Seit Tagen schlafe ich durch traumlose Nächte. Nachdem mir Mr. X am Sonntagmorgen eine glanzvolle Abfuhr erteilt hat, will ich nicht mehr runterkommen. Auf Pep, Pillen und Koks holt einen die Realität erst spät ein; vielleicht ist sie dann auch schon vorbei. Und man träumt genauso wenig wie als Kiffer.
Mr. X ist ein Rapstar. Am Sonntagabend sollte ein Konzert von ihm stattfinden und schon Wochen vorher ließ sich meine Vorfreude nicht mehr zügeln. Nicht etwa, weil ich Hoffnungen schürte, zum wiederholten Male ins Hotel beordert zu werden. Nein, ich wollte wirklich das Konzert sehen und die Show allein hätte ausgereicht, um mich mit zufrieden glücklichem Gesichtsausdruck nach Hause schweben zu lassen.
Stattdessen sah man mich mit umso enttäuschterer und hoffnungsverlorener Miene an diesem Sonntagmorgen gegen drei Uhr Nachmittags das Hotel im Zentrum der Stadt verlassen. Nach kurzem Tageslichtschock - seit meiner Jugend verhasst als ungnädiger Realitätsdämpfer - konnte ich den Dom erblinzeln, der mir meine räumliche Orientierung wiedergab. Anzunehmen, dass ich auch den Überblick über die Situation zurück gewonnen hätte, wäre beim Abschied eine klare Ansage erfolgt. Ich stand Mr. X in der gnadenlosen Flut des Tageslichts gegenüber und dank meiner augenblicklichen Nullpeilung kam statt klaren Sätzen nur ein halbdeutliches, passives "Okay" über meine Lippen, dass soviel heißen sollte wie: da wären wir also...was soll ich tun? ...was soll ich sagen?...ich weiß nicht weiter...sag was!
"Rufst du mich an?"
Hatte er das wirklich gesagt?
"Nee, du gehst ja nicht ans Telefon, wenn ich anrufe."
Meiner Nummer erscheint nicht auf dem Display und er hebt bei unbekannten Teilnehmern nicht ab. Er ist eben Star.
"Schaff dir mal ein Handy an!"
Aus Desinteresse habe ich mir bis heute noch keines dieser Dinger angeschafft, und dieser Spruch nervt mich auch normalerweise, doch jetzt verspürte ich das erste Mal eine Art Erklärungsnot.
"Nee - äh, hab ich keinen Bock drauf."
Tolle Erklärung. Er hob die Augenbrauen, murmelte so etwas wie "komisch" und blieb still.
"Ähm..."
Etwas Besseres fiel mir einfach nicht ein.
"Was?"
Ein sehr ernster und gestresster Tonfall ängstigte mein intaktes Ego.
"Ach nichts, ich hab nur 'okay' gesagt."
Ich drückte ihm schnell einen Kuss auf die Lippen und sagte Tschö, denn alles was ich wollte war, so schnell wie möglich von hier wegzukommen. Er wirkte vollkommen unbeteiligt. Ich verabschiedete mit einem lauten Tschö noch seine Crew, die gerade das Auto belud und mich peinlicherweise völlig ignorierte.
"Ey, die hat Tschö gesagt."
Danke für die Unterstützung, Mr. X.
Drei oder vier unbeeindruckte Stimmen mühten sich ein Tschö heraus und ich grinste mit einem Schulterzucken in sein Gesicht. Mein unterschwellig immer noch anhaltender Drogenfilm von gestern verhinderte, dass ich in Tränen ausbrach, als ich mich umdrehte, was bei klarem Verstand definitiv der Fall gewesen wäre. Dieser Moment hätte nicht blamabler sein können...
Fortsetzung folgt!
24.01.2006; Mr. X ist ein Rapstar (dw.dg.df.pt1)
16:32 |
Kategorie: Der Witz - Das Gespraech - Der Fick |
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Einmal Star und zurück...
Sheephunter | 24.01.2006 - 23:11
Aber gefällt mir, du kommst auf meine Buddy Liste!
Kommentar ohne Titel
Simon | 25.01.2006 - 08:03
Schreib mal bitte schnell weiter!
sehr spannend!
gut ding will weile haben...
Aaron | 27.01.2006 - 16:07
Ich warte auf mehr !
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