hiphop.de | blog.hiphop.de | Blog Verzeichnis
LOG IN


badaboom badabang blog

26.12.2010 - Mortis One im Interview mit badaboombadabang

Geschrieben in



Es gibt immer wieder solche Phänomene im Rapgeschehen: Man hört und sieht nichts von ihnen, dabei treiben sie bereits seit Jahren ihr Unwesen hinter den Kulissen. So waren Fans, Kollegen und Journalisten auch nicht wenig erstaunt, als ein gewisser Marten Laciny, besser bekannt als Marteria, in Interviews statete, dass er bereits vor Jahren gemeinsam mit der Underdog Cru die deutschen Bühnen gerockt und dieses Jahr seinen bereits siebten Splash!-Auftritt verbuchen konnte. Zwar nicht in der selben Dimension was Erfolg und Bekanntheitsgrad betrifft, jedoch ähnlich verhält es sich auch bei dem Hannoveraner Rap-Veteran Mortis One. Mit seinem Online-Mixtape "...Weil ich's kann!" hat er, neben dem Kollegen Rockstah, die wohl beachtlichste (Nicht-Newcomer-)Newcomer-Leistung in diesem Jahr hingelegt. Warum? Die Antwort findet Ihr im Titel des Mixtapes. Spätestens mit seinem aktuell zweiten Geniestreich in Mixtape-Form "Immer wieder gern" stellt Mortis unter Beweis, dass Aufmerksamkeit hier das einzig Vernünftige ist.




Mortis One: Alles gut?


Ich bin ein bisschen geknebelt von der Arbeit, aber ansonsten... Man soll sich ja nicht soviel beschweren.


Mortis One: Geht mir ähnlich. Plus Grippe.


Ich hoffe das Internetcafé, in dem du dich befindest, gehört einem Kumpel. Nicht, dass du am Ende wegen all der Tipperei fünf Stunden dort verbringen musst. Könnte sonst teuer werden... fünf Euro oder so.


Mortis One: (lacht) Nee, passt schon. Ich will nur noch kurz meine Mails checken.


Ich hätte das Interview ja gerne per Telefon geführt, aber seit dem letzten Interview mit JAW hat mein Diktiergerät den Geist aufgegeben.


Mortis One: Haha, der böse JAW. Böse Schwingungen haben dein Diktiergerät zerstört. (lacht)


Ja, wohlmöglich zuviel pessimistisches Geschwätz.


Mortis One: Okay, wollen wir anfangen?




Der Song, durch den ich ja erst richtig auf dich aufmerksam wurde, war "Teufel im Nacken". Inwiefern ist "Teufel im Nacken" denn noch aktuell und trifft auf dein Leben zu?


Mortis One: Im Endeffekt war der Song eher ein Befreiungsschlag, um mich von dieser ganzen Scheiße loszureißen. Ich habe innerhalb eines Jahres mein Leben fast komplett verändert - weniger trinken, gutes Essen, 'ne gute Frau. Und ich bin produktiver denje. Bald kriege ich mein erstes Gehalt als Freelanzer. Gerade ist alles fein. Öörday hustlin' (lacht).


Das freut mich zu hören. Aber wie kommt es denn, dass sich ein mit Sicherheit nicht dummer Junge vom Gymnasiasten zum Typen, der bei Kumpels auf der Couch pennt, entwickelt? Du hast in mehreren Interviews ja schon gesagt, dass du einfach Bock auf dieses Musik-Ding inklusive Herumreisen, Jams zerstören, etc. hattest - viele würden aber sicherlich auch sagen, dass diese Liebe dann schon beinahe krankhaft wäre.


Mortis One: Wenn ich mich mit einem Menschen, der einfach keinen Bezug zu bestimmten Arten von Leidenschaften hat, unterhalten würde, dann würde der wohl zu so einem Schluss kommen, weil sein Horizont einfach sehr begrenzt ist. Ich für meinen Teil wollte schon immer mitnehmen, was ich mitnehmen kann. Und als dann diese Graffit-Rap-Sache kam – Boom - musste ich da einfach mitmachen. Raus aus dem Dorf, herumreisen... Weißt du, wenn du aus so einem ekeligen elitären Umfeld kommst wie ich, dann ist das ja ganz normal, dass man da raus will. Meine Eltern haben hart gearbeitet, um mir die Schule finanzieren zu können. Ich habe es nicht wahrgenommen und die logische Konsequenz war, dass ich mein Leben alleine regel, was mir bis jetzt ganz gut gelungen ist. Zumindest mehr oder minder. (lacht)


Du hast gerade deine Eltern erwähnt. Hattest du damals denn überhaupt keinen Kopfkrieg wegen ihnen? Ich denke mir, dass man sicherlich auch den Erwartungen seiner Eltern gerecht werden will beziehungsweise sie einfach glücklich sehen möchte. Nicht, weil man unbedingt diesen Gymnasium-Studium-Zyklus durchziehen sollte, damit alle glücklich und zufrieden sind, sondern eher weil es für einen selbst  auch nicht sonderlich prickelnd ist, wenn man seine Eltern sieht, die sich Sorgen um einen machen.


Mortis One: Naja, klingt vielleicht komisch, aber die haben mir seit Tag 1 vertraut. Ich hatte denen sogar nicht einmal Bescheid gesagt, dass ich umziehe. Mit Mitte 18 bin ich zu denen hin: “Mama, Papa... Ich ziehe nach Hannover zu 'nem Kumpel in den Flur - fahrt Ihr meinen Rechner und ein paar Klamotten?” Und ich war den Abend vorher noch auf einem Masta Ace-Konzert in Braunschweig und bin mit dem ersten Zug um sechs Uhr morgens in den Harz gefahren und dann nach Hannover. (lacht) Skeptisch waren sie schon, aber meine Eltern kennen mich ja schon lange genug, so dass sie wissen: Wenn ich etwas machen will, dann ziehe ich das auch durch ohne sie da mit reinzuziehen. Auch wenn es eine lange Mission war bis jetzt. Aber langsam läuft es ja und meine Ma kommt immer hier in Hannover vorbei und wir gehen zusammen party machen. Meist da, wo ich moderiere! (lacht)


Was hält sie denn konkret von deiner Musik?


Mortis One: Feiert sie! (lacht) “Niemals erwachsen” ist ihr Lieblingslied, das pumpt sie immer auf dem Weg zur Arbeit. Und “Hartz 4 Life” - paradox, wa?


Schon etwas.


Mortis One: Da zahlen die tausende von Euro für eine Privatschule und feiern meine Ode an die Arbeitslosigkeit


Es kommt alles anders als erwartet.


Mortis One: Jop.


Eine letzte Frage zur Fam: Hast du deine Mutter denn auch immer mit all deinen Rap-Platten penetriert, da du so ein verrückter HipHop-Fanatiker bist? Ich habe das zumindest oft so gemacht. Auch wenn ich mich oft danach geschämt habe...


Mortis One: Naja, meine Mutter ist da relativ schmerzfrei. Aber ich habe meine Oma immer mit Westberlin Maskulin-Tapes genervt. (grinst) Curse hat ihr aber gefallen. (lacht)


Okay, kommen wir mal zurück zu dem Rap-Ding. Was bist du denn nun eigentlich? Newcomer? Alter Hase? Ich erwähne im Zusammenhang mit Dir ja immer gerne den Begriff Nicht-Newcomer-Newcomer.


Mortis One: Naja, ist Newcomer altersabhängig? Ich sehe ja aus wie 16, hehe. Also ich finde mit 24 darf man noch Newcomer für Eure tolle Internetgemeinde sein. (lacht) Ich bin ja schon seit Jahren überall in Deutschland unterwegs, habe mich aber nie so richtig auf irgendwas fokussiert. Jetzt habe ich das mal ein knappes Jahr gemacht und schon kennt mich der weltbekannte badaboombadabang Blog... Aber feier ich, also deinen Blog! Gut, weg vom Arschkriechen...


Hahaha, wehe Ihr lacht gerade hinter dem Monitor!


Mortis One: (lacht) Okay, Frage zureichend beantwortet?


Voll. Dann erzähl für die Leute, die dich noch gar nicht auf dem Schirm haben, mal noch bitte woher man dich kennen könnte, was du die letzten Jahre Rap-technisch so getrieben hast und warum du so undercover unterwegs warst!


Mortis One: Die letztere Frage zuerst: Ich wollte halt immer nur live auftreten und bin kein Freund dieser Internetsache, auch wenn mir das jetzt mehr hilft den je. Ich habe auf jeden Fall über 300 Auftritte auf dem Buckel, war eine Zeit lang Backup von Rasputin, habe viel produziert und war auf “Feuer über Deutschland 3”. Mehr schlecht als recht. Ansonsten habe ich halt mit meinen Jungs von Volume Up aus Hannover viel gemacht. Desweiteren Tracks mit Morlockk Dilemma, Abroo, Termanology, Sabac Red, Dra-Q und noch einigen mehr. Puh, was ein Runtergerattere von Fakten. Olli Banjo hat auch einen Beat für irgendein Feature benutzt, glaube ich. Hilf mir mal auf die Sprünge, ich sehe mich ja nicht so oft von außen!


Ja, Mortis One - halt der Junge, der irgendwie auf zehn Jams gleichzeitig ist und ansonsten - schönerweise - den Abroo wohl genauso feiert wie ich es tue. Ansonsten hast du glaube ich alles gesagt.


Mortis One: Haha, cool. Ich war letztens in Frankfurt und wurde ganz entgeistert angeschaut: “Was machst du denn hier?! Du trittst doch gar nicht auf?” Ich: “Trinken.” Es macht halt Spaß unterwegs zu sein. Achso, und Liebe an Abroo!


Hättest du denn gedacht, dass - kurz nachdem du deinen Arsch mal hochbekommen und die Sache etwas straighter durchgezogen hast - es so “durch die Decke” gehen würde mit Dir? Bei Falk in der Sendung, Homegrown des Monats in der JUICE,...


Mortis One: Ja. Wobei das ja nicht durch die Decke gehen ist in dem Sinne...




Aber eben, dass dein Bekanntheitsgrad und auch die Resonanz derart in die Höhe schießen würden.


Mortis One: Ja. Also ich habe eine ähnliche Resonanz erwartet. Nicht weil ich arrogant bin, sondern weil ich weiß was ich kann und was nicht. Ich sehe das halt als Karma: Friss Scheiße für eine Sache an die du glaubst und arbeite hart genug daran, dann kommt auch was zurück. Ich hatte vor ein paar Tagen einen meiner schönsten Auftritte. Auf jeden Fall war ich sehr aufgeregt, weil ich wusste, dass da Leute wegen mir kommen und es feiern, aber ich null einschätzen konnte worauf ich mich einstellen soll. Ich bin halt das erste Mal seit drei Jahren wieder ohne Backup aufgetreten und das Set haben wir aufgrund interner Missverständnisse einen Tag vorher zusammengewürfelt. (lacht) Und als es dann losging... Bäääms! Laden voll, alle haben fast jede Zeile mitgerappt und am Ende konnte ich stagediven. Damit hätte ich nicht gerechnet. Das war das erste Mal, dass ich meine Relevanz auch beim Publikum gespürt habe. Presse und Künstler sind ja das Eine - da weiß ich ob es ankommt oder nicht, einfach weil ich mich ja auskenne mit dem was ich tue. Aber bei Fans ist das 'ne ganz andere Sache!


Geiler Scheiß. Wo war der Auftritt denn?


Mortis One: Der war in Burgdorf, eine halbe Stunde von Hannover entfernt. Battle Of The Beer hieß das.


Auf diversen Songs von Dir und auch in dem ein oder anderen Interview von Dir hast du gesagt, dass Dir Anerkennung innerhalb der Szene und dein Ruf eigentlich mit am wichtigsten ist - wichtiger als beispielsweise die dicke Knete. Für was würdest du dich persönlich denn entscheiden: a) Für jemanden, der bereits eine Millionen durch seine Mucke gemacht hat, den allerdings kein Schwein mehr leiden kann oder b) für jemanden, der eine überschaubare treue Fanbase und einen guten Ruf verbuchen kann, der Benz allerdings einem Polo weichen muss?


Mortis One: Ist ja eine ziemlich durchgekaute Frage, wa? (grinst) Warum kann man denn jemanden, der eine Millionen gemacht hat nicht mehr leiden? Solange ich am Ende immernoch meine besten Freunde wie auch schon in den letzten Jahren um mich habe, wäre es mir egal, ob mich jemand leiden kann, der nichts mit meinem Leben, geschweige denn mit meinen Geschäftsentscheidungen zu tun hat. Natürlich wird mir Musik, Kunst und Kreatives immer mehr wert sein als Geld, alleine schon, weil mir etwas fehlt, wenn mir die Sonne aus dem Arsch scheint und ich nichts habe worüber ich mich beschweren kann. (grinst) Wenn ich mir keine Gedanken mehr um das Geld machen müsste, würde mir wohl etwas Essentielles fehlen... Gewohnheitssache. Und selbst mit einer Millionen würde ich mir wohl noch Gedanken um 1000 Dinge machen.


Die Frage war jetzt auch unabhängig von den Gründen, warum man diejenige Person nicht mehr leiden kann, gestellt. Es geht eher um die Qual der Wahl.


Mortis One: Ist ja quasi schon beantwortet - natürlich mein Künstlerleben. Das ist mehr wert als jedes Geld der Welt, weil ich einfach innerhalb von den paar Jahren jetzt mehr erlebt habe als andere in ihrem gesamten Leben.


Du kommst auf vielen Songs mit unzähligen Reimketten um die Ecke, schraubst deine Skills auf Songs wie “Teufel im Nacken” allerdings auch ruhig mal eine Stufe zurück. Denkst du das macht einen kompletten MC aus?


Mortis One: Schon. Ich finde auch bei “Teufel im Nacken” sind die Ketten und so da - alleine in der Bridge! Aber man muss ja nicht alles extra so betonen, dass auch dem letzten Honk auffällt, dass es jetzt ein Fünffachreim ist. Ich finde die Stimme ist ja das letzte Instrument zum Beat und da schaust du halt was passt. Muss der jetzt komplett durch die Betonung und Dynamik der Wörter zerpflückt werden oder halt das komplette Gegenteil? Wenn es aber um das MC-Ding geht, bin ich lange nicht komplett... Bei 50 Prozent von dem was ich noch vorhabe, haha.


Das da wäre?


Mortis One: Ich feier zum Beispiel keine Doubletime-Dinger oder so cholerische Flow-Wutausbrüche. (lacht) Aber was mich persönlich betrifft: Ich brauche mehr Aufnahme-Skills. Meine Stimme besser einsetzen, kontrollierter flowen - also nur die technische Seite meines Instruments. Ich merke ja, dass was und wie ich etwas sage bei Menschen hängenbleibt und ihnen das etwas gibt. Das ist mein größtes Kompliment! Aber ich bin halt Perfektionist und finde das Meiste von dem was ich aufnehme nicht einmal gut. (lacht)


Der Perfektionist-Komplex also - überkritisch bis in den Tod?


Mortis One: Ja, leider. Der Ehrgeiz hat mich all die Jahre halt auch gehemmt. Aber jetzt denke ich mir, dass ich mich auch nur entwickeln kann, wenn ich etwas Kritik und Internethate bekomme und schaue was es mit mir anrichtet. Und es ist so wunderbar motivierend.


Liest du Dir denn wirklich alles über dich im Netz durch?


Mortis One: Habe ich eine Zeit lang, aber seit einer Woche lasse ich das. (lacht) Ich arbeite ja im Online-Marketing und weiß immer was wer wann über mich sagt, wenn ich das will. Ich finde es gut informiert zu sein und vor allem zu sehen in welchen Hals Musik, Texte und Statements kommen. Ich finde diese ganze Internet-Gemeinde halt lustig und unterhaltsam.


Noch einmal zurück zu den Reimketten: Wenn du nur damit glänzt, bekommst du ja auch relativ schnell diesen Papoose-Stempel aufgedrückt, der ja irgendwie schon negativ ausgelegt werden kann.


Mortis One: Ja, keine Ahnung. Mittlerweile ist es halt echt egal was du machst oder nicht. In Foren gibt es immer einen, der bessere Reime und coole Metaphern hat. Ist mir alles egal, solange ich egal wo und wann etwas raushauen kann und Leute entweder über die Punches feiern oder ihnen der Text aus der Seele spricht. Handwerklich weiß ich ja was ich beherrsche und das ist auch in mir drin, daher ist es ganz normal, dass wenn ich einen Text schreibe, dass sich das fast alles ineinander reimt. Auch ohne, dass es allen auffällt! (lacht)


Was feierst du persönlich denn mehr: Einen Rapper, der über eine wahnsinnig verrückte Flowtechnik verfügt, in seinen Texten allerdings nur haltlosen Unsinn verzapft oder jemanden, der weniger technikbegabt ist, dich aber mit seinem Text berührt?


Mortis One: Sein Charisma. Das ist alles. Ein F.R. ist einer der krassesten deutschen Techniker, aber der Rest... Und das neue Marteria-Album ist ein Beispiel dafür, wie souverän und zurückgeschraubt man wirklich große Musik schaffen kann.


Charisma aka Abroo. (lacht)


Mortis One: Ja, Abroo ist da ein gutes Beispiel. Ich finde den hart underrated – er hat geile Reime und Metaphern, aber auch immer authentische Themen und strahlt unglaublich viel Charisma nach außen. Ich denke, man kann einen guten Rapper einfach nicht konstruieren, entweder du bist es oder nicht.




Ich sehe dich als respektvollen Typen, der auch offen sagen kann, wenn er etwas feiert und der vor allem keine Scheuklappen hat. Wie würde deine persönliche Deutschrap-Supergroup aussehen, wenn du sie nach deinem Belieben zusammenstellen könntest?


Mortis One: Hahaha, jetzt kommt's! Also ich muss kurz einen Anruf tätigen, ob ich das jetzt verraten darf... Uno Sekundo! Es wird sich lohnen. (grinst)


(Mortis zückt sein Handy, um bei der Antihelden-Hälfte Dra-Q nach Erlaubnis zu fragen.)


Mortis One: Okay, ich habe grünes Licht. Meine Supergroup würde bestehen aus: Den Antihelden, Morlockk Dilemma, Kamp und mir. Ja, und so wie es aussieht kommt da bald etwas um die Ecke, inklusive der Snowgoons und einigen anderen amerikanischen und europäischen Artists. Also Damion Davis würde ich da auch mit reinnehmen, der hat aber leider nichts mit besagtem Projekt zu tun. Ach ja, dieses Projekt... Liebe! (lacht) Ich sehe es schon als riesen Privileg mit meinen Lieblingsrappern Mucke machen zu können.


Wenn du mir jetzt schon auf die Tour kommst, schieß los: Wie kam diese Idee zustande? Und was heißt “bald”? Inwiefern ist da denn schon etwas in trockenen Tüchern?


Mortis One: Die Idee ist unter der Schirmherrschaft von Onkel Q und DJ Illegal zustande gekommen und die meisten Leute haben schon zugesagt. Den Rest musst du die Jungs selber fragen. (grinst) Ich wollte jetzt nur einmal den Appetit anregen.


Aber aufgenommen ist noch nichts? Kannst du denn sagen, ob dieses Projekt thematisch dann auch in eine ähnliche Richtung wie Abroo & Dra-Q als Antihelden gehen wird?


Mortis One: Puh, da habe ich echt keine Ahnung! (lacht) Lass uns das auch mal nicht weiter vertiefen, das befindet sich wirklich alles erst noch im Aufbau.


Dann sag mal bitte noch kurz was du an den jeweiligen Acts so feierst.


Mortis One: Die Antihelden sind halt der Shit! Musik, die ich so sau gern höre. Dilemma ist einfach der krasseste deutsche Rapper für mich - ich mag diesen stressigen Hardcore-Rap. Außerdem hat er halt die fiesesten Punchlines und Reime, aber auch mit die geilsten Storytelling-Tracks in Deutschland. Alleine “Mike” oder der Nachbartrack. Bäms. Und Kamp ist halt unglaublich souverän. Mr. Slowflow mit den perversesten Reimketten. Und ich liebe diese Versager ohne Zukunft-Attitüde. Es gibt halt Leute bei denen klingt das weinerlich, bei ihm hört es sich an, als würde er in einer Kneipe neben mir sitzen und wir lachen über unser verkacktes Leben und torkeln am Ende des Abends aus der Spelunke und hauen uns in “Fight Club”-Manier auf's Maul. Mit unseren Streichholz-Armen. (lacht)


Das Gefühl hatte ich auch bei Marterias “Zum Glück in die Zukunft”: Ernste Themen ohne die Worte “Regen”, “Trauer” und “grau” auf billigen Pianobeats. Geil.


Mortis One: Haha, stimmt! Aber für mich ist das Album halt nicht in meiner Straight Rap-Schublade, sondern richtig durchdachte Musik mit guten Songstrukturen, fern vom “Okay, wir schreiben kurz zwei Sechzehner, rappen die in ein paar Takes ein und am Ende des Abends ist der Song fertig und wir laden den auf unser MySpace-Profil”.


Ja, kann man so stehen lassen. Ein weiteres Thema, das du desöfteren in deinen Songs thematisierst: Frauen. Wie kam es denn, dass du “ein Frauenheld, der nix von Frauen hält” wurdest?


Mortis One: Das ist halt ein Erfahrungsbericht. Frag jeden Mann, der schon genug Erfahrungen mit Frauen gemacht hat – ich meine jetzt keinen Assi! Ich habe immer soviel von Frauen gehalten und wollte sie so gut wie möglich behandeln, aber das geht nicht. Und ich verstehe das auch. Ich will ja auch etwas Reibung und meine Grenzen aufgezeigt bekommen. Diese Zeile spiegelt einfach eine Menge Enttäuschung und Konsequenz wider. Jedenfalls weiß ich jetzt wie man richtig mit der holdern Weiblichkeit umgeht, ohne dabei zu einem stillosen Macho zu verkommen. Zumindest wenn ich jemanden sympathisch finde. Ansonsten bin ich ein plumper Wichser, der sie mit Drinks überkippt. Oder umgekehrt. (lacht)


War es bei Dir denn auch so, dass nachdem die eine große Liebe flöten gegangen ist, Frauen die schlechte Karte gezogen hatten? Bushido hat seine erste große Liebe ja bekanntlich auch zum skrupellosen Sex-Gangster gemacht. (lacht)


Mortis One: Ja, ich glaube, das ist die logische Reaktion, die man als junger Mensch dann halt vollzieht. Aber kommt Zeit, kommt Rat... und die richtige Frau. Ich für meinen Teil habe auch davor und währenddessen viele Bücher gelesen.


Du versuchst jetzt gerade noch so deinen Arsch zu retten, falls deine Freundin das Interview lesen sollte, richtig?


Mortis One: Nee, hehe. Die kennt mich ja. (lacht) Die muss immer leiden, wenn ich betrunken mal wieder alle Frauen der Welt hasse – und das kommt desöfteren vor.


Okay, dann um auf deine Antwort einzugehen: Was für Bücher waren das denn?


Mortis One: Ach, verrückte Romane. Sowas wie Salman Rushdie oder Psychedelic Rock-Platten und was weiß ich nicht alles.


Und das hat Dir geholfen?


Mortis One: Naja, es hat mir vielmehr etwas klargemacht: Große Kunst beziehungsweise Kreatives ist meistens nur die Schmerzbewältigung von Liebeskummer. Also es hat auf jeden Fall viel Großes hervorgebracht. Ich übernehme das für mich im Kleinen. Guck mal, ich bin gerade einmal Mitte Zwanzig, ich werde mir jetzt nicht den Kopf über die große Liebe zerbrechen. Man wird eben vorsichtiger, wenn man einmal richtig enttäuscht wurde.




Wobei ich genügend Leute kenne, die mit einer ähnlichen Erwartungshaltung an eine Beziehung herangegangen sind und am Ende, als die Beziehung letztendlich in die Brüche ging, trotzdem völlig im Sack waren.


Mortis One: Es ist ja nichts falsch daran am Sack zu sein – wenn es Dir danach nicht schlecht gehen würde, kannst du es ja auch nicht ernst gemeint haben. Aber es ist halt sowas wie ein Nothaltegriff.


Was ich jetzt meine ist diese Erwartungshaltung von wegen “Am Ende werde ich das nicht allzu sehr an mich heranlassen, weil ich weiß, dass sie nicht die letzte Frau ist” - aber dann kommt es trotzdem anders.


Mortis One: Ich glaube das Problem ist das Wort “Erwartungshaltung”: Solange es gut ist, soll man es genießen – ist doch bei Musik genauso. Ich mache ja keine Musik, bloß weil das jetzt ein paar Leute mögen. Meine Musik gab es halt vorher und wird es später auch noch geben. (lacht)


Was stört dich denn am meisten am weiblichen Geschlecht beziehungsweise konkret an der leichte-Mädchen-Fraktion?


Mortis One: An der leichte-Mädchen-Fraktion mag ich die Durchschaubarkeit, möchte mich aber nicht mit denen unterhalten. Also, wenn ich Single wäre, würde ich es mögen... Ich liebe dich, Schatz!


Nehmen wir nur einmal an du hättest das eine oder andere leichte Mädchen schon im Bett gehabt: Was denkst du Dir dann im Anschluss nach der eigentlichen Party, wenn Kuscheln angesagt ist?


Mortis One: Wie? Die muss morgens raus und ich wechsel die Laken, weil ich den fremden Geruch nicht mag. Dann nehme ich die Embryostellung ein und dusche kalt. (Gelächter)




Du rappst auf “Offenes Buch”: “Die meisten Menschen les' ich wie ein offenes Buch”. Würdest du also sagen, du hast eine gute Menschenkenntnis?


Mortis One: Jop, Empathie. Aber ich sage auch extra “die meisten”. Ich habe in den letzten Jahren soviele Leute kennengelernt... Die Meisten kamen, haben Dir viel versprochen und die Hand aufgehalten – weg waren sie. Meine besten Freunde sind seit acht bis neun Jahren an meiner Seite, ohne wenn und aber und die zähle ich an einer Hand ab. Zum Beispiel Abroo ist einer der wenigen Leuten aus diesem ganzen HippiHoppi-Zirkus, der ein wirklicher Freund ist. Dem vertraue ich. Mit dem hatte ich vor kurzem Stress und dann war wieder alles cool und jeder wusste woran er war und ist. Bei den meisten Leuten reicht ein kleiner Konflikt und sie sind beleidigt und fangen an rumzusnitchen. Ihr wisst wer Ihr seid, Ihr Toys! (lacht)


Ich habe manchmal das Gefühl, dass Menschen sich nach Enttäuschungen einreden, dass sie dadurch gelernt haben und absofort alles und jeden durchschauen. Eine Woche später fallen sie dann erneut auf die Schnauze.


Mortis One: Geht mir nicht so, weil ich von genau diesen Leuten extrem genervt bin. (grinst) Die Meisten suchen immer einen Kummerkasten und ich denke mir halt: Irgendwann reicht es auch einmal. Wenn du jedes Mal einen Ratschlag haben willst und ich mir die Zeit und Energie nehme, um Dir zu helfen, du aber nach dem dritten oder vierten Mal nicht schlauer bist – alright, dann blocke ich auch mal ab.


Du rappst auf dem gleichen Song auch “Ich glaub' an Karma – alles kommt zurück im Leben”. Glaubst du wirklich daran?


Mortis One: Jop. Ich habe auch genug Sachen gemacht und gesagt, die mir dann zum Verhängnis wurden. Irgendwann kommt das alles wieder, Ihr Öpferchens!


Stehst du denn morgens auf und denkst Dir ab dort an im Hinterkopf “Ich muss ein guter Mensch sein”?


Mortis One: Das hat damit nix zu tun. Es geht nur um eine Grundeinstellung mit der du bestimmte Entscheidungen triffst. Und ich habe genug Tage an denen du mir keine Pistole in der Fußgängerzone geben dürftest. Ich meine, man kann halt auch Scheiße machen, aber ich wundere mich dann nicht warum mir manche Sachen dann passieren.


Aber selbst an diesen Tagen wirst du wahrscheinlich einen gewissen Grundrespekt beibehalten und wirst den Leuten nicht grundlos einen reinwürgen wollen.


Mortis One: Natürlich.


Du berichtest auf “So is hier” ein bisschen von deinem Umfeld und erwähnst auch deinen Heimatsort Hannover. Wie hat man sich Hannover vorzustellen?


Mortis One: Ghetto, Crack auf Schulhöfen und Affenmesserkämpfe mit der Jägermeistergang. (lacht) Nein, ist alles easy hier. So wie in jeder Stadt. Hier kannst du Dir aussuchen welches Leben du leben willst. Dieses ganze Gangstertum sowie der Mittelstand und die Spießbürger und Studenten koexistieren hier ganz munter nebeneinander. Ich habe halt mit einer Menge netter aber auch – nunja, “anderer” Leute – zu tun.


Du hast auch Workshops gegeben und hast diesbezüglich in einem Interview gesagt, dass du quasi live und direct mitbekommst wie die Jugend verdummt und teilweise die simpelsten Wörter nicht mehr richtig schreiben kann. Nimmt man sowas mit nach Hause und es belastet einen dann auch?


Mortis One: Naja, bei mir ist das ein Zwiespalt, einfach weil ich einerseits ein verkappter Misanthrop bin und es mir egal sein sollte. Aber dann kommt wieder der schöne HipHop ins Spiel und dieser Each One, Teach One-Gedanke. Und dann läuft alles von alleine, weil man einfach schon einmal eine Grundlage hat, die du in freier Wildbahn nicht hättest, wo eben jeder in seiner kleinen Clique herumhängt. So treffen halt verschiedenste Leute aufeinander und machen eine einzige Sache zusammen. Und da bin ich dann auch Teil von. Aber ansonsten belastet mich das nicht weiter, weil ich ja mein Bestmögliches tue, damit die Kinder nicht verdummen.


Du haust momentan in regelmäßigem Abstand Beatsampler heraus. Was ist der Gedanke dahinter?


Mortis One: Output. Ich will den Leuten einfach meine Facetten zeigen. Ich bin einfach ein passionierter Crate Digger. Die Dinger sind für Leute, die Samplesound mögen und sich generell Beattapes geben können.


Ich musste beim Hören von “Crate Digger Vol.2” so ein bisschen an Dillas “Donuts” denken. Wurdest du in irgendeiner Weise davo beeinflusst? Oder vielleicht auch von El-P mit seinen Instrumental-Sachen?


Mortis One: Nö. Ich bin wohl einer der wenigen Leuten, die Dilla oder El-P gar nicht so krass verfolgen. Eher Madlib würde ich sagen. Und ansonsten durch die ganzen Blogs wie Rapohne Lizenz oder Generation Tapedeck, da tauchen andauernd unbekannte Sachen auf, die ich feier'.


Du sagst du haust die Dinger wegen Output raus – wieso verwendest du die Instrumentals dann nicht einfach selbst, schreibst etwas darauf und rückst somit den Rapper Mortis One noch mehr in das Rampenlicht?


Mortis One: Das wird ja auch passieren. Manche Dinger sind ja bereits released oder werden auf irgendwelchen Projekten landen. Jedoch macht mir Schreiben momentan auf fremden Produktionen mehr Spaß. Ich mache halt jeden Tag Beats – warum dann nicht einfach raushauen? (grinst) Weil ich's kann! (lacht)


Inwiefern wirken sich deine Fähigkeiten als Produzent denn auf deine Skills am Mic und die Art Texte zu schreiben aus?


Mortis One: Ich denke mal, dass ich ungefähr weiß, wie ich den Song am Ende hören möchte. Also es hat eher Auswirkungen auf Songstrukturen und darauf, dass ich nicht mehr so vollgepackt rappe. Man sollte der Pause auch einmal huldigen können. Aber ansonsten kann ich das schon sehr gut trennen.


Entspricht die “All-in-one-Künstler haben ein Ass im Ärmel”-These also der Wahrheit?


Mortis One: Wie? Klär' mich einmal auf! (lacht)


Naja, schau Dir Tuas “Grau” an. Oder Azads “Leben”. Fällt Dir etwas auf?


Mortis One: Achso, jaja. Ich glaube man muss nicht alles selbst machen, man muss nur koordinieren können, um einen Trademarksound in eine Platte zu bringen. Siehe Morlockk Dilemma. Der hat sonst auch alles selbst produziert und jetzt hat er 20 Beatmaker auf einer Platte und es hört sich trotzdem nach einem Guss an. Ich denke aber, dass ein Rapper, der gleichzeitig Ahnung vom Produzieren hat, seiner Musik einen breiteren Horizont geben kann. Einfach weil er in alle Prozesse bei der Entstehung einer Platte eingreifen kann, wenn es nötig ist.




Steht denn eigentlich der Plan, Abroos letztes Soloalbum “Schatten und Licht” zu remixen, noch?


Mortis One: Nee, das wollten wir machen, aber uns ist dann beim ersten Treffen aufgefallen, dass die Stimmung dann gar nicht mehr da ist, weil er die Texte auch zu einer bestimmten Phase seines Lebens geschrieben und aufgenommen hat. Und das hat sich nicht richtig angefühlt. Darum konzentrieren wir uns auf unser gemeinsames Album, wenn wir uns sehen.


Bist du eigentlich stolz auf dein Rap-Knowledge, das sich im Laufe der letzten Jahre angesammelt hat?


Mortis One: Total, knowledge is king. Also nicht so der Klugscheißer-Stolz, aber ich habe halt etwas womit ich mich auskenne. Andere sind Fußball- oder Formel 1-Fans, ich weiß halt eine Menge über Rap und Musik im Allgemeinen.


Apropos Klugscheißer, das wollte ich gerade sagen: Ein bestimmtes Maß an Knowledge wird ja auch schnell missinterpretiert und Worte wie “arrogant” oder “ekelhafter Klugscheißer” fallen.


Mortis One: Nö, ich dränge mich in Gesprächen ja niemandem auf. Frag mich und du bekommst eine Antwort – ansonsten unterhalten wir uns über Gott und die Welt. (grinst)


Nehmen wir mal an Eko hätte damals nicht Savas, sondern dich mit der „Du bist auf dem Rapfilm hängengeblieben“ Line gedisst. Wie hättest du ihm geantwortet?


Mortis One: Ich hätte auch den Savas-Track gemacht. Ich habe sowas vor einigen Jahren sogar einmal angefangen – wie wahrscheinlich jeder Rapper. (lacht) Ich weiß nicht... Ich glaube bei jemandem wie Eko kann man leicht aus der Haut fahren. Diese Art und so. Und wenn man dann auch noch miteinander befreundet war... Also ich bin in solchen Fällen meist ignorant. Ich streiche den Menschen aus meinem Leben und arbeite umso härter an meiner Musik. Erfolg ist die größte Beleidigung für ehemalige Weggefährten.


Abroo und du hattet vor einiger Zeit auf der JUICE CD ein gemeinsames Feature mit Termanology. Was war das eigentlich für ein Gefühl auf einmal mit einem der heißesten Newcomer aus Übersee in der Booth zu stehen? Oder noch besser: Dass der Junge auch einfach mal bei Dir übernachtet?


Mortis One: Überwältigend. Das Krasse ist halt, dass er die krassesten – und ich meine wirklich die krassesten – Produzenten hat: Premo, Alchemist, Pete Rock, Nottz und was weiß ich wen. Und er hört ungelogen meinen allerersten Beat, geht für eine Stunde in die Booth und rappt 40 Bars. Du müsstest mein Gesicht jetzt sehen. (lacht) Wie ich grinse. Und vor allem mein “Studio”: Eine Aiwa-Anlage mit einer verrückten Sperrholz-Halterrungs-Konstruktion und die Booth, die bei jeder Bewegung von den Dielen auf den Boden, geknartscht hat.


So, Endspurt: Du als bekennender Shisha-Sympathisant: Was ist dein Lieblingstabakgeschmack?


Mortis One: Haha, hier gibt es so eine Bar, die heißt Schall & Rauch, da nennen die den Tabak Nightlife. Irgendwas aus Apfel, Traube und ein bisschen Minze. Ansonsten Standard: Fünffachapfel.


Bäh! Guave ist DAS Ding. Oder halt Wassermelone, Blaubeere, Zitroneminze – ebenfalls die Standard-Sorten.


Mortis One: (lacht) Guave hat er Recht mit! Aber Melone feier' ich nicht.


Gut. Dann danke ich Dir für die Zeit!


Mortis One: Ich danke Dir. Peace!




Ladet hier kostenlos das neueste Mixtape "Immer wieder gern" von Mortis One herunter:


Mortis One - Immer wieder gern


Kommentare (2) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

18.08.2010 - JAW im Interview mit badaboombadabang + Exclusive [Download]

Geschrieben in


"Gut, dass ich jetzt von dreien Interviews das erste, richtig ernstzunehmde Interview mit dir im Kasten habe!"
, stelle ich am Ende des Gesprächs fest. Darauf folgt Gelächter. Doch nicht nur das - auch in Sachen Länge sticht meine dritte Unterhaltung mit Jonas Enderle, besser bekannt als JAW, ihre beiden Vorgänger deutlich aus. Bei einem Band, gefüllt mit über eineinhalb Stunden Interviewmaterial, allerdings auch kein Wunder. Worum es so geht? Kurz und knapp: Um das Leben. Drück auf Play!



Vor kurzem hat das Video zu "Elena" Premiere gefeiert. Wieso hast du dich dazu entschieden ausgerechnet zu "Elena" ein Video drehen zu lassen?

JAW: Weil es im Nachhinein für mich einer der intensivsten Songs war und außerdem durch seine Direktheit und Ehrlichkeit besticht. Es sollte natürlich auch ein bisschen ein Gegenstück zu "Meine Fans" werden, damit man einfach die verschiedenen Seiten präsentiert. Deswegen "Elena".

Der Song handelt von einer Beziehung, die dich ziemlich in den Wahnsinn getrieben hat. Du spielst darauf mit Selbstmordgedanken, jedoch einzig und allein aus dem Grund, um deinem Partner deutlich zu machen was du für ihn empfindest. Soweit ich weiß beruht der Song auf wahren Begebenheiten, oder?

JAW: Ja, genau.

Jetzt weiß ich eben aus eigenen Erfahrungen, dass wenn man erst einmal in diesem zerstörerischen Teufelskreis steckt, man dort auch wieder nur schwer herauskommt. Du weißt zwar im Hinterkopf "Okay, ich überschreite gerade eine Grenze, die schon gar nicht mehr normal ist", aber du versuchst trotzdem alles, um deinem Partner doch noch die Augen zu öffnen. Wie bist du letztendlich mit dieser Geschichte fertig geworden?

JAW: Das ist auch ein Missverständnis, wenn man denkt, dass ich aufgrund dieser Frau mit Selbstmordgedanken gespielt habe. Im Refrain wird ja gesagt "Ich kann dir nicht geben was du suchst" und in der ersten Strophe wird dann im Prinzip ja aufgezählt was ich alles getan habe und dass es ihr nicht gereicht hat, weil sie eigentlich immernoch der Auffassung war ich tue nicht genug. Und deswegen biete ich ihr sozusagen in der zweiten Strophe mein Leben an, um sie einfach ein bisschen zu schocken. So nach dem Motto "Wenn man sich den Arsch aufreißt und man bekommt zu hören man meint das nicht ernst, dann denkt man sich ja "Hier, wie wäre es wenn ich mich umbringe?!"" Nicht unbedingt aus Verzweiflung heraus, sondern eher aus Wut. Aber ich wollte mich nicht wegen dieser Frau umbringen.

Aber du bist in Sachen Beziehung schon eher der recht emotionale Mensch, der sich seinem Partner dann auch voll und ganz hingibt?

JAW: Nunja, ich verstehe von dem Begriff "Beziehung" vermutlich mehr als sich am Wochenende treffen, saufen und ficken. Dafür muss man ja keine Beziehung führen, also denke ich schon, dass es etwas mit gegenseitiger Hingabe zu tun hat. Auch wenn man natürlich immer seine eigenen Ziele weiterverfolgen muss.

Aber hat dich die Beziehung von der du in "Elena" sprichst denn nicht irgendwie verkorkst?

JAW: Gar nicht, gar nicht. Mir ist ja klar, dass der Fehler nicht bei mir lag, sondern dass es einfach absolute Verbortheit ihrerseits war und dann trauere ich dieser Person im Nachhinein auch nicht nach. Es gibt ja auch noch andere Frauen auf der Welt.

Zum Glück.

JAW: Ja.

Findest du es denn schade, dass MTV das Video abgelehnt hat?

JAW: (überlegt) Geht. Also ich hätte mich gefreut, wenn sie es gespielt hätten. Aber ich hatte schon damit gerechnet, dass sie "Nein" sagen werden. Auf der anderen Seite denke ich mir, umso krasser solch ein Video ist, desto mehr Interesse herrscht im Untergrund dafür. Ich glaube jedenfalls nicht, dass man dadurch großartig Einbußen gemacht hat, da ich denke, dass es auch so momentan ganz gut herumgeht.

Oder frage ich anders: Findest du es denn gerechtfertigt, dass das Video abgelehnt wurde?

JAW: Ja. Ich vermute, dass es nicht das richtige Programm für 12 Uhr mittags unter der Woche ist, wo irgendwelche Hartz IV-Hausfrauen oder vielleicht 6 bis 10-Jährige vor der Glotze sitzen. Die können damit vermutlich nicht soviel anfangen und brauchen dann eher so... ähm...

Die zehnte Popstars-Kopie und Plastik hier, Plastik da.

JAW: Ja, genau. Also eher auf einem verflachten Level. Ich meine, "Elena" ist ja keine reine Unterhaltungs-Musik, sondern schon recht eindringlich für den Hörer.

Du rappst auf dem Intro "Ich hab' zu lange in meinem Seelenhaus nicht den Flur gewischt" - wieso eigentlich? Deine Fans fordern schon seit geraumer Zeit verstärkt, dass du wieder persönlichere Töne ala "Schock fürs Leben" anschlägst.

JAW: Das bezieht sich darauf, dass ich lange gebraucht habe, bis ich abwägen konnte was meine Fehler und was äußerlich verursachte Probleme sind. Also von Anfang an habe ich auch einen Großteil bei mir gesehen, inzwischen ist mir aber auch einiges klargeworden. Da konnte ich den Flur nicht wischen, da dies bisher für mich nicht ersichtlich war, von wegen: Weiß ich ungefähr wo ich stehe? Wo ich Scheiße gebaut habe und wo andere Scheiße gebaut haben? Das ist natürlich eine gute Grundlage um Rechnungen zu begleichen.

Du hast selbst schon gesagt, dass du dich viel mit dir selbst auseinander gesetzt hast, aber auch mit dem Mensch an sich. Auf der anderen Seite betitelst du dich als Menschenfeind. Jetzt stellt sich die Frage: Ist das nicht irgendwo paradox, dass du die menschliche Spezies ansich hasst, aber sie dich eben auch ziemlich zu faszinieren scheint?

JAW: (überlegt) Es gibt diese grundlegenden menschlichen Eigenschaften, die vermutlich jeder hat und traurige Wahrheiten, die aufgrund von Selbsterhaltungszwängen jeden steuern. Es gibt aber natürlich auch positive Seiten. Und die gibt es bei manchen Menschen mehr, und bei manchen Menschen weniger. Und wenn man es bei manchen Menschen mehr findet, dann sollte man sich vermutlich diesen Menschen auch zuwenden. Und wenn man es bei manchen Menschen weniger findet, dann sollte man vielleicht "Menschenfeind 2" machen. Also man kann es nicht so ganz schwarzweiß kategorisieren, wie es durch die Musik vielleicht immer ein bisschen wirkt, da sie auch oft einfach nur bestimmte Teile darstellt.

Wo liegen denn deiner Meinung nach die markantesten Unterschiede zwischen deinem ersten Soloalbum "Schock fürs Leben" und "Täter-Opfer-Ausgleich"?

JAW: Also ich glaube man hört heraus, dass "Schock fürs Leben" verkrampfter ist. Teilweise auch wirrer, glaube ich. Damals hatte ich den Weg, den ich eigentlich gehen will, noch nicht so richtig gefunden und den habe ich bei "Täter-Opfer-Ausgleich" jedoch eigentlich ganz gut getroffen. Und ja... alles in allem finde ich "Täter-Opfer-Ausgleich" durchaus besser als "Schock fürs Leben". Wobei es ja auch Leute gibt, die das umgekehrt sehen.

Also du bist auf jeden Fall auch direkter geworden, wie damals auch schon im JUICE Interview gesagt wurde.

JAW: Ja, genau. Wobei... bin ich wirklich so direkter geworden? Du kannst das wahrscheinlich auch beurteilen.

Ich finde schon. Wie du eben gesagt hast - auf "Schock fürs Leben" wirktest du stellenweise noch etwas verkrampft, während du auf "Täter-Opfer-Ausgleich" nicht mehr soviel um den heißen Brei herumredest, was jetzt nicht zwingend negativ aufzufassen ist.

JAW: (lacht) Ja, denn ich habe einfach zu oft gemerkt, dass die Leute die Hintergründe nicht kapieren und das regt mich auf. Ich will schon, dass gewisse Dinge klar werden, damit die Leute auch beginnen darüber nachzudenken und sich mit diversen Thematiken auseinanderzusetzen. Und "Täter-Opfer-Ausgleich" bringt es teilweise eben ganz gut auf den Punkt und es entsteht ein Bild, das bei "Schock fürs Leben" vielleicht noch etwas schwammiger war.

Sollte man "Schock fürs Leben" denn gehört haben um "Täter-Opfer-Ausgleich" womöglich besser zu verstehen?

JAW: Nee, also eigentlich nicht. Ich meine, auf "Täter-Opfer-Ausgleich" wird doch auch alles angedeutet worum es geht. "Schock fürs Leben" ist natürlich so etwas wie eine Vorgeschichte und es war nunmal mit die schlimmste Zeit meines Lebens. Da steckte ich mehr oder weniger eben auch mittendrin. Heute ist es schon so: Teilweise abschließen können und versuchen das Ganze lockerer umzusetzen. Also ich denke nicht, dass es notwendig ist "Schock fürs Leben" gehört zu haben, aber es erklärt bestimmte Dinge mit Sicherheit noch einmal zusätzlich.



Man kann "Täter-Opfer-Ausgleich" auch als Kritik an sämtlichen Menschen in unserer heutigen Gesellschaft verstehen, die zu egoistisch und gewissenlos durch den Tag gehen, ohne dabei zu merken was sie mit ihren Taten bei anderen Menschen vielleicht anrichten. Was stört dich denn am meisten an unserer Gesellschaft?

JAW: Ich vermute die Ignoranz und die Egomanie. Eben dieses ständige Ellenbogengesellschaft-Ding, das im Endeffekt ja darauf ausgerichtet ist, dass jeder für sich das Bestmöglichste abgreift. Ich weiß nicht, man schwimmt so ein bisschen wie ein Fisch im Ozean - es ist alles entfremdet und unpersönlich geworden, habe ich den Eindruck. Auch wenn man es mit anderen Ländern vergleicht oder auch mit den Zuständen früher in Deutschland. Wenn du mal deine Oma fragst... da hat sich schon einiges geändert. Es ist auf jeden Fall eine Verrohung, Entfremdung und radikale Individualisierung. Und ich glaube, das ist ein Nährboden für viele psychische Defekte, wie sie auch immer vermehrter auftreten, wie du vielleicht auch aus deinem Umfeld mitbekommst. Nicht zu vergessen dieses extreme Wertungssystem: Der Mensch wird ohnehin schon aufgrund seines akademischen Gangs und seines Entsprechens von irgendwelchen Idealen beurteilt und das ist halt einfach krankhaft und fremdartig. Im Prinzip ist jeder Mensch ja schon so eine Art Kunstwerk für sich - und dieses Einsortierenwollen, dieses Ausgrenzenwollen von dem was gerade nicht reinpasst ist halt so absurd. Das ist auch etwas was in den Medien extrem propagiert wird und was auch unter den Leuten praktiziert wird.

Wie würde deine ideale Welt denn dann folglich aussehen? Worauf würde man untereinander besonders viel Wert legen?

JAW: Gute Frage. Ich denke eine ideale Welt wird nicht herstellbar sein, da das menschliche Grundinteresse des Individiums immer zuerst auf sich selbst liegt, also dass wir durch unsere natürlichen Triebe und Bedürfnisse immer in erster Linie auf uns fokussiert sind, weil wir nicht existieren können, wenn wir die eigenen Bedürfnisse nicht grundlegend erfüllen. Aber es gibt natürlich schon so etwas wie Zwischenwege - dass man sozusagen trotzdem kompromissbereit und gesellschaftskonform arbeitet und Zwischenmenschlichkeit entwickelt und zumindest auch den Versuch startet, Verständnis für sein Gegenüber zu entwickeln und eben nicht immer abzustempeln und zu sagen "Das ist böse, das ist gut" oder "Das ist schlecht, das ist okay". Sondern dass man ein grundlegendes Verständnis entwickelt beziehungsweise überhaupt den Willen dazu. Das ist das Wichtigste, denn den haben die Meisten ja gar nicht. Denn solange es für sie funktioniert und sie am richtigen Ende der Nahrungskette sind, ist ihnen der Rest scheißegal. Und deswegen gibt es aber eben auch das Ausbrechen von der anderen Seite der Kette. Aber dann regt man sich eben wieder auf und zeigt mit dem Finger auf den Ausbrecher, dabei ist er aber auch wieder nur eine Reaktion von ganz vielen Prozessen. Beziehungsweise auf viele Prozesse. Das ist ein verdammt komplexes System und deswegen muss man hinterfragen und nachfragen: Warum geschieht das? Wieso tust du das? Wieso verhälstst du dich so? Das ist der einzige Weg um irgendwie zueinander zu finden, denke ich.

Was denkst du denn wieso das heutzutage nicht mehr so ist? Warum ist das 90 Prozent der Menschen einfach scheißegal?

JAW: Uff, vermutlich wegen der Spacken-Idealisierung von Leuten, die im Prinzip die letzten Kackbracken sind. Ich meine, wenn die Idole von heute Heidi Klum und Dieter Bohlen sind, dann sind wir auf jeden Fall an einem absurden Punkt angekommen. Da steht man Leuten gegenüber, die im Prinzip von ihrer Person her nicht nur eiskalt, sondern auch völlig undifferenziert gestrickt sind, so dass man diesen Leuten durchaus auch vielleicht mit psychotherapeutischer Hilfe entgegenkommen könnte. Aber meistens ist es dann ja doch so, dass man die Anderen, die besagten Idealen nicht entsprechen, in die psychotherapeutische Hilfe schickt oder sie sich selbst dort hinschicken, weil sie denken sie sind nicht richtig im Kopf. Ich denke, es ist zu großen Teilen auch einfach eine Vermittlung von falschen Idealen.

Ich sehe dich als einfühlsamen, verständnisvollen Menschen, der sehr viel Wert darauf legt seinen Mitmenschen nicht unnötig Leid zuzutragen. Bist du denn zufrieden mit deiner heutigen Denkweise? Oder wärst du manchmal lieber jemand, der nicht soviel über Dinge nachdenken und sich zu Herzen nehmen muss?

JAW: Also ich bin froh, dass ich differenziert und vermutlich auch weitsichtig genug bin, als dass ich irgendwie gelernt habe, dass es unfassbar verschiedene Beweggründe für Handlungen, Taten und Menschsein geben kann und es eine unfassbare Vielfalt gibt, so dass das Kategorisieren im Prinzip verdammt schwer fällt. Und ich finde man sollte auch über jeden Verbrecher und jeden Heiligen und so ein gewisses Interesse entwickeln... Ähm, deine Frage war was nochmal, Alter? (lacht)

Ob du mit deinem heutigen Mindstate zufrieden bist.

JAW: Ja. Ich bin damit zufrieden. Es ermöglicht einfach einen weitflächigeren Einblick und vielleicht auch die Möglichkeit grundlegende Probleme zu erkennen und vielleicht auch weiter darauf hinzuweisen. Also ich denke, dass meine Einstellung nicht aus Dummheit resultiert, sondern auch aus Erfahrungswerten von beiden Seiten der Medaille. Ich weiß wie es sich anfühlt gut und beliebt zu sein. Und ich weiß wie es sich anfühlt der letzte Dreck zu sein. Ich kenne einfach irgendwie beide Formen des Lebensweges und deswegen kann ich das vielleicht auch ganz gut gegeneinander abwägen.

Okay, aber von meinem persönlichen Standpunkt aus: Es gibt schon Tage oder Momente, an denen ich mir wünschen würde im Kopf dumm zu sein, so dass ich nicht depressiv und halb am verrecken über soviele Dinge nachdenken müsste, sondern einfach darauf scheißen könnte, weißte?

JAW: Ja, aber du musst überlegen: Dummheit schränkt dich auch wieder in einer Form ein. Ich denke, der Dumme kann nicht so ein erfülltes Leben führen wie der Weitsichtige. Okay, weitsichtig - das klingt immer so arrogant. Aber ich denke wenn man einen gewissen Erfahrungs- und Gedankenhorizont hat und trotzdem noch in der Lage ist sich dem Guten zuzuwenden, dann kann es halt unglaublich erfüllend sein. Und der Dumme lebt sein komplettes Leben durch eben im dritten Gang. Und der Andere fährt halt entweder im ersten oder im sechsten. (lacht) So ungefähr. Das sind vielleicht gewagte Psychoanalysen, die ich hier aufstelle, aber ich denke sie sind nicht ganz unwahr.

Trotz aller guten Werte wie Nächstenliebe und Höflichkeit: Wann macht sich denn im Alltag der Menschenfeind in dir bemerkbar? Was bringt dich zum explodieren?

JAW: Wann macht sich der Menschenfeind in mir bemerkbar... keine Ahnung. Das reicht schon wenn ich weggehe und ich einfach oft in einer anderen Stimmung als die Anderen bin, wodurch man sich automatisch distanziert fühlt. Das ist ja auch ein natürlicher evolutionärer Prozess. Man ist ja sozusagen das schwarze Schaf oder der Sonderauswuchs und dann fragt man sich eben einfach: Wieso zur Hölle ist das so? Und wieso leben alle so glücklich in ihrer Ignoranz und in ihrer geschlagenen Blindheit? Und man selber denkt halt auch über mehr nach und steht da irgendwie außen vor. Aber diese Leute sind eben auch nicht daran interessiert beziehungsweise beschäftigen sich nicht mit solchen Dingen. Aber man selbst kann eben gar nicht anders, als sich mit ihnen zu beschäftigen, weil sie für einen selbst halt essentiell für die eigene Verwirklichung sind. Also ich hätte keinen Bock mein Leben lang Kfz-Techniker zu sein oder irgendwie hier, Büro-Arbeit von 8 bis 16 Uhr. Es würde mich halt nicht erfüllen. Wann macht sich der Menschenfeind noch bemerkbar? (überlegt) Bei Ignoranz! Wenn Leute über Sachen reden, von denen sie keinen Schimmer haben - und es passiert so oft! Aber natürlich stets mit völliger Selbstüberzeugung. Es ist natürlich nicht so, dass sie in Erwägung ziehen, dass es vielleicht auch völliger Unsinn ist. Sie sind einfach völlig überzeugt. Und das ist so traurig, weil sie halt auch meistens so einen engen Horizont haben, was man einfach daran merkt, was sie sagen und wie sie argumentieren und welche Alternativen sie dazu kennen. Ja, Ignoranz... und Intoleranz fuckt mich schon auch ab, aber kommt wohl darauf an gegenüber wem. Nee, eigentlich gar nicht. Intoleranz generell fuckt mich glaube ich ab. Einfach diese ganzen verbissenen Grundeinstellungen. Warum kann man nicht versuchen den beschissenen Menschenhorizont, der sowieso schon kleiner als die Erbse unter der Prinzessin ist, versuchen zu erweitern, statt immer in seiner scheiß ländlichen Grundvorstellung zu hausen und alles für bare Münze zu nehmen? Und ja, das ist auch noch etwas was mich aufregt: Dieses Alles glauben und jeden Scheiß für voll nehmen, was man im Fernsehen vorgehalten bekommt und mit was sie dich im Radio vollmüllen. Wovon reden die denn? Vom Treiben in der Beschissenheit. Das geht mir glaube ich schon irgendwie auf den Sack... Aber ich kann auch oft darüber lachen. Und nicht zynisch, sondern dann schon von Herzen. (grinst)

Du hast vorhin gesagt, dass es dich unter anderem stört wenn du weg gehst und die Leute Sachen, die dir persönlich am Herzen liegen und wichtig sind, völlig missachten. Aber du kannst ja nicht in die Köpfe der Leute hineinschauen. Kannst du also wirklich beurteilen, ob es die Leute tangiert oder nicht?

JAW: Nee, keine Ahnung. Wenn ich unter normales Volk gehe, dann fühl ich mich einfach wie ein Alien. Aber das hängt halt damit zusammen, dass ich da einfach einen bisschen anderen Hintergrund habe und das für mich auch nicht einfach der Spaß in Reinform ist auf 'ne Party zu gehen und mal fett die Sau rauszulassen. Das war vielleicht mal so, aber das hat sich über die Jahre ein bisschen schwieriger gestaltet. Das sind einfach verschiedene Grundenergien, die da aufeinander treffen und die da eigentlich nichts miteinander verloren haben. Und deswegen nutze ich meine Zeit eigentlich auch gerne für etwas was mir selbst oder auch Freunden weiterhilft. Aber es geht nicht immer unbedingt darum, dass man da nicht verstanden wird oder sonst was. Ich mach dann ja meistens gar nicht erst den Versuch, weil man einfach schon merkt, dass die Grundstimmung deutlich anders ist. Wenn du auf einer Beerdigung bist und da läuft ein Clown vorbei, dann wirst du auch nicht direkt mit ihm ins Gespräch kommen und sagen: "Ey, wie war deine Zirkusvorstellung?" (lacht) Das sind dann nunmal verschiedene Sparten von Gemütszuständen.

Um noch einmal zurück zu dem Albumkonzept zu kommen: Was für ein Gefühl hat das eigentlich in dir ausgelöst, als du gemerkt hast, dass deine Täter nicht einmal realisiert haben was sie dir angetan haben?

JAW: (überlegt) Gute Frage. Das löst im Prinzip eigentlich das gleiche Gefühl aus wie bei allen anderen Menschen halt. Das sind ja auch nur zwei Erfahrungswerte in einer Kette - jedoch zwei gewichtige vermutlich. Geahnt habe ich das Alles schon lange: Dass Leute nicht wissen was sie tun und dass sie Fehler machen - aber die Masse diese Fehler begeht, und ich das nicht wusste, und ich vor allem diese Massenrechtfertigung nicht kannte. Denn wenn zehn Leute in einer Runde diskutieren und einer spricht dagegen - dann hat der natürlich Unrecht. So ist es aber nicht. Wie Einstein oder was weiß ich wer alles wahrscheinlich herausgefunden hat, ist die Masse nicht zwingend immer der Maßstab der Dinge oder der Vertreter der richtigen Meinung, wie man vielleicht auch bei Hitler gesehen hat. Das ist nunmal etwas womit man zu kämpfen hat, wenn man eine eigene Meinung vertritt und wenn man sich eigene Gedanken macht und sich nicht von irgendeiner Scheiße mitreißen lässt, die man noch nicht versteht. Aber zurück zur Frage: Die Tatsache, dass es den Tätern egal ist, weiß man in dem Moment ja bereits. Das merkt man immer, wenn sich jemand  verhält ohne die Konsequenzen für den Anderen zu berücksichtigen. Das ist mir eigentlich schon immer klargewesen. Dieses Verhalten, in welcher Hinsicht auch immer, findet man immer wieder und die Einstellung auch. Von daher gewöhnt man sich da auch so ein bisschen daran und vielleicht betrachtet man deswegen die Spezies als solche etwas kritischer und objektivierter.



Der Grund, warum ich überhaupt gefragt habe, ist, dass es auf dem ersten "TOA"-Thementrack folgende Zeile gibt: "Du hast sie tatsächlich vergessen die Zeit?!".  Die Gemütslage, die deine Stimme an dieser Stelle vermittelt, ist nur schwer in Worte zu fassen. Ich nenne es einfach mal "schockiert".

JAW: Ja, natürlich schockiert es einen, wenn man Dinge erlebt, die für Andere wie ein Witz erscheinen, dann ist das natürlich ein krasser Kontrast, der einen wütend macht. Ich meine, wenn jemand - jetzt mal ein Extrembeispiel - deine Familie ausrottet und dir danach eine Einladungskarte zum nächsten Stammtisch-Treffen schenkt, dann wirst du dich fragen: Was zur Hölle passiert mit den Menschen? Was ist da los? Vielleicht beginnt man dann auch einfach zu hinterfragen: Warum passiert das und das? Warum verhält sich der so und so? Da gibt es ja immer einen Grund dafür. Solchen Leuten ist es ja auch nicht bewusst. Es gibt auch tausend Berichte von Amokläufen, wo die Leute niemals geahnt hätten, dass es das und das hervorruft. Das zeigt aber eigentlich recht deutlich die Abgrenzung von dem was man persönlich erlebt und dem was die Anderen vermuten, von dem was derjenige erlebt.

Ich habe das Gefühl, dass du dich aus heutiger Sicht nicht mehr in der Opferrolle sehen willst beziehungsweise dass du dich unwohl fühlst, wenn du dein damaliges Ich betrachtest.

JAW: Es ist nicht mein Ziel in dieser Rolle zu bleiben beziehungsweise es gibt nicht genügend Gründe in der Opferrolle zu stecken. Ich will mein Leben schon so gestalten, dass ich einigermaßen die Kontrolle habe und dass ich eben auch zu dem komme was ich mir persönlich als Ziel gesetzt habe und für mich als richtig erachte. Aber klar, wenn du in solch einer Situation steckst, dann willst du da auch wieder raus. Aber die eigentliche Opfer-Situation waren ja nicht unbedingt die kleinen Jugend-Erlebnisse oder sonst was, sondern wirklich das Loch mit 19, 20 Jahren, wo man einfach völlig am Ende steht und man sich fragt wie so etwas sein kann, weil man nunmal nichts großartig Schlechtes getan hat. Und da kommt natürlich die altmodische Frage nach Gerechtigkeit auf...

Kann man da auch von Hass auf sich selbst sprechen? Weil man damals nicht anders gehandelt hat und sich überhaupt erst in die Opferrolle hat drängen lassen.

JAW: Klar, das Opfer ist sozusagen in der Rolle ja immer auch Opfer, weil es im Bezug auf irgendetwas schwächer ist. Jetzt ist natürlich die Frage: Die Frau, die vergewaltigt wurde, hätte rein theoretisch vorher auch eine Karate-Ausbildung machen können. Macht sie das deswegen zum Mitschuldigen, dass sie vergewaltigt wurde?

Nein, auf keinen Fall.

JAW: Und ist der Amokläufer dafür verantwortlich, dass seine Eltern ihm nicht zur Seite gestanden oder ihm nicht das Gefühl vermittelt haben, dass solche Degradierungen keinen Wert haben und er es nicht zu persönlich nehmen sollte? Ich meine: Entscheiden sich die Opfer dazu Opfer zu sein? Das bezweifele ich sehr. Ich denke dazu entscheided sich niemand, da es folglich viel Leid und viel Einschränkung bedeutet. Die Leute, die dann immer sagen "Ja, die Opfer sind selbst Schuld" sollten vielleicht beim nächsten Amoklauf mit am Start sein. Als Opfer. (lacht) Kleiner Spaß.

Also sagst du schon klipp und klar, dass die Anderen bis zu einem gewissen Grad die Hauptschuldigen sind?

JAW: Was definiert "Schuld"? Ist man Schuld, wenn man unwissentlich Schaden anrichtet? Ja, teilweise, auf jeden Fall. (überlegt) Also man ist ja für die Konsequenzen seiner eigenen Handlung verantwortlich, das ist nunmal das was man mit dem Erwachsenwerden lernt. Hin und wieder vielleicht weniger, aber man selbst ist zumindest die Ursache. Verantwortliche sind in dem Zusammenhang vielleicht die Eltern oder sonst irgendwer.

Die armen Eltern, die können ja auch nicht immer etwas dafür.

JAW: (lacht) Ja, schon. Das ist halt die Frage. Man entscheidet ja trotzdem auch immer ein Stück selbst.

Du nennst auf den beiden "TOA"-Thementracks Namen von realen Personen. Wie würde denn ein heutiges Zusammentreffen mit diesen Personen aussehen? Wie ernst ist es zunehmen, wenn du in deinen Texten sagst, dass du besagten Personen die Hand abhacken würdest?

JAW: Puh, das ist die Frage. Ich denke nicht, dass ich es tun würde. Aber ich denke, dass vielleicht ein innerer Wunsch danach besteht, hehe. Aber ich bin denke ich ein relativ zum verzeihen bewegter Mensch - solange Einsicht herrscht. Wenn Leute nach wie vor ihre Meinung vertreten und keinerlei Zugehen auf deine Person beziehungsweise auch kein Interesse an der anderen Meinung zeigen, dann könnte das relativ ausarten. Aber ich denke, dass es solchen Leuten meistens einfach nicht bewusst ist.

Das wäre meine nächste Frage gewesen: Käme das denn überhaupt für dich in Frage die Täter zu verschonen oder ihnen heutzutage zu verzeihen?

JAW: Klar, ich bin ja kein Serienkiller. (grinst) Die Tatsache, dass man so einer Fantasie Raum gibt, bedeutet nicht unbedingt, dass man es letztendlich auch macht, kann aber auch sein, weil sie auf jeden Fall ein Teil von einem ist. Vermutlich würde man mit den Verantwortlichen darüber reden, sie wären schockiert darüber, welche Auswirkungen so etwas hat. Oder besser gesagt haben kann - wie gesagt, ich sehe das bei mir nicht als entscheidenen Faktor für meinen Zusammenbruch. Ich weiß jetzt aber auf jeden Fall, dass so etwas mit Einflüsse hat und sehr starke haben kann, weil man mit so etwas als Kind auch nicht richtig umgehen kann. Das heißt aber nicht, dass man deswegen unbedingt in eine persönliche Lebenskrise stürzen muss - darauf reagiert ja jeder anders. Aber ich weiß, dass es bei manchen Leuten eben so sein kann. Es gibt Leute, die reagieren einfacher auf solche Sachen, doch das ist den Tätern meistens einfach nicht bewusst. Von daher: Wieso sollte ich ihnen dann nicht verzeihen können? Sonst macht man ja den gleichen beschissenen Fehler wie sie.

Kannst du erläutern welche Phasen du durchgemacht hast und was du dabei empfunden hast, bis du endlich realisiert hast - wie du auch auf dem Album sagst - dass "die meisten deiner Symptome durch die Fehler anderer kamen"?

JAW: Anfangs Verdrängung. Irgendwie hat man gemerkt: Es passiert etwas ganz Schlimmes, aber man wollte es nicht wahrhaben, hat sich in irgendwelche Sachen geflüchtet und hat versucht gut drauf zu sein. Bis der Kontrast zwischen dem inneren Schmerz und dem äußeren Bild so groß ist, dass du es selber gar nicht mehr aufrecht erhalten kannst und du auch gar nicht mehr den Eindruck hast, dass du etwas verlierst, wenn du es dann offen legst. Und wenn du diesen Punkt erreicht hast ist das eigentlich auch der Moment der Selbsterkenntnis. Dann kannst du konstruktiv an deiner Weiterentwicklung arbeiten, dann betrachtest du dich in welcher Lage du bist und wie du wieder nach vorne kommen kannst. Und dann beginnt eben ein langer Weg von vier bis fünf Jahren, ehe man endlich gefestigter und leichter wird. Langsam kommt man dann auch wieder zu einer Form zurück, die man als Mensch bezeichnen kann. Wenn man dann auch wieder Gefühle richtig wahrnimmt und auch einfach wieder das Leben erkennt und nicht todesfixiert ist.

Denkst du denn, dass du heute rein kopfmäßig stabil genug bist, so dass - egal ob alte oder neue Weggefährten - keine derartigen Narben mehr wie damals bei dir  hinterlassen könnten?

JAW: Ich mache mein Leben nicht an Anderen fest. Inzwischen ist es so, auch wenn irgendwie schwerwiegende Sachen passieren, die auch Andere als schwerwiegend bezeichnen würden und sich wundern wie man damit umgeht, dann ist es im Verhältnis zu dem was war emotional ein Witz. Deswegen würde ich behaupten, dass ich eigentlich schon auf einem gewissen Weg bin, von dem man mich so schnell nicht abbringen kann.

Wobei Schicksalsschläge aller Art natürlich nie abzusehen sind, wie zum Beispiel der Tod deiner Eltern.

JAW: Ja, das ist schon richtig. Aber Trauer ist nicht das Schlimmste, um jetzt einmal speziell auf dieses Beispiel einzugehen. Es gibt schlimmeres im Leben eines Menschen, so sarkastisch und zynisch es klingen mag. Aber Trauer kann man eigentlich immer auch überwinden, Krankheit nicht immer unbedingt.

Du hast jetzt schon in mehreren Interviews darauf bestanden, dass man dich nicht als Pessimist abstempelt Aber trotzdem warst du in bestimmten Lebensabschnitten doch sicherlich schon einmal pessimistisch eingestellt, oder?

JAW: Boah, das ist im Prinzip ein ganz schwieriges Thema, denn dafür müsste man erst einmal definieren was ein Pessimist ist.

Dann definiere einmal was deiner Meinung nach ein Pessimist ist!

JAW: Ist ein Pessimist jemand, der hauptsächlich von schlechten Erfahrungen berichtet oder von schlechten Dingen erzählt, da sich in seinem Leben hauptsächlich schlechte Dinge ereignen? Oder gehen wir noch weiter: Wenn es sich nur in seiner Wahrnehmung so gestaltet - ist er dann ein Pessismist, wenn er das berichtet? Oder ist es vielleicht diese Ignoranz, wenn er versucht sie zu überspielen oder von etwas anderem zu erzählen, was er vielleicht gar nicht fühlt oder was gar nicht in seiner Wahrnehmungsphäre passiert? Aber ich habe hier ein verdammtes Fremdwörter-Lexikon, ich wollte das sowieso neulich schon einmal  nachschlagen. Ich gucke mal kurz nach was ein Pessimist ist, dann können wir uns darüber unterhalten. Ich hinterfrage gerne, wie du merkst. (holt das Fremdwörter-Lexikon und liest vor) "Pessimist, Pessimismus: Negativ eingestellter Mensch, der immer die schlechten Seiten des Lebens sieht, Schwarzseher." Okay, das bedeutet er tut das auch, wenn auch gute Dinge in seinem Leben passieren, dass er trotzdem nur das Schlechte daran sieht. Es gibt jedoch psychische Krankheiten, bei denen du eben genau dies tust. Beispiel Depression. Dir erscheinen also auch die positiven Dinge schwärzer. Die Frage ist: Wenn sie dir schwarz erscheinen und du sie auch genau so widergibst - bist du dann ein Pessimist? Also du siehst sie nicht gezielt schwarz, sondern deine Wahrnehmung ändert sie so, dass du beginnst sie schwarz zu sehen und dann bist du sozusagen von deinen Sinneswahrnehmungen, von deinem biologischen Status her dazu verdammt schwarz zu sehen.

Dann würde ich es nicht unbedingt als Pessimist bezeichnen.

JAW: Ja eben, das ist nämlich genau das Problem. Ich auch nicht. Und ich war nie jemand, der irgendwie versucht hat in den Dingen das Schlechte zu sehen. Ganz im Gegenteil: Ich neige dann eher dazu auch mal das Ein oder Andere zu verdrängen. Und deswegen ist es halt auch so absurd, wenn man als sowas hingestellt wird, obwohl eigentlich das komplette Gegenteil der Fall ist. Und ich glaube nicht, dass ich einmal pessimistisch gewesen bin. Auch wenn es vielleicht andere so erlebt haben. Aber die haben ihre Realität und ich meine.

Was denkst du denn wieso die Leute überhaupt behaupten du seist ein Pessimist?

JAW: Naja, weil  jemand, der aus einer gesunden Entwicklung stammt und der mit sowas konfrontiert wird, sich natürlich denkt "Ja, der erzählt die ganze Zeit nur sowas, weil er sich darauf versteifen will". Die kennen die Kopplung an solche Wahrnehmungen beziehungsweise an solche Erlebnisse ja nicht. Dass du eben auch gar nicht mehr die Wahl hast - du wirst einfach in die Scheiße befördert und kannst dagegen nichts tun. Und wenn doch, dann ganz langsam und über einen langen Zeitraum hinweg - und das musst du erst lernen, über alles mögliche, Therapie und sonst was. Aber klar, aus deren Sicht wirkt es natürlich pessimistisch. Aber vielleicht wirken sie aus meiner Sicht auch einfach überzogen bis verfremdet optimistisch. Das ist halt die Frage. Diese Leute können einen selbst in der Lage nicht beurteilen. Man selbst die Anderen leider schon, weil man eben diese Zustände auch kennt. Ich weiß schon auch wie es sich anfühlt, wenn alles cool, easy und entspannt ist, so ist es nicht. Aber es gibt eben auch eine andere Realität und die lernen wahrscheinlich nicht soviele Leute kennen und deswegen stempeln sie es dann als Pessimismus ab.

Macht es dich denn wütend als Pessimist abgestempelt zu werden?

JAW: Ja, schon, schon. Völlig aggressiv. (lacht) Beim One Love Festival dieses Jahr hat mich auch jemand damit vollgelabert von wegen ich sei Pessimist und irgendwann wurde ich verdammt fahrig. Aber er hat im Nachhinein auch einiges eingesehen und dann war auch alles okay, so dass ich ihn nicht ermorden musste.

Also würdest du auch einfach von den Leuten erwarten, dass sie sich erst Gedanken machen, bevor sie blind drauf los reden?

JAW: Ich denke schon, dass man das ein Stück weit erwarten kann. Oder dass, wenn man sich schon gegenüber etwas äußert, man auch ein gewisses Interesse gegenüber dem gegnerischen Standpunkt zeigt.

Vielleicht können sie jedoch auch gar nicht nachvollziehen was du erlebt hast, da sie es nunmal nicht am eigenen Leib erfahren haben...


JAW: Aber deswegen muss man ja kommunizieren! Das ist ja die einzige Möglichkeit um Erfahrungen auszutauschen, die man selbst nicht gemacht hat und seinen Horizont zu erweitern. Wir haben nunmal keine andere Möglichkeit als die Sprache, um den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern. Und das sollte man dann halt auch tun. Ich renne ja auch nicht an die Börse und sage "Daimler-Aktien sind die besten Aktien!", weil ich nunmal keinen Plan davon habe. Aber wenn ich es sage und es kommt jemand, der mir demonstrativ etwas besseres erzählt, dann werde ich mich wahrscheinlich darauf einlassen und hinterfragen, ob meine Meinung die richtige ist. Das ist ein ganz normaler Prozess, finde ich. Beziehungsweise sollte es zumindest sein.

Du rappst auf "Optimist" die Zeile "Ich weiß, dass Gutmütigkeit sich hin zum Ende verwandelt und sich gegenüber der Menschheit als blutrünstig zeigt". Wie ist das zu verstehen?

JAW: Das ist so zu verstehen, dass man in diesem Land eine gewisse Selbstlosigkeit an den Tag legt, damit gegen eine Betonmauer läuft und du eigentlich schon mehr oder weniger zum Egoismus und zur Manipulation erzogen wirst. Wohin kommst du denn, wenn du nicht selbstbezogen bist? Und zwar ein Stück weiter, als wahrscheinlich gesund wäre. Ich denke einfach, dass dadurch eine gewisse Wut entsteht. Das kannst du auch auf alles beziehen - wenn du Frauen zum Beispiel Vertrauen schenkst...

Ja, das wollte ich gerade sagen: Mann ist mit Frau zusammen, Mann gibt 100 Prozent in der Beziehung, Frau geht fremd. Am Ende wird der Mann seine anfängliche Gutmütigkeit womöglich bis zu einem gewissen Grad bereuen und der Frau nur noch Böses wollen.

JAW: Ja, das ist die natürliche Reaktion. Aber ich glaube die anspruchsvollere, die auch mehr Kraft kosten kann, ist zu versuchen vielleicht zu verzeihen und zu sagen "Gut, du hast einfach komplett andere Vorstellungen von Beziehung wie ich...". Das wäre dann schon der nächste Schritt, aber da ist man ja fast schon beim Jesus-Prinzip. Und das ist vielen Menschen eine Stufe zuweit.

Jetzt habe ich kürzlich in einem Forum gelesen, dass der Song "Cymbalta" als gefährlich erachtet wurde. Was sagst du dazu?

JAW: Ich würde "Cymbalta" nicht als gefährlichen Track erachten. Naja gut, keine Ahnung ob es ein gefährlicher Track ist. Aber das ist auch nicht unbedingt meine Aufgabe dafür zu sorgen. Das ist meine Kunst und ich mache Kunst nicht unbedingt nach moralischen Prinzipien. Es geht mir nicht darum irgendwelche Doktrin für irgendjemanden zu erstellen, sondern es ist auch einfach eine Darstellung von unliebsamen Tatbeständen. Und wenn ich mit dem Zeug gute Erfahrungen mache und eben auch das Gefühl habe, dass es mir weiterhilft, dann mache ich halt auch einen Track, in dem ich es unmenschlich abfeiere. Es wird ja niemand gezwungen das Zeug zu nehmen und es soll natürlich auch auf den Irrsinn hinweisen, dass es irrsinnig ist, wenn Leute Medikamente brauchen, damit es ihnen erträglich geht. Und dass es davon auch viele gibt. Und nicht, weil die Ärzte es sich leicht machen, sondern weil es keine anderen Mittel zu geben scheint, um diesen Irrsinn aufzuzeigen. Zumal man auf dem Track bei den Ärzte typischen Aussagen ala "Dein Leben wird besser, sobald du Cymbalta nimmst!" schon einen gewissen Sarkasmus heraushören sollte.

Wobei ich sagen muss, dass der Track ansich schon ziemlich ernst rüberkommt.

JAW: Aber durch die Zwischensprüche, "Du kannst es nehmen! Nimm es, nimm es!", wird doch offentsichtlich, dass es keine ernst gemeinte Aufforderung ist. Also soviel Humorverständnis werden die Leute ja noch haben. Und selbst wenn - das Zeug bekommst du ja sowieso nur auf Rezept bei deinem Arzt. Der würde dir das nicht einfach so verschreiben, sondern muss schon das Gefühl haben, dass du das jetzt nicht einfach nur aus Experimentierfreudigkeit ausprobieren willst, sondern weil du extreme Symptome hast, die das Medikament notwendig machen würden.



Dann kommen wir mal zu einem leichteren Thema, weg von Dunkelheit, Depression und Tabletten. Auf "Kein Star" setzt du dich auf amüsante Art und Weise mit verschiedenen Methoden Fame zu erlangen auseinander. Was wäre denn der absurdeste Promostunt, der dir einfallen würde, um Aufmerksamkeit zu bekommen?

JAW: Der absurdeste Promostunt, oh Gott... (überlegt) Vermutlich mich von Dieter Bohlen managen lassen oder so. Denn das wäre der komplette Widerspruch und würde eigentlich jeden Wert widerlegen, den ich mir bis dato aufgebaut hätte. Also es gibt viele Möglichkeiten bekannter zu werden. Wenn man jetzt nicht direkt den Kontakt zu Dieter Bohlen hat, macht man die Musik einfach ein bisschen easy going-mäßiger und man taugt direkt zu Chill-out-Artist oder als Party-CD-Produzent. Man kann es sich schon leichter machen, aber das Problem ist, dass diese Phänomene, die sich eben darauf einstellen was gerade angesagt ist, eben sehr kurzlebig sind und dadurch schneiden sie sich in das eigene Fleisch. Es ist halt dumm zu denken, dass wenn man gerade einen Trend trifft und schnelle gepushte Aufmerksamkeit bekommt, dass Fans länger als ein Jahr bleiben. Hier, Deutschland sucht den Superstar, wer kennt diese ganzen Leute noch? Wie sie alle heißen: Alexander. No Angels, von denen hört man eigentlich auch nichts mehr, oder? Ich bin da nicht so auf dem Laufenden...

Also ich kaufe mir schon noch regelmäßig die Releases der No Angels.

JAW: (kichert) Ja gut, die No Angels-CDs habe ich auch alle im Schrank stehen. Aber Alexander war mir auch einfach ein bisschen zu emotional und daher nicht so mein Ding.

Aber Stichwort Dieter Bohlen: Im Video dann auch mit Mark Medlock, Klavier und weißen Tauben am Strand? Alles inklusive?

JAW: (verächtlich) Alles Plastik! Alles Plastik-Produktionen! Und das wissen sie ja auch und deswegen funktioniert es ja auch so gut, weil Jugendliche natürlich auch auf Plastik anspringen, weil sie einfach noch nicht so gut unterscheiden können. Und das ist nunmal die Hauptkäuferschaft.

Du bekommst inzwischen Props von namhaften Künstlern wie Casper, Marteria und Abroo...

JAW: Casper hat mir auch Props gegeben?

Er hat bei Twitter auf jeden Fall das "Elena"-Video mit dem Satz "Hat er gut gemacht!" gepostet.

JAW: Ach ja, hatte ich ihm empfohlen, er soll es sich mal anhören und dann kam er auch zu mir meinte "Ja! Ja! Ja! Sehr gut.".

Aber du bekommst das schon mit?

JAW: Teilweise, ja. Das mit Marteria habe ich mitbekommen und das mit Abroo auch.

Fühlst du dich dann denn in gewisser Weise geehrt oder ist dir das komplett egal?

JAW: Nee, das ist schon ein gutes Zeichen, weil das ja auch Künstler sind, die ja auch durchaus für sich schon etwas funktionierendes, stimmiges und auch cooles aufgebaut haben. Und das zeigt mir dann schon, dass ich auf jeden Fall nicht allzuviel falsch mache. Aber gut, beeinflussen lasse ich micht nicht, weil... also ganz ehrlich: Ich habe halt meine eigene Vorstellung wie das Alles zu sein hat und meinen Geschmack teilen dann ja auch die Wenigsten.

Apropos Marteria: Ich habe heute ein Interview mit ihm gesehen, in dem er auf eine potentielle Kollabo mit dir angesprochen wurde. Er antwortete darauf, dass in nächster Zeit der Kontakt hergestellt werden würde und dass - ich zitiere wortwörtlich - "die Weisse Scheisse dann grün gemacht wird". Ist da eine Marsimoto / JAW-Kollabo geplant?

JAW: (lacht) Das war eigentlich schon lange mal im Raum. Schon lange bevor dieser Hype da war, haben wir schon geschrieben und ausgemacht, dass wir mal etwas zusammen starten. Aber irgendwie ist es noch nicht dazu gekommen, ich glaube auch, weil er ganz viel um die Ohren hat. Aber ja, wenn er sich meldet auf jeden Fall. Ich meine, er weiß, dass ihm von meiner Seite da nicht soviel im Wege steht. Es muss halt irgendwie passen. Aber ja, klar.

Verfolgst du den aktuellen Marteria-Hype denn mit?

JAW: Ja, meine Freundin zieht sich hier die ganze Zeit dieses "Verstrahlt"-Video rein. Die ist recht angetan. (lacht) Und auch eine gute Freundin von mir feiert seine Sachen unfassbar. (Gemurmel aus dem Hintergrund) Da wird schon leicht protestiert. Also ich finde es cool - er ist eigenständig und er macht gut was er macht. Es ist zwar nicht immer mein Geschmack, aber schon etwas dem ich Respekt zolle.



Dein eigenes Label Weisse Scheisse gibt es jetzt seit Ende 2008. Bist du denn zufrieden wie es bisher damit läuft?

JAW: Es ist eben schon harte Arbeit, sag ich mal. Ich hätte nie gedacht, dass soviel Stress und soviel Ärger auf mich zukommt, weil man immer versuchen muss mit den günstigsten Mitteln das bestmöglichste Resultat zu erzielen. Man hat eben auch immer nur begrenzte Mittel und was an Geld fehlt muss man sozusagen durch eigene Energie, Zeit und Motivation wieder wett machen. Das ist halt so ein harter Kampf gegen die Zeit und den eigenen Willen. Aber ja, im Endeffekt bin ich natürlich zufrieden. Hallo? MTV jetzt zehn Wochen am Stück, die Resonanz auf das Album ist gut, die Promo hat soweit eigentlich gut geklappt und wir haben keine dummen Investitionen gemacht. Es läuft schon richtig. Aber es ist eben auch eine hohe Anstrengung.

Kann man sagen, dass du mit "Täter-Opfer-Ausgleich" als Solokünstler die nächste Stufe erreicht hast?

JAW: Ja. Also meine persönliche nächste Stufe, sozusagen. Ich bin inzwischen auf jeden Fall ein Begriff und man kommt nicht mehr so wirklich an mir vorbei. (Pause) Und das ist gut. (lacht)

Was darf man denn als nächstes von Weisse Scheisse erwarten? Was steht alles an?

JAW: Das Album von Private Paul - Emopunkrap. Danach erstmal eine gemeinsame EP mit Adolph Gandih, wobei ich da noch nicht weiß wann ich das schaffe, da ich auch noch Stress mit dem Studium habe. Daher wird das wahrscheinlich erstmal auf nächstes Jahr hinauslaufen, Private Paul hoffen wir noch dieses Jahr zu schaffen. Ist eben immer viel Arbeit. Braucht Zeit und Geld.

Steht die EP mit Absztrakkt eigentlich noch?

JAW: Die steht auch noch. Die wird dann aber denke ich auf jeden Fall erst nächstes Jahr erscheinen. Aber klar, die steht noch.

Da gab es ja ein merkwürdiges Statement seitens Absztrakkt, es würde trotz deiner Aussagen keine gemeinsame EP erscheinen.

JAW: Er irrt sich! (lacht) Ich kann nur sagen: Er irrt sich, er täuscht sich. Ich werde eine EP mit ihm machen!

Verwirrende Geschichte auf jeden Fall.

JAW: (lacht) Ja, ich weiß.

Kannst du kurz erläutern was du an Absztrakkt schätzt und wieso du ausgerechnet mit ihm eine EP aufnehmen möchtest?

JAW: Er ist halt ein krasses Sprachtalent. Einer, der es auch wirklich schafft Bildersprache wirkungsstark und passend einzusetzen und trotzdem zugleich so elementare und auch herkömmliche Passagen dazwischen hat. Das macht ihn auf der einen Seite so krass menschlich und fehlerhaft und auf der anderen Seite auch so übersinnlich, auf eine Art und Weise. Und das fasziniert mich halt - Musik, bei der ich das Gefühl habe, dass da wirklich etwas dahinter verborgen ist, viel Qualität hat und auch krass auf mich wirkt. Ich höre diese Musik und sie fasziniert mich. Und das ist bei mir nicht so oft der Fall.

Musik muss dir also immer emotional etwas geben?

JAW: Es muss mich halt packen. Ich meine, Musik ist ja schon irgendwie die Sprache der Gefühle. Und ob ich jetzt auf etwas abtanze, weil es mir irgendwie 'nen Push gibt oder weil es in mir Traurigkeit verursacht - es hat ja alles den gleichen Wert. Und ich denke jeder hört Musik deswegen, weil es ihm emotional etwas gibt.

Was hörst du privat denn sonst noch so? Ich gehe einmal davon aus, dass du momentan eher weniger Deutschrap hörst...

JAW: Deutschrap höre ich fast gar nichts mehr momentan. Oder lass mich überlegen. (zu seiner Freundin) Nina, was habe ich Rap-technisch an Deutschrap in letzter Zeit gehört? Ah genau, Shooting Star aka Gunnar habe ich gehört. Ein bisschen SD... und ich glaube das war es. Joa, bin ich halt nicht so angetan. Ach ja, auch ein bisschen Nate! Habe ich mich ein bisschen reingehört, fand ich eigentlich auch nicht schlecht. Aber war halt auch nicht immer so 100-prozentig mein Fall. Aber der kann auf jeden Fall auch was.

Kannst du an der Stelle vielleicht auch etwas zu BoZ sagen? Was geht da Mixtape-technisch?

JAW: Das ist eine gute Frage. Ich hatte nur einmal kurz MySpace-Kontakt, aber ich weiß nicht wie der momentane Stand zum Album ist. Ich vermute, er ist einfach wie Chiss ein bisschen zu perfektionistisch. Das kann halt extrem hemmend und lähmend sein, was halt schade ist, denn egal was er released hätte, es hätte vermutlich für ziemliche Furore gesorgt. Wollen wir mal hoffen, dass das irgendwie noch nachkommt. Vielleicht kann ich ihn ja mal noch überreden.

Also immernoch der selbe Stand wie vor zehn Jahren.

JAW: (lacht) Ja, ich glaube auch.

Die Frage nach einem Supafriendz-Album kann ich mir eigentlich auch sparen, oder?

JAW: Hm, die kannst du dir eigentlich auch sparen, weil...

Danach wird im Internet nämlich immernoch gefragt. Auch was altes Material angeht, ob das veröffentlicht werden kann oder ob sogar noch neues Material von BoZ, Knight und dir kommt.

JAW: Ich kann mir überlegen da vielleicht mal so paar alte Parts rauszuhauen, müsste ich mal nachfragen. Wir hatten ein paar Verse aufgenommen gehabt, aber keine wirklichen zusammenhängenden Tracks. Aber in der ursprünglichen Konstellation wird da auf jeden Fall nichts Neues mehr kommen. Aber mit BoZ - wer weiß. Hätte ich auf jeden Fall Bock drauf.

Aber der Wunsch nach dem Traumfeature mit SD steht immernoch, ja?

JAW: Hehe ja, das steht immernoch. Aber nun gut, der wird das wahrscheinlich auch mitbekommen und von irgendwelchen Fans darauf angelabert werden, weil die Brücke zu mir vermutlich auch nicht so groß ist. Da wird man sich vielleicht schon mal noch über den Weg laufen und wenn nicht, dann geht die Welt auch nicht unter.

Den Eminem-Stempel habt ihr ja auf jeden Fall beide aufgedrückt bekommen.

JAW: Hehehe, den haben wir beide ein bisschen aufgedrückt bekommen, ja. (Pause) Ähm, mein Gott. (Gelächter) Wobei ich finde, dass das bei ihm nochmal viel deutlicher ist als bei mir.

Du gehst ab dem 20. August gemeinsam mit Pimpulsiv und DNP auf "Sozioparty"-Tour. Was darf man da von deiner Show erwarten?

JAW: 60 bis 75 Minuten Programm, vollgestopft mit viel "Täter-Opfer-Ausgleich"-, "Menschenfeind"- und "Gehirn im Mixer"-Sachen. Außerdem Sachen von Private Paul und Adolph Gandhi. Das wird eine relativ lange Show... Das wird sich schon lohnen!

Und wieso ausgerechnet mit Pimpulsiv und DNP als Tour-Partner?

JAW: Passte. Trailerpark und Weisse Scheisse sind ja jetzt nicht so unterschiedliche Konzepte. Und wir kennen uns halt und sind vermutlich auch auf einem ähnlichen Status und da lohnt es sich einfach die Fanbases zusammen zu holen, um die Clubs auch ein bisschen voller zu kriegen, als es vielleicht alleine der Fall wäre. War, glaube ich, also nicht die schlechteste Entscheidung. Außerdem: Mit wem soll ich sonst touren?! Hehe, wen gäbe es denn da bitte?

Morlockk Dilemma hätte sich noch angeboten.

JAW: Morlockk wäre 'ne Idee, ja genau. Nächstes Jahr also eine Tour mit Morlockk Dilemma, wer weiß. Oder mit Mach.

Wenn wir schon soviel über andere Rapper reden: Was geht eigentlich mit Hollywood Hank?

JAW: Keine Ahnung, weiß ich nicht. Habe ich auch keine Information darüber, weil wir momentan jetzt auch nicht so den krassen Kontakt haben. Er kümmert sich momentan glaube ich um sein Leben. Er muss ja auch irgendwie Geld verdienen und mit Rap schließt er es, glaube ich, eher aus.

Gut. Dann danke ich dir für das Interview und überlasse dir das Schlusswort!

JAW: Kommt zur Tour! Karten gibt's auf ticketmaster.de - am 20. August geht's los! Infos gibt es wie immer natürlich auf weissescheisse.de. Und das zweite High Society-Album kommt! Ich habe gestern mit Smexer telefoniert und Kobra ist auch nicht abgeneigt. Drehen wir auf jeden Fall noch ein paar flye Videos und dann wird der, brät, Vogel abgeschossen, Alter.

JAW - badaboombadabang Blog Exclusive

Kommentare (22) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

27.08.2009 - Abroo im Interview mit badaboombadabang [Teil 2]

Geschrieben in




Hier geht's zum ersten Teil des Interviews!




Du hast mit Hammer & Zirkel und Joe Rilla auf dem „Deutschlands vergessene Kinder“-Sampler auch einen Song, der an Chakuzas „Eure Kinder“ angelehnt ist. Darin kritisiert ihr unter anderem diverse Rapper, die der festen Überzeugung sind sie seien kein Vorbild für ihre Fans. Hattet ihr nicht Angst, dass die Leute den Inhalt völlig übersehen und bloß darauf rumreiten, dass ihr Bushido kritisiert habt?


Abroo: Der Song war bei der Aufnahme gar nicht für das Projekt geplant. Dann hat Rilla den bei Ben von Mellowvibes als „seinen Song“ abgegeben. Es sollte die Leute zum Nachdenken anregen. Kritik ist das richtige Wort. Aber Kritik kann auch was Gutes sein. Ich glaube, dass viele Künstler irgendwann erwachsen aufwachen und merken, dass sie viel Schrott gelabert haben. Das Meiste würden sie ihren eigenen Kindern niemals vorspielen. Warum muten sie es dann anderen Kids zu? Man kann sich nicht einfach aus der Affäre ziehen und sagen: „Hier Eltern… hier Lehrer… ist euer Problem!“ Gerade wenn man im Mittelpunkt steht und einen Einfluss hat. 


Rilla wurde verhaftet nachdem es auf dem Selfmade-Konzert handgreiflich wurde. Möchtest du dich noch ein allerletztes Mal zu der Sache äußern und deinen Standpunkt vertreten?


Abroo: Was an den Abend passiert ist habe ich auch nur erzählt bekommen. Ich war gerade beim Tua- und Kaas-Auftritt und wollte mit den Jungs Party machen. Ich erfuhr davon, weil Leute bescheuerte SMS geschrieben haben. Direkte Vorwürfe. Ich wusste nicht mal worum es geht. Ich distanziere mich komplett davon und will mit solchem Mist nicht in Verbindung gebracht werden. Den betroffenen Künstler, Montana Max, habe ich kontaktiert und wissen lassen, dass ich das verurteile. Jeder, der mich kennt weiß, dass ich ganz andere Probleme habe, als solche Macho-Eier-Zeigereien wegen Musik!

Der Sampler „Ansage Ost“ wurde vorerst auf Eis gelegt, da viele Künstler wegen der Sache mit Rilla und Selfmade ihre Tracks zurückgezogen haben. Hast du deinen Beitrag auch zurückgezogen?

Abroo: Nein. Ich hörte nur davon, dass der Sampler gar nicht erscheinen wird. Da brauchte ich nichts zurückziehen. Ich habe keinen Plan was damit ist.


Als ich letztens mal wieder „Rap Art War“ durchgehört habe ist mir eine Zeile aufgefallen: „Apropos salzig: Frag Bisk Fingaz wie meine Eier schmecken!“ Du hattest mal Probleme mit dem Hannover Produzenten?

Abroo: Ich hatte kein wirkliches Problem mit ihm. Es ist echt lange her, da war ich bei ihm im Studio. Ich mochte seine Art nicht. Er war damals noch jung und musste im Mittelpunkt stehen. Dabei hat er seine eigenen Leute nicht so behandelt wie ich es selbst für angemessen hielt. Das war alles. Es war eine Zeile. Ich habe nichts gegen ihn und wir haben auch wieder Kontakt gehabt. Alles halb so wild.


Überhaupt bin ich der Ansicht, dass du dich von dem etwas aufmüpfigen Rookie, der kein Blatt vor den Mund nimmt, zum bekennenden Szene-Fan entwickelt hast. Auf einem älteren Track sagst du auch „Ich bin ein Hater und Fronter, doch das hat'n Grund“. Erklär uns diesen doch mal und wie es zum Wandel kam!


Abroo: Ich denke mir ging es damals wie den Meisten heute auch: Unzufrieden und nichts was einen begeistert. Dabei liegt das Problem woanders. Wenn man sich die Mühe macht mal richtig zu suchen findet man echte Juwelen. Immer wieder finde ich Rapper oder Produzenten, die mich umhauen. Alle meckern nur noch. Ich habe früher viele gehatet, die sich meiner Meinung nach verbogen haben. Die die Charts-Erfolge wollten und nur darauf hingearbeitet haben. Davon bin ich immer noch kein Freund aber ich akzeptiere es mittlerweile.




Doch trotz Pro-Szene scheint dich auch so einiges an Deutschrap anzukotzen.


Abroo: Was mich nervt sind Leute die selbst früher die Baggy-Fraktion waren und heute überall das Maul aufreißen, das sie ja so anders wären. Sie schimpfen über die Szene und wie intolerant alles geworden sei. Dabei sind sie selbst keinen Meter besser. Auch geil finde ich solche Idioten, die in Interviews immer hervorheben wie krass uncool es wäre, wenn man deren Album nur saugen würde und es nicht kauft. Ich möchte nicht wissen wieviele von denen gar keine Originale im Schrank haben. Sie kaufen selbst nichts, aber erwarten es von anderen ihre Produkte zu kaufen. Heuchler! Diese Arroganz nervt mich.


Auf meinem Blog habe ich vor kurzem die Arbeitshaltung der deutschen Rapper kritisiert und mich dafür eingesetzt, dass es mehr Remixe deutscher (Rap-)Tracks geben sollte. Allerdings hat hierzulande so gut wie jeder Künstler einen Stock im Arsch und natürlich arbeiten auch recht unterschiedliche Acts eher selten miteinander, was ziemlich schade ist. Ein positives Beispiel wäre jetzt Massiv und Kaas, die gemeinsam im Studio waren.

Abroo: Der eigene Schatten ist vielen zu lang, um drüber zu springen. Manche reden auch schlecht über andere, bis sie sie kennen lernen und merken, dass sie ja doch ganz nett sind. Erst dann werden Tracks geplant. Komisch, wa? Vorher waren es noch sogenannte „Hurensöhne“ und „Lauchs“. Es sollten alle mal ein bisschen lockerer werden und nicht vergessen, dass es doch einfach nur Musik ist!


Du bist ja schon ein ziemlicher Filmliebhaber und hast in der Vergangenheit auch Kurzfilme gedreht. Auf dem Outro von „Schatten und Licht“ schimmert das auch wieder durch. Wieso bist du diesen Weg nicht weitergegangen?

Abroo: Das werde ich ja vielleicht, Studium ist ja durch. Mal sehen wo es hingeht. Ich habe sogar noch ein, zwei Drehbücher in der Hinterhand. Mieses Zeugs!


Nachdem du mir schon nicht glauben wolltest, dass keine siebte Staffel von den „Sopranos“ erscheint und es nicht fassen konntest - was läuft derzeit in Abroos DVD-Player?

Abroo: Viele Serien: „Big Bang Theory“,„My Own Worst Enemy”, „OZ“, „Boondocks“, „Afro Samurai“, „Batman Of The 60s“. Ich freue mich schon auf die nächste Staffel von „Dexter“. Filme schau ich auch viel. Aber momentan… Ich schaue mal nach was drin ist: „Reservoir Dogs“.


Apropos „Sopranos“: Was sagst du zum Ende der sechsten Staffel? Tony: Unsympathischer, illoyaler, skrupelloser Bastard oder doch einfach der Boss?

Abroo: Ich glaube Tony wurde schon gut gescriptet. Er ist relativ realistisch getroffen. Jeder hat Kanten und Ecken. Und Widersprüche. Das Ende fand ich sehr kacke. Offen gelassen und trotzdem keine Chance auf eine weitere Staffel. Sieht irgendwie ungewollt aus.


Du bist bekennender Fan von Dirk Bernemanns Buch „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“. Ich sehe „Rein in das Licht“ als (nüchterne) Vertonung des Buches. Einverstanden damit? Und: Was genau fasziniert dich an dem Buch so sehr?

Abroo: Krass! Den Vergleich habe ich so noch nie gezogen. Aber für mich ein ziemliches Kompliment. Danke! Ich habe das Buch an einem Stück durchgelesen und direkt am nächsten Tag nochmal. Ich mag die Verstrickungen und die teilweise sehr harten und kalten Charaktere. Es ist ein Schlag ins Gesicht, dieses Buch, spiegelt aber unsere Zeit sehr gut wider. Diese ganzen Schicksalsschläge oder verdrehten Einstellungen sind heute teilweise Normalität. Aber trotzdem erschrecken sie einen. Gut so!


Auf dem Song „Es reicht“ mit Morlockk Dilemma setzt du dich mit deinen exzessiven Gedanken auseinander, die dich dazu treiben (könnten) zu morden. Morlockk hingegen mutiert zum Taxi Driver und beseitigt sämtlichen Abschaum. Insgesamt transportiert der Song eine ziemliche Endzeitstimmung, was auch wieder in diese „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“- und „Taxi Driver“-Ecke passt. Ich bin ja stark dafür, dass ihr euch noch JAW und Rynerrr ins Boot holt und ein gemeinsames Album aufnehmt.

Abroo: Die Idee und das Sample stammen aus der Serie „Dexter“, die ich hart feier! Von den beiden genannten Rapper-Kollegen kenne ich leider nichts. Aber ich vertraue deinem Musikgeschmack!


Du bist ja schon eher der Boombap- / Ruff, Rugged and Raw-Typ. Langweilt dich der Sound nicht mit der Zeit? Ich kann zumindest verstehen, wenn sich die Leute nach neuen Einflüssen sehnen.


Abroo: Mit dem Thema befasst man sich nur bei Deutschrap. Seltsam, aber ist leider so. Ich verstehe ja, dass sich Leute einen frischen Wind wünschen, wenn die alten Scheiben zu staubig wirken. Aber ich bin Fan von zeitloser Mucke. Vieles was gerade passiert sind doch Experimente. Hochgepitcht, tiefgepitcht, AutoTune, Crunk, Electro-Kram… Alles okay, wenn man es mag. Aber wie lange ist so ein Trend denn aktuell? Aber Klassiker sind noch nach 15 Jahren heiß! Und jetzt schau dir mal die Liste an, von den Sachen, die Leute zu den Klassikern zählen. Ein weiterer Grund warum viele meine Einstellung nicht verstehen ist, dass ich diese goldene Ära auch tatsächlich miterlebt habe. Ich bin ein alter Sack, der sich 1993 schon ein Naughty by Nature- oder ein M.O.P.-Konzert reingezogen hat und zigtausende Platten und CDs gekauft hat. Und Kassetten! Hier bitte die Wikipedia-Erklärung einfügen, für diejenigen, die gar nicht wissen was das ist. Worauf ich hinaus will: Ich höre Rap jetzt seit 1989 und habe vieles kommen und gehen sehen. Ich finde es gut, wenn Künstler neue Dinge versuchen. Ich pumpe aber eben auch Musik, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Wer mit 50 Cent angefangen hat oder mit einem Kanye West, der kann es vielleicht nicht ganz nachvollziehen. Manche sagen sogar: „Das bringt doch keinen weiter, diese True-School-Kacke!“ Aber wer sagt denn, dass es irgendwo hingeht? Auf was warten denn die Leute? Ich habe einfach ein anderes Musikverständnis. Ich mag das knisternde Sample. Bedeutet doch nicht automatisch, dass es ein Stillstand oder ein Schritt zurück wäre, oder?

Welche Künstler erhalten besagten Sound heutzutage denn für dich am Leben?

Abroo: Die ganzen Bootcamp-Künstler zum Beispiel! Die machen jetzt seit 1992 Musik, die überall gefeiert wird. Die haben sich nie mit dem Wind gedreht und machen das was sie wollen. DJ Premier macht immernoch erfolgreich Musik. Der hat so viele Songs produziert und mit jedem gearbeitet. Dann macht er auch mal was Neues - das haben die Meisten gar nicht mitbekommen. „Ain’t No Other Man“ von Christina Aguilera war von ihm. Er hat auch noch weitere für sie gemacht. Ill Bill ist auch ein Killer-Typ, wie ich finde. Ich kann dir jetzt eine Riesenliste hinklatschen, aber das sprengt den Rahmen.




Du hattest auf der JUICE CD ja auch ein gemeinsames Feature mit Termanology und Mortis One. Ihr wart auch zusammen im Studio, oder?


Abroo: Wir waren beim Heltah Skeltah-Gig in Hannover, wo Term Vorgruppe war. Wir landeten dann später im Studio mit ihm. Die Initiative ging sogar von ihm aus. Mortis und ich haben uns natürlich gefreut. Termanology ist ein sau netter Kerl, der echt mit den ganz Großen gearbeitet hat. Pete Rock, Large Pro, Premier, Hi-Tek, Alchemist oder auch M.O.P., Bun B oder den Roc-A-Fella- und D-Block-Künstlern. Wenn der Bock bekommt mit einem einen Song zu machen, dann ist das ein Traum. War ein geiler Abend. Am nächsten Tag haben sie mich zu noch einem weiteren Gig eingeladen. Ich habe eine Flasche Jägermeister mit reingeschmuggelt und denen auf den Tisch gestellt. Jetzt bin ich der „crazy german dude with the drinking problem“. Wir haben viel gelacht. Ich sehe Term auf dem Hip Hop Kemp wieder.


Als einer der Wenigen hast du den Sprung aus einer älteren Generation in die heutige geschafft und wurdest auch stets akzeptiert. War früher denn wirklich alles besser?

Abroo: Es war nicht alles besser und heute ist nicht alles schlechter. Man kann das nicht pauschalisieren. Aber das Gefühl zu manchen Dingen hat sich zum Negativen verändert. Man freut sich heute nicht mehr so über die kleinen Dinge. Oder durch das übertriebene Angebot an Releases wird man komplett übersättigt. Hip Hop Jams gibt es nicht mehr. Nur noch Auftritte von Rappern, die ihr aktuelles Album promoten wollen oder müssen. Huss & Hodn haben auf der Tour vier Stunden gespielt und es hat sich wieder wie früher angefühlt. Das hab ich hart gefeiert! Früher stand der Konsum an sich nicht im Vordergrund. Heute schon. Gut wiederum ist, dass ich heute über das Internet mehr von Künstlern mitbekomme, was mir sonst vielleicht entgangen wäre. Und man kommt heute leichter an Pornos...(lacht).

Alkohol scheint in deinem Leben ein zweischneidiges Schwert zu sein. Von den negativen Seiten mal abgesehen - hast du vielleicht eine amüsante alkoholträchtige Story auf Lager?

Abroo: Wir saßen mal besoffen in einer Kirche, nachdem wir die Nacht durchgemacht hatten. Als wir draußen waren, saßen wir in einem Park rum, da kam ein Typ vorbei, bei dem wir alle dachten es wäre ein Astronaut. Keiner hat was gesagt für zwei Minuten. Bis es einer aufklärte: Es war ein komplett angezogener Imker!

Wenn wir schon dabei sind kannst du uns auch mal gerade aufklären was es mit der Jägermeistergang auf sich hat...

Abroo: ...leider noch nicht. Da musst du noch warten.

Staiger hat sich in der rap.de-Review zu „Schatten und Licht“ unter anderem die Frage gestellt warum du dir auf Stücken wie „Himmel & Hölle“ das Büßerhemd anziehst. Wenn du möchtest kannst du an der Stelle gerne mal Stellung zu der Review beziehen und dem guten Staiger erklären was du vermitteln möchtest.

Abroo: Ach weißt du… Reviews sind Meinungen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn sich jemand wie Staiger aber offenbar so sehr mit meiner Musik beschäftigt, dann finde ich das gut. Ich will ja auch, dass es Diskussionen gibt. Alle sagen immer, dass ihre Musik Therapie wäre. Naja… Bei mir ist es das eben wirklich. Ich packe komplett aus, um damit vieles zu verarbeiten. Manche können damit nicht umgehen, weil sie es nicht gewohnt sind. Ich ziehe das Büßerhemd an, weil ich es will. Warum sollte es jemand denn sonst tun? Ich wollte von meinen Fehlern erzählen. Leute machen eben Fehler. Rapper auch. Auch wenn das in Deutschland wohl nicht gerne zugegeben wird!

Du hast erst kürzlich deinen Bachelor gemacht. Wie geht's jetzt weiter?

Abroo: Job, Familie, mehr Tattoos. Ab und zu einen Jäger mit den Jungs trinken. Hier und da eine CD rausbringen. Musik machen. Mehr will ich nicht.

Vielen Dank für das Interview! Du hast das letzte Wort.

Abroo: Ich habe immer das letzte Wort. Als Kind war das noch schlecht. Mein letztes Wort ist... Prost!


Kommentare (5) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

25.08.2009 - Abroo im Interview mit badaboombadabang [Teil 1]

Geschrieben in


Die Veröffentlichung von Abroos aktuellem Album „Schatten und Licht“ liegt inzwischen zehn Monate zurück - rein promotechnisch betrachtet hätte man sich dieses Interview also genauso gut auch sparen können. Trotzdem hat sich bei dem 32-jährigen Lemgoer in dieser Zeit einiges getan: Labelwechsel, Absolvierung des Studiums und natürlich die Vernichtung unzähliger Jägermeister. Sowieso ist es vielmehr mein Anliegen den Menschen hinter dem Künstlernamen Abroo, Andreas Biernat, vorzustellen, anstatt sich auf das aktuelle Release zu versteifen. Auch wenn zwischen dem Künstler und dem Menschen dahinter keine allzu großen Welten liegen dürften, da es der sympathische Dorfboss sowieso seit Tag 1 unten mit der Wahrheit hielt und stets recht offen über sein Privatleben sprach.

Ein sehr langes, persönliches, doch ebenso amüsantes Gespräch mit dem Boss of the Dorf über Familie, seine menschlichen Schwächen, Separates Comeback, die Kinder des Zorns-Zeit und gutes Essen. Lasst's Euch schmecken!



Die Veröffentlichung von „Schatten und Licht“ liegt jetzt zehn Monate zurück. Bist du mit der Resonanz zufrieden?


Abroo: Die Resonanz war zweigeteilt. Manche mochten die Beats nicht und haben sich dann auch nicht die Mühe gemacht die Texte zu hören. Andere sind allerdings auch jetzt erst zu meiner Musik gekommen. Ansonsten haben viele das Artwork kritisiert, was ich auch verstehen kann. Ich war damit auch nicht zufrieden.

Glaubst du überhaupt daran irgendwann einmal die gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen? Klar, Erfolg ist Definitionssache, aber ich hab das Gefühl, dass dich auch in der Szene noch viele Leute umgehen beziehungsweise denken „Ja, dieser Abroo, passt schon“, sich aber nicht wirklich mit deiner Musik auseinandersetzen.


Abroo: Ich glaube das liegt einfach daran, dass ich nicht mal annähernd ein Image habe. Teilweise bin ich einfach nicht greifbar für Leute. Hier und da eine lustige Punchline oder eine gute Song-Idee, die bei den Leuten hängenbleibt, aber keine eindeutige „Schubladenaufschrift“. Aber deshalb mache ich ja nicht meine Musik. Anerkennung bekomme ich viel, nur die Verkäufe sind nicht wie bei den „großen“ Anderen. Ich habe mit den besten in dieser Szene gearbeitet. Mit vielen Rappern und fast jedem Produzenten, habe drei Mal auf dem Splash gespielt und bin in meiner Laufbahn viel rumgekommen. Im Grunde bin ich nicht mehr auf der Suche nach Anerkennung. Fame ist irrelevant! 


Der ausschlaggebende Grund dafür, dass du Buckwheats verlassen hast war ja der, dass Separate dein neues Album letztendlich nicht rausbringen wollte und du dich einfach nicht mehr wohl gefühlt hast. Im JUICE Interview hast du aber auch verraten, dass die kleine Fehde mit Casper eine nicht unwichtige Rolle spielte. Wie bist du damit umgegangen, wenn das Thema Casper unter euch beiden zur Sprache kam?


Abroo: Ich hatte halt einfach nie den Hass auf Cas, wie Separate ihn hatte. Damals war Seppo ein sehr aufbrausender Typ, der durch den Weggang von Casper sehr verletzt war. Er hat damals Dinge gesagt, die ich nicht unterstützen konnte. Aber dass das Album woanders rauskam, hatte nichts mit Casper zu tun.

Auf „Rap Art War“ hat sich schon angedeutet, dass Casper rein raptechnisch gesehen das meiste Potential von euch hat. Was sagst du denn zu seinem Selfmade-Signing?

Abroo: Ich denke er passt dort gut hinein und wird auch den Erfolg haben, auf den er hinarbeitet. Er ist immer noch einer der talentiertesten Künstler Deutschlands. Selfmade ist ein gutes Label. Favorite ist auch krass. Momentan macht keiner so Welle wie Selfmade. Ich denke das war erst deren Anfang. Casper und ich verstehen uns zwar nicht mehr so gut, aber ich freue mich trotzdem für ihn und wünsche ihm alles Gute!


Was ist eigentlich aus Fadee geworden, dem vierten KDZ-Mitglied?


Abroo: Da habe ich absolut keine Ahnung!

Und was ist mit dem unveröffentlichten KDZ-Track, der auf deiner Festplatte herumlungert? Wie gut stehen die Chancen, dass der eines Tages rein versehentlich an die Öffentlichkeit gerät?


Abroo: Ich wette ich bin der Einzige von uns, der den hat. Ich hab den auf einer CD, die damals das Vorab-Master war, aber geändert wurde. Jetzt muss ich den nochmal hören… Also ist ein schöner Song. Casper und ich machen die Verses und Separate die Hook. Der Titel ist „ Für Fans“. Ich denke aber ich werde den als Erinnerung behalten und er wird nicht veröffentlicht. Außerdem müsste ich erst die anderen beiden fragen...

Separate hat Anfang des Jahres indirekt angedeutet, dass er wohlmöglich den Comeback-Move machen wird. Für die Foren-Kids bedeutet das natürlich, dass direkt zig Features mit dir geplant sind. Hand auf's Herz: Wie sieht dein derzeitiges Verhältnis zu Seppo aus und würdest du nochmal mit ihm in die Booth gehen?

Abroo: Wir telefonieren ab und zu. Es geht ihm gut und er studiert fleißig. Wegen den Comeback-Gerüchten müsstest du ihn allerdings selbst fragen. Und wegen „in die Booth gehen“: Abwarten und Tee trinken. Erst wenn es soweit kommen würde, mache ich mir die Gedanken drüber.


Wie ging es dir denn, als du von seinem Schlaganfall gehört hast?

Abroo: Sowas ist richtig krass. Niemanden lässt sowas kalt. Ich glaube dann merkt man auch direkt wieder wie unwichtig die Musik und die ganzen Beef-Geschichten wirklich sind.


„Schatten und Licht“ kam letztendlich über Plattenbau Ost heraus und wurde komplett in Eigenregie von Joe Rilla produziert. Wie hast du Rilla eigentlich kennengelernt?

Abroo: Ganz langweilig eigentlich: Über MySpace.


Was auf dem Album besonders auffällt ist, dass du deine Stimme nun viel gezielter einsetzt. Kann man sagen, dass du deine Stimme inzwischen mehr als Instrument siehst?


Abroo: Ich versuche schon etwas mehr mit der Stimme zu spielen, aber als Instrument bezeichne ich sie nicht. Beim letzten Album hat es einfach gepasst. Mal sehen was beim nächsten passiert. Kommt immer auch auf die Musik beziehungsweise die Beats an.

Das Konzept „Schatten und Licht“ zieht sich durch das gesamte Album. Das Album beginnt mit dem „Vorwort“ auch recht düster und endet mit dem „Outro“ recht harmonisch und klingt auf einmal „hell“. Wie bist du auf das Konzept gekommen? Wird dein nächstes Album auch wieder ein Konzeptalbum?


Abroo: Die Idee kam eigentlich von Rilla. Ich habe sie dann etwas ausgearbeitet und hatte ziemlich schnell eine Vorstellung davon, wie das Konzept aussehen soll. Das nächste Album wird kein Konzeptalbum und vor allem nicht nur mit einem Produzenten. Aber vielleicht mach ich ja einen Mix aus Rap und Country - das wäre doch mal ein Konzept, oder? Momentan schreien doch alle wie selbsternannte Professoren, das was „Neues“ her muss (lacht).

Viele haben sich daran gestoßen, dass du deine Ossi-Wurzeln auf einmal an die große Glocke hängst. Mal abgesehen davon, dass du in Halle geboren wurdest: Wieso hast du erst seit deinem Signing bei Plattenbau Ost angefangen den Osten zu repräsentieren?


Abroo: Naja, so ganz ist das nicht richtig. Auf meinem ersten Album und dem nachfolgenden Mixtape habe ich das auch schon thematisiert. Aber eben nur jeweils einmal. Ich dachte das reicht. Doch andauernd quatschen einen die Leute an und meinen ich würde aus Mainz oder Berlin kommen. Nun habe ich ein Album mit Rilla gemacht. Was haben die Leute denn erwartet? (grinst). Ich sage es zwei, drei Mal auf der CD. Keinen ganzen Song, keine großartige Wiederholung: Im Rahmen denke ich.




Du spielst auch sehr viel mit den Begriffen Glatze, Pommesbude und Bild-Zeitung. Man könnte meinen du provozierst damit gewollt in eine Schublade gesteckt zu werden.


Abroo: Nö. Null. Ich bin mittlerweile ein Landjunge und ich mag auch ehrlich gesagt dieses leicht plumpe, asoziale, einfach gestrickte Wesen der Provinz. Ich gehe oft in die Pommesbude, wie man mir ansieht. Die Bild morgens nach einer durchzechten Nacht ist immer lustig. Glatze hatte ich schon lange… Naja mittlerweile nicht mehr. Aber es waren nie Provokationen, eher ein Bild meines Umfelds. 


Was für viele Leute auch nachwievor als provokant gilt, zählt zu einer deiner  weiteren Leidenschaften neben Rap: Tattoos. Was genau fasziniert dich daran so sehr?

Abroo: Alles! Das Motiv. Das Stechen. Die Erweiterungen. Die ganze Kultur! Die Geschichten hinter jedem Motiv! Vielleicht sogar, dass es etwas Endgültiges ist! Ich muss dringend wieder hin. Ich muss.


Du sprichst auf „Schatten und Licht“ viel über Vertrauen, Ehrlichkeit und Rückgrat. Es wird zumindest schnell klar, dass du enorm viel Wert auf diese Dinge legst. Wo liegen denn deine Schwächen als Mensch?


Abroo: Ich ziehe nicht alles durch was ich anfange und bin relativ faul. Ich habe auch das Problem Menschen zu schnell ins Herz zu schließen. Viele meiner Freunde sagen auch, dass ich zu uneigennützig bin und öfter mal an mich denken soll. Ansonsten habe ich noch Schwächen für Jägermeister und große Oberweiten. Und KFC Eimer mit Wings! Saugut!

Auf dem Song „Woher soll ich es wissen“ geht es hauptsächlich um Enttäuschung und dass, du in Folge dessen misstrauischer geworden bist. Trotzdem macht es den Anschein, dass du ein sehr gutmütiger und offenherziger Mensch bist, was dann jedoch so ein bisschen im Kontrast zu der Line „Und fuck Smalltalk, ich halt es nicht aus“ steht. Ist es heute noch manchmal so, dass du in Gefahr rennst fremden Menschen zu schnell dein Vertrauen zu schenken?

Abroo: Ich habe das schon etwas abstellen können. Ich weiß nicht ob meine Menschenkenntnis schlecht ist oder ich zu schnell einem Lächeln glaube. Das Offenherzige behalte ich wohl für immer, aber ich sollte einfach meine Grenzen besser abstecken. Mit „Fuck Smalltalk“ meinte ich diese so ekelhaften Versuche anderer etwas von mir zu bekommen. Dann kommen zwei bis drei Standadtfragen über mein Wohlbefinden, das Wetter hier und was die Musik macht und dann: Zack – „Kannst du mal…hast du mal?“ Was sowas betrifft bin ich schon etwas zurückweisender geworden.


Besonders hängengeblieben bei mir ist die Zeile „Also schreib mir nicht, dass du es dauernd brauchst, denn ich wach jeden Morgen neben meiner Traumfrau auf“ - diese Aussage ist gerade bei Rappern ja eher ungewöhnlich. Oder zumindest die Tatsache, dass man es so auf den Punkt bringt. Auf dem Album sagst du jedoch auch, dass du Frauen oft schlecht behandelt hast.


Abroo: Ich bin bestimmt kein Engel, habe definitiv Fehler gemacht. Aber dieses Groupie-Ding habe ich nie gefeiert. Da draußen rennen soviel Rapper rum, die glauben es sei besonders cool eine 16-Jährige in einem Hotelzimmer den Arsch entjungfert zu haben. Naja… Wenn sie mal eigene heranwachsende Töchter haben wird es immer noch Musiker geben, die alles mitnehmen was sie kriegen. Mal sehen wie cool es dann noch ist!


Nicht dass K.I.Z. die Ersten gewesen wären, die mit einer ordentlichen Portion Humor über ihre (Traum-)Frauen rappen. Aber wurdest du bei „Traumfrau“ von den Jungs beeinflusst?


Abroo: Ich hab auf einem Konzert ein Mädel gesehen die ein M.O.P.-Shirt und Timberland-Boots trug und alles was sie hatte geschüttelt hat. Den Anblick habe ich hart gefeiert! Am nächsten Tag habe ich direkt angefangen zu schreiben. Das K.I.Z.-Album hatte ich damals noch gar nicht gehört. Ich finde auch, dass es schon sehr unterschiedliche Songs geworden sind. Das Augenzwinkern ist das Gleiche, aber beeinflusst wurde ich durch die Olle. Ich hoffe ich sehe die auch noch mal wieder (grinst).

Inwiefern stimmt die Beschreibung deiner Traumfrau im gleichnamigen Song denn mit deiner echten Freundin überein?


Abroo: Hahaha! Das bleibt deiner Fantasie überlassen. Ein paar Dinge stimmen vielleicht, aber das Meiste ist und bleibt Traumvorstellung. Der „Such dir ein Loch aus!“ – Satz, den hat meine Freundin eingesprochen. Ich hoffe die Eltern hören das nicht und sprechen mich beim Truthahn-Essen drauf an.

Ende der Achtziger Jahre hast du in Berlin ein Sportinternat besucht. Heute scherzt du mit Hammer & Zirkel über eure Pfunde und haust Slogans wie „No Hunger“ raus. Ohne Essen geht nix, wa?


Abroo: Ja Mann! Ich habe einen gesunden Appetit. Ich mag Menschen, die gerne essen. Hier auf dem Land ist die Luft so sauber, das macht Hunger. Aber in Berlin ist das Futter billig. Also egal wo ich hinkomme, irgendwie gibt es immer was. Ich lasse mich auch immer gerne bekochen. Dra-Q kann kochen. Lakmann auch. Jetzt hab ich Hunger... Mist!




Welche drei Gerichte würdest du denn niemals missen müssen und warum?

Abroo: Doppelcheeseburger mit Beilage Chili-Currywurst aus der Currybox in Berlin, der kann was! Der KFC Bucket mit Wings… da haste lange was von. Schmeckt auch kalt am nächsten Morgen! Und der Nudel-Schafskäse-Salat von meiner Oma. Schmeckt seit 20 Jahren schon gut!


Bleiben wir mal bei der Vergangenheit: Auf „Himmel & Hölle“ sagst du „Ich hab vor Jahren einem Typen mit ner Schreckschuss ins Gesicht geschossen“. Du hast damals auch mit Waffen gehandelt. Wie bist du da rein geraten?

Abroo: Eher durch Zufall. Im Spanienurlaub habe ich eine Uzi gekauft - für einen Schnäppchenpreis. Da fing es an. Aufgehört hat es mit der Sache, die glücklicherweise gut ausgegangen ist. Damals war ich 18 oder so. Ist also lange her. Ich war dumm und habe auf alles geschissen. War alles Blödsinn und man hatte „Menace“ vielleicht einmal zu oft gesehen, haha! Aber in dem Song geht es ja generell um Sachen, die ich sehr bereue. Rapper bereuen irgendwie nie etwas und halten das für eine Schwäche. Habe ich wohl doch was Neues gemacht, wa?


Wann hat es denn bei dir Klick gemacht und du hast realisiert, dass es so nicht weitergehen kann?


Abroo: Es hat erst spät Klick gemacht! Es waren immer Andere an allem Schuld - kennt man ja. Opferrolle... Und ich meine das nicht im „Rap-Straßen-Jargon“! Irgendwann stand ich vor einem völlig versauten Lebenslauf. Meiner Mutter ging es immer schlechter und ich musste mich kümmern. Ich denke das war es auch was geholfen hat zu begreifen, dass es mir eigentlich so gut geht. Das sollte man nicht wegschmeißen oder vergessen.

Deine Mutter scheint eine überaus wichtige Rolle in deinem Leben zu spielen. Erinnerst du dich noch an den Moment, als du von ihrer Erkrankung erfahren hast?


Abroo: Nein! Sie bekam es als ich drei Jahre alt war. Ich bin damit aufgewachsen: Die Ärzte, der Rollstuhl, ihre Schmerzen. Am Ende konnte sie nur noch die Augen bewegen. Sie lag einfach 24 Stunden in einem Bett und war zu 100 Prozent hilfsbedürftig. Sie ist vor eineinhalb Monaten verstorben. Sie hat leider nicht mehr mitbekommen, dass ich mein Studium beendet habe.


Darauf wollte ich noch zu sprechen kommen: Auf dem Song „Kein Mitleid“ sagst du bezüglich Studium, etc.: „Ich hab alles abgebrochen, nix zu Ende gebracht“ - aber warum denn? Du reflektierst in dem selben Song doch sogar noch unter welchen Bedingungen du leben musst.

Abroo: Ich habe das Studium doch noch beendet! Einen Tag nach dem Tod meiner Mutter habe ich die Abschluss-Prüfung bestanden. Ich hatte das Abi abgebrochen, die Lehre abgebrochen. Ich hatte ihr versprochen wenigstens das zu Ende zu machen. Und das habe ich!


Man verbindet den Künstlernamen Abroo auch stets mit Vaterhass. Auf „Zwischen Liebe und Hass“ hast du bereits gesagt, dass du nun über den Dingen stehst. Das schockierende „Kopfgeld“ Video ist inzwischen aus dem Netz verschwunden. Siehst du die älteren Texte heute selbst als zu krass an oder siehst du das Ganze inzwischen einfach nur abgeklärter?

Abroo: Natürlich habe ich immernoch Hass auf meinen Vater. Aber man wird langsam älter und denkt eher über die Sachen nach, die man schreibt oder sagt. Zu krass… würde ich nicht sagen. Aber ich würde es nicht mehr mit dem Vorschlaghammer versuchen. Ich habe das Thema auch einfach abgeschlossen.


Wann hattest du denn das letzte Mal Kontakt zu deinem Vater? Hat er in all der Zeit nicht versucht nochmal Kontakt mit dir aufzunehmen?


Abroo: Es gibt keinerlei Kontakt mehr zu ihm. Das letzte Mal habe ich ihn vor neun Jahren in einem Gerichtssaal gesehen. Mir ist es einfach komplett egal was er macht und wie es ihm geht. Das nächste und letzte Mal, dass ich mit ihm zu tun haben werde, wird der vom Amt gesendete Erbschein sein. Aber es wird keine Tränen geben, soviel steht fest.


Als ich damals in „Kopfgeld“ die Zeile mit dem Dildo hörte war ich erstmal sprachlos. Du selbst sagst, dass es nichts bringt sich selbst zu bemitleiden, da das Leben ohnehin weitergeht. Jedoch kann ich es verstehen, wenn man sich denkt „Krass, was ein armes Schwein“. Wie gehst du damit um?

Abroo: Ach, schau mal: Es gibt so viele Menschen um mich, denen es um einiges schlechter geht als mir. Ich heule nicht auf Tracks rum! Wenn ich etwas zu meinen Umständen sage und in Songs thematisiere, dann nur um es in Tracks zu verarbeiten. Vielleicht kommt vieles einfach schockierend, weil ich so offen über alles rede. Viele sind erst mal überrumpelt. Ich kann aber so am besten damit umgehen. Ich bin kein armes Schwein - ich bin zufrieden und bin gesund. Eigentlich hab ich auch alles was man braucht, um glücklich zu sein. Andere legen da die Messlatte vielleicht woanders hin als ich.


Machst du dir manchmal Gedanken darüber was du deinem Kind erzählen wirst, wenn es dich fragt wo denn Opa ist?


Abroo: Dann sag ich ihm, dass er einen Opa, der Schwiegervater, hat. Den anderen gibt es nicht. Selbst wenn, wäre es kein guter Umgang. Aber erstmal muss ein Kind her.


Je intensiver man sich mit deiner Lebenslaufbahn beschäftigt, desto klarer wird einem was du schon alles durchgemacht hast und dass du vieles im Leben auch relativ gelassen siehst. Lässt sich Abroo denn überhaupt noch aus der Ruhe bringen? Bei was platzt dir denn der Kragen? Mal abgesehen von illegalen Downloads und dem üblichen Rapper-Übel.

Abroo: Illegaler Download ist mir auch egal. Hehehe! Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Die Generation die nachrückt hat es ja auch nicht anders gelernt. Deutschraps Golden Era ist längst vorbei. Aber zurück zur Frage: Mich regt Ungerechtigkeit auf. Und Doppelmoral. Leute, die mir was von Ehre erzählen wollen und selbst völlig feige und kindisch sind. Aber im Grunde regt mich wenig auf... ich denke ich werde 120 Jahre alt. Mein Blutdruck ist killer!


Du wirst als einer der charismatischsten Hunde in der deutschen Rapszene gehandelt. Bedeutet dir dieser Ruf irgendwas?

Abroo: Bedeuten nicht unbedingt. Aber ich mag es. Ich bin ein herzlicher Mensch und viele Leute merken das auch. Sowas ist mir lieber als wenn sie in einem nur den Rapper sehen. Das Rapper-Ding hört irgendwann mal auf, aber der Mensch bleibt. Deswegen ist es mir wichtiger mit Leuten auf der menschlichen Ebene klar zu kommen als auf der künstlerischen. Ich kann auch mit jemandem einen saufen, der meine Mucke nicht mag. Das können andere nicht. Die brauchen diese Anbeterei!


Du bist ein ziemlicher Fan von der typischen Underdog-Story. Du betitelst dich auch selbst als solcher. Nehmen wir an du könntest bei deiner Geburt zwischen brokem Underdog und reichem Bonzenkind ohne Probleme und Schicksalsschläge wählen - für was würdest du dich entscheiden?

Abroo: Eine solche Frage kann man schwer beantworten. Aber ich denke jeder, der ohne Geld aufgewachsen ist, würde sich für das Geld entscheiden. Ich mich auch. Dann hätte ich meiner Mom vielleicht durch teure amerikanische Ärzte ein paar mehr Jahre „erkaufen“ können. Hätte, würde… weißt schon. Bonzenkind klingt übrigens sehr abwertend. Die suchen es sich ja nicht aus. Abgesehen davon gibt es bestimmt auch reiche Kids, die trotzdem keine verwöhnten Arschlöcher geworden sind. Wenn die dann rappen würden, hätten sie es schwerer und wären automatisch selbst Underdogs.


Wenn man heutzutage die Diskussion führt wer denn die Punchlines, wie man sie heute in Deutschland kennt, hierzulande eingeführt hat fallen häufig die Namen Snaga und Pillath. Du warst jedoch zweifelsohne auch einer der Pioniere. Denkst du dir stehen da einige Lorbeeren zu?

Abroo: Was soll ich mit Lorbeeren? Kann man da Schnaps draus machen? Nee… Mal ernsthaft: Ich habe früh damit angefangen. Was heute Standard ist, habe ich teilweise schon Ende der Neunziger auf Tracks rausgehauen. Aber das macht ja meine Musik nicht besser oder schlechter. S&P hatten einfach eine krassere Dichte. Da war ja jede Zeile eine Punchline. So habe ich das nie gemacht. Das wäre für mich selbst schnell langweilig geworden. Die Jungs haben das der großen Masse sehr gut vor den Latz geknallt. Allerdings könnte das Problem entstehen, dass jetzt jeder nur noch sowas von ihnen hören will. Da könnten andere Inhalte der Jungs untergehen, weil die Fans weiter bedient werden wollen, mit dem was sie wollen und nicht mit dem was die Künstler ihnen geben wollen. Bedarf und Nachfrage sind ekelhafte Begriffe, wenn es um Musik geht.


Auf deinem MySpace werden „Gefallene Engel“ und „Underdogs Musik“ als deine neuen Projekte angekündigt. Was genau hat es damit auf sich?

Abroo: Leider kann ich darüber noch nichts sagen, aber ich biete dir an, dass du der Erste bist, der Infos bekommt, wenn es spruchreif ist. Es ist jedenfalls was so noch nie Dagewesenes und könnte interessant werden!


Ein Mixtape mit Shusta war doch auch noch in Planung, wenn ich mich recht erinnere.

Abroo: Ja, das stimmt. Allerdings hab ich es wohl selbst verkackt. Der Shusta hat mir sauviele krasse Beats geschickt und ich hatte auch angefangen, doch da müsste ich nochmal mit ihm sprechen, ob das Angebot noch aktuell ist.


Fortsetzung folgt...




* Anmerkung von badaboombadabang:

Da ich Euch mit über 50 Fragen nicht überfordern möchte habe ich das Interview in zwei Teile aufgeteilt. Hierbei handelt es sich also lediglich um den ersten Teil des Interviews. Der zweite Teil wird übermorgen gegen 16 Uhr online gehen! Gesprächsthemen unter anderem: Das Ende der "Sopranos", Joe Rillas Verhaftung, Dirk Bernemanns Buch "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" und was "Schatten und Licht" damit zu tun hat und Abroo erzählt wie es zu dem Feature mit Termanology kam und warum der Boombap-Sound sowieso das Beste ist was es gibt. Dranbleiben, Kameraden!


Kommentare (13) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

28.06.2009 - JAW im Interview mit badaboombadabang + Exclusive "Pferde stehlen" [Download]

Geschrieben in


Am 12. Juni erschien über das Freiburger Label Weisse Scheisse die „Menschenfeind“ EP von JAW & Hollywood Hank. Die Mission der beiden Misanthropen? Wie der Titel der EP schon verrät: Ihre Abneigung gegenüber der Menschheit zum Ausdruck bringen.


Im Interview mit badaboombadabang sprach JAW unter anderem über die EP, das anstehende PCP-Album, sein neues Soloalbum „Täter-Opfer-Ausgleich“ und sein noch unveröffentlichtes Feature mit Morlockk Dilemma. Natürlich stets mit einem leichten Augenzwinkern - yeah, Jotta-Style...




Hi JAW! Erzähl am besten erstmal etwas zu der EP. Wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine gemeinsame Platte aufzunehmen? Und wieso der Titel „Menschenfeind“?


JAW: Hallo. Wir finden uns gut, das bedeutet: Ich finde Hollywood Hank gut, Hollywood Hank findet mich gut. Wir kamen auf die Idee zusammen etwas Gutes zu machen... Menschen zu hassen halte ich für eine hervorragende Angelegenheit und wir beide sind große Befürworter dieser Politik. Folglich taten wir was wir tun mussten: Endlich ein bisschen Hetze gegen uns selbst und die anderen Trottel betreiben, damit endlich mal endgültig alle wissen, dass der Mensch ein ziemliches Krüppelschweinchen ist.


Hank war eine Woche bei dir zu Besuch in Freiburg. Wie liefen die Arbeiten an der EP ab?


JAW: Man steht auf, er drängt einen das erste Bier zu trinken. Man sagt nach der Androhung körperlicher Gewalt meist nicht mehr „Nein und versucht entspannt einen Text zu schreiben, den dann auf's gehörigste hinzurotzen. Abends trinkt man noch mehr Bier und droht dem anderen kurz rohe Gewalt an, kurz bevor man seelenruhig einschläft.


Ich kenne ein Video von einer Studiosession, in dem du mit den restlichen PCP-Mitgliedern an Eurem anstehenden Album „Lache und die Welt weint mit dir“ arbeitest: Während Maexer auf deinem Bett schlummert, Rynerrr Bier trinkend daneben sitzt und Kash grundlos rumpöbelt und auf einer Gitarre herumdrescht, stehst du gefühlte zwei Stunden vor dem Mikrofon und versuchst deinen Part sauber einzurappen. Auch Hollywood genießt den Ruf ziemlich unzuverlässig zu sein. Ist es nicht manchmal schwer die Nerven zu behalten und den Laden zusammenzuhalten?


JAW: Hmm, ich dachte immer die Leute fangen an rumzupöbeln weil ich einen Sechzehner nicht unter dreieinhalb Stunden einrappe. Ich vermute schon lange die Unzuverlässigkeit aller Menschen basiert auf meinen persönlichen Fehlern.


Hat dich der Film Menschenfeind von Gaspar Noé auf irgendeine Weise inspiriert? Auf deinem Album "Schock fürs Leben" hast du bereits mehrere Zitate aus dem Film als Skits verwendet.


JAW: Inspiriert äh. Faszniert, ja gar kalibriert? Ich hab keine Ahnung was ich dazu sagen soll…


Was ich auf der EP ein bisschen vermisse ist ein Song, der den Ursprung Eurer Abneigung gegenüber der Menschheit genauer erklärt. Das ist auch ein Kritikpunkt, der Euch häufig vorgeworfen wird: Dass Eure Texte quasi zu vorhersehbar sind. Warum habt Ihr auf einen solchen Thementrack verzichtet?


JAW: Ich will da nix erklären. Das geht doch niemand was an. Wieso können nicht einfach alle zu apokalyptischen Hymnen schunkeln? Sich einfach mal brüderlich an den Händen fassen und „Mensch du altes Arschloch, fahr doch nach Hause!“ singen?


Wenn Ihr den Ursprung also schon in keinem Song thematisiert, dann kannst du ihn uns ja jetzt erklären...


JAW: Ne, ich bin ja nicht Peter Lustig.


Nach vielen Tiefs und Enttäuschungen kommt wohl so gut wie jeder Mensch irgendwann an einen Punkt, an dem er sich sagt: „So, ab jetzt fall ich auf nichts mehr herein!“ Ertappst du dich denn manchmal trotzdem noch dabei, dass du Menschen zu schnell vertraust oder zu schnell Gefühle entwickelst?


JAW: Ich ertappe mich oft dabei, dass ich einigen sehr schnell meinen Schwanz reinschieben möchte…


Hat sich dein Menschenhass im Alltag denn schonmal ausschweifend bemerkbar gemacht, so dass du es im Nachhinein bereut hast?


JAW: Ja du, ich hab Sachen gerissen, das glaubt ihr mir nicht! Aber das darf ich jetzt auch alles nicht sagen, sonst disst mich irgendjemand, das wäre schrecklich.


Was müsste denn geschehen um dich vom Misanthropen zum Philanthropen zu wandeln? Oder ist dies aufgrund der Erfahrungen die du gesammelt hast schier unmöglich?


JAW: Ich denke ich bin bereits ein Philanthrop. Ich schenke der Welt wunderschöne Musik eines Misanthropen. Ist es nicht so? Ist es nicht so wenn man alle Entitäten unseres Daseins auf diesen einen Kern reduziert?


Ihr habt Euch bei der Featureauswahl hauptsächlich auf Künstler aus dem Weisse Scheisse-Umfeld beschränkt. Erzähl mal wie es zu den Features kam!


JAW: Ganz einfach: Gandhi und Rahzkroneprinz sind gute Kollegen von mir. Gandhi hing eben auch hier rum in der besagten Woche und da haben wir uns kurz am Öhrchen gezwickt und eine „Zusammenarbeit“ vereinbart. Rahzeatze ist auch auch hier aus Freiburg und der hat gut auf den Kranke Welt Track gepasst. Private Paul, the artist formally known as Kash, war natürlich auch hier und hat da kurz was eingerotzt. Features kommen bei uns schnell zustande, da wir die meisten hassen und die wir nicht hassen müssen mit uns rappen, da gibt's kein wenn und aber.




Du hast 2007 dein eigenes Label Weisse Scheisse gegründet. Wie finanzierst du denn beispielsweise die Presswerk-Kosten, in Anbetracht der Tatsache, dass sich letztes Jahr sämtliche Labels und Künstler aus dem hiesigen Rapgeschehen verabschiedet haben?


JAW: Die Grundinvestition ins Label kamen aus persönlichen Ersparnissen meinerseits aus der Zivizeit. Dank unserer korrekten Fans hat sich die CD gut verkauft und wir stehen finanziell nicht schlecht da, auch wenn mein Arbeitsaufwand in keinem Verhältnis zu den Einnahmen steht, aber wir wollen und durchaus steigern noch. Das Geld mehrt sich auf jeden Fall!


Du selbst warst auch schonmal im Gespräch mit Selfmade Records. Wieso kam es letztendlich zu keinem Signing?


JAW: Puh. Weiß ich auch nich genau. Ich denke, die Musik die ich momentan mache ist auch ein Stück zu kontrovers und unkorrekt, um bei den Verkaufszahlen eines Tonis oder Favs überhaupt mithalten zu können. Aber ich muss tun was ich tun muss, egal wie das verkauft wird und von wem.


Nun nahm Selfmade Anfang des Jahres Casper unter Vertrag, der in der Vergangenheit auch schon desöfteren nichts als gute Worte für dich übrig hatte. Hast du dich für ihn gefreut?


JAW: Klar. War ein guter Move von Slick. Casper hat 'ne breite Fanbase und ist sehr gut und einzigartig in dem was er tut.


Kaas musste wegen seines Songs Amokzahltag massig (unangebrachte) Kritik einstecken und als Sündenbock für den Amoklauf in Winnenden herhalten.

Du hast das Thema Amoklauf auf dem Song Sein Tag auch schonmal behandelt. Wie hast du die ganze Hetzjagd auf Kaas aufgenommen?


JAW: Also ich weiß nur, dass ich dieses Video gesehen habe und es gut finde. Ich denke mal der Großteil der Politiker hat für die Hintergründe eines Amoklaufs soviel Einfühlungsvermögen wie ich für die restlichen Tracks auf dem Kaas Album. Sollen die die fröhlichen Sachen hören und ich überprüfe ob jemand gut nen Amoklauf inszeniert.


Wie hättest du denn reagiert, wenn man dich für Sein Tag dermaßen an den Pranger gestellt hätte?


JAW: Keine Ahnung... Mich über die Promo gefreut? Mich erst tierisch aufgeregt und mich dann über die Promo gefreut?


Denkst du denn, dass es sich in Zukunft überhaupt verhindern lässt, dass irgendwelche Jugendlichen schwerbewaffnet in die Schule rennen und um sich schießen? Ich persönlich denke, dass man es nicht verhindern kann. Lediglich der Schritt von in Erwägung ziehen zu in die Tat umsetzen lässt sich durch zum Beispiel verschärfte Waffengesetze verhindern.


JAW: Nein, ich denke durchaus, dass man das verhindern kann, indem man die Kids in den Schulen auch mehr unter pädagogischem Augenmerk betreut und somit Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Mobbing verhindert. Zudem halte ich auch so was wie Seelenkunde für sinnvoll. Die meisten wissen ja nicht mal was man tun kann, damit es einem besser geht weil sie alle nur noch in Geschichtsdaten, Spanischvokabeln und Deutschreferaten herumirren… So funktionieren Menschen nicht.


Der Titel des bereits angesprochenen neuen PCP-Albums lautet „Lache und die Welt weint mit dir“. Was wollt Ihr damit aussagen?


JAW: Wir wollen damit sagen, dass wir alle frohlockend grinsen, während wir die Welt in die Luft jagen, die das ganze mit verminderter Begeisterung aufnimmt. Natürlich auch weil wir generell sehr, sehr fröhliche Menschen sind.




Du sagtest bereits im Vorhinein, dass dich Verkaufszahlen reichlich wenig interessieren. Was ist denn Euer Ziel mit dem Album?


JAW: Sagte ich das? Da hab ich mich wohl versprochen… Ich meinte, dass mich Verkaufszahlen reichlich herzlich interessiern! Klar wollen wir auch was verkaufen, ich hab einfach kein' Bock 50 Stunden in der Woche in Labelarbeit zu investieren, wenn ich dafür nix krieg. Ich bin doch kein Vollidiot!


Ich habe im Internet kürzlich die Aussage „Die klingen ja schon stark nach K.I.Z.“ gelesen.

Ihr habt als PCP bereits vor sechs Jahren über Techno-Beats und Fleisch gerappt und eine gewisse Punk-Attitüde an den Tag gelegt. Was denkst du dir nun also, wenn Euch Leute vorwerfen Ihr würdet kopieren? Wird man da manchmal nicht sogar etwas neidisch oder es kommen Zweifel auf?


JAW: Puh äh. Das interessiert mich reichlich wenig...äh herzlich reichlich...äh wenig! PCP gibt es schon so lang und K.I.Z. sind schon irgendwo ähnlich, aber die machen eher so HipHop-Punchlines und wir halt Weltzerfickermusik. Sie rappen allerdings auch über Fleisch und da wir die eindeutigen Erfinder des Fleischraps sind, wird es eventuell noch zu einem Faustkampf kommen...


Du hast für die JUICE auch einen gemeinsamen Song mit Morlockk Dilemma aufgenommen. Wie kam der Kontakt zustande?


JAW: Über den Adolph Gandhi, der hat da feuchtfröhlich über MySpace mit Morlockk gechattet und da wurde irgendwann klar, dass wir uns gut finden. Das heißt: Ich finde Morlockk gut und Morlockk findet mich gut und wir wollten was Gutes machen. Ein JUICE-Track, auf einen Beat von mir, erwartet das Volk in der nächsten Ausgabe! Eine wahre Bombe kann ich hier nur vorwegnehmen...


Im Interview mit Abroo hab ich vorgeschlagen er soll sich Morlockk, Rynerrr und dich schnappen und „ein düsteres Endzeitstimmung-Album“ aufnehmen. Quasi die Vertonung von Martin Scorseses „Taxi Driver“. Wärst du denn gewillt dieser Rap-Supergroup beizutreten?


JAW: Puh also Rynerrr hätte da kein' Bock, der rappt eh eher ungern und ich kenne jetzt nicht viel von Abroo, aber bin glaub ich auch kein großer Fan, was weiß ich denn! Ich mach jetzt erstmal paar Sachen mit Morlockk...


Du hast bei der letzten „Dein 16er“-Staffel das Finale erreicht. Nach deiner Ausscheidung und diversen Aussagen deinerseits wurde auch viel über dein Verhältnis zu Pillath, der im Finale in der Jury saß, gemunkelt...


JAW: Ja, munkelschunkeldidunkel! Keine Ahnung, wenn ich ein ernsthaftes Problem mit Pillath hätte würd ich das mit ihm klären oder einen Track machen. Ich glaube er ist einfach kein großer Fan vom „Big Bollath Skit“ auf „Gehirn im Mixer“, dabei war das großes Kino!


Das PCP-Album befindet sich bereits im Mastering und du arbeitest insgeheim schon an deinem neuen Soloalbum. Kannst du dazu schon etwas verraten?


JAW: Also das nächste JAW-Album wird unfassbar brutal und zugleich wieder sehr, sehr witzig. Ich bin ja eine sehr, sehr, sehr witzige Person und mache sehr gerne witzige Musik. Leider ist vieles auf dem Album gar nicht witzig, weil ich ein paar Dinge aus meiner Vergangenheit herzhaft in den Arsch ficke. Man hat also eine Mixtur aus Töten und keck in die Kamera zwinkern. Genau mein Ding. Der Titel wird vermutlich „Täter-Opfer-Ausgleich“ lauten.


Ich durfte ja schon in den Genuss zweier Hörproben deines neuen Solowerkes kommen. Textlich hast du dich darauf um 180 Grad gedreht und kehrst mehr oder weniger auf alte Pfade zurück. Viele deiner Fans fordern auch schon seit geraumer Zeit „den JAW zu „Schock fürs Leben“ Zeiten“. Wieso erst jetzt dieser textliche Wandel?


JAW: Ich weiß nicht genau was da immer alle haben. Das ist einfach sehr direkt und weniger Entertaining. Ich mach eh was ich will, aber auf dem Album wird beides sein. Vielleicht geht's mir irgendwann zu gut um diesen düsteren Scheiß überhaupt noch machen zu können, deswegen wird die Zeit genutzt.


Du hast mir gegenüber erwähnt, dass das Album „bitterböse und zugleich wohl das emotionalste und ignoranteste Album ever“ werden wird. Du hast dir auch ein Konzept für das Album einfallen lassen.


JAW: Nunja, mein ursprüngliches Bedürfnis war mit ein paar Dingen aus meiner Vergangenheit endlich abzuschließen - das werde ich aber nicht in keuscher Unterwürfigkeit, sondern mit einem gehörigen Donnerwetter. Dieses ziemlich düstere Donnerwetter findet auf dem Album statt. Da ich eigentlich ja aber auch ein sehr, sehr, sehr wirklich außerordentlich witziger Mensch bin, wollte ich auch ein paar lustige Dinger drauf haben, in denen ich sozusagen mit einem verzerrten Lächeln der Welt ein bisschen von dem zurückgebe, was ich in ihr erleben durfte.


Vielen Dank für das Interview! Dir gehört das Schlusswort.


JAW: weissescheisse.de! Kauft „Menschenfeind“! Unterstützt schwule Musik!



JAW feat. Adolph Gandhi & Rahzkroneprinz - Pferde stehlen


Kommentare (7) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

19.01.2009 - Maeckes im Interview mit badaboombadabang

Geschrieben in
Verrückt: Während die meisten Paare nach einer Trennung entweder den Pseudo-Ehekrieg vom Zaun brechen oder um jeden Preis versuchen etwas aus der schönen, gemeinsamen Zeit zu erhalten oder gar wieder herzustellen, bevorzugen Maeckes & Celina es ein gemeinsames Lied aufzunehmen. Und auch wenn die beiden den Gedanken „Was für ein gefühlskalter Bastard... wohlmöglich teilen, ist aus dem einen Song letztendlich ein ganzes Album geworden. Sie stellen nunmal „Kunst über Vernunft“. Zeit für ein paar Fragen.



Meine Mutter hat auf einer Autofahrt, bei der ich Kunst über Vernunft zum ersten Mal gehört habe, ab und zu mit dem Kopf genickt. Schlimm?

Maeckes: Absolut nein - hocherfreulich. Würde sie das bei „L.O.V.E.“ von Eko & Valezka auch tun ist die Frage? Aber auch wenn, ist das auf jeden Fall eine gute Sache.

Das muss ich fragen: Mit welchen und wie vielen Drogen muss man vollgepumpt sein, um auf die Idee zu kommen, unmittelbar nach einer Trennung, einen gemeinsamen Song aufzunehmen?

Maeckes: Man muss einen merkwürdigen Lebensabschnitt haben, ein bisschen manische Züge entwickeln, ein paar Post-Depressionen und der absolute Verfall der Kunst, also: Der Kunst verfallen. Dann braucht man nicht mehr viele Drogen - das ersetzt die meisten. Dann braucht man vielleicht noch ein bisschen Hero, aber sonst nix mehr…

Wenn man, nachdem man sich voneinander getrennt hat, doch noch über geraume Zeit aufeinander hängt - versucht man dann nicht einen Kompromiss zu schließen, so von wegen: Lass uns nochmal einen neuen Versuch starten?

Maeckes: Abgesehen davon, dass das nie eingetreten wäre, hing man gar keine geraume Zeit aufeinander. Wir haben „Schade, Arschloch“ gemacht und dann ist Celina zurück nach Berlin. Dann ging's hin und her und ich muss ehrlich sagen: Jetzt im Nachhinein betrachtet, hab ich Celina, und ich glaube auch sonst keinen, damals als Mensch wahrgenommen. Celina war nur ein Medium, dass für das Werk „Kunst über Vernunft“ seine Stimme und Gefühle geliehen hat. Der Rest waren Menschen, die nicht existent für mich oder Schaulustige oder Smalltalkbojen waren. Das (ich) war damals ein bisschen extrem.

Wer hatte, aus deiner Sicht, eher mit der Trennung zu kämpfen? Du hast dich von Celina getrennt...

Maeckes: Sie. Bei mir sind die Gefühle wirklich schnell verebbt, ohne dabei etwas an Land zu spülen, was ich nicht hätte ins Meer zurückwerfen können.



Kümmern dich die Meinungen der Presse zu Kunst über Vernunft überhaupt, da es ja einen solch persönlichen Hintergrund hat?

Maeckes: Joa, ich war schon gespannt wie die Reaktionen dazu aussehen, aber ich glaube, die härtesten Kritiken haben wir uns auf dem Album selber gegeben. Also ist der Rest nicht mehr ganz so groß für mich. Es kümmert mich schon, aber halt nicht wie sich eine Krankenschwester um einen kümmert - ich bin nicht abhängig davon.

Dein persönlicher Tipp beziehungsweise notwendige Voraussetzung für eine glückliche Beziehung?

Maeckes: Ha! Äh… eine parallele Entwicklung, jedes mögliche Update runterladen, äh… Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Wie es die Bravo einst schon so weise prophezeite.

Im Booklet zu Als waeren wir Freunde sagtest du bei deinen Danksagungen, dass "diese Welt eine bessere Welt wäre, wenn alle ein wenig seltener Danken würden". Im Kunst über Vernunft Booklet hingegen, dankst du Celina für alles. Wie kommt's?

Maeckes: Erstmal: Sehr gutes Maeckes-Fachwissen oder auch sehr gut recherchiert. Ich glaube, bei den „Als waeren wir Freunde“ Danksagungen dominierte die Ironie, bei „Kunst über Vernunft“ eher ein unironisches Bedürfnis der Dankbarkeitskundtuung.

Was steckt eigentlich hinter deinem Alter Ego Kwerque Radaus?

Maeckes: Alle verworrenen, von Gefühlen geleiteten, stark humpelnden Schattenseiten-Songs, die eine durchweg dunkle Seite von Maeckes aufzeichnen. Es gibt ein nie erschienenes Album namens „Oase EP“, unter diesem Pseudonym, sowie etliche weitere unreleaste Lieder. Bei „Kunst über Vernnuft“ hab ich das Aka aber in letzter Sekunde zurückgezogen und mich für Maeckes entschieden, weil es schon mehr Maeckes ist. Ich glaube, ich hatte nur Schiss am Anfang und wollte das Ganze deshalb unter Kwerque laufen lassen. Ich glaube, das ist bei allen Kwerque-Songs so.

Ihr habt Kunst über Vernunft im Voraus, als erstes ehrliches Album angekündigt. Ist das ein Manko Deutschraps? Dass man zu selten ehrlich ist?

Maeckes: Das hab ich auch schon in selbigem Blog noch klarzustellen versucht: Deutschrap ist vielleicht viel öfter ehrlich als man denkt. Jetzt nicht was die Inhalte angeht, sondern was das Gesamte angeht. Man muss nur genau hinschauen, sich Live-Auftritte ansehen und man kann inmitten all der Lügen jede Menge Ehrlichkeit wiederfinden.

Gab es deiner Meinung nach ansonsten wirklich überhaupt keine aufrichtigen Songs in letzter Zeit? Ich fand zum Beispiel Snaga & Pillaths Einen Tag durchweg ehrlich.

Maeckes: Fand ich auch. Hat mich auch ehrlich gesagt ein bisschen überrascht von den Jungs - sehr pathetisch. Aber ich fand es gut Punchlinerappern auch auf so einer Ebene zu begegnen. Es gibt schon aufrechte Songs: Ich hab zum Beispiel das neue Tua-Album vorab von Tua bekommen und da gibt’s auch so aufrichtige Songs. Zudem musikalisch komplett gewagt von Tua - das nenne ich ehrlich.

Aus welcher Motivation heraus hast du Don't Ask geschrieben?

Maeckes: Aus der Motivation, der Idee, die mich Nachts irgendwann auf einer Reise heimgesucht hat, einigermaßen gerecht zu werden.

Auf selbigem Song sagst du, dass ein guter Schulabschluss nicht zwingend notwendig ist, er allerdings auch nicht schaden kann. Was für einen Abschluss hast du, wenn ich fragen darf? Und was hälst du vom deutschen Schulsystem  beziehungsweise Schule an sich?

Maeckes: Abitur. Ich bin einmal sitzen geblieben und hab mich dann, obwohl ich eigentlich nur Lyrics geschrieben oder Comics gemalt hab – keine Ahnung wie?! - bis zum Ende durchgeschlagen, was obwohl ich den Wisch nie gebraucht hab, bis jetzt eine gute Entscheidung war. Es gibt einem die theoretische Möglichkeit irgendwann noch einen anderen Weg gehen zu können. Und oftmals reichen theoretische Alternativen im Leben aus, um jemanden unsichere Wege gehen zu lassen. Das Schulsystem ist Pisse, fördert keine individuellen Talente, sondern ein Klima des Leistungsdrucks und der Funktionalität, aber ist halt immer noch besser als keine Schule.

Wie kommt man eigentlich auf so teilweise absurde Tracktitel? Ein Talent von dir?

Maeckes: Wahrscheinlich. Vielleicht Ausdruck meiner, vielleicht oftmals ein bisschen zu verbissenen, Art neue Wege gehen zu wollen.



Bis auf das Intro ist der Sound des Albums recht ruhig geraten. War das von Anfang an bewusst geplant?

Maeckes: Ja und nein. Eins kam einfach zum anderen und als sich dann so ein Gesamtbild abgezeichnet hat, hab ich das einfach komplettiert.

Wer hatte die Idee zu diesem wahnsinnigen Break beim Beat von Weihnachten04?

Maeckes: Meine vielleicht oftmals ein bisschen zu verbissene Art neue Wege gehen zu wollen. Ich hatte das Sample irgendwo auf meinem Rechner rumliegen, dachte mir zeitgleich, wie kann man dieses aufgesetzte Plastikweihnachten am besten in einer Hook ausdrücken, das Sample fiel mir in die Hände und Zack!

Du hast deinen Part auf dem Titeltrack des öfteren als deinen härtesten Battle-Sechzehner betitelt. Ist diese Aussage nicht absurd, in Anbetracht der Tatsache, dass diverse Künstler sich den Kopf zerbrechen, um auf die ausgefeiltesten Punchlines zu kommen, während du einen Part mit ziemlich persönlichem, selbstkritischem Inhalt als DEN Battle-Part bezeichnest? Was im Übrigen auch wieder beweist, dass ernste, persönliche Songs soviel wertvoller sind, als die ausgeklügelsten Wortspiele.

Maeckes: Das ist doch die Endstufe von Battle. Auf einem Savas' „Urteil“ sind doch auch die vermeidlich persönlichen Zeilen, die am härtesten treffen und den Song so stark machen. Battle ging immer darum, wie kann ich den anderen schlecht aussehen lassen und mich gut. Punkt 1 setze ich beim Titeltrack doch wirklich gut um, Punkt 2 dagegen weniger, aber egal…

Was macht einen Menschen für dich menschlich?

Maeckes: Fehler, und zu diesen stehen können, singen, tanzen, helfen, nicht wie Computer immer funktionieren, Zivilcourage, schwache Momente, nicht weg zu rationalisieren, nicht alle Vorurteile haben, sich nicht über ALLES stellen. Solche Sachen glaub ich.

Ich sah in dir bislang stets die dunkle Seite von Maeckes & Plan B, mit einer leicht pessimistischen, verschlossenen Sicht auf die Welt, gepaart mit einer Prise Zynismus. Was macht Maeckes glücklich?

Maeckes: Woah, genug Sachen: Musik machen, seine Freundin, ein gutes Buch, Theaterstück oder Film, jeder Tag mit den Orsons, Cola und Pommes, bescheuerte T-Shirts, gute Musik, Family Guy, Barbecues mit Freunden, in Wien sein und Morde an Prostituierten.

Wäre Maeckes eine Comicfigur - welche wärst du?

Maeckes: Eine computeranimierte, photorealistische Figur, die genauso aussieht wie ich, bis ins kleinste Detail nachgezeichnet, nur mit ein paar mehr Muskeln. Ich bin eine Comicfigur!

Ihr, Plan B und du, habt in der JUICE über Olli Banjo gesagt, dass ihr ihn immer dafür respektiert habt was Eigenes zu machen und er es nicht nötig hat, irgendwelche Sachen zu kopieren. Was denkst du dir, als Künstler mit innovativer Musik, schließlich, wenn du hörst, dass irgendwelche Kollegen Lines von den Amis übersetzen und damit auch noch Erfolg haben?

Maeckes: Nur so am Rande, danke für das Kompliment. Ich denk mir nur: „LANGWEILT IHR EUCH NICHT?! ES EUCH SO EINFACH ZU MACHEN? IHR IDIOTEN. IST DAS LEBEN, DAS IHR FÜHREN WOLLT, DAS DES AMIS DEN IHR NACHMACHT?! ARMUTSZEUGNIS. Die ganze Welt funktioniert leider so, dass so was gefördert und nicht bestraft wird. Naja, ich reg mich nicht auf, ich denk mir nur: Ihr seid der Grund, dass Rapmusik immer ein Stückchen mehr in meinem Herz stirbt.

Viele haben deinen Beitrag zum Beat em up - Produceralbum, als Kollegah-Diss aufgefasst. Hast du tatsächlich ein Problem mit dem selbsternannten Zuhälterrapper?

Maeckes: Nein, überhaupt nicht. Kollegah hat behauptet, er bekomme Fanpost von Savas, was gelogen war. Ich hab behauptet, ich bekomme sie von Kollegah, was gelogen war. Ein Querverweis, kein Diss. Außerdem sag ich ja noch, dass ich Kollegahs Fanpost an Savas weiterleite, somit schließe ich nur einen von Kolle eröffneten Kreis.

Wie siehst du die Entwicklung deutschen HipHops, welche so manchem HipHop-Head momentan Kopfschmerzen beschert? Der Gangsta Rap-Hype scheint abzuklingen...

Maeckes: ...ja, alles was sich nicht weiterentwickelt klingt irgendwann ab. Was kommt danach ist die Frage? Ich weiß es nicht genau, ich tipp aber auf ausschließlich englische Rhymes in Deutschraptracks. Oder Positivität! Also das fulminanteste Album der Orsons! Skills, Lines, Ideen, Schweine!



Tua, Kaas, Plan B und du bilden ja die Orsons. Was ist in deinen Augen das Außergewöhnliche an der Gruppe und warum zum Teufel fragt ihr Leute bei MySpace, ob hier jemand vielleicht eine Schaukel bauen will?

Maeckes: Haha. Die Orsons sind das große Ganze. Die Orsons vereinen alles was es braucht, um die Beatles am Anfang ihrer Karriere zu sein: Wir sind 4! Ok, mehr nicht, aber wir sind 4! Wir sind eine Band! Wir rappen gut! Und haben keine Angst auf Fotos zu lächeln! Orsons for Life! Formt das O!

Wie ist denn der Stand der Dinge beim Orsons-Albums? Kaas ließ über MySpace verkünden, dass ihr vorhabt es zeitlich zum Splash!-Festival zu veröffentlichen.

Maeckes: Kaas hat immer Recht. Er ist ein Orson. Es ist fast fertig. Das Artwork entsteht gerade im Moment. Gemischt wird auch gerade im Moment. Wir liebeslasern den Planeten! O!

Desweiteren meinte Kaas, dass das Album nicht verrückt, sondern süß geworden ist. Wie darf man sich die Orsons im Studio und vorallem die von euch fabrizierte Musik vorstellen?

Maeckes: Besser als den Rest! Rund! Wie ein Kreis! Wie ein O! Süß sein ist, heutzutage im Rap, ja auch verrückt! Ich gebe Kaas Recht. Er hat immer Recht. Er ist ein Orson! O!

Du gehst im Mai, neben den Orsons unter anderem mit Casper und Vega auf Tour. Wie kam der Kontakt zustande? Und wird man da folglich auch eine Zusammenarbeit in Form von Songs erwarten dürfen?

Maeckes: Mit Casper haben Plan B und ich im Vorfeld auch schon mal einen Track für ein Mixtape gemacht. Bei allem weiteren müssen wir uns überraschen lassen.

Chimperator ist eins der wenigen Independent-Labels, das vorallem durch Qualität und die Liebe zum Detail überzeugt. Seien es die mehrseitigen Booklets von den Releases oder die regelmäßigen Blogs auf hiphop.de. Wo siehst du euch in der hiesigen Szene?

Maeckes: Chimperator ist zunehmend aufstrebend attraktiv. Dafür, dass man kein Anfangsbudget hatte, null, und man bedenkt, dass wir alles über pure Menschenkraft und ohne die Macht des Kapitals geschafft haben, stehen wir perfekt da. Aufwärts!

Kannst du von Rap leben?

Maeckes: Von Rap: Nein! Von Musik, Theater, Rap-Up-Comedy und Kabarett: Ja.

Die Single Rap getan? aus eurem neuen Mixtape !#?@$ ist als Homage an Kool Savas' Warum rappst du? zu verstehen. In den letzten Jahren wurde Savas immer häufiger vorgeworfen, er würdePlastikrap machen. Wie siehst du das? Oder: Zu welcher Zeit hat Savas dich am meisten fasziniert?

Maeckes: Ganz ehrlich: Bei Westberlin Maskulin! Battlekings und Hoes, Flows, Moneytoessind die futuristischten Deutschrap-Platten mit den besten Covern - Battlekings zumindest, Hoes, Flows, Moneytoes hab ich nur als Whitelabel. Aber Plastikrap? Nie.

Was dürfen wir 2008 noch von dir erwarten?

Maeckes: !#?@$ das Album zur Tour mit Plan B, das Orsons Album - OOOOO! -, viele Festivals und eine Weltübernahmeplattform Ende des Jahres.

Vielen Dank für das Interview! Dir gehört das Schlusswort.

Maeckes: Draschni karaschni! Zlawe mui O!



* Anmerkung von Andrej (Chimperator-Geschäftsführer):
Das ist wahrscheinlich Orsisch. Die sind so behindert. Auf der EP, produziert von den Gewinnern vom Mumate Contest, haben die einen Track komplett in Orsisch aufgenommen.

* Anmerkung von badaboombadabang:
Ansich hat das Interview schon graue Haare, da es in der „Kunst über Vernunft“ Promophase geführt wurde. Irgendwie hat es aber nie das Licht der Welt erblickt und da ich finde, dass Maeckes einige schöne Antworten vom Stapel gelassen hat, wollte ich es euch nicht vorenthalten. Außerdem steigern seine Worte über Tua die Vorfreude auf "Grau". Schönes Ding.


Kommentare (9) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

22.05.2007 - badaboombadabang-Interview mit JAW

Geschrieben in

2006 lieferte er seinen Hörern den "Schock fürs Leben". 2007 befindet sich nun sein "Gehirn im Mixer" - die Rede ist von JAW.

Zusammen mit seinen Kollegen Rynerrr, Maexer & DJ Tjoma bildet er die Crew PCP: Projekt Chaos Punks. Der Name spricht für sich, allerdings kann JAW auch ganz anders, anstatt nur die von PCP Tracks bekannte "Fick die Welt!" - Attitüde zu verteten. So merkt man vor allem auf Solowerken von Dokta Jotta, dass er recht vielseitig ist: Auf "Schock fürs Leben" z.B. gewährt JAW den Hörern also u.a. auch einen Einblick in seine Vergangenheit, die geprägt ist von Schmerz, Hilflosigkeit und Angst. Dies geschieht allerdings nicht auf eine Art und Weise die man von vielen deutschen Rappern gewohnt ist, sprich pseudodeepes Gelabber, bei dem soviel Fremdwörter wie möglich in die Sätze gepackt werden (die der Künstler wahrscheinlich selbst noch nicht mal versteht) um möglichst "deep" zu klingen, nein viel mehr bekommt man eine ehrliche, mitreissende Vorstellung geliefert.

Ähnlich verhält es sich bei den Battletracks - anstatt ausgelutschten Battlephrasen verpasst Jotta seinen Sprüchen einen eigenen Stil, der oftmals Kritik an der heutigen Deutschrap-Szene äußert und ebenfalls ab und zu in einem lustigen Non-Sense Gerede endet.

Nicht viel anders läuft es bei seinem neusten Release, der Extended Version ( + 12 neue Tracks) seines "Gehirn im Mixer" Mixtapes, ab.

Während in der Vergangenheit auch endlich die Presse wie z.B. die JUICE auf die eigenständige Musik von PCP aufmerksam wurde, hab ich auch endlich mal die Chance ergriffen und mit JAW ein Interview geführt... badaboombadabang!

 

 

BBBB: Du hast vor circa 2 Wochen dein Ex-Label Rapz Records verlassen - nun munkelt man, dass dich dein Weg zu Selfmade Records führen wird. Also wird bald auch auf JAW Tracks "Selfmade Records Time!" gebrüllt oder wie siehts aus?

 

JAW: Wie ich bereits in meinem Myspace-Blog erwähnte: Es gibt keinerlei Vereinbarungen mit Selfmade...wir respektieren uns und dabei bleibts erstmal (grinst).

 

BBBB: Es wurde aber ja auch ein Track von dir gemeinsam mit Favorite und Hollywood Hank angekündigt, der als Exclusive auf einer JUICE CD landen sollte. Darf man sich da noch drauf freuen und wie kam überhaupt der Kontakt zu Favorite zustande?

 

JAW: Tracks mit Faiv werden auf jeden Fall kommen, da jetzt aber ein Datum zu nennen wäre unschlau, da werden nur Fans enttäuscht.
Kontakt kam wohl über Slick zustande, der Faiv mein Zeug gezeigt hat, ich hatte aber auch schon versucht ihn mal anzuhaun und so kams letztendlich von beiden Seiten.

 

BBBB: Um mal auf dein neustes Release, die Extended Version deines "Gehirn im Mixer" Mixtapes, einzugehn: Warum hängt deutscher Rap an Amerikas Schwanz?

 

JAW: Weil hier nur Möchtegerns und Hängengebliebene rumlaufen. Die Leute sollen mal mit der Tatsache klarkommen, dass sie doch mehr schuppenfressender Albino als Schwarzer sind und dieses ganze Gepose und Gehänge und Rumgewurstel eher peinlich kommt für irgendwelche 25-jährigen Heads aus Bottrop.

 

BBBB: U.a. erwähnst du in "Amerikas Schwanz" auch Savas, den du zu Westberlin Maskulin Zeiten ja recht gefeiert hast. Findest du es schade, wenn ansich gute Rapper durch (zuviel) Einfluss von amerikanischem Rap an Identität und somit vielleicht auch an Stil verlieren?

 

JAW: Klar find ich es schade, die Mucke verliert einfach an Charakter, wenn da keine eigene hörbare Intention bzw. Einstellung mehr dahintersteckt... ich hör mir doch auch keine Politiker an, die die ganze Zeit wohltemperiert irgendwelche rhetorische Kacke abhandeln, ohne dass man dahinter irgendwas inhaltsstarkes oder charakteristisch relevantes entdeckt. Ok, ich hör mir gar keine Politiker an, aber Musik ist immer noch ein sehr energisches und ausdruckstarkes Mittel und was Savas praktiziert ist gut bis künstlich geflowter Plastikrap. Können die Leute allerdings gern hörn, nur mich langweilt es zu Tode.

 

BBBB: Hörst du also privat überhaupt keinen Deutschrap und wenn ja, was läuft denn privat so für Musik bei dir?

 

JAW: Es gibt sehr wenig Rap, bei dem ich merke, dass es sich nicht nur um authentische und charakterstarke Musik, sondern auch eine dementsprechende unterhaltsam und geschickt gemachte Umsetzung handelt. Oft hör ich deswegen halt auch immer das Gleiche, meine Schmerzgrenze ist da ziemlich weit unten. Favorites Album war auf jeden Fall ne runde Sache, ich hör immer wieder gern Untergrund Rap (Aufzählung wäre hier doch zu anstrengend) und sonst kommt in Deutschland insgesamt doch nur noch der gleiche, durchgekaute, bedeutungslose Müll.

 

BBBB: Dein Rap strotzt häufig vor Selbsthumor und du spielst auch recht gerne die Rolle des, sagen wirs mal direkt, Losers. Denkst du dieser Selbsthumor fehlt heutzutage im Deutschrap?

 

JAW: Ich spiele keine Loserrolle, das mal vorweg. Ich kenne meine Schwächen und ich bin mir der Scheiße bewusst die ich hinter mir habe und bin erwachsen genug, um damit umzugehen und mich nicht dafür zu schämen.
Ganz im Gegenteil, ich klatsche den Leuten gerade die Sachen ins Gesicht, wegen denen man mich kritisiert hat und es immer noch tut. Man kann mich nicht dissen, ich hab bereits alles gesagt was in meinem Hirn und Leben falsch läuft. Trotzdem bin ich ein scheiß Kämpfer der seit 4 Jahren jeden Tag eine Sprosse auf seiner Leiter zu einem erträglichen/lebbaren Leben erklimmt, was anderes bleibt mir nicht übrig, da ich nicht sonderlich schmerzgeil bin... ich mach zum Beispiel viel Sport inzwischen und versuche mir Dinge, die mir schaden, vom Leib zu halten.
Ob Selbsthumor im Deutschrap fehlt? Weiß nicht, wenn von 25.000 deutschen MCees 24.998 sagen, sie sind mit Abstand der Beste, den die Szene je gesehen hat, ergibt das für mich keinen Sinn und besonders kreativ ist es auch nicht. Mir egal, wenn es wenigstens cool umgesetzt und in lustige Punches verpackt ist, aber nichmal das is ja wirklich der Fall. Die Meisten reden einfach nur irgend nen verhurten Stuss. Ich bin heute nich sehr gut drauf.

 

 

BBBB: Dein Crewkollege Rynerrr wiederholt ja öfters gerne in Tracks, dass er in den Tag lebt und Rap für ihn ein reines Hobby ist bzw. ein Ventil, um der Welt mitzuteilen wie scheiße sie ist. Dass er also nicht wirklich daran glaubt mit seiner Musik "erfolgreich" zu werden. Dir hingegen scheint das Alles ein bisschen wichtiger zu sein, u.a. hast du einen größeren Output, du lässt deine CDs pressen, etc. Wo willst du also tatsächlich mit deiner Musik hin?

 

JAW: Ich bin immer noch der gleiche Idiot, der das Gefühl hat, er muss den ganzen Dreck seiner Vergangenheit irgendwie gradebügeln. Irgendwie ein gerechter Ausgleich, dass ich all die Spasten, die mir je erzählt haben, was ich für ein verpeilter Trottel und Nichtsnutz bin, mit meinem Gegenerfolg in den Arsch ficke oder auch nicht. Egal, ich will was beweisen, irgendwem, eventuell sogar mir.

 

BBBB: Was entgegnest du Leuten, die dir unterstellen du wärst ein Pessimist der auf dem "Das Leben ist scheiße" - Film hängengeblieben ist und alles schlecht redet?

 

JAW: Wär ich ein Pessimist, wär ich längst tot. Die sollen die Fresse halten, mein Mixtape ist sehr lustig.

 

BBBB: In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass du in deinen Tracks öfters humorvollen Non-Sense rappst - also z.B. kann man ein "Kein Morgen" nicht mehr mit einem "Jott sei dank" vergleichen, finde ich. War das eine bewusste Entwicklung oder liege ich mit der Feststellung gerade völlig falsch?


JAW: Das schon richtig... ich bin wieder lockerer geworden und scheiß auch mal drauf, ob der Track jetzt perfekt ist oder nicht, das macht die Sache entspannter und man hat schon im Studium nich viel zu lachen, da kann man schonmal in nem Track paar Scherzchen an den Mann bringen.


BBBB: Deine Vergangenheit war ja nicht die beste Zeit für dich. Was war damals mit dir los?

 

JAW: Wurde das nich genug durchgekaut? Ich hab nen ziemlich langen Leidensweg hinter mir und der hat mich mitunter zu dem gemacht was ich heute bin und auch, was man in meiner Mucke zu hören bekommt, ist doch alles wunderbar. Und mir gehts jetzt auch ganz erträglich (grinst).

 

BBBB: Auf dem Track "Entheiligte Welt", von deiner gemeinsamen EP mit Message, rappst du "...muss daran denken, dass ich dachte, dass mein Vater mich hasst" - wie kamst du zu dieser Vermutung?
Sowieso machst du ab und zu kleine Andeutungen, dass du zu deinen Eltern nicht das beste Verhältnis hast oder hattest.

 

JAW: Ich möchte da keine Details ausbreiten, aber meine Eltern haben mir sehr viele persönliche Fehler zugeschrieben, wofür ich nix konnte und mir oft das Gefühl gegeben, ich hätte sie enttäuscht. Inzwischen verstehn wir uns ganz gut soweit. Mehr werd ich zu dem Thema wohl nicht sagen.


BBBB: Vergleicht man deine beiden Tracks "Meer aus Tränen" und "Die Seuche in mir" miteinander, könnte man denken, dass sie in direkter Folge zueinander stehen: "Meer aus Tränen" beschreibt noch die Phase, in der man vielleicht schon angeschlagen ist, jedoch noch versucht mit den Problemen fertig zu werden. "Die Seuche in mir" hingegen beschreibt die Phase in der einem schon alles egal ist, weil man einfach keine Kraft mehr hat und so gesagt völlig hilflos ist.
Kann auch sein, dass ich das einfach an den Beats festmache - "Die Seuche in mir" klingt total düster, "Meer aus Tränen" klingt eher noch verletztlich und traurig.
Durch deine Probleme damals sagst du öfters, dass die Welt bzw. dein Leben ein "Meer aus Scheiße ist" und du rappst auch öfters, du seist suizid-gefährdet. Hast du tatsächlich schonmal an Selbstmord gedacht?

 

JAW: Hab ich mit Sicherheit nicht nur einmal, aber daran denken und das durchziehen ist nochmal ein großer Sprung. Einen wirklichen Suizidversuch gab es nie und ich werde den Teufel tun und das heute nochmal in Erwägung ziehn.

 

BBBB: Ok, nocheinmal zurück zu dem Rap-Ding: Deine Crewkollegen Rynerrr, Maexer und du haben ja ein neues PCP Album angekündigt, an dem ihr laut eigener Aussage ja schon arbeitet. Darf man damit noch in diesem Jahr rechnen und wie ist der Stand der Dinge?

 

JAW: Keine Ahnung, dieses Jahr wird zu knapp denke ich, aber ich hab selbst auch wieder viele Beats gebaut, Maexer ist sehr produktiv und ich hab ja auch so immer paar Produzenten in der Hinterhand, die mir was beisteuern, somit sind wir sehr gut versorgt. Rapbezogen kommt bei mir am meisten zur Zeit, aber ich werde versuchen wieder bisschen kritischer gegenüber meinen Parts zu werden und nur die Besten fürs Album zu nehmen. Wir haben viele angefangene Tracks bisher... ich glaub 1-2 sind fertig.

 

BBBB: Überhaupt scheint es für PCP ja zurzeit nur bergauf zu gehen: Nachdem Rynerrrs Soloalbum "Symptome" und dein Solowerk "Schock fürs Leben" in der JUICE Demo des Monats (und "Symptome" sogar Demo des Jahres) wurde, hat diese Rynerrr auch auf den Collabotrack "New Kids on the Block Part II" geladen. Auch wenn Rynerrrs Part total offbeat gesetzt wurde, freut dich sowas oder ist dir das egal?

 

JAW: Ne, ich glaub das freut uns alle irgendwie... das ist einfach die Musik, hinter der wir zu 100 Prozent stehen können und ich denke schon, dass wir es auch wert sind von einer breiteren Masse gehört zu werden, vielleicht nimmt dann doch alles irgendwann noch ein gutes Ende, oder so.

 

BBBB: Okay, dann zum Schluß noch ein kleines Brainstorming:

 

Lieblingsfilm: American Beauty?

 

Zuletzt gekaufte CD: Favorite - Harlekin

 

Pinoccio: Haut die Pauker in die Pfanne

 

Oettinger: Gute Sache, ich komm nur an Ratskrone


EMOs: Der neue Mann

 

Konnegah: Das Ross

 

BBBB: Vielen Dank für das Interview, du hast das letzte Wort!

 

JAW: Jo also ihr müsst unbedingt alle sprayen und breaken und Platten auflegen und alles, das is ganz wichtig und so damit die Kultur leben kann.
Gruß (nach routinierter Absprache) an Theresa! Kauft mein Mixtape.

 

 

Gehirn im Mixer Extended Version Snippet

 

Für Free-Downloads von JAW, Rynerrr und Maexer klickst du HIER.

 

Weitere Infos zu JAW:

http://www.p-c-p.ws/

http://www.myspace.com/doktajotta

 

 

 

   
Kommentare (5) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

1.04.2007 - badaboombadabang-Interview mit KORS

Geschrieben in

Bekannt geworden durch seine schon jetzt legendären Skits auf den Alben "Electro Ghetto" und "Berliner Schnauze" von Bushido und Bass Sultan Hengzt. Seit Mitte 2005 Mitglied der Amstaff Crew, davor Mitglied des Ersguterjunge - Camps. Die Rede ist von KORS. Was mich dazu bewegt hat ein Interview mit diesem Typ zu führen, der bisher noch nie offiziell gerappt hat bzw. etwas produziert hat? Das sollte als Antwort reichen: "I am not a rapper! I just do what the rappers do"!

 

 

 

BBBB: Yo KORS, erstmal wie gehts dir?

 

KORS: Mir geht es immer gut! Sonne scheint in Berlin und ich bin gesund.

 

BBBB: Stell dich am Besten erst einmal vor, für Leute die dich noch nicht kennen sollten.

 

KORS: Ich bin Kors, der beliebteste Junggeselle Berlins. Meine Crew ist Amstaff und mein Label heißt KORS RECORDS.

 

BBBB: Bekannt geworden bist du ja eigentlich durch deine Skits auf Bushidos "Electro Ghetto" und Bass Sultan Hengzts "Berliner Schnauze". Hast du auch schon von anderen Rappern Anfragen für Skits bekommen?

 

KORS: Ja, die Leute kennen mich von den CD's oder eben auch von diversen Tourneen, wo ich meine Skits live der Masse präsentiert habe. Als wir 2004, damals noch mit Ersguterjunge, auf Tour mit Azad bzw. Bozz Musik waren gab es ein paar Anfragen, aber nie was daraus geworden. Da ich nur Skits für Leute aus meinem engsten Umfeld mache lehne ich alle Anfragen, die über myspace oder per E-Mail kommen, ab.

 

BBBB: Im Juli 2005 hast du dich ja neben Hengzt, Ilan und DJ Devin von Bushidos Label Ersguterjunge getrennt und bist seit diesem Zeitpunkt Mitglied der Amstaff Crew. Man hat jedoch nie genau erfahren was die Beweggründe für die Trennung waren, also was ist da damals vorgefallen?

 

KORS: Ja das war eine wichtige Entscheidung für uns alle. Da ich Geld nicht vor Freundschaft setzte ging ich als Erster weg und aus dem selben Grund folgte mir der Rest. Ich will nicht weiter ins Detail gehen, weil das was vorgefallen ist, ist immer noch und war damals schon privat und geht im Endeffekt keinen etwas an. Ich kann schon verstehen das alle sich gefragt haben warum auf einmal so viele Leute sich von Ersguterjunge getrennt haben. Aber das was wirklich vorgefallen ist, wissen nur wir und er und das ist auch gut so.

 

BBBB: Wie stehst du heute zu Bushido? Auf seinem letzten Album "Von der Skyline zum Bordstein zurück" hat er dich ja einmal in einer Zeile erwähnt ("Ich hänge mit den Gs - du hängst mit dem Spast Kors").

 

KORS: Ach ist doch cool, dass er mich disst. Wenn wir ihm so scheiß egal sind bzw. wären, wie er in Interviews gerne sagt, verstehe ich das Gefronte nicht.

 

BBBB: Was hältst du von Melbeatz? Sie und Ilan haben sich gegenseitig ja ein wenig unter die Arme gegriffen, was das Erklären von diversem Equipment angeht. Wird es da in Zukunft eventuell mal eine Amstaff / Murderbass - Optik Collabo geben?

 

KORS: Melanie ist cool, wir sind gut befreundet. Ich hab sie durch Ilan 2005 kennen gelernt. Sie tritt ja gemeinsam mit DJ Devin in Clubs auf, also die Beiden sind ein DJ-Team. Also wenn ihr Clubbesitzer seid könnt ihr Devin und Melbeatz mieten und die rocken eure Butze njee. Ich glaub die wollen irgendwann raus ballern, aber alles noch Top Secret.

 

BBBB: Hast du noch Kontakt zu Devin und wenn ja, was plant er zurzeit?

 

KORS: Klar, Devin und ich sind immer noch sehr gute Freunde. Er ist ja auch mein Skit Partner, nur das ich den Ruhm ernte (grinst). Er arbeitet an einem neuen "NEW KIDZ ON THE BLOCK" - Teil und er hat jetzt auch angefangen Beats zu produzieren, sind echt hammer! Ihr werdet viel von ihm hören in der nächsten Zeit.

 

BBBB: Du bist ja bekennender Diplomats Fan. Dein Lieblingsartist (no homo) und Lieblingstrack zurzeit?

 

KORS: Lieblings Artist hmm... wechselt immer aber zur zeit wieder JR Writer, nee Jimmy oder Juelz mhm.... Egal ich feier die Alle ganz krass. Fler hat mich angesteckt. Lieblingstrack "What Set You Claim" von WB4 zur Zeit.

 

 

BBBB: Im Mai erscheint über Amstaff ja Bass Sultan Hengzt sein neues Soloalbum. Was kannst du uns darüber schon erzählen? Und wirst du wieder mit Skits vertreten sein?

 

KORS: Was erzählen kann ich noch nicht, da ich nicht weiß wann das Interview erscheinen wird. Skits sind wieder drauf, aber was ich sagen kann: Battle Sultan Hengzt ist back!

 

BBBB: In diversen Foren kritisieren dich Leute dafür du seist unlustig und ein arroganter, überheblicher Vogel. Was sagst du zu solchen Kommentaren?

 

KORS: Also dass ich unlustig bin hat mir noch Niemand gesagt. Im Gegenteil: Auf Konzerten kommen meine Skits wunderbar an und das kann Jeder bestätigen. Arrogant? Kennst du den Spruch „ immer selber feiern"? Ich bin auch viel im Internet unterwegs. Ey ich habe mich damals über die Leute aufgeregt, die immer nur Müll labbern und immer zurückgeschrieben und Sachen klar gestellt. Bis ich gemerkt habe, die wollen nur dass man antwortet. Die kommen aus Dorf X, leben mit Mama und Papa und haben keine Freunde, außer ihren DSL-Anschluss. Die warten nur darauf. Scheiß auf die, die haben kein Leben.

 

BBBB: Du hast ja schon 2004 dein eigenes Label "KORSRECORDS" gegründet. Was darf man da in Zukunft erwarten und wer ist als 1. Act geplant?

 

KORS: Ich arbeiten an einem Label Sampler, der soll Anfang 2008 raus kommen. Merchandize wird es auch bald geben.

 

BBBB: Okay, zum Schluss noch ein kleines Brainstorming:

 

Zuletzt gekaufte CD: Jim Jones – Hustler P.O.M.E

 

Lieblingsfilm: Scarface

 

Dipset: All day

 

Ersguterjunge: Früher hammer

 

Pinky & Brain: Der Eine ist brilliant, der Andere ein Opfer

 

DJ Devin: yaa diiggg

 

Deutschrap: Auch in Berlin sind fast alle Rapper schwul

 

BBBB: Vielen Dank für das Interview, du hast das letzte Wort!

 

KORS: Danke gleichfalls...! Hengzt Album kommt bald: kaufen kaufen kaufen! Bald kommt die Tour.

An die Hater: Ihr werdet mich nicht los.

Hauta rein njeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee!

 

Mehr zu KORS:

KORS bei myspace

korsrecords.de

 

   
Kommentare (6) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

19.03.2007 - badaboombadabang-Interview mit Grossmaul aka Mr.Knight

Geschrieben in

Ende 2005 hat er die Kids vor Dipset, Bling Bling, Wannabe-Pimps, etc gerettet.

Offiziell hat er die ganze Welt gerettet.

Nun nach über einem Jahr gibt es erste Infos zu einem neuen Album von dem Grossmaul aka Mr.Knight.

Im Interview mit dem badaboombadabang - Blog erfahrt ihr was Neues in seinen Rucksack gewandert ist, warum Knight bisher nie so stark den Pott representet hat, wies mit dem neuen Album aussieht, uvm!

Enjoy it - badaboombadabang!

 

 

BBBB: Du hast ja 2005 dein Soloalbum "Rettet die Welt" veröffentlicht und arbeitest nun an deinem 2. Soloalbum. Gibt es da schon genauere Infos?

 

Grossmaul: Also ich hab vor wieder zum Ende des Jahres zu releasen. Ich werde aber vor Juni nicht effektiv zum schreiben / aufnehmen kommen da ich kurz vor meinem Examen zum Heimerzieher stehe. Danach gehts aber direkt los! Im Moment sammel ich Punchlines! Ach ja der Titel steht definitiv fest: "Auf deiner Party bin ich der König".

 

BBBB: Produziert werden soll ja wieder von Brisk Fingaz und als Features waren bisher Pillath & mnemonic angekündigt. Ist das nachwievor aktuell?

 

Grossmaul: Soweit ist das noch aktuell, wenn alle Beteiligten noch Interesse haben. Ich hab noch ein paar Beats von Tobrock aus Paderborn gepickt: Der ist der deutsche Dilla mit Madlib-Genen. Ansonsten kommen noch Architekt, Lord Scan und Ef-El-Oh hinzu!

 

BBBB: Nachdem du Rec.On verlassen hast bist du bei dem Label Evilmama Records untergekommen. Werden deine Sachen nun auch weiterhin über Evilmama erscheinen?

 

Grossmaul: Ich denke schon. Ich fühl mich wohl, die Jungs haben eine krasse Buisness Entwicklung hintersich, aber keepen es immer noch real. Aber nie wieder werde ich nen Deal mit Flavamatic / Roughtrade unterschreiben! Verdammt unzuverlässig! Echt einige komische Moves seitens unserer "Ansprechpartner"...aber Evil Mama Rise for Life! Ich kann machen was ich will, kann mir Zeit lassen wie ich will und die Jungs bieten mir die nötige Unterstützung! An dieser Stelle Grüße an Andi und Bernard!

 

BBBB: Neben deinem 2. Soloalbum ist auch noch eine DVD von dir und ein Projekt zusammen mit Ef-El-Oh angekündigt. Was darf man da erwarten?

 

Grossmaul: Ey ich sag Nix! Wird ne Überraschung, das wird alles zu Durch, vor allem die DVD. Noch ein Stichwort werfe ich aber ein: "Grossmaul & Partyking singen Welthits" - produziert von Necrow, stay tuned!

 

BBBB: Was ist in der Zeit nach "Rettet die Welt" so Neues in deinen Rucksack gewandert?

 

Grossmaul: Ach einiges: Ein Mac, ne Xbox 360, Lyrics, Kletterzeug, Schulsachen, Bücher - auch viel zu viel um das aufzuzählen...eigentlich nervt es auch langsam n bisschen mit diesem Rucksacktrack. Jeder spricht mich an: "EY PAUL WAT IS IN DEINEM RUCKSACK!" Ich sag immer nur: "Warte aufs 2. Album!"

 

BBBB: Du wurdest ja in einem JUICE-Special neben Leuten wie Snaga,Pillath,Manuellsen und Fard als Teil des Neuen Potts vorgestellt. Während die genannten Rapper den Neuen Pott tatkräftig representen, hört man dich eigentlich gar nicht so "DER POTT IS BACK!"-schreiend auf Tracks. Woran liegt das?

 

Grossmaul: Ach das ist einfach nicht mein Ding! Ich gehöre zu keinem Camp. Habe keine Crew außer den Verein, aber das sind ja keine Rapper sondern Leute die gerne feiern und bekloppt sind wie Partyking und ich! Versteh mich nicht falsch, ich liebe den Pott. Der Pott gibt mir das Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit. Pottler ticken besonders und Pottler sind aufrichtig, auch wenn wir hier Wenig haben. Aber ich mache Musik für mich und nicht für meine Heimat. Ich weiß wer ich bin, woher ich komme und wo ich bleiben will, nur das muss ich nicht mitteilen. Ich trage das lieber im Herzen. Aber Bigup an Alle die die Fahne für den Pott hochhalten. DER POTT IS DEFINITIV BACK!

 

 

BBBB: Ohne dich jetzt angreifen zu wollen finde ich, dass du in der Szene schon viel weiter sein könntest, wenn es von dir mehr regelmäßigen Output gäbe bzw. du an den Sachen kontinuierlicher arbeiten würdest. Ich meine "Rettet die Welt" war eins der besten Alben 2005 und es ist auch klar, dass man Studiozeit bezahlen muss,etc aber auf "Angst vorm Tod" sagst du ja auch selbst "Keiner hat daran geglaubt, dass ich mein Schweinehund besiege und ein Album mach". Also denkst du nicht auch, dass du schon viel weiter sein könntest?

 

Grossmaul: Ich kann dir das nicht sagen! Sag du es mir! Könnte sein, könnte aber auch genauso sein, dass ich jetzt gar nicht mehr wäre. Ich seh das auch nicht als Ziel an irgendwohin zu kommen in der deutschen Rapszene. Ich seh das Ganze ganz entspannt! Ich fühle mich absolut wohl in der Rolle des langsamsten Rappers der Welt. Solange es einige Leute gibt die sich gedulden und treu bleiben und einfach nur Danke sagen können, egal ob runter geladen oder gekauft, fühle ich mich gut so wie es läuft!

 

BBBB: Mit welchem deutschen Künstler würdest du derzeit gerne mal zusammenarbeiten?

 

Grossmaul: Mit keinem! Architekt und Lord Scan nehmen nächste Woche für mein neues Album auf! Effe und ich müssen uns auch endlich zusammen setzen! Ansonsten mit keinem!

 

BBBB: Was hälst du momentan von der Szene? Was fehlt deiner Meinung nach?

 

Grossmaul: Irgendwie spielt diese ganze "Szene hier Szene da" - Sache keine Rolle mehr für mich...wenn dann fehlt Vielseitigkeit. Ich hoffe nur Pillath & Snaga schaffen dieses Jahr endlich den Durchbruch!

 

BBBB: Ok, zum Schluß noch ein kleines Brainstorming:

 

Ruhrpott: One Love für immer. Die Heimat die Polen mir nie bieten konnte...

 

Pinky & Brain: Ren & Stimpy!!!

 

Beste Gamekonsole: Definitiv der NES. Das waren die innovativsten und schwersten Spiele die je entwickelt wurden. Alles was jetzt rauskommt ist im Endeffekt einfach und anspruchslos! Aber Mario Bros 1 hab ich immer noch nicht durch. Aber trotzdem Props an die Xbox 360! Und kauft euch keine PS3!

 

Lieblingsfilm: Definitiv La Haine!!! Gucke ich jede Woche. Bisher liefs noch ganz gut...

 

BBBB: Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview, du hast das letzte Wort!

 

Grossmaul: Kauft Architekts neues Ding! Aber vor allem kauft Snaga und Pillaths Album! Der POTT muss in die Charts, denn er ist definetly Back! Peace!

Ach ja sorry an alle die sich immer noch Gedulden müssen bis was von mir kommt!!! Danke für Alles! Für den Partyking!

 

 

Mehr zu Grossmaul:

eargasm.de

Grossmaul bei myspace

Grossmaul / Prost Paul Blog

evilmama.com

 

 

   
Kommentare (10) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

2.03.2007 - badaboombadabang-Interview mit Timo Supremo + "Bad Timing" - Mixtape

Geschrieben in

 

badaboombadabang-Interview Time Teil 2 also. Dieses Mal mit einem Künstler, der den meisten Leuten noch kein Begriff sein wird.

Und genau deswegen solltet oder werdet ihr euch auch dieses Interview durchlesen und euch anschließend das Mixtape von Timo Supremo, dem Herrn um den es geht, runterladen oder ich sag einfach nur soviel: Wer auf böse Punchlines, ausgeklügelte Wortspiele, lustige Storys, etc steht, der sollte sich unbedingt das "Bad Timing" - Mixtape runterladen oder einen guten Willen zeigen und das Teil auf bad-timing.de für 3 Euro auf CD bestellen.

Aber jetzt ersteinmal das Interview... enjoy it!

 

 

 

BBBB: Stell dich am Besten ersteinmal vor, den Meisten wird der Name Timo Supremo noch nicht unbedingt ein Begriff sein!

 

Timo Supremo: Jeapp, Timo Supremo – das bin in erster Line me, myself and I, der Spudboy aus der Nähe von Hamburg. Ich hatte mal fast nen Sixpack, aber dann ist mein Gym-Vertrag ausgelaufen und war ein paar Wochenden zuviel feiern. Außerdem spielt mein Fußballteam so weit unten, dass man dem Wort „Standfußball" eine ganz neue Bedeutung zukommen lassen muss. Ach ja, ich rap ja auch… deswegen bin ich ja hier… seit mehr oder weniger 4 Jahren mehr oder weniger erfolgreich und mir ist es mehr oder weniger wichtig, was Leute mehr oder weniger davon halten. Meine Mehr- oder Wenigkeit hat auch gerade ein Mixtape am Start, welches man sich unter bad-timing.de laden kann. Die Resonanz darauf war bisher weitgehend positiv und es konnten auch schon hohe Downloadzahlen verbucht werden.


BBBB: Ok, dann ersteinmal paar Standartfragen: Wie bist du zu Rap gekommen und was inspiriert dich?

 

Timo Supremo: Ich denke, jeder hat eigentlich in dem Alter zwischen 12-14 diesen einen Song einer bestimmten Musikrichtung, der Booom bei ihm macht und ihn dem jeweiligen Genre zugehörig fühlen lässt. Bei Blümchen hat´s damals ein paar Mal Booom gemacht, aber der richtige Booom kam letztendlich bei Afrob und Ferris (Reimemonster). Rolle mit Hip Hop ist auch die erste Rap-Platte, die ich zu Hause hatte, aber bis auf den einen Song ist der Funke noch nicht ganz übergesprungen. Das kam erst später bei den (damals noch Absoluten) Beginnern und den ersten Sachen von Eminem, die meine Kollegen und ich damals aufs größte gefeiert haben. Was ich damit sagen will, in erster Zeit war ich erst mal eine lange Zeit Fan, bevor ich überhaupt daran gedacht habe, mich irgendwie rapmäßig erproben zu wollen. Die ersten Schritte sahen auch so aus, dass meine Kollegen und ich damals jeder zu Hause Texte geschrieben hat und wir sie uns dann tatsächlich auf dem Schulhof gegenseitig vorgelesen haben. Aus heutiger Sicht verdammt lächerlich, aber wir haben uns drauf gefeiert. Naja, von dort kam eigentlich eines zum anderen mit den 1. Aufnahmen, Auftritten usw.

Als Inspiration brauche ich eigentlich nichts als den Beat, auf den ich schreibe. Dabei geh ich immer erst so vor, dass ich ihn auf mich wirken lasse und überlege, was darauf cool kommen würde. Dann geht´s eigentlich auch schon los, aber ich schreibe immer ohne Beat. Wenn ich ihn zu oft gehört habe, bockt er mich nicht mehr und der Track wird zum Schluss auch nur Scheiße.


BBBB: Wenn man sich dein Mixtape anhört bemerkt man schnell, dass deine Tracks recht viele Punchlines und Wortspiele beinhalten. Fällt es dir schwer auf das ein oder andere Wortspiel zu kommen und du sitzt dann vor deinem Block und überlegst groß oder fallen dir die Ideen einfach in den Schoß?

 

Timo Supremo: Wenns zuviel Zeit beanspruchen würde, würd´ ich´s nicht machen. Ich sag mal so, dass ich durch frühere Battleparts vorgestraft bin, wo ich krampfhaft nach irgendwelchen Lines gesucht habe. Durch die Übung fällt mir das eigentlich relativ leicht. Meistens ist es auch so, dass ich irgendeinen Geistesblitz hab und dann schnell irgendwas ins eintippen oder –rappen muss, bevor ich es wieder vergesse. Auf diese Weise sind auf jeden Fall viele Sachen wieder verloren gegangen, weil ich das einfach verplant habe. In letzter Zeit sind auch viele Sachen spontan beim Freestylen entstanden. Mittlerweile bin ich aber nicht mehr nur darauf fokussiert, das sind nichts weiter als Stilmittel, wenn auch wichtige. Wer allerdings sagt, er scheißt auf so was, ist einfach zu dumm dafür.


BBBB: Ich hab jetzt schon öfter in Feedbacks von Leuten gelesen, dass deine Musik an Maeckes erinnert. Kannst du diese Aussage nachvollziehen?

 

Timo Supremo: Haha, ich hab mich ganz schön gewundert und mir meinen Kram noch mal angehört, aber ich finde da keinen Vergleich. Maeckes macht ja stilistisch schon ganz andere Sachen und sein Flow ist auf jeden Fall auch einzigartig. Das einzige, was jetzt noch übrig bleiben würde, wären unsere Stimmen, aber ich find da nix, was gleich klingen soll.

BBBB: Nach "Der Morgen danach" zu urteilen kann man davon ausgehen, dass du auch schon den ein oder anderen Filmriss hattest. Wie muss eine gute Party für Timo Supremo aussehen?

 

Timo Supremo: Ich hab da keine großen Ansprüche. Hauptsache der DJ legt korrekte Mucke auf, die Leute sind gut drauf, die Frauen ganz ansehnlich und der Alkohol ist billig. Was mir Null zusagt, sind diese sterilen Schicki-Micki-Läden, wo ich für nen Vodka-Red Bull 8 € zahlen muss und die Mischen so erbärmlich sind, dass sie mit einem Schluck weg sind. Auch schlimm an solchen Läden, sind die Leute die dort hingehen: Ganz krass verkrampft dabei, die Party zu analysieren, anstatt sie zu feiern.

Ach ja, und zu ner guten Party gehört auch immer gutes Vorglühen: Vorzugsweise mit nem Sixer von der Tanke und ein paar Runden Billard oder Poker bevor es auf Piste geht. Dabei gilt bei uns die eine Faustegel: Minimum 3 Bier bevor härterer Alkohol angerührt wird! Verdammt, ich kling wie´n Alki…

 


BBBB: Abgesehen von "Bereit & Gewappnet" befinden sich auf "Bad Timing" ansich nur Battle-Punchline-Tracks. Ist das Absicht, dass du auf deinem 1. Mixtape erstmal nur aufdrehst und in Zukunft dann persönlichere / nachdenklichere Tracks kommen oder bist du nicht so der Fan von "deepen" Tracks?

 

Timo Supremo: Naja, das würde ich jetzt nicht so sagen. „Stillstand" ist auf jeden Fall auch ein deeper Track, genauso wie „Alles Cool" mit dieser Keep Ya Head Up-Einstellung. „Ich Hab Noch Einen" geht auch mehr weg von Battle Richtung Denkanstöße. Hinzu kommen ja auch noch die Stories, die auf „Bad Timing" drauf sind: „Mein Drink", wo ich´n Mädel abschleppe, „Der Morgen danach", wo ich sie wieder rausschmeiße, „Book Mich", wo ich erzähle wie ich meine Auftritte verkacke und „Sie Will keinen Anderen Mehr", eine unglaubliche Lovestory, die man sich nicht entgehen lassen darf.

Wellemachen schön und gut, aber irgendwie hat jeder Battle- und Punchlinetracks und gibt seinen Kram zum Download frei. Deswegen war es mir besonders wichtig, möglichst viel Abwechslung reinzubringen, ohne dabei krampfhaft verschiedene Themenfelder mit einbringen zu wollen. Ich bin ein Fan guter Battletracks, aber diese typischen 2 16er + Hook auf nem Mixtape reizen mich Null. Eigentlich bin ich selber kein Mixtape-Fan, aber in meinen Augen ist es auch falsch, als erstes Projekt ein richtiges Album anzupacken. Da ist der Respekt zu groß vor. Es gibt zwar viele gute Rapper, aber nur sehr wenige können auch auf Albumlänge überzeugen.


BBBB: Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

 

Timo Supremo: Ich möchte generell gerne mit Leuten zusammenarbeiten, die kreativ sind, was drauf haben, deren Ideen mich bocken und von denen man bei einer Collabo noch gegenseitig was lernen kann. Dabei sollte es auch menschlich stimmen. Ich bin nicht wirklich Fan von Collabos, wo man sich gegenseitig zwar für seinen Scheiß respektiert, aber dann jeder in einem Studio separat seinen Part aufnimmt und man nicht mal miteinander gechillt hat. Der Vibe ist immer das wichtigste! Hmm…aber der einzige deutsche Rapper, den ich wirklich verehre (Olli Banjo), würde auf einer imaginären Wunschliste ganz oben stehen.


BBBB: Was hälst du momentan von der Deutschrap-Szene?

 

Timo Supremo: J-Zone hat die Tage auf seiner Website einen interessanten Blog mit dem Titel „Is Hip Hop really dead?" veröffentlicht. Die meisten Punkte, die er dort anspricht, kann man eigentlich auch auf die deutsche Szene übertragen. Es sollte eigentlich cool sein und Rap voranbringen, aber wirklich jeder Spasti meint, heute rappen zu müssen. Aber warte, das ist nicht das Problem. Jeder Spasti meint, dass er rappen kann. Aber ich behaupte mal, in keiner anderen Musikrichtung sind so viele Leute am Start, die meinen, die könnten was reißen, sind dabei aber mit keinerlei Talent gesegnet. Ich meine, es gibt so viel Leute, die alle gleich klingen, die auf einer Welle mitschwimmen wollen und die man deshalb nicht mal auseinander halten kann. Ich bin zwar kein Fan ihrer Musik, aber ich kann Leute wie „Fettes Brot" und „Deichkind" verstehen, die keinen Bock mehr auf den ganzen Einheitsbrei hatten und ganz neue Wege gegangen sind. Der normale Fortgang von Evolution basiert darauf, dass man etwas Gutes kopiert, es aber nicht darauf belässt, sondern auch noch weiter modifiziert. Doch die Modifikation bleibt bei den meisten einfach aus. Das ist das Problem, was man zum Beispiel auch bei deutschem RnB sieht. Jeder, wirklich absolut jeder Beat ist eine 1-zu-1 Scott Storch Kopie. Ich habe nichts gegen RnB, aber aufgrund dieser Tatsache kann man sagen, dass deutscher RnB, bis auf ein paar Ausnahmen, wack ist. Das jetzt nur mal als Beispiel, was bei Rap wem vorgeworfen wird, wen zu biten, dürfte ja jeder wissen. Ich will das jetzt auch nicht weiter ausführen, da ist der Diskussionsbedarf zu groß. Jeder sollte sich einfach mal den Blog von J-Zone durchlesen, da hat er eigentlich alles auf den Punkt gebracht.


BBBB: Was kann man in Zukunft noch von dir erwarten?

 

Timo Supremo: Eine Menge! Als nächstes steht eine EP mit Zander, der auch schon Beats für Bad Timing gemacht hat, an, die so Mai/Juni gedroppt werden soll: Zusammen treten wir als „Holzfellas" ins Rampenlicht. Passend zum einen hoffentlich geilen Sommer die ideale Mucke zum Feiern und Chillen. Gegen Ende des Jahres soll dann auch ein 2. Mixtape kommen, bevor ich irgendwann 2008 mit einem eigenen Album am Start sein möchte. Das ist grob der Masterplan für die nächsten 18 Monate: Den Output schön hoch halten.


BBBB: Ok, zum Schluss noch ein kleines Brainstorming:

 

Timo Supremo: Alles klar!


Drawn Together –
Stoppt das TV
Deutsches Fernsehen –
Es will aus meinem Kopf nicht mehr raus
Blogs –
Sidos oder Azads? Nicht Blumentopf sein Blog…
Lieblingsplatte –
momentan Obie Trice – 2nd Rounds On Me; Alltime: Kweli & Hi-Tek – Train Of Thoughts

BBBB: Vielen Dank für das Interview, du hast das letzte Wort!

 

Timo Supremo: Vielen Dank auch meinerseits! Wenn ich dem ein oder anderen zu behindert sein sollte, dann spart die 3 Euro und kauft euch stattdessen das Prinz Pi- oder Favorite-Album, aber um Himmels Willen: Supportet gute, kreative Künstler!!!

 

 

"Bad Timing" - Mixtape Download

               

 

 

   
Kommentare (3) :: Schreib einen Kommentar! :: Permanenter Link

« Letzte Seite :: Nächste Seite »

badaboombadabang Blog


This knowledge is king.

Aktuelle Beiträge

» Separate äußert sich zu Vega: "Der Einzige, der die ganze Zeit schlecht über mich redet bist du!"
» Kool Savas feat. Scala & Kolacny Brothers - Nichts bleibt mehr [Video]
» Fard feat. Snaga - Talion 45 [Video]
» A$AP Rocky - Peso [Video]
» Drake feat. Lil Wayne - The Real Her [Stream]
» Fard - Endlich Helden [Video]
» Maeckes feat. JAW - Pisse aus Weingläsern [Video]
» Bosca - "Fighting Society" Snippet [Stream]
» Maeckes - Facebook Exclusive [Stream]
» Kendrick Lamar – Rigamortis [Video]
» Absztrakkt im Interview mit Falk [Video]
» Olson Rough & Awe im Interview mit M8-Rapblog [Video]
» Fard im Interview mit 16bars.de [Video]
» Migo - "Riggedi Rawtakes Vol.3: Graue bunte Welt" Snippet & Cover [Stream]
» Haftbefehl - In Schlägerei verwickelt? / Eskalation während Auftritt [Video]




Counter