Thursday, January 10, 2008 - [Ama:] Control - Ab heute im Kino!
Bereits am 17. Mai letzten Jahres erfolgreich in Cannes vorgestellt, findet Anton Corbijn's Film "Control" nun auch endlich den Weg in die deutschen Kinos.
Wat okay is, schließlich behandelt "Control" das Leben von Joy Division Frontmann Ian Curtis, der eine tragende und tragische Rolle der Musik generell, aber vor allen Dingen der britischen Musik in den 70er und 80er Jahren einnahm.
Ian Curtis wurde am 15. Juli 1956 in Manchester geboren und schloss sich in jungen Jahren mit Bernard "Sumner" Albrecht, Peter Hook und Tony Tobac (später dann durch Steve Brotherdale ersetzt) zusammen und spielten gemeinsam unter dem Namen Warsaw unter anderem als Vorband der berühmten Punkband The Buzzcocks. Kurz darauf ändert man den Namen in Joy Division, um nicht mit der damals aktiven Band Warsaw Packt verwechselt zu werden. Man mutmaßt, dass der Name Joy Division sich von den Freudenhausbaracken der Konzentrationslager des Dritten Reiches ableitet. So wurden diese nämlich im Roman "House Of Dolls" von Yehiel Feiner betitelt, aus diesem Curtis auch in dem Song "No Love Lost" (der ersten EP "An Ideal For Living") zitierte.
Ihr erstes Konzert spielten Joy Division am 25. Januar 1978 und konnten innerhalb von einigen Monaten eine gute Fanbase erspielen. Bereits im Jahr 1979 zierte man zum ersten Mal das Cover des New Musical Express. Im April 1980 erschien wohl der bekannteste und gleichzeitig beschreibendste Song der Bandgeschichte: "Love Will Tear Us Apart". Dieser beschrieb Curtis' Verhältnis zu seiner Frau, mit der er ein Kind hatte und die er immer wieder betrog. Das dazugehörige Album "Closer" wurde nach seiner Wiederveröffentlichung 1980 ein Erfolg und beschrieb den Zinit der Band (Joy Division veröffentlichten nur eine EP "An Ideal For Living" (1978), und zwei LP's "Unknown Pleasures" (1979) und "Closer" (1980). Ein Tag, bevor die Band zu einer groß angelegten US-Tour aufbrechen wollte, die der Band wohl komplett die Türen in den Star-Status aufgestoßen hätten, beging Ian Curtis Selbstmord. Er erhängte sich in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1980 in seinem Haus im britischen Macclesfield.
Ian Curtis litt seit seiner Kindheit unter Epilepsie, welche als solche aber erst im Erwachsenenalter erkannt wurde. Oftmals hatte Curtis während Liveauftritten Anfälle, welche oft als "künstlerisch" ausgelegt wurden. Ansonsten kennzeichnete die Bühnenpräsenz der Band vor allen Dingen die Performance von Curtis, die sich sehr exzentrisch, gleichzeitig aber auch melancholisch-atmosphärisch äußerte und somit die melancholisch geprägte Musik unterstrich.
Gesundheitliche Folgen durch die Epilepsie und private Probleme, trieben Curtis 1980 in den Suizid. Dadurch erhielt der Song "Love Will Tear Us Apart" eine ganz neue und tiefere Bedeutung und ist kennzeichnend für das Leben und Schaffen von Curtis und Joy Division - eine von Erfolg, Krankheit und der Gesellschaft zerrissene Figur, die durch die Musik Halt und Liebe fand, aber dennoch zu Grunde ging und so zur tragischen Figur einer ganzen Generation avancierte.
Die verbliebenen Bandmitglieder formten sich kurz darauf hin zu New Order und prägten genaus wie Joy Division die britische Musikszene wie kaum eine andere Band.
Anton Corbijn, seines Zeichens bekannter Rockfotograf und Videoregisseur (unter anderem für Depeche Mode, U2 und Nirvana), nahm sich diesem Thema für seinen ersten Film an, da er ebenso stark von Joy Division geprägt wurde. Finanziell wurde dieses Projekt unter anderem von Herbert Grönemeyer unterstützt, der in dem Film auch eine kleine Nebenrolle spielt. Ian Curtis wird von Sam Riley, seine Geliebte Annik Honoré von Alexandra Maria Lara gespielt, welche kurz darauf auch im richtigen Leben zusammen fanden. Das Biopic wurde sehr künstlerisch angelegt und wurde komplett in schwarz/weiß produziert und stützt sich zu weiten Teilen auf das Buch von Curtis' Witwe Deborah Curtis, namens "Touching From A Distance".
Von den meisten Seiten wurde der Film bisher als durchweg positiv und sehenswert beschrieben; davon kann man sich ab Heute selbst überzeugen.
Interessant hierbei sicherlich der Spiegel Online Artikel vom 09.01.