Nichtigkeiten quatscht, obwohl man sie eigentlich nur küssen möchte. Auch hier tragen die zusätzlich eingespielten Instrumente, wie Gitarre und Trompete, dazu bei, die knapp vier Minuten zu einem absoluten Ohrenschmaus zu machen. Ein weiter Song der besonders hervor sticht ist „Two Dope Boyz (in a Delorean)“. Hier reist Nico mit dem Produzenten und Sänger Dobré in bester „Zurück in die Zukunft“-Manier in seine eigene Vergangenheit zurück. Das ist einer dieser Songs, bei dem man einfach nur grinsend vor seinem CD-Player sitzt und in seinen eigenen Erinnerungen schwelgen kann.
Doch eben hier zeigt sich für mich persönlich auch einer der Kritikpunkte des Albums. Zu oft erzählt Nico von Geschichten und Personen aus seiner eignen Vergangenheit, mit denen Außenstehende leider nicht so viel anfangen können. Eben weil man sich mit manchen Themen selbst identifizieren kann und somit förmlich in die Geschichten hineinversetzt wird, stören gerade solch persönliche Anekdoten den an sich so mitreißenden Erzählfluss. Sie erinnern einen leider immer wieder daran, dass es die Geschichte eines anderen ist. Hier hat Nico noch etwas Nachholbedarf.
Den durchaus positiven Gesamteindruck des Albums trübt dies aber nur geringfügig. Zwar gibt es Songs, wie „Schuss in den Ofen“ das mich textlich nicht so wirklich angesprochen hat oder „Jörg Palawa“, bei dem mir die Geschichte über zu viel redende Menschen einfach zu plump ist. Jedoch sorgt vor allem die hohe rap- als auch beattechnisch Qualität, welche sich durch das gesamte Album zieht dafür, dass keiner der Songs zu einem bloßen Lückenfüller verkommt.
An was erkennt man gute Musik? Nicht an den übertrieben krassen Skills oder komplexen Reimen. Nein. Man weiß, dass man gute Musik hört, wenn man grinsend vor seiner Anlage sitzt und statt etwas für die Uni zu erledigen einfach nur Musik hört. Und genauso ist es bei „Die tollen Abenteuer von Puerto Nico“.
Somit sind ist dieses Album ein sehr rundes und hörenswertes Stück Musik, das mich vor allem durch die schönen Stimmungen und die unglaublich genialen Beats fasziniert hat - Prinz Pi und Samy Deluxe haben also einen neuen Nachbarn gefunden!




Wenn ihr jetzt Lust auf mehr bekommt habt, könnt ihr euch auf puerto-nico.de weitere Infos holen, ein Snipped anhören oder direkt das Album bestellen.


Ps. Vielen Dank an Nico für das tolle Album und an Robert, der mal wieder alles für diese Review gegeben hat!

Quellen: Dominik Wierl, Puerto Nico Facebook


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geschrieben am 17/10/2010 um 16:32 in der Kategorie

Banjo „kommt aus einer tiefen Höhle mit lautem Heavy Metal, Stoner Rock, Grindpop, Punkattitüde“ und einer Juice Exclusive EP. Neun Songs hat der selbsternannte „Weiße Hai“ hierfür aus dem Boden gestampft. In anderen Genres könnte man sowas schon als Longplayer verkaufen und mit der Juice im Schlepptau bekommt man hier auch gleich noch ein feines Booklet „mitgeliefert“.

Nachdem mich die anderen Autofahrer durch Hupen und quietschende Reifen dezent darauf hinwiesen haben, dass ich mich doch lieber zuerst nur mit der CD begnügen sollte, stand dem erwarteten Ohrenschmaus eigentlich nichts mehr im Wege. Also rein damit in den Player und den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufgedreht.

Gleich nach den ersten Takten hört man, dass Banjo die Zusammenarbeit mit dem Flowwunder Savas richtig gut getan hat. Nicht dass Olli vorher nicht durch sehr gutes technisches Können überzeugen konnte, aber was in Liedern wie „Weißer Hai“ oder „Battlerap“ an Flowwechseln und Doubletimepassagen abgefeuert wird, ist einfach der Wahnsinn. Wer immer noch nicht glaubt, dass Herr Banjo zu den drei besten MCs in diesem Land gehört, wird spätestens mit dieser EP eines Besseren belehrt.

Doch Banjo kommt bei dieser Scheibe nicht nur mit Überflows und „Battlerap“ um die Ecke, sondern schlägt auch mal ruhigere Töne an. Wie schon das Cover, verbreitet die gesamte EP eine eher düstere Stimmung. So düster, dass Banjo sich im vorletzten Lied selbst wünscht, dass das „Licht an“ gehen soll.

Für diesen dunklen Unterton sorgen neben den Banjo-typischen Beats, produziert von Leuten wie Roe Beardie, Banny Blanco und den Bouncebrothas, vor allem die Lyrics. Mal geht es um die Zukunft unseres Vaterlandes, dann um die Dunkelheit dieser Welt und zum Schluss um den Schmerz einer gescheiterten Beziehung. Tiefgang ohne Zeigefinger und Schnulzgefahr, dafür mit perfekter Wortakrobatik und stimmungsvollen Bildern.

Einer der wenigen heiteren Momente des Albums ist wohl das Cover des Ärzte Songs „zu Spät“. Aus dem Hit, den schon Ali As und Samy Deluxe neu interpretierten, bastelte Olli Banjo eine sehr ironische Kriegserklärung an all jene Rap-Heads, die nicht ihn, sondern lieber Rapper mit eigenem Film und massig Kohle feiern. Auch wenn Banjos Gesangsversuche nicht überzeugen können, dies aber auch gar nicht wollen, ist dieser Song für mich das Highlight der EP.

Somit hätte Olli Banjo auf dieser Platte wohl alles richtig gemacht. Nicht ganz. Ein kleiner Wermutstropfen bleiben die Features von Laas Unltd. und Rugged Smith („Ellenbogen“). Natürlich ist es nett von einer Größe wie Banjo unbekanntere Künstler auf seine EP zu holen, aber wenn die beiden dann neben dem Schizogenie derart schwach wirken wie hier, hilft das weder ihnen noch dem Song. Schade!

Wäre die Scheibe ein Vollpreis-Album, könnte man sich vielleicht beschweren, dass noch ein paar eingängige Hits fehlen. Aber verdammt!!! Das hier ist „nur“ eine Exclusive EP und was Olli Banjo darauf abgeliefert hat, ist einfach unglaublich.

Zu guter Letzt also mein freundlicher Rat: Auch wenn euch die vielen Buchstaben der Juice normalerweise abschrecken - investiert die paar Öcken und holt euch Ollis Platte! Es lohnt sich!

 


Vielen Dank an Biggie Blokksberg für die Hilfe.




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geschrieben am 29/08/2010 um 16:05 in der Kategorie
Marteria „springt von Level zu Level“ und hat mit „Zum Glück in die Zukunft“ eine neue Ebene erreicht. Major-Vertrag bei Four Music und die Platin-Produzententeam The Krauts als musikalische Unterstützung. Ein Top 10 Einstieg ist somit wahrscheinlich und gerechtfertigt. Von Verkaufszahlen lässt sich leider, oder eher zum Glück nichts über die Qualität einer Scheibe sagen. Doch wenn ein Deutschrap Urgestein, wie Jan Delay meint, dass er durch dieses Album wieder Lust auf deutschen Rap bekommt, dann muss es etwas Großes sein.
Den Anfang macht „Endboss“, vielleicht einer der persönlichsten Songs auf der Platte und thematisch ein guter Einstieg in die Welt von Marteria. Unterlegt ist sein Bericht über Fußballkarriere, Modelleben und Musikgeschäft durch ein Synthiebrett, das aber meiner Meinung nach nicht ganz in das Klangbild des restlichen Albums passt.
So hatte ich das erste Wow-Erlebnis erst mit dem zweiten Song „Verstrahlt“. Unterstützt von Yasha, wurde hier ein zeitloser Hit geschaffen, der sich bei jedem, egal ob Rap Liebhaber oder nicht, wohltuend in den Gehörgang frisst und dort so schnell nicht mehr raus geht.
Massentauglich und trotzdem nicht Sell-out? Geht nicht? Geht schon und Marteria beweist das auf ganzen zwölf Songs. Endlich hat es ein Künstler mal wieder geschafft, die szenetypischen Scheuklappen abzulegen und über den Tellerrand der Jugendkultur HipHop in die Erwachsenenwelt zuschauen. Losgelöst von thematischen und künstlerischen Grenzen, die sich viele Kollegen selbst auferlegen, rappt Marteria über seine eigenen oder erfundene Geschichten, wie zum Beispiel die aus Amys Weinhaus. Wenn mal kein Storytelling betrieben wird, stellt sich Marteria Themen, die uns alle schon mal beschäftigt haben: Schlaflosigkeit („Veronal“), die Angst vor dem Älter werden („Sekundenschlaf“) oder die Frage, wie man jemand eine unangenehme Wahrheit mitteilt („wie mach ich dir das klar“).
Das alles erzählt von einem Künstler, der sein Handwerk wirklich beherrscht. Keine Ausrutscher, keine Lückenfüller und Texte, bei denen man auch noch beim 100sten Mal, gespannt zuhört und neue Feinheiten entdeckt. Wenn ein so talentierter Rapper so lang an seinen Texten feilt und rumstreicht, bis sie frei von unnötigen Ballast sind, beweist das nicht nur ein hohes Maß an Selbstkritik und Perfektionismus, sondern führt auch zwangsläufig zu Zeilen, wie in Stein gemeißelt. Marterias „Gedanken von Windeln verweht“. So entstehen Geschichten, geschwängert  von Bildern, Wortspielen und Doppeldeutigkeiten, ohne je zu verkopft oder ansträngend für den Hörer zu werden.

„Doch der haut ab, zieht nach Köln in den Kiez, und mietet ein Appartement in der Christopher Street. Und Papa weint, selbst nach acht Flaschen Lachgas“

Diese textlichen Meisterwerke sind untermalt von den Klangwelten der Krauts. Diese beweisen auf voller Länge, dass sie auch fähig sind, eine richtige Rapplatte zu produzieren und erschaffen nebenbei richtig große Musik. Man muss das Album laut und mit einer guten Anlage hören, um diese Bretter wirklich würdigen zu können. „Krauts Bassline“ gepaart mit perfekt gesetzten Drums, bilden stets die Grundlage. Ausgeschmückt durch Samples, Synthies und Live Instrumente, wurde ein sehr rundes und vom Sound unverwechselbares Album erschaffen, das melodiös, bass lästig, groß und dreckig zugleich ist.
Weitere Unterstützung erhält Marteria unter anderem von Casper, der aber auf dem gemeinsamen Track „Alles verboten“ nicht zu Höchstform auflaufen kann. Vielleicht liegt es an dem etwas futuristisch klingendem Beat, der Casimoto bisschen den Wind aus den Segeln nimmt. Um das gemeinsame Feindbild zu beleuchten und zu erkennen, dass man leider oft genug selber dazu gehört ist zwar Casper auf jeden Fall der richtige Partner, doch fehlt diesem Song der letzte Kick. So wirkt diese Zusammenarbeit, trotz Caspers Stimmgewalt, neben den Großkalibern der Platte, etwas schwach auf der Brust.
Die sonstigen Features, wie Peter Fox, Jan Delay und Miss Platnum, machen sich da deutlich besser. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie die Songs vor allem im Refrain ergänzen und so den jeweiligen Einzelwerken den letzten Schliff verpassen. So wirken diese prominenten Features, auch wegen Marterias eigener Präsenz, nie wie ein Verkaufsargument für den Massenmarkt.
Nach vielen Stunden in denen dieses Album jetzt schon aus meinen Boxen dröhnt, verstehe ich was Marteria mit „Verstrahlt“ gemeint hat -  dieses Album, das der Musiklandschaft zeigt, dass es mit deutschsprachigen Rap zum Glück in die Zukunft geht.





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geschrieben am 11/07/2010 um 14:23 in der Kategorie
Viele Underground Produktionen bestechen vor allem, durch schlechte Aufnahme Qualität und Flows, die gekonnt neben den Beat gesetzt wurden. Nicht so bei Zweiplus aus Tübingen. Momo und ChampiJan haben mich durch ihr super unterhaltsames Abilied auf sich aufmerksam gemacht und so habe ich kurzerhand beschlossen mir das neue Album „Irgendwo zwischen Gestern und Morgen“ zu besorgen. Also bestellen, warten, Päckchen im Briefkasten finden, aufmachen und erst mal das Cover betrachtet. Die Jungs haben alles in Eigenregie gemacht, vom Mischen bis zur Gestaltung des Booklets. Doch letzteres überzeugt mich leider weniger, da ich eher auf klassisch, schlichte Designs stehe, als auf Photoshop Experimente. Naja Geschmackssache.
Also Album in den Player um herauszufinden, ob die beiden nur ewig Gestrige oder doch eher Deutschraps von Morgen sind.
Ich rate allen, nicht nur Morgenmuffeln, bei dieser Platte direkt beim zweiten Song „Guten Tag“ und nicht beim „Guten Morgen“ (Intro) einzusteigen, da sich dieser deutlich besser als Opener eignet, auch wenn die Jungs vor der Produktion wohl zu oft Kaas „Lovemovement“ gepumpt haben. Denn es klingt bisschen wie Kaas „Wunderschöne Welt“ 2.0 mit sehr gutem Flow. „Hallo liebe Sonne, Hallo lieber Himmel, Hallo unsichtbarer Mann mit tiefer Stimme.“ Diesen netten Herren hätten sie aber lieber nicht so freundlich begrüßt, da er leider immer wieder auf dem Album in Erscheinung tritt. Ich war einfach noch nie ein Fan von gepitchten Vocals und Autotune, nicht mal in den Zeiten, als es jeder gemacht hat.
Auch der nächste Titel „N.E.R.N.D.M.A.“ (nimm einem Rapper nie die Mütze ab) hat mich sofort an ein Werk eines anderen Deutschen Rappers erinnert. Und wäre ich von diesem Song nicht flow- und soundtechnisch so weggeblasen worden, hätte ich ihn thematisch wohl so sinnlos wie Samys Version den „CapSong“ gefunden. Das ist wohl auch mein Hauptkritikpunkt an dieser Platte. Einiges kommt einem inhaltlich einfach schon zu bekannt vor, auch wenn Zweiplus, wie beim eben genannten „N.E.R.N.D.M.A.“  vor allem technisch stets eine Schippe auf das „Original“ drauf legen. Und auch auf dem Album selbst begegnen einem teilweise Themen mehrfach, wie bei „Raus aus mir“ und „Sei Schön“ bei denen es beides mal um ein abstoßendes Äußeres geht. Zwar von verschiedenen Perspektiven, aber doch ähnlich. Oft fallen inhaltliche Ähnlichkeiten vor allem, durch die meiner Meinung nach ungeschickte Song Anordnung auf. „Kleiner Tod“ in dem es um Mordphantasien nach einer gescheiterten Beziehung geht, vor den letzten Song „Zu Ende“ zu packen, in dem es darum geht, dass alles zu Ende geht, finde ich persönlich nicht sonderlich clever. Die wahre Vielfalt von „Irgendwann zwischen Gestern und Morgen“ entdeckt man wohl erst dank Random Modus. Die Jungs haben sich sicher sehr viele Gedanken über die Reihenfolge gemacht, doch leider wurde so aus der bekannten Spannungsmaus ein zu offensichtliches Emotionskamel: Unterhaltsam – nachdenklich – unterhaltsam – nachdenklich. Eine Berg und Talfahrt, die schnell monoton klingt.
Dabei beherrschen Zweiplus beide Themen perfekt. Auf der einen Seite erzeugen sie in Songs wie „Ich will…sie nicht“, „Kleiner Tod“ oder „They Don’t“ gekonnt eine traumhaft melancholische Stimmung. „Was ist ein Gewissen wert, kein gewissen Wert“. Auf der anderen Seite „lassen sie die Verse frei so wie FlipFlops“ und zeigen, dass ihre Stärken genauso bei Punchlines und Ironie liegen. Deswegen nehme ich ihnen auch ihre Aussage „Ich glaube nicht an Teamgeist“ zu keinem Moment der Platte ab. Momo und ChampiJan ergänzen sich zu jeder Zeit perfekt und flowen stets gekonnt auf gleichem hohen Niveau über alle möglichen Rhythmen. Egal ob Doubletime, entspannt gelassene Sprachmelodien oder spontane Flowwechsel, sie beherrschen es perfekt.
Die absoluten Höhepunkte dieses Albums bilden jedoch die Beats. Zwischen traumhaftem Gitarrensolo von „Mitten in die Fresse“ und wunderschöner Jazz Nummer „Sei Schön“ ist alles geboten und klingt stets innovativ und neu. Die Unterstützung durch viele Liveinstrumente und Gesangsunterstützung macht so aus purem Rap schöne Musik. Der absolute Höhepunkt des Albums stellt für mich „So nicht HipHop“ dar, bei dem rockiger Beat, gute Raptechnik und eine nette Geschichte zu einem Hitverdächtigen Ganzen verschmelzen. Warum ist nicht das ganze Album auf diesem Niveau?
Nun das Fazit. Zweiplus wird mit diesem Werk ihrem Crewnamen nicht ganz gerecht. Ich persönlich würde ihnen eine zwei geben. „Irgendwo zwischen Gestern und Morgen“ ist ein gutes Rapalbum, aus dem man die Liebe zur Musik raus hört und das durch einige perfekte Songs besticht. Leider gibt es auch ein paar Lückenfüller, die mich dazu gebracht haben schnell weiter zu skippen. Aber ich denke das „kommt schon noch“ und hoffe, dass der musikalische Werdegang der beiden noch nicht „zu Ende“ ist, denn Zweiplus gehört auf jeden Fall zum Deutschrap von Morgen.


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geschrieben am 24/06/2010 um 19:16 in der Kategorie

1, 2, 3 WIR haben lange gewartet und einige WIRre und spacige Solo Projekte ertragen, doch jetzt sind die fünf Jungs aus dem Reihenhaus wieder als Blumentopf vereint. Anscheinend hat den fünf WIRtuosen die  Möglichkeit sich mal Solo zu verWIRklichen gut getan. Vielleicht war es auch einfach mal nötig „Aus(zu)misten“, um sich wieder auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Was auch immer es in WIRklichkeit war, die etwas kraftlose „Musikmaschine“ wurde wieder renoWIRt und startet mit dem sechsten Album voll durch.

Schon beim ersten Song „Systemfuck“ ist bei mir das alte Topf Gefühl wieder da. Diese Rhythmen zu denen man einfach mit dem Kopfnicken muss und dieser Humor, da können sich einige Kollegen noch was abschneiden. Und wenn schon das reale Wetter nicht mitspielt, haben zumindest die Jungs die „Taschen voller Sonnenschein“.

Beim Sound fällt schnell auf, dass sich etwas verändert hat. Dank vielen Gitarren und Livedrums, klingt das Album deutlich rockiger als die Vorgänger und ist trotzdem immer noch typisch Topf. Man merkt den Jungs die Bühnenerfahrung an und so wird das Album vor allem Live sehr gut funktionieren. Dies ist jedoch auch mein größter Kritikpunkt an einigen der 15 Songs. So sind für mich Songs wie die erste Single „Wir“ oder auch „So lala“ für eine Albumversion zu sehr auf Live getrimmt. Oft hat man das Gefühl, dass ein wichtiger Teil der Lieder nicht mit auf die Platte gepresst wurde, und zwar die Performance und das Publikum. Deswegen freue ich mich bald mal die ganze Vielfalt dieses Albums auf einem Konzert zu erleben, um zum Beispiel zu sehen wie Cajus mit seinem beeindruckenden Flow auf „Helping Hand“ die Bühne rocken wird.

Dass die fünf Münchner Jungs schon immer etwas anders waren, ist schon seit „Kein Zufall“ bekannt und auch auf diesem Album stellen sie das wieder eindrücklich unter Beweis. Während andere ihre gemieteten Autos feiern, zelebriert der Topf sein Nerdtum – das nenn ich Realness.

Doch es gibt nicht nur viel Lustiges und Livetaugliches auf der Platte, sondern vor allem ab der zweiten Hälfte werden auch mal ruhigere und reflektierte Töne angeschlagen. Die Liebeserklärung an den Papa und die Berge „Fenster zum Berg“ ist für mich der Höhepunkt des Albums und wieder einmal der Beweis für die Sample- und Storytelling-Talente vom Topf. Noch nie war gerappte Bergluft so erfrischend.

Obwohl ich oft kein Freund von gesungenen Hooks bin, macht Janna „Mein Dein“ und „Sie tanzt die Nächte durch“ erst perfekt. Mit letzterem schaffen sie dann auch noch ein wunderschönes Albumende, das mich von der Stimmung und der Melancholie etwas an den Klassiker „Manfred Mustermann“ erinnert - Gänsehaut.

Und so zeigt uns die Musikmaschine auf voller Albumlänge, dass sie trotz ihres Oldschool Status noch lang nicht zum alten Eisen gehört. Cajus, Holunder, Schu, Roger und Sepalot stehen mitten im (HipHop-)Leben und haben immer noch „Hunger“

 

So viel von mir zu "wir"



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geschrieben am 23/06/2010 um 14:58 in der Kategorie

Sieben war schon immer eine bedeutende Zahl: sieben Weltwunder, die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen oder Eminems siebtes Studioalbum. Viel hat sich in den letzten elf Jahren seit der legendären Slim Shady LP geändert. Es gab Hochs und Tiefs und das weiß der werte Herr Mathers selbst genau. „Let’s be honest, that last Relapse CD was “ehhhh“. Da kann ich ihm leider nur zustimmen.

Nachdem seit gestern nun nicht ein zweiter Rückfall, wie zuerst angekündigt, sondern Recovery in den Läden steht, stellt sich mir die Frage: Ist es wirklich die versprochene Genesung?

„Going Trough Changesist nicht nur der Titel eines Tracks, sondern auch ein Zeichen für einen Neuanfang, für den vom Schicksal gebeutelten Eminem. Dies sieht man schon an der Wahl der ersten Single. Endlich wurde der Kreislauf von zwanghaft massentauglichen und  mehr oder weniger lustigen Vorboten seiner Alben durchbrochen. Eminem zeigt uns schon in der ersten Single das, was wir an ihm lieben, Emotionen und Technik. Überraschend positiv kommt er hier um die Ecke und beweist uns es geht wieder nach oben und wir dürfen ein Teil davon sein.

First there was the beat:

Ein weiteres Novum von Recovery ist die Produzentenauswahl. Noch nie hat Shady auf eine so große Anzahl verschiedenster Produzenten gesetzt. Diese musikalische Vielfalt sorgt dafür, dass jedes Lied erfrischend neu klingt. Von überraschend musikalisch wie in „Untitled, über eher rockige Gitarren Riffs im P!nk Feature „Won’t Back Down“ bis zum Gospel inspirierten Drumbrettern wie „Cinderella Man“. Und trotzdem begegnet einem das Album als Gesamtkunstwerk und nicht als eine aneinander Reihung toller Beat. Jeder Beat unterstreicht perfekt das Flow Feuerwerk, das Eminem auf ihm abfeiert.

Womit wir beim nächsten Punkt wären – dem Flow. Es steht außer Diskussion, dass niemand Eminem technisch was vormachen kann. Auch in seinen schlechteren Zeiten war er allen anderen wie Pinocchio immer eine Nasenlänge voraus. Und trotzdem überrascht es mich immer wieder und zaubert mir ein Strahlen ins Gesicht, wie einem Kind an Weihnachten, wenn ich höre wie scheinbar einfach er zwischen Flows wechselt oder mit unglaublicher Präsenz Geschichten erzählt, wie in „Love The Way You Lie“. Und ja er hatte Recht, Rihanna ist das perfekte Feature für diesen Track. Neben so einem Technikschwergewicht kann sogar ein Lil Wayne etwas alt aussehen. Tja, passiert.

Thematisch erfindet sich Em leider nicht neu. Neben den typischen nachdenklicheren Songs wie „Space Bound“ und „Talkin' 2 Myself“, ist Herr Mathers leider viel zu oft damit beschäftigt sein Legendenstatus zu thematisieren. Schöne Ausnahmen stellen hier der Tribut an Proof, You're Never Over“ und das Feature mit Rihanna dar.

Vielleicht bin ich zu sehr Eminem Fan seit Kindertagen, oder lass mich zu leicht begeistern, aber für mich beweist Eminem mit diesem Album, dass er nicht „So Bad“ ist wie man nach Relapse vielleicht erwarten könnte. Nein, er ist immer noch einer der bedeutendsten Rapper dieser Welt und unterstreicht wieder einmal, dass quasi keiner ihm das Wasser reichen kann.

„You're the Eminem backwards, you're mini-me“




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