Am 12. Juni erschien über das Freiburger Label Weisse Scheisse die „Menschenfeind“ EP von JAW & Hollywood Hank. Die Mission der beiden Misanthropen? Wie der Titel der EP schon verrät: Ihre Abneigung gegenüber der Menschheit zum Ausdruck bringen.
Im Interview mit badaboombadabang sprach JAW unter anderem über die EP, das anstehende PCP-Album, sein neues Soloalbum„Täter-Opfer-Ausgleich“ und sein noch unveröffentlichtes Feature mit Morlockk Dilemma. Natürlich stets mit einem leichten Augenzwinkern - yeah, Jotta-Style...
Hi JAW! Erzähl am besten erstmal etwas zu der EP. Wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine gemeinsame Platte aufzunehmen? Und wieso der Titel „Menschenfeind“?
JAW: Hallo. Wir finden uns gut, das bedeutet: Ich finde Hollywood Hank gut, Hollywood Hank findet mich gut. Wir kamen auf die Idee zusammen etwas Gutes zu machen... Menschen zu hassen halte ich für eine hervorragende Angelegenheit und wir beide sind große Befürworter dieser Politik. Folglich taten wir was wir tun mussten: Endlich ein bisschen Hetze gegen uns selbst und die anderen Trottel betreiben, damit endlich mal endgültig alle wissen, dass der Mensch ein ziemliches Krüppelschweinchen ist.
Hank war eine Woche bei dir zu Besuch in Freiburg. Wie liefen die Arbeiten an der EP ab?
JAW: Man steht auf, er drängt einen das erste Bier zu trinken. Man sagt nach der Androhung körperlicher Gewalt meist nicht mehr „Nein“ und versucht entspannt einen Text zu schreiben, den dann auf's gehörigste hinzurotzen. Abends trinkt man noch mehr Bier und droht dem anderen kurz rohe Gewalt an, kurz bevor man seelenruhig einschläft.
Ich kenne ein Video von einer Studiosession, in dem du mit den restlichen PCP-Mitgliedern an Eurem anstehenden Album „Lache und die Welt weint mit dir“ arbeitest: Während Maexer auf deinem Bett schlummert, Rynerrr Bier trinkend daneben sitzt und Kash grundlos rumpöbelt und auf einer Gitarre herumdrescht, stehst du gefühlte zwei Stunden vor dem Mikrofon und versuchst deinen Part sauber einzurappen. Auch Hollywood genießt den Ruf ziemlich unzuverlässig zu sein. Ist es nicht manchmal schwer die Nerven zu behalten und den Laden zusammenzuhalten?
JAW: Hmm, ich dachte immer die Leute fangen an rumzupöbeln weil ich einen Sechzehner nicht unter dreieinhalb Stunden einrappe. Ich vermute schon lange die Unzuverlässigkeit aller Menschen basiert auf meinen persönlichen Fehlern.
Hat dich der Film „Menschenfeind“ von Gaspar Noé auf irgendeine Weise inspiriert? Auf deinem Album "Schock fürs Leben" hast du bereits mehrere Zitate aus dem Film als Skits verwendet.
JAW: Inspiriert äh. Faszniert, ja gar kalibriert? Ich hab keine Ahnung was ich dazu sagen soll…
Was ich auf der EP ein bisschen vermisse ist ein Song, der den Ursprung Eurer Abneigung gegenüber der Menschheit genauer erklärt. Das ist auch ein Kritikpunkt, der Euch häufig vorgeworfen wird: Dass Eure Texte quasi zu vorhersehbar sind. Warum habt Ihr auf einen solchen Thementrack verzichtet?
JAW: Ich will da nix erklären. Das geht doch niemand was an. Wieso können nicht einfach alle zu apokalyptischen Hymnen schunkeln? Sich einfach mal brüderlich an den Händen fassen und „Mensch du altes Arschloch, fahr doch nach Hause!“ singen?
Wenn Ihr den Ursprung also schon in keinem Song thematisiert, dann kannst du ihn uns ja jetzt erklären...
JAW: Ne, ich bin ja nicht Peter Lustig.
Nach vielen Tiefs und Enttäuschungen kommt wohl so gut wie jeder Mensch irgendwann an einen Punkt, an dem er sich sagt: „So, ab jetzt fall ich auf nichts mehr herein!“ Ertappst du dich denn manchmal trotzdem noch dabei, dass du Menschen zu schnell vertraust oder zu schnell Gefühle entwickelst?
JAW: Ich ertappe mich oft dabei, dass ich einigen sehr schnell meinen Schwanz reinschieben möchte…
Hat sich dein Menschenhass im Alltag denn schonmal ausschweifend bemerkbar gemacht, so dass du es im Nachhinein bereut hast?
JAW: Ja du, ich hab Sachen gerissen, das glaubt ihr mir nicht! Aber das darf ich jetzt auch alles nicht sagen, sonst disst mich irgendjemand, das wäre schrecklich.
Was müsste denn geschehen um dich vom Misanthropen zum Philanthropen zu wandeln? Oder ist dies aufgrund der Erfahrungen die du gesammelt hast schier unmöglich?
JAW: Ich denke ich bin bereits ein Philanthrop. Ich schenke der Welt wunderschöne Musik eines Misanthropen. Ist es nicht so? Ist es nicht so wenn man alle Entitäten unseres Daseins auf diesen einen Kern reduziert?
Ihr habt Euch bei der Featureauswahl hauptsächlich auf Künstler aus dem Weisse Scheisse-Umfeld beschränkt. Erzähl mal wie es zu den Features kam!
JAW: Ganz einfach: Gandhi und Rahzkroneprinz sind gute Kollegen von mir. Gandhi hing eben auch hier rum in der besagten Woche und da haben wir uns kurz am Öhrchen gezwickt und eine „Zusammenarbeit“ vereinbart. Rahzeatze ist auch auch hier aus Freiburg und der hat gut auf den „Kranke Welt“ Track gepasst. Private Paul, the artist formally known as Kash, war natürlich auch hier und hat da kurz was eingerotzt. Features kommen bei uns schnell zustande, da wir die meisten hassen und die wir nicht hassen müssen mit uns rappen, da gibt's kein wenn und aber.
Du hast 2007 dein eigenes Label Weisse Scheisse gegründet. Wie finanzierst du denn beispielsweise die Presswerk-Kosten, in Anbetracht der Tatsache, dass sich letztes Jahr sämtliche Labels und Künstler aus dem hiesigen Rapgeschehen verabschiedet haben?
JAW: Die Grundinvestition ins Label kamen aus persönlichen Ersparnissen meinerseits aus der Zivizeit. Dank unserer korrekten Fans hat sich die CD gut verkauft und wir stehen finanziell nicht schlecht da, auch wenn mein Arbeitsaufwand in keinem Verhältnis zu den Einnahmen steht, aber wir wollen und durchaus steigern noch. Das Geld mehrt sich auf jeden Fall!
Du selbst warst auch schonmal im Gespräch mit Selfmade Records. Wieso kam es letztendlich zu keinem Signing?
JAW: Puh. Weiß ich auch nich genau. Ich denke, die Musik die ich momentan mache ist auch ein Stück zu kontrovers und unkorrekt, um bei den Verkaufszahlen eines Tonis oder Favs überhaupt mithalten zu können. Aber ich muss tun was ich tun muss, egal wie das verkauft wird und von wem.
Nun nahm Selfmade Anfang des Jahres Casper unter Vertrag, der in der Vergangenheit auch schon desöfteren nichts als gute Worte für dich übrig hatte. Hast du dich für ihn gefreut?
JAW: Klar. War ein guter Move von Slick. Casper hat 'ne breite Fanbase und ist sehr gut und einzigartig in dem was er tut.
Kaas musste wegen seines Songs „Amokzahltag“ massig (unangebrachte) Kritik einstecken und als Sündenbock für den Amoklauf in Winnenden herhalten.
Du hast das Thema „Amoklauf“ auf dem Song „Sein Tag“ auch schonmal behandelt. Wie hast du die ganze Hetzjagd auf Kaas aufgenommen?
JAW: Also ich weiß nur, dass ich dieses Video gesehen habe und es gut finde. Ich denke mal der Großteil der Politiker hat für die Hintergründe eines Amoklaufs soviel Einfühlungsvermögen wie ich für die restlichen Tracks auf dem Kaas Album. Sollen die die fröhlichen Sachen hören und ich überprüfe ob jemand gut nen Amoklauf inszeniert.
Wie hättest du denn reagiert, wenn man dich für „Sein Tag“ dermaßen an den Pranger gestellt hätte?
JAW: Keine Ahnung... Mich über die Promo gefreut? Mich erst tierisch aufgeregt und mich dann über die Promo gefreut?
Denkst du denn, dass es sich in Zukunft überhaupt verhindern lässt, dass irgendwelche Jugendlichen schwerbewaffnet in die Schule rennen und um sich schießen? Ich persönlich denke, dass man es nicht verhindern kann. Lediglich der Schritt von „in Erwägung ziehen“ zu „in die Tat umsetzen“ lässt sich durch zum Beispiel verschärfte Waffengesetze verhindern.
JAW: Nein, ich denke durchaus, dass man das verhindern kann, indem man die Kids in den Schulen auch mehr unter pädagogischem Augenmerk betreut und somit Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Mobbing verhindert. Zudem halte ich auch so was wie Seelenkunde für sinnvoll. Die meisten wissen ja nicht mal was man tun kann, damit es einem besser geht weil sie alle nur noch in Geschichtsdaten, Spanischvokabeln und Deutschreferaten herumirren… So funktionieren Menschen nicht.
Der Titel des bereits angesprochenen neuen PCP-Albums lautet „Lache und die Welt weint mit dir“. Was wollt Ihr damit aussagen?
JAW: Wir wollen damit sagen, dass wir alle frohlockend grinsen, während wir die Welt in die Luft jagen, die das ganze mit verminderter Begeisterung aufnimmt. Natürlich auch weil wir generell sehr, sehr fröhliche Menschen sind.
Du sagtest bereits im Vorhinein, dass dich Verkaufszahlen reichlich wenig interessieren. Was ist denn Euer Ziel mit dem Album?
JAW: Sagte ich das? Da hab ich mich wohl versprochen… Ich meinte, dass mich Verkaufszahlen reichlich herzlich interessiern! Klar wollen wir auch was verkaufen, ich hab einfach kein' Bock 50 Stunden in der Woche in Labelarbeit zu investieren, wenn ich dafür nix krieg. Ich bin doch kein Vollidiot!
Ich habe im Internet kürzlich die Aussage „Die klingen ja schon stark nach K.I.Z.“ gelesen.
Ihr habt als PCP bereits vor sechs Jahren über Techno-Beats und Fleisch gerappt und eine gewisse Punk-Attitüde an den Tag gelegt. Was denkst du dir nun also, wenn Euch Leute vorwerfen Ihr würdet kopieren? Wird man da manchmal nicht sogar etwas neidisch oder es kommen Zweifel auf?
JAW: Puh äh. Das interessiert mich reichlich wenig...äh herzlich reichlich...äh wenig! PCP gibt es schon so lang und K.I.Z. sind schon irgendwo ähnlich, aber die machen eher so HipHop-Punchlines und wir halt Weltzerfickermusik. Sie rappen allerdings auch über Fleisch und da wir die eindeutigen Erfinder des Fleischraps sind, wird es eventuell noch zu einem Faustkampf kommen...
Du hast für die JUICE auch einen gemeinsamen Song mit Morlockk Dilemma aufgenommen. Wie kam der Kontakt zustande?
JAW: Über den Adolph Gandhi, der hat da feuchtfröhlich über MySpace mit Morlockk gechattet und da wurde irgendwann klar, dass wir uns gut finden. Das heißt: Ich finde Morlockk gut und Morlockk findet mich gut und wir wollten was Gutes machen. Ein JUICE-Track, auf einen Beat von mir, erwartet das Volk in der nächsten Ausgabe! Eine wahre Bombe kann ich hier nur vorwegnehmen...
Im Interview mit Abroo hab ich vorgeschlagen er soll sich Morlockk, Rynerrr und dich schnappen und „ein düsteres Endzeitstimmung-Album“ aufnehmen. Quasi die Vertonung von Martin Scorseses „Taxi Driver“. Wärst du denn gewillt dieser Rap-Supergroup beizutreten?
JAW: Puh also Rynerrr hätte da kein' Bock, der rappt eh eher ungern und ich kenne jetzt nicht viel von Abroo, aber bin glaub ich auch kein großer Fan, was weiß ich denn! Ich mach jetzt erstmal paar Sachen mit Morlockk...
Du hast bei der letzten „Dein 16er“-Staffel das Finale erreicht. Nach deiner Ausscheidung und diversen Aussagen deinerseits wurde auch viel über dein Verhältnis zu Pillath, der im Finale in der Jury saß, gemunkelt...
JAW: Ja, munkelschunkeldidunkel! Keine Ahnung, wenn ich ein ernsthaftes Problem mit Pillath hätte würd ich das mit ihm klären oder einen Track machen. Ich glaube er ist einfach kein großer Fan vom „Big Bollath Skit“ auf „Gehirn im Mixer“, dabei war das großes Kino!
Das PCP-Album befindet sich bereits im Mastering und du arbeitest insgeheim schon an deinem neuen Soloalbum. Kannst du dazu schon etwas verraten?
JAW: Also das nächste JAW-Album wird unfassbar brutal und zugleich wieder sehr, sehr witzig. Ich bin ja eine sehr, sehr, sehr witzige Person und mache sehr gerne witzige Musik. Leider ist vieles auf dem Album gar nicht witzig, weil ich ein paar Dinge aus meiner Vergangenheit herzhaft in den Arsch ficke. Man hat also eine Mixtur aus Töten und keck in die Kamera zwinkern. Genau mein Ding. Der Titel wird vermutlich „Täter-Opfer-Ausgleich“ lauten.
Ich durfte ja schon in den Genuss zweier Hörproben deines neuen Solowerkes kommen. Textlich hast du dich darauf um 180 Grad gedreht und kehrst mehr oder weniger auf alte Pfade zurück. Viele deiner Fans fordern auch schon seit geraumer Zeit „den JAW zu „Schock fürs Leben“ Zeiten“. Wieso erst jetzt dieser textliche Wandel?
JAW: Ich weiß nicht genau was da immer alle haben. Das ist einfach sehr direkt und weniger Entertaining. Ich mach eh was ich will, aber auf dem Album wird beides sein. Vielleicht geht's mir irgendwann zu gut um diesen düsteren Scheiß überhaupt noch machen zu können, deswegen wird die Zeit genutzt.
Du hast mir gegenüber erwähnt, dass das Album „bitterböse und zugleich wohl das emotionalste und ignoranteste Album ever“ werden wird. Du hast dir auch ein Konzept für das Album einfallen lassen.
JAW: Nunja, mein ursprüngliches Bedürfnis war mit ein paar Dingen aus meiner Vergangenheit endlich abzuschließen - das werde ich aber nicht in keuscher Unterwürfigkeit, sondern mit einem gehörigen Donnerwetter. Dieses ziemlich düstere Donnerwetter findet auf dem Album statt. Da ich eigentlich ja aber auch ein sehr, sehr, sehr wirklich außerordentlich witziger Mensch bin, wollte ich auch ein paar lustige Dinger drauf haben, in denen ich sozusagen mit einem verzerrten Lächeln der Welt ein bisschen von dem zurückgebe, was ich in ihr erleben durfte.
Vielen Dank für das Interview! Dir gehört das Schlusswort.
auf jeden fall der beste blog, der hier so rumlaeuft in der weiten, oeden internetlandschaft. aber das interview hab' ich dir trotzdem nur aus promozwecken gegeben!
nein, hab' ich nicht...doch...ne, eher doch nicht, eher aus spass an der freude von dir.