Lance Butters vs Retrogott – Bättlanalyse

Bääättltime #*!?!*

Wiedererkennungswert der Stimme:

Punkt für Lance – seine komplett eigene, selbsterfundene Aussprache (sÄÄÄmtliche Vokale werden durch ein „ÄÄÄ“ ersetzt) könnte glatt ein neuer Soziolekt werden. HUS erkennt man zwar auch ziemlich schnell, jedoch ist weder er noch irgendjemand sonst, außer Casper, Lance in dem Punkt gewachsen.  -  1:0

Flow (die beste Mischung aus Einheitlichkeit und Abwechslung):

Knappes Ding, doch letztendlich macht der Retrogott das Rennen, weil er alle erdenklich mögliche Flowvariationen durchexeziert und dennoch immer den HUS-Flavor miteinbaut. Beispiele findet man en masse, angefangen bei „Eine Frage bleibt offen“ über „Der Urlaub war so schön“, „KRS-One“ bis hin zu „Rokin‘ “. Der Laid-Back-Flow im „angeschwipsten Shuffle-Modus“ mit den unÄÄÄndlich in die LÄÄÄnge gezogenen End- oder Vorendsilben von Butters, ist in puncto Einheitlichkeit nicht zu übertreffen. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, verschiedene Zäsuren und Zeilensprünge zu wagen, auch wenn er seinem Markenzeichen so oft wie möglich Geltung verschaffen wollte.  -  Ausgleich

Themenamplitude:

Kein Punkt für nix und niemand. Lance hat dafür noch zu wenig releast, als dass ein Vergleich in Frage käme. Zwar hat der Retrogott mehr Abwechslung in den Themen der Songs, dafür hat er bis dato aber auch 3 Alben am Start, Butters nur einen Extended Play. Außerdem: Zieht man sich das „Unprofessionelle Demo“ von den Kölner-Chaos-Kumpels rein, findet man ebenso ausschließlich Battle-Rap.

Telling:

Beide MCs sollten sich in diesem Punkt ganz weit weg unter einem mickrigen Stein verkriechen und sich bloß nicht mehr blicken lassen. Aber während Lance schon mal die Blueprint für sein unterirdisches Tunnelsystem ausrollen darf, ist der Retrogott im Stande durch die Maulwurfshügel doch noch Frühlingsbrisen zu schnuppern.  -  1:2  -   Durch einen seiner wenigen Telling-Tracks wie „Pappmensch“, lässt er seine vergraben geglaubte Seele aufblitzen und bleibt sogar zeitweise beim selben Thema. Lance katapultiert sich eindrucksvoll „unter Tage“ in dem er mit „Dunkelrote Augen“ beweist, durch Worte keine fühlbare Atmosphäre zu kreieren (letztendlich verhindert BenettOn durch seine Produktion im „Ghosty-Style“, dass der Kohle-Wagen nicht entgleist). Also – Bergbauhelm auf die Maske beim nächsten deepen Track.

Musikalität (Hook-Ohrwurmpotential):

Kurz und knapp: Butters trifft mit seinen Styles besser den Rapzeitgeist, als es der Retrogott jemals tat. Bei Letzterem resultiert aber rein aus dem Namen, dass Aktualität nie im Fadenkreuz anvisiert wurde.  -  2:2

Reimstruktur/-qualität:

Während in dieser Rubrik Lance wieder fleißig weit unter der oberen Erdkruste schürfen geht, weil er sich noch so unterschiedliche Wörter mit dem Erz-Pickel zurecht klopft, wird der Retrogott von „Rubrik-Boss“-Kollegah in das Personalbüro gerufen und bekommt seine Gehaltserhöhung. Nicht viel aber wenigstens ein bisschen, vgl. „…Tape aus und chill-…Steak auf den Grill“(Nicht so schwuu). Die Struktur ist bei Butters und HUS obere Mittelklasse, der ein oder andere 4 Zeiler kommt, gepaart mit dem ein oder anderen Zeilensprung.  -  2:3

Humor:

Objektiv schwer zu beurteilen, dennoch erfindet Kurt „Krömer“ Hustle, jedes Mal den subtilen, schwarzen Humor aufs Neue. „Strassenrap“, „Yo Kurt“, „Hurensohnologie“…das komplette „Jetzt schämst du dich Album“ ist pure Komik. Wem „schwarz“ allerdings zu grell ist und wer gern jenseits des Farbspektrums lacht, findet in Butters und seiner unfassbaren Drastik seinen Meister. Man nehme lediglich etwas von „Ich hab schon etliche Bitches in sämtliche Öffnungen…“ und gebe noch ein bisschen „…so hart gefickt, dass sie für kurze Zeit nicht wussten, ob sie pissen oder scheißen“ dazu, fertig. Insgesamt aber zu platt. Punkt für den Kurt.  -  2:4

Philosophie (Lines mit „Hirn“):

„Das Leben besteht nur aus Momenten aber mir kommt es auf jeden an, denn die Momente dauern immerhin dein ganzes Leben lang.“(Pappmensch).  -  2:5

Punchlines:

Bättl. Eigentlich Butters‘ Heimat, siehe VideoBattleTurnier und ReimBattleArena. Straights wie „ich lass‘ dich links liegen als wärst du mein Schwanz“(VBT vs. Captain Jenny) treffen ziemlich hart an der Schläfe. Nichtsdestotrotz bringt es der Retrogott fertig, dich „vor Verwirrung selbst zu verletzen“(Zitat aus Pokemon im Kampf). Beispiel: „…Meine Mutter hat gesagt: Sie wollte nicht ficken, aber mein Vater hat sie dann gezwung', sie geschlagen und deshalb bin ich so misslung' “. Das was dich erst richtig K.O. schlägt ist, wenn der Kurt dich dabei nachäfft und die Crowd dich hämisch auslacht. Wechsel deinen Sweater auf den du vor Angst gekotzt hast (Mom’s Spaghetti).  -  2:6

Live:

HUS ist seit 2004 im Game und zockt seit dem 1. offiziellen Release dementsprechend oft und erfolgreich in der Szene u.a. auf dem HipHopOpen und dem Splash mit. Klar, dass er mehr Erfahrung hat als der LÄÄÄnce. Doch dafür, dass dieser bis jetzt hauptsächlich im VBT-Channel auf Youtube herumbeleidigt hat, macht Tony Stark on stage ordentlich was her. Gemessen an der Erfahrung Punkt für den Avenger.  -  3:6  -  Und sowieso: „Elektromukke schafft live ‘ne krassere Atmo‘, alter“ – frag die Berlin-Scene.

Soundbild (beste Mischung aus Einheitlichkeit und Abwechslung):

Beide bewegen sich in diesem Punkt auf demselben Niveau, der eine im Old-School-, der andere im Dubstep-Bereich. Es kommt zu einer klaren, einheitlichen Soundlandschaft, mit wenigen, aber signifikanten Abschweifungen, die die Aussicht vor der Einöde bewahren, die im Rap nahezu Tradition ist. ABER: Der Avenger hat nur eine EP und nicht mal zehn eigene Songs im Kofferraum – Huss und Hodn releast demnächst bald zum vierten Mal. Vergleicht man die ersten Tapes gehen die Kölner hoffnungslos unter.  -  4:6  -

Wer’s mehr HipHop?:

Subjektivität hoch 5. Aus dem klassischen Blickwinkel betrachtet, bei dem nur die 808er, die Bassline und das Jazz/Funk Sample zählen, ginge der BigPoint an den Retrogott. Heutigen Aspekten nach zu urteilen hittet Butters das Bulls Eye – die richtige Elektro-, Grime- Mische macht’s. Als Back-to-the-Basics HipHop-Head geht der Punkt meinerseits an Kurt, aber jeder keept’s auf seine Weise real – keine Punktevergabe.

 

  Lance Butters                                             

Retrogott (links; aka Kurt Hustle)

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