Selig und wunschlos glücklich lag ich auf dem Bett, während er mir gegenüber kniete und angetan die Pfütze auf meinem Bauch betrachtete. Er grinste keck und ich gehe schwer davon aus, es sollte ein Witz sein, als er in diesem Augenblick sagte:
"
Du gehst jetzt aber ins Bad und holst Klopapier."
Jedenfalls musste ich hellauf darüber lachen und verwies ihn auf meine mit Tempos voll gepackte Tasche. Er zog sich T-Shirt und Ungerbutz an während ich keine Lust hatte, sinnloserweise wieder in meine Klamotten zu schlüpfen. Wir krabbelten gemeinsam unter die Bettdecke und lagen uns im Licht gegenüber. Ich schloss die Augen und genoss diesen Moment des Friedens.
Als ich sie kurze Zeit später wieder öffnete, ertappte ich ihn dabei, wie er mich beobachtete, doch in diesem Moment ganz schnell seine Augen wieder schloss und so tat, als wären sich unsere Blicke nicht für den Bruchteil einer Sekunde begegnet. Blinzelnd öffnete er sie nun und schob mir somit ganz geschickt die Beobachtung des Einen durch den Anderen in die Schuhe. Ich lächelte und drehte mich um. Jemand knipste das Licht aus und eng umeinander geschlungen raffte er noch schnell sein T-Shirt hoch, um sich durch den Stoff nicht daran hindern zu lassen, mit seinem Bauch meinen blanken Rücken zu berühren. Um ehrlich zu sein, fühlten sich die letzten Minuten des Tages an wie eine taufrische Romanze zwischen zwei schüchternen Teenagern und nicht wie ein gefühlsarmes Popstar-Groupie Intermezzo. Das hier sorgte für mächtiges Chaos in meinem Kopf, was schon längst nicht mehr an den Drogen lag.
Die komplette Nacht hindurch ließen wir nicht voneinander los und suchten permanent im Halbschlaf die Wärme des Anderen. Mal schmiegte ich meinen Kopf an seine Schulter, mal zog er mich an sich heran und knotete beschützend seine Arme um mich. Selbstverständlich fingen wir irgendwann mitten in der Nacht wieder an, zu fummeln. Mit gleichem Eifer wie zuvor widmete er sich meiner und wir begannen dieselbe Nummer noch mal von vorn, nur dass er diesmal den dummen Spruch danach stecken ließ.
Ich erwachte ziemlich früh am nächsten Morgen und beäugte sein friedlich schlummerndes Gesicht. Kaum zu glauben, dass dieser Typ, wo er doch so harmlos aussah, zusammen mit seinem Partner auf den Bühnen Deutschlands derart drastische und grobe Texte von sich gab, dass man eigentlich nur auf die in Massen demonstrierenden Eltern warten konnte. Ich stelle mir bildlich vor, wie sich alte, grauhaarige Bärte und blondierte, dauergewellte Helgas und Uschis mit Plakaten wie "Dieser Mann verdirbt unsere Kinder" oder "Verbietet dieses Konzert" vor den Hallen postieren und damit ein Stück zum Weltfrieden beitragen wollen. Tzzzz. Ich würde dann gern daneben ein drei mal drei Meter großes Leinentuch mit der Aufschrift "Ihr versteht weder den Witz, das Gespräch, noch seid ihr gefickt." an der Frontseite der Konzerthalle herunterlassen, um dann in dieser zu verschwinden und mir eine Testosteronaktion der Extraklasse deluxe auf der Zunge zergehen zu lassen. Verstand ist ein Geschenk.
Ich verschwand im Bad, um mir das Frühstück aus einer winzig kleinen Plastiktüte schmecken zu lassen und mir unter der Dusche den Kopf zu waschen. Das hoteleigene Duschbad roch köstlich und verführte regelrecht dazu, sämtliche Sabber- und Samenrückstände in mehreren Gängen vom Körper zu rubbeln. Putzmunter kam ich unter der Dusche hervor und fühlte mich recht einsam, als ich nun neben dem schlafenden
Mr. X auf dem Bett saß, weswegen ich erst mal die Glotzkiste einschaltete. Ich zappte mich durch sämtliche Kanäle und stellte ohne Überraschung die Leere des Programminhaltes fest. Obwohl der Ton sehr leise war, wachte Mr. X kurz danach auf und schwang seinen Hintern unverzüglich ins Bad.
Als ich das Wasser aus der Brause plätschern hörte, nutzte ich die Gelegenheit, um mir einen schnellen Wodka-O zu mixen und mir noch eine Bahn Pep zu legen. Nun, da wir beide wieder im geistesgegenwärtigen Zustand waren, überkam mich abermals diese Beklommenheit des gestrigen Abends. Doch Mr. X kam locker lässig aus dem Badezimmer geschlurft und packte seinen Laptop aus.
Schmunzelnd begann er, mir eine Reihe von Videomitschnitten seiner Auftritte zu zeigen und ließ dabei auch nicht die neuen Lieder aus, die er gemixt, frisch aufgenommen oder mit einem Feature unterstützt hatte. Ich fühlte mich gewaltig geehrt über das Vertrauen, das er mir entgegenbrachte. In diesem Moment steckte ich mir ungefähr die fünfte Zigarette des Tages an und wollte mich danach aus dem Staub machen. Obwohl ich nichts dergleichen spüren konnte, machte ich mir Gedanken, ob ich ihn wohl störte und wollte unter keinen Umständen die Schmach erleben, nach Hause geschickt zu werden.
Etwa eine halbe Stunde und drei Zigaretten später, die Kameraden waren mittlerweile aufgewacht und machten sich natürlich direkt bemerkbar, während Mr. X sich auf dem Weg vom Fenster zu seinem Handy befand, nahm er aus dem Hinterhalt einen Baseballschläger, packte ihn mit fester Hand, holte weit aus und versetzte mir mit Schmackes einen Schlag auf den Kopf, der jeden Möchtegern-Mike-Tyson neidisch gemacht hätte.
"Ich glaub, es is besser, wenn du heute Abend nicht auf mein Konzert kommst."
Bumm.
Mein Gesichtsausdruck entglitt. Pause.
"Ja...ich...wenn ich weiß, dass du da bist, dann werd ich nervös und...ich kann dann nicht hundert Prozent geben...Ok?"
Nein, Alter, gar nichts Ok. Hatten wir das nicht gestern schon geklärt? Und überhaupt, ich kann doch wohl dahin gehen, wohin es mir passt, auf öffentliche Auftritte allemal. Und du kriegst es auch nicht mit, wenn ich in der letzten Reihe stehe und...
Blutend lag ich neben meinen Nerven von gestern auf dem Boden.
...aus Verzweiflung und nicht imstande, Widerworte zu erheben, aus völliger Verblendung und Naivität, im Glauben an das Gute im Mann, aus Verlorenheit und Enttäuschung...
...sagte ich: "Hmm...aber danke, für deine Ehrlichkeit."
Ich wusste nicht, wie ich aussah und es war mir auch komplett egal, aber rein gemütsmäßig erging es mir wie damals auf der Beerdigung. Dreißig Tonnen Steine beschwerten meinen Nacken, als ich den Kopf senkte und meine Schuhe anzog. Die sechste
Nach-der-geh-ich-nach-Hause-Zigarette ließ ich achtlos im Aschenbecher abbrennen. Ich sammelte meinen im Zimmer verstreuten Kram ein und schmiss ihn in die Tasche.
"Ey, warum willste schon gehen? Wir ham noch zwanzig Minuten...du musst nicht gehen. Bleib doch hier."
Wir waren wohl beide absolute Nixblicker, jeder so für sich.
Epilog
- Und ich bereue nichts -
An diesem verdammten Sonntag habe ich, als ich vom Hotel nach Hause kam, kein Wort mit niemanden gesprochen. Jeder war gespannt darauf, was ich zu berichten hatte, doch das Telefon blieb unbeantwortet. Auch der kleine braune Junge vom Zimmer nebenan bekam nichts aus mir heraus und umarmte mich besorgt, als er in mein aschfahles Gesicht blickte. Ich floh in den Park und unternahm bei minus Fünf Grad Kälte einen dreistündigen Spaziergang, um einen klaren Kopf zu kriegen. Nichts half.
Die Drogen haben weder vorher noch nachher einen Beitrag zu meinem Wohlergehen geleistet. Ich hätte die Finger wohl lieber lassen sollen - von ihm, dem Klarmachendurchfickenwiedersehengehtwohlmann.
Als ich mich eine Woche später auf der weihnachtlichen Heimreise zu meiner Mutter befand, zückte ich auf der stinklangweiligen Zugfahrt ein riesiges Blatt Papier, um ihm einen Sinn im tristen Blockalltag zu geben, nachdem ich bereits meine drei Freunde, die Arbeitskollegen, den Büdchenmann, den Postboten, den Briefkasten, ja selbst den Kanalarbeiter mit einer Freisprechanlage verwechselt hatte. Ein Blatt Papier sagt halt nicht ständig: "Lass die Finger von diesem Typ."
Ich begann also, die Geschichte aufzuschreiben, da das Geschehene nicht aufhören wollte, meinen Kopf in den Arsch zu ficken. Ich konnte nicht ahnen, dass sie viel zu cool sein würde, um in irgendeiner Ablage zu verstauben.
Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.
Es war nicht auszuschließen, dass Herr Popstar einen kleinen Triumph verspürte, als ich seinen Joint zwischen meine
Lippen führte und gierig daran zog. Ich für meinen Teil zumindest war nach drei Zügen so breit wie nur in den Anfangstagen meiner Kifferkarriere und die Komödie, die da im Fernseher lief, machte richtig Spaß. Ich lachte so laut und herzlich, dass mir die Tränen aus den Augen gossen wie der O-Saft in den Wodka aus der Minibar. Ich hätte mir gewünscht, dass er da gewesen wäre, denn wenn wir schon kein vernünftiges Gespräch teilen konnten, dann doch wenigstens einen ordentlichen
Lachflash.
Der war jedoch vorbei, als die zwei das Zimmer wieder betraten und
Mr. X mir eine (von meinen vier Euro bezahlte) Packung Lucky Strike in die Hand drückte, oder besser gesagt, genau wie Hansi vorhin auf das Bett schmiss. Hey, sah ich aus wie ein Basketballkorb? Ja, vielleicht ja das Bett und wer weiß, auf welchem Film sich die zwei befanden.
Sie nahmen Platz und
Hansi drehte noch einen Joint. Ich weiß nicht, warum ich Mr. X während der ganzen drei Mal, die wir uns gesehen haben, nie eine Tüte hatte drehen sehen, aber vielleicht kann er es ja gar nicht. Ich fing an, sie mit dummen Zeug wie meinem rasenden Puls oder meinem Lachflash von eben zuzuquatschen, doch als ich das merkte, streckte ich meine Hand schnell nach dem Joint aus und hoffte, dass mich ein paar weitere Züge zum Schweigen bringen würden. Hansi war soweit und packte bereits seine Sachen, um wenig später ohne Jacke das Hotelzimmer zu verlassen.
Nun saßen wir da. Mr. X war beschäftigt mit dem Handy und ich nach wie vor sehr engagiert meinem Film gegenüber. Da klopfte es an der Tür. Mr. X hob seinen Kopf, drehte ihn in meine Richtung und guckte mich an. Er guckte mich an. Und guckte.
"Alter! Du kannst doch wohl selbst zur Tür gehen...ist sowieso für dich."
"Ja...aber du sitzt viel näher."
Falsch. Er saß ungefähr dreißig Zentimeter näher an der Tür. Während mir ein leises "...tzzzz" entfuhr und er mir einen flüchtigen Hundeblick entgegenschmetterte, raffte er sich auf um seinen goldenen Arsch selbst zur Tür zu bewegen. Der Typ von vorhin hatte wohl irgendetwas vergessen. Ich schätze, die Kaisernummer zieht bei den restlichen Groupies, bei denen ich mich hiermit herzlich bedanke.
Wieder auf dem Bett angekommen und sich gähnend dem Film zuwendend bekam Monsieur Lust auf Cola. Ich saß neben ihm auf der Matratze und somit auch direkt neben dem Multisaft, der auf dem Boden stand.
"Holste mir ne Cola?"
"Nee, aber hier ist der Multisaft."
"Ich hab aber Lust auf ne Cola."
"Ey, ich hol dir auf gar keinen Fall ne Cola aus der Minibar. Hier, der Multisaft grinst dich schon voll an und hat richtig Bock, von dir getrunken zu werden. Und der is auch noch viel gesünder."
"Nee...ich hab aber Bock auf ne Cola."
"Okay, pass auf...du nimmst nen Schluck vom Multisaft und wenn du dann immer noch Bock auf ne Cola hast, dann hol ich dir ne verdammte Cola!"
"Nee...ich hab aber keinen Bock auf Multisaft."
"Na gut..." Wenigstens negierte er wieder anständig.
Ich erhob also meinen goldenen Arsch und noch in der Bewegung zeigte Mr. X wieder, was für ein Clown doch in ihm steckt:
"He he, verarscht. Bleib hier."
Langsam fing der Film an, zu langweilen, denn meiner war vorbei. Mr. X gähnte nun zum zweiten Mal. Ich sprach das Konzert am darauf folgenden Tag an, auf das ich mich so sehr gefreut hatte.
"Du trittst also morgen in Dortmund auf. Ich hätte auch voll Bock zu kommen."
"Ja, hab ich mir gedacht. Aber weißt du, ich glaub, es ist besser, wenn du nicht kommst...ich bin da auf nem Auftritt und ich kann dann nicht nett zu dir sein. Weißt du, ich will ja nett zu euch sein, also...besonders zu dir...und ich kann es da nicht."
"Au man, ich kenn dein Image und ich hab kein Problem damit, dass du dann den Assi raushängen lässt. Ich bild mir hier nix drauf ein und geb nen Scheiß auf dein Gelaber bei nem Auftritt."
Während ich sprach, wurde das Grinsen in seinem Gesicht immer breiter und er sagte lächelnd:
"Na gut...dann komm."
Ich dachte, hiermit wäre das Thema erledigt. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und in diesem Moment überkam mich dieser Drang, einfach
einzupennen. Auf jede weitere Bewegung verzichtete ich und wartete erst mal ab, denn unseligerweise verharrte mein schlechtes Gewissen gleich neben der Traumtür, um mich daran zu erinnern, dass es hier jemanden gab, der sich vielleicht auf mich verließ. Hoffentlich war er genauso träge nach der ganzen Kifferei wie ich. Ich kuschelte mich an seine traute Seite in dem engen Einzelbettchen, schloss die Augen, lauschte dem rhythmischen Herzschlag und spürte seinen Atem auf meinem Arm, der ihn unlösbar umschlang. Mit liebevoller Hand begann er, meinen Rücken zu streicheln und meine Stirn zu küssen und erweckte damit in mir ein irrsinniges Verlangen, mich diesem Mann ein weiteres Mal hinzugeben.
Nie war es derart gewesen, dass er sich plump verhalten hatte und unschicklich mit der Tür ins Haus fiel. Vielmehr gab er mir jedes Mal aufs Neue das Gefühl, dass alles offen stand und die Dinge ihren Lauf nehmen konnten, ganz egal, wohin sie führten. Ich stand zu keinem Zeitpunkt unter einem inneren oder äußeren Druck, es ihm irgendwie besorgen zu müssen. In dieser Hinsicht hatte er also sein gutes Benehmen behalten und somit konnte ich auch trotz des Verlaufs der vergangenen Stunden den Respekt vor mir bewahren, als ich mich im nächsten Augenblick in seinem atemberaubenden Kuss verlor.
Eigenartigerweise kam es in dieser Nacht nicht zum eigentlichen Akt, aber dafür zu einer ausgesprochen leidenschaftlichen
Fummelei, so dass ich mich erst wieder fand, als er nach einer knappen Stunde mit mir fertig und ich fast völlig am Ende war. Mein Herz bebte und voller glücklicher Entzückung staunte ich innerlich über die Hingabe und die Geduld, mit der er für meine Zufriedenheit sorgen wollte und gesorgt hatte. Erschöpft und außer Atem verließ mich leider das hitzige Verlangen und so musste er unfairerweise mit wenig Herzlichkeit und meinem spärlichem Engagement vorlieb nehmen und aufgrund meines infolge der Kifferei
ausgetrockneten Mundes vermochte ich ihm lediglich mit Fingerspitzengefühl auszuhelfen. Nach weiteren zehn Minuten waren wir zum Ende gekommen....
Fortsetzung folgt!
Hier in meinem Viertel...
...oder auch Block kraucht so einiges umher, ist es doch Kölns beliebtestes Biertrink- und Rumbrüllviertel bei den Studenten. Billig Alkohol und billig Döner und die Uni ist auch gleich noch nebenan. Dumm nur, dass bei den vielen Kneipen auf wenig Raum auch eine überdurchschnittlich große Anzahl von Freaks im Viertel strandet, die durch Alkoholgenuss und Fressen von Straßenstaub einst eventuell verfügbare Kapazitäten verpulvert haben. Jetzt treiben sie hier Tag und Nacht ihr Unwesen, ziel- und anspruchslos, immer auf der Jagd nach dem nächsten Streich.
Seit vier Jahren lebe ich genau hier. Meine Wohnung und mein Kneipenjob (was sonst?) grenzen das Gelage quasi ein, tja und so verbringe ich eine Menge Zeit in meinem Viertel und habe unzählige Menschen gesehen. Folgende sind mir dabei am meisten auf den Sack gegangen:
Mutterficken in Spanien
Ein ganz besonderes Naturell und unglaublich asozial ist die alte Frau mit der geballten Faust. Traut man sich nah an sie heran, kann man sehen, dass sie noch relativ gepflegt aussieht - jedenfalls nicht wie frisch aus der Mülltonne. Doch wehe du bist ihr nächstes Opfer - dann darfst du wahrscheinlich auch mal an ihr riechen.
Das erste Mal, dass ich von ihr wirklich Notiz nahm, war an der Haltestelle. Aus dem Nichts tauchte ein Knäuel Lumpen mit Mütze auf, das auch gleich begann, wildes Gekrächze über vergilbte Stimmbänder zu transpotieren: "Fotze mit der roten Lederjacke! Do Nutte stehst schon den ganzen Tach an deinem Platz...hau endlich ab do! Blöde Nutte...kann ja wohl nich wahr sein. Do dreckiche Hure, do!" Die Fotze mit der roten Lederjacke war natürlich ich. Zwei Männer im Anzug grinsten sich neben mir einen ab. Sie waren Fremde im Viertel und haben wahrscheinlich gehofft, ich stehe, wenn es dunkel ist, immer noch da...
Weniger glimpflich erging es dem Mädel, was sich zwischen den zwei Jungs auf dem Weg zur Uni gewiss in Sicherheit wog. Von der anderen Straßenseite aus beobachtete ich, wie die aggressive Alte sich von hinten anpirschte und drauflos kloppte. Und zwar nur auf das Mädel.
Einmal, es war ein Sonntagmorgen so gegen acht in der Bahn, da stieg die alte Frau ein. Die Bahn war leer, die Frau war voll. Entschieden bewegte sie sich auf das weibliche Wesen zu, was da allein auf dem Vierer vor sich hin träumte. Sie bückte sich zu ihr herunter und hielt erst fünf Zentimeter vor dem erschrockenen Gesicht inne. Was muss die Arme wohl gerochen haben, als das Monster tief Luft holte und ihr als Gutenmorgengruß "Na? Mutterficken in Spanien oder was?" entgegenhauchte.
Manchmal sehe ich sie monatelang nicht und frage mich, ob sie wohl endlich jemand eingewiesen hat, dem sie mal an einem sonnigen Tag derbe eins übergebraten hat. Doch mein Wunsch erfüllt sich einfach nicht und die fixe Idee, sie mal auf ihre Verkorkstheit anzusprechen, habe ich mir selbst ausgeredet.
Bald wird sie uns wieder brüllend und schreiend durch den Frühling begleiten...und alles mit Titten jagen, was nicht aufgeschreckt durch die lautstarke Aneinanderreihung des Wortes Fotze das Weite gesucht hat.
...erfahrt demnächst mehr über Rolf mit dem Jutebeutel oder den aggressiven alten MANN...hier!
Mr. X fragte mich
höflich: "Gib ma Gras!"
"Hab keins. Hab aufgehört zu kiffen." - "Aha."
Ich drehte mich wieder zum Fernseher.
"Biste ne fette Sau geworden?" Der Charme. Ich wusste nicht genau, ob er mich gemeint hat, aber ahnte es schon.
"Ey...haste zugenommen?"
Natürlich hatte er mich gemeint, wen sonst?
"Ja man...ich hab halt aufgehört zu kiffen."
"Echt? Wenn man aufhört zu kiffen, nimmt man zu?"
Nun gut, ich nehme ihm das nicht übel. Als ich das Kiffen aufgab, begann das Essen wieder zu
schmecken und hörte auf, ein reiner Fressflash zu sein. Auf das Thema einzugehen, war mir dann aber doch zu anstrengend.
Gazellenartig betrat plötzlich der schmale Schatten von eben aus dem Flur wieder das Zimmer. Er hatte noch jemanden mitgebracht und mir nichts, dir nichts wurde es eng im Raum.
"Ey, du setzt dich auf den Stuhl und du kommst mal zu mir rüber aufs Bett."
Auf dem Bett drüben angekommen, kniff ich ihm in die Wange und machte einen ebenso blöden Kommentar über die sieben Kilo, die bei ihm von dem guten Essen hängen geblieben waren, das es gab, seit er nicht mehr auf der Straße leben muss. Die Sache hatte allerdings noch einen ganz anderen Vorteil, denn hier auf dem Bett konnte ich mich entspannt anlehnen und keiner vermochte es mehr, mich eventuell beim Fernseher gucken zu beobachten. Es interessierte wahrscheinlich sowieso keinen, genauso wie Alexandra Kamp auf Platz 57.
Genau betrachtet ähnelte
Mr. X Verhalten sehr dem eines vornehmen Mantelträgers gegenüber einem Obdachlosenzeitungsverkäufers in der U-Bahn und allmählich begann ich, seinen leichten Höhenflug zu erkennen. Er war der König und ließ es uns alle merken, aber wenigstens nicht nur mich. Des Weiteren konnte man eine dezente Unterwürfigkeit der anderen spüren, außer bei der Managerin. Ich hingegen fand einiges zum Motzen und haute ihn auf die schlechten Beats der neuen Platte an, dem schlechten Reim von "......." und kritisierte ihn unter anderem für die Veranstaltungen, die er hin und wieder mit seinem Auftritt supportet hatte.
Von nun an fragte er alle halbe Stunde grinsend: "Und du findest das echt voll Scheiße, wa? ...Das soll auch gar kein Reim sein."
"Is schon klar, man. Du kannst nicht zweimal hintereinander das gleiche Wort ans Ende setzen."
Irgendwie hatte ich sowohl den Eindruck, dass wir uns ein bisschen dissten, als auch, dass er mit meiner kritischen Würdigung nichts anfangen konnte, da dies nicht zu den Aufgaben von Gelegenheitsficks gehörte. Irgendwann war allerdings alles gesagt, was ich ihm dazu zu sagen hatte und ich widmete mich wieder meinem Drogenfilm.
Eine weitere männliche Person betrat das Zimmer, dessen schnieke Jacke prompt Mr. Xs Aufmerksamkeit auf sich zog, welche dann aber postwendend dem Päckchen Gras zukam, das er aus der Tasche derselben holte. Als dann die Tüte brannte, hielt er sie mir unter die Nase, smilte und probierte, mich zum kiffen zu verlocken. Leider waren Mr. Xs Scherze nicht halb so lustig wie die Scheiße, die in meinem Kopf herumflog. Ich blieb erst mal hart.
Dann fiel mir etwas ein, worauf ich ihn unbedingt noch ansprechen wollte.
"Ey, du hast mich im Radio gegrüßt, ne?"
"
Nein."
Dieses Wort, vor allem derart hochdeutsch ausgesprochen, ging mir langsam auf den Sack.
"Nicht? Bei Eins Live?"
"Wieso denn...was hab ich denn gesagt?"
"Du hast gesagt...'Weißt du, ich hab in jeder Stadt eine...in Köln übrigens auch...sei gegrüßt, Baby.'"
"Ach so...ja, wenn ich eine in Köln grüße, dann bist das natürlich du."
Warum tat er eigentlich so blöd?
[.....]
Zur Feier der Stunde wurde jetzt der zweite Joint gedreht.
"Ey, nach dem schmeiß ich euch aber raus."
"Ja ja."
Mr. Xs Interesse an der Jacke war, seit Thomas, oder Stefan, das Zimmer betreten hatte, minütlich gewachsen und der Preis für sie schon vereinbart. Ich könnte wetten, dass Thomas, oder Stefan, sie nur angezogen hatte, um einen Teil seiner Aufmerksamkeit zu erhaschen. Warum wollte er mir eigentlich nicht meine schöne neue Hose abkaufen? Die zwei machten aus, nach dem Joint zum Bankautomaten zu gehen, um die 400 Ocken abzuholen, die die Jacke kosten sollte und ich bereute kurzzeitig, dass ich sechs oder sieben CDs von ihm im Plattenladen gekauft hatte und somit einen verschwindend geringen Anteil davon mitbezahlte, denn die Jacke sah einfach scheiße aus. Aber um nicht noch mehr Zorn auf mich zu ziehen, ersparte ich mir jeglichen Kommentar und bekam stattdessen unheimlich Bock, doch mal an der Tüte zu ziehen.
Der tote Joint lag begraben im Aschenbecher, die devoten Kameraden schlichen sich auf ihre eigenen Zimmer, der
jackengeile Mr. X und der geldgeile Thomas, oder Stefan, ach, nennen wir ihn einfach Hansi, machten sich auf den Weg zur Bank und das megastonedte Groupie, also ich, blieb allein mit dem Bademeisterfilm von Bully Herbig auf dem Hotelzimmer zurück.
Auf dem Weg nach draußen fragte ich Mr. X: "Kannste mir Kippen mitbringen?".
"
Nein."....schon wieder. Beim nächsten Mal würde er es wahrscheinlich buchstabieren.
"Au man, ich geb dir auch die Kohle...hier!"
Als Hansi mir mit den Worten "Hier, zur Überbrückung" zwei Zigaretten auf das Bett schleuderte, begann ich, Sympathie für den Jungen zu entwickeln. Er und Mr. X verschwanden für zehn Minuten...
Fortsetzung folgt!
- Die Geschichte von Hannes und der Flusssäure -
Dies ist die Geschichte von Hannes, einem Kumpel von mir. Ich fand sie
so krass, dass ich sie aufschreiben musste...
Ein Teil von Hannes lebt im Untergrund. Er hat eine stadtbekannte Identität und kennt sich in seinem Land bestens aus. Keine Straße und keine Bahnstrecke, die nicht in den Genuss kam, seine lautlosen Schritte zu spüren. Kein Pflasterstein und kein Busch, der nicht in der Dunkelheit der Laternen seinen Schatten dinglich werden ließ.
Alternde Klischeeimitatoren würden ihn in einer Samstagnacht gnadenlos des geistigen Eigentums berauben, wenn sie ihn nur ausfindig machen könnten. Hannes ist ein begnadetes Talent des Entertainments. Er verwandelt sein Umfeld spielend in Spaßschnorrer. Manieren hat er und kleine Hände. Mit denen zieht er filigrane Linien bis zum Boden und stützt sich beim Klettern gekonnt auf steinigen Mauern ab.
Er ist auf der Flucht. Hannes flieht vor nächtlichen Passanten, vor Bahnwärtern und viel zu lauten Nachtsichthelikoptern, als würden sie ihm an seine Existenz wollen. Sie sind hinter ihm her. Ein grüner Handgriff auf seiner Schulter bedeutet geschätzte 10 Jahre Knast und Abschiebung ins osteuropäische Reich. Sie würden ihn wirklich gern zur Strecke bringen.
So sieht es aus. Man hat es nun mal nicht einfach als Graffitimaler ohne Pass in Deutschland. Legale Verfolgung einer illegalen Passion ist die eine Seite, illegale Wohnhaftigkeit einer legaleren Person als jeder Murat im SLK die andere. Zwei riskante Aspekte, die zusammen mehr Adrenalin ausschütten als ein ungesicherter Blick aus der offenen Flugzeugflanke in 3000 Metern Höhe. Diese Kunst ist eine Sucht nach Dopamin- und Endorphinergüssen, immer auf der Jagd nach maximalem Respekt und nie zuvor erreichten Aktionen. Höher, schneller, bunter.
S. ist einer der Wenigen, die Hannes’ Leidenschaft bezeugen können. Oder dürfen. Die etwaige Enttarnung zwingt Hannes dazu, auch im sozialen Alltag hinter Fassaden abzutauchen und sich bezüglich seiner künstlerischen Aktivität bedeckt zu halten. Doch hier und da begegnet er einer vertrauenswürdigen Seele, derer ihm ihr einen Einblick zu verwähren unnötig erscheint.
An irgendeiner Stelle in seinem Leben offenbarte sich Hannes ihm. An irgendeiner Stelle bekam S. die Sache mit. Ab irgendeinem Zeitpunkt wusste er Bescheid.
S. ist ein junger Geschäftsführer in einem Laden, der hauptsächlich Hip Hop Mode vertreibt. Und eben ein perfektes Beispiel für einen Spaßschnorrer an einem Samstagabend unter Freunden, der sich lachend zurücklehnt und die anderen improvisieren, assoziieren und imitieren lässt. Sein Bild würde perfekt mit einem Zahnstocher zwischen den Lippen, der ihn leider am herzhaften Lachen über meisterhafte Darbietungen hindert. Unter seiner gelben Kappe auf rotem Kopftuch, kombiniert mit einem gelben Gürtel, rotgelben Sneakern, förmig rasiertem Gelbart und echten Glassteckern im Ohr, biedert sich den anderen auch ohne Klischeezahnstocher seine mimiklose Coolness ohne ein Quäntchen Teilnahme an der Show an. Irgendwie wäre er auch gern so lustig und allseits beliebt wie die. Aber irgendwie ist er cooler. Wie auch immer – S. gewinnt Hannes’ Sympathie. Ihnen wird etwas zuteil, was man Freundschaft nennt.
Sie kennen sich schon lange. S. erfährt von der Leidenschaft der illegalen Straßenkunst; Hannes von S. Plänen, sich mit der geldmachenden Welt des Geschäftsführers eines Klamottenladens zu verbinden.
Auf der Suche nach Irreparabelität der Schriftzüge in Fensterscheiben ergattert einer der Gleichgesinnten in Hannes’ Umfeld ein begrenztes und kostspieliges Kontingent an Flusssäure. Flusssäure ist ein stark ätzendes Kontaktgift, das sich, selbstverständlich nur unter Vorsichtsmaßnahmen, in alles einbrennt, womit es in Verbindung kommt.
Leicht beschwingt machen sich Hannes und ein paar andere Jungs auf den besten Weg, die Innenstadt zu verschönern und biedere Vertreter der Besitz- und Eigentumstheorie zu verärgern. Das Zeug ist teuer, also überlässt Hannes seinen Freunden den Vortritt beim Nameneinätzen. Doch vergessen wird er nicht. Fleißige fremde Hände lassen Hannes’ Pseudonym unvergänglich in Glas fließen. Ohne, dass er selbst die Kontrolle über den Verbleib der Relikte behält.
Es ereignet sich einige Tage oder Wochen später, dass sich Hannes und S. wieder begegnen. Und S. ist sauer, weil er letztens, beim morgendlichen Aufschließen seines Klamottenladens, Hannes’ Namen im eigenen Schaufenster entdeckt hatte. Säuberlich eingeätzt. Nur durch Auswechseln der Scheibe zu beseitigen.
Just in diesem Moment erinnert sich Hannes an diese Nacht und ihm fällt auf, dass es gut sein kann, dass seine Begleiter ihn in S.' Scheibe verewigt haben. Doch er entschuldigt sich und die unangenehme Situation erteilt ihm eine Lehre.
S. hat den Schaden gemeldet. Er berichtet, wie die Versicherung die Lädierung eruiert und letztendlich bezahlt hat. S. hat ein nigelnagelneues Schaufenster von ihr bekommen und Hannes fällt ein Stein vom Herzen, denn er begreift, dass dies eine Überschreitung freundschaftlicher Toleranzgrenzen war und ihm die Blamage ins Gesicht geschrieben steht. Dumm gelaufen. Aber irgendwie doch gerettet. Die Versicherung hat den Schaden behoben. S. hat keine Probleme deswegen bekommen. Und Hannes ist mit einer Entschuldigung raus.
Was könnte er auch gegen die Flusssäure tun? Zu putzen gibt es da nichts.
Im nächsten Moment fordert S. von Hannes 5000 Euro. Quasi zur freundschaftlichen Wiedergutmachung. Wenn er das Geld nicht zahlt, will S. Hannes’ Daten der Polizei weitergeben. Zur strafrechtlichen Verfolgung. Und somit auch zu Hannes’ Abschiebung.
Er wird dann ins Gefängnis gehen. Er wird seine Freiheit verlieren.
Er wird sie nicht ehrenhaft verlieren, von einer grünen Hand festgehalten, weil er nicht schnell genug rannte nachdem er ein großes buntes Bild gemalt und sich den Adrenalinkick geholt hat. Sondern unehrenhaft. In den Rücken geschossen, bevor er sich im Duell umdreht.
Oder S. hat bald 5000 Euro auf seinem Privatkonto.
Mein Gefühlsleben tanzte nach wie vor wie gestochen auf dem Tisch wie kleine, dicke Bienen zu Karneval, doch mein Äußeres sagte nur:
Bling Bling. Ich sah gut aus. Meine rote Lieblingshose, welche die Bombe von Freundin schlechthin Anatouschka aus samtweichem Nikistoff für mich maßgeschneidert hatte, verlieh meiner Erscheinung eine Lässigkeit, um die mich kein Politiker dieser Welt beneiden würde. Schwarzweiße Conversestiefel und eine sommerliche, hellblaue Nikijacke machten dazu ordentlich was her. In Kombination mit einem schwarzen Mantel, tiefhängenden Ohrringen und einer durch erweiterte Pupillen maximal untermauerten positiven Ausstrahlung war ich in Sachen Style unschlagbar.
Ego lässt grüßen.Aus der Bahn raus und die letzten Meter zu Fuß, dann rein ins
Hotel und nun zeigten die Drogen ihre Wirkung. Die Lobby war das
Raumschiff und die in Freundlichkeit sorgfältig trainierte Rezeptionistin der Kapitän auf der Kommandobrücke. Sie bat um Auskunft nach meinem Namen. Ich sagte, ich würde gern einmal um die Erde und wieder zurück, woraufhin sie mich mit Zimmer 711 verband, in dem sich ein junge, aufstrebende Managerin in Richtung Telefon beugte und meine Ankunft als gegeben hinnahm.
Mit oberster Erlaubnis wurde ich in die siebente Etage teleportiert und mir wurde klar, dass keine Droge der Welt imstande war, meine Aufregung zu eliminieren. Auf dem Absatz kehrt machen war doch gar nicht so schwer. Jedenfalls nicht so schwer wie meine Beine. Allein schon, dass die Pille die Mauer der Nervosität nicht durchbrechen konnte, verwundert mich im Nachhinein. Man hätte meine in einem Schraubstock gefangenen Hände locker zum Cocktail shaken benutzen können. Dieser Mann war der Antagonist der kompletten kolumbianischen Mafia.
Nur noch drei Meter.Relativ orientierungsverpeilt stieg ich aus dem Teleportierer und schlug instinktiv die rechte Richtung ein, aus der mir ein einsneunzig großer,
breitschultriger Türke mit Baggy und Goldkette entgegenstampfte. Wiederum instinktiv wusste ich nun, dass rechts wohl die richtige Entscheidung gewesen war und schwebte geradewegs auf die offen stehende Tür hinzu, die ich hinter den Schultern entdecken konnte. Gut erzogen zitterte meine Hand gegen die Tür und lenkte dadurch
Mr. X vom Einfädeln der Schnürsenkel in seine neuen Schuhe ab.
Im Zimmer lief der Fernseher und zeigte der Nation ihre hundert nervigsten Prominenten. Mr. X saß auf dem Bett, seine Managerin neben ihm. Vor ihm auf dem Boden ausgebreitet lagen diverse Einkaufstüten, ein weiteres Paar Schuhe, in welche die Schnürsenkel schon eingezogen waren, eine volle Plastiktüte aus dem Supermarkt und - unsichtbar - meine Nerven. Das Zimmer an sich war ziemlich klein, die Rammelkiste leider nur ein Einzelbett und der Stuhl gegenüber am Schreibtisch hätte für 450 Euro pro Nacht gern ein Sessel sein können. Außerdem saß hier meiner Meinung nach eine Person zuviel. Aber immerhin lächelte er, als er mich sah.
Wie ich da nun so in der Tür herumstand und dämlich grinste, er mich anlächelte und Sashas Visage gerade auf Platz 85 durch Deutschlands Mattscheiben in springerver-blendete Hirne strahlte, vernahm ich einen leisen Aufschrei meiner Selbstsicherheit und schöpfte neuen Mut aus den unendlichen Tiefen der Piccoloflasche, die in der Minibar auf mich gewartet hatte. Auch der Stuhl freute sich, dass ich nun endlich gekommen war und so nahm ich auf ihm Platz. Ob wohl jemand gemerkt hatte, dass ich völlig verstrahlt war?
Was nicht war, konnte auf jeden Fall noch werden, denn nun folgte der Dialog.
"Wie war´s in Mexiko?"
Ich traute meinen Ohren nicht. Sowieso musste ich mich stark zusammenreißen um nicht etwas wie "Hey, wie geht's? Willst du mich heiraten?" zu hören und einfach mit "Ja" zu antworten. Über den ganzen Trubel um seine Person im letzten halben Jahr hinweg konnte er sich tatsächlich noch an meinen Trip erinnern!
"Supergeil...is schon krass mal so ganz allein um die halbe Welt zu fliegen und durch ein fremdes Land zu reisen."
Seine Managerin klinkte sich ein. "Echt? Du warst in Mexiko? Ja... Mr. X hat dich öfters mal angerufen und erzählt, du bist nicht da."
Ich bin mir bis heute sicher, dass sie diesen Satz wirklich gesagt hat. Jedenfalls konnte ich es schon wieder nicht fassen und verstummte. Hätte ich nicht schon gewusst, dass er mich öfter angerufen hatte, wäre ich an dieser Stelle aus den Latschen gekippt und mit Verdacht auf Überdosis in der Notaufnahme gelandet. Er hatte also seiner Managerin davon berichtet, dass das Groupie nicht erreichbar war. Mehrmals.
"Ja, da war immer so ein komisches Mädel bei dir dran."
"Hmm, das war Anatouschka. Die hat in der Zeit bei mir gewohnt."
Sie sagte etwas zu ihm, er ging darauf ein und ich war fürs Erste fein raus aus der Konversation. Reden war verdammt anstrengend und zu überlegen, was man sagt, erst recht.
So meisterte ich die ersten zwanzig Minuten glanzvoll, hiervon mindestens zehn damit, auf den Fernseher zu glotzen. Eigentlich täuschte ich es nur vor, denn die flackernden Bilder konnten von meinen flackernden Pupillen nicht zum Stillstand gebracht werden. Schlauerweise fragte ich noch, ob er schon in der Promiliste aufgetaucht war. Rechnen tat keineswegs irgendjemand damit...
Fortsetzung folgt!
Karneval ist vorbei und jeder, der jetzt noch mal Alaaf sagt, den fessel ich und spiel ihm mal 6 Tage lang die Platte der Brings vor...
Soll ich euch mal was über den Kölner Karneval erzählen?
Am Donnerstag machts noch am meisten Spaß, doch jeder Tag danach ist genau einer zu viel. Die Typen vor meiner Theke werden immer besoffener, wobei ich mir da noch ein besseres Wort einfallen lassen muss, denn wenn sie am Donnerstag besoffen sind, wie soll ich dann den Rosenmontag beschreiben...am besten trifft es wohl am Ende. Kellner 1 hat schon die erste Ische an der Lippe hängen, während einer unserer marrokanischen Küchenjungs hinten bei den Mülltonnen im Kellerdurchgang mit dem Marienkäfer beschäftigt ist. Dummerweise hat der Chef den Keller zugeschlossen, wo sich in vergangenen Jahren das Personal vergnügt hat. Doch eine Karnevalsjüngerin ist es in ihrem roten Latexkostüm gelungen, in den Keller zu kommen und stakst mit Pumps auf dem unebenen Boden herum. Als der Chef sie findet, fragt er sie: "Sach ma, kommste direkt von der Arbeit?"
Ich frage mich, wieso ständig die Küche zugeschlossen ist; am Samstag finde ich dann die Lösung. Marrokaner 2 mit der lila Perücke hat auch eine abgekriegt...und befummelt sie zwischen den leeren Würstchendosen. Kellner 2 ist total auf Koks und dreht mit dem Bierkranz Runden um sich selbst und danct danct danct...Kellner 1 wird am Samstag zum 6. Mal von mir mit einer anderen beim knutschen fotografiert. Dieselbe nimmt er am gleichen Abend noch mit nach Hause.
Der (auch marrokanische) Chefkoch, der wegen seinem Festgehalt keine Extraschichten abreißt, ist trotzdem immer da...zum feiern. Kolleginnen beschweren sich über seine Aggresivität, welche doch eigentlich nur davon kommt, dass das Koks im Laden ausgegangen ist, was mir der Türsteher flüstert, der, wie in jedem anständigen Laden, das Personal versorgt. Die Bullen haben seine Connex hochgenommen. Also schüttet sich Chefkoch zu, is aber nich so schlimm, weil der nie an meiner Theke abhängt.
Selbst der Zweitversorger, seineszeichens mittelmäßiger Schauspieler, kommt an nix ran. Kellner 3 is am Samstag richtig blau und fängt wieder an, zu rauchen. Sonntag hat Kellner 2 den vollen Durchhänger und Kellner 1 ist privat zum feiern gekommen. Er schlägt zu und hängt sich an die Unterlippe der pausbäckigen Piratin mit der verlaufenen Schminke. Der Chef packt sich die Fröschin und schmeißt sie raus, weil sie patu nicht versteht, dass es kein Leitungswasser gibt. Sie vergeht sich am Spülwasser und da wars aus beim Chef. Kaum war die Fröschin weg, wurde Platz geschaffen für die zwei Lumpentussis im Delirium, die anfangen rumzuknutschen. Kommt ein anderer Typ und macht von hinten mit, leckt der Braut am Nacken und grabbelt an ihrem Arsch. Dass da Kellner 1 seine Chance nicht direkt ergriffen hat, versteh ich auch nicht.
Montag, total blau, steht ein Freund von mir an der Theke. (Dass die auch alle immer um ein Freibier betteln müssen...) Ich dreh mich für zwei Sekunden um und schon fummelt er am Hosenbund dieses hübschen Jeansgirls. Zwei Stunden lang geht das so und im Nachhinein war er mit seinem löchrigen Gedächtnis total schockiert, dass ich ihn gesehen hatte. "Alter, du standst direkt hier an der Theke!" Wie es seiner Freundin so geht, frag ich ihn und mach im deutlich, dass ich das alles Scheiße finde.
Die unzähigen Anbaggereien, gegen die ich mich wehren musste, erwähn ich gar nicht erst. Mein einziges Glück war, dass man besoffene Hirnis mit ."Nicht labern. Gib mir das Geld!" oder "Verpiss dich, du nervst!" schnell abwimmeln kann.
Am Mittwoch war Fischessen mit allen Kollegen und da haben wir 16 Fotos von Kellner 1 mit angespitzten Lippen gezählt. Hat sich gar nicht zum Fischessen getraut, der arme Jung. Ich hatte Keuchhusten und sabberte nach 6 Tagen Käsebrötchen und Bockwurst vor lauter Bauchschmerz auf meinen Teller.
Doch dann kam der große Moment und der Chef packte die Lohntüten aus...
Am nächsten Tag bin ich ins Reisebüro und hab mir ein Ticket nach Argentinien gekauft. Yeah
Ach ja, und ich faste. Heißt, die nächsten 6 Wochen keine Schokolade, kein Fleisch, kein Alkohol und keine Drogen. 
Freitagabend war nun nach der zweiten Pulle komplett gelaufen und der Akku des Telefons tot. Die betäubende Wirkung des Alkohols verursachte, dass die geschwollene Brust langsam wieder auf Normalgröße A schrumpfte und friedlich sabbernd nickte ich ein. Alkohol tötet auch Träume.
Optimal wäre es gewesen, am Samstag durch das Telefonklingeln geweckt zu werden und gesunden Schlaf als Zeichen für Coolness und Ungerührtheit geltend zu machen. Real hingegen war ein müdes Erwachen mit matschig machenden Promillepegel, gigantischem Brand und feuriger Erwartung gegenüber dem Tag. Verdammt, ich konnte nicht mehr pennen. Ich sah es schon kommen: Keine Minute des Tages würde ich klare Gedanken orten können und mit Zuversicht und Skepsis Pingpong spielen. Die Verrichtung sinnvoller Sachen wie lesen oder über möglichen Strategien brüten erübrigten sich aus Mangel an Konzentration oder glatter Sinnlosigkeit. Es gab nur eine einzige befriedigende und realisierbare Sache zu erledigen.
Und um etwa ein Uhr war ich mit
Ganzkörperrasur,
Gesichtsmasken und intensivster
Riecht-Lecker-Behandlung fertig. Es war immer noch viel zu früh und somit musste der kleine braune Junge vom Zimmer nebenan für einen Dialog herhalten. Um das Gespräch ein wenig zu ölen und dem Redefluss freie Bahn zu gewähren fing ich den
elften Tag in Folge vor siebzehn Uhr an, zu trinken. Aber hey, es war wenigstens endlich Wochenende.
Darüber hinaus war ich nicht so aufgeregt, als am frühen Abend die blinkenden Groß-buchstaben wieder in Erscheinung traten und
Mr. Xs Name auf dem Display erleuchtete. Auf Skepsis war geschissen, ich wusste es doch.
"Hi."
"Hallo." Pause.
"Nachtflug findste wahrscheinlich auch nicht besser?"
"Ne, nicht wirklich. Was für Scheißclubs."
"Ach komm, wir trinken uns da gemütlich einen."
"Nee...es gibt zwei coolere Technopartys heute Abend."
"Nee, auf Technoparty hab ich keinen Bock. Ich telefonier noch ma rum und meld mich später noch mal."
Mist, keine Technoparty. Mein Plan war es, mit ihm eine Pille zu schmeißen und die Wirkung den Rest regeln zu lassen. Also nervte ich wieder den kleinen braunen Jungen, indem ich seinen Internetzugang in Beschlag nahm. Hip Hop Party. Na gut, dort könnte man vielleicht auch Drogen nehmen. Und da klingelte es schon wieder.
"Hallo."
"Ey...Planänderung. Ich hab keinen Bock mehr auf Party. Is ja nix los hier."
"Doch, komm schon. Es gibt ne Hip Hop Party und außerdem legt Hans Nieswandt auf."
"Nee nee, ich hab keinen Bock mehr."
Hatte ich es etwa versaut, weil ich nicht ins Apollo wollte? Aber eigentlich egal; mit keinem Monsterfick der Welt betrete ich an einem Samstag diesen Laden.
"Ey, echt keinen Bock? Komm schon!"
"Nee, willste ins Hotel kommen?"
"Hmm..." Echt dämlich gelaufen. "Haste nicht Lust, hier her zu kommen?" Irgendwann einmal hatte er gefragt, ob er bei mir übernachten kann, wenn er in der Stadt ist. Ich wollte ihm wenigstens zeigen, dass auch mein Zimmer eine coole Sau ist.
"Nein." Autsch. Die Kälte lässt mein Ohr frösteln.
"Okay...wo biste?"
"Beim Essen."
"Nee, ich meine, in welchem Hotel?"
Im Hintergrund gab es Gemurmel und eine Frau sprach meinen Namen aus.
"Wann biste da?"
"So in ein, zwei Stunden."
"Okay, bis dann."
"Tschö."
Spätestens jetzt war es Zeit für Drogen. Koks hätte ich eindeutig bevorzugt, da es meine Anspannung reguliert, oder als zweite Wahl auch Pep, weil es die Flut der Gedanken auf unwichtige Dinge lenkt, doch leider fand ich nur noch zwei Pillen im Kühlschrank. Von den Dingern wird man immer so verklatscht. Also tastete ich mich vorsichtig an die Sache heran und nahm vorerst nur ein Viertel.
Eine halbe Stunde darauf siegte jedoch abermals Verlangen über Vernunft und ich aß ein weiteres Viertel, bevor ich mein liebstes Energiebündel Shazzy Jazzy anrief. Sie ist immer die beste Hilfe, wenn
emotionale Ballungszentren die Gedankengänge zu verstopfen drohen und sich der totale Realitätsverlust ankündigt. Dreißig Minuten später trafen wir an einer Straßenecke aufeinander und während eine berauschende Dosis hemmungslose Ehrlichkeit auf mich niederprasselte, drückte sie mir beiläufig, von Passanten gänzlich unbemerkt, ein Briefchen mit schneller Hilfe in die Hand: mein von mir geliebtes Speed.
Im Sturzflug eilte ich nach Hause und wehrte die besagte Gedankenflut mit einer überdimensionalen Line Pep ab. Die restliche Pille nahm ich praktisch im gleichen Atemzug und machte mich leicht beschwingt auf den Weg ins Hotel.
Doch ich ahnte nicht, dass es die bitterste Pille dieses Abends noch zu schlucken galt... Fortsetzung folgt!
Das wäre nun das dritte Mal, dass wir uns treffen.
Es war länger als ein halbes Jahr her, dass wir uns auf einem seiner Konzerte zum ersten Mal begegnet waren. Ich hatte ihn zuvor bereits auf seiner Platte über Weiber, Groupies und Ficken im Allgemeinen rappen hören und damals dämmerte mir, dass es wohl nicht allzu schwer sein konnte, sich von dem Typen durchvögeln zu lassen. Zwischen dem, was er rappt und dem, was er bringt, konnten keine klaffenden Unterschiede existieren.
Und wenn doch, dann war doch seine Musik allemal einen Konzertbesuch wert.
Indes ereignete sich direkt im Anschluss an seinen Auftritt tatsächlich das, was ich vorher fast schon großspurig prophezeit hatte. Er quatschte mich an, schleppte mich in den VIP-Raum, haute mir aus Versehen mit dem Ellenbogen eine mordsmäßige Beule über das linke Auge, lachte sich mit mir darüber schlapp und letztendlich landeten wir an jenem Ort, auf den ich es abgesehen hatte:
Im Bett.
Erhobenen Hauptes empfing ich später die Anerkennung meines Kollegen, als er das Erlebte zutreffend deutete und zu mir sagte: "
Respekt! Der ging raus mit Ankündigung."
Im Großen und Ganzen war ich von unserer ersten Begegnung positiv überrascht. Mr. X hatte sich völlig anders verhalten, als ich erwartet hatte. Alles an dem Treffen entsprach meinem Geschmack:
Der Witz, das Gespräch, der Fick. Wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte ich mich nicht auf ein zweites Date mit ihm eingelassen, als er vier Wochen später anrief und sich erneut mit mir treffen wollte.
Denn Promis ficken ist verdammt noch mal das Gleiche wie mit Ole oder Basti von der Hip Hop Party. Mit denen trifft man sich auch nur wieder, wenn die Physik vor und besonders nach heißer Fummelei persönliches Interesse weckte.
Ich bin übrigens volljährig, für den Fall, dass jetzt jemand denkt, man muss minderbemittelt und/oder in der Entwicklung stecken geblieben sein, um als Frau solche Musik zu mögen...und den Typ auch noch ficken zu wollen. Ich bin stolz auf einen persönlich unbeteiligten Humor und kann ein Ego vorzeigen, dass selbst von gutem Kolumbianischen nicht viel höher gepusht werden kann.
Vier Wochen nach dem
Monsterfick des Jahres 2004 klingelte also das Telefon und die Stimme meiner Lieblingsplatte fragte an, ob ich nach Düsseldorf kommen wolle; er nahm dort gerade etwas im Studio auf. Dumm nur, dass ich ausgerechnet an diesem Abend dem Group Home Konzert in meiner Stadt meine Teilnahme versprochen hatte und nicht kommen konnte. Jedenfalls nicht nach Düsseldorf. Das sollte ihn allerdings nicht davon abhalten, mich sehen zu wollen. Da er außerdem nicht bei mir pennen konnte, wurde flugs ein Hotel gebucht und Mr. X quer durch die Nacht in meine Stadt chauffiert...
Besser als Kolumbianisches.
Den Sommer verbrachte ich fern ab von Europa. Ich reiste durch ein fremdes Land und vergaß so langsam Zeile für Zeile meiner Lieblingslieder. Während dieser Zeit meldete er sich einmal bei mir zu Hause. Als ich endlich wiederkam, investierte ich mehr Zeit in Partys und Arbeit als in ein häusliches Leben und war praktisch nie zu erreichen. Infolgedessen verpasste ich seinen vierten, fünften und sechsten Anruf...
Sehr viel besser als Kolumbianisches.
Fortsetzung folgt!
Der Korken machte gerade plopp, als ich das Klingeln des Telefons vernahm. Es war ein gewöhnlicher Freitag und es stand nichts weiter an, also beschloss ich mir mit einem Gläschen Wein die Langeweile schönzusaufen. Am Abend vorher hatte mich eine Magen-Darm-Attacke flachgelegt und zu einem siebenstündigen Aufenthalt auf dem Klo gezwungen; eine Audienz der Art, bei der die Entscheidung schwer fällt, ob man der Kloschüssel zuerst mit dem Gesicht oder mit dem Arsch die Ehre erweist. Doch schon am nächsten Tag war alles wieder vorbei.
Relativ gut erholt und in freudiger Erwartung ließ ich also alles stehen und liegen und machte mich auf die Suche nach dem verdammten Telefon. Bei so einem seltenen Ereignis darf man gern mal unruhig werden, denn das Mistding hat sich schon wieder so lange nicht gemeldet, dass ich vergessen hatte, wo es lag.
Ah, hab ich dich!
Doch die Unruhe verwandelte sich augenblicklich in Panik, denn die Displayanzeige meines hypermodernen ISDN-Telefons schmetterte mir einen Namen in Form von blinkenden Großbuchstaben entgegen, den ich mir bis zu diesem Zeitpunkt am liebsten genau so auf meinen Arsch hätte tätowieren lassen.
Verlässlich und gewissenhaft wurde ich auf den sehr speziellen Anrufer vorbereitet und lediglich meine Pflanzen schenkten dem verraucht krächzenden Laut Beachtung, der mir unbemerkt entfuhr.
Mr. X.
Obwohl ich bis zu diesem Moment an einem erneuten Anruf gezweifelt hatte, war ich keineswegs überrascht, als er kam. (Das nächste Mal bin ich es, nebenbei bemerkt.) Nur geschmeichelt. Und nervös.
Locker ans Telefon gehen war natürlich nicht drin. Ein aufgesetztes "Buenas Noches, Señor" brachte ihn zum lächeln. Wie cool ich ans Telefon gehen würde.
"Was heißtn das?"
"Guten Abend der Herr."
"Ah so...weißte denn, wer dran ist?"
"Ja klar, man...ich kanns sehen."
"Verstehe. Was machste morgen? Haste Bock, feiern zu gehen?"
"Biste etwa morgen in Köln? Auf jeden. Wohin denn?"
"Ja...Apollo oder so. Ich war da schon mal."
Apollo geht leider gar nicht. Prolliger kann man in dieser Stadt kaum feiern gehen.
"Nee, Apollo ist voll schlimm, man. Da geh ich nicht hin."
"Ach komm, wir wollen uns doch nur ein bisschen betrinken."
"Nee, lass ma."
"Okay, äh...ich hab da nen Kumpel...ich frag den noch ma, was ansonsten so los ist. Ich ruf dich dann morgen noch ma an."
"Alright. Bis morgen dann."
"Tschö."
Booooaaaaaaaahhhhhhhhhhhh!!!!!!!
Das Grinsen in meinem Gesicht war für mehr als eine Stunde eingefroren. Nicht nur blöde im Hotelzimmer ficken, sondern vorher noch feiern! Mit ihm auf eine Party zu gehen bedeutete, ihm zeigen zu können, was für eine coole Sau ich doch bin. Und wenn er auch eine ist, dann würden wir uns prächtig verstehen und der Abend wäre vielleicht der Anfang einer überschwänglichen, gefährlich-prickelnden Liaison zwischen der cleveren Schönen und dem Monsterfick, der durch Erfolg mit Schönheit glänzt.
Stay tuned..
Fortsetzung folgt!
Seit Tagen schlafe ich durch traumlose Nächte. Nachdem mir Mr. X am Sonntagmorgen eine glanzvolle Abfuhr erteilt hat, will ich nicht mehr runterkommen. Auf Pep, Pillen und Koks holt einen die Realität erst spät ein; vielleicht ist sie dann auch schon vorbei. Und man träumt genauso wenig wie als Kiffer.
Mr. X ist ein Rapstar. Am Sonntagabend sollte ein Konzert von ihm stattfinden und schon Wochen vorher ließ sich meine Vorfreude nicht mehr zügeln. Nicht etwa, weil ich Hoffnungen schürte, zum wiederholten Male ins Hotel beordert zu werden. Nein, ich wollte wirklich das Konzert sehen und die Show allein hätte ausgereicht, um mich mit zufrieden glücklichem Gesichtsausdruck nach Hause schweben zu lassen.
Stattdessen sah man mich mit umso enttäuschterer und hoffnungsverlorener Miene an diesem Sonntagmorgen gegen drei Uhr Nachmittags das Hotel im Zentrum der Stadt verlassen. Nach kurzem Tageslichtschock - seit meiner Jugend verhasst als ungnädiger Realitätsdämpfer - konnte ich den Dom erblinzeln, der mir meine räumliche Orientierung wiedergab. Anzunehmen, dass ich auch den Überblick über die Situation zurück gewonnen hätte, wäre beim Abschied eine klare Ansage erfolgt. Ich stand Mr. X in der gnadenlosen Flut des Tageslichts gegenüber und dank meiner augenblicklichen Nullpeilung kam statt klaren Sätzen nur ein halbdeutliches, passives "Okay" über meine Lippen, dass soviel heißen sollte wie: da wären wir also...was soll ich tun? ...was soll ich sagen?...ich weiß nicht weiter...sag was!
"Rufst du mich an?"
Hatte er das wirklich gesagt?
"Nee, du gehst ja nicht ans Telefon, wenn ich anrufe."
Meiner Nummer erscheint nicht auf dem Display und er hebt bei unbekannten Teilnehmern nicht ab. Er ist eben Star.
"Schaff dir mal ein Handy an!"
Aus Desinteresse habe ich mir bis heute noch keines dieser Dinger angeschafft, und dieser Spruch nervt mich auch normalerweise, doch jetzt verspürte ich das erste Mal eine Art Erklärungsnot.
"Nee - äh, hab ich keinen Bock drauf."
Tolle Erklärung. Er hob die Augenbrauen, murmelte so etwas wie "komisch" und blieb still.
"Ähm..."
Etwas Besseres fiel mir einfach nicht ein.
"Was?"
Ein sehr ernster und gestresster Tonfall ängstigte mein intaktes Ego.
"Ach nichts, ich hab nur 'okay' gesagt."
Ich drückte ihm schnell einen Kuss auf die Lippen und sagte Tschö, denn alles was ich wollte war, so schnell wie möglich von hier wegzukommen. Er wirkte vollkommen unbeteiligt. Ich verabschiedete mit einem lauten Tschö noch seine Crew, die gerade das Auto belud und mich peinlicherweise völlig ignorierte.
"Ey, die hat Tschö gesagt."
Danke für die Unterstützung, Mr. X.
Drei oder vier unbeeindruckte Stimmen mühten sich ein Tschö heraus und ich grinste mit einem Schulterzucken in sein Gesicht. Mein unterschwellig immer noch anhaltender Drogenfilm von gestern verhinderte, dass ich in Tränen ausbrach, als ich mich umdrehte, was bei klarem Verstand definitiv der Fall gewesen wäre. Dieser Moment hätte nicht blamabler sein können...
Fortsetzung folgt!