Verrückt: Während die meisten Paare nach einer Trennung entweder den Pseudo-Ehekrieg vom Zaun brechen oder um jeden Preis versuchen etwas aus der schönen, gemeinsamen Zeit zu erhalten oder gar wieder herzustellen, bevorzugen Maeckes & Celina es ein gemeinsames Lied aufzunehmen. Und auch wenn die beiden den Gedanken „Was für ein gefühlskalter Bastard...“ wohlmöglich teilen, ist aus dem einen Song letztendlich ein ganzes Album geworden. Sie stellen nunmal „Kunst über Vernunft“. Zeit für ein paar Fragen.
Meine Mutter hat auf einer Autofahrt, bei der ich „Kunst über Vernunft“ zum ersten Mal gehört habe, ab und zu mit dem Kopf genickt. Schlimm?
Maeckes: Absolut nein - hocherfreulich. Würde sie das bei „L.O.V.E.“ von Eko & Valezka auch tun ist die Frage? Aber auch wenn, ist das auf jeden Fall eine gute Sache.
Das muss ich fragen: Mit welchen und wie vielen Drogen muss man vollgepumpt sein, um auf die Idee zu kommen, unmittelbar nach einer Trennung, einen gemeinsamen Song aufzunehmen?
Maeckes: Man muss einen merkwürdigen Lebensabschnitt haben, ein bisschen manische Züge entwickeln, ein paar Post-Depressionen und der absolute Verfall der Kunst, also: Der Kunst verfallen. Dann braucht man nicht mehr viele Drogen - das ersetzt die meisten. Dann braucht man vielleicht noch ein bisschen Hero, aber sonst nix mehr…
Wenn man, nachdem man sich voneinander getrennt hat, doch noch über geraume Zeit aufeinander hängt - versucht man dann nicht einen Kompromiss zu schließen, so von wegen: „Lass uns nochmal einen neuen Versuch starten“?
Maeckes: Abgesehen davon, dass das nie eingetreten wäre, hing man gar keine geraume Zeit aufeinander. Wir haben „Schade, Arschloch“ gemacht und dann ist Celina zurück nach Berlin. Dann ging's hin und her und ich muss ehrlich sagen: Jetzt im Nachhinein betrachtet, hab ich Celina, und ich glaube auch sonst keinen, damals als Mensch wahrgenommen. Celina war nur ein Medium, dass für das Werk „Kunst über Vernunft“ seine Stimme und Gefühle geliehen hat. Der Rest waren Menschen, die nicht existent für mich oder Schaulustige oder Smalltalkbojen waren. Das (ich) war damals ein bisschen extrem.
Wer hatte, aus deiner Sicht, eher mit der Trennung zu kämpfen? Du hast dich von Celina getrennt...
Maeckes: Sie. Bei mir sind die Gefühle wirklich schnell verebbt, ohne dabei etwas an Land zu spülen, was ich nicht hätte ins Meer zurückwerfen können.
Kümmern dich die Meinungen der Presse zu „Kunst über Vernunft“ überhaupt, da es ja einen solch persönlichen Hintergrund hat?
Maeckes: Joa, ich war schon gespannt wie die Reaktionen dazu aussehen, aber ich glaube, die härtesten Kritiken haben wir uns auf dem Album selber gegeben. Also ist der Rest nicht mehr ganz so groß für mich. Es kümmert mich schon, aber halt nicht wie sich eine Krankenschwester um einen kümmert - ich bin nicht abhängig davon.
Dein persönlicher Tipp beziehungsweise notwendige Voraussetzung für eine glückliche Beziehung?
Maeckes: Ha! Äh… eine parallele Entwicklung, jedes mögliche Update runterladen, äh… Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Wie es die Bravo einst schon so weise prophezeite.
Im Booklet zu „Als waeren wir Freunde“ sagtest du bei deinen Danksagungen, dass "diese Welt eine bessere Welt wäre, wenn alle ein wenig seltener Danken würden". Im „Kunst über Vernunft“ Booklet hingegen, dankst du Celina für alles. Wie kommt's?
Maeckes: Erstmal: Sehr gutes Maeckes-Fachwissen oder auch sehr gut recherchiert. Ich glaube, bei den „Als waeren wir Freunde“ Danksagungen dominierte die Ironie, bei „Kunst über Vernunft“ eher ein unironisches Bedürfnis der Dankbarkeitskundtuung.
Was steckt eigentlich hinter deinem Alter Ego Kwerque Radaus?
Maeckes: Alle verworrenen, von Gefühlen geleiteten, stark humpelnden Schattenseiten-Songs, die eine durchweg dunkle Seite von Maeckes aufzeichnen. Es gibt ein nie erschienenes Album namens „Oase EP“, unter diesem Pseudonym, sowie etliche weitere unreleaste Lieder. Bei „Kunst über Vernnuft“ hab ich das Aka aber in letzter Sekunde zurückgezogen und mich für Maeckes entschieden, weil es schon mehr Maeckes ist. Ich glaube, ich hatte nur Schiss am Anfang und wollte das Ganze deshalb unter Kwerque laufen lassen. Ich glaube, das ist bei allen Kwerque-Songs so.
Ihr habt „Kunst über Vernunft“ im Voraus, als „erstes ehrliches Album“ angekündigt. Ist das ein Manko Deutschraps? Dass man zu selten ehrlich ist?
Maeckes: Das hab ich auch schon in selbigem Blog noch klarzustellen versucht: Deutschrap ist vielleicht viel öfter ehrlich als man denkt. Jetzt nicht was die Inhalte angeht, sondern was das Gesamte angeht. Man muss nur genau hinschauen, sich Live-Auftritte ansehen und man kann inmitten all der Lügen jede Menge Ehrlichkeit wiederfinden.
Gab es deiner Meinung nach ansonsten wirklich überhaupt keine aufrichtigen Songs in letzter Zeit? Ich fand zum Beispiel Snaga & Pillaths „Einen Tag“ durchweg ehrlich.
Maeckes: Fand ich auch. Hat mich auch ehrlich gesagt ein bisschen überrascht von den Jungs - sehr pathetisch. Aber ich fand es gut Punchlinerappern auch auf so einer Ebene zu begegnen. Es gibt schon aufrechte Songs: Ich hab zum Beispiel das neue Tua-Album vorab von Tua bekommen und da gibt’s auch so aufrichtige Songs. Zudem musikalisch komplett gewagt von Tua - das nenne ich ehrlich.
Aus welcher Motivation heraus hast du „Don't Ask“ geschrieben?
Maeckes: Aus der Motivation, der Idee, die mich Nachts irgendwann auf einer Reise heimgesucht hat, einigermaßen gerecht zu werden.
Auf selbigem Song sagst du, dass ein guter Schulabschluss nicht zwingend notwendig ist, er allerdings auch nicht schaden kann. Was für einen Abschluss hast du, wenn ich fragen darf? Und was hälst du vom deutschen Schulsystem beziehungsweise Schule an sich?
Maeckes: Abitur. Ich bin einmal sitzen geblieben und hab mich dann, obwohl ich eigentlich nur Lyrics geschrieben oder Comics gemalt hab – keine Ahnung wie?! - bis zum Ende durchgeschlagen, was obwohl ich den Wisch nie gebraucht hab, bis jetzt eine gute Entscheidung war. Es gibt einem die theoretische Möglichkeit irgendwann noch einen anderen Weg gehen zu können. Und oftmals reichen theoretische Alternativen im Leben aus, um jemanden unsichere Wege gehen zu lassen. Das Schulsystem ist Pisse, fördert keine individuellen Talente, sondern ein Klima des Leistungsdrucks und der Funktionalität, aber ist halt immer noch besser als keine Schule.
Wie kommt man eigentlich auf so teilweise absurde Tracktitel? Ein Talent von dir?
Maeckes: Wahrscheinlich. Vielleicht Ausdruck meiner, vielleicht oftmals ein bisschen zu verbissenen, Art neue Wege gehen zu wollen.
Bis auf das Intro ist der Sound des Albums recht ruhig geraten. War das von Anfang an bewusst geplant?
Maeckes: Ja und nein. Eins kam einfach zum anderen und als sich dann so ein Gesamtbild abgezeichnet hat, hab ich das einfach komplettiert.
Wer hatte die Idee zu diesem wahnsinnigen Break beim Beat von „Weihnachten04“?
Maeckes: Meine vielleicht oftmals ein bisschen zu verbissene Art neue Wege gehen zu wollen. Ich hatte das Sample irgendwo auf meinem Rechner rumliegen, dachte mir zeitgleich, wie kann man dieses aufgesetzte Plastikweihnachten am besten in einer Hook ausdrücken, das Sample fiel mir in die Hände und Zack!
Du hast deinen Part auf dem Titeltrack des öfteren als deinen „härtesten Battle-Sechzehner“ betitelt. Ist diese Aussage nicht absurd, in Anbetracht der Tatsache, dass diverse Künstler sich den Kopf zerbrechen, um auf die ausgefeiltesten Punchlines zu kommen, während du einen Part mit ziemlich persönlichem, selbstkritischem Inhalt als DEN Battle-Part bezeichnest? Was im Übrigen auch wieder beweist, dass ernste, persönliche Songs soviel wertvoller sind, als die ausgeklügelsten Wortspiele.
Maeckes: Das ist doch die Endstufe von Battle. Auf einem Savas' „Urteil“ sind doch auch die vermeidlich persönlichen Zeilen, die am härtesten treffen und den Song so stark machen. Battle ging immer darum, wie kann ich den anderen schlecht aussehen lassen und mich gut. Punkt 1 setze ich beim Titeltrack doch wirklich gut um, Punkt 2 dagegen weniger, aber egal…
Was macht einen Menschen für dich menschlich?
Maeckes: Fehler, und zu diesen stehen können, singen, tanzen, helfen, nicht wie Computer immer funktionieren, Zivilcourage, schwache Momente, nicht weg zu rationalisieren, nicht alle Vorurteile haben, sich nicht über ALLES stellen. Solche Sachen glaub ich.
Ich sah in dir bislang stets „die dunkle Seite von Maeckes & Plan B“, mit einer leicht pessimistischen, verschlossenen Sicht auf die Welt, gepaart mit einer Prise Zynismus. Was macht Maeckes glücklich?
Maeckes: Woah, genug Sachen: Musik machen, seine Freundin, ein gutes Buch, Theaterstück oder Film, jeder Tag mit den Orsons, Cola und Pommes, bescheuerte T-Shirts, gute Musik, Family Guy, Barbecues mit Freunden, in Wien sein und Morde an Prostituierten.
Wäre Maeckes eine Comicfigur - welche wärst du?
Maeckes: Eine computeranimierte, photorealistische Figur, die genauso aussieht wie ich, bis ins kleinste Detail nachgezeichnet, nur mit ein paar mehr Muskeln. Ich bin eine Comicfigur!
Ihr, Plan B und du, habt in der JUICE über Olli Banjo gesagt, dass ihr ihn immer dafür respektiert habt was Eigenes zu machen und er es nicht nötig hat, irgendwelche Sachen zu kopieren. Was denkst du dir, als Künstler mit innovativer Musik, schließlich, wenn du hörst, dass irgendwelche Kollegen Lines von den Amis übersetzen und damit auch noch Erfolg haben?
Maeckes: Nur so am Rande, danke für das Kompliment. Ich denk mir nur: „LANGWEILT IHR EUCH NICHT?! ES EUCH SO EINFACH ZU MACHEN? IHR IDIOTEN. IST DAS LEBEN, DAS IHR FÜHREN WOLLT, DAS DES AMIS DEN IHR NACHMACHT?! ARMUTSZEUGNIS.“ Die ganze Welt funktioniert leider so, dass so was gefördert und nicht bestraft wird. Naja, ich reg mich nicht auf, ich denk mir nur: Ihr seid der Grund, dass Rapmusik immer ein Stückchen mehr in meinem Herz stirbt.
Viele haben deinen Beitrag zum Beat em up - Produceralbum, als Kollegah-Diss aufgefasst. Hast du tatsächlich ein Problem mit dem selbsternannten Zuhälterrapper?
Maeckes: Nein, überhaupt nicht. Kollegah hat behauptet, er bekomme Fanpost von Savas, was gelogen war. Ich hab behauptet, ich bekomme sie von Kollegah, was gelogen war. Ein Querverweis, kein Diss. Außerdem sag ich ja noch, dass ich Kollegahs Fanpost an Savas weiterleite, somit schließe ich nur einen von Kolle eröffneten Kreis.
Wie siehst du die Entwicklung deutschen HipHops, welche so manchem HipHop-Head momentan Kopfschmerzen beschert? Der Gangsta Rap-Hype scheint abzuklingen...
Maeckes: ...ja, alles was sich nicht weiterentwickelt klingt irgendwann ab. Was kommt danach ist die Frage? Ich weiß es nicht genau, ich tipp aber auf ausschließlich englische Rhymes in Deutschraptracks. Oder Positivität! Also das fulminanteste Album der Orsons! Skills, Lines, Ideen, Schweine!
Tua, Kaas, Plan B und du bilden ja die Orsons. Was ist in deinen Augen das Außergewöhnliche an der Gruppe und warum zum Teufel fragt ihr Leute bei MySpace, ob „hier jemand vielleicht eine Schaukel bauen will“?
Maeckes: Haha. Die Orsons sind das große Ganze. Die Orsons vereinen alles was es braucht, um die Beatles am Anfang ihrer Karriere zu sein: Wir sind 4! Ok, mehr nicht, aber wir sind 4! Wir sind eine Band! Wir rappen gut! Und haben keine Angst auf Fotos zu lächeln! Orsons for Life! Formt das O!
Wie ist denn der Stand der Dinge beim Orsons-Albums? Kaas ließ über MySpace verkünden, dass ihr vorhabt es zeitlich zum Splash!-Festival zu veröffentlichen.
Maeckes: Kaas hat immer Recht. Er ist ein Orson. Es ist fast fertig. Das Artwork entsteht gerade im Moment. Gemischt wird auch gerade im Moment. Wir liebeslasern den Planeten! O!
Desweiteren meinte Kaas, dass das Album nicht verrückt, sondern süß geworden ist. Wie darf man sich die Orsons im Studio und vorallem die von euch fabrizierte Musik vorstellen?
Maeckes: Besser als den Rest! Rund! Wie ein Kreis! Wie ein O! Süß sein ist, heutzutage im Rap, ja auch verrückt! Ich gebe Kaas Recht. Er hat immer Recht. Er ist ein Orson! O!
Du gehst im Mai, neben den Orsons unter anderem mit Casper und Vega auf Tour. Wie kam der Kontakt zustande? Und wird man da folglich auch eine Zusammenarbeit in Form von Songs erwarten dürfen?
Maeckes: Mit Casper haben Plan B und ich im Vorfeld auch schon mal einen Track für ein Mixtape gemacht. Bei allem weiteren müssen wir uns überraschen lassen.
Chimperator ist eins der wenigen Independent-Labels, das vorallem durch Qualität und die Liebe zum Detail überzeugt. Seien es die mehrseitigen Booklets von den Releases oder die regelmäßigen Blogs auf hiphop.de. Wo siehst du euch in der hiesigen Szene?
Maeckes: Chimperator ist zunehmend aufstrebend attraktiv. Dafür, dass man kein Anfangsbudget hatte, null, und man bedenkt, dass wir alles über pure Menschenkraft und ohne die Macht des Kapitals geschafft haben, stehen wir perfekt da. Aufwärts!
Kannst du von Rap leben?
Maeckes: Von Rap: Nein! Von Musik, Theater, Rap-Up-Comedy und Kabarett: Ja.
Die Single „Rap getan?“ aus eurem neuen Mixtape „!#?@$“ ist als Homage an Kool Savas' „Warum rappst du?“ zu verstehen. In den letzten Jahren wurde Savas immer häufiger vorgeworfen, er würde „Plastikrap“ machen. Wie siehst du das? Oder: Zu welcher Zeit hat Savas dich am meisten fasziniert?
Maeckes: Ganz ehrlich: Bei Westberlin Maskulin! „Battlekings“ und „Hoes, Flows, Moneytoes“ sind die futuristischten Deutschrap-Platten mit den besten Covern - „Battlekings“ zumindest, „Hoes, Flows, Moneytoes“ hab ich nur als Whitelabel. Aber Plastikrap? Nie.
Was dürfen wir 2008 noch von dir erwarten?
Maeckes:„!#?@$“ das Album zur Tour mit Plan B, das Orsons Album - OOOOO! -, viele Festivals und eine Weltübernahmeplattform Ende des Jahres.
Vielen Dank für das Interview! Dir gehört das Schlusswort.
Maeckes: Draschni karaschni! Zlawe mui O!
* Anmerkung von Andrej (Chimperator-Geschäftsführer): Das ist wahrscheinlich Orsisch. Die sind so behindert. Auf der EP, produziert von den Gewinnern vom Mumate Contest, haben die einen Track komplett in Orsisch aufgenommen.
* Anmerkung von badaboombadabang: Ansich hat das Interview schon graue Haare, da es in der „Kunst über Vernunft“ Promophase geführt wurde. Irgendwie hat es aber nie das Licht der Welt erblickt und da ich finde, dass Maeckes einige schöne Antworten vom Stapel gelassen hat, wollte ich es euch nicht vorenthalten. Außerdem steigern seine Worte über Tua die Vorfreude auf "Grau". Schönes Ding.
Some time before, I really needed to buy a good house for my corporation but I didn't have enough money and could not order something. Thank goodness my fellow adviced to try to take the <a href="http://bestfinance-blog.com">loans</a> from creditors. Thence, I acted that and was satisfied with my small business loan.