Die Veröffentlichung von Abroos aktuellem Album „Schatten und Licht“ liegt inzwischen zehn Monate zurück - rein promotechnisch betrachtet hätte man sich dieses Interview also genauso gut auch sparen können. Trotzdem hat sich bei dem 32-jährigen Lemgoer in dieser Zeit einiges getan: Labelwechsel, Absolvierung des Studiums und natürlich die Vernichtung unzähliger Jägermeister. Sowieso ist es vielmehr mein Anliegen den Menschen hinter dem Künstlernamen Abroo, Andreas Biernat, vorzustellen, anstatt sich auf das aktuelle Release zu versteifen. Auch wenn zwischen dem Künstler und dem Menschen dahinter keine allzu großen Welten liegen dürften, da es der sympathische Dorfboss sowieso seit Tag 1 unten mit der Wahrheit hielt und stets recht offen über sein Privatleben sprach.
Ein sehr langes, persönliches, doch ebenso amüsantes Gespräch mit dem Boss of the Dorf über Familie, seine menschlichen Schwächen, Separates Comeback, die Kinder des Zorns-Zeit und gutes Essen. Lasst's Euch schmecken!
Die Veröffentlichung von „Schatten und Licht“ liegt jetzt zehn Monate zurück. Bist du mit der Resonanz zufrieden?
Abroo: Die Resonanz war zweigeteilt. Manche mochten die Beats nicht und haben sich dann auch nicht die Mühe gemacht die Texte zu hören. Andere sind allerdings auch jetzt erst zu meiner Musik gekommen. Ansonsten haben viele das Artwork kritisiert, was ich auch verstehen kann. Ich war damit auch nicht zufrieden.
Glaubst du überhaupt daran irgendwann einmal die gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen? Klar, Erfolg ist Definitionssache, aber ich hab das Gefühl, dass dich auch in der Szene noch viele Leute umgehen beziehungsweise denken „Ja, dieser Abroo, passt schon“, sich aber nicht wirklich mit deiner Musik auseinandersetzen.
Abroo: Ich glaube das liegt einfach daran, dass ich nicht mal annähernd ein Image habe. Teilweise bin ich einfach nicht greifbar für Leute. Hier und da eine lustige Punchline oder eine gute Song-Idee, die bei den Leuten hängenbleibt, aber keine eindeutige „Schubladenaufschrift“. Aber deshalb mache ich ja nicht meine Musik. Anerkennung bekomme ich viel, nur die Verkäufe sind nicht wie bei den „großen“ Anderen. Ich habe mit den besten in dieser Szene gearbeitet. Mit vielen Rappern und fast jedem Produzenten, habe drei Mal auf dem Splash gespielt und bin in meiner Laufbahn viel rumgekommen. Im Grunde bin ich nicht mehr auf der Suche nach Anerkennung. Fame ist irrelevant!
Der ausschlaggebende Grund dafür, dass du Buckwheats verlassen hast war ja der, dass Separate dein neues Album letztendlich nicht rausbringen wollte und du dich einfach nicht mehr wohl gefühlt hast. Im JUICE Interview hast du aber auch verraten, dass die kleine Fehde mit Casper eine nicht unwichtige Rolle spielte. Wie bist du damit umgegangen, wenn das Thema Casper unter euch beiden zur Sprache kam?
Abroo: Ich hatte halt einfach nie den Hass auf Cas, wie Separate ihn hatte. Damals war Seppo ein sehr aufbrausender Typ, der durch den Weggang von Casper sehr verletzt war. Er hat damals Dinge gesagt, die ich nicht unterstützen konnte. Aber dass das Album woanders rauskam, hatte nichts mit Casper zu tun.
Auf „Rap Art War“ hat sich schon angedeutet, dass Casper rein raptechnisch gesehen das meiste Potential von euch hat. Was sagst du denn zu seinem Selfmade-Signing?
Abroo: Ich denke er passt dort gut hinein und wird auch den Erfolg haben, auf den er hinarbeitet. Er ist immer noch einer der talentiertesten Künstler Deutschlands. Selfmade ist ein gutes Label. Favorite ist auch krass. Momentan macht keiner so Welle wie Selfmade. Ich denke das war erst deren Anfang. Casper und ich verstehen uns zwar nicht mehr so gut, aber ich freue mich trotzdem für ihn und wünsche ihm alles Gute!
Was ist eigentlich aus Fadee geworden, dem vierten KDZ-Mitglied?
Abroo: Da habe ich absolut keine Ahnung!
Und was ist mit dem unveröffentlichten KDZ-Track, der auf deiner Festplatte herumlungert? Wie gut stehen die Chancen, dass der eines Tages rein versehentlich an die Öffentlichkeit gerät?
Abroo: Ich wette ich bin der Einzige von uns, der den hat. Ich hab den auf einer CD, die damals das Vorab-Master war, aber geändert wurde. Jetzt muss ich den nochmal hören… Also ist ein schöner Song. Casper und ich machen die Verses und Separate die Hook. Der Titel ist „ Für Fans“. Ich denke aber ich werde den als Erinnerung behalten und er wird nicht veröffentlicht. Außerdem müsste ich erst die anderen beiden fragen...
Separate hat Anfang des Jahres indirekt angedeutet, dass er wohlmöglich den Comeback-Move machen wird. Für die Foren-Kids bedeutet das natürlich, dass direkt zig Features mit dir geplant sind. Hand auf's Herz: Wie sieht dein derzeitiges Verhältnis zu Seppo aus und würdest du nochmal mit ihm in die Booth gehen?
Abroo: Wir telefonieren ab und zu. Es geht ihm gut und er studiert fleißig. Wegen den Comeback-Gerüchten müsstest du ihn allerdings selbst fragen. Und wegen „in die Booth gehen“: Abwarten und Tee trinken. Erst wenn es soweit kommen würde, mache ich mir die Gedanken drüber.
Wie ging es dir denn, als du von seinem Schlaganfall gehört hast?
Abroo: Sowas ist richtig krass. Niemanden lässt sowas kalt. Ich glaube dann merkt man auch direkt wieder wie unwichtig die Musik und die ganzen Beef-Geschichten wirklich sind.
„Schatten und Licht“ kam letztendlich über Plattenbau Ost heraus und wurde komplett in Eigenregie von Joe Rilla produziert. Wie hast du Rilla eigentlich kennengelernt?
Abroo: Ganz langweilig eigentlich: Über MySpace.
Was auf dem Album besonders auffällt ist, dass du deine Stimme nun viel gezielter einsetzt. Kann man sagen, dass du deine Stimme inzwischen mehr als Instrument siehst?
Abroo: Ich versuche schon etwas mehr mit der Stimme zu spielen, aber als Instrument bezeichne ich sie nicht. Beim letzten Album hat es einfach gepasst. Mal sehen was beim nächsten passiert. Kommt immer auch auf die Musik beziehungsweise die Beats an.
Das Konzept „Schatten und Licht“ zieht sich durch das gesamte Album. Das Album beginnt mit dem „Vorwort“ auch recht düster und endet mit dem „Outro“ recht harmonisch und klingt auf einmal „hell“. Wie bist du auf das Konzept gekommen? Wird dein nächstes Album auch wieder ein Konzeptalbum?
Abroo: Die Idee kam eigentlich von Rilla. Ich habe sie dann etwas ausgearbeitet und hatte ziemlich schnell eine Vorstellung davon, wie das Konzept aussehen soll. Das nächste Album wird kein Konzeptalbum und vor allem nicht nur mit einem Produzenten. Aber vielleicht mach ich ja einen Mix aus Rap und Country - das wäre doch mal ein Konzept, oder? Momentan schreien doch alle wie selbsternannte Professoren, das was „Neues“ her muss (lacht).
Viele haben sich daran gestoßen, dass du deine Ossi-Wurzeln auf einmal an die große Glocke hängst. Mal abgesehen davon, dass du in Halle geboren wurdest: Wieso hast du erst seit deinem Signing bei Plattenbau Ost angefangen den Osten zu repräsentieren?
Abroo: Naja, so ganz ist das nicht richtig. Auf meinem ersten Album und dem nachfolgenden Mixtape habe ich das auch schon thematisiert. Aber eben nur jeweils einmal. Ich dachte das reicht. Doch andauernd quatschen einen die Leute an und meinen ich würde aus Mainz oder Berlin kommen. Nun habe ich ein Album mit Rilla gemacht. Was haben die Leute denn erwartet? (grinst). Ich sage es zwei, drei Mal auf der CD. Keinen ganzen Song, keine großartige Wiederholung: Im Rahmen denke ich.
Du spielst auch sehr viel mit den Begriffen Glatze, Pommesbude und Bild-Zeitung. Man könnte meinen du provozierst damit gewollt in eine Schublade gesteckt zu werden.
Abroo:Nö. Null. Ich bin mittlerweile ein Landjunge und ich mag auch ehrlich gesagt dieses leicht plumpe, asoziale, einfach gestrickte Wesen der Provinz. Ich gehe oft in die Pommesbude, wie man mir ansieht. Die Bild morgens nach einer durchzechten Nacht ist immer lustig. Glatze hatte ich schon lange… Naja mittlerweile nicht mehr. Aber es waren nie Provokationen, eher ein Bild meines Umfelds.
Was für viele Leute auch nachwievor als provokant gilt, zählt zu einer deiner weiteren Leidenschaften neben Rap: Tattoos. Was genau fasziniert dich daran so sehr?
Abroo: Alles! Das Motiv. Das Stechen. Die Erweiterungen. Die ganze Kultur! Die Geschichten hinter jedem Motiv! Vielleicht sogar, dass es etwas Endgültiges ist! Ich muss dringend wieder hin. Ich muss.
Du sprichst auf „Schatten und Licht“ viel über Vertrauen, Ehrlichkeit und Rückgrat. Es wird zumindest schnell klar, dass du enorm viel Wert auf diese Dinge legst. Wo liegen denn deine Schwächen als Mensch?
Abroo: Ich ziehe nicht alles durch was ich anfange und bin relativ faul. Ich habe auch das Problem Menschen zu schnell ins Herz zu schließen. Viele meiner Freunde sagen auch, dass ich zu uneigennützig bin und öfter mal an mich denken soll. Ansonsten habe ich noch Schwächen für Jägermeister und große Oberweiten. Und KFC Eimer mit Wings! Saugut!
Auf dem Song „Woher soll ich es wissen“ geht es hauptsächlich um Enttäuschung und dass, du in Folge dessen misstrauischer geworden bist. Trotzdem macht es den Anschein, dass du ein sehr gutmütiger und offenherziger Mensch bist, was dann jedoch so ein bisschen im Kontrast zu der Line „Und fuck Smalltalk, ich halt es nicht aus“ steht. Ist es heute noch manchmal so, dass du in Gefahr rennst fremden Menschen zu schnell dein Vertrauen zu schenken?
Abroo: Ich habe das schon etwas abstellen können. Ich weiß nicht ob meine Menschenkenntnis schlecht ist oder ich zu schnell einem Lächeln glaube. Das Offenherzige behalte ich wohl für immer, aber ich sollte einfach meine Grenzen besser abstecken. Mit „Fuck Smalltalk“ meinte ich diese so ekelhaften Versuche anderer etwas von mir zu bekommen. Dann kommen zwei bis drei Standadtfragen über mein Wohlbefinden, das Wetter hier und was die Musik macht und dann: Zack – „Kannst du mal…hast du mal?“ Was sowas betrifft bin ich schon etwas zurückweisender geworden.
Besonders hängengeblieben bei mir ist die Zeile „Also schreib mir nicht, dass du es dauernd brauchst, denn ich wach jeden Morgen neben meiner Traumfrau auf“ - diese Aussage ist gerade bei Rappern ja eher ungewöhnlich. Oder zumindest die Tatsache, dass man es so auf den Punkt bringt. Auf dem Album sagst du jedoch auch, dass du Frauen oft schlecht behandelt hast.
Abroo: Ich bin bestimmt kein Engel, habe definitiv Fehler gemacht. Aber dieses Groupie-Ding habe ich nie gefeiert. Da draußen rennen soviel Rapper rum, die glauben es sei besonders cool eine 16-Jährige in einem Hotelzimmer den Arsch entjungfert zu haben. Naja… Wenn sie mal eigene heranwachsende Töchter haben wird es immer noch Musiker geben, die alles mitnehmen was sie kriegen. Mal sehen wie cool es dann noch ist!
Nicht dass K.I.Z. die Ersten gewesen wären, die mit einer ordentlichen Portion Humor über ihre (Traum-)Frauen rappen. Aber wurdest du bei „Traumfrau“ von den Jungs beeinflusst?
Abroo: Ich hab auf einem Konzert ein Mädel gesehen die ein M.O.P.-Shirt und Timberland-Boots trug und alles was sie hatte geschüttelt hat. Den Anblick habe ich hart gefeiert! Am nächsten Tag habe ich direkt angefangen zu schreiben. Das K.I.Z.-Album hatte ich damals noch gar nicht gehört. Ich finde auch, dass es schon sehr unterschiedliche Songs geworden sind. Das Augenzwinkern ist das Gleiche, aber beeinflusst wurde ich durch die Olle. Ich hoffe ich sehe die auch noch mal wieder (grinst).
Inwiefern stimmt die Beschreibung deiner Traumfrau im gleichnamigen Song denn mit deiner echten Freundin überein?
Abroo: Hahaha! Das bleibt deiner Fantasie überlassen. Ein paar Dinge stimmen vielleicht, aber das Meiste ist und bleibt Traumvorstellung. Der „Such dir ein Loch aus!“ – Satz, den hat meine Freundin eingesprochen. Ich hoffe die Eltern hören das nicht und sprechen mich beim Truthahn-Essen drauf an.
Ende der Achtziger Jahre hast du in Berlin ein Sportinternat besucht. Heute scherzt du mit Hammer & Zirkel über eure Pfunde und haust Slogans wie „No Hunger“ raus. Ohne Essen geht nix, wa?
Abroo: Ja Mann! Ich habe einen gesunden Appetit. Ich mag Menschen, die gerne essen. Hier auf dem Land ist die Luft so sauber, das macht Hunger. Aber in Berlin ist das Futter billig. Also egal wo ich hinkomme, irgendwie gibt es immer was. Ich lasse mich auch immer gerne bekochen. Dra-Q kann kochen. Lakmann auch. Jetzt hab ich Hunger... Mist!
Welche drei Gerichte würdest du denn niemals missen müssen und warum?
Abroo: Doppelcheeseburger mit Beilage Chili-Currywurst aus der Currybox in Berlin, der kann was! Der KFC Bucket mit Wings… da haste lange was von. Schmeckt auch kalt am nächsten Morgen! Und der Nudel-Schafskäse-Salat von meiner Oma. Schmeckt seit 20 Jahren schon gut!
Bleiben wir mal bei der Vergangenheit: Auf „Himmel & Hölle“ sagst du „Ich hab vor Jahren einem Typen mit ner Schreckschuss ins Gesicht geschossen“. Du hast damals auch mit Waffen gehandelt. Wie bist du da rein geraten?
Abroo: Eher durch Zufall. Im Spanienurlaub habe ich eine Uzi gekauft - für einen Schnäppchenpreis. Da fing es an. Aufgehört hat es mit der Sache, die glücklicherweise gut ausgegangen ist. Damals war ich 18 oder so. Ist also lange her. Ich war dumm und habe auf alles geschissen. War alles Blödsinn und man hatte „Menace“ vielleicht einmal zu oft gesehen, haha! Aber in dem Song geht es ja generell um Sachen, die ich sehr bereue. Rapper bereuen irgendwie nie etwas und halten das für eine Schwäche. Habe ich wohl doch was Neues gemacht, wa?
Wann hat es denn bei dir Klick gemacht und du hast realisiert, dass es so nicht weitergehen kann?
Abroo: Es hat erst spät Klick gemacht! Es waren immer Andere an allem Schuld - kennt man ja. Opferrolle... Und ich meine das nicht im „Rap-Straßen-Jargon“! Irgendwann stand ich vor einem völlig versauten Lebenslauf. Meiner Mutter ging es immer schlechter und ich musste mich kümmern. Ich denke das war es auch was geholfen hat zu begreifen, dass es mir eigentlich so gut geht. Das sollte man nicht wegschmeißen oder vergessen.
Deine Mutter scheint eine überaus wichtige Rolle in deinem Leben zu spielen. Erinnerst du dich noch an den Moment, als du von ihrer Erkrankung erfahren hast?
Abroo: Nein! Sie bekam es als ich drei Jahre alt war. Ich bin damit aufgewachsen: Die Ärzte, der Rollstuhl, ihre Schmerzen. Am Ende konnte sie nur noch die Augen bewegen. Sie lag einfach 24 Stunden in einem Bett und war zu 100 Prozent hilfsbedürftig. Sie ist vor eineinhalb Monaten verstorben. Sie hat leider nicht mehr mitbekommen, dass ich mein Studium beendet habe.
Darauf wollte ich noch zu sprechen kommen: Auf dem Song „Kein Mitleid“ sagst du bezüglich Studium, etc.: „Ich hab alles abgebrochen, nix zu Ende gebracht“ - aber warum denn? Du reflektierst in dem selben Song doch sogar noch unter welchen Bedingungen du leben musst.
Abroo: Ich habe das Studium doch noch beendet! Einen Tag nach dem Tod meiner Mutter habe ich die Abschluss-Prüfung bestanden. Ich hatte das Abi abgebrochen, die Lehre abgebrochen. Ich hatte ihr versprochen wenigstens das zu Ende zu machen. Und das habe ich!
Man verbindet den Künstlernamen Abroo auch stets mit Vaterhass. Auf „Zwischen Liebe und Hass“ hast du bereits gesagt, dass du nun über den Dingen stehst. Das schockierende „Kopfgeld“ Video ist inzwischen aus dem Netz verschwunden. Siehst du die älteren Texte heute selbst als zu krass an oder siehst du das Ganze inzwischen einfach nur abgeklärter?
Abroo: Natürlich habe ich immernoch Hass auf meinen Vater. Aber man wird langsam älter und denkt eher über die Sachen nach, die man schreibt oder sagt. Zu krass… würde ich nicht sagen. Aber ich würde es nicht mehr mit dem Vorschlaghammer versuchen. Ich habe das Thema auch einfach abgeschlossen.
Wann hattest du denn das letzte Mal Kontakt zu deinem Vater? Hat er in all der Zeit nicht versucht nochmal Kontakt mit dir aufzunehmen?
Abroo: Es gibt keinerlei Kontakt mehr zu ihm. Das letzte Mal habe ich ihn vor neun Jahren in einem Gerichtssaal gesehen. Mir ist es einfach komplett egal was er macht und wie es ihm geht. Das nächste und letzte Mal, dass ich mit ihm zu tun haben werde, wird der vom Amt gesendete Erbschein sein. Aber es wird keine Tränen geben, soviel steht fest.
Als ich damals in „Kopfgeld“ die Zeile mit dem Dildo hörte war ich erstmal sprachlos. Du selbst sagst, dass es nichts bringt sich selbst zu bemitleiden, da das Leben ohnehin weitergeht. Jedoch kann ich es verstehen, wenn man sich denkt „Krass, was ein armes Schwein“. Wie gehst du damit um?
Abroo: Ach, schau mal: Es gibt so viele Menschen um mich, denen es um einiges schlechter geht als mir. Ich heule nicht auf Tracks rum! Wenn ich etwas zu meinen Umständen sage und in Songs thematisiere, dann nur um es in Tracks zu verarbeiten. Vielleicht kommt vieles einfach schockierend, weil ich so offen über alles rede. Viele sind erst mal überrumpelt. Ich kann aber so am besten damit umgehen. Ich bin kein armes Schwein - ich bin zufrieden und bin gesund. Eigentlich hab ich auch alles was man braucht, um glücklich zu sein. Andere legen da die Messlatte vielleicht woanders hin als ich.
Machst du dir manchmal Gedanken darüber was du deinem Kind erzählen wirst, wenn es dich fragt wo denn Opa ist?
Abroo: Dann sag ich ihm, dass er einen Opa, der Schwiegervater, hat. Den anderen gibt es nicht. Selbst wenn, wäre es kein guter Umgang. Aber erstmal muss ein Kind her.
Je intensiver man sich mit deiner Lebenslaufbahn beschäftigt, desto klarer wird einem was du schon alles durchgemacht hast und dass du vieles im Leben auch relativ gelassen siehst. Lässt sich Abroo denn überhaupt noch aus der Ruhe bringen? Bei was platzt dir denn der Kragen? Mal abgesehen von illegalen Downloads und dem üblichen Rapper-Übel.
Abroo: Illegaler Download ist mir auch egal. Hehehe! Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Die Generation die nachrückt hat es ja auch nicht anders gelernt. Deutschraps Golden Era ist längst vorbei. Aber zurück zur Frage: Mich regt Ungerechtigkeit auf. Und Doppelmoral. Leute, die mir was von Ehre erzählen wollen und selbst völlig feige und kindisch sind. Aber im Grunde regt mich wenig auf... ich denke ich werde 120 Jahre alt. Mein Blutdruck ist killer!
Du wirst als einer der charismatischsten Hunde in der deutschen Rapszene gehandelt. Bedeutet dir dieser Ruf irgendwas?
Abroo: Bedeuten nicht unbedingt. Aber ich mag es. Ich bin ein herzlicher Mensch und viele Leute merken das auch. Sowas ist mir lieber als wenn sie in einem nur den Rapper sehen. Das Rapper-Ding hört irgendwann mal auf, aber der Mensch bleibt. Deswegen ist es mir wichtiger mit Leuten auf der menschlichen Ebene klar zu kommen als auf der künstlerischen. Ich kann auch mit jemandem einen saufen, der meine Mucke nicht mag. Das können andere nicht. Die brauchen diese Anbeterei!
Du bist ein ziemlicher Fan von der typischen Underdog-Story. Du betitelst dich auch selbst als solcher. Nehmen wir an du könntest bei deiner Geburt zwischen brokem Underdog und reichem Bonzenkind ohne Probleme und Schicksalsschläge wählen - für was würdest du dich entscheiden?
Abroo: Eine solche Frage kann man schwer beantworten. Aber ich denke jeder, der ohne Geld aufgewachsen ist, würde sich für das Geld entscheiden. Ich mich auch. Dann hätte ich meiner Mom vielleicht durch teure amerikanische Ärzte ein paar mehr Jahre „erkaufen“ können. Hätte, würde… weißt schon. Bonzenkind klingt übrigens sehr abwertend. Die suchen es sich ja nicht aus. Abgesehen davon gibt es bestimmt auch reiche Kids, die trotzdem keine verwöhnten Arschlöcher geworden sind. Wenn die dann rappen würden, hätten sie es schwerer und wären automatisch selbst Underdogs.
Wenn man heutzutage die Diskussion führt wer denn die Punchlines, wie man sie heute in Deutschland kennt, hierzulande eingeführt hat fallen häufig die Namen Snaga und Pillath. Du warst jedoch zweifelsohne auch einer der Pioniere. Denkst du dir stehen da einige Lorbeeren zu?
Abroo: Was soll ich mit Lorbeeren? Kann man da Schnaps draus machen? Nee… Mal ernsthaft: Ich habe früh damit angefangen. Was heute Standard ist, habe ich teilweise schon Ende der Neunziger auf Tracks rausgehauen. Aber das macht ja meine Musik nicht besser oder schlechter. S&P hatten einfach eine krassere Dichte. Da war ja jede Zeile eine Punchline. So habe ich das nie gemacht. Das wäre für mich selbst schnell langweilig geworden. Die Jungs haben das der großen Masse sehr gut vor den Latz geknallt. Allerdings könnte das Problem entstehen, dass jetzt jeder nur noch sowas von ihnen hören will. Da könnten andere Inhalte der Jungs untergehen, weil die Fans weiter bedient werden wollen, mit dem was sie wollen und nicht mit dem was die Künstler ihnen geben wollen. Bedarf und Nachfrage sind ekelhafte Begriffe, wenn es um Musik geht.
Auf deinem MySpace werden „Gefallene Engel“ und „Underdogs Musik“ als deine neuen Projekte angekündigt. Was genau hat es damit auf sich?
Abroo: Leider kann ich darüber noch nichts sagen, aber ich biete dir an, dass du der Erste bist, der Infos bekommt, wenn es spruchreif ist. Es ist jedenfalls was so noch nie Dagewesenes und könnte interessant werden!
Ein Mixtape mit Shusta war doch auch noch in Planung, wenn ich mich recht erinnere.
Abroo: Ja, das stimmt. Allerdings hab ich es wohl selbst verkackt. Der Shusta hat mir sauviele krasse Beats geschickt und ich hatte auch angefangen, doch da müsste ich nochmal mit ihm sprechen, ob das Angebot noch aktuell ist.
Fortsetzung folgt...
* Anmerkung von badaboombadabang:
Da ich Euch mit über 50 Fragen nicht überfordern möchte habe ich das Interview in zwei Teile aufgeteilt. Hierbei handelt es sich also lediglich um den ersten Teil des Interviews. Der zweite Teil wird übermorgen gegen 16 Uhr online gehen! Gesprächsthemen unter anderem: Das Ende der "Sopranos", Joe Rillas Verhaftung, Dirk Bernemanns Buch "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" und was "Schatten und Licht" damit zu tun hat und Abroo erzählt wie es zu dem Feature mit Termanology kam und warum der Boombap-Sound sowieso das Beste ist was es gibt. Dranbleiben, Kameraden!
Schöner erster Teil! Gut, dass du dich dazu entschlossen hast, das Ding durch 2 zu teilen haha. Interessante Themen (Separate, Abroos Familie)
Dann freuen wa uns mal auf morgen. Auch wenn ich gern mehr zu zukünftigen Projekten lesen würde....aber dafür kannst du ja nichts. ;)
Bada! Du hast dich übertroffen. Es ist interessant und witzig, Abroo scheint ein echt guter Mensch zu sein. Da können sich so einige eine dicke Scheibe von abschneiden. Supporte ich!
26.08.2009 - Ey Abroo, trink mal bitte 10 Liter Jägermeister auf Ex.
Geschrieben von ALEXANDER
BAH! GUCKT IHN AN! Bei seinem deformierten Kackgesicht hat Gott auch kein Fettnäpfchen ausgelassen. Aber er scheint Humor zu haben: Da, wo ursprünglich zwei gesunde Augen zwinkern sollten, hat er zwei klaffende Arschlöcher platziert. Dazu diese widerliche Lederhaut, das noch schmeichelhaft aussieht, wenn man bedenkt, dass es die Folgen aus 2 Weltkriegen zu tragen hat. Der Eierkopf brennt sich so stark in die Netzhaut, dass man sich wünscht, seine fetten Wurstfinger auf dem Pic würden tatsächlich eine Waffe darstellen. Na ja, zu früh gefreut. Das Interview ist übrigens zu lang. Ich werde es nicht lesen.
Eines der besten Interviews die ich in letzter Zeit gelesen hatte. Vielen Dank dafür. Abroo ist für mich einer der Besten Rapper Deutschlands. "Zwischen Liebe und Hass" ist ein Klassiker, hoffe von Abroo in Zukunft weiter so hochwertige und ehrliche Musik zu hören.
@Alexander: Schade das du 14jähriges Kind ihm sowas nie ins Gesicht sagen würdest, weil er dir wahrscheinlich mit seinen "Wurstfingern" das Kinn weghauen würde. Hat Abroo deine Freundin befleckt oder dich mal bei einem Battle besiegt? Eins von beidem? Oder sogar beides? Mehrfach? Ein anderen Grund sehe ich nicht, das du so einen Schwachsinn für so wichtig hältst, um ihn zu posten. Wenn dir ein wunderschönes Surfergesicht lieber ist, dann gehe bitte zum CSD! Da findest du schöne Manner. Viel Spass dort, "Alexander"!
Jungens, ich hab mich dazu entschieden den ersten Teil doch noch bisschen auffer Startseite zu lassen und den zweiten Teil dann morgen nachzuschieben. Selbe Uhrzeit, sprich: 16 Uhr.