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31.12.2008 - Toxik Jahresrückblick 2008

Ein altes Jahr ist tot, ein neues fängt an. Gute Gelegenheit meinen Teil zur ultimativen Jahresrückblicks-Übersicht auf Hiphop.de beizutragen. Zumal man bei Spit-TV einen Beitrag zum Thema von mir angefragt hat und bei Hiphop.de Blog Kollegen sagt man ja nicht nein. Zumal Spit-TV wahrscheinlich mehr Klicks hat als ein Großteil unserer Konkurrenzmagazine. Meine persönlichen Jahrescharts wirds da wohl bald geben, den Artikel stell ich pünktlich zu Silvester schonmal auf den guten alten ProllBlog.

Die erhebendsten Hiphop Momente möchte Spit-TV wissen... Ich habe die Auszeit, die einem Weihnachten und Gedöns immer bringt, gerade genutzt um Probleme zu lösen und den Kopf frei zu kriegen, ich hätte zu jeder Tag und Nachtzeit der letzten drei Jahre wahrscheinlich mehr zu Hiphop sagen können. Aber ich verbinde das mal mit meiner 2008er Generalabrechnung. Pass auf: Mein Hiphop Moment waren nicht die sehr guten Kanye West Konzerte. Nicht das Lil Wayne Album. Nicht das Ende von Royalbunker, Optik oder einem der anderen Labels. Nicht bei Feuer Über Deutschland Hinz & Kunz zu interviewen, auch wenn ich auf die Art indirekt höher gechartet bin als die meisten Rapper. Höhö. Ich bin 2008 bei Hiphop.de, wo für mich vor wenigen Jahren als Praktikant mein Hiphop-Journalisten-Leben angefangen hat, Chefredakteur geworden. Das war aber auch nicht der Über-Moment. Wenn du seit Monaten weißt, dass du einen Lego Panzer zu Weihnachten bekommst, geht dir nicht vor Freude die Hose auf, sondern du lächelst, baust ihn zusammen und schießt auf die Barbies deiner Schwester. Vielleicht wars also das splash!, wo ich zum ersten mal nicht als normaler Besucher war. Wieder mehr Leute persönlich kennen lernen mit denen man sonst nur telefonisch zu tun hat, drei Tage Hiphop und Urlaub, das war cool. Persönlich kennengelernt ist die deutsche Hiphop Szene ja auch viel korrekter als sie von außen rüberkommt. Insgesamt, und auch auf dem splash!, lag 2008 diese verballerte „wir verwesen alle lebendig“-Stimmung in der Luft. Viel mehr als ein Moment bleibt für mich 2008 eigentlich eher dieser heftige Prozess hängen. Aus meiner Sicht hat sich echt ne Menge geändert dieses Jahr. Und während alle heulen find ichs inzwischen eigentlich nur noch befreiend und interessant.

In meinen ersten zwei Jahren als Blogger, Journalist und so weiter wurden Sachen gefeiert, die ich auch sehr gefeiert hab: Dipset, der neue Ruhrpott Rap, Dirty South. 2008 war dann überall Sackgassen-Stimmung. Lauter Leute die erkennen, dass das Ding, dem sie ihr Leben gewidmet haben, fürn Arsch ist. Ich hätte jetzt auch direkt Frührentner werden können und von den guten alten Zeiten erzählen. „Weißt du noch damals,  Jim Jones, das war noch Hiphop. Nicht wie dieser Scheiß heute.“ Nach einer Runde Gabber aufdrehen, nachdenken und checken was es auf der Welt noch alles gibt, viel mir auf, dass es keinen Grund gibt sich den schlauen Kulturkritikern anzuschließen und gemeinsam im Kreis zu jammern. Nochma Glück gehabt.



Vorher noch irritierende Vögel wie Pharrell und Kanye haben 2008 plötzlich Sinn gemacht, weil einem klar wurde, dass deren Art der neue Trend ist. Ich habe vor anderthalb Jahren angefangen beim Selbermachen mit anderer Musik rumzuexperimentieren. Aus der Erkenntnis heraus, dass man das in seine Musik einfließen lassen sollte, was einen geprägt hat. Mich haben Rap, Böhse Onkelz und Gabber geprägt. In dem Zusammenhang hat mich dann damals ein guter Kollege in den aufkommenden Electro Hype eingeweiht. In den kommenden Monaten hab ich dann mehr und mehr mitbekommen, wie viele HipHopper an Electro Projekten arbeiten. Wenn man sich das weltweit ansieht merkt man, dass die Experimente nicht auf diese komische Electro Mucke begrenzt sind, sondern es allgemein einfach ne Menge sehr freshe Experimente gibt. Als mir Terry Lynn erzählt hat, wie ihr ein Kanadier Electro erklärt hat, dachte ich „ah krass, da sitzt die Alte auf Jamaika und macht die gleiche Erfahrung wie ich“. Schon geil, dieses Internet. Das war für mich das Thema 2008, auf schakkerhart.com blogge ich auch in der Richtung und die Raveline hat mich sogar mit offenen Armen empfangen, als ich nach mehr Arbeit gefragt hab. Jetzt schreib ich jeden Monat darüber, wo Rap andere Musik trifft. Vor zwei Jahren fand ich noch mit Recht alle Mash Up Experimente scheiße.

Ich hab mir dementsprechend die Musik-, Pop- und Jugendkulturwelt 2008 noch intensiver reingezogen als sowieso schon immer. Hiphop ist inzwischen so offen wie ewig nicht. Deshalb ist überhaupt nicht alles vorbei, ich rülpse zwar zu oft beim Bier auf der Südtribüne um Hipster zu sein, aber ich find geil was gerade passiert. Die Möglichkeiten sind viel größer, daraus kann man was machen. Dat sollte man jetzt nicht falsch verstehen, ich meine nicht dass dem Frauenarzt sein Bild.de Blog die Rettung der verfahrenen deutschen Rap Musik ist. Ich glaube ehrlich gesagt sogar, das Deutschland auch diesen Trend nicht nutzen wird, um endlich einen ernst zu nehmenden eigenen Sound zu bekommen. Wenn man nur Deutschland anguckt, ist wirklich NOCH nichts neues, mitreißendes da. Aber vielleicht gibt es grade ein window of opportunity für innovative (und bitte ehrliche & geile) (Rap-) Musik. Sie muss nicht mal gut sein, Qualität wird überbewertet. Die gute alte Authentizität ist wichtig.

Noch ist weder musikalisch noch was die Vermarktung angeht das Problem gelöst. Für deutschen Rap ist mal wieder eine Blase geplatzt 2008. Das Hauptproblem für Musik ist, dass die meisten keinen Weg gefunden haben auf kleinem Level mit Spaß inne backen und mit dem Gefühl, erfolgreich zu sein, Musik machen können. Alles was der Rapper tut, tut er um Überstar zu werden. Rapper werden aber keine Überstars, schon gar nicht indem sie machen was grade angesagt ist, dabei gut sind und hart hustlen. Wie ich schon Mitte des Jahres in den „Deutscher Rap beendet seine Karriere“ Artikel geschrieben hab, früher haben sich Hiphopper über ihre Hiphopper Werte definiert. Dann kam Savas und sie haben sich über ihre Skillz definiert, was ja absolut Hiphop Tradition hat. Dann kam Straßenrap und wir haben uns über krass-sein definiert. Außerdem waren alle von Straßenrapper bis Dipset oder Dirty South Fan –und nu kommts- Geschäftsmänner und wollten Erfolg. Das war legitim und cool und alles, traf nur leider auf eine zusammenbrechende Musikindustrie. Worüber definierte sich der Rap Musiker also in den Monaten bevor er 2008 den Vertstand verlor?
Erfolg.
Die Jungs weinen nicht weil sie kein Geld verdienen, sondern weil sie sich vorher darauf festgelegt hatten, dass das Geld, das sie verdienen, ihren Wert als Rapper wiederspiegelt. Heißt: alle nix wert die Rapper. Früher, als man sich über Werte oder Skillz definierte, konnte keiner beweisen dass man whack ist. Jetzt wo‘s an Verkäufen hängt ist die Whackness deutlichst zu sehen. Trauma.

Jetzt stecken wir in einem Teufelskreis, keiner kauft oder hört deutschen Rap und alle reden ihre eigene Szene schlecht. Ding is aber auch: die Musik gibt eben nicht mehr her. Zu viele versuchen Schemata zu erfüllen und jeder stellt sich vor, einen dummen 13-jährigen befriedigen zu müssen wenn er verkaufen will. Dabei muss man mit 13 nicht dumm sein und auch danach nicht mit Hiphop aufhören.

Mein Vorschlag: chillen, alles mit etwas Abstand betrachten. Dann versuchen richtig geile Musik zu machen. Ich freu mich schon drauf wenn die nächste „Fick Experimente, ich rap einfach“-Welle kommt, die wird geil. Ehrlich gesagt halte ich vom Ergebnis von Experimenten immer noch selten etwas. Aber es geht darum endlich das zu schaffen, was deutscher Rap so selten geschafft hat: Musik mit eigener und glaubhafter Identität entwickeln. Also fürs erste vielleicht alle mal ne Runde experimentieren und etwas machen, das nicht schon morgen in die Charts passen soll, sondern geil ist. Auch wenns erstmal keiner mag. Hauptsache es passt so gut wies irgendwie geht zu dir, ist anders als alles andere und deiner Meinung nach natürlich geiler. Ehrlich sein und alle Phrasen töten die sich einschleichen. Dann langsam und mit gutem Plan (den sag ich jetzt nur für Geld) etwas eigenes aufbauen, Leuten etwas bieten, Fans gewinnen. Live, im Netz, im Freundeskreis,... Negativität weglassen, wenn man alle anderen scheiße findet eventuell auch einfach mal die Fresse halten und mit denen die cool sind zusammenarbeiten. Gute, ehrliche Musik wird auch bei den Leuten ankommen. Und wenn nicht – scheiß drauf. Du machst geile Musik, fick die anderen. Im Internet werden sich schon bald immer mehr Wege finden, wie man Musik an den Mann bringen kann. Musik, Hiphop und deutscher Rap sind Anfang 2009 nicht am Arsch, sie haben durch den Zusammenbruch verdammt viele Möglichkeiten. Kann sein, dass sich viele fühlen, als wäre gerade eine Beziehung vorbei. Aber überleg mal wie viele du jetzt ficken kannst.

Frohes Neues

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1.01.2009 - Kommentar ohne Titel

Geschrieben von Anonymous
wahre worte! frohes neues übrigens
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1.01.2009 - Toxik,

Geschrieben von Anonymous
du hast Recht.

Cheers
R.
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1.01.2009 - Kommentar ohne Titel

Geschrieben von OptimusPrimeTime
Ich hab nur 5 Sätze gelesen, aber frohes neues ;)
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2.01.2009 - Gratulation

Geschrieben von Fu
Gratulation, besser hätte man es nicht sagen können.

"Aber überleg mal wie viele du jetzt ficken kannst." Wort.

Grüsse von der Insel,

Fu
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17.01.2009 - Kommentar ohne Titel

Geschrieben von Anonymous
Bester Newcomer 2009.

Liquidation!!!!!!!


http://www.youtube.com/watch?v=pg7Xrak2F-8&feature=channel_page


Get drunk!
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