27.01.2010 - 06:38
Know your roots - Kurtis Blow
Kurtis Blow ist einer der Oldschool MCs. Und dazu noch einer, dessen Tracks man auf heute noch gerne auflegt und hört. Kostprobe gefällig?Monster-Track! Aber neben "The Breaks" hatte Kurtis Blow noch ein paar andere Perlen am Start. Und das Video ist eine Style-Granate.
Was seinen Einfluss auf die Rapwelt angeht, muss man auch nicht wirklich viele Wort verlieren. Woher hatte Nas nur die Idee und das Sample zu "If I ruled the world"...
Ein anständiger Hit wurde um '79/80 auch die Single "Christmas Rapping".
Im übrigen konnte Kurtis 1986 sogar Bob Dylan zum Rap bringen - und wer das schafft, der trägt auch den inoffiziellen Titel Godfather of Rap zu recht.
6.01.2010 - 04:59
Know your roots - Large Professor
Womit hat sich Large Professor verdient gemacht? Vielleicht als Produzent für Nas Monstermeilenstein Illmattic. Vielleicht auch als Main Source Mitglied auf der eigentlich ziemlich guten "Breaking Atoms" LP. Oder möglicherweise, weil er Premo gezeigt hat was man aus der drum machine so rausholen kann.
Auf dem Main Source Track "Live at the Barbeque" konnte man übrigens den gerade volljährigen Nas zum ersten Mal hören.
Als Soloartist nach dem Split von Main Source war Large Professor nicht gerade erfolgverwöhnt - oder sagen wir die Kritiken und Verkaufszahlen waren eher mäßig. Nach den beiden veröffentlichten Tracks "Ijuswannachill" und "The Mad Scientist" folgte aufgrund von Schwierigkeiten mit dem Label nicht die geplante Platte "The LP".
Stattdessen arbeitete er als Produzent für Nas, Busta Rhymes, Common oder Slick Rick - oder man fand ihn als Featuregast auf Tracks von Cormega oder Rob Swift. 2002 und 2003 wurde dann nicht nur "The LP" endlich mal released (eine neue Version des Albums wurde 2009 veröffentlicht), sondern mit "1st Class" auch gleich neues Material nachgeschoben. Das ganze klang dann etwa so:
Show some respect.
5.03.2009 - 08:54
Know your roots - The Beatnuts
Auf die beste Musik stößt man manchmal halt nur durch Zufall. Bei mir war das den Beatnuts so. Ein Kumpel hat mir ein And1 Videotape zugesteckt und der letzte Song war "Se Acabo" von den Beatnuts und Method Man. Die pure Dopeness. Danach musste ich los und "Take it or squeeze it" auf Vinyl kaufen - und seitdem haben die JuJu und Psycho Les einen festen Platz in meiner Plattenkiste. Und völlig zu recht, wenn man sich anhört wasfür Bretter auf diesem Album sind.
Damit hab ich mich jetzt schon mal geoutet: Zu den Fans der frühen Stunden gehöre ich damit sicher nicht. Das Debüt der Crew "Intoxicated Demons" wurde 1993 veröffentlicht - als The Beatnuts noch mit Al' Tariq als Trio unterwegs waren. Zuvor hatte man schon als Produzenten für die Stereo MCs, Common oder Fat Joe an Beats gewerkelt und sich einen Ruf erarbeitet, der ihnen den ersten Plattenvertrag einbrachte. Der Aufstieg in den Mainstream ging langsam und endete mit dem Album "A Musical Massacre" und dem Übertrack "Watch Out Know" - dessen Sample für Jennifer Lopez auch noch einmal funktionieren sollte (wen es interessiert, hier das Original).
Das letzte wichtige Album der Crew war vermutlich "Milk Me" von 2004 - das über das relativ kleine Label Penalty an den Start gebracht wurde und damit signalisierte, was die Crew wieder war: Underground. Doch egal ob Mainstream, Untergrund, Pop Hit oder Party Rap, sie bleiben "The Originators". "This is for the true fans, the real niggas that still with us, and I know I know I know like Bill Withers."
26.02.2009 - 09:58
Know your roots - MC Lyte
Ich kenn einige, die meinen Frauen könnten nicht rappen. Dazu fallen mir noch mehr Leute ein, die weibliche MCs seit Missy Elliot kennen oder besser seit Eve mögen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie haben keine Ahnung oder keinen Geschmack. Dabei gibt es soviele andere gute weibliche MCs - und ich fange jetzt nicht mal mit Lauryn Hill an. Diesesmal heißt es: Time for MC Lyte.
Das '93er "Ain't No Other" mit der Single "I Go On" ist nur eins von einem guten dutzend Alben. Eigentlich muss man die Eckdaten oder die Ups und Downs ihrer Karriere gar nicht großartig selbst zusammensuchen, sie erzählt es bereitwillig selbst. Wie sagte ein deutscher Rapper dazu?! "Wenn ich reinkomm' erheben sich alle wie beim Gerichtstermin". Hier trifft man aber nicht auf den Kadi, hier wird geslammt wie O'Neal. Poetry Style.
Wo wir übrigens beim Thema Karriere sind ist die alte Frage wieder da, wann man sich besser aus dem Spiel zurückziehen sollte und den Newcomern das Feld überlässt. Dafür gibt es wohl keine Paradeantwort, aber wenn man solche Tracks noch zustandebringt, dann muss man auch gar nicht drüber nachdenken. Look so young, stay that fly. Was soll man auf einem Premo Brett auch groß falsch machen. Immernoch Def wie Jam: "Wonder Years".
17.12.2008 - 05:45
Know Your Roots - Fu-Schnickens
Nicht nur Nas hat sich schon gefragt "Where are they now?" – Fu-Schnickens war eine Crew, die sich viel Mühe gegeben hat, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Kung-Fu Anleihen (vor dem Clan), Hochgeschwindigkeitsraps, ein Shaquille O'Neal Feature – die Jungs haben sogar rückwärts gerappt. Insane in the Brain. Das Ergebnis dieser Kollabo mit dem NBA Star (der damals höchstens ein mittelmäßiger Rapper war und seine Skills danach auch definitiv nicht verbessert hat) war übrigens „What’s Up Doc“ (der Titel ist ein Bugs Bunny Zitat…wie war das nochmal…ach ja: crazy).
Der Stil, der sich auch oft an Dancehall Elementen bediente, fand schnell Fans. Das Album "F.U. Don't Take It Personal" von 1992 heimste Gold ein und weitere Singles wie "La Schmoove" oder "True Fu-Schnick" schlugen recht passabel ein.
Der Stern ging dann aber auch schnell wieder unter – es gab neue und interessantere Artist. Es 1994 reichte noch für das mäßig spannende "Nervous Breakdown" und ein "Greatest Hits" Album (und wen hat das je interessiert?!). Da kann man sich also eher darauf beschränken was die Moc Fu, Poc Fu und Chip Fu interessant gemacht hat – und dazu reichen die 4 Minuten von "Ring The Alarm".
13.12.2008 - 02:54
Know Your Roots - Lost in Music - Hip Hop Hooray!
27.09.2008 - 11:22
HipHop und das böse t-Wort
Wo viele zum Abgesang auf die Szene abstimmen, wage ich mal eine These. HipHop ist nicht tot, er siecht auch nicht vor sich hin und als ich ihn das letzte Mal getroffen habe, erfreute er sich auch noch bester Gesundheit. Wenn man es so sagen will, dann ist er dabei aufzuräumen. Und wo gehobelt wird, da fallen halt auch Späne.
Im Grunde hätten alle, die jetzt gerade gepeinigt aufschreien und sich über die Situation beklagen, es besser wissen müssen, denn es ist keine neue Entwicklung - es sind nur neue Protagonisten. Auf dem Boom von 1999 folgte wenig später der vielbesprochene Flash-Crash, der durch generell sinkende Verkaufszahlen noch beschleunigt wurde. Als das Indie-Label Aggro für einen ganz neuen Schwung sorgte und die deutschen HipHop Gravitationszentren sich neu ordnen mussten, sprangen viele auf den Zug auf. Das Gründen eines Labels wurde zu einer Art Trendsport. Das schnelle Geld gibt es aber für die meisten in diesem Business nicht zu holen – um wirklich erfolgreich zu sein, braucht man erstmal gute Künstler. Ich rede hier nicht einmal von bloßen Skills, da können selbst simple Doppelreime für einen festen Platz im Medieninteresse schon reichen. Was mehr zählt ist das Gesamtpaket. Image, Positionierung, Fangemeinde, Reputation. Warum ist Aggro so erfolgreich geworden? Weil sie die besten Rapper haben? Sicher nicht. Weil sie zur richtigen Zeit den Sprung in die Marktnische gewagt haben, die dann explodiert ist. Vielleicht schon eher. Das nennt man dann wohl First-Mover Advantage. Im Jahr 2008 der Öffentlichkeit den nächsten Bushido-Klon als neuste Rap-Sensation verkaufen zu wollen, spricht nicht gerade von Weitsicht. Selbst das Schreiben einer Pressemitteilung dafür ist die reine Zeitverschwendung. Wer will es schon hören? Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob oder wie authentisch das ganze ist. Die Zeit, in der man alles einfach auf den Markt werfen konnte und man sein Publikum schon irgendwie automatisch gefunden hat, ist vorbei. Wer in die Branche will, der sollte sich vielleicht nochmal genau überlegen warum. Und einen zweiten Gedanken daran verschwenden, was man den Leuten denn bieten möchte. Der nächste Gangsterrap-Klon? Chemnitz ist nicht immernoch nicht Compton. Wer nichts neues mehr zu bieten hat, der findet wohl kaum noch Abhehmer – und beschwert sich dann halt gerne über die böse Szene und die dummen Kinder, die sich weigern den eigenen Kram zu konsumieren.
Letztlich ist die Wirtschaft, in der sich jedes noch so
kleine Label behaupten muss, kein großes Gruppenkuscheln. Man muss seine Ware
trotz großer Konkurrenz verkaufen können – jedenfalls wenn man mehr sein möchte
als eine Non-Profit Organisation. Da fällt es vielen Rappern schon schwer
Kunden außerhalb des eigenen Freundeskreises für sich gewinnen zu können. Ist
es ein Wunder, dass sowas dann den Bach runtergeht? Nein. Heißt das, dass die
Chancen für guten Rap gesunken sind? Ebenso nein. Es bedeutet mehr, dass man
vielleicht seine Ansprüche zurückschrauben muss oder Mut zur Lücke zeigen
sollte. Letztlich führt es wohl dazu, dass man von Leuten konstanter hören wird,
die sich mit dem Herz an das ganze Rapding gehängt haben oder von Personen, die
sich weitere Geschäftsbereiche erschließen. Bushido bringt zwar in trauter
Regelmäßigkeit Alben raus, die man am Sound und Thema nicht mehr wirklich
voneinander unterscheiden kann (das nennt man wohl Ausnutzung einer
Kernkompetenz) aber er hat sich einen festen Platz in der Bravo und einen Ruf
als guter Live-Act erarbeitet – und kann von ausverkauften Konzerten wohl noch
eine ganze Zeit leben. Sido lässt sich seinen Markennamen inzwischen als
Mitglied der Popstars Jury vergolden. Das neben viel Schrott auch gute Labels
wie Optik den Bach runtergehen, ist sicher schade. Aber vielleicht auch auf
eigene Fehler zurückzuführen. Wenn gestandene Größen wie Azad, Savas oder Samy
ihre Acts nicht über den Randnotiz-Status hinaus pushen können, dann kann mir
keiner was von einer guten Strategie erzählen. Dann fehlt es schlicht an Profil
– und vielleicht Mitarbeitern, die wissen wie man den Laden auch in Zeiten
geringen Wachstums erfolgreich führt. Um es nochmal ganz deutlich zu sagen: Wer
dauerhaft erfolgreich sein will, der sollte halt auch ein loyales Stamm-Publikum
für sich gewinnen – und das geht nicht in einer Woche, einem Monat und
vermutlich auch nicht in einem Jahr. Wer dafür nicht die Puste hat, der muss im
Basislager bleiben. Wer es versuchen will, der ist herzlich willkommen. Aber er
muss seinen erkämpften Platz auch im HipHop-Darwinismus verteidigen. Eigentlich
wurde dem Thema schon viel zu viel Platz eingeräumt. Welches Musikgenre
beschäftigt sich schon so gerne mit den eigenen Unzulänglichkeiten?
2.04.2008 - 12:56
Know Your Roots - KRS-One
Er ist ein bisschen das soziale Gewissen des HipHop. Zugegeben ist das nicht gerade ein Titel, um den sich Rapper scharenweise battlen. Klingt ja auch ein bisschen nach Streetworker und einem "Soziale Arbeit" Studium. Damit hat KRS-One aber auch wieder herzlich wenig zu tun. Als 13jähriger lebt er auf dem Straßen der Bronx - er ist obdachlos und verbringt viel Zeit in den Bibliotheken des Viertels. Dort schreibt er dann die Texte, die er nachts mit auf die Block Partys nimmt und mit denen er sich in ungezählten Battles misst. Wenn man es sarkastisch betrachten will, dann entstehen aus solchen Biographien Drogendealer. Er aber, dessen Name für Knowledge Reigns Supreme Over Nearly Everyone steht, begegnet Mitte der Achtziger dem Sozialarbeiter Scott Sterling aka Scott LaRock. Gemeinsam gründen sie BoogieDownProductions, liefern sich Battles mit dem Marley Marl Camp inklusive MC Shan und schaffen es erste Veröffentlichungen wie Criminal Minded auf den Markt zu bringen bevor Scott LaRock erschossen wird.
Seitdem hat er Solo weiterhin zahlreiche Alben released ohne
den Mainstream Erfolg bewusst gesucht oder nachhaltig gefunden zu haben – wenn man
man von Sound of da Police absieht, dass man selbst heute noch zu hören
bekommt.
Was ihm aber eigentlich mehr bedeutet ist der Respekt der Szene – und den hat er sich hart verdient. Weswegen man ihn heute noch kennen sollte? Er gehört zum Fundament sämtlicher conscious Rapper. Und den Beweis dafür, dass er sich hinter Namen wie Nas, Kanye West oder Rakim nicht verstecken muss, hat er selbst angetreten: Classic.
Zuletzt konnte man sein Statement zur "HipHop is dead" Diskussion hören: HipHop lives ist die Antwort, die er letztes Jahr zusammen mit Marley Marl gegeben hat. Auch wenn man diese Kollabo schon vor 20 Jahren hätte an den Start bringen können; der Track dieser beiden Veteranen ist ein Zeichen, dass sie immer noch auf der Höhe der Zeit sind. Auch ohne Goldketten, Platinanhänger, 22 Zoll Felgen und nackte Tatsachen. KRS-One: The Founder of The Temple of HipHop, The Teacher, the Blastmaster. The Legend.
27.05.2007 - 12:52
Know your roots - Rakim
Legends of the Fall Offs. Ein MC über den man Bücher schreiben könnte. Ich fass mich aber kurz, denn über seine Bedeutung gibt es kein überflüssiges Wort zu verlieren. Von Nas, Jay-Z, Busta Rhymes oder GZA wird Rakim als größter Lyricists gefeiert. William Griffin hatte als erster Rapper einen „One Million Dollar Contract“. Wer will ihm also jetzt was von Business Moves erzählen?!
1.03.2007 - 12:20
Know your roots - DJ Hollywood
Wer zum Teufel ist DJ Hollywood? Eben. Immerhin ist er der Mann, der für den Begriff "HipHop" wohl maßgeblich verantwortlich ist. Wer also ist dieser Kerl? Zum einen einer der berühmtesten Club DJs der frühen HipHop Anfänge, der unter anderem mit seinen Shows im Apollo dafür sorgte dass das Break Dance und Disco Fieber zuerst die Staaten und dann auch die anderen Kontinente erfasste. Andererseits war er auch einer der ersten Rapper - und wenn man Kurtis Blow oder Grandmaster Flash glauben will, dann war er zu seiner Zeit nur schwer zu schlagen. "Woo-Ha, got the girls in check" – an wen erinnert dieser Ausspruch?!
Wie das ganze angefangen hat? Ein Seitenblick ins Oldschool Geschichtsbuch. Geboren wurde er am 10. Dezember '54, mit 14 ging er von zuhause weg, weil er sich seiner Mutter und ihren strengen Regeln nicht unterordnen wollte. Aus dem gleichen Grund trieb er sich in seinen Teenager Jahren auch eher in den Straßen Harlems als in der Schule rum – er wollte näher bei den Hustlern sein, Würfelspiele an der Straßenecke, sechs Tage die Woche in Clubs feiern. Er war schon damals ein Entertainer – sein manchmal theatralisches Verhalten brachte ihm auch schnell einen neuen Namen ein: Hollywood. In den Clubs war er wie gesagt ein häufiger Gast. Er feierte, tanzte und nahm Drogen, was seine Karriere später ruinieren sollte. Allerdings kam er so zu Connections. Er kannte die Spots in Harlem und ein Soul-DJ namens Bojangles brachte ihm die Grundlagen des Mixens bei. Ein Kerl namens Thunderbird Johnny gab ihm Gelegenheit seiner ersten Erfahrungen zu sammeln – zuerst als Sänger, nicht als DJ. 1972 hatte er seine ersten Mixtapes am Start, vertickte seine 8 Track Tapes in Barber Shops und an Straßenecken, quasi der verhaltene Startschuss zum heutigen Mixtape Wahnsinn.
1975 hatte er seine ersten Engagements als DJ. Er legte in Club 371 auf und fing an zu rappen.. Sein Rap war allerdings entfernt von den Standard Reimen mit denen andere MCs ihre Soundystems unterstützten. Ein Isaac Hayes Song inspirierte ihn und er begann zu experimentieren – er feilte an seinen Styles, arbeitete mit verschiedenen Flows und einer ganz neuen Delivery, so dass er quasi über Nacht von dutzenden Rappern gebitet wurde. An den Turntables war er einer der Veteranen, die das Beatjuggling zum Standard machten, wobei er mehr Disco Sounds benutzte, während Leute wie Herc die Crowd mit ihren Breakbeats bearbeiteten. Mit dabei war übrigens sein Partner Lovebug Starski – seine Shows wurden legendär, der Höhepunkt war 1979. Wenn er auflegte, dann waren die Clubs um neun oder zehn Uhr abends schon restlos gefüllt. Seine Drogensucht machte ihm allerdings zu schaffen und er zog sich zurück. Viel auf Vinyl ist von letztlich nicht geblieben. Da hätten wir auszugsweise die Single "Shock Shock The House" von 1980, die über CBS Records releast wurde. Ansonsten startete er Anfang der Neunziger mit seinen alten Partnern ein Comeback – zu einem reichen Mann hat ihn das allerdings nicht gemacht. Sei's drum, wenn es schon nicht das große Geld war, dann ist es der Respekt – und der Tribut wird gerne gezahlt.
"It says in the Bible 'Let's make a joyful noise unto the Lord', well my joyful noise came as a James Brown record" – DJ Hollywood
2.02.2007 - 03:14
Know your roots - Kool DJ Herc
Ich möchte mal eine Umfrage durchführen in der nach dem Erfinder des HipHops gefragt wird. Wie oft fällt da dann wohl der Name Kool DJ Herc? Denn verdient hätte er sich diesen Titel ja schon.
Clive Campell zog 1967 mit seinen Eltern im Alter von 12 Jahren von Kingston in die Bronx und erwirbt sich einen ersten Spitznamen durch sein schweißtreibendes Training in der Sporthalle seiner Schule: Hercules.
1969 fängt er an auf Partys zu spielen. Er hat Reggae im Blut und interessiert sich sehr für die Funk- und Disco Musik der aufkommenden Siebziger. Als seine DJ Geburtsstunde gilt der Geburtstag seiner Schwester 1973. Er kreiert einen bis dato völlig unbekannten Soundmix aus Dub Elementen und Funk Part, der zu einer seiner berühmtesten Erfindungen führte: Den Break-Beats. Zwei Plattenspieler mit zwei identischen Platten bildeten die Grundlage. Herc arrangierte es so, dass er erst den tanzbaren Part der ersten Platte spielte und dann auf den zweiten Plattenspieler umstellte, um dort dasselbe zu tun. Damit war auch der Loop offiziell erfunden. Seine Berühmtheit und Bekanntheit innerhalb der Szene wuchs. So kam im gleichen Jahr auch der erste Job als Club DJ dazu. Im Twilight Zone startete er sein Soundsystem, das auch die Blockpartys in der Bronx in High Schools oder Hinterhöfen dominierte. Er galt als der Lauteste mit dem stärksten Soundsystem, das notfalls auch Bambaataas Set und die dazugehörige Zulu Crew zu Statisten degradieren konnte. Ein Clash mit ihm konnte man zu dieser Zeit nicht gewinnen.
Den Höhepunkt gab es dann wohl 1975. Er spielte in berühmten Clubs wie dem Hevalo oder dem Sparkle und prägte für den sich entwickelnden Tanzstil sogar den Begriff "B-Boy", als dessen ältester Vertreter er sich auch gerne bezeichnet hat.
Mit der Zeit wurden die Sets immer komplexer und forderten mehr Konzentration. Zeit für Shouts Outs an die tanzwütige Crowd blieb da nicht mehr. Er holte Coke La Rock um die Leute anzuheizen und machte ihn zum Master of Ceremony. Den vielleicht ersten MC. Zusammen mit anderen Künstlern bildete er die Crew The Herculoids.
So um 1976/1977 ging es dann langsam bergab mit dem begnadeten DJ und HipHop Künstler Herc. Grandmaster Flash und seine Furious Five traten mehr ins Rampenlicht und auch Bambaataa sorgte mit seinen Crews für internationales Aufsehen. Herc wurde auf seiner eigenen Party niedergestochen, verletzte sich an der Hand und erholte sich nie mehr völlig. Seine letzte Old School Party fand 1984. Danach kam er eine Zeit höchstens durch negative Schlagzeilen wieder zurück ins Gerede, er hatte einige Drogenprobleme, in den Neunzigern tauchte er dann aber auch künstlerisch wieder auf. Auf Platten wie "The Godfathers Of Threat" von Terminator X oder "Dig Your Own Hole" von den Chemical Brothers ist er zu Gast und dies sind letztlich auch seine einzigen offiziellen Releases (abgesehen von seinem Auftritt in dem HipHop Monument Beat Street, in dem er sich natürlich selbst spielt), was die Aufrechterhaltung einer Erinnerung an ihn nicht wirklich leichter macht. Herc ist einer der Architekten des New Yorker Sounds, der aus der Bronx hinaus mit seiner Mischung aus Disco, Funk, Soul, R&B und Reggae als HipHop seinen Siegeszug in die Welt antrat. Ohne den ich und du, der das gerade liest wohl nie zu dem geworden wären, der wir heute eben sind.
"Can’t stop, won’t stop" – The Legend lives on…
20.04.2006 - 08:15
Take off your suit...
Ich hatte letztens ein Gespräch mit einer Freundin. Irgendwann waren wir durch unzusammenhängende Gesprächsführung dann an dem Punkt Kleidung angelangt, bei dem ich dann mal anmerkte, dass ich genau einen Anzug, mit passendem Hemd und Krawatte besitze, den ich mir zu Abi-Zeiten zulegen musste, und in dem ich mich ungefähr so wohl fühle, wie ein "Nashorn auf Stöckelschuhen" (ja, ich weiß, ein ziemlich behämmerter Vergleich, aber im Eifer des Gefechts fällt einem manchmal nichts Besseres ein - Schlagfertigkeit ist manchmal etwas, was erst 24 Stunden später kommt. Vielleicht hätte ich sagen sollen "wie 50 Cent", denn welcher Stylist auch immer ihn in "Outta Control" in dieses Jacket gezwängt hat, man sollte ihm die Lizenz entziehen - whatever, back to the topic).
"Aber warum studierst du dann Wirtschaftswissenschaften?" kam so ungefähr als Tenor der Antwort zurück. Gute Frage, hab ich mir hin und wieder auch gestellt, aber was hat das eine mit dem anderen zu tun?
"Ja, da musst du später im Beruf doch öfter Anzüge tragen?" - Keine Ahnung. Muss ich? Es ist nicht mein Ziel und auch sicher nicht meine Absicht mit Ende 20 in maßgeschneiderten Anzügen mit überheblichen Ignoranten über Downsizing zu palavern. Dass es auch nicht mein Ziel ist mit Ende 20 in zerschlissenen Baggy Pants unter einer Brücke zu pennen sei mal so dahingestellt. Kommt eben auf die Art von Job an, den man haben will, oder?!
Aber zurück zur ersten Frage: Warum studiere ich das? Erste Antwort: Weil es mich interessiert, auch wenn man immer mit dem Vorurteil zu kämpfen hat, dass man BWL, VWL oder Wirtschaftsinformatik studiert, weil einem nix Besseres eingefallen ist...
Zweite Antwort: Hat jemand den Nachruf von Eißfeldt zur Eimsbush Pleite gelesen? Gescheitert an den Hürden der "funky BWL", wie es ungefähr hieß. Mit Caro, die ja eher aus philosophischen/philologischen Studiengebieten kam, hatte ich mal eine Unterhaltung darüber, da es sie manchmal ziemlich genervt hat, dass sie sich bei der Führung von Looplab immer wieder auf andere Fachleute verlassen musste und der Wirtschafts-Slang für sie oft recht unverständlich war.
Also kann man doch beides vereinen, oder?! Eine HipHop geprägte Lebenseinstellung trifft auf Business Wissen mit dem Ziel, die Ideen und die Kreativität, die man ja manchmal so hat, umzusetzen ohne administrativ vor die Wand zu fahren. Everything is possible. Quasi ein "Best of Both Worlds". Vielleicht ist das zu naiv gedacht und ich habe die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ich will's nicht ausschließen, aber mit 21 kann ich mich von potentiellen Rückschlägen oder Kompromissen wohl auch noch erholen - und im passenden Anzug kann ich mich dann immer noch beerdigen lassen.
Dedicated to Masta Ace - "Hiphop is my blood, it runs through my veins"
8.01.2006 - 12:21
The Tribute
Habe gerade mal wieder in alten Platten rumgehört und bin wieder auf einen besonderen Track gestoßen. Gerichtet an Big L, der im Februar 99 in Harlem erschossen wurde. Hier also: 'The Tribute' vom D.I.T.C. Album 'Worldwide'. 'I’m still feelin’ you' 'nahmean.
Für mich ist Big L, auch wenn der ganz große kommerzielle Erfolg ihm wohl verwehrt blieb und er in der Öffentlichkeit längst nicht die Legende ist, die er sein sollte, einer der besten MCs, die je das Mic in die Hand genommen habe. Damit meine ich jetzt nicht, dass er der genialste Lyricists war, sondern dass er dieses Feuer hatte, das einen verblüfft staunen lässt. Vor allem in Freestyles, die seinerzeit wohl alles zerfetzt haben, was sich ihnen in den Weg stellte. 'And now I’ll take you out your misery and after this I put you in your social study book - 'cause you history!' In jedem seiner Tracks, egal ob auf Platte geflowt oder an der Straßenecke gecyphert steckte mindestens die eine Killer Punch Line, die so viele Rapper wohl ewig suchen. Auch dank ihm, zu dessen wichtigsten Förderern ein nicht unbekannter Lord Finesse zählte, schaut die halbe Welt regelmäßig in Richtung Harlem, um sich von den Diplomats vorführen zu lassen was heutzutage als 'fly' gilt. Denn wer waren noch mal die Mitglieder jener Children Of The Corn Gruppe? Big L, Killa Cam und Murder Mase, letztere heute vielleicht besser bekannt als Cam’ron und Mase. Auch wenn sein 'Lifestylez Ov da Poor and Dangerous' nicht gechartet ist und unbestreitbar seine Schwächen hatte, war der Mann auf dem Weg zu ganz neuen Ufern. „Ebonics“, jener auf Vinyl gebannte Street Code, 'The Heist' und überhaupt die Tracks seines 'The Big Picture' Albums sind die sichersten Anzeichen davon. Und wie die Rap Welt vibriert hätte, wenn Big L's Formation mit Jigga zustande gekommen wäre, will ich mir gar nicht ausmalen. Dass L im Alter von 24 das aufflammende Parkett der Rap Bühne verlassen musste, macht die Sache doppelt tragisch. 'I talk with slang and I’ll never stop speaking it'. Ach ja, 'No love for bitches'!
27.12.2005 - 06:39
Your whole style sounds like a damn commercial...
Manchmal kommt man schon auf den Trichter, dass Rap Musik nur noch Marketing für ganz andere Produkte eines Künstlers ist. Mal ganz ehrlich. Auf welche Produkte haben Artists aus den Staaten noch nicht ihren Schriftzug oder Konterfei gesetzt?! Alkohol, Klamotten, Schuhe, Vitamindrinks, Spiele (Snoop hat ein eigenes verdammtes Hot Dog) und schieß mich tot was weiß ich. Was also könnte ein gewiefter und kreativer Marketingmensch also noch alles mit bekannten Rappern bewerben. Einige Vorschläge:
1. Nachdem Kinderschokolade sein altes mutmaßlich geanverändertes Honigkuchenpferd/Grinsebacke von den Packungen entfernt hat und danach den Unsympath no.1, Streberschüler, Klassensprecher und „man-findet-keine-Freunde-mit-Salat“ Kevin draufgepackt hat war das Geschreie groß (gut zugegeben, den meisten Leuten ging das am Arsch vorbei, who cares?!). Den sollten die jetzt schnellstmöglich entfernen und dort Lil’ Flip oder falls man lieber mit einem weißen Gesicht werben möchte, Paul Wall aufdrucken. Erstens haben die dank des Einsatzes von Platin und Diamanten Grills, das wohl mit Abstand strahlenste Lächeln und zweitens würde ich dann auch wieder von Duplo auf Kinderschokolade wechseln.
2. Nachdem die Formel 1 nicht mehr mit Zigarettenwerbung finanziert werden darf, wären Werbeverträge mit Labels doch ein guter Ausweg. Jigga muss seine hunderte Millionen doch irgendwie unters Volk bringen, warum nicht mit dem „Def Jam Racing“ Team. Mad Mike baut die Unterhaltungselektronik in die Boliden und Ish sorgt für netten Flokati Stoff im Cockpit. Wenn die anderen dann doch schneller sind, kann man in einem Drive by Shooting schnell mal zeigen, wer hier Chef im Ring ist. Kommentator wird X to da Z, der kennt sich erstens bestens mit den Karren aus und ist allemal witziger als die bisherigen Schlaftabletten. Die Boxenluder besorgt Snoop, der hat ja einschlägige Connections und alle freuen sich. Und die fette Sau Briatore kann mal sehen, dass es nicht reicht Heidi Klum einen Braten in die Röhre zu schieben und ein paar schnelle Flitzer zu haben, um ein wirklicher Pimp zu sein. Netter Nebeneffekt: An der Rennstrecke hätten alle „the ear on the street“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Credibility gibt’s gratis. So, jetzt reicht’s. Wenn ich aber irgendwann Fiffty’s eigenes verbleites Benzin an der Zapfsäule tanken kann, dann sprechen wir uns wieder.
15.12.2005 - 08:09
Put your Lighters up...
Okay, wo Fu schon so euphorisch den Launch angekündigt hat, versuche ich mich auch mal als Blogger. Bei näherem Nachdenken was ich schreiben könnte ist mir eine Episode vom letzten Clubabend am Freitag eingefallen, der mich die letzte Woche doch irgendwie beschäftigt hat. Also um es sofort klar zu machen: Ich habe mich jetzt nicht geprügelt. Wer auch solche Stories aus ist, kann seine Zeit jetzt schon sinnvoller verbringen. Die Chrom Baseball-Keule für's Wochenende aufpolieren oder so.So, jetzt aber zur Sache: Ich saß nichtsahnend an der Bar und wurde von einem anderen Typen angequatscht und in ein mäßig ernsthaftes Gespräch über Hiphop hereingezogen. Der Typ, sein Name hat sich schon wieder aus meinem Gedächnis verabschiedet, sah nicht nur so aus, als wäre er in den Dipset Topf gefallen, nein, er warf ersthaft die Frage auf wie es überhaupt möglich war in der Prä-G-Unit Ära Hiphop zu hören. Hallo?!? 50 Cent und Konsorten in allen Ehren, aber die Jungs haben den Hiphop doch nicht erfunden. Da kam ich mir schon mit meinen zarten 20 Jahren vor wie der letzte Oldschool Veteran...und das soll ja schonmal was heißen. Es wurde auch nicht besser als ich nett versucht habe sein Weltbild ein wenig zu verrücken und ihn über einige brilliante Alben der letzten Zeit aufzuklären. Leider konnte er mit Common oder den Quannum Artists nur wenig anfangen und so bin ich dann schon - um ihn einen Gefallen zu tun - auf "Lighters Up" eingegangen (immerhin ein Song aus New York), das gerade über den Dancefloor schepperte. Da meinte er, dass sich dass nach den Fugees anhört und er Lauryn Hill nicht ab kann. Sorry, spätestens da hab ich mich dann von dem Gedanken verabschiedet irgendeinen gemeinsamen Nenner zu finden. Schade drum...





