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Winternacht

» 14.01.2006 - 12:40


Gestern war ich nach dem Trip nach Frankfurt wieder an dieser Bushaltestelle. Den ganzen Tag unterwegs. Durch Kälte, Schnee und Nebel. Hin und her zwischen Bussen, S-Bahnen und Zügen. Immer die Uhr im Nacken "Hoffentlich hab' ich keine Verspätung - ich muss den Anschluss bekommen."
Ich saß an dieser Bushaltestelle, nachdem mich diese Frau in dieser S-Bahn mit diesem Blick bedachte. Alles nur all zu vertraut. Und doch kannte ich sie nicht. Obwohl sie Dir viel zu ähnlich sah. Mehr als nur einmal legte ich meinen Kopf in die Hände und versuchte mir den Traum von den Augen zu wischen - es war keiner.
Über die gesamten dreissig Minuten wurde mir zu Teil, was für mich ein Kompliment sein sollte und doch zum schmerzhaften Déjà-Vu wurde.
Sie hatte die gleiche Haarfarbe, die gleiche Statur und diese Kälte im Blick, welche mich immer wieder anzieht - und Mal um Mal in's offene Messer rennen lässt.

Als sie in den gleichen Bus stieg und sich in die gleiche Reihe setzte wurde mir klar, dass es doch keine Paranoia waren. Ich bildete mir das nicht nur ein. Sie hatte ihre Gründe. Sie sah mich an. Wäre ich nicht zu müde gewesen den (weiteren) Heimweg anzutreten - ich wäre früher ausgestiegen um mich diesen Lanzen zu entziehen. So stieg sie mit mir aus und lächelte mich an, als unsere Wege sich kreuzten.
Mit viel Unmut in der Kehle nahm ich einen Tiefen Zug der eiskalten Nachtluft - das Thermometer zeigte minus vier Grad an - und sah ihr in die Augen.
Sie fragte mich nach meinem Namen - das konnte ich ihren Lippen ablesen - zum Glück trug ich meine Kopfhörer und entzog mich so ihrem Ruf.
Mit dem letzten Blick fragte ich mich, wie es sein konnte und drehte mich um, um die letzten Minuten in Richtung Heimat an zu treten...

"You can't walk in my shoes - our feet were made different..."
  


Kommentar ohne Titel

» CoolLuv | 14.01.2006 - 06:32
berührt, schöner text

Kommentar ohne Titel

» Anonymous | 15.01.2006 - 02:17
schwul?

von natalie_p

» Anonymous | 16.01.2006 - 04:48
berührt....und wenn man auch versucht nachzuvollziehen, so weiss man doch nie genau wie's is'..

Hein

» -Dismal- | 16.01.2006 - 08:41
Fair ist jeweils, was Gott tun will!

Grübeln hab ich seit längerem aufgegeben...

Hehe

» KKV | 14.05.2006 - 02:37
Sehr schöner Text, passt zu der Art in der du deine Texte schreibst, mach weiter so Lunafrow!

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» KKV | 14.05.2006 - 02:42
hihi hab da grad was verwechselt, sry, dachte es wäre der Lunafrow Blog, aber trotzdem ein sehr schöner Text!

Deine Artikulation

» KKV | 22.06.2006 - 03:54
Nils | 1.02.2006 - 12:23
Ist es nicht viel eher so,...
...dass die Identifikationsbasis das Ausschlaggebende ist?! Natürlich könnte man dem entgegen halten, dass sich sicherlich kaum jemand mit den Texten eines Bushido identifizieren kann. In diesem Falle ist es aber eben der Kompensationseffekt. Die Käufer holen sich durch diese Musik eine gewisse "Härte" in ihr Leben, ohne zu verstehen, dass eben jene keineswegs erstrebenswert ist.

Deinem Folgegedanken, dass ein Mindertwert an Musikalität, respektive Lyrik nicht in's Gewicht fiele, könnte ich so nur unterschreiben. Die Wegwerfgesellschaft nimmt sich nur bedingt Zeit, sich solcher Dinge an zu nehmen. Somit muss man Musikalität und Lyrik mit extremen (Sprach-)Bildern verknüpfen, die beim Hören direkt hängen bleiben. "Blut weinen", ist eine Metapher, die diesem Bereich entspringt. Genauso die Selbstverstümmelung oder vollkommene Verzweiflung.
Die Hörerschaft zu beeindrucken ist mittlerweile ungemein schwer. Dies erreicht man - im Normalfalle - nur durch totalen Seelenstrip oder unverhältnismässige Übertreibung.

Davon abgesehen muss man ja sagen, dass es das eine ist, Hörer "bei der Stange zu halten" - um die Möglichkeit hierzu zu bekommen, muss man eben jene aber erst einmal erreichen. Und da sich über den Daumen geprellt 70% der aktiven Käufer an den Musiksendern und Media Control orientieren, ist der einzig (effiziente) Weg eben der mediale - soll heissen, der televisionäre.
Um diesen wiederum beschreiten zu können, muss man gewisse Voraussetzungen erfüllen. Ein bestimmtes Aussehen muss gegeben sein, bestimmte Charakterzüge müssen erkennbar sein und man muss ein Objekt der Sehnsucht darstellen.
Ist nicht mindestens eines dieser Elemente erfüllt, ist der Traum von eben jener Sache ein unerfüllbarer - zumindest, wenn man nicht gerade der Bruder des MTViva Bosses ist.

Ich schweife ein wenig ab...aber ich denke, meine Meinung zu Deinen Gedanken/Fragen/Schlussfolgerungen kam dennoch klar heraus.

Deine Artikulation ist nahezu perfekt - Jedes mal ein Genuss dein Niedergeschriebenes zulesen!

Also des Tape...

» KKV | 9.07.2006 - 06:39
...kenn ich net...?!??