Hiphop.de - Blogs - Blog Verzeichnis
LOG IN

27.09.2008 - 11:22

HipHop und das böse t-Wort

Wo viele zum Abgesang auf die Szene abstimmen, wage ich mal eine These. HipHop ist nicht tot, er siecht auch nicht vor sich hin und als ich ihn das letzte Mal getroffen habe, erfreute er sich auch noch bester Gesundheit. Wenn man es so sagen will, dann ist er dabei aufzuräumen. Und wo gehobelt wird, da fallen halt auch Späne.

Im Grunde hätten alle, die jetzt gerade gepeinigt aufschreien und sich über die Situation beklagen, es besser wissen müssen, denn es ist keine neue Entwicklung - es sind nur neue Protagonisten. Auf dem Boom von 1999 folgte wenig später der vielbesprochene Flash-Crash, der durch generell sinkende Verkaufszahlen noch beschleunigt wurde. Als das Indie-Label Aggro für einen ganz neuen Schwung sorgte und die deutschen HipHop Gravitationszentren sich neu ordnen mussten, sprangen viele auf den Zug auf. Das Gründen eines Labels wurde zu einer Art Trendsport. Das schnelle Geld gibt es aber für die meisten in diesem Business nicht zu holen – um wirklich erfolgreich zu sein, braucht man erstmal gute Künstler. Ich rede hier nicht einmal von bloßen Skills, da können selbst simple Doppelreime für einen festen Platz im Medieninteresse schon reichen. Was mehr zählt ist das Gesamtpaket. Image, Positionierung, Fangemeinde, Reputation. Warum ist Aggro so erfolgreich geworden? Weil sie die besten Rapper haben? Sicher nicht. Weil sie zur richtigen Zeit den Sprung in die Marktnische gewagt haben, die dann explodiert ist. Vielleicht schon eher. Das nennt man dann wohl First-Mover Advantage. Im Jahr 2008 der Öffentlichkeit den nächsten Bushido-Klon als neuste Rap-Sensation verkaufen zu wollen, spricht nicht gerade von Weitsicht. Selbst das Schreiben einer Pressemitteilung dafür ist die reine Zeitverschwendung. Wer will es schon hören? Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob oder wie authentisch das ganze ist. Die Zeit, in der man alles einfach auf den Markt werfen konnte und man sein Publikum schon irgendwie automatisch gefunden hat, ist vorbei. Wer in die Branche will, der sollte sich vielleicht nochmal genau überlegen warum. Und einen zweiten Gedanken daran verschwenden, was man den Leuten denn bieten möchte. Der nächste Gangsterrap-Klon? Chemnitz ist nicht immernoch nicht Compton. Wer nichts neues mehr zu bieten hat, der findet wohl kaum noch Abhehmer – und beschwert sich dann halt gerne über die böse Szene und die dummen Kinder, die sich weigern den eigenen Kram zu konsumieren.

Letztlich ist die Wirtschaft, in der sich jedes noch so kleine Label behaupten muss, kein großes Gruppenkuscheln. Man muss seine Ware trotz großer Konkurrenz verkaufen können – jedenfalls wenn man mehr sein möchte als eine Non-Profit Organisation. Da fällt es vielen Rappern schon schwer Kunden außerhalb des eigenen Freundeskreises für sich gewinnen zu können. Ist es ein Wunder, dass sowas dann den Bach runtergeht? Nein. Heißt das, dass die Chancen für guten Rap gesunken sind? Ebenso nein. Es bedeutet mehr, dass man vielleicht seine Ansprüche zurückschrauben muss oder Mut zur Lücke zeigen sollte. Letztlich führt es wohl dazu, dass man von Leuten konstanter hören wird, die sich mit dem Herz an das ganze Rapding gehängt haben oder von Personen, die sich weitere Geschäftsbereiche erschließen. Bushido bringt zwar in trauter Regelmäßigkeit Alben raus, die man am Sound und Thema nicht mehr wirklich voneinander unterscheiden kann (das nennt man wohl Ausnutzung einer Kernkompetenz) aber er hat sich einen festen Platz in der Bravo und einen Ruf als guter Live-Act erarbeitet – und kann von ausverkauften Konzerten wohl noch eine ganze Zeit leben. Sido lässt sich seinen Markennamen inzwischen als Mitglied der Popstars Jury vergolden. Das neben viel Schrott auch gute Labels wie Optik den Bach runtergehen, ist sicher schade. Aber vielleicht auch auf eigene Fehler zurückzuführen. Wenn gestandene Größen wie Azad, Savas oder Samy ihre Acts nicht über den Randnotiz-Status hinaus pushen können, dann kann mir keiner was von einer guten Strategie erzählen. Dann fehlt es schlicht an Profil – und vielleicht Mitarbeitern, die wissen wie man den Laden auch in Zeiten geringen Wachstums erfolgreich führt. Um es nochmal ganz deutlich zu sagen: Wer dauerhaft erfolgreich sein will, der sollte halt auch ein loyales Stamm-Publikum für sich gewinnen – und das geht nicht in einer Woche, einem Monat und vermutlich auch nicht in einem Jahr. Wer dafür nicht die Puste hat, der muss im Basislager bleiben. Wer es versuchen will, der ist herzlich willkommen. Aber er muss seinen erkämpften Platz auch im HipHop-Darwinismus verteidigen. Eigentlich wurde dem Thema schon viel zu viel Platz eingeräumt. Welches Musikgenre beschäftigt sich schon so gerne mit den eigenen Unzulänglichkeiten?

  

Kommentar ohne Titel

27.09.2008 - 12:43 Anonymous

Anonymouswas redest du da, lan?

Optik 4 Life !!!!!!

27.09.2008 - 01:42 KKS

KKSJohn Bello Story 2 am 17.10.2008 kaufen !!!!!!

http://www.optikrecords.de/forum

Kommentar ohne Titel

27.09.2008 - 10:12 Anonymous

Anonymouser redet davon, dass die ganzen schwachmatenrapper und möchtegernlabels alles amateure sind und keinen plan haben, lan

...und da hat er recht, lan

Kommentar ohne Titel

28.09.2008 - 12:17 Anonymous

AnonymousHoffen wir mal, dass der HipHop Darwinismus was gutes übriglässt - der nächste Boom folgt dann bestimmt. HipHop lebt.

Kommentar ohne Titel

28.09.2008 - 12:22 Anonymous

Anonymousganz ehrlich, warum savas oder savas es nicht geschafft gehaben ihre rapper zu etablieren hab ich bisher auch noch nicht verstanden...

Kommentar ohne Titel

28.09.2008 - 12:53 Anonymous

Anonymousich glaube, weil die Leute alle Rapper, die neben Savas stehen auch immer nur mit ihm in verbindung bringen...fehlende positionierung stimmt da schon

CORNER 8

1.10.2008 - 07:11 Anonymous

AnonymousCORNER 8 jetzt draußen!!

Titelstory mit Kodimey (Chimperator)!!

mehr Infos auf www.corner-magazin.de



Kommentar

1.10.2008 - 07:16 Anonymous

Anonymousgefällt mir gut was hier steht! gute Sichtweise.