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27.08.2009 - Abroo im Interview mit badaboombadabang [Teil 2]

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Hier geht's zum ersten Teil des Interviews!




Du hast mit Hammer & Zirkel und Joe Rilla auf dem „Deutschlands vergessene Kinder“-Sampler auch einen Song, der an Chakuzas „Eure Kinder“ angelehnt ist. Darin kritisiert ihr unter anderem diverse Rapper, die der festen Überzeugung sind sie seien kein Vorbild für ihre Fans. Hattet ihr nicht Angst, dass die Leute den Inhalt völlig übersehen und bloß darauf rumreiten, dass ihr Bushido kritisiert habt?


Abroo: Der Song war bei der Aufnahme gar nicht für das Projekt geplant. Dann hat Rilla den bei Ben von Mellowvibes als „seinen Song“ abgegeben. Es sollte die Leute zum Nachdenken anregen. Kritik ist das richtige Wort. Aber Kritik kann auch was Gutes sein. Ich glaube, dass viele Künstler irgendwann erwachsen aufwachen und merken, dass sie viel Schrott gelabert haben. Das Meiste würden sie ihren eigenen Kindern niemals vorspielen. Warum muten sie es dann anderen Kids zu? Man kann sich nicht einfach aus der Affäre ziehen und sagen: „Hier Eltern… hier Lehrer… ist euer Problem!“ Gerade wenn man im Mittelpunkt steht und einen Einfluss hat. 


Rilla wurde verhaftet nachdem es auf dem Selfmade-Konzert handgreiflich wurde. Möchtest du dich noch ein allerletztes Mal zu der Sache äußern und deinen Standpunkt vertreten?


Abroo: Was an den Abend passiert ist habe ich auch nur erzählt bekommen. Ich war gerade beim Tua- und Kaas-Auftritt und wollte mit den Jungs Party machen. Ich erfuhr davon, weil Leute bescheuerte SMS geschrieben haben. Direkte Vorwürfe. Ich wusste nicht mal worum es geht. Ich distanziere mich komplett davon und will mit solchem Mist nicht in Verbindung gebracht werden. Den betroffenen Künstler, Montana Max, habe ich kontaktiert und wissen lassen, dass ich das verurteile. Jeder, der mich kennt weiß, dass ich ganz andere Probleme habe, als solche Macho-Eier-Zeigereien wegen Musik!

Der Sampler „Ansage Ost“ wurde vorerst auf Eis gelegt, da viele Künstler wegen der Sache mit Rilla und Selfmade ihre Tracks zurückgezogen haben. Hast du deinen Beitrag auch zurückgezogen?

Abroo: Nein. Ich hörte nur davon, dass der Sampler gar nicht erscheinen wird. Da brauchte ich nichts zurückziehen. Ich habe keinen Plan was damit ist.


Als ich letztens mal wieder „Rap Art War“ durchgehört habe ist mir eine Zeile aufgefallen: „Apropos salzig: Frag Bisk Fingaz wie meine Eier schmecken!“ Du hattest mal Probleme mit dem Hannover Produzenten?

Abroo: Ich hatte kein wirkliches Problem mit ihm. Es ist echt lange her, da war ich bei ihm im Studio. Ich mochte seine Art nicht. Er war damals noch jung und musste im Mittelpunkt stehen. Dabei hat er seine eigenen Leute nicht so behandelt wie ich es selbst für angemessen hielt. Das war alles. Es war eine Zeile. Ich habe nichts gegen ihn und wir haben auch wieder Kontakt gehabt. Alles halb so wild.


Überhaupt bin ich der Ansicht, dass du dich von dem etwas aufmüpfigen Rookie, der kein Blatt vor den Mund nimmt, zum bekennenden Szene-Fan entwickelt hast. Auf einem älteren Track sagst du auch „Ich bin ein Hater und Fronter, doch das hat'n Grund“. Erklär uns diesen doch mal und wie es zum Wandel kam!


Abroo: Ich denke mir ging es damals wie den Meisten heute auch: Unzufrieden und nichts was einen begeistert. Dabei liegt das Problem woanders. Wenn man sich die Mühe macht mal richtig zu suchen findet man echte Juwelen. Immer wieder finde ich Rapper oder Produzenten, die mich umhauen. Alle meckern nur noch. Ich habe früher viele gehatet, die sich meiner Meinung nach verbogen haben. Die die Charts-Erfolge wollten und nur darauf hingearbeitet haben. Davon bin ich immer noch kein Freund aber ich akzeptiere es mittlerweile.




Doch trotz Pro-Szene scheint dich auch so einiges an Deutschrap anzukotzen.


Abroo: Was mich nervt sind Leute die selbst früher die Baggy-Fraktion waren und heute überall das Maul aufreißen, das sie ja so anders wären. Sie schimpfen über die Szene und wie intolerant alles geworden sei. Dabei sind sie selbst keinen Meter besser. Auch geil finde ich solche Idioten, die in Interviews immer hervorheben wie krass uncool es wäre, wenn man deren Album nur saugen würde und es nicht kauft. Ich möchte nicht wissen wieviele von denen gar keine Originale im Schrank haben. Sie kaufen selbst nichts, aber erwarten es von anderen ihre Produkte zu kaufen. Heuchler! Diese Arroganz nervt mich.


Auf meinem Blog habe ich vor kurzem die Arbeitshaltung der deutschen Rapper kritisiert und mich dafür eingesetzt, dass es mehr Remixe deutscher (Rap-)Tracks geben sollte. Allerdings hat hierzulande so gut wie jeder Künstler einen Stock im Arsch und natürlich arbeiten auch recht unterschiedliche Acts eher selten miteinander, was ziemlich schade ist. Ein positives Beispiel wäre jetzt Massiv und Kaas, die gemeinsam im Studio waren.

Abroo: Der eigene Schatten ist vielen zu lang, um drüber zu springen. Manche reden auch schlecht über andere, bis sie sie kennen lernen und merken, dass sie ja doch ganz nett sind. Erst dann werden Tracks geplant. Komisch, wa? Vorher waren es noch sogenannte „Hurensöhne“ und „Lauchs“. Es sollten alle mal ein bisschen lockerer werden und nicht vergessen, dass es doch einfach nur Musik ist!


Du bist ja schon ein ziemlicher Filmliebhaber und hast in der Vergangenheit auch Kurzfilme gedreht. Auf dem Outro von „Schatten und Licht“ schimmert das auch wieder durch. Wieso bist du diesen Weg nicht weitergegangen?

Abroo: Das werde ich ja vielleicht, Studium ist ja durch. Mal sehen wo es hingeht. Ich habe sogar noch ein, zwei Drehbücher in der Hinterhand. Mieses Zeugs!


Nachdem du mir schon nicht glauben wolltest, dass keine siebte Staffel von den „Sopranos“ erscheint und es nicht fassen konntest - was läuft derzeit in Abroos DVD-Player?

Abroo: Viele Serien: „Big Bang Theory“,„My Own Worst Enemy”, „OZ“, „Boondocks“, „Afro Samurai“, „Batman Of The 60s“. Ich freue mich schon auf die nächste Staffel von „Dexter“. Filme schau ich auch viel. Aber momentan… Ich schaue mal nach was drin ist: „Reservoir Dogs“.


Apropos „Sopranos“: Was sagst du zum Ende der sechsten Staffel? Tony: Unsympathischer, illoyaler, skrupelloser Bastard oder doch einfach der Boss?

Abroo: Ich glaube Tony wurde schon gut gescriptet. Er ist relativ realistisch getroffen. Jeder hat Kanten und Ecken. Und Widersprüche. Das Ende fand ich sehr kacke. Offen gelassen und trotzdem keine Chance auf eine weitere Staffel. Sieht irgendwie ungewollt aus.


Du bist bekennender Fan von Dirk Bernemanns Buch „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“. Ich sehe „Rein in das Licht“ als (nüchterne) Vertonung des Buches. Einverstanden damit? Und: Was genau fasziniert dich an dem Buch so sehr?

Abroo: Krass! Den Vergleich habe ich so noch nie gezogen. Aber für mich ein ziemliches Kompliment. Danke! Ich habe das Buch an einem Stück durchgelesen und direkt am nächsten Tag nochmal. Ich mag die Verstrickungen und die teilweise sehr harten und kalten Charaktere. Es ist ein Schlag ins Gesicht, dieses Buch, spiegelt aber unsere Zeit sehr gut wider. Diese ganzen Schicksalsschläge oder verdrehten Einstellungen sind heute teilweise Normalität. Aber trotzdem erschrecken sie einen. Gut so!


Auf dem Song „Es reicht“ mit Morlockk Dilemma setzt du dich mit deinen exzessiven Gedanken auseinander, die dich dazu treiben (könnten) zu morden. Morlockk hingegen mutiert zum Taxi Driver und beseitigt sämtlichen Abschaum. Insgesamt transportiert der Song eine ziemliche Endzeitstimmung, was auch wieder in diese „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“- und „Taxi Driver“-Ecke passt. Ich bin ja stark dafür, dass ihr euch noch JAW und Rynerrr ins Boot holt und ein gemeinsames Album aufnehmt.

Abroo: Die Idee und das Sample stammen aus der Serie „Dexter“, die ich hart feier! Von den beiden genannten Rapper-Kollegen kenne ich leider nichts. Aber ich vertraue deinem Musikgeschmack!


Du bist ja schon eher der Boombap- / Ruff, Rugged and Raw-Typ. Langweilt dich der Sound nicht mit der Zeit? Ich kann zumindest verstehen, wenn sich die Leute nach neuen Einflüssen sehnen.


Abroo: Mit dem Thema befasst man sich nur bei Deutschrap. Seltsam, aber ist leider so. Ich verstehe ja, dass sich Leute einen frischen Wind wünschen, wenn die alten Scheiben zu staubig wirken. Aber ich bin Fan von zeitloser Mucke. Vieles was gerade passiert sind doch Experimente. Hochgepitcht, tiefgepitcht, AutoTune, Crunk, Electro-Kram… Alles okay, wenn man es mag. Aber wie lange ist so ein Trend denn aktuell? Aber Klassiker sind noch nach 15 Jahren heiß! Und jetzt schau dir mal die Liste an, von den Sachen, die Leute zu den Klassikern zählen. Ein weiterer Grund warum viele meine Einstellung nicht verstehen ist, dass ich diese goldene Ära auch tatsächlich miterlebt habe. Ich bin ein alter Sack, der sich 1993 schon ein Naughty by Nature- oder ein M.O.P.-Konzert reingezogen hat und zigtausende Platten und CDs gekauft hat. Und Kassetten! Hier bitte die Wikipedia-Erklärung einfügen, für diejenigen, die gar nicht wissen was das ist. Worauf ich hinaus will: Ich höre Rap jetzt seit 1989 und habe vieles kommen und gehen sehen. Ich finde es gut, wenn Künstler neue Dinge versuchen. Ich pumpe aber eben auch Musik, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Wer mit 50 Cent angefangen hat oder mit einem Kanye West, der kann es vielleicht nicht ganz nachvollziehen. Manche sagen sogar: „Das bringt doch keinen weiter, diese True-School-Kacke!“ Aber wer sagt denn, dass es irgendwo hingeht? Auf was warten denn die Leute? Ich habe einfach ein anderes Musikverständnis. Ich mag das knisternde Sample. Bedeutet doch nicht automatisch, dass es ein Stillstand oder ein Schritt zurück wäre, oder?

Welche Künstler erhalten besagten Sound heutzutage denn für dich am Leben?

Abroo: Die ganzen Bootcamp-Künstler zum Beispiel! Die machen jetzt seit 1992 Musik, die überall gefeiert wird. Die haben sich nie mit dem Wind gedreht und machen das was sie wollen. DJ Premier macht immernoch erfolgreich Musik. Der hat so viele Songs produziert und mit jedem gearbeitet. Dann macht er auch mal was Neues - das haben die Meisten gar nicht mitbekommen. „Ain’t No Other Man“ von Christina Aguilera war von ihm. Er hat auch noch weitere für sie gemacht. Ill Bill ist auch ein Killer-Typ, wie ich finde. Ich kann dir jetzt eine Riesenliste hinklatschen, aber das sprengt den Rahmen.




Du hattest auf der JUICE CD ja auch ein gemeinsames Feature mit Termanology und Mortis One. Ihr wart auch zusammen im Studio, oder?


Abroo: Wir waren beim Heltah Skeltah-Gig in Hannover, wo Term Vorgruppe war. Wir landeten dann später im Studio mit ihm. Die Initiative ging sogar von ihm aus. Mortis und ich haben uns natürlich gefreut. Termanology ist ein sau netter Kerl, der echt mit den ganz Großen gearbeitet hat. Pete Rock, Large Pro, Premier, Hi-Tek, Alchemist oder auch M.O.P., Bun B oder den Roc-A-Fella- und D-Block-Künstlern. Wenn der Bock bekommt mit einem einen Song zu machen, dann ist das ein Traum. War ein geiler Abend. Am nächsten Tag haben sie mich zu noch einem weiteren Gig eingeladen. Ich habe eine Flasche Jägermeister mit reingeschmuggelt und denen auf den Tisch gestellt. Jetzt bin ich der „crazy german dude with the drinking problem“. Wir haben viel gelacht. Ich sehe Term auf dem Hip Hop Kemp wieder.


Als einer der Wenigen hast du den Sprung aus einer älteren Generation in die heutige geschafft und wurdest auch stets akzeptiert. War früher denn wirklich alles besser?

Abroo: Es war nicht alles besser und heute ist nicht alles schlechter. Man kann das nicht pauschalisieren. Aber das Gefühl zu manchen Dingen hat sich zum Negativen verändert. Man freut sich heute nicht mehr so über die kleinen Dinge. Oder durch das übertriebene Angebot an Releases wird man komplett übersättigt. Hip Hop Jams gibt es nicht mehr. Nur noch Auftritte von Rappern, die ihr aktuelles Album promoten wollen oder müssen. Huss & Hodn haben auf der Tour vier Stunden gespielt und es hat sich wieder wie früher angefühlt. Das hab ich hart gefeiert! Früher stand der Konsum an sich nicht im Vordergrund. Heute schon. Gut wiederum ist, dass ich heute über das Internet mehr von Künstlern mitbekomme, was mir sonst vielleicht entgangen wäre. Und man kommt heute leichter an Pornos...(lacht).

Alkohol scheint in deinem Leben ein zweischneidiges Schwert zu sein. Von den negativen Seiten mal abgesehen - hast du vielleicht eine amüsante alkoholträchtige Story auf Lager?

Abroo: Wir saßen mal besoffen in einer Kirche, nachdem wir die Nacht durchgemacht hatten. Als wir draußen waren, saßen wir in einem Park rum, da kam ein Typ vorbei, bei dem wir alle dachten es wäre ein Astronaut. Keiner hat was gesagt für zwei Minuten. Bis es einer aufklärte: Es war ein komplett angezogener Imker!

Wenn wir schon dabei sind kannst du uns auch mal gerade aufklären was es mit der Jägermeistergang auf sich hat...

Abroo: ...leider noch nicht. Da musst du noch warten.

Staiger hat sich in der rap.de-Review zu „Schatten und Licht“ unter anderem die Frage gestellt warum du dir auf Stücken wie „Himmel & Hölle“ das Büßerhemd anziehst. Wenn du möchtest kannst du an der Stelle gerne mal Stellung zu der Review beziehen und dem guten Staiger erklären was du vermitteln möchtest.

Abroo: Ach weißt du… Reviews sind Meinungen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn sich jemand wie Staiger aber offenbar so sehr mit meiner Musik beschäftigt, dann finde ich das gut. Ich will ja auch, dass es Diskussionen gibt. Alle sagen immer, dass ihre Musik Therapie wäre. Naja… Bei mir ist es das eben wirklich. Ich packe komplett aus, um damit vieles zu verarbeiten. Manche können damit nicht umgehen, weil sie es nicht gewohnt sind. Ich ziehe das Büßerhemd an, weil ich es will. Warum sollte es jemand denn sonst tun? Ich wollte von meinen Fehlern erzählen. Leute machen eben Fehler. Rapper auch. Auch wenn das in Deutschland wohl nicht gerne zugegeben wird!

Du hast erst kürzlich deinen Bachelor gemacht. Wie geht's jetzt weiter?

Abroo: Job, Familie, mehr Tattoos. Ab und zu einen Jäger mit den Jungs trinken. Hier und da eine CD rausbringen. Musik machen. Mehr will ich nicht.

Vielen Dank für das Interview! Du hast das letzte Wort.

Abroo: Ich habe immer das letzte Wort. Als Kind war das noch schlecht. Mein letztes Wort ist... Prost!





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27.08.2009 - Kommentar ohne Titel

Geschrieben von BESONDERSKOOL
sympatich..scheint angenehmer mensch zusein.
auch wenn es wohl früher anders war wie ich es von brisk gehört habe.
what ever..

danke bada.
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27.08.2009 - Kommentar ohne Titel

Geschrieben von Anonymous
sehr gutes interview, abroo is ein klasse typ (glaub ich ;D )
btw dexter is wirklich top, sollte man gesehen haben (3 seasons bisher)
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28.08.2009 - Kommentar ohne Titel

Geschrieben von Anonymous
Lügner alter und du weisst es selber!
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28.08.2009 - Hammerinterview

Geschrieben von Anonymous
Endlich einmal jemand der Dinge sagt, wie sie sind. Alle die hier was dagegen sagen, sind soviel Bodenständigkeit vielleicht einfach nicht gewohnt. Aber es wissen ja immer Alle alles besser. Ich mag seine Musik und der Typ dahinter scheint auch in Ordnung zu sein. Das kann man heute nicht mehr über viele sagen.
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30.08.2009 - prost!

Geschrieben von Fabe
geht nix über jägi! grüße nach le!
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