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"Und jetzt regnet es auch noch... Hoffentlich werde ich bald in den Innendienst versetzt."

23.12.2005 - 19:00
"Und jetzt regnet es auch noch... Hoffentlich werde ich bald wieder in den Innendienst versetzt." Polizeihauptkommisar Jürgen Schön biss in seine Stulle und blickte missmutig zu seinem Kollegen, der auf dem Beifahrersitz des schwarzen BMW sass und auf den vorbeifahrenden Verkehr zu achten schien. Beiden ging das ständige Warten gehörig auf die Nerven, aber noch mehr wurmte es sie, dass kein Personal der französischen Polizei zu ihrer Unterstützung abgeordert worden war und sie den Fall nun alleine bearbeiten mussten. "Nur weil die ihre Vorstädte nicht im Griff haben müssen wir hier Doppelschichten schieben..." sagte sein Kollege. Natürlich war sich auch Polizeimeister Holger Apfel darüber im klaren, dass die Franzosen die Entscheidung in diesem Fall unabhängig von den anhaltenden Unruhen getroffen haben, aber so hatten er wenigstens einen Sündenbock.

Sie warteten jetzt schon den ganzen Vormittag auf dem Rastplatz, aber bisher hatte sich noch nichts ungewöhnliches ereignet. Im Grunde war ihnen noch nichtmal klar wonach sie zu suchen hatten. Angeblich sollte hier ein Drogendeal stattfinden, und ihr V-Mann hatte ihnen sogar geholfen, ein Phantombild von einem der mutmasslichen Dealer anzufertigen - aber nur mit Hilfe einer schwarz/weiss - Zeichnung und ein paar Infos von ihrem Kontaktmann einen erfahrenen Kriminellen stellen und verhaften? Zumindest Holger Apfel war sich da nicht ganz sicher, und verliess darauf, dass sein erfahrenerer Kollege schon rechtzeitig sagen würde, was zu tun ist. Er schaute sich zum hundertsten mal das Phantombild an, und liess seinen Blick über den Parkplatz schweifen. Was, wenn er einfach eine Sonnenbrille und einen Hut anzieht? Hin und wieder kamen ihm die eigenen Methoden stümperhaft vor, aber er war eh schon an dem Punkt angelangt, wo er nicht mehr aus Ehrgeiz oder aus ideologischen Gründen Polizist war, sondern des guten Geldes und des sicheren Arbeitsplatzes wegen. Ein Haus wollte er bauen, und mit seiner Frau glücklich werden. Und da brauchte es 'etwas vernünftiges', wie seine Eltern immer sagten. 'Musiker kannst du auch nebenher noch sein.' sagten sie. Von wegen...
Plötzlich wurden seine Gedanken jäh unterbrochen. Zwei Männer kamen aus dem Haupteingang des Motels, und einer davon entsprach zumindest auf die Entfernung dem Gesuchten.

"Da, am Eingang. Das ist er, glaube ich!" sagte sein Kollege gerade in dem Moment, als er ihn darauf hinweisen wollte. "Nimm die Kamera, ich fahre etwas näher ran."