Mein Gefühlsleben tanzte nach wie vor wie gestochen auf dem Tisch wie kleine, dicke Bienen zu Karneval, doch mein Äußeres sagte nur: Bling Bling. Ich sah gut aus. Meine rote Lieblingshose, welche die Bombe von Freundin schlechthin Anatouschka aus samtweichem Nikistoff für mich maßgeschneidert hatte, verlieh meiner Erscheinung eine Lässigkeit, um die mich kein Politiker dieser Welt beneiden würde. Schwarzweiße Conversestiefel und eine sommerliche, hellblaue Nikijacke machten dazu ordentlich was her. In Kombination mit einem schwarzen Mantel, tiefhängenden Ohrringen und einer durch erweiterte Pupillen maximal untermauerten positiven Ausstrahlung war ich in Sachen Style unschlagbar.
Ego lässt grüßen.
Aus der Bahn raus und die letzten Meter zu Fuß, dann rein ins Hotel und nun zeigten die Drogen ihre Wirkung. Die Lobby war das Raumschiff und die in Freundlichkeit sorgfältig trainierte Rezeptionistin der Kapitän auf der Kommandobrücke. Sie bat um Auskunft nach meinem Namen. Ich sagte, ich würde gern einmal um die Erde und wieder zurück, woraufhin sie mich mit Zimmer 711 verband, in dem sich ein junge, aufstrebende Managerin in Richtung Telefon beugte und meine Ankunft als gegeben hinnahm.
Mit oberster Erlaubnis wurde ich in die siebente Etage teleportiert und mir wurde klar, dass keine Droge der Welt imstande war, meine Aufregung zu eliminieren. Auf dem Absatz kehrt machen war doch gar nicht so schwer. Jedenfalls nicht so schwer wie meine Beine. Allein schon, dass die Pille die Mauer der Nervosität nicht durchbrechen konnte, verwundert mich im Nachhinein. Man hätte meine in einem Schraubstock gefangenen Hände locker zum Cocktail shaken benutzen können. Dieser Mann war der Antagonist der kompletten kolumbianischen Mafia.
Nur noch drei Meter.
Relativ orientierungsverpeilt stieg ich aus dem Teleportierer und schlug instinktiv die rechte Richtung ein, aus der mir ein einsneunzig großer, breitschultriger Türke mit Baggy und Goldkette entgegenstampfte. Wiederum instinktiv wusste ich nun, dass rechts wohl die richtige Entscheidung gewesen war und schwebte geradewegs auf die offen stehende Tür hinzu, die ich hinter den Schultern entdecken konnte. Gut erzogen zitterte meine Hand gegen die Tür und lenkte dadurch Mr. X vom Einfädeln der Schnürsenkel in seine neuen Schuhe ab.
Im Zimmer lief der Fernseher und zeigte der Nation ihre hundert nervigsten Prominenten. Mr. X saß auf dem Bett, seine Managerin neben ihm. Vor ihm auf dem Boden ausgebreitet lagen diverse Einkaufstüten, ein weiteres Paar Schuhe, in welche die Schnürsenkel schon eingezogen waren, eine volle Plastiktüte aus dem Supermarkt und - unsichtbar - meine Nerven. Das Zimmer an sich war ziemlich klein, die Rammelkiste leider nur ein Einzelbett und der Stuhl gegenüber am Schreibtisch hätte für 450 Euro pro Nacht gern ein Sessel sein können. Außerdem saß hier meiner Meinung nach eine Person zuviel. Aber immerhin lächelte er, als er mich sah.
Wie ich da nun so in der Tür herumstand und dämlich grinste, er mich anlächelte und Sashas Visage gerade auf Platz 85 durch Deutschlands Mattscheiben in springerver-blendete Hirne strahlte, vernahm ich einen leisen Aufschrei meiner Selbstsicherheit und schöpfte neuen Mut aus den unendlichen Tiefen der Piccoloflasche, die in der Minibar auf mich gewartet hatte. Auch der Stuhl freute sich, dass ich nun endlich gekommen war und so nahm ich auf ihm Platz. Ob wohl jemand gemerkt hatte, dass ich völlig verstrahlt war?
Was nicht war, konnte auf jeden Fall noch werden, denn nun folgte der Dialog.
"Wie war´s in Mexiko?"
Ich traute meinen Ohren nicht. Sowieso musste ich mich stark zusammenreißen um nicht etwas wie "Hey, wie geht's? Willst du mich heiraten?" zu hören und einfach mit "Ja" zu antworten. Über den ganzen Trubel um seine Person im letzten halben Jahr hinweg konnte er sich tatsächlich noch an meinen Trip erinnern!
"Supergeil...is schon krass mal so ganz allein um die halbe Welt zu fliegen und durch ein fremdes Land zu reisen."
Seine Managerin klinkte sich ein. "Echt? Du warst in Mexiko? Ja... Mr. X hat dich öfters mal angerufen und erzählt, du bist nicht da."
Ich bin mir bis heute sicher, dass sie diesen Satz wirklich gesagt hat. Jedenfalls konnte ich es schon wieder nicht fassen und verstummte. Hätte ich nicht schon gewusst, dass er mich öfter angerufen hatte, wäre ich an dieser Stelle aus den Latschen gekippt und mit Verdacht auf Überdosis in der Notaufnahme gelandet. Er hatte also seiner Managerin davon berichtet, dass das Groupie nicht erreichbar war. Mehrmals.
"Ja, da war immer so ein komisches Mädel bei dir dran."
"Hmm, das war Anatouschka. Die hat in der Zeit bei mir gewohnt."
Sie sagte etwas zu ihm, er ging darauf ein und ich war fürs Erste fein raus aus der Konversation. Reden war verdammt anstrengend und zu überlegen, was man sagt, erst recht.
So meisterte ich die ersten zwanzig Minuten glanzvoll, hiervon mindestens zehn damit, auf den Fernseher zu glotzen. Eigentlich täuschte ich es nur vor, denn die flackernden Bilder konnten von meinen flackernden Pupillen nicht zum Stillstand gebracht werden. Schlauerweise fragte ich noch, ob er schon in der Promiliste aufgetaucht war. Rechnen tat keineswegs irgendjemand damit...
Fortsetzung folgt!
16:17 |
Kategorie: Der Witz - Das Gespraech - Der Fick |
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Hast du dich mit dem Typen mal...
Chrizzokiss | 6.03.2006 - 00:52
Also ehrlich, ich finde die Story ist toll geschrieben, ich warte auf die Pointe, aber wie kann man bloß so kaputt im Kopf sein, dass man sich so 'ne Scheiße in den Körper ballert und sich von so einem Spacko zum Fickloch degradieren lässt?
Hör auf, dich so aufzuregen!
es ist ein kurzer Ausschnitt meines Lebens, außerdem kam der Teil schon, bei dem ich ihn zum ersten Mal treffe, und da war ich außer bekifft und betrunken relativ nüchtern-- glaub ich ;-)
lies doch alles noch mal zusammenhängend durch und dann ....hilft denken.
Pointe kommt bekanntermaßen am Schluss.
Danke für deine Aufmerksamkeit.
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Nathalie | 6.03.2006 - 10:23
naja wie dem auch sei
ich muss dir ein mega großes Kompliment geben deine Art zu schreiben beeindruckt mich immer wieder
du bist eine grandiose Schreiberin
ich warte schon gespannt auf teil 6
also meine faszination was dein Schreiben angeht ist unbeschreiblich
respekt
lg nathalie
ich bin sicher nicht oft chrizzo`s meinung...
Anonymous | 6.03.2006 - 11:38
ICh finds gut
Sky s the limit | 6.03.2006 - 12:19
Bitte mehr.
Peace out
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seka | 6.03.2006 - 12:57
@chrizzo
dafür dass du es so scheisse findest, bist komischerweise immer du der erste der das liest und kommentierst.. etwas mysteriös find ich das schon.
xxx
Sheephunter | 6.03.2006 - 14:30
@chrizzo
nicht jeder ist ständig nüchtern. kenne genügend menschen denen ihr traumpartner völlig zugedröhnt begegnet ist und die heute noch zusammen sind. hat nix mit mangelndem selbstbewusstsein zu tun, sondern einfach was damit wie man sein leben lebt. und das passt nicht immer allen. schliesslich passt auch nicht jedem deine art zu leben. einfach durchatmen und hinnehmen.
Bearbeitet von chriskm am 6.3.2006 um 14:59
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Anonymous | 6.03.2006 - 20:24
sheephunter: du hast den cleversten kommentar hier gebracht! irgendwie hats mir Hoffnung gemacht für die anderen.
Liebe Grüße an alle, die neugierig aufs Ende warten.
Mary
höflichst und so greetz die stigurette:)
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Anonymous | 13.03.2006 - 11:51
und bitte alles weiterhin so schön ausführen°!
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