"Scheint so als wäre er angekommen.", denke ich mir und lese gut gelaunt die sich schon seit Tagen angedeutete Meldung, dass er es geschafft hat: Platz 1! Während ich aus allen Ecken die verschiedensten Lobgesänge mitbekomme und plötzlich auf lauter Gestalten treffe, die Caspers bisherigen Karriere-Gipfel "schon seit Rap Art War prophezeiht" haben, stelle ich mich einer begründeten Frage: Habe ich das auch?
Vor allem in den letzten Jahren ist niemand an dem sympathischen Bielefelder vorbeigekommen. Aber was unterscheidet ihn von anderen Künstlern, die ähnlich umjubelt waren, aber bereits schneller als man "Album!" schreien konnte, von der Bildfläche verschwunden waren? Mal davon abgesehen, dass Casper durchaus schon eine lange Zeit verschwunden war, schwanke ich zwischen einem "Alles" und der Tatsache, dass manche Menschen eben doch ab und an mal vom Glück geküsst werden. Während ich weiter an meiner Veltins-Flasche nuckel und jeder Song erneut durch meine Boxen dröhnt, wird mir jedoch klar, dass ich eher zur ersteren Antwort tendiere. Casper ist echt, sympathisch, hat sich den Arsch aufgerissen und dabei einfach eines der größten Alben der letzten Jahre abgeliefert.
Musik zum Scheiße fühlen. Ein guter Freund schrieb mir am Release-Tag völlig verdattert eine SMS, in der er mir kurz und bündig erklärte, dass ihn "XOXO" auf der Gefühlsebene total durcheinander gebracht hat. Darüber amüsiert packte ich also meine CD aus, schob sie in den Player und ließ mich darauf ein. Als sich "Kontrolle/Schlaf" langsam dem Ende näherte, wusste ich, dass die SMS keine maßlose Übertreibung darstellte.
Vielleicht sollte man dazu noch einmal anmerken: Ein schlechtes Casper-Release gab es bisher noch nicht. Vergleicht man jedoch die Vorgänger mit "XOXO" wird jedem schnell klar, dass er jetzt endlich genau weiß, was er tut. Keine Hänger, keine Lückenfüller und vor allem kein unpassender Gast. Natürlich hat ein Kollegah mit Sicherheit einen großen Teil dazu beigetragen, den guten Casper nach einer beachtlich langen HipHop-Pause wieder in die Köpfe der Menschen zu katapultieren, aber vermissen sollte ihn eigentlich niemand auf einem Album wie diesem.
Auch wenn der liebe Cas es nicht gerne hört: Wenn er HipHop nicht retten will, so hat er wenigstens unbewusst dazu beigetragen. Ich will gar nicht wissen, wie viele deutsche Rapper jetzt Zuhause sitzen, fluchen und sich fragen, warum ihr bestes Album nicht einmal halb so gut war, wie "XOXO". Und wenn es so ist, liebe HipHop-Freunde, dann könnte es für uns nicht besser laufen. Eventuell bekommen wir so nämlich in den nächsten Jahren endlich mal wieder die Klassiker vorgetischt, die wir lieben und vor allem so dringend brauchen.
Danke für eure Aufmerksamkeit
XOXO.
Euer C. aus dem Kohlenpott-Team. ;)
geschrieben am 21.07.2011 um 15:01
in der Kategorie National
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