Habe gerade das "Goldstücke" Master fertig gemacht, beim Durchhören der älteren EP´s kamen mir einige Gedanken ins Hirn.
Wie viel Wert hat das perfekte oder schlechte Ergebnis einer künstlerischen Darbietung auf textlicher oder musikalischer Ebene für den Hörer ?
1. Um überhaupt ein solches wahrnehmen zu können muss ein Hörer schon mal in irgendeiner Form mit der Materie cool sein, spielt Instrumente, hat poetische oder philosophische Kenntnisse.
2. Der "Wiedererkennungs-Effekt" hat hohe Anteile am Erfolg des Künstlers.
Jetzt der Knackpunkt, welche Art der Wiedererkennung ?
Erkenne ich ihn wieder weil er auf Rotation die Musiksender hoch und runter läuft ?
Ja, sicher. Finde ich ihn cool weil er gute künstlerische Leistung darbietet oder weil er optisch ins Bild passt ?
Und genau hier trennen sich die Wege. Keines falls der größere Anteil achtet auf seine Leistung, mehr auf seine optische Präsenz.
Doch meine Erfahrung beweist mir genau das Gegenteil, ich bekomme die Resonanz genau wegen meiner textlichen Aussagen, wobei ich einmal mehr froh bin dass es Rap gibt, auf dessen Ebene das Wort definitiv vor dem Auge steht.

...dass die Identifikationsbasis das Ausschlaggebende ist?! Natürlich könnte man dem entgegen halten, dass sich sicherlich kaum jemand mit den Texten eines Bushido identifizieren kann. In diesem Falle ist es aber eben der Kompensationseffekt. Die Käufer holen sich durch diese Musik eine gewisse "Härte" in ihr Leben, ohne zu verstehen, dass eben jene keineswegs erstrebenswert ist.
Deinem Folgegedanken, dass ein Mindertwert an Musikalität, respektive Lyrik nicht in's Gewicht fiele, könnte ich so nur unterschreiben. Die Wegwerfgesellschaft nimmt sich nur bedingt Zeit, sich solcher Dinge an zu nehmen. Somit muss man Musikalität und Lyrik mit extremen (Sprach-)Bildern verknüpfen, die beim Hören direkt hängen bleiben. "Blut weinen", ist eine Metapher, die diesem Bereich entspringt. Genauso die Selbstverstümmelung oder vollkommene Verzweiflung.
Die Hörerschaft zu beeindrucken ist mittlerweile ungemein schwer. Dies erreicht man - im Normalfalle - nur durch totalen Seelenstrip oder unverhältnismässige Übertreibung.
Davon abgesehen muss man ja sagen, dass es das eine ist, Hörer "bei der Stange zu halten" - um die Möglichkeit hierzu zu bekommen, muss man eben jene aber erst einmal erreichen. Und da sich über den Daumen geprellt 70% der aktiven Käufer an den Musiksendern und Media Control orientieren, ist der einzig (effiziente) Weg eben der mediale - soll heissen, der televisionäre.
Um diesen wiederum beschreiten zu können, muss man gewisse Voraussetzungen erfüllen. Ein bestimmtes Aussehen muss gegeben sein, bestimmte Charakterzüge müssen erkennbar sein und man muss ein Objekt der Sehnsucht darstellen.
Ist nicht mindestens eines dieser Elemente erfüllt, ist der Traum von eben jener Sache ein unerfüllbarer - zumindest, wenn man nicht gerade der Bruder des MTViva Bosses ist.
Ich schweife ein wenig ab...aber ich denke, meine Meinung zu Deinen Gedanken/Fragen/Schlussfolgerungen kam dennoch klar heraus.